Witteler & Burkhardt - Vorbildliches Energiesparen In der Wäscherei 2019

Witteler & Burkhardt, Ladenburg

Witteler & Burkhardt, Ladenburg

Auf dem Weg zur CO₂-neutralen Wäscherei


Die 2017 im baden-württembergischen Städtchen Ladenburg errichtete Großwäscherei Witteler & Burkhardt gilt schon jetzt als eine der modernsten der Welt. Durch den Einsatz innovativer Energiespartechnik ist sie außerdem auf bestem Wege zur CO₂-neutralen Wäscherei.

Ein Betrieb wie aus dem Bilderbuch. Alles wirkt aufgeräumt und luftig. Es ist angemehm kühl. Durch große Oberlichter fällt Sonnenlicht in die geräumige Halle. Die Mitarbeiter tragen adrette hellblau-weiße Kleidung und auch die Technikausstattung ist vom Feinsten. „Als wir die Wäscherei vor drei Jahren zusammen mit der Firma Kannegiesser geplant und eingerichtet haben, wurde alles an State-of-the Art-Technik verbaut, was derzeit auf dem Markt ist“, berichtet Markus Zwaller, Betriebsleiter und Mitgeschäftsführer der Großwäscherei Witteler & Burkhardt in Ladenburg. „Zweibahnige Sortieranlage, auf der zwei Kunden parallel absortiert werden können, zwei Powertrans-Waschstraßen, die täglich rund 35 Tonnen Wäsche waschen, zwei Pressen mit 47 und 35 bar, neun Doppelpostentrocker mit je 120 Kilo, zwei Großteilemangelstraßen mit Zuführanlage, zwei Kleinteilemangeln, sechs Frottee-Faltmaschinen und eine Bademantel-Legemaschine“, zählt Zwaller das Maschinensortiment auf und ergänzt: „Jede Maschine ist mit jeder anderen vernetzt. Bereits bei der Sortierung, werden alle weiteren Schritte definiert, die jedes einzelne Wäschestück vollautomatisch durch die Halle zurücklegen wird.“

Witteler & Burkhardt, Ladenburg
Großteilemangelstraße bei Witteler & Burkhardt: Die Wäscherei hat ein Tages­pensum von 35 Tonnen.
„Die weltweit modernste Großwäscherei“ hat der Südwestrundfunk, der neulich in der Landesschau Baden Würtemberg über den Vorzeigebetrieb berichtet hat, seinen Beitrag überschrieben. Und das ist keineswegs übertrieben. Denn neben Industrie-4.0-Standard wurde mit dem Wäschereineubau auch ein ehrgeiziges Energiesparkonzept umgesetzt, das vor allem auf Wärmerückgewinnung und den Einsatz von Solarenergie setzt und das die Wäscherei in wenigen Jahren komplett CO₂-neutral machen soll.

„Herzstück unserer Wärmerückgewinnungsanlage ist der Abwasser-Wärmetauscher mit zweigeteiltem STS-Tank“, erläutert Markus Zwaller und ergänzt: „Das Besondere der Anlage ist, dass diese zweistufig arbeitet.“ In der ersten Stufe wird das Frischwasser über die Gegenstromanlage vom Abwasser erwärmt, in der zweiten Stufe dann zusätzlich durch zwei Wärmetauscher an der heißen Abluftseite der Mangelstraße geführt und zurück in den Tank gepumpt. Durch diese doppelte Wärmeübertragung kann die Waschflotte bereits auf 48 Grad erwärmt werden. „Da wir mit dem 50-Grad-Waschverfahren Cool Care von Christeyns arbeiten, reicht das schon fast aus“, so Zwaller. Der Rest der benötigten Wärme wird durch einem 0,5-bar-Niederdruckdampfkessel erzeugt. Da nur die Waschflotte mit Dampf beheizt wird und alle anderen Anlagen direkt mit Gas, kann die Wäscherei auf einen Hochdruckdampferzeuger komplett verzichten. Das spart zusätzlich Energie.

Individuelle Druckluftversorgung

Für die energieeffiziente Druckluftversorgung nutzt die Wäscherei frequenzgesteuerte Kompressoren, die ihre Leistung automatisch dem aktuellen Druckluftbedarf anpassen und dadurch enorm sparsam sind. „Im Winter lässt sich die Wärmeabluft der Kompressoren zudem per Knopfdruck zur Heizung der Halle nutzen“, erläutert Zwaller. Um für den nächtlichen Bedarf nicht unnötig große Kompressoren laufen zu lassen, wurde zusätzlich ein kleinerer Kompressor eingebaut. Auch bei der Trocknung hilft High-Tech beim Sparen. Die infrarotgesteuerten Trommeltrockner schalten sich nicht wie sonst üblich nach programmierten Zeiten ab, sondern passen ihre Trocknungszeit individuell dem Feuchtigkeitsgehalt der jeweiligen Textilien an, der je nach Gewebezusammensetzung sehr unterschiedlich sein kann, wie Zwaller betont.

Aktuell liegt der durchschnittliche Energieverbrauch der Wäscherei bei 0,9 Kilowattstunden pro Kilogramm Wäsche. „Unser Ziel sind 0,8 Kilowattstunden“, sagt Markus Zwaller und auch beim Wasserverbrauch gebe es noch etwas Luft nach oben. Deswegen werde jetzt an den technischen Feinheiten geschraubt und der Waschplan weiter optimiert.

Man merkt Markus Zwaller bei jedem Wort die Begeisterung an, die ihn mit „seinem“ Betrieb verbindet. Sie rührt zum Teil auch daher, dass es die Wäscherei überhaupt noch gibt. Denn vor wenigen Jahren sah die Zukunft für die Großwäscherei alles andere als rosig aus. „Wir waren insolvent“, sagt Zwaller. Über die Gründe möchte er sich nicht so gerne äußern auch aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber, aber dass „das eine ganz, ganz schwierige Zeit“ war, daraus macht er keinen Hehl. „Damals ging es um die Entscheidung, den Betrieb weiterzuführen oder zu zerschlagen“, sagt er.

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Sortieranlage bei Witteler & Burkhardt. Jede Maschine, jeder Prozess ist miteinander verknüpft.
Dass es nicht zur Zerschlagung kam, ist vor allem Sven Witteler zu verdanken. Der Bauingenieur und Projektentwickler, dem in Ladenburg ein ganzes Gewerbegebiet gehört, hatte die Wäschereihalle 2016 zusammen mit seiner Geschäftspartnerin, der Architektin Sabrina Burkhardt, für die damalige Wäscherei Schmidt gebaut und an diese vermietet. „Als dann plötzlich Probleme auftauchen und die Wäscherei Ende 2017 Konkurs anmeldete, mussten wir gucken, was wir machen, schließlich war die Wäscherei Ankermieter in unserem Gewerbegebiet“, erzählt Witteler. Sie hätten hin und her überlegt und schließlich die Entscheidung getroffen, den Betrieb selbst zu kaufen, auch weil sie die Branche interessant fanden und weil sie großes Vertrauen in Markus Zwaller hatten, den sie während der Bauphase sehr gut kennengelernt hatten.

„Allerdings wussten wir auch, dass wir etwas anders machen müssen, als unsere Vorgänger“, sagt Sven Witteler. Kein Stein blieb auf dem anderen, alles wurde in Frage gestellt. Obwohl sie einen nagelneuen Maschinenpark übernommen hatten, investierten sie zusätzlich 1,5 Millionen Euro, kauften alle Maschinen, die geleast waren, heraus, neue Maschinen hinzu und stellten die LKW-Flotte komplett auf Euro 6 um. „Wir haben damals klare Ziele und Aufgaben für uns definiert“, berichtet Witteler. Zu den wichtigsten gehörte die Akquise von Hotelketten. Das zahle sich jetzt aus. Aktuell bekämen sie täglich zwei Anfragen neuer Kunden. Gerade habe man die beiden großen Hilton-Hotels in Frankfurt und Mainz mit insgesamt 1500 Betten als Kunden gewonnen. Und dabei soll es nicht bleiben.

Ziel: Größter Wäschereistandort Europas

„Wir wollen der größte Wäschereistandort Europas werden und uns dauerhaft in der Region etablieren“, sagt Vollblutunternehmer Witteler selbstbewusst. Das Potenzial in der Region schätzt er als „riesig“ ein. Mit dem Bau des dritten Terminals des gut 70 Kilometer entfernten Frankfurter Flughafens, das 2023 fertig sein soll, würden auch viele neue Hotels rund um Frankfurt, Heidelberg und Mannheim entstehen. Ausreichend Fläche für eine Ausweitung der Produktion der Wäscherei ist jedenfalls vorhanden. „Das Gelände bietet noch Platz für drei weitere Hallen gleicher Größe“, sagt Architektin Burkhardt. Die Planungen für den Bau einer zweiten Produktionshalle sind bereits weit vorangeschritten. Mit der Firma Kannegiesser wurde zudem ein Kooperationsvertrag geschlossen, nach dem alle neu entwickelten Maschinen des Vlothoer Unternehmens in Ladenburg getestet werden. „Dadurch werden wir auch künftig eine der modernsten Wäschereien weltweit sein“, sagt Sven Witteler stolz.

Auch an der weiteren Optimierung der CO₂-Bilanz wird fleißig gearbeitet: „Nach mehr als einem Jahr Planungszeit ist im Juli endlich unsere neue Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Halle montiert worden“, berichtet Markus Zwaller. Die Sonnenkollektoren sollen künftig 70 Prozent des gesamten Strombedarfs der Wäscherei decken. Um die Anlage so zu dimensionieren, dass auch Spitzenlasten abgedeckt werden können, hat ein Ingenieurbüro mehr als ein Jahr lang minütlich den Stromverbrauch des gesamten Betriebs erfasst.

„Mit der Fotovoltaikanlage sind wir unserem Ziel, mittelfristig eine CO₂-neutrale Wäscherei zu werden, einen bedeutenden Schritt näher gekommen“, sagt Markus Zwaller zufrieden. Das einzige, was ihm jetzt noch Sorgen bereitet, ist ausreichend Personal für die geplante Produktionsausweitung zu finden. „Bitte schreiben Sie auch, dass wir einen Schichtführer suchen“, gibt er noch augenzwinkernd mit auf den Weg.



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