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Böwe Textile Cleaning

„Die Situation in der Textilreinigerbranche ist nach wie vor fatal“

Böwe feiert in diesem Jahr 75-jähriges Markenjubiläum. Wir sprachen mit Frank Ziermann, Geschäftsführer Böwe Textile Cleaning, über den Geburtstag und sein Unternehmen sowie natürlich über die Textil­- reinigerbranche, die verschärft durch das Coronavirus in einer schweren Krise steckt. „Die Situation in der Branche ist nach wie vor fatal“, stellte der Geschäftsführer unter anderem fest. Eine Entspannung erwartet er erst Mitte nächsten Jahres.

Frank Ziermann
Frank Ziermann ist seit 2010 geschäftsführender Gesellschafter Böwe Textile Cleaning. Nach dem Abitur absolvierte er erfolgreich ein Studium Wirtschaftsingenieur­wesen und arbeitete anschließend als Vertriebsingenieur in den USA. Seit 1995 ist er im Vertrieb bei der Ziermann GmbH beschäftigt, seit 1997 ist er geschäftsführender Gesellschafter dieser Firma.
Es gilt jetzt, die richtigen Botschaften zu setzen: Die Textilreinigung bietet hohe Hygienestandards und sie ist nachhaltig.
In Japan und Korea machen Textilreiniger gute Umsätze mit der Schuh- beziehungsweise Sneaker-Reinigung. In Groß­britannien haben Firmen die Reinigung von Fellen für die Babywiege ins Angebot aufgenommen.
WRP: Herr Ziermann, die Firma Böwe ist mit ihrem Technikportfolio auf den Textilreinigungsmarkt fokussiert. Dieses Segment ist schwer getroffen. Wie erleben Ihre Kunden diese Phase, wie kommt Böwe mit dieser Krise zurecht ?

Frank Ziermann: Die Situation in den Betrieben ist nach wie vor fatal. Viele haben Umsatzeinbrüche von über 50 Prozent, sie kommen so gerade über die Runden. Die Inhaber müssen Privatvermögen in ihre Firmen stecken, um zu überleben. Viele Betriebe haben mangels Kundennachfrage nur noch an ein oder zwei Tagen in der Woche geöffnet, das Personal wurde in Kurzarbeit geschickt. Deshalb beschäftigen sie sich jetzt auch nicht mit dem Thema Neumaschineninvestition. Wenn Technik akut Probleme macht, wird notdürftig repariert oder ein Gebrauchtgerät gekauft. Das Neugeschäft ist fast komplett zum Erliegen gekommen.

So lange es keine großen Veranstaltungen wie Events, Messen, Konzerte, Theater etc. gibt, auch Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Partys, Beerdigungen und Geschäftsreisen nur eingeschränkt stattfinden können, so lange wird die Garderobe, die zu diesen Anlässen getragen wird, in den Kleiderschränken verbleiben und nicht den Weg in die Textilreinigung finden. Auch im Homeoffice reicht die Jogginghose und der Sweater. Es gibt aktuell keine beziehungsweise nur wenig Anlässe, sich formell und hübsch zu kleiden. Diese Ware ist aber zentral für das Geschäft der Textilreinigung. Wenn diese Anlässe wieder in der Breite stattfinden, dann wird das Geschäft auch in der Textilreinigung wieder Fahrt aufnehmen. Aber ich befürchte, dass die Betriebe noch eine ganze Weile, vielleicht bis Mitte nächsten Jahres, durchhalten müssen.

Schon vor der aktuellen Krise ging es der Textilreinigerbranche nicht besonders gut. Seit Jahren geht durch veränderte Tragegewohnheiten – Stichwort Freizeitkleidung – die Zahl der Teile in den Betrieben zurück. Gleichzeitig stieg und steigt die Bedeutung des Wettbewerbers Haushaltswaschmaschine. Verschärft wird dieser schleichende Rückgang der Branche dadurch, dass es immer weniger Betriebe gibt und damit die professionelle flächendeckende Versorgung mit der Dienstleistung nicht mehr gewährleistet ist. Zudem sinkt das Ausbildungs- und Qualifikationsniveau in der Branche. Das führt zu mehr Kundenreklamationen, weil bei der Bearbeitung die fachliche Kompetenz fehlt. Gleichzeitig werden Textilien in der Qualität schlechter und auch komplizierter. Ein Kunde, der bei einem Reiniger negative Erfahrungen macht, ist nicht unbedingt motiviert, diesen Betrieb wieder aufzusuchen. Beziehungsweise der Kunde kauft sich gleich Textilien, die er in seiner Waschmaschine pflegen kann. Man muss sich also nicht wundern, wenn Kunden die Dienstleistung Textilreinigung immer weniger annehmen. In dieser Entwicklung liegt für mich das Kernproblem der Branche.

WRP: Wie wird sich dieser Markt nach der Krise entwickeln ?

Ziermann: Wenn diese Krise ausgestanden ist, dann wird dieser Markt ein anderer sein als vor Corona. Es wird einen heißen Herbst geben, weil das Insolvenzschutzgesetz fallen wird. Dann muss jede Firma Insolvenz anmelden, wenn sie überschuldet ist. Viele Betriebe werden diesen Weg gehen müssen, auch in unserer Branche. Schon vor Corona hatten diese Betriebe wenig verdient, deshalb keine beziehungsweise kaum Rücklagen bilden können. Ich denke, dass das Firmensterben sich bis Mitte 2020 fortsetzen wird. In den nächsten Jahren werden bis 15 Prozent der Textilreinigungen in Deutschland aufgeben müssen.

Ein weiterer Schlag für die Branche wäre, wenn sich das Recht auf Homeoffice durchsetzt, das jüngst diskutiert wurde. Ein solches Recht auf Homeoffice würde die Branche massive Stückzahlen kosten. Schon jetzt ist absehbar, es wird in Zukunft weniger Messen und Reisen geben. Die Betriebe müssen sich darauf einrichten, nach Corona weniger Teile in die Geschäfte zu bekommen – trotz der Tatsache, das der Wettbewerb in diesem Markt kleiner werden wird. So wird sich die Teilezahl in den Betrieben in den nächsten Jahren weiter reduzieren.

WRP: Was können die Betriebe tun ?

Ziermann: Grundsätzlich müssen die Textilreinigungen endlich selbstbewusster am Markt auftreten und sich als Textilpflege-Fachleute präsentieren. Dem Endkunden muss klar vermittelt werden, dass die Pflege im Lösemittel eine Menge Vorteile bietet. Es gilt jetzt, die richtigen Botschaften in die Öffentlichkeit zu setzen. Diese sind: Die Textilreinigung bietet hohe Hygienestandards und ihre Dienste sind nachhaltig.

Weiter müssen die Betriebe noch mehr Dienstleister sein. Hier helfen unter anderem schon existierende Instrumente wie der Online-Service. Dieses Angebot kann auch helfen, die Dienstleistung Textilreinigung wieder in die Fläche zu bringen. Je weniger dicht dieses Netz ist, desto empfänglicher werden Kunden für die Botschaften der Haushaltswaschmaschine. Wie soll man als Kunde die Angebote der Textilreinigung erreichen, wenn man bis abends arbeitet ? Hier unterstützen 24-Stunden Annahme- und Ausgabestationen. Es gibt also gute fertige Lösungen, um als Betrieb erfolgreicher zu sein.

WRP: Gerade das Thema Hygiene ist in dieser Krisenzeit weiter in den Fokus der Öffentlichkeit und damit auch in die Branche gerückt. Welche Standards im Bereich Hygiene müssen Textilreinigungsbetriebe in Zukunft erfüllen ?

Ziermann: In die Textilreinigung gehören feste Standards für Hygiene – ähnlich wie sie in den Wäschereien seit vielen Jahren üblich sind und mit entsprechenden Zertifikaten Richtung Kunde dokumentiert und kommuniziert werden können. Es müssen jetzt fundierte Grundlagen geschaffen werden. Es muss offiziell untersucht und belegt werden – vielleicht durch das Robert Koch-Institut –, dass das Lösemittel im Reinigungsprozess in der Maschine zum Beispiel Viren inaktiviert.

Covid-19 ist ein sehr einfaches Virus. Wenn man seine Lipid-Schicht aufbrechen kann, wird das Virus in Folge abgetötet. Ein einfaches KWL, Per oder ein modifizierter Alkohol sowieso sollten dies leisten können. Aber es gibt heute noch viele Unbekannte hinsichtlich einer viruziden Funktionsweise eines Lösemittels in der Textilreinigung. Deshalb müssen wir jetzt unsere Hausaufgaben machen. Aus meiner Sicht kann man erst mit einer offiziellen Prüfung und Bestätigung mit dem Thema Hygiene aktuell offensiv in die Werbung gehen.

Immer wieder tauchen weltweit und oft in China gefährliche Viren wie beispielsweise SARS, Vogel- und Schweinegrippe auf. Schon vor fünf Jahren ist die Firma Böwe von Vertretern der chinesischen Regierung auf eine desinfizierende Textilreinigung angesprochen worden. Wir haben damals ein Konzept entwickelt und realisiert, das auch heute hochaktuell ist. Eine Ausgangsüberlegung: Nur allein mit Ozon, UV oder einem Biozid gibt es keine Chance, eine antiseptische Textilreinigung zu realisieren. Stattdessen muss man für jeden kritischen Bereich in der Maschine Lösungen schaffen. Wenn nur ein einziges Textil in der Maschine mit dem Virus kontaminiert ist, kann es mit dem Lösemittel abgespült werden und sich irgendwo in der Maschine festsetzen.

WRP: Wie sieht dieses Verfahren aus, das Böwe entwickelt hat ?

Ziermann: Es ist ein kombiniertes Verfahren: ­Alle Keime, die in einer Textilreinigungsmaschine mit dem Lösemittel von der Ware abgespült werden, werden in der Flüssigkeit durch eine extrem große UV-Quelle geführt. Hier wird die genetische Struktur der Keime zerstört, sie können sich nicht mehr weiter reproduzieren und sterben ab. Weiter sind in der Maschine Wasserabscheider, Tanks und Trommelgehäuse mit einer Kataphorese-Beschichtung ausgestattet. Diese Komponenten werden außerdem regelmäßig mit Ozon gespült, so kann sich hier nichts festsetzen. Abschließend wird ein feiner Biozid-Sprühnebel auf der Ware verteilt, um eventuelle Restkeime, die nicht mit dem Lösemittel oder der Trocknungsluft abgetragen wurden, sicher zu beseitigen. Das Ergebnis dieses kombinierten Verfahrens ist eine Keimreduktion von 10 hoch minus 6. Das ist bisher in der Branche unerreicht. Zum Vergleich: Mit dem Lösemittel allein ist eine maximale Keimreduktion von 10 hoch minus 2 möglich. Also: Mit diesem kombinierten Verfahren ist schon heute eine desinfizierende Reinigung möglich, dies ist auch belegbar.

Eine Textilreinigungsmaschine mit einem solchen Verfahren gewährleistet ein sicheres hygienisch optimales Ergebnis. Um einen solchen hohen Hygienestandard in der ganzen Textilreinigung realisieren zu können, müssen betriebsweit alle relevanten Prozesse entsprechend umgestellt werden. Konsequent zu Ende gedacht müsste es auch in der Textilreinigung eine reine und unreine Seite geben. Wir haben fertige Pläne für eine Durchlademaschine für Lösemittel in der Textilreinigung in der Schublade. Eine solche Maschine würde aber nicht nur in der Anschaffung eine höhere Investition bedeuten, sondern es würde im Betrieb auch eine Menge Platz benötigt, um eine reine und unreine Seite einzurichten.

Aber ist dieser ganz große Schritt mit reiner und unreiner Seite und Durchlademaschine in der Textilreinigung notwendig ? Bisher hatten wir in Europa in den Betrieben überhaupt keine Probleme mit der Hygiene. Auch jetzt in dieser Zeit ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, in einer Textilreinigung mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Natürlich ist Hygiene heute in der Öffentlichkeit noch bedeutender geworden. In Zeiten von Covid-19 wäre es als Thema ein ganz tolles Marketinginstrument, um der Textilreinigung in der Öffentlichkeit ein besseres Image zu verpassen und den Stellenwert der Dienstleistung – siehe desinfizierende Textilreinigung – zu erhöhen.

WRP: Sie haben als weitere zentrale Botschaft für die Textilreinigung das Thema Nachhaltigkeit genannt.

Ziermann: Die Haushaltswaschmaschine ist nach wie vor der größte Wettbewerber der Textilreinigungen. In diesen Maschinen wird immer mehr Wäsche mit Kunstfasern gewaschen. Durch Reibung und UV-Strahlung lösen sich Mikroplastikpartikel von den Fasern ab, die dann in der Trommel der Waschmaschine abgespült werden und mit dem Waschwasser in die Kanalisation und in die Umwelt gelangen. Hier kann für die Textilreinigung zum Beispiel das Thema Mikroplastikvermeidung in der Umwelt eine zentrale Rolle spielen. Denn in einer Textilreinigungsmaschine werden diese Mikroplastikpartikel in der Destillation aufgefangen und man kann sie anschließend sicher fachgerecht entsorgen.

Was viele Kunden auch nicht wissen: Mit einer Textilreinigungsmaschine zu arbeiten bedeutet extrem niedrige Betriebskosten. Wenn ein Kilo Wäsche gewaschen oder in der Nassreinigung bearbeitet wird, müssen Waschtenside eingesetzt werden. In der Kostenbetrachtung ist dieser Produkteinsatz um den Faktor 5 bis 7 höher als ein Kilo Textilien in der Reinigungsmaschine zu reinigen.

Sie sehen, die Textilreinigungsbetriebe haben Themen – Hygiene und Mikroplastik, dies stand vor Corona im Fokus der Öffentlichkeit –, um für ihre Dienstleistung offensiv in der Öffentlichkeit zu werben. Leider hat die Textilreinigung keine Fürsprecher. Weniger als 25 Prozent der Textilreinigungsbetriebe in Deutschland sind in einem Verband organisiert. Das macht es noch schwieriger, als Branche mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen.

WRP: Herr Ziermann, Ihre Holding übernahm 2010 den Traditionsmaschinenbauer Böwe in Augsburg. Anschließend zog die Firma nach Sasbach in den Schwarzwald um. Warum haben Sie damals das Unternehmen übernommen ?

Ziermann: In den Jahren 2008/2009 hatte die Ziermann GmbH als Vertriebsunternehmen für Textilpflegemaschinen im Bereich Neumaschinen und mit 1.400 Gebrauchtmaschinen am Lager eine gute Position im Markt erreicht. Darunter waren auch 250 Textilreinigungsmaschinen von Böwe. Damals ging es Böwe in Augsburg nicht besonders gut. Wäre der Betrieb eingestellt worden, hätte dies auch Konsequenzen gehabt für unseren Warenbestand an Böwe-Gebrauchtmaschinen – der Wiederverkauf der Maschinen wäre schwieriger geworden und dann auch nur zu geringeren Preisen.

Außerdem hatten wir uns in vielen Jahrzehnten die Marktführerschaft mit der Marke Böwe in Südwestdeutschland erkämpft. Und ein ausländisches Fremdfabrikat wollten wir als Händler für Textilreinigungsmaschinen nicht vertreten. Da ich mit Böwe schon als kleiner Junge verbunden war und auch die Firmengründer noch kennenlernen durfte, gab es auch eine gewisse emotionale Bindung zu dieser Marke. Also hatte ich entschieden, vor elf Jahren das Traditionsunternehmen zu übernehmen.

WRP: Wie hat sich Böwe – heute firmiert das Unternehmen als Böwe Textile Cleaning – seitdem entwickelt ?

Ziermann: In der mittlerweile 75-jährigen Unternehmensgeschichte hatte Böwe schon viele Namen mit Böhler & Weber, Böwe Reinigungstechnik, Böwe-Passat, Böwe Garment Care Systems und seit 1999 Böwe Textile Cleaning. Diese Entwicklung ist der Konzernstruktur geschuldet, der Böwe nach dem Verkauf der Firmengründer Böhler und Weber Ende der 1970er Jahre angehörte.

Seit Jahren gehen weltweit die Stückzahlen für Textilreinigungsmaschinen zurück. Dies ist auch an Böwe nicht spurlos vorbeigegangen und hat zu hohen Verlusten in Augsburg geführt. Durch den Kauf von Böwe durch die Ziermann Holding in Sasbach bestand die Möglichkeit, die Kostenstruktur den aktuellen Marktbedingungen anzupassen. Daher wurde der Standort Augsburg geschlossen, ein Sozialplan erstellt, der Mietvertrag gekündigt und alle Rechnungen bezahlt. Und wir sind erhobenen Hauptes von Augsburg Richtung Schwarzwald marschiert.

Heute ist Böwe ein kleines Familienunternehmen mit knapp 50 Mitarbeitern. Aber wir sind heute schneller und flexibler am Markt unterwegs und seit dem ersten Jahr der Übernahme auch profitabel.

WRP: Seit der Übernahme haben Sie das Böwe-Portfolio stetig ausgebaut. Heute liefert die Marke nicht nur Reinigungsmaschinen, sondern kann einen Betrieb komplett und aus einer Hand ausstatten.

Ziermann: Der Textilpflegemarkt hat sich in den vergangenen Jahren – das wurde schon berichtet – stark gewandelt. Nicht nur durch veränderte Tragegewohnheiten ist die Branche in Folge kleiner geworden, auch Umweltauflagen, verschiedenste Lösemittel und die günstigen Textilien, meist aus Asien, haben zu einem Rückgang der Teile in den Textilpflegebetrieben geführt.

Diese Entwicklungen machen das Geschäft für einen Hersteller von Textilreinigungsmaschinen nicht leicht. Und wenn man nur ein Produkt im Portfolio hat, wird es für uns als Hersteller und auch für unsere Händler noch mal schwieriger. Daher bietet Böwe heute das komplette Sortiment an Textilpflegemaschinen an. Natürlich inklusive der Textilreinigungsmaschine, die wir heute in verschiedensten Beladekapazitäten auch für Industrieanwendungen und für alle Lösemittel bauen. Wir sind mit diesem Sortiment in der Lage, Shop-Konzepte – das heißt komplette Textilreinigungs- beziehungsweise Wäschereieinrichtungen – zu realisieren.

Unsere Böwe-Händler können dieses Komplett­sortiment exklusiv vertreiben. Dazu bekommen sie die passenden Ersatzteile sowie Dokumentationen. Außerdem besitzen die Textilpflegemaschinen in diesem Sortiment spezielle Features, die nur bei diesen Böwe-Textilpflegemaschinen zu finden sind. Damit erhalten unsere Händler auch ein wichtiges Instrument, um regelmäßig mit dem Kunden in Kontakt zu kommen. Das war für diese in der Vergangenheit ein bisschen schwieriger. Denn eine Böwe Textilreinigungsmaschine hat eine Lebensdauer von durchschnittlich mindestens 25 Jahren.

WRP: Böwe hatte sich bis in die 1990er Jahre mit innovativer und zuverlässiger Technik zum führenden Reinigungsmaschinenhersteller weltweit entwickelt. Wie beschreiben Sie heute die Philosophie hinter dem Unternehmen und der Technik ?

Ziermann: Böwe hat die Textilpflegebranche schon immer mit innovativen Ideen maßgeblich geprägt. Unsere Philosophie ist seit der Übernahme im Jahre 2010 nicht auf Firmengröße beziehungsweise Marktanteile ausgelegt. Unternehmen, die diese Ziele ausgeben, können in Krisenzeiten – zum Beispiel während der Finanzkrise 2008/2009, aber auch jetzt in der Coronakrise – in Schwierigkeiten kommen. Unser Ziel ist es weiterhin, als kleines aber wendiges deutsches Familienunternehmen gute Maschinen zu bauen und profitabel zu sein.

WRP: Wie wird Böwe-Technik heute entwickelt und wo wird sie produziert ?

Ziermann: Die Firma Böwe bekommt von ihren Kunden, Kundendiensten und Händlern weltweit Vorschläge und Anregungen, um die Technik weiter zu entwickeln. So haben wir stets das Ohr an den Märkten und wissen, was gefragt ist. Genauso schauen wir auch auf andere Branchen und deren Lösungen und bringen natürlich auch eigene Ideen ein. Dann wird entschieden, in welche Richtungen entwickelt werden soll. Das Ganze ist ein stetiger Prozess. Einige Trends hat Böwe bewusst nie weiter verfolgt, da sie aus unserer Sicht keine Vorteile für die Textilreinigungsbranche bieten. Darunter sind Entwicklungen wie beispielsweise die Sprühtechnik oder die Dampfreinigung ohne Lösemittel.

Wir produzieren heute an den Standorten in Sasbach im Schwarzwald und in Shanghai. Bezüglich der Technik setzen wir ausschließlich auf hochwertige Materialien und Komponenten. Um sie äußerst langlebig zu machen, sind zentrale Bauteile der Maschinen bewusst überdimensioniert – schließlich muss eine Maschine mit dem Markenlogo Böwe diesen Namen auch verdienen.

WRP: Was hat Böwe in der Entwicklungspipeline für die nächsten Jahre ?

Ziermann: Böwe arbeitet permanent an der Optimierung der Produkte. Momentan wird an einer neuen Generation von Textilreinigungsmaschinen gearbeitet. Seit der Gründung der Firma vor 75 Jahren konnte das Unternehmen mit jeder Maschinengeneration neue Meilensteine in der Branche setzen. Die neue Generation wird sich durch weitere Energiereduktion, neue Destillationsverfahren und eine digitale Wartungsauswertung und Überwachung auszeichnen.

Uns und ganz besonders mir persönlich macht es einfach Spass, Technik weiter zu entwickeln. Man denkt soviel in Richtung Reinigungsmaschine. Dass ist es auch, was mich antreibt: Eine Idee zu entwickeln, umzusetzen und dann in der Praxis feststellen zu können, dass sie auch funktioniert.

Oft sind es die kleinen Details: Wenn man beispielsweise den Ansaugquerschnitt um eine Dimension erhöht, kann man die Geräuschbelastung gewaltig reduzieren. Oder einen Kondensator so weiter entwickelt, dass wir heute in unserem Jubiläumsjahr auf diese Komponente 12 Jahre Garantie geben können. Oder unser Trübungssensor. Dieser misst den Verschmutzungsgrad des Lösemittels und entscheidet, wann das Lösemittel zum Aufbereiten in Richtung Destillation geschickt werden muss. Das heißt, der Trübungssensor hilft dabei, Zeit und Energie einzusparen. Und wenn weniger geschleudert werden muss, reduziert das die mechanische Belastung der Technik. Und jeder Schleudervorgang belastet auch die Textilien. Sie sehen, wir haben bereits und wir werden auch in Zukunft tolle Lösungen für den Markt entwickeln.

WRP: Die Marke Böwe feiert in diesem Jahr 75-jähriges Jubiläum. Was plant die Firma zu diesem ­Geburtstag ?

Ziermann: Wir wollten auf der Texcare in Frankfurt unser Jubiläum feiern, jedoch hat Corona dies nicht zugelassen. Wir spielen etwas mit unseren Jubiläumszahlen 75 Jahre und geben für Premium­Line Maschinen eine verlängerte Teilegarantie auf Schweißnähte von 7 Jahren, auf die Computersteuerung 5 Jahre und 7+5=12 Jahre auf das Kondensatorsystem, Vitonklappen, Edelstahlver­rohrungen und alle Klemmringverschraubungen.

WRP: Wo wird Böwe Textile Cleaning in fünf ­Jahren stehen ? Wo sehen Sie die Wachstumsmöglich­keiten ?

Ziermann: Deutschland ist unser Heimatmarkt. Er ist von den Technikherstellern sehr gut besetzt, die Marktanteile sind vergeben. Gleichzeitig ist es kein Wachstums-, sondern ein schrumpfender Markt, die Technikhersteller können nur über Verdrängung zulegen. Deutschland ist deshalb ein schwieriger Markt. Im Vergleich dazu ist Wachstum für Böwe in Asien einfacher zu realisieren.

Wir sind uns dieser Situation durchaus bewusst und planen deshalb erst einmal in der derzeitigen Firmengröße weiter. Natürlich werden wir weiterhin gute Maschinen für alle Anwendungen der Textilpflege liefern und dabei profitabel sein. Das ist für uns elementar.

Genauso sehe ich auch hierzulande noch Potentiale für Textilreiniger. Wir hatten schon über die zentralen Themen Hygiene und Nachhaltigkeit gesprochen. Darüber hinaus müssen Betriebe immer schauen, welche Textilien im Markt noch nicht beim Textilreiniger landen. Was diese Branche gut gemacht hat: Sie hat vor 25 Jahren das Hemd aus der Wäscherei in die eigenen Betriebe geholt. Und es gibt noch weitere Möglichkeiten: In einigen asiatischen Ländern werden Handtaschen bearbeitet. In Japan und Korea machen Textilreiniger gute Umsätze mit der Schuh- beziehungsweise Sneaker-Reinigung. In Großbritannien haben Firmen die Reinigung von Fellen für die Babywiege ins Angebot aufgenommen. Diese sind einfach zu bearbeiten und erfordern keinen Bügelaufwand. Es ist also ein Artikel, bei dem der Reiniger gut verdienen kann. Es gibt auch hierzulande noch viele Möglichkeiten für diese Branche – man muss sie nur entdecken, sich damit beschäftigen und daraus neue Angebote für die Kunden schaffen.

Interview aus WRP 09-2020