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IFL Leasing

„Leasing ist auch jetzt eine sehr geeignete Option“

Die Firma IFL Leasing in Rellingen ist einer der größten Mietwäschefinanzierer in der Branche. Wir sprachen mit Geschäftsführer Stefan Carlsson und Repräsentant Marcus Wissgott über die Vorteile des Leasings in Zeiten des Coronavirus. „Leasing ist auch in dieser Krisenphase eine sehr geeignete Finanzierungsoption“, sagt Stefan Carlsson. „Leasing belastet nicht die Firmenbilanz, erweitert den Kreditspielraum und man gewinnt als Wäscherei einen zusätzlichen Finanzierungspartner.“

Stefan Carlsson
Stefan Carlsson absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Danach folgte ein BWL-Studium mit den Schwerpunkten Bank und Marketing. 1994 stieg Carlsson in das väterliche Unternehmen ein, in dem er schon während der Schul- und Uni-Ausbildung aushilfsweise gearbeitet hatte. Er lernte das Leasing-Geschäft von der Pike auf, beginnend als Sacharbeiter. Seit 2000 ist Carlsson alleiniger Geschäftsführer und Mitgesellschafter des Unternehmens.
Marcus Wissgott
Marcus Wissgott absolvierte nach der Fachhochschulreife eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Danach erfolgte eine Ausbildung zum Dentalkaufmann und die anschließende Betreuung von Zahnmedizinern im Außendienst. Seit 2002 ist er als Repräsentant für die IFL Industrie-Leasing GmbH und für die LAK Leasing für Altenheime und Krankenhäuser GmbH tätig. Sein Schwerpunkt ist die bundesweite Betreuung der Textildienstleistungsbranche.
Die ganze Umwelt­thematik wird in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Dann wird auch das Thema Wasser zunehmend in den Branchenfokus drängen.“ Stefan Carlsson
WRP: Herr Carlsson, Herr Wissgott. IFL Leasing hat Wäschereien als Kunden, die in allen Marktsegmenten der Branche ihre Services offerieren. Wie sieht‘s mit dem Investitionsverhalten dieser Kunden in dieser schwierigen Zeit aus ?

Stefan Carlsson: Das ist unterschiedlich. Wir sehen an unserem Neugeschäft, dass während des Lockdowns in allen Marktsegmenten mit Mietwäsche weniger neue Textilien eingekauft wurden und auch noch werden als vor der Krise. Im Bereich Technikinvestitionen kann man eine so pauschale Aussage nicht so einfach machen. Es gibt Wäschereien, die in dieser Phase durch massive Umsatzeinbrüche alles auf den Prüfstand stellen mussten, auch ihre Investitionsplanungen. Und es gibt eine Menge Wäschereien, die auch jetzt über weitere betriebliche Rationalisierungsmaßnahmen nachdenken und diese auch umsetzen möchten. Nach wie vor sind Personalkosten in den Wäschereien der größte Kostenfaktor. Viele Betriebe investieren deshalb auch jetzt in moderne Technik, um diesen Kostenfaktor zu minimieren. Zudem haben Wäschereien schon seit Jahren immer größere Schwierigkeiten – das wird sich in Zukunft auch nicht ändern –, überhaupt Mitarbeiter zu rekrutieren, ganz abgesehen von qualifiziertem und zudem motiviertem Personal.

Marcus Wissgott: Viele Wäschereien arbeiteten vor der Corona-Krise mit 80, 90 oder sogar 100 Prozent Auslastung. Dann kam der Lockdown. Die Betriebe mussten ganz plötzlich deutlich ihre Produktionen herunterfahren, denn von einem Tag auf den anderen war viel weniger oder gar keine Wäsche mehr zu waschen. Schichten wurden zusammengestrichen, Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Jetzt fahren diese Wäschereien ihre Leistung wieder höher.

Trotzdem ist den Betrieben natürlich klar, dass sie ihre Vor-Corona-Auslastungszahlen zumindest absehbar nicht wieder erreichen werden. Aber wie schaffen sie es heute, mit 60 oder 70 Prozent Last kostendeckend und möglichst gewinnbringend zu produzieren ? Effizienter zu werden ist dann ein wichtiges Stichwort. Deshalb nutzen unsere Kunden aktuell die Zeit, um daran zu arbeiten. Das kann manchmal allein durch eine neue Struktur in den Prozessen erreicht werden, manchmal ist neue Technik notwendig. Die Wäschereien müssen natürlich schon jetzt die Zeit nach Corona planen. Sie müssen die Folgen des Virus für ihr Geschäft kalkulieren und darauf neue Antworten und Lösungen finden.

Carlsson: Wäschereien, die jetzt diesen Schritt zu mehr Effizienz nicht weiter gehen und nicht investieren, die werden absehbar Probleme bekommen. Um im Wettbewerb bestehen zu können, brauchen sie effiziente Maschinen, Abläufe und Prozesse. Wäschereien müssen auch immer digitaler werden. Diese Entwicklung hilft den Betrieben, neue Services für ihre Kunden anbieten zu können. Gleichzeitig steigern moderne Softwarelösungen die Transparenz und damit die Effizienz in den Wäschereien. Welche Kunden sind betriebswirtschaftlich sinnvoll, welche Touren lohnen sich ? Soll die Wäscherei mehr Wäsche pro Standort vorhalten, um dafür weniger fahren zu müssen ? Diese Fragen sind in dieser Krisensituation noch entscheidender geworden. Wir helfen unseren Kunden mit unseren Leasingangeboten, dass sie auf diese Fragen mit den richtigen Antworten reagieren können. Wäschereien, die diesbezüglich nach vorne denken, werden auch gut durch diese schwere Phase kommen.

WRP: Wenn Wäschereien jetzt investieren: Warum sollen sie dann auch über die Finanzierungslösung Leasing nachdenken ?

Carlsson: Für die Finanzierungslösung Leasing sprechen gerade jetzt eine Reihe sehr guter Gründe. Erstens ist Leasing nicht bilanzwirksam, es belastet nicht das Eigenkapital der Wäscherei. Zwar ist die Insolvenzantragspflicht wegen Überschuldung momentan ausgesetzt, sie wird aber wiederkommen. Wenn eine Wäscherei durch Corona Umsatzverluste erleidet, gleichzeitig mehrere Kredite bedient werden müssen und in Folge nach und nach das Eigenkapital schwindet – dann kann es schnell Probleme geben, wenn die Insolvenzantragspflicht wieder gilt. Und ganz wichtig: Leasing schont die freie Liquidität.

Wissgott: Der Lockdown kam in einer absoluten Boomphase der Wäschereien. 2018 und auch 2019 waren starke Jahre für die Branche, sie hat in dieser Zeit immer weiter Fahrt aufgenommen. Aus diesem Grund war in den Wäschereien auch relativ viel freie Liquidität vorhanden, Investitionen konnten aus den Gewinnen getätigt werden. Jetzt zeigt Corona, wie wichtig die eigene freie Liquidität ist, um flexibel auf die immer neuen Anforderungen reagieren zu können. Deshalb ist es gerade jetzt eine gute Strategie, für Investitionen Fremdkapital aufzunehmen. Leasing ist in dieser Zeit eine sehr geeignete Finanzierungsoption. Sie entlastet nicht nur die Firmenbilanz, sie erweitert zusätzlich den finanziellen Spielraum.

Mit dem Leasingmodell gewinnt die Wäscherei einen zusätzlichen Finanzierungspartner. Es ist heute wichtig, sich als Unternehmen auch auf der Finanzierungsseite breiter aufzustellen. Schon jetzt werden Creditreform-Auskünfte für Wäschereien schlechter. Und diese negativeren Auskünfte werden so manchen Finanzierungspartner veranlassen, aus diesem Geschäft auszusteigen. Weil viele Wäschereien seit dem Start der Corona-Krise weniger Umsatz machen und die Gewinne kleiner ausfallen, wirkt sich das negativ auf ihre Bilanzen in 2020 aus. In Folge bekommen die Wäschereien ein schlechteres Rating bei ihren Banken und die Kosten für Fremdkapital steigen. Weil der Wäschereimarkt 2020 insgesamt schwächer sein wird als in den Vorjahren, wird die gesamte Branche von den Banken auf Sicht negativer betrachtet werden. Und wenn die ersten Insolvenzen vermeldet werden müssen – und das wird passieren – dann gehen bei vielen Banken die roten Warnlampen an.

Carlsson: Leasing bietet zudem eine hohe Flexibilität. Im Gespräch mit unserem Kunden wird eine Lösung erarbeitet, die exakt zu ihm passt. Zum Beispiel hinsichtlich der Leasinglaufzeiten. Deswegen ist für uns der persönliche Kontakt zum Kunden außerordentlich wichtig.

WRP: Nicht nur die Wäschereien sind durch die jetzige Krise gebeutelt, auch die Banken müssen in Folge von Corona mit erhöhten Kreditausfällen rechnen. Was bedeutet das für das Bankengeschäft und in Folge für die Bankkunden ?

Carlsson: Es ist sehr wahrscheinlich, dass es zu erhöhten Kreditausfällen insgesamt in der Wirtschaft kommen wird. Jeder Kreditausfall minimiert aber den Gewinn einer Bank. Er muss als Verlust gebucht werden, damit verringert sich das Eigenkapital der Bank.

Wenn eine Wäscherei in neue Technik investieren und dafür einen Hausbankkredit aufnehmen möchte, dann wird ein solcher Kredit durch langlebige Wirtschaftsgüter wie die firmeneigene Immobile abgesichert. Dagegen sind Wäschereiausstattungen wie neue Mietwäsche oder auch ein neues Marketing- oder Vertriebskonzept für diese Hausbank immer Blanko-Geschäfte. Es sind ungesicherte Finanzierungen. Blanko-Finanzierungen müssen von einer Bank mit mehr Eigenkapital unterlegt werden als es bei gedeckten beziehungsweise teilgedeckten Geschäften notwendig ist. Dieses Eigenkapital ist in jedem Kreditinstitut ein knappes Gut. Und weil dieses Eigenkapital außerdem von den Kreditausfällen bedroht ist, versuchen Banken schon jetzt das Geschäft mit Blanko-Finanzierungen immer weiter zu reduzieren. Das macht zum Beispiel eine Wäschefinanzierung über die Hausbank in Zukunft zumindest komplizierter, wenn nicht sogar unmöglich.

Wissgott: Bei der Finanzierung der Mietwäsche muss jede Wäscherei ihren Weg suchen. Wenn sie eine sehr gute Bonität besitzt – sie hat sozusagen unbegrenzte Blanko-Möglichkeiten –, dann kann sie natürlich diese nutzen oder die Wäsche selbst finanzieren. Das geht aber zu Lasten des Eigenkapitals der Wäscherei. Und das sollte – wie schon erwähnt – gerade in dieser Zeit möglichst unangetastet bleiben. Das Leasing der Wäsche ist für die Betriebe deshalb heute noch attraktiver als in normalen Zeiten. Auch weil man als Leasingnehmer seine Passivseite, also die Finanzierungsseite, auf mehrere Standbeine stellt. Das bedeutet auch, dass jetzt auch die Firmen Leasing in Betracht ziehen sollten, die bisher über diese Lösung nicht nachgedacht haben.

WRP: Dann versteht sich IFL Leasing idealerweise als zusätzlicher Partner im Finanzierungsportfolio der Wäschereien ?

Carlsson: Richtig. Mit unseren Leasingangeboten ergänzen wir das Gesamtfinanzierungspaket der Wäscherei. Wir sind bei unseren Kunden nie der einzige Finanzierungspartner, so wie es zum Beispiel in der Vergangenheit vielleicht eine Hausbank der Wäscherei anstrebte. Wir sehen uns immer als Bestandteil eines Finanzierungspaketes.

Es zeigt sich mittlerweile in vielen Gesprächen, dass auch die Banken ihren Wäschereikunden empfehlen, ihre Finanzierungen breiter zu verteilen. Auch die Banken möchten ihre Risiken minimieren. Natürlich bietet sich an dieser Stelle das Leasing für die Wäschereien an. Schon jetzt ist ein vernünftiger Mix bei der Finanzierung unheimlich wichtig und dies wird in Zukunft noch wichtiger werden.

Wissgott: Dies ist auch die richtige Strategie, wenn man auf die Finanzkrise 2008/2009 zurückblickt – denn die Folgen damals spürten auch die Hausbanken. Deshalb haben schon damals Wäschereien ihre Finanzierungsstrategien überdacht, heute forciert Corona diese Entwicklung noch einmal.

WRP: Welche Ausstattungen können ihre Kunden leasen ?

Wissgott: Viele Ausstattungen in einer Wäscherei sind leasingfähig. Von der EDV, über Software, Büromöbel, Maschinen neu und gebraucht, natürlich auch Flachwäsche und Berufskleidung bis hin zu RFID-Chips und Lesesystemen, außerdem alles, was zur Wäschereilogistik wie zum Beispiel Container etc. gehört.

WRP: Welche Kunden bedient IFL in den verschiedenen Marktsegmenten ?

Wissgott: Neben den Wäschereien betreuen wir Kunden in den Bereichen Hotel, Krankenhaus und Pflegeheime. Hier unterstützen wir sie mit Ausstattungsfinanzierungen, zum Beispiel für das Mobiliar oder technisches Equipment. Außerdem finanzieren wir im Leasing im kleineren Umfang auch gewerbliche Kunden.

WRP: Bietet die Firma IFL ihren Kunden verschiedene Leasingmodelle an ? Werden diese auf die speziellen Anforderungen der Kunden individuell zugeschnitten ?

Carlsson: Wir haben für unsere Kunden den Einzel- und den Rahmenleasingvertrag im Portfolio. In der Regel schließen wir mit bestehenden Kunden Rahmenvereinbarungen ausgestattet mit einer fixen Summe und Laufzeit ab. Der Kunde kann sich dann in diesem Rahmen frei bewegen und in Form von Einzelverträgen Volumen abrufen. Wir als Leasinggeber wissen dann oft gar nicht, ob die Wäscherei für einen neuen Kunden Textilien einkauft oder technische Ersatzinvestitionen leistet. Der Rahmenleasingvertrag ist sehr flexibel. Er funktioniert ähnlich wie ein Kontokorrentkredit einer Hausbank.

Dieses Modell ist eine gut funktionierende und bewährte Lösung. Für uns als Leasinggeber ist es auch einfach im Handling, weil ein Antrag für diesen Rahmenvertrag nur einmal geprüft werden muss. Erst wenn er ausläuft, prüfen wir erneut die Bonität des Kunden. Natürlich begleiten wir auch den Kunden, wenn er außerhalb seines Rahmens zum Beispiel bei einer großen Ausschreibung für ein neues Krankenhaus mitmachen möchte und im Vorfeld eine Zusage benötigt.

Außerdem bieten wir einen Einzelleasingvertrag an. Zum Beispiel gewinnt eine Wäscherei einen neuen Kunden und muss für ihn neue Wäsche kaufen. Dann wird ein Leasingvertrag in Höhe der benötigten Investition abgeschlossen. Der Einzelleasingvertrag ist also das richtige Werkzeug für Einzelinvestitionen.

WRP: Die Branche und ihre Akteure, die Wäschereien, entwickeln sich immer weiter. Sind in Zukunft – auch bedingt durch die aktuelle Krise – neue Leasingmodelle, zum Beispiel solche, die in anderen Branchen schon Realität sind, vorstellbar ?

Carlsson: Aktuell sind für mich keine neuen Modelle vorstellbar beziehungsweise sie sind nicht offensichtlich. Unsere beiden Angebote decken alle aktuellen und schon absehbaren zukünftigen Anforderungen der Wäschereien ab. In anderen Branchen und Bereichen sind zwar schon neue Leasingmodelle im Einsatz, die sich aus meiner Sicht aber heute auf die Wäschereibranche nicht übertragen lassen.

Wissgott: Ein Beispiel ist das Operate Leasing. Hier ist der Leasinggegenstand zum Beispiel ein Auto. Das wird nach drei Jahren zurückgegeben und der Leasingnehmer bekommt ein neues Modell vor die Tür gestellt. Dieses Leasingkonzept ist für eine Waschstraße nicht realistisch, weil diese in der Regel 10 bis 15 Jahre eingesetzt werden soll. Es gibt ganz einfach kaum Objekte in der Wäscherei, bei denen nur die Nutzung im Vordergrund steht. Wir bieten ein Finance-Leasing an, in der Regel übernimmt der Kunde am Ende das Leasingobjekt.

Carlsson: Das wir individuell auf die spezifischen Anforderungen unserer Kunden eingehen und zum Beispiel den Vertrag von der Laufzeit optimal passend gestalten, ist natürlich selbstverständlich.

WRP: Nach Corona wird die Textilpflegebranche in Deutschland sicher eine andere sein. Wie wird sie dann aussehen ?

Carlsson: Das ist schwierig zu prognostizieren. Diese Branche hängt zumindest in Teilbereichen stark am Tourismus. Hier wird es sicherlich Veränderungen geben. Zum Beispiel, dass bestimmte Hotelkapazitäten im Zweifel gar nicht mehr gebraucht werden oder deutlich weniger Auslastung haben und damit weniger Wäsche benötigen.

Wäschereien, die schon vor Corona Schwierigkeiten hatten, werden leider aus dem Markt verschwinden. Selbst Kredite oder Überbrückungsgelder werden ihnen nicht helfen, weil diese Hilfen wieder zurückgezahlt werden müssen. Die Betriebe, die gut aufgestellt sind und so eine vernünftige Rendite erwirtschaften können, werden auch das Coronavirus überleben. Es sind auch die Wäschereien, die jetzt in ihre Zukunft investieren, sich weiter optimieren und noch effizienter werden.

Wenn man den Gesundheitsmarkt betrachtet, wird er auch nach Corona nicht viel anders aussehen. Die Krankenhäuser werden wieder auf Normalbetrieb umstellen. Im Bereich Pflege wird die Zahl der Plätze weiter steigen, so dass diese Wäsche vielleicht das geringere Hotelgeschäft ein wenig auffangen kann. Wichtig ist, dass die Wäschereien sich technologisch gut aufstellen, die ganze Umweltthematik wird in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Dann wird auch das Thema Wasser zunehmend in den Branchenfokus drängen. Man muss sich nur anschauen, wie sich hierzulande die Niederschlagsmengen in den letzten Jahren entwickelt haben.

Wissgott: Was wir über diese großen Branchentrends hinaus eher auf der Wäschereiperspektive beobachten: Betriebe, die Hotels versorgen, haben üblicherweise eine Kontraktgestaltung, dass sie als Dienstleister das volle Belegungsrisiko des Hotels übernehmen. Heißt: Wenn das Hotel wenig Auslastung hat und die Wäsche sich dadurch wenig dreht, dann verdient die Wäscherei auch weniger beziehungsweise gar nichts. Durch Corona – viele Hotels mussten schließen – haben viele Wäschereien diese Unwucht in der Kontraktgestaltung schmerzlich erfahren müssen. Denn die Wäsche ist in den Hotels geblieben. Deshalb fordern viele Wäschereien jetzt eine Bestandsmiete für ihre Wäsche, um ihr Umsatzrisiko zu minimieren. Schließlich haben sie Wäsche für diesen Kunden angeschafft und in den Preis für ihre Services auch eine gewisse Auslastung des Hotels mit einkalkuliert. Ich denke, dass nach diesen Erfahrungen sich die Bestandsmiete in den Verträgen zukünftig weiter durchsetzen wird. Die Wäschereien für Berufskleidung haben dieses Prinzip schon seit langem bei ihren Kunden platzieren können.

Interview aus WRP 10-2020