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CHT Germany

Smart Technology für eine clevere Wäschereidienstleistung

Die Tübinger CHT Gruppe macht ihr Geschäftsfeld Textilpflege noch smarter. Unter dem Dach der „Smart Technologies“ finden Kunden jetzt ein Gesamtkonzept. Dieses besteht aus Waschverfahren, Dosiersystemen sowie umfangreichen Service- und Laborleistungen, abstimmbar auf unterschiedlichste Anforderungen. „Unsere Smart Technologies unterstützen Wäschereien, damit sie ihre Kunden mit einer hochwertigen, nachhaltigen und verlässlichen Dienstleistung versorgen können“, sagt Prince C. Stevens, Leiter Textile Care bei CHT.

P.C. Stevens
P. C. Stevens, 1961 in Stuttgart geboren, ist bei CHT Leiter der Geschäftseinheit Textilpflege. Er ist staatlich geprüfter Textil­techniker und war insgesamt 14 Jahre in Produktions­betrieben der Textilindustrie beschäftigt. 1991 trat Stevens in den Außendienst der CHT ein, damals für den Vertrieb von Textilveredlungschemikalien. P.C. Stevens hat innerhalb der CHT die Geschäftseinheit Textilpflege aufgebaut und blickt inzwischen auf fast 30 erfolgreiche Jahre im Vertrieb zurück. Seit nunmehr über 40 Jahren beschäftigt er sich mit der Kombination Textil und Chemie.
Wäschereien sollten zu jeder Zeit unabhängig vom Waschmittel­techniker die wichtigsten Wasch­parameter prüfen können.“ P. C. Stevens
Auch das ist einmalig: Wir verfügen über das gesamte Know-how in der textilen Kette.“ P. C. Stevens
Unser Erfolgs­konzept kurz und knapp: Weniger schwätze, mehr schaffe.“ P. C. Stevens
WRP: Herr Stevens, in diesem Jahr steht die Messe Texcare International in Frankfurt absolut im Branchenfokus. Was wird CHT zeigen, worauf können sich Besucher freuen ?

Prince C. Stevens: Unsere Präsentation auf der Texcare steht ganz im Zeichen der Smart Technologies. Dieses Paket besteht aus verschiedenen Bausteinen unter einem gemeinsamen Dach. Dazu gehören das Waschverfahren Smart UV Power auf Basis von UVC-Technologie, Smart Dosing, Smart Glasses, Smart Energy und Smart Lab. Die Bausteine helfen einzeln, kombiniert oder als Gesamtpaket, dass Wäschereien ihre Kunden mit einer sicheren, effizienten und nachhaltigen Dienstleistung versorgen können.

WRP: Service wird in der Branche sowohl auf Kunden- als auch Lieferantenseite immer wichtiger. Was leistet CHT in diesem Bereich ?

Stevens: Ein guter Kundenservice war und ist von zentraler Bedeutung für die CHT. Wir leisten mit unseren Smart Services schon sehr viel, machen uns natürlich trotzdem Gedanken, wie wir unsere Angebote im Sinne der Kunden erweitern können. Ein ganz neues Servicewerkzeug für unsere Kunden sind Smart Glasses beziehungsweise Datenbrillen. Wir setzen auf diese tragbaren Computer, um für Wäschereien einen schnellst möglichen Service zu gewährleisten. Beispiel: Der Kunde ruft beim CHT-Service an, weil seine Wäsche gelb ist. Der Servicetechniker kontrolliert per Fernzugriff online die Dosiertechnik in der Wäscherei und stellt zum Beispiel fest, dass der ph-Wert nicht korrekt ist. Mittlerweile hat der Kunde die Smart Glasses aufgesetzt und der Techniker bekommt auf seinem Computer exakt das gespiegelt was der Kunde sieht. Beide können jetzt weiter nach der Ursache des Problems forschen. Zum Beispiel kann der Kunde unter Anleitung des Technikers Pumpen und Schläuche kontrollieren, Programme öffnen, Werte checken usw. Vielleicht stellt man jetzt fest, dass eine Einstellung nicht korrekt ist. Diese kann der Kunde – wieder unter der Regie des Technikers per Mausanzeige in das Sichtfeld der Smart Glasses – korrigieren. Das ist auch ein gutes Beispiel für den Einsatz der Smart Glasses im Bereich Smart Dosing.

Gestartet sind wir mit den Datenbrillen Anfang 2019 bei einem Kunden, seit Ende 2019 sind sie in sechs Wäschereien in einem Pilotprojekt im Einsatz. Jetzt sind wir soweit, unseren Kunden diesen erweiterten Service anbieten zu können. Wir werden die Smart Glasses in Frankfurt vorführen, Besucher können sie dann auch ausprobieren.

Der Einsatz der Smart Glasses soll aber nicht unsere bewährten Smart Services vor Ort ersetzen. Er ist gedacht für den Notfall, wenn der zuständige Servicetechniker zwei, drei Stunden entfernt ist. Trotzdem hat er dann über seinen Computer einen superschnellen Zugriff, um das Problem zu lösen.

WRP: Welche weiteren Angebote umfassen die Smart Services ?

Stevens: In unseren Smart Services wird auch das Thema Prozesssicherung sehr groß geschrieben. Dazu bieten wir unseren Kunden eine Einheit an, mit der man vor Ort Titrieren kann. Die Titrier­einheit ist schnell einsetzbar, einfach zu bedienen und liefert zuverlässige Ergebnisse unabhängig von Marke und Alter der Waschtechnik. Man muss lediglich eine Probe aus der Waschkammer entnehmen, alles andere wird von der Titriereinheit erledigt. Schon nach wenigen Minuten hat die Wäscherei Informationen über wichtigste Parameter wie Sauerstoffgehalt, ph-Wert, Temperatur, Leitfähigkeit etc. Und all diese Informationen und Daten – das ist ganz wichtig – werden parallel auf einem Computer gespeichert. Das ist für eine Dokumention elementar, auch um zum Beispiel bei Problemen Belege und Nachweise führen zu können. Möglich ist auch eine Ampelfunktion, die dem Kunden anzeigt, dass alles in Ordnung ist (grün), etwas kontrolliert werden muss (gelb) oder im Verfahren ein größerer Fehler steckt (rot).

Wir empfehlen unseren Kunden, die Titriereinheit mindestens alle zwei Stunden einzusetzen. Der Umgang mit ihr ist schnell erlernt, wir geben auch gerne Unterstützung durch unseren Service.

WRP: Warum sollte die Wäscherei selbst titrieren ? Dies gehört heute doch zum Aufgabengebiet des Waschmitteltechnikers ?

Stevens: Wäschereien sollten zu jeder Zeit unabhängig vom Waschmitteltechniker die wichtigsten Waschparameter prüfen können – gerade wenn es um den sensiblen Bereich Gesundheitshauswäsche geht. Manche Betriebe bearbeiten täglich 100 Tonnen Wäsche oder mehr. Dann können nicht korrekt eingestellte Verfahren schnell hohe Folgekosten bedeuten. Geht es um ein sicheres Verfahren, verlässt man sich heute komplett auf die Dosiertechnik, die deshalb zu 100 Prozent exakt arbeiten muss. Aber wir wissen alle aus der Praxis, dass mal eine Pumpe nicht richtig funktioniert, mal eine Zuleitung verstopft oder das Gebinde leer ist. Und schon ist das Waschergebnis nicht mehr optimal.

Hier bieten die in der Branche üblichen Gütezeichen und Zertifikate auch keine Sicherheit. Diese sollen anzeigen, dass in der Wäscherei sichere Prozesse stattfinden. Sie stellen aber nicht nur Momentaufnahmen dar, sondern prüfen auch nicht kontinuierlich die Parameter, die für einen hygienischen Prozess entscheidend sind. Auch diese Lücke schließt die CHT mit diesem Angebot.

Und es gibt einen weiteren, wichtigen Aspekt zu diesem Thema: Wenn Wäschereien selbst titrieren, dann lernen Mitarbeiter auch wieder, warum Peroxid, eine Säure oder ein Alkali dosiert werden. Das Verständnis steigt, weil sie den Prozess wieder besser verstehen. Wir Waschmittellieferanten haben den Wäschereien diesbezüglich ein Stück Know-how abgenommen. Dies wollen wir ihnen wieder zurückgeben. Das Wissen um die Verfahren ist für die Betriebe essentiell wichtig. Denn letztlich tragen sie gegenüber dem Kunden immer die Verantwortung, wenn etwas schief läuft. Es ist ihr Ruf, der auf dem Spiel steht.

WRP: Was macht die Dosiertechnik von CHT smart ?

Stevens: Der Baustein Smart Dosing beinhaltet neueste voll digitalisierte Dosiertechnik. Die Anlagen werden individuell auf die Anforderungen jedes Kunden zugeschnitten, deshalb ist jedes System ein Unikat. Wir entwickeln die Anlagen ständig weiter, jetzt ist unter anderem ein Sofortzugriff möglich. Wenn der Kunde es wünscht, können wir zum Beispiel die Gebinde erfassen und aktuelle Inhalte feststellen. Unser Einkauf bekommt dann automatisch ein Signal, wenn wieder nachgeliefert werden muss. Dank Smart Dosing können wir dem Kunden sein gesamtes Bestellwesen im Bereich Chemie abnehmen.

WRP: Ein seit vielen Jahren wichtiges Thema in den Betrieben ist das Energie- und Wassersparen. Wie unterstützt CHT hier die Kunden ?

Stevens: Wir offerieren nicht nur Waschverfahren und Dosiersysteme, die effizient und ökonomisch arbeiten. CHT bietet innerhalb des Bausteins Smart Energy zum Beispiel eine Energieberatung vor Ort in den Wäschereien an. Wir setzen dann unter anderem Wärmebildkameras ein, um zu erkennen, wo Wärmeverluste in den Bereichen Waschsystem und Mangel auftreten. Aufbauend auf dieser Analyse machen wir dem Kunden Vorschläge, wo er ansetzen kann, um weitere Einsparungen zu erzielen.

Komplettiert werden unsere Smart Technologies durch den Bereich Smart Lab. In diesem Baustein konzentrieren sich unterschiedlichste Laborleistungen für Wäschereien – von der Produkt-, Textil- bis hin zur Wasseranalytik. Es gibt nach meiner Kenntnis keinen zweiten Anbieter in der Branche, der für seine Kunden solche Laborkapazitäten einsetzen kann.

Wir können in der textilen Kette auch weiter zurückgehen. Schon seit Jahrzehnten sind viele Textilhersteller Stammkunden der CHT. Auch hier können wir direkt Einfluss nehmen, weil diese Hersteller unsere Chemie und unsere Farben einsetzen. Auch das ist einmalig: Wir verfügen über das gesamte Know-how in der textilen Kette.

WRP: Ein Schwerpunkt der CHT-Präsentation in Frankfurt wird sicherlich auch das Waschverfahren Smart UV Power sein. Es wurde vor zwei Jahren als „Revolution“ für die Branche vorgestellt. Wie ist es seitdem gelaufen, wie ist heute die Akzeptanz des Verfahrens im hiesigen oder im internationalen Markt ?

Stevens: Mit Jahresstart 2018 fand die offizielle Markteinführung für Smart UV Power statt. Seit dem Rollout haben wir bis dato mehr als 100 In­stallationen in Deutschland, Spanien, Großbritannien, Frankreich, Österreich, in der Schweiz und in den USA erfolgreich realisiert. Im Schnitt wurden bisher in jedem Monat zwischen 5 und 6 Wäschereien auf Smart UV Power umgestellt. All diese Kunden sind mehr als zufrieden, dies macht uns auch ein bisschen stolz. Es passiert leider häufiger, dass speziell bei einem neuen Waschverfahren so manche Kinderkrankheit kuriert werden muss. Bei Smart UV Power hat alles von Anfang an geklappt, wir haben nicht eine einzige Reklamation erhalten – auch das ist nachhaltig.

WRP: Welche Bedeutung hat Smart UV Power heute für CHT ?

Stevens: Es ist unser Herz bei Waschverfahren auf Taktwaschanlagen und es ist nicht mehr wegzudenken. Aber natürlich haben wir weitere Lösungen in unserem Sortiment, insgesamt sind es acht Waschverfahren.

Aktuell fordert der Markt nur Smart UV Power. Er sieht die Vorteile des Systems: 30 Prozent weniger Chemie sind ein starkes Argument, genauso wie die erzielbaren Wassereinsparungen. Und wenn im Prozess weniger Wasser benötigt wird, minimiert das gleichzeitig den Energieeinsatz. Smart UV Power wäscht chlorfrei und bietet im Hinblick Hygiene eine doppelte Sicherheit. Mit dem Verfahren werden exzellente Waschergebnisse erzielt mit einer optimalen Fleckentfernung und hoher Faserschonung. Außerdem reduziert Smart UV Power CSB und TOC im Abwasser.

Von all diesen Vorzügen profitieren die Wäschereien intern, sie können diese auch nach außen zu ihren Kunden tragen. Auf Wunsch unterstützen wir die Marketingabteilungen der Wäschereien dabei. Das Verfahren Smart UV Power unterstreicht somit Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit. Und das passt doch absolut in den aktuellen Zeitgeist mit dem Fokus auf die Umwelt.

WRP: Kann das Verfahren in jedem Betrieb eingerichtet werden ?

Stevens: Smart UV Power kann an allen gängigen Taktwaschanlage im Markt installiert werden. Wenn ein Kunde Interesse an dem Verfahren hat und einen Waschtest machen möchte, dann sind wir innerhalb einer Woche soweit, ihm das notwendige Equipment fix und fertig anzuliefern. Die Installation der Hardware wird von uns über Nacht oder an einem Sonntag durchgeführt. Es gibt also keinen Produktionsstillstand in der Wäscherei. Dann kann der Kunde in aller Ruhe Smart UV Power mit seinem Wäscheportfolio testen und auch prüfen, ob die von uns im Vorfeld berechneten Einsparungen bei Chemie, Wasser und Energie realisiert werden.

WRP: CHT wird auf der Texcare auch ein brandneues Alleinwaschmittel mit living bacterias – lebenden Bakterien – präsentieren. Welche Bakterien werden hier eingesetzt ?

Stevens: Das Flüssigwaschmittel ist ganz neu und stellt definitiv ein echtes Highlight im Waschmittelbereich dar. Es beinhaltet traditionelle Komponenten wie Tenside, waschaktive Substanzen, zum Teil Aufheller und Komplexbildner. Diese werden ergänzt von den living bacterias, sie spielen eine ganz besondere Rolle. Proteasen, Amylasen, Lipasen und ganz wichtig Ureasen bilden zusammen einen hochwirksamen Cocktail, der einen einzigartigen Wascheffekt möglich macht. Man kann allein mit diesem Waschmittel waschen. Wenn man noch desinfizieren möchte, wird eine weitere Komponente mit entsprechenden Eigenschaften benötigt.

WRP: Welche Vorteile hat die Neuheit ?

Stevens: Ein wesentlicher Vorzug des neuen Flüssigwaschmittels ist die hohe Waschkraft und dass man von der Vielzahl der Einzelkomponenten wieder etwas wegkommt. Eine Vielzahl an Einzelprodukten bedeutet gleichzeitig eine Vielzahl an Dosierpumpen. Damit steigt auch das Risiko, wenn mal eine Dosierstelle ausfällt. Das neue Flüssigwaschmittel besitzt hervorragende netzende Eigenschaften. So kann die gesamte Waschflotte sehr rasch in das Waschgut diffundieren und die Ingredienzien können sofort ihre volle Wirkung entfalten. Die living bacterias zersetzen eiweißhaltige Verschmutzungen gleich in der Vorwäsche und das darin enthaltene ökologische Lösungsmittel löst zugleich fetthaltige Verschmutzungen aller Art an. Es können auch Flecken entfernt werden, die bisher nur mit Chlor entfernt werden konnten.

Die Neuheit hat eine sehr hohe Stabilität und ist völlig unkritisch bei der Lagerung, zum Beispiel hinsichtlich der Temperaturen. Selbstverständlich ist sie 100 Prozent REACH konform. Auch dieses Produkt läuft sehr gut unter dem Aspekt Nachhaltigkeit: Es enthält weniger als 1 Prozent SVHC*.

WRP: Für welche Wäschearten ist das Produkt entwickelt ?

Stevens: Es eignet sich für sämtliche Wäschearten aus Hotels, Krankenhäusern und für Bewohnerwäsche. Sehr erfolgreich wird es auch für weiße Berufskleidung, zum Beispiel aus dem Lebensmittelbereich, eingesetzt. Das Waschmittel ist auch sehr gut zum Einwaschen von Neuware geeignet. Dank der hervorragenden netzenden Eigenschaften können zum Beispiel Ausrüstungsadditive sehr gut gelöst werden.

WRP: CHT meldet in jedem Geschäftsjahr sowohl als Gruppe als auch im Geschäftsbereich Textilpflege immer neue Umsatzrekorde. Was sind die Erfolgsfaktoren im Bereich Textilpflege ?

Stevens: Es ist richtig, wir wachsen kontinuierlich und das ziemlich rasant. Wir sind von 2013 bis 2018 – die Zahlen für 2019 wurden noch nicht veröffentlicht – um sage und schreibe 48,6 Prozent gewachsen. In Summe haben wir als CHT Textilpflege sicherlich mehr richtig als falsch gemacht.

Wir nehmen die Kundenbedürfnisse ernst und versuchen, auf neue Anforderungen in den Betrieben zeitnah mit innovativen Lösungen zu reagieren. Man muss sich permanent in die Lage des Kunden versetzen und sich Gedanken machen, was sowohl ihn als auch die CHT weiter bringt.

Ein weiterer elementarer Erfolgsbaustein ist ein hochmotiviertes Team. Es heißt, die Menschen machen den Unterschied. Das ist richtig. Wir haben eine begeisterungsfähige Stammmannschaft, auf die man sich absolut verlassen kann. Seit neun Jahren gibt es keine Fluktuation im Team. Unseren Nachwuchs rekrutieren wir zum größten Teil aus den eigenen CHT-Reihen. Wir bieten unseren chemisch-technischen Assistenten die Möglichkeit, in unserem Textilpflegeteam als Trainee zu arbeiten. Bei entsprechender Eignung und weiterer Qualifikation können sie zum Beispiel als Servicetechniker anfangen.

Man kann unser Erfolgskonzept auch mit einem schwäbischen Sprichwort kurz und knapp fassen: Weniger schwätze, mehr schaffe.

Interview aus WRP 03-2020