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Multimatic Ilsa Deutschland

Innovativ, schnell, flexibel und vielfältig

Die Firma Multimatic hat mit einem Kundenevent in der Firmenzentrale in Melle die neue Textilreinigungsmaschine Piuma N offiziell in den Markt eingeführt. Für Geschäftsführer Dirk Freitag ist die Neuheit eine „Revolution“ – und das nicht nur hinsichtlich ihrer technischen Performance. „Die Piuma N wurde mit einem großen Aufwand von Beginn an neu geplant und aus der Praxis für die Praxis entwickelt“, sagte Dirk Freitag in Melle. „Dank ihrer innovativen Lösungen können Betriebe neue Services und Angebote für ihre Kunden schaffen.“ Über 300 Gäste waren zum „Highspeed-Wochenende“ angereist, um die neue Maschine genauer unter die Lupe zu nehmen.

Dirk Freitag
Dirk Freitag ist Geschäftsführer bei Multimatic. Der am 26. September 1963 geborene Freitag machte nach Abi­tur und Bundeswehr eine Lehre zum Bankkaufmann bei der West LB in Bielefeld. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre in Paderborn und Madrid. Nach dem erfolgreichen Abschluss ging Dirk Freitag in die verarbeitende Industrie (Apparatebau, Sondermaschinenbau, Kunststoffspritzguss und Nutzfahrzeugbau), seit dem 1. April 2011 ist er Geschäftsführer Multimatic.
WRP: Herr Freitag, auf dem Highspeed-Wochenende in Melle wurde die Piuma N als revolutionäre Neuheit für die Textilreinigungsbranche angekündigt. Warum kann diese Maschine die Branche grundlegend umwälzen ?

Dirk Freitag: Wir sind hier mit einer völlig neu konzipierten Textilreinigungsmaschine angetreten. Die ­Piuma N ist aus der Praxis für die Praxis entwickelt worden und liefert dank ihrer technischen Konzeption Antworten auf aktuelle und zukünftige Anforderungen in der Textilreinigung. Zum Beispiel hat die neue Maschine sehr kurze Chargenzeiten. Sie schafft diesen Prozess in gesichert rund 40 Minuten, üblicherweise muss man mit Chargenzeiten von ca. 70 oder 80 Minuten kalkulieren. Dabei arbeitet sie sehr energieeffizient. Ein sehr gewichtiges Argument, wenn sich diese Branche auf weiter steigende Preise – Stichwort Energiewende – einstellen muss.

Ein weiteres Merkmal der Piuma N ist der modulare Aufbau. So kann sie individuell für unterschiedlichste Anforderungen konfiguriert werden. Unsere neue Maschine arbeitet mit allen zugelassenen Lösemitteln außer mit Per zusammen. Der Umstieg von Lösemittel zu Lösemittel ist unkompliziert und schnell ohne Hardwareänderungen möglich. Man kann sie einfach ohne Bodenverankerung aufstellen. Denn mit freischwingender Trommel und Tankeinheit wird der Boden nur wenig belastet. So ist die Piuma N zum Beispiel auch in Einkaufszentren einsetzbar. Schließlich bietet sie – und das ist ein ganz zentraler Vorzug – neue Möglichkeiten in der Verfahrenstechnik. Damit kann die Maschine den Betrieben neue Kunden- und Geschäftsfelder eröffnen.

WRP: Warum sind sehr kurze Chargenzeiten für die Textilreiniger heute wichtig ?

Freitag: Erstens steigt mit kurzen Chargenzeiten die Stundenleistung der Maschine. Der Betrieb kann also mehr Ware in einer Stunde bearbeiten. Zweitens sind mit einer sehr kurzen Chargenzeit auch Kundenangebote wie zum Beispiel der Stundenservice wieder möglich. Das ist vor allem für Standorte in Einkaufszentren interessant.

WRP: Wie kann die Maschine dies leisten ?

Freitag: Ein wichtiges Merkmal der Piuma N ist der neue frequenzgesteuerte High-Torque-Direktantrieb. Er steht einerseits für eine große Dynamik. In Kombination mit der kardanischen Lagerung sind Schleuderdrehzahlen bis 820 Umdrehungen in der Minute möglich. Das gewährleistet am Ende dieses mechanischen Prozesses eine Ware mit sehr viel weniger Restfeuchte als in anderen Bad-Maschinen. Weiter wird die Ware mit viel Luft durchströmt, so dass viel Lösemittel vom Textil separiert werden kann. Dank der geringen Restfeuchte ist auch deutlich weniger Zeit für den Trocknungsprozess notwendig. Und das ist unter anderem entscheidend für die sehr kurze Chargenzeit der Piuma N.

Kürzere Trommeldrehzeiten und damit einhergehend weniger thermische Belastung im Trocknungsprozess bedeuten außerdem weniger Stress für die Ware. Sie ist bekanntermaßen während dieser Phase der größten Reibung ausgesetzt. Und natürlich werden durch die kurzen Trocknungszeiten die Energiekosten deutlich reduziert. Wir haben bis dato sieben Maschinen Piuma N im Markt*, bei denen natürlich auch die Energieverbräuche mitgeschrieben werden. Demnach sind Einsparungen von rund 30 Prozent gegenüber vergleichbaren Bad-Maschinen absolut realistisch.

WRP: Welche neuen Möglichkeiten gibt es hinsichtlich der Verfahrenstechnik ?

Freitag: Der frequenzgesteuerte High-Torque-Antrieb steht nicht nur für außerordentlich dynamische Qualitäten, sondern bietet gleichzeitig die Option, beispielsweise Drehzahl und -richtung sowie An­laufgeschwindigkeit der Trommel variabel einzustellen. So kann man eine Verfahrenstechnik definieren von extrem schonend für zum Beispiel empfindliche Abendgarderobe bis hin zu einer mit starker Mechanik für unter anderem Berufskleidung. Dieses sehr breite Warenspektrum lässt sich jetzt mit einer einzigen Maschine bearbeiten. Der Textilreiniger bekommt damit ein sehr universell einsetzbares Werkzeug – der Engländer würde sagen: one fits all – an die Hand. Das bietet dem Reiniger die Möglichkeit, seinen Maschinenpark trotz steigender Anforderungen so zu gestalten, dass nicht für jede einzelne Spezialaufgabe eine eigene Technik notwendig ist.

Neben dieser Vielfalt ist Flexibilität ein weiteres zentrales Merkmal der Piuma N. Dank einer ausgefeilten Sensorik erkennt die Maschine das tatsächliche Beladegewicht. Und auf dieses Beladegewicht passt die Piuma N alle relevanten Parameter wie unter anderem Lösemittelzufuhr, Niveaustände und Energieverbräuche automatisch an. So offeriert die Maschine dem Textilreiniger eine außerordentlich hohe Flexibilität. Er muss nicht warten, bis er genügend Ware für eine Charge zusammen hat, um diese energieeffizient zu bearbeiten. Der Textilreiniger kann zu jeder Zeit auch kleine Volumen bearbeiten, ohne dabei einen Energiemehraufwand, mehr Unwucht und Reibung der Ware in Kauf nehmen zu müssen.

WRP: Ist die Bearbeitung der Ware in der Piuma N ­besonders schonend ?

Freitag: Die technische Konzeption und Ausstattung der neuen Maschine machen Programme möglich, die man exakt auf jede Warenart abstimmen kann – ähnlich wie bei modernen Waschmaschinen.

Mit der Piuma N hält im Prinzip der Sinnersche Kreis Einzug in die Textilreinigung. Es können jetzt verschiedene Verfahrensparameter wie Mechanik, Zeit und Chemie so aufeinander abgestimmt werden, dass sie ein optimales Flottenmanagement ergeben – mit nach Warenart abgestimmten und nachgesteuerten Niveaus. So kann man mit der Verfahrenstechnik der Piuma N eine bis dato unerreichte Gewebeschonung realisieren.

WRP: Welche Vorteile bietet das modulare Konzept der Piuma N ?

Freitag: Dieses Prinzip der Plattformstrategie wird seit vielen Jahren im Automobilbau erfolgreich praktiziert. Das Zentralmodul der Piuma N besteht aus Trommel und Antrieb, Lösemitteltanks, Wasserabscheider und Trocknungsaggregat, die nicht starr in einen Rahmen verbaut sind. Mit diesem Zentralmodul ist der Textilreiniger sofort betriebsbereit.

Das Zentralmodul kann mit verschiedenen Zusatzmodulen, die sich ergänzen oder für unterschiedliche Spezialverwendungen der Reinigungsmaschine optimale Lösungen anbieten, ergänzt werden. Aktuell gibt es das Filtermodul SFA 50 und die beiden Destillationsmodule VD40 und VD160 mit unterschiedlichen Leistungen. Ändert sich der Warenanfall im Betrieb – zum Beispiel weil ein neuer gewerblicher Kunde gewonnen werden konnte – kann die Maschine durch Modulwechsel an die neue Situation ohne großen Aufwand angepasst werden. Es ist also nicht notwendig, die ganze Anlage verbunden mit hohen Neuinvestitionen auszutauschen, sondern die Lösung ist in diesem Fall ein vergleichsweise einfacher Modultausch. Gleichzeitig ist das Ganze auch in die andere Richtung möglich, also ein downgrading der Piuma N.

Die einzelnen Module sind so dimensioniert, dass sie bei der Installation mit einfachen Flurförder-Fahrzeugen durch normale Ladentüren geschoben werden können. Sie sind technisch autark. Das bedeutet, sie werden per Plug-in einfach miteinander verbunden. Die Module müssen nicht unbedingt direkt nebeneinanderstehen, sondern man kann sie entsprechend der räumlichen Gegebenheiten optimal aufstellen.

WRP: Wie lange hat es gedauert vom Planungsbeginn bis zur fertigen Entwicklung der neuen Maschine ?

Freitag: Vom Planungsbeginn bis zur Markteinführung haben Ilsa und Multimatic nur knapp zwei Jahre benötigt. Das hat auch deshalb so erstklassig funktioniert, weil alle Beteiligten im ganzen Prozess optimal zusammen gearbeitet haben. Unter anderem sind unser technischer Leiter Sven Bressert und Dominik Wente zur technischen Projektabnahme der neuen Maschinenserie mit allen Modulen zum Hersteller nach Bologna gereist. Weiter hat Dominik Wente die technische Dokumentation sowie die Ausführung des Schaltschrankes und deren Verdrahtung entsprechend der deutschen Vorschriften geprüft.

Die Piuma N basiert auf unserer Konzeptstudie One. Alles was für dieses Konzept entwickelt und umgesetzt wurde, findet sich eins zu eins auch in der ­Piuma N. Natürlich haben wir sie seit der Studie One weiter entwickelt, das wird bei der Steuerung auch noch weiter passieren. Diese Maschine – so wie sie in Melle vorgestellt wurde – ist absolut marktreif.

WRP: Warum hat Multimatic diesen großen Aufwand betrieben, eine neue Reinigungsmaschine zu entwickeln ? Schließlich gibt es weltweit Probleme, wenn es um die Neuinstallation von Reinigungsmaschinen geht.

Freitag: Heute ist jeder Markt schwierig. Gleichzeitig bietet unsere Branche hochinteressante Aufgaben. Wenn man hierzulande heute einen Textilreinigungsbetrieb betrachtet, dann hängen dort zu 70 Prozent Wäscheartikel, sprich Oberhemden. Es gibt immer weniger Privatware. Die Warenströme in den Betrieben haben sich einfach massiv verändert, das wird sich auch in Zukunft fortsetzen.

Gleichzeitig steigt aber die Nachfrage nach Services für anspruchsvolle Garderobe wie zum Beispiel Funktionsware und PSA. Sie sind nicht für die Pflege in der Haushaltswaschmaschine geeignet. Und sie sind teuer in der Anschaffung. Nehmen wir als Beispiel eine Multifunktionsjacke der Stadtwerke. Sie ist wetterfest, bietet Schutz gegen Spannungsbögen etc. – schnell kostet eine solche Jacke im Einkauf ein paar hundert Euro. Und genauso schnell kommt bei einer kompletten Charge ein Warenwert von 5.000 Euro zusammen. Eine fehlerhafte oder falsche Bearbeitung der Teile kann sehr teuer werden. Also wird nicht nur eine Menge Know-how, sondern auch die richtige Technik benötigt, um eine solche Ware professionell bearbeiten zu können. Für uns ist die ­Piuma N das perfekte Werkzeug, um als Dienstleister diesen gestiegenen Marktanforderungen – Professionalität, Schnelligkeit, Vielfalt und Flexibilität – gerecht werden zu können.

In der Branche hat in den letzten 10 Jahren die Nass­reinigung immer mehr an Fahrt aufgenommen. Das auch deshalb, weil dieses System perfekt das öffentliche Thema Nachhaltigkeit aufnimmt. Genauso kann das Thema Nachhaltigkeit mit der Pflege im Lösemittel bedient werden. Man hat mit einer Textilreinigungsmaschine ein geschlossenes System, welches absolut nachhaltig arbeitet. Nichts geht in die Umwelt, es werden nicht jeden Tag hunderte von Kubikmeter Abwasser in den Kanal abgeleitet.

WRP: Die neue Maschine feierte beim Highspeed-Wochenende die offizielle Markteinführung. Waren Sie mit der Veranstaltung zufrieden ?

Freitag: Ich habe mich sehr über die positive Resonanz auf unserem Highspeed-Wochenende gefreut. Über 300 Gäste aus ganz Deutschland waren angereist. Für einige von unseren Besuchern kam eine neue Maschine bisher nur in Betracht als Ersatz für eine in die Jahre gekommene alte Technik in ihren Betrieben. Insgeheim monierten sie damit auch, dass es für sie in den letzten Jahren eigentlich keine wirklichen Innovationen im Bereich der Textilreinigungsmaschinen gab. Jetzt haben wir ihnen diese Innovation mit der Piuma N präsentiert. Jetzt haben die Betriebe die Möglichkeit, mit der neuen Maschine neue Marktpotentiale zu erschließen. Entsprechend hoch war das Inter­esse, die Neuheit auf dem Highspeed-Wochenende genauer unter die Lupe zu nehmen. Flankierend fanden für unsere Gäste Vorträge unter anderem zu Förderprogrammen und Marketingchancen sowie Best-Practice-Berichte von Profis statt, die mit der Piuma N schon arbeiten.

Außerdem boten wir unseren Gästen auch eine Vergleichbarkeit hinsichtlich der verschiedenen Lösemitteloptionen in der Piuma N an. Aufgestellt waren drei Maschinen ausgestattet mit KWL und den beiden alternativen Lösemitteln Sensene und Intense. So konnten interessierte Besucher selbst ausprobieren, welches Lösemittel am besten zu ihren Anforderungen oder Betriebsabläufen passt.

WRP: Beim Highspeed-Wochenende stand die ­Piuma N im Fokus. Was wurde den Besuchern noch geboten ?

Freitag: Es haben sich auch einige Firmen mit ihren Angeboten präsentiert. Büfa, Kreussler, Seitz, Richard Geiss, Girbau und Jumag informierten über aktuelle Lösungen, Henning Datentechnik aus Rheine erläuterte neueste Entwicklungen im Bereich der Kassensysteme. Mit zwei Mitarbeitern vertreten war auch die Firma Ghidini.

Ein weiteres Highlight des Highspeed-Wochenendes war der MaxiShirty. Der Hemdenfinisher passte deshalb gut in dieses Veranstaltungskonzept, weil auch er für Höchstleistungen steht. Dank seines Kondensat-Nutzungsprozesses schafft der MaxiShirty jetzt noch höhere Stückzahlen mit einem noch besseren Finishergebnis bei einem um bis zu 30 Prozent niedrigeren Heizenergiebedarf.

Interview aus WRP 12-2019