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Electrolux Professional

Das Thema Hygiene wird weiter an Bedeutung gewinnen

Electrolux Professional hat sich zu einem Spezialisten für Inhouse-Wäschereien mit besonders hohen Hygieneanforderungen entwickelt. Wir sprachen mit Jan-Peter Elsebach, Key Account Manager Care im Unternehmen und staatlich geprüfter Desinfektor, über das Electrolux-Konzept Hygienewäscherei und über weitere Kundenanforderungen sowie über die neue Line 6000 des Unternehmens.

Jan-Peter Elsebach
Jan-Peter Elsebach ist seit Oktober 2017 als Key Account Manager für Electrolux Professional im Bereich Healthcare tätig. Der staatlich geprüfte Desinfektor blickt auf viele Jahre Erfahrung im Vertrieb zurück, zuletzt im Bereich der Medizin- produkteaufbereitung.
Jan-Peter Elsebach lebt mit seiner Familie in Nordhessen.
WRP: Das Thema Hygiene gewinnt in der Öffentlichkeit stetig an Bedeutung. Welchen Stellenwert hat es heute in der hiesigen Textilpflegebranche beziehungsweise bei Ihren Kunden ?

Jan-Peter Elsebach: Das Thema Hygiene war für den Healthcare-Bereich schon immer zentral. Unsere Kunden in den Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern, aber auch in Rettungs- und Feuerwehrwachen und in der Lebensmittelindustrie sowie in Hotels und gewerblichen Wäschereien beschäftigen sich immer intensiver mit dem Thema Hygiene – nicht zuletzt, weil es auch durch Gesundheits- und Lebensmittelskandale weiter in den öffentlichen Fokus gerückt ist. Und das Interesse am Thema Hygiene wird auch in Zukunft weiter steigen.

Insbesondere im Healthcare-Bereich ist das Risiko ganz einfach höher, mit infektionsverdächtiger Wäsche in Kontakt zu kommen. Ausscheidungen, Verschmutzungen, Sekrete etc. können Wäsche, Kleidung, Textilien mit Krankheitserregern kontaminieren. Diese müssen durch eine sichere Desinfek­tion in den Aufbereitungsprozessen entfernt werden.

WRP: Electrolux Professional hat für Kunden das Konzept der so genannten Hygienewäscherei entwickelt. Was steckt dahinter, was macht dieses Konzept aus ?

Elsebach: Die Basis für den Aufbau einer Hygienewäscherei zum Beispiel in einem Alten- und Pflegeheim sind Infektionsprävention, Arbeitsschutz der Mitarbeiter sowie die Heimgesetzgebung. Beispielsweise ist für den Arbeitsschutz im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege die technische Regel TRBA 250 relevant. Diese beinhaltet unter anderem Regelungen zum Schutz von Arbeitnehmern, die mit Produkten und Materialien in Berührung kommen, die gefährliche Mikroorganismen freisetzen können.

WRP: Was zeichnet eine Hygienewäscherei aus ?

Elsebach: Das zentrale Merkmal einer Hygienewäscherei ist die bauliche Trennung in eine unreine und eine reine Seite. Eine Trennwand, in der die Barrierewaschmaschinen eingelassen sind, gewährleistet, dass die schmutzige Wäsche auf der unreinen Seite nicht mit der sauberen Wäsche auf der reinen Seite in Kontakt kommt und Kreuzkontaminationen stattfinden können. Natürlich muss auch sichergestellt sein, dass Mitarbeiter der Wäscherei nur über eine Schleuse von der unreinen auf die reine Seite wechseln können und dabei der Wechsel der Schutzkleidung und eine Händedesinfektion selbstverständlich sind. Das gilt ähnlich für Wäschewagen. Sie müssen desinfiziert werden, wenn sie auf beiden Seiten der Hygienewäscherei zum Einsatz kommen.

Übrigens ist dieses Konzept der Inhouse-Hygienewäscherei schon in kleinen Einrichtungen wirtschaftlich umsetzbar. Alle Alten- und Pflegeheime mit eigener Wäscherei – und das gilt natürlich genauso für alle anderen Dienstleister für den Healthcare-Bereich – müssen sicherstellen, dass keine Kreuzkontamination der Wäsche möglich ist. Und das ist ohne eine Trennung der Wäscherei in eine unreine und eine reine Seite sehr schwierig, wenn man dies allein organisatorisch zu lösen versucht.

WRP: Wie spiegelt sich das Thema Hygiene beziehungsweise Hygienewäscherei aktuell im Portfolio von Electrolux Professional wider ?

Elsebach: In unserem aktuellen Sortiment finden sich Barrierewaschmaschinen mit Kapazitäten von 13 bis 110 Kilogramm. Dazu gibt es passende Trockner, Mangeln sowie weiteres Equipment, um eine Hygienewäscherei komplett auszustatten. Wir liefern unseren Kunden aber nicht nur die passende Technik, sondern ein ganzes Beratungs- und natürlich Servicepaket, um eine solche Hygienewäscherei zu entwickeln und zu realisieren. Wir begleiten den Kunden von Anfang an, zum Beispiel bei der Planung einer neuen Wäscherei oder auch bei der Optimierung oder Erweiterung eines bestehenden Betriebes. Welche Technik, welche Kapazitäten und Verfahren sind für dieses Projekt optimal ? Wo kann bei gegebenen Räumlichkeiten eine Trennwand eingerichtet werden ? Wie müssen Prozesse und Logistik inner- und außerhalb der Wäscherei dargestellt werden, um eine sichere Hygiene zu gewährleisten ? Was müssen Mitarbeiter in diesem System leisten ? Um all diese Fragen kümmert sich unser Expertenteam. Der Kunde bekommt von uns ein fertiges Konzept für seine Hygienewäscherei und hat immer nur einen Ansprechpartner.

WRP: Um das Electrolux-Konzept Hygienewäscherei zu realisieren, gilt es also nicht nur die innerbetrieblichen, sondern genauso die außerbetrieblichen Prozesse zu berücksichtigen.

Elsebach: Das ist richtig. Dazu haben wir für unsere Kunden unter anderem einen Prozess entwickelt, der vom Bett wieder zurück zu diesem Bett einen optimalen Wäschekreislauf abbildet. Zum Beispiel wird erläutert, wie Wäsche schon im Bewohnerzimmer in der Einrichtung in verschiedene Säcke sortiert wird. Es geht um die optimale Logistik der Wäsche mit kurzen Lagerzeiten, in der Wäscherei um die verschiedenen Prozesse vom Waschen mit dem optimalen Verfahren, über das Trocknen und Finishen bis hin zum Sortieren der sauberen und desinfizierten Wäsche. Schließlich der Rücktransport der Wäsche wieder aufs Bewohnerzimmer usw.

WRP: Sie besitzen eine Ausbildung als staatlich geprüfter Desinfektor. Wie setzen Sie dieses Know-how für Kunden ein ?

Elsebach: Ein staatlich geprüfter Desinfektor beschäftigt sich mit Fragen der Desinfektion und hat in diesem Bereich durch seine Qualifikation Fachkunde erworben. So können wir unsere Kunden noch qualifizierter beraten, wenn es um das Thema Hygiene und Desinfektion geht. Wir haben diesbezüglich Schulungen vor Ort bei Kunden veranstaltet und bieten dies auch zukünftig in unseren Gesprächen an. Gleichzeitig werden auch unsere Vertriebsteams sowie unsere Servicepartner durch interne Weiterbildungen für dieses Thema sensibilisiert.

WRP: Wir haben bisher über die Einrichtung und die Organisation einer Hygienewäscherei gesprochen. Wie wird in diesem Electrolux-Konzept die Hygiene kontrolliert und – das wird immer wichtiger – dokumentiert ?

Elsebach: Wie setzen zur Überwachung der Hygiene und zur Dokumentation drei Werkzeuge ein: die Watchdog-Funktion, die Dokumentation über CMIS sowie die Hygieneprüfung mittels Datenlogger und Bioindikator.

Unsere Barrierewaschmaschinen sind mit einer internen Funktion ausgestattet, welche alle Parameter im Waschprozess überwacht. Bei einem RKI-gelisteten Verfahren kontrolliert die Watchdog-Funktion beispielsweise das eingestellte Flottenverhältnis, die Temperatur und die Haltezeit sowie die zudosierte Chemie. Wenn dieser Prozess nicht einwandfrei läuft oder ein Mitarbeiter manuell eingreift, dann wird die Watchdog-Funktion ausgelöst. Konsequenterweise kann die Maschine dann auf der reinen Seite nicht geöffnet werden, um eine mögliche Wäschekreuzkontamination an dieser Stelle auszuschließen. Der Waschprozess muss neu gestartet werden.

Für die Prozessdokumentation bieten wir unsere Software CMIS an. Diese Lösung zeichnet verschiedene Parameter auf. So kann man beispielsweise Temperaturkurven für jeden einzelnen Prozess aufrufen und speichern.

Neben diesen internen Lösungen setzen wir zur weiteren Kontrolle des Waschprozesses auf Kundenwunsch einen Datenlogger ein, der die Temperatur misst und aufzeichnet. Wir können dann gegen prüfen, ob im Prozess die notwendigen Temperaturen und Haltezeiten für eine sichere Desinfektion erreicht werden. Wenn man Wäsche chemothermisch aufbereitet, muss man auch überwachen, ob die Chemie beispielsweise in Bezug auf die Verkeimung wirkt. Das leisten wir mit Bioindikatoren. Diese sind mit den üblichen Testkeimen versehen, werden mit gewaschen und anschließend in einem entsprechend zertifizierten Labor ausgewertet. Wir arbeiten mit Bioindikatoren mit einer semipermeablen Membran. Dieses System ermöglicht einen sicheren Einsatz, bei dem eine Kontamination des Prüfers vom Indikator aus verhindert wird.

Diese Prüfungen sind für einen Betreiber einer Altenheim- oder Pflegeeinrichtung Bestandteil seines Hygienemanagements. Er muss sicherstellen, dass die Prozesse o.k. sind und dies regelmäßig kontrollieren lassen.

WRP: Welche Bedeutung hat heute der Altenheim- und Pflegemarkt in Deutschland für Electrolux Professional ?

Elsebach: Der Healtcare-Bereich, dem Alten- und Pflegeheime zugeordnet sind, hat einen Anteil von circa 30 Prozent und ist somit für uns ein sehr wichtiges Segment. Aufgrund des Trends zum Inhousing und wachsender Bauaktivitäten sehen wir hier in den nächsten Jahren ein deutliches Wachstum.

WRP: Wann hat sich Electrolux Professional entschieden, sich in Deutschland verstärkt auf den Markt Care mit dem Schwerpunkt Hygiene zu konzentrieren ?

Elsebach: Electrolux Professional arbeitet bereits seit 30 Jahren mit Kliniken und Altenheimen zusammen. Seit 2018 kümmern wir uns in Deutschland noch intensiver um dieses Segment, genauso wie um das Facility Management. Beide Märkte werden jeweils von einem Key-Accounter betreut.

Electrolux Professional sieht für das Segment Healthcare vor allem in den westlichen Industrieländern einen wichtigen Markt. Auch in Asien sind wir zunehmend erfolgreich. In den so genannten Schwellenländern wird mit steigendem Wohlstand das Thema Hygiene beziehungsweise Hygienewäschereien weiter an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt zählen wir im Healthcare-Bereich weltweit viele tausend installierte Barrierewaschmaschinen. Diese setzen wir insbesondere im deutschen Markt, aber auch in Frankreich, Großbritannien und in Japan ab.

WRP: Die Bewohner- sowie die Flachwäsche der Alten- und Pflegeheime wird sowohl in einrichtungseigenen Wäschereien als auch in externen Dienstleistungsbetrieben bearbeitet. Wie entwickeln sich diese beiden Märkte hierzulande aus der Perspektive von Electrolux ?

Elsebach: Wir sehen in den Alten- und Pflegeheimen einen Trend zur Inhouse-Wäscherei zur Aufbereitung der Bewohnerwäsche. Flachwäsche wird tendenziell eher an einen externen Dienstleister vergeben. In einer Inhouse-Wäscherei kann Bewohnerwäsche sehr individuell bearbeitet werden und man hat alle Prozesse in einer Hand. Uns wird immer wieder gesagt, dass in den einrichtungseigenen Wäschereien Reklamationen fast kein Thema sind.

WRP: Welche Anforderungen stellen ihre Kunden – neben der Hygiene – an die Electrolux-Technik ?

Elsebach: Dies lässt sich sehr gut an unserer neuen Line 6000 veranschaulichen. Die Einführung der neuen Serie steht unter dem Motto: „Shaping the effortless laundry“, also eine Wäscherei, die den zentralen Anforderungen gerecht wird und die Aspekte Nachhaltigkeit, leichte Bedienbarkeit und Ergonomie berücksichtigt. Der Kunde wünscht sich eine langlebige Technik, die viele Jahre möglichst ohne Störungen arbeitet. Sie soll sehr einfach zu bedienen sein, außerdem ressourcen- und energiesparend arbeiten. Diese Anforderungen haben wir schon bei der Line 5000 aufgegriffen und dafür erfolgreiche Lösungen entwickelt. Dies haben wir nun bei der neuen Generation Line 6000 weiter forciert.

Wir versuchen unseren Kunden immer wieder zu verdeutlichen, dass bei einer Investition – zum Beispiel in einen neuen Trockner – der Verkaufspreis nur einen geringen Anteil an den Lebenszykluskosten ausmacht. Der übergroße Rest setzt sich aus Kosten für den Unterhalt zusammen, bei einer Waschmaschine unter anderem Verbrauchskosten für Strom, Wasser und Chemie. Wir sehen in der Praxis immer wieder, dass Maschinen nicht immer voll beladen werden – vielleicht weil ein kleiner Posten noch schnell gewaschen werden muss. Trotzdem führen viele im Markt eingesetzte Maschinen Wasser, Strom und Chemie wie für eine Vollbeladung zu. Wir haben deshalb die Waschmaschinen der Line 6000 erneut mit einem Wiegesystem ausgestattet. Dieses System wiegt die Wäsche in der Trommel besonders exakt. Die Steuerung der Maschine kann dann entsprechend Wasser und – in Kombination mit unserem System Efficient Dosing – Chemie dosieren.

Wir haben die Bedienung der Maschinen der Line 6000 weiter vereinfacht. Jeder kann ­heute ein Smartphone bedienen. Deshalb sind die Frontlader-Waschmaschinen der neuen Generation mit einem Touchdisplay ausgestattet. Man kann beispielsweise ein Wäscheprogramm als Bild hinterlegen. Der Bediener muss dann einfach anklicken, um den Prozess zu starten. Der Bediener kann auch einfach seine Muttersprache auswählen, alternativ stehen Kurzwahltasten zur schnellen Programmwahl zur Verfügung.

Unsere neuen Trockner können optional mit einer adaptiven Lüftersteuerung geliefert werden. Diese passt die Lüftergeschwindigkeit automatisch an, um Energie zu sparen, die Trocknungszeit zu verringern und für ein einheitliches Trocknungsergebnis zu sorgen. Die adaptive Lüftersteuerung ist auch von Vorteil, wenn mehrere Wäschetrockner in Reihe geschaltet sind. Wenn die Lüftungsleitung über einen gleichbleibenden Durchmesser verfügt, kompensiert die Steuerung diesen potentiellen Engpass, indem die Lüftungsgeschwindigkeit jedes Wäschetrockners angepasst wird. So kann eine effiziente Lüftung aufrechterhalten werden.

Und wir haben neue Wärmepumpentrockner im Angebot. Die Wärmepumpen fertigen wir nun selbst. Wir können sie deshalb so entwickeln und produzieren, dass sie genau auf die Anforderungen des Trockners abgestimmt sind. Ein Wärmepumpentrockner kostet in der Anschaffung mehr als ein Ablufttrockner, verbraucht aber sehr viel weniger Energie. Der neue Electrolux TD 6-14 HP zum Beispiel benötigt nur etwa 10 Minuten länger pro Zyklus als der vergleichbare Ablufttrockner und spart trotzdem 60 Prozent an Energie. Entsprechend kurz ist die Amortisationszeit. Außerdem kann der Wärmepumpentrockner an fast jedem Ort aufgestellt werden, da keine Zu- und Abluftwege berücksichtigt werden müssen.

Weiter wurde bei der neuen Line 6000 auf ein besonders ergonomisches Design geachtet. Deshalb wurden im Entwicklungsprozess der Maschinen Testpersonen mit Sensoren ausgestattet, um besondere Belastungen des Bewegungs- und Stützapparats bei der Arbeit mit Waschmaschine und Trockner zu detektieren. Als ein Ergebnis ist zum Beispiel die Tür der neuen Trockner für die Be- und Entladung in der ergonomisch besten Höhe positioniert. Sie lässt sich jetzt noch leichtgängiger öffnen. Und die Isolier­glastür bleibt von außen kühl. Weiter sind die neuen Barriere-Waschmaschinen der Line 6000 mit einer elektrischen Türöffnung ausgestattet.

Die Line 6000 besteht zurzeit aus den Wäschetrocknern. Ab Herbst sind die Durchlademaschinen bestellbar, Ende des Jahres kommen die Frontlademaschinen dazu. Weitere Geräte kommen im nächsten Jahr, unter anderem eine neue Mangel.

Wichtig bei der Entwicklung der Line 6000 war uns auch das Thema Digitalisierung. Wir haben im Rahmen der neuen Generation eine App für das Smartphone entwickelt, sie heißt OnE. Mit dieser Lösung hat man nicht nur aus der Ferne Zugriff auf seine Maschinen in der Wäscherei. Der Anwender bekommt damit auch Informationen zur Verfügung gestellt, um den Produktionsfluss noch besser zu organisieren oder die Energieeffizienz weiter zu optimieren. Und OnE unterstützt auch dabei, Maschinenwartungen so zu planen, dass eine maximale Verfügbarkeit sichergestellt ist.

Wir haben diese App unter anderem in einem Hotelbetrieb in Wales getestet. Der Betreiber konnte damit die Prozesse in seiner Wäscherei optimieren, weil er unter anderem Leerstandzeiten seiner Maschinen identifizieren und insgesamt den Produktionsfluss verbessern konnte. Im Ergebnis hat der Betreiber des Hotels mit der App OnE in seiner Wäscherei eine Überkapazität schaffen können und wäscht jetzt zusätzlich für ein befreundetes Hotel.

Interview aus WRP 11-2019