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Kreussler

Ein neuer Meilenstein in der Firmengeschichte

Kreussler wächst national und international. Deshalb wurde jüngst am Unternehmenssitz in Wiesbaden ein neues Gebäude mit erweiterten Lager- und Bürokapazitäten eröffnet. Für Geschäftsführer Dr. Helmut Eigen ist es ein weiterer Meilenstein in der über 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Wir sprachen mit ihm, dem kaufmännischen Leiter Thomas Zeck, dem technischen Leiter Dr. Manfred Seiter sowie Kommunikationsreferentin Katja Pryss über die Firmenerweiterung und die geschäftliche Entwicklung der Sparte Textile Care, über Nachhaltigkeit sowie das Branchenproblem, wenn es um die Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitern geht.

Dr. Helmut Eigen
Dr. Helmut Eigen ist seit 2009 Geschäftsführer der ­Kreussler Textile Care in Wiesbaden. Er ist außerdem Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des wfk – Cleaning Technology Institute e.V. und Gutachter für die Industrielle Gemeinschaftsforschung und -entwicklung (IGF) für Forschungsprojekte im Bereich Textil- und Bekleidungstechnologie. Nach seiner Promotion über physikalisch-chemische Wechselwirkungen von Waschmittelinhaltsstoffen war Dr. Eigen von 1994 bis 2008 Leiter F&E und Anwendungstechnik Wäscherei der Chemischen Fabrik Kreussler.
Dr. Manfred Seiter
Dr. Manfred Seiter promovierte nach dem Diplom-Studium Chemie an der Universität Stuttgart an den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung DITF in Denkendorf. Von 1993 bis 2008 war Dr. Seiter Leiter F&E und Anwendungstechnik Textilreinigung; seit 2008 ist er Technischer Leiter der Sparte Textile Care bei Kreussler. Er ist nicht nur Mitglied in diversen Forschungsgremien und dem Arbeitskreis Internationale Standardisierung von Textilpflegekennzeichen, sondern tritt auch häufig als Referent bei Fachveranstaltungen im Bereich Textilpflege auf.
Thomas Zeck
Thomas Zeck ist Kaufmännischer Leiter bei Kreussler. Nach einem Diplomstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim mit den Schwerpunkten Strategisches Marketing und Controlling trat er 1994 in die Firma Kreussler als Marketing- und Vertriebsleiter ein. Unter anderem war er zuständig für die Steuerung der weltweiten Marketing- und Vertriebsaktivitäten einschließlich der Führung der Vertriebsgesellschaften in Frankreich und den USA. 2008 übernahm Thomas Zeck die kaufmännische Leitung der Sparte Textile Care.
Katja Pryss
Katja Pryss verantwortet seit 2018 unter der Leitung von Thomas Zeck den Bereich Marketing und Kommunikation bei Kreussler Textile Care. Nach einem Publizistikstudium an den Universitäten Münster und Mainz war sie für verschiedene Unternehmen und Agenturen im Rhein-Main-Gebiet tätig, wo sie unter anderem Kunden wie Clariant, Boehringer Ingelheim und Merck betreute.
Wir verkaufen in die Betriebe nicht nur unsere Produkte, sondern wir liefern ganze Service­pakete.“ Dr. Helmut Eigen
Das größte Potential für unsere Kunden sind unsere Service­techniker.“ Thomas Zeck
WRP: Kreussler hat am Firmensitz in Wiesbaden im letzten Jahr Richtfest für das neueste Unternehmensgebäude gefeiert. Jetzt ist fast alles fertig, und wir sitzen in einem der neuen Konferenzräume. Was ist im Neubau untergebracht, welche Funktion hat er ?

Dr. Helmut Eigen: Das neue Firmengebäude ist ein sehr wichtiger Schritt für Kreussler, es ist ein weiterer Meilenstein in unserer langen Unternehmensgeschichte. Es ist eine Kombination aus computergesteuertem Hochregallager und vierstöckigem Bürogebäude auf einer Grundfläche von 2.500 Quadratmetern. Das Hochregallager hat aktuell 3.700 Palettenplätze, lässt sich aber schnell und einfach um noch einmal 30 Prozent Lagerplatzkapazität erweitern. Mit dem neuen Lager schaffen wir beste Voraussetzungen für die Digitalisierung sowie für Sicherheit und Ergonomie in der Logistik für unsere Produkte. Schon jetzt können sie rationeller verwaltet, gelagert und in die ganze Welt versendet werden. Untergebracht im Neubau ist außerdem unsere Dosiertechnikabteilung – hier werden die Anlagen entwickelt und kundenindividuell hergestellt –, außerdem noch weitere Büros und Konferenzräume.

WRP: Wenn wir über das neue Gebäude sowie die größeren Kapazitäten und Möglichkeiten für die Firma Kreussler sprechen: Wie hat sich die Sparte Textile Care in den letzten Jahren entwickelt, wie war das Geschäftsjahr 2018 ?

Dr. Eigen: Das neue Gebäude mit den deutlich gewachsenen Lagermöglichkeiten spiegelt unsere positive Geschäftsentwicklung in den vergangenen Jahren. Besonders das kontinuierlich stark gewachsene Geschäft in allen Segmenten der professionellen Textilpflege und -hygiene erforderte die Ausweitung unserer Kapazitäten. Wir konnten im Wäschereigeschäft genauso wachsen wie in der Textilreinigung. Besonderen Spaß macht uns hierbei die Entwicklung der Nassreinigung, sowohl in der klassischen Textilreinigung als Lösemittelersatz, als auch in der industriellen Wäscherei und ihr zunehmender Einsatz zur Pflege von Bewohnerwäsche.

Mit dem Umsatz im Geschäftsjahr 2018 sind wir sehr zufrieden. Es gibt ein Plus von rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, das ist besser, als wir es erwartet hatten. Nicht ganz zufrieden sind wir mit dem Ergebnis. Wir hatten unter anderem mit knappen Rohstoffen und höheren Logistikpreisen zu kämpfen. Im letzten Jahr waren einige Wasserstraßen aufgrund niedriger Pegel nicht mehr schiffbar, das machte den Rohstofftransport teurer. Man muss wissen, für die Firma Kreussler sind die Rohstoffkosten neben den Personalkosten der größte Kostenposten.

Ein weiterer Grund für das nicht optimale Ergebnis war die Entwicklung des US-Dollar. Wir haben mittlerweile ein sehr bedeutendes USA-Geschäft, für das unsere US-Tochter zuständig ist. An diese verkaufen wir unsere Produkte in US-Dollar. Weil die Währung fünf bis sechs Prozent gegenüber dem Euro eingebüßt hat, manifestiert sich dies auch in unserem Jahresergebnis.

WRP: Kreussler ist in der Textilpflege in der Sparte Textilreinigung groß geworden. Dann fing das Unternehmen 1990 an, sich in der Branche breiter aufzustellen und Wäschereien mit in den Fokus zu nehmen. Wie präsentieren sich die Teilmärkte heute aus Firmensicht ?

Dr. Manfred Seiter: In Deutschland entwickelten sich viele Wäschereien aus Textilreinigungen. Der Markt schreitet voran, wir als Lieferant folgen ihm. Man muss dort die Geschäfte zu machen versuchen, in denen man idealerweise den optimalen Zugriff hat mit qualifiziertem Personal, Produkten und Services. Heute ist das Wäschereisegment im deutschen Gesamtmarkt Textilpflege hinsichtlich Bedeutung und Volumen der wichtigste Absatzmarkt. Was aber nicht heißt, dass der Textilreinigungsmarkt für uns weniger relevant geworden ist. Unsere Kunden in diesem Segment sind genauso wichtig wie unsere Wäschereikunden. In den Textilreinigungen sind wir vor allem im internationalen Geschäft erfolgreich. Rund 70 Prozent unserer Produkte gehen in den Export – das ist für einen Mittelständler unserer Größe ein beachtlicher Anteil.

Katja Pryss: Heute hat die Firma Kreussler für alle Anforderungen in der Textilpflege – nicht nur in der Textilreinigung und in der Wäscherei, sondern genauso in der Nassreinigung und im Textilservice – immer die passende Antwort im Sortiment.

Thomas Zeck: Wenn man die Branche verstehen möchte, dann muss man nur die Firma Kreussler betrachten. Wir haben uns beide parallel entwickelt. Heute verstehen wir es, einen Anzug im Lösemittel oder in der Nassreinigung zu pflegen, können aber genauso in einer großen Wäscherei 80 Tonnen Flachwäsche pro Tag waschen. In der Firma Kreussler hat sich in der langen Unternehmensgeschichte ein umfassendes Know-how angesammelt für die Behandlung eines einzelnen Textils bis hin zu großen Wäschemengen in hoch automatisierten Prozessen in industriellen Wäschereien. Weil wir das leisten können, ist es uns gut gelungen, uns in all diesen Märkten national und international zu etablieren. Und weil wir für alle Anforderungen der Textilpflege Lösungen haben, können wir unsere Kunden auch weiter begleiten, wenn sich ihre Märkte wandeln. Das bedeutet natürlich auch, für all diese Märkte immer ein offenes Ohr zu haben und neue Entwicklungen bereitzustellen.

Vielleicht war es von Vorteil, als Quereinsteiger in die Wäschereibranche zu kommen. Man hat eine andere Perspektive als schon etablierte Lieferanten, geht seine Aufgaben anders an. Unser Weg mit systematischer Forschung und Entwicklung gepaart mit kompetenter Anwendungstechnik hat uns sicherlich geholfen, hier unseren Platz zu finden.

WRP: Wenn man heute die Textilpflegebranche insgesamt betrachtet, dann ist „Nachhaltigkeit“ ein nach wie vor wichtiges Thema. Welchen Stellenwert hat es für die Firma Kreussler ? Welche Relevanz hat Nachhaltigkeit im Produktportfolio ?

Dr. Helmut Eigen: In unserem Produktsortiment hat das ganze Thema Nachhaltigkeit eine lange Tradition. Es spielte schon eine wichtige Rolle, bevor es in der Branche in der Breite Fuß fasste. Zum Beispiel haben wir 1991 zusammen mit der Firma Miele die Lanadol-Nassreinigung erfunden, die auch heute noch als Benchmark auf diesem Gebiet gilt. Wir haben später das Ecosan-Verfahren zur Einsparung von Energie und Wasser in industriellen Waschprozessen entwickelt und auch das Flüssigwaschmittelsystem DERVAL POWER mit den waschtechnischen Eigenschaften eines Pulverwaschmittels. Ein weiterer Meilenstein ist unser SYSTEMK4 als hochwirksame und zugleich umwelt- und gesundheitsverträgliche Alternative zur Textilpflege in den traditionellen Lösemitteln. Man sieht, wir haben schon früh verstanden, Nachhaltigkeit über unsere Produktentwicklung zu realisieren.

Thomas Zeck: Ein für uns wichtiger Ansatzpunkt für nachhaltige Produkte ist die Temperatur. Es geht also nicht nur um eine kompakte Formulierung der Lösung, sondern genauso wichtig ist die Verfahrensführung der Tensidchemie. Wir haben schon mit 50° C Verfahren für stark ölverschmutzte Berufskleidung gewaschen, als das ökologische Waschen noch gar kein Branchenthema war. Die Entwicklung von energie- und wassersparenden Lösungen gehört genauso zu unserer DNA wie unsere Kernkompetenz, die Formulierung von Waschmitteln.

Dr. Helmut Eigen: Zuallererst versuchen wir – das gilt für alle unsere Lösungen – jedes Produkt sozusagen technisch maximal auszustatten. Damit es zum Beispiel bei unterschiedlichsten Temperaturen haltbar ist oder besonders effizient arbeitet. Wenn beim Kunden nur die Hälfte eingesetzt werden muss, dann wird bei der Produktion ebenso wie bei der Verpackung, beim Transport, Lagerplatz und natürlich an Energie und Personaleinsatz gespart.

Katja Pryss: Schon bei der Formulierung der Waschmittel wird Nachhaltigkeit mitgedacht. Kreussler war der erste Anbieter, der sein Sortiment bereits Mitte der neunziger Jahre komplett phosphatfrei hergestellt hat und damit auch hier eine Pionierrolle übernahm, genauso wie bei Flüssigwaschmitteln für industrielle Anwendungen. Flüssigprodukte besitzen eine Reihe von Vorteilen gegenüber Pulverlösungen. Sie sind zum Beispiel sparsam in der Anwendung und können punktgenau eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang ist natürlich auch wichtig, dass wir unsere Dosieranlagen hier im Haus entwickeln und produzieren. Der Kunde bekommt alles aus einer Hand, und wir können unsere Anlagen präzise auf unsere Produkte abstimmen.

Dr. Manfred Seiter: Kreussler hat für die Textil­reinigung in den USA mit SOLVONK4 das erste biobasierte organische Lösemittel in den Markt gebracht. Dafür sind wir vom US-amerikanischen Reinigungs- und Wäschereiinstitut DLI mit dem Technology Trailblazer Award ausgezeichnet worden und haben dafür als erstes – und bis dato einziges – Lösemittel für die Chemischreinigung das begehrte Bio­Preferred-Label des Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten (USDA) erhalten. Aber auch das nicht bio-basierte SOLVONK4 ist ein extrem reines organisches Lösemittel, das biologisch abbaubar ist.

Katja Pryss: Natürlich kann man Nachhaltigkeit nur dann in seinen Lösungen berücksichtigen, wenn man dies auch im Unternehmen denkt und lebt. Wir haben unter anderem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach unserer Firmenerweiterung installiert, die einen großen Teil des Stroms erzeugt, den wir hier am Standort Wiesbaden verbrauchen. Wir haben auch in eine neue Abwasseranlage investiert, die zu rund 95 Prozent das Abwasser im Produktionsbereich recycelt. Weiter sind 27 Wärmekörbe im Erdreich installiert, mit denen ein erheblicher Teil unserer Firmengebäude beheizt wird. Auch im Personalbereich spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: Die Nachwuchsförderung liegt uns seit Jahrzehnten am Herzen, etwa durch firmeninterne Ausbildung, die Förderung dualer Studien sowie die gezielte Zusammenstellung altersgemischter Teams.

WRP: Sind ökologische Produkte schwieriger zu entwickeln als Lösungen ohne diese Anforderung ?

Dr. Helmut Eigen: Ökologische Produkte sind herausfordernder in ihrer Entwicklung, weil ihre Ökologie die Rohstoffauswahl einschränkt. Das macht es schwieriger, passende Rohstoffe zu finden, die außerdem hohe Qualität und vernünftige Preise verknüpfen müssen. Und wir möchten Produkte beziehungsweise Formulierungen nicht nur für ein einzelnes Land entwickeln, sondern für viele Märkte in der ganzen Welt. Das macht die Entwicklung noch anspruchsvoller. Wir möchten nicht mit unterschiedlichen Qualitäten in den Märkten auftreten, sondern weltweit einen hohen Standard erfüllen. Das ist unser Anspruch.

WRP: Wie wird das Thema Nachhaltigkeit in den Betrieben Ihrer Kunden gelebt ? Welchen Stellenwert hat die Ökonomie in der Ökologie ?

Dr. Helmut Eigen: Die Ökonomie hat eine sehr große Relevanz. Heute ist der Wettbewerb der Groß­wäschereien in Deutschland absolut preisdominiert. Die Betriebe müssen – unter Beachtung von Qualität und gesetzlichen Vorschriften – mit möglichst niedrigen Prozesskosten produzieren. Erst dann folgt das Thema Nachhaltigkeit. Nachhaltige Produkte müssen deshalb in ihrer und unserer Perspektive kaufmännisch Sinn machen, bezahlbar und praktikabel sein sowie im Ergebnis eine gute Qualität liefern. Kurz: Ökologie hat in der professionellen Textilpflege nur dann eine Chance, wenn sie auch ökonomisch ist.

Thomas Zeck: In der Öffentlichkeit gewinnt Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung. Die Branche insgesamt – auch wenn sie volkswirtschaftlich betrachtet nur ein geringes Gewicht besitzt – kann vor solchen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht die Augen verschließen. Im zukünftigen Wettbewerb wird die eindimensionale Ausrichtung auf Preis und Qualität nicht mehr ausreichend sein.

Nachhaltigkeit sollte heute nicht als Modethema verstanden werden, sie ist für die Branche und ihre Betriebe ein existenzielles Thema. Sie muss deshalb weiter in den Fokus rücken. In Zukunft werden Textilien wieder hochwertiger. Die Slow Fashion-Bewegung, die auf nachhaltige, bewusste und entschleunigte Mode und eine faire Produktion setzt, gewinnt weiter an Akzeptanz. Wenn man sieht, wieviel Wasser und Energie für die Herstellung von einem Kilogramm Baumwolle benötigt wird, dann muss dies für uns alle eine Verpflichtung sein, die daraus produzierten Textilien entsprechend sorgsam und nachhaltig zu pflegen.

Das ist auch eine Verpflichtung für uns als Partner der Textilhersteller. Nachhaltigkeit ist eine Überzeugung, eine Denkhaltung, mit der man auch seine Geschäfte führt. Und sie hört nicht vor der eigenen Haustür auf, sondern muss sich durch die ganze Wertschöpfungskette ziehen. Bei Kreussler war und ist Nachhaltigkeit immer ein Thema, das wird auch so bleiben.

WRP: Ihre Kunden müssen nicht nur mit einem hohen Preiswettbewerb umgehen, sondern haben zudem große Schwierigkeiten bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter, besonders gilt dies für qualifiziertes Personal. Was bedeutet diese Entwicklung für Kreussler und das Produktsortiment ?

Dr. Helmut Eigen: In den Textilpflegebetrieben ist das Personalrekrutierungsproblem nicht ganz neu, aber in der Ausprägung heute sicher noch gravierender geworden. Deshalb verkaufen wir in die Textilpflegebetriebe nicht nur unsere Produkte, sondern wir liefern ganze Servicepakete. Wir entwickeln für unsere Kunden wasser- und energiesparende Verfahren, mit denen sie unterschiedlichste Textilien schonend und unter Beachtung gesetzlicher Regularien aufbereiten können. Wir optimieren ihre Abläufe, kümmern uns um das Abwasser, sprechen mit dem Textilhersteller, wenn es Probleme mit der Wäsche gibt und erstellen in unserem Technikum Gutachten. Wir bieten für unsere Kunden Schulungen an, zum Beispiel zu den Themen Hygiene, Sicherheit und Detachur. Diese Fortbildungen werden vor Ort in den Betrieben durch unsere Techniker oder an unserem Firmensitz in Wiesbaden durchgeführt. Hier bietet unser neues Konferenzzentrum noch mehr Möglichkeiten.

Thomas Zeck: Das größte Potential für unsere Kunden sind unsere Servicetechniker. Sie kümmern sich nicht nur um das Waschen, sondern lösen zum Beispiel Probleme beim Mangeln oder im Trocknungsprozess. Deshalb müssen unsere Techniker einen betriebsweiten Blick haben. So betrachtet muss man schon eine gewisse Know-how-Verlagerung aus den Betrieben feststellen – mit all den Risiken, die durch diese Abhängigkeit von einem Lieferanten entstehen.

Dr. Manfred Seiter: Unsere Mitarbeiter sind gut und hoch ausgebildet. Viele Kollegen sind Textilreinigermeister oder Textil-Ingenieure. Unsere Techniker qualifizieren sich ständig weiter, machen Hygieneschulungen, sind Hygienebeauftragte oder geprüfte Desinfektoren.

Es ist richtig, dass ein Problem in der Praxis die schwierige Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern ist. Eine andere Schwierigkeit ist, dass die Betriebsleiter heute in vielen Wäschereien immer mehr Aufgaben leisten: Sie müssen sich nicht nur um die Produktion und Technik kümmern, sondern haben zum Beispiel Führungs- und Personalaufgaben. Ihr Pensum ist stetig gewachsen, entsprechend steigt die Erwartungshaltung an uns Zulieferer. Damit wandert Qualifikation aus den Betrieben ab oder verschwindet ganz. Nehmen wir das Beispiel Detachur: Früher wurde in der Praxis mehr detachiert. Heute passiert es immer weniger, weil das Wissen nicht mehr in den Betrieben vorhanden ist.

Verschärft wird diese Entwicklung, weil immer weniger qualifizierter Nachwuchs nachrückt. Wenn heute in einem Jahrgang 20 Meisterschüler ihren Kurs erfolgreich beenden, dann ist das für die Textilpflege der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Diese Entwicklung ist eigentlich nicht nachvollziehbar. Die Textilpflege ist eine attraktive Branche. Sie ist eine der am höchsten technikdominierten Industrien und hochgradig mechanisiert und digitalisiert.

Thomas Zeck: Natürlich versuchen wir auch auf der Produktseite, unsere Lösungen so einfach wie möglich und maximal sicher zu machen. Dazu gehört unter anderem der minimale Gefahrstoffeinsatz, zum Beispiel bei Neuformulierungen von Produkten. Das fängt schon an bei den Basics, zum Beispiel bei den Detachiermitteln. Diese besitzen für ihren Einsatz Farbcodes und Nummern. Wenn bei einem Fleck diese Mittel in der vorgegebenen Reihenfolge angewendet werden, ist gewährleistet, dass das Gewebe – auch wenn verschiedene Detachiermittel zum Einsatz kommen – keinen Schaden nehmen kann.

Katja Pryss: Ein weiteres Beispiel ist unsere Dosiertechnik. Ein System kann gewährleisten, dass der Waschtunnel nur in Betrieb gehen kann, wenn auch die Dosieranlage dazu geschaltet ist. Es ist ein einfaches, aber sehr wirksames Feature, um zu garantieren, dass am Ende des Prozesses die Wäsche sauber und hygienisch einwandfrei ist.

WRP: Ein weiteres aktuell wichtiges Branchenstichwort ist Digitalisierung. Wäsche und Daten, Prozesse und Logistik sind immer enger miteinander verknüpft. Wie unterstützt die Firma Kreussler diese Entwicklung auch mit ihren Lösungen ?

Dr. Helmut Eigen: Die große Herausforderung für Betriebe ist, ihre Kunden vollständig und pünktlich mit Wäsche zu beliefern. Ein wichtiger Bestandteil hier ist das Waschsystem. Unsere Dosieranlagen versorgen die Waschstraßen punktgenau mit Waschchemie. Die Anlagen werden von uns maßgeschneidert auf die Anforderungen unserer Kunden. Die Kreussler-Philosophie ist es, eine Technik bereitzustellen, die sich einfach und sicher über offene Schnittstellen in digitale Wäschereisysteme einbinden lässt. Unsere Dosieranlagen können Daten generieren und liefern – zum Beispiel Verbräuche – für ein betriebsweites Informationssystem. In die andere Richtung ist mit der Online-Anbindung auch ein Fernzugriff auf die Anlagen möglich. So muss der Techniker nicht mehr zwingend vor Ort sein, da über eine Fernwartung zum Beispiel Dosiermengen neu justiert, Waschmengen erfasst oder Programme aufgespielt werden können.

Dr. Seiter: Mit den vielen Daten kann unter anderem die Transparenz in den Wäschereien erhöht werden. Voraussetzung ist natürlich, dass man schon im Vorfeld weiß, was man mit den vielen Informationen anfangen möchte. Machbar ist heute unglaublich viel. Trotzdem gibt es auch noch viele Unternehmer in der Branche, die nicht so ganz genau zum Beispiel ihre Prozesskosten kennen. Aber es gibt auch die Unternehmer, die ganz ohne Daten und Informationen exakt wissen, wie ihr Betrieb läuft. Sie haben einen genauen Blick für die Realität.

Thomas Zeck: Jede Wäscherei und Textilreinigung benötigt für ihre Kalkulation eine Betriebsdatenerfassung. Wir haben für unsere Kunden eine Standardlösung im Sortiment, die individuell angepasst wird. Sie liefert Istwerte – zum Beispiel Anzahl der Rückläufer oder Energie- und Wasserverbräuche –, um dann realistische Zielwerte definieren zu können. Es gibt Wäschereien, die ihre Maschinen chronisch unterbeladen. Dann kann man damit anfangen, Wäsche­posten besser zu kategorisieren, Programme zu reduzieren etc. Dabei liegt es oft an uns, entsprechende Beratungen durchzuführen. Und hier schließt sich wieder der Kreis zum Thema Qualifikation in der Branche: Auch für uns ist es schwieriger geworden, qualifizierte Mitarbeiter zu finden – gerade im Hinblick auf unser Wachstum. Das dafür erforderliche Anforderungsprofil ist wie beschrieben hoch.

Für mich ist heute das zentrale Thema nicht mehr Digitalisierung und Vernetzung. Sondern viel wichtiger für die Betriebe ist, wie sie aus den vielen Daten, die heute in ihren Betrieben generiert werden, die relevanten Informationen gewinnen und daraus die richtigen Schlüsse für ihr Geschäft ziehen können. Das ist die große Herausforderung. Was ist gut, was ist schlecht und wohin will man mit seinem Betrieb ?

Hier sehe ich ein riesiges Potential in der Branche, vor allem in der Verknüpfung von Wertschöpfungsketten zwischen Kunde und Wäscherei. In anderen Industrien ist die Verbindung zwischen Kunde und Dienstleister schon viel enger. Übertragen auf unsere Branche könnte das beispielsweise so aussehen: Wenn in einem Hotel das Bett abgezogen wird, dann wird die Wäscherei darüber in Echtzeit informiert. So kann der Betrieb seinen Wäscheeinsatz und seine Prozesse viel exakter planen.

Interview aus WRP 09-2019