Firmen, Köpfe, Unternehmen, Markt, Hintergrund

www.wrp-interview.de

Thermotex Nagel

„Wir sind heute Spezialist rund um das Thema Textillogistik“

Mit vielen innovativen Ideen und der stetigen Weiterentwicklung des Sortimentes – so hat sich Thermotex unter den Marktführern der Branche etabliert. Vor etwas mehr als drei Jahrzehnten als Spezialist für Produkte für die Textilkennzeichnung gestartet, definiert sich das Unternehmen heute als Systemanbieter für Textillogistik. „Wir helfen den Wäschereien mit unseren Lösungen bei ihrer zentralen Aufgabe Textillogistik und -kennzeichnung“, sagt Thermotex-Geschäftsführer Helmut Czichon.

Helmut Czichon
Helmut Czichon, Gesellschafter und Geschäftsführer Thermotex Nagel in Schutterwald, startete seinen beruflichen Werdegang mit einer Ausbildung zum Elektromaschinenbauer. Später arbeitete er als Niederlassungsleiter in einem Wäschereibetrieb in Heilbronn. Im Jahr 1989 stieg Helmut Czichon bei Thermotex ein. Zunächst als Verkaufsleiter und in der Entwicklung, ab 1995 als Gesellschafter und Geschäftsführer.
Die Transponder­technologie wird immer wichtiger. Aktuell ­stellen wir einen richtigen Hype fest.
WRP: Die Firma Thermotex feierte 2018 ihren 30. Geburtstag. In diesem Zeitraum hat sich die Firma von einem 2-Mann-Betrieb zu einem international tätigen Unternehmen mit aktuell 150 Mitarbeitern entwickelt. Was waren und sind die Erfolgsfaktoren ?

Helmut Czichon: Für unsere erfolgreiche Entwicklung gibt es sicherlich verschiedene Gründe. Einer ist, dass wir unser Portfolio stetig mit neuen, passgenauen Produkten für unsere Kunden weiter entwickeln konnten. Wir starteten vor 31 Jahren im Bereich Wäschekennzeichnung mit Wäschestiften zum Beschriften von Etiketten, führten später den ersten Drucker mit einem speziellen Textildruckkopf sowie den QR-Code in die Wäschereibranche ein. Wir haben seit Firmengründung immer auf innovative Produkte gesetzt.

Genauso wichtig war und ist uns eine hohe Qualität der Technik. Nach wie vor suchen unsere Kunden nicht die preiswerteste Lösung, sondern eine, die den harten Anforderungen in ihren Betrieben tagaus, tagein gewachsen ist. Beispielsweise eine Patchmaschine, die auch bei Millionen von Einsätzen ihre Aufgabe zu 100 Prozent erfüllt, da hoher Wert auf die Faktoren Druck, Zeit und Temperatur gelegt wird.

Entscheidend für unsere erfolgreiche Entwicklung waren und sind natürlich auch unsere Mitarbeiter. Neben der fachlichen Qualifikation – wir investieren regelmäßig in Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen – zeichnet sich unsere Mannschaft durch eine hohe Loyalität aus. Im letzten Jahr zählten zum Thermotex-Team 20 Mitarbeiter, die jeweils schon mindestens 20 Jahre im Unternehmen sind.

WRP: Thermotex hat den Einstieg in die Branche mit dem Thema Wäschekennzeichnung geschafft. Wie wurde Wäsche in dieser Zeit gekennzeichnet ?

Czichon: Als wir anfingen, war Kennzeichnung noch kein wichtiges Thema in den Wäschereien. Wenn Wäsche gekennzeichnet werden musste, dann wurde zum Beispiel mit Bleibuchstaben über ein Farbband auf ein Patchband gestempelt. Um die Container der Kunden auseinander zu halten, halfen sich die Wäscher mit Postentrennung. Allerdings wurden die Wäschevolumen immer größer, wodurch das Einzelteil wichtiger wurde. Die Automatisierung hielt Einzug in die Wäschereien, immer mehr Waschstraßen kamen in die Betriebe. Damit wuchs die Bedeutung des Themas Wäschekennzeichnung grundsätzlich.

Hinzu kam, dass damals die Rentex-Betriebe dringend nach einem passenden Kennzeichnungssystem für Bewohnerwäsche suchten. Wir führten QR-Code, Kennzeichnungsband und Drucktechnologien zusammen – fertig war die gesuchte Lösung. Das Kennzeichnungssystem wurde später in allen Rentex-Betrieben eingesetzt, erst damit war eine bewohnerbezogene Abrechnung möglich.

WRP: Das Thermotex-Portfolio entwickelte sich im Laufe der Jahre immer weiter. Welchen Stellenwert hat heute das Thema Kennzeichnung ?

Czichon: Nach wie vor ist die Kennzeichnung einer unserer Schwerpunkte und ein wichtiger Umsatzträger. Das ist schon in der Tradition begründet, wir sind seit 30 Jahren tief in diesem Markt verwurzelt. Heute bieten wir Lösungen für unterschiedlichste Kennzeichnungsaufgaben, dieser Bereich ist aber nur eins unserer fünf Standbeine.
Eine weitere Säule im Thermotex-Sortiment sind Embleme für eine qualitativ hochwertige Veredlung zum Beispiel für Berufs- und Schutzkleidung. In diesem Bereich versammeln sich unterschiedliche Emblemearten – aktuell sind es 17 Typen – ganz nach Geschmack oder abhängig vom Einsatzgebiet des Kunden. Übrigens schicken uns mehr und mehr Wäschereien ihre Textilien zum Veredeln mit Emblemen ins Haus. Wir bieten diesen Service an, wenn Betriebe dies nicht selbst leisten können.

Seit 1993 beschäftigen wir uns mit Transpondertechnologie, seit über zehn Jahren intensiv mit eigener Entwicklung und Produkten. Heute unterhalten wir eine Schwerpunktabteilung zum Thema Transpondertechnologie in unserem Werk 2 hier in Schutterwald. Wir entwickeln und realisieren Transponder, Antennen, Lese-Systeme und Sonder­lösungen für unterschiedliche Aufgaben und Prozesse.

Die vierte Säule bei Thermotex sind Maschinen. Hier finden sich Patchmaschinen, Thermotransferdrucker, Nadeldrucksysteme und Direktdrucksysteme. Solide Verarbeitungen und exakte Faktoren – wie die richtige Kombination aus Drucker, Etikettenmaterial und Farbband – haben einen hohen Stellenwert bei unserem Maschinenbau.

Unser fünftes Standbein ist die Wäschelogistik. Dazu gehören Wäschesortiersysteme für den Wareneingang und die Expedition, Wäscheverteilschränke und -transportsysteme sowie Handelswaren wie unter anderem Wäschesäcke und -netze. Unsere Wäscheverwaltungssoftware Saturn eignet sich besonders für den Einsatz in Alten- und Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen und kleineren Wäschereien.

Sie sehen, unsere Angebote reichen heute weit über das Thema Kennzeichnung hinaus. Das Thermotex-Sortiment ist in den letzten 30 Jahren stetig gewachsen, vor allem in den letzten 10 Jahren noch einmal rasant. Heute präsentiert sich unser Portfolio außerordentlich tief und breit, es umfasst rund 110.000 Artikel. Der kleinste Artikel, ein Transponder, wiegt 0,15 Gramm, der schwerste ist eine Sortieranlage für Bewohnerwäsche, sie bringt 1.800 Kilogramm auf die Waage. Mit diesem Sortiment versorgen wir regelmäßig im Bereich Textillogistik rund 8.000 Kunden.

WRP: Welche Kunden, welche Märkte werden mit diesem Portfolio beliefert ?

Czichon: Unsere Kunden sind unter anderem Wäschereien, Altenheime, Krankenhäuser, Hotels, Industrie, Konfektionäre, Feuerwehren, Polizei und Technische Hilfswerke.

Weltweit liefert Thermotex heute in 60 Länder. Nach wie vor ist Deutschland unser wichtigster Markt. Wir sind aber auch Marktführer in Österreich und in der Schweiz, in den weiteren internationalen Ländern haben wir ein ständiges Wachstum.

WRP: Welchen Stellenwert hat die Transpondertechnologie aktuell für Thermotex beziehungsweise für die Branche ?

Czichon: Die Transpondertechnologie wird immer wichtiger, aktuell stellen wir einen richtigen Hype fest. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, eine ist sicherlich: Die Wäschereien stehen unter einem hohen, permanenten Preisdruck und suchen nach Lösungen, ihre Kosten zu minimieren. Transpondertechnologie ist eine Möglichkeit, Prozesse zu optimieren und damit Einsparungen zu erreichen. Beispielsweise lässt mit UHF-Transpondern ausgestattete Wäsche sich lagenunabhängig schnell und in großen Stückzahlen automatisch lesen. Dagegen muss Wäsche mit QR-Code oder Barcode händisch eingescannt werden – das bedeutet Personal und Zeitaufwand.

Wir führen ein breites Sortiment an Transpondern für unterschiedlichste Aufgaben. Unsere HF-Transponder eignen sich hervorragend für die vollautomatische Identifikation von Textilien. Sie verfügen über eine weltweit lesbare und eindeutige Identifikationsnummer. Zusammen mit einer Software lassen sich über diese Nummer beispielsweise Trägername, Anzahl der Waschzyklen und Waschanforderungen zuweisen. HF-Transponder können auch im Stapel gelesen werden, sie sind aktuell in der Praxis weit verbreitet.

UHF-Transponder haben wegen der großen Reichweite ein breites Einsatzgebiet, kommen vor allem in der Container- und Pulkerfassung zum Einsatz. In der optimalen Kombination mit Antenne, Decoder sowie Reader können gezielt Einzeltextilien ein- und ausgelesen werden. Die UHF-Technik hat gerade für den Bereich Flachwäsche eine neue Dimension geöffnet, ist aber auch für Berufsbekleidung und Bewohnerwäsche geeignet. Für Sonderwünsche haben wir auch LF-Transponder im Sortiment, die immer nur einzeln gelesen werden können.

Unsere Stärke liegt nicht nur darin, für jede Anwendung den optimalen Chip sowie die dazu passenden Lesesysteme anbieten zu können. Sondern wir können Räume so ausstrahlen, dass das Zusammenspiel zwischen Antenne und Transponder unter allen Bedingungen in der Wäscherei, im Fahrzeug, Hotel, Krankenhaus etc. optimale Ergebnisse sprich sehr hohe Leseraten ermöglichen.

Natürlich müssen die Transponder auch auf das Textil aufgebracht werden. Wir haben Patches, Säckchen und Passepartouts für Berufskleidung, Hemden etc. im Sortiment. Auch hier verknüpft sich unsere technische Kompetenz mit unserem textilen Know-how. Jährlich produzieren wir circa 1,4 Milliarden Etiketten. Wir entwickeln seit Jahrzehnten passgenaue Lösungen, um diese sicher auf der Wäsche zu fixieren.

Unsere Außendienstmitarbeiter, zur Zeit sind es 15 Kollegen, sowie 4 Anwendungsingenieure beraten den Kunden vor Ort über die Möglichkeiten der Transpondertechnologie. Sind die Anforderungen definiert, erläutert unser Mitarbeiter mögliche Lösungen. Dazu gehören auch Empfehlungen hinsichtlich Transpondertyp und -größe sowie seine Anordnung. Durch sein Wissen und seine Erfahrungen ist immer gewährleistet, dass die Technik in der Praxis erfolgreich angewendet werden kann. Für diese optimale Lösung arbeiten wir weltweit mit 32 Softwarepartnern zusammen.

WRP: Für welche Aufgaben kommt die Thermotex-Transpondertechnologie zum Einsatz ?

Czichon: Das ist sehr vielfältig. Unter anderem wird damit Berufsbekleidung, PSA, Bewohner-, Krankenhaus- und Hotelwäsche gekennzeichnet und gelesen. Bei der Hotelwäsche kommt das Interesse für die Transpondertechnologie übrigens immer mehr aus den Häusern selbst. Zum Beispiel, um die Ursachen für ihren Wäscheschwund zu ergründen. Das geht nur, wenn man den Ein- und Ausgang der Wäsche eindeutig bestimmen kann.

Immer häufiger setzen auch Konfektionäre auf Transponder, um ihre Textilien tracken zu können, die im Ausland produziert werden. Dann können die Konfektionäre überwachen, ob die Teile in den georderten Stückzahlen auch ihren Bestimmungsort erreichen. Mit der Technik ist es mittlerweile möglich, eine ganze Palette mit allen Kartons – ohne diese öffnen zu müssen – einzulesen.
Das gilt genauso für Wäschereien. Ist die neue Wäsche mit Transpondern ausgestattet, kann die Wäscherei sofort bei Anlieferung kontrollieren, ob sie in der bestellten Zahl angekommen ist. Wir haben für diese Aufgabe eine Box entwickelt und gebaut, die die komplette Palette aufnehmen und lesen kann. So müssen keine Kartons ausgepackt und Textilien von Hand gezählt werden. Auch das spart Arbeitszeit, damit Kosten und minimiert das Fehlerrisiko.

Die Anforderungen an die Transpondertechnologie sind unterschiedlich und stellen sich immer wieder neu. Deshalb haben wir zum Beispiel für den Bereich Bewohnerwäsche einen UHF-Transponder entwickelt, der zwei Technologien verbindet: Das Einlesen von QR-Code händisch mit einem Scanner oder automatisch mit einer Leseantenne – das macht ihn je nach Prozess ganz besonders flexibel.

Die Transpondertechnolgie und die Prozesse, die man darüber realisieren kann, bedeuten schon heute viele Vorzüge. Wäschereien können ihre Automatisierung weiter vorantreiben, gleichzeitig in den Prozessen Daten und Informationen gewinnen. Man kann zum Beispiel an der Sackbeladeanlage Teile registrieren und messen, am Tunnelfinisher noch einmal eine Zählung durchführen etc. Dank dieser Informationen können Statistiken entwickelt oder Kostenstellen zugewiesen werden. Für einen Berufskleider-Leaser ist es enorm wichtig zu wissen, wie oft sich ein Teil im Service dreht, wieviel Geld er damit verdient.

Grundsätzlich steigern alle Kennzeichnungsarten – egal ob mit Transponder oder Barcode – die Transparenz in den Wäschereiprozessen. Eine hohe Prozesstransparenz innerhalb und außerhalb der Betriebe macht offensichtlich, wenn es Probleme, Fehler und Engpässe gibt. Werden diese von der Wäscherei abgestellt und beseitigt, steigt die Kundenzufriedenheit. Das ist auch wichtig für die Kundenbindung. Schließlich wird das Thema Transponder auch in Ausschreibungen immer wichtiger. Deshalb setzen heute auch immer mehr mittelständische und kleine Wäschereien auf Transpondertechnologie beziehungsweise eine verstärkte Kennzeichnung, um Verluste einzudämmen, Fehler zu vermeiden oder Prozesse zu aktivieren.

WRP: Was empfiehlt Thermotex, wenn sich ein Kunde intensiver mit dem Thema Transpondertechnologie beschäftigt und diese in seine Prozesse einführen möchte ?

Czichon: Wenn man Transpondertechnologie neu in seinem Betrieb einführt, empfiehlt es sich zum Beispiel, damit einen neuen Kunden auszustatten. Man kann auch anfangen, einzelne Kunden beziehungsweise einzelne Textilarten mit dieser Technologie auszurüsten. Wir haben unter anderem Kunden, die dies für ihren Artikel Mopp realisiert haben. Sie hatten hohe Verluste durch Schwund zu beklagen und rüsteten ihre Möppe mit Transpondern aus. Außerdem haben wir für sie vor den Waschstraßen spezielle Steigförderbänder mit Antennen entwickelt und gebaut. Sie besitzen eine spezielle Abschirmung, damit die Antennen optimal empfangen können. Jetzt werden die Möppe containerweise auf diese Bänder abgeworfen und automatisch eingelesen.

Früher mussten die Möppe händisch gezählt werden. Das bedeutete Personaleinsatz und auch das Risiko, dass dabei Fehler passierten. Die Transpondertechnologie liefert exakte Informationen beispielsweise über die Lebensdauer des Mopps, wann er die Wäscherei erreicht und wieder verlassen hat – beziehungsweise ob er diesen Weg überhaupt noch findet.

Auch wenn man nur einen Teil der Wäsche mit Transpondern ausstattet, läuft diese ganz normal durch die Prozesse. Sie kann jederzeit gefunden, identifiziert und aussortiert werden.

WRP: Thermotex hat heute auch Sortiersysteme für Bewohnerwäsche für den Wäscheeingang und -ausgang im Sortiment. Wie passen solche Lösungen in das Thermotex-Sortiment ?

Czichon: Wir sehen unsere zentrale Aufgabe darin, den Wäschereien Lösungen an die Hand zu geben, mit denen eine möglichst hohe Kontrolle ihrer Textilien gewährleistet ist. Dazu gehören auch Systeme zur Fehlervermeidung. Darum haben wir unter anderem die Sortierregale Sortexx für Bewohnerwäsche entwickelt. Wichtig sind hier zwei Kontrollfunktionen: Ein Kontrolllicht zeigt an, dass der Mitarbeiter für ein Wäscheteil das richtige Fach gewählt hat. Anschließend muss er es auch hineinlegen, da eine Lichtschranke sonst ein Fehlersignal anzeigt. Dadurch ist eine Falschsortierung nicht möglich.

Heute ist der Wettbewerb in der Wäschereibranche groß und die Preise sind niedrig. Fehllieferungen und die daraus entstehenden Kosten wollen und können die Betriebe heute nicht mehr tolerieren. Gleichzeitig sind durch die Konzentrationsprozesse auch im Alten- und Pflegemarkt die Kunden der Wäschereien immer größer geworden. So kann es passieren, dass durch einen unzufriedenen Kunden nicht nur ein Haus, sondern gleich mehrere seiner Standorte verloren gehen.

WRP: Wie wird sich das Thema Kennzeichnung in den nächsten Jahren entwickeln ?

Czichon: Grundsätzlich wird es in Richtung prozess­orientierte Kennzeichnung gehen. Deshalb wird die Transpondertechnologie in den nächsten Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen. Sie steht für exakte, sichere, fehlerfreie Prozesse.

In den Betrieben wird die Automatisierung weiter voran schreiten, neue Medien werden Einzug halten. Vielleicht werden dann Hologramme den Mitarbeitern zur Seite gestellt, um Arbeitsschritte vorzugeben oder Prozesse noch einfacher und fehlerfrei zu machen – zum Beispiel, um auf einer Berufskleidung einen Transponder oder ein Emblem exakt zu positionieren.

Unsere Entwicklungsarbeit ist aber nicht nur auf die Zukunft gerichtet. Sie findet jeden Tag statt. Regelmäßig halten neue Entwicklungen aus der Chemie und der Technik Einzug in die Wäschereien. Immer wieder werden neue Anforderungen an Embleme oder Etiketten bezüglich Waschtechnik, Hautfreundlichkeit, Elastizität etc. gestellt. Trockner, Mangeln und Finisher arbeiten heute mit immer höheren Temperaturen. Damit steigt das Risiko, dass sich die Kennzeichnung vom Textil ablöst. Aktuell arbeiten wir mit verschiedenen Patchtemperaturen von 140 bis 210°C, aber ab einer Temperatur von 230°C werden Textilien geschädigt. Unser Fenster ist also relativ klein. Das bedeutet immer wieder neue Bedingungen und Anforderungen für unsere Produkte. Sie müssen deshalb immer weiter entwickelt werden, um den Prozessen des Sinnerischen Kreises zu bestehen.

Keine Wäscherei kann heute auf Kennzeichnung verzichten. Gibt es Probleme im größeren Maßstab, dann ist das für den Betrieb der Supergau. Wir müssen schnell Lösungen anbieten, in der Regel können wir das auch. Das wissen auch unsere Kunden zu schätzen. Für die Kunden von Thermotex ist Kennzeichnung Vertrauenssache und dafür übernehmen wir auch jeden Tag die Verantwortung.

WRP: Welche Ziele hat Thermotex in den nächsten Jahren ? Was muss unternommen werden, um weiterhin erfolgreich zu sein ?

Czichon: Für Thermotex gilt es weiter, neue Ideen zu entwickeln, Technologien voranzubringen, nach Lösungen zu suchen, die die automatischen Prozesse der Industrie passgenau unterstützen, noch heute unbekannte Kundenwünsche auszumachen – so wie wir es in den vergangenen drei Jahrzehnten geschafft haben.

Genauso wichtig wird es sein, Lösungen und Konzepte weiter zu entwickeln. Vielleicht werden dann schon in den nächsten Jahren Konfektionäre unsere Transponder nicht nur in ihre Teile einnähen, um diese auf dem Weg in die Wäscherei zu tracken. Sondern genau diese Transponder wird die Wäscherei dann weiter nutzen. Sie bekommen eine neue Aufgabe, durchlaufen zusammen mit der Wäsche immer wieder die Prozesse, bis sie nach einer festgelegten Anzahl von Zyklen aussortiert und einem Recyclingprozess zugeführt werden.

Noch in diesem Jahr werden wir mit unseren Softwarepartnern zwei Projekte mit Raumausgabesystemen für Textilien abschließen. Dann werden wir als Systemanbieter ganze Räume überwachen, um Teileumlaufmengen und damit Kosten optimal zu gestalten.

In Zukunft möchten wir uns noch intensiver um das Thema Ressourcen und Umwelt kümmern und in unser Denken und Handeln einbeziehen. Wir haben verschiedene Umweltprojekte angeschoben, zum Beispiel entstehen gerade auf unserem Grundstück ein Insektenhotel und ein Bienenstock mit Blumenwiese. Durch die neue Verpackungsverordnung ist das Thema Umwelt weiter in das Bewusstsein der Branche gerückt. Auch daran arbeiten wir: Welche Verpackungen sind nachhaltig ? Trotzdem darf unser Kunde natürlich auch in Zukunft erwarten, dass seine neue Anschaffung ordentlich verpackt angeliefert wird. Auch hier versuchen wir, für unseren Kunden einen Mehrwert zu schaffen.

Interview aus WRP 04-2019