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Milnor Deutschland Vertriebspartner

Aus Ott Wäschereitechnik wird Milnor Deutschland Vertriebspartner

Bei Ott Wäschereitechnik waren schon immer Maschinen der Pellerin Milnor Cooperation ein zentraler Bestandteil im Portfolio. Seit vielen Jahren kümmert sich die Firma um den Vertrieb, um die Ersatzteilversorgung und den Service der Technik des US-amerikanischen Herstellers. Vor diesem Hintergrund hat der Dienstleister jetzt einen konsequenten Schritt unternommen: Ab sofort firmiert die Firma als Milnor Deutschland Vertrieb. „Wir werden exklusiv und noch enger mit Milnor zusammen arbeiten“, berichtet Geschäftsführer Florian Ott.

Florian Ott
Florian Ott ist teilhabender Geschäftsführer Milnor Deutschland Vertriebspartner. Er machte eine technische Ausbildung und war anschließend bei einem Unternehmen der Fein- und Zerspanungstechnik in Hamburg angestellt. Nach einem halbjährigen Arbeitsaufenthalt in Slowenien arbeitete er für das Maschinenbauunternehmen Southern Cross in Brisbane/Australien. Anschließend war er als technischer Übersetzer für den US-amerikanischen Hersteller Milnor tätig. Im Jahr 2005 stieg Florian Ott in das Familienunternehmen ein.
Wir werden als Milnor Deutschland Vertriebs­partner noch ein Stück internationaler werden.
WRP: Herr Ott, ab sofort tritt ihre Firma im Markt als Milnor Deutschland Vertriebspartner auf. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen ?

Florian Ott: Unsere Firma arbeitet seit vielen Jahren mit dem Wäschereimaschinenhersteller Milnor zusammen. Das startete bereits 1976 mit meinem Vater, und mit den Jahren ist die Kooperation immer intensiver geworden. Wir waren und sind von der Milnor Technik absolut überzeugt, auch deshalb besteht heute zwischen beiden Firmen eine gute und vertraute Partnerschaft. Wir vertreiben die Technik, planen damit neue Installationen, bieten den dazu passenden Aftersale-Service und unterhalten hier in Heede bei Hamburg ein umfangreiches Ersatzteillager für Maschinen von Milnor. Und wir kümmern uns auch seit vielen Jahren um die Überholung und den Vertrieb von gebrauchten Waschschleudermaschinen unseres Herstellers.

WRP: Jetzt haben Sie sich mit der Umfirmierung endgültig für Milnor entschieden.

Ott: Richtig. Schon länger gab es Überlegungen, wie man die Zusammenarbeit zwischen Ott Wäschereitechnik und Milnor weiter vorantreiben kann. Ideen wurden diskutiert und schließlich wurde ein Konzept und ein Fahrplan erarbeitet. Ein bedeutender Schritt auf diesem Weg war das Milnor Zolllager, das vor drei Jahren hier an unserem Standort eröffnet wurde. Vorgehalten werden in diesem Lager Waschschleudermaschinen von 27 bis 125 Kilogramm. Das verkürzt die Lieferzeiten für diese Maschinen auf wenige Tage.

Das Zolllager war für beide Firmen ein wichtiges Zeichen. Für uns unterstrich es die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Milnor, der Hersteller betonte sein Engagement im deutschen Markt. Es war für uns von zentraler Bedeutung, wenn wir uns weiter an das Unternehmen Milnor anlehnen wollen, dann müssen wir das im Markt als Milnor Deutschland machen. Heute können wir mit dem neuen Firmennamen Milnor Deutschland ganz klar im Markt zeigen, für was unser Unternehmen steht. Dass wir nämlich exklusiv mit Milnor zusammen arbeiten und noch enger mit dem Hersteller zusammenrücken.

Mit der Umfirmierung in Milnor Deutschland Vertriebspartner haben wir einen weiteren wichtigen Schritt unternommen. Bis hierhin gab es viele Gespräche und Diskussionen mit dem Inhaber Jim Pellerin und der Geschäftsführung des Unternehmens. Man muss dazu wissen, dass wir weltweit die erste Vertretung in der über 70-jährigen Firmengeschichte des Herstellers sind, die den Namen und das Logo der Marke führen wird. Selbst in Louisiana, hier ist Milnor beheimatet, arbeitet der Hersteller mit einem unabhängigen Händler zusammen. Mir war deshalb schon klar, dass es nicht einfach werden würde, das Unternehmen zu überzeugen.

Schließlich waren vor zwei Monaten ein Geschäftsführer von Milnor und zwei Vertreter von Milnor International bei uns in Heede zu Besuch, um den Vertrag zu unterzeichnen. Jetzt firmieren wir als Milnor Deutschland Vertriebspartner GmbH und können ganz offiziell Namen und Logo von Milnor für den deutschen Markt führen.

WRP: Welche Ziele hat Milnor Deutschland ?

Ott: Natürlich möchten wir mit der Fokussierung auf Milnor unseren Standort in Zukunft weiter stärken. Es eröffnen sich jetzt ganz einfach neue Möglichkeiten, zum Beispiel treten wir jetzt als Repräsentant der Marke Milnor und nicht mehr als ein Zwischenhändler auf. Davon wird nicht nur der deutsche Markt profitieren.

In Zukunft soll Milnor Deutschland auch als Drehkreuz für Milnor für die Expansion in weitere Märkte dienen. Milnor ist in einigen Regionen bisher nicht mit eigenen Händlern vertreten. Es ist für einen Hersteller, der international agiert, ganz grundsätzlich schwierig, vor Ort passende Partner zu akquirieren. Denn diese müssen Ersatzteile vorhalten, sie haben keinen schnellen Zugriff auf die Milnor-Maschinen und besitzen auch noch nicht das notwendige technische Know-how.

Damit potentielle Händler diese erste Hürde leichter überspringen können, werden wir sie aus Heede mit neuer Technik aus dem Zolllager, mit unserem Ersatzteilvertrieb und Support, unserem Know-how und Netzwerk unterstützen. So hat ein Händler einen einfacheren Einstieg. Und unsere Firma profitiert, weil wir neue Märkte erreichen, die uns sonst verschlossen blieben. Somit werden wir in Zukunft als Milnor Deutschland auch noch ein Stück internationaler werden.

WRP: Was bedeutet es für Ihren Kunden, wenn jetzt nicht mehr der Servicetechniker von Ott Wäschereitechnik, sondern von Milnor Deutschland Vertriebs­partner zu ihm in den Betrieb kommt ?

Ott: Wir sind jetzt voll und ganz auf Milnor konzentriert. In der Praxis wird sich für unsere Kunden nichts ändern. Service sowie Support mit Ersatzteilen werden von uns gewohnt verlässlich geleistet. Weil wir jetzt noch dichter an die Zentrale von Milnor in New Orleans rücken, wird insgesamt die Kommunikation einfacher, schneller und direkter. So können wir zum Beispiel Teile, die nicht in unserem Ersatzteillager liegen, viel schneller anfordern und liefern lassen. Das ist natürlich positiv für unsere Kunden.

WRP: Ist das alles mit der gegebenen Infrastruktur in Heede möglich ?

Ott: Den Ersatzteilversand leisten wir bereits seit 30 Jahren und das auch schon jetzt international. Und es wird natürlich nicht die Regel sein, dass wir einen Techniker zum Beispiel nach Ungarn schicken. Dafür sind in Zukunft in den verschiedenen Märkten lokale Partner verantwortlich. Aber wir werden sie von Heede aus unterstützen. Der Händler muss nicht mehr Milnor USA kontaktieren, sondern hat uns ohne Zeitverschiebung zur Verfügung. So praktizieren wir das schon heute bei Anfragen zum Beispiel aus dem afrikanischen Markt, hier betreuen wir beispielsweise Kunden in Nigeria, Äthiopien und dem Kongo.

WRP: Sie setzen mit Ihrer Firma jetzt voll auf die Karte Milnor und damit ausschließlich auf Wasch- und Trockentechnik. Und das in einer Zeit, in der so manche Wäscherei bei der Technik nur einen Ausstatter, Stichwort Alles-aus-einer-Hand, favorisiert.

Ott: Deshalb standen auch wir mit unserer Firma vor einer Richtungsentscheidung: Machen wir diese Entwicklung hin zu einem Komplettangebot mit und erweitern unser Sortiment ? Sollen wir mehr Marken ins Portfolio aufnehmen, um auch eine größere Bandbreite abdecken zu können ? Sollen wir es machen wie viele andere Vertriebsunternehmen ? Aber können wir dann unseren Kunden noch den gewohnten Support bieten ? Oder konzentrieren wir uns ausschließlich auf einen Hersteller, nämlich Milnor, und damit nur auf seine Wasch- und Trockentechnik ?

Wir haben entschieden, wir möchten nicht auf das Spielfeld der Komplettausstatter. Es gibt in einer Wäscherei unterschiedlichste Anforderungen an die Technik und die Prozesse. Wir meinen, dass ein Komplettausstatter für diese vielfältigen Aufgaben nicht immer für jeden Bereich auch die beste Lösung liefern kann. Und unsere Philosophie war schon immer, dass wir nur das machen, was wir besonders gut können. Und das ist seit vielen Jahren der Bereich Waschen und Trocknen. Hier besitzen wir großes Know-how und viel Erfahrung. Wenn er einen Lieferanten sucht, bei denen alle Maschinen das gleiche Logo tragen, dann können wir das nicht bieten. Wenn der Kunde aber nach hoher Produktqualität und Verfügbarkeit sowie nach verlässlicher Unterstützung sucht, dann lohnt es sich in jedem Fall, mit uns ins Gespräch zu kommen und mal zu schauen, was Milnor anzubieten hat.

Für den Kunden ist alles aus einer Hand dann wichtig, wenn es um die Planung geht. Er verhandelt dann nur mit einem Partner und bekommt von ihm einen Gesamtpreis. Aber irgendwann stehen die Maschinen in der Wäscherei und dann gibt es eben nicht nur einen Ansprechpartner, sondern viele mehr, wenn die Waschschleudermaschine, die Mangel oder das Transportband streikt. Spätestens dann hat für mich das zentrale Argument für Alles-aus-einer-Hand keine Bedeutung mehr.

Trotzdem können wir natürlich auch Projekte stemmen, die über den Wasch- und Trockenbereich hinausgehen. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit einer Reihe von Partnern zusammen, die Lösungen für alle Prozesse in der Wäscherei anbieten.
Wenn man sich als Dienstleister in dieser Branche auf einen Bereich in der Wäscherei spezialisiert, bedeutet das auch, dass man seinem Kunden für jede Aufgabe in diesem Bereich immer die beste Lösung anbieten kann. Das heißt nicht nur ein optimal passendes Maschinensortiment, sondern genauso die dafür notwendige Beratungs- und Servicekompetenz offerieren zu können.

WRP: Milnor gilt hierzulande vor allem als Spezialist für Open Pocket Maschinen, die vor allem in Wäschereien für Berufskleidung und auch Matten eingesetzt werden. Wie komplett ist dieses Angebot des Herstellers ?

Ott: Das Sortiment von Milnor im Bereich Waschschleudermaschinen hat eine große Bandbreite und umfasst Beladegrößen von 27 bis 350 Kilogramm. Komplettiert wird das Angebot mit Waschstraßen, Entwässerungseinheiten, Trocknern und Transportsystemen. Vor zwei Jahren wurde eine letzte Lücke in der Waschtechnik geschlossen. Seitdem umfasst das Portfolio auch kleinere Durchlademaschinen. Diese Maschinen können jetzt auch mit Wiegezellen ausgestattet werden.

Das Milnor Wiegesystem WeighFlow unterscheidet sich von den diesbezüglichen Lösungen anderer Marktpartner. Milnor nutzt nicht nur die Wiegezellen, um dann die Wasserstände mittels einer einfachen Druckdose anzupassen. Das WeighFlow Wiegesystem besteht immer aus der Kombination Wiegezellen und Durchflussmengenmesser. Nur so kann eine litergenaue Wasserzufuhr garantiert werden. Die Philosophie von Milnor ist, wenn ein Kunde in eine Option wie das Wiegesystem investiert, um eine genaue Gewichtserfassung mit angepasster Wassermengenanpassung zu bekommen, dann muss die Wassermenge auch akkurat gemessen werden. Diese Genauigkeit kann nur über einen Durchflussmengenmesser gewährleistet werden.

Der gute Ruf von Milnor hierzulande ist vor allem in der Zuverlässigkeit und Langlebigkeit der Technik begründet. Dabei war und ist der Hersteller auch Wegbereiter für innovative Lösungen. Ein Beispiel ist das StaphAirtrol System. Das System garantiert, dass es zu keinem Luftaustausch zwischen reiner und unreiner Seite kommen kann. Das wiederum minimiert das Risiko, dass die Wäsche nach dem Waschen wieder bakteriell verunreinigt wird.

Hierzulande finden sich in Wäschereien auch Trennwandmaschinen, bei denen die Zu- und Abluft auf der unreinen Seite erfolgt. Das ist gerade hier in Deutschland ein bisschen verwunderlich, weil hier eine Vielzahl von Regelungen und Vorschriften für eine hygienisch sichere Wäsche existieren. Um den Prozess sicher zu machen, müssen die Wäschereien einen enormen Aufwand betreiben: Sie trennen den Betrieb in eine reine und eine unreine Seite, richten Schleusen für das Personal sowie Desinfektionsanlagen für Rollcontainer ein, halten sich penibel an Desinfektionspläne usw. Trotzdem gibt es Betriebe, die bei ihrer Trennwandmaschinentechnik das Risiko einer erneuten Kontamination der Wäsche durch unreine Luft in Kauf nehmen. Beim Ablassen der Wasch- und Spül­flotte wird jedes Mal das gleiche Volumen Luft aus der unreinen Seite durch die desinfizierte Wäsche in der Maschine gezogen. Das ist mit den Vorgaben des RKI nicht vereinbar. Übrigens liefert Milnor seine Trennwandmaschinen bereits seit den 1960er Jahren mit dem StaphAirtrol System aus.

Interview aus WRP 12-2018