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Herbert Kannegiesser

Weniger Preisdiskussion, mehr Fokus auf Hygiene- und Logistikkompetenz

Roboterisierung der Wäscherei und hoch verstetigte Prozesse, die zuverlässig verfügbar sind – das sind für Martin Kannegiesser die Werkzeuge, um Wäschereien fit zu machen für den aktuellen und zukünftigen Wettbewerb. Zugleich fordert er die Betriebe auf, auch beim Marketing neue Ideen zu entwickeln. „Sie müssen weg von der beherrschenden Preisdiskussion und wieder viel stärker ihre Hygiene- und Logistikkompetenz in den Fokus der Kunden rücken“, stellt er dazu fest. Wir trafen den Geschäftsführer der Firma Herbert Kannegiesser auf der Hausausstellung Expo 2018 in Bad Salzuflen, die unter anderem aus Anlass des 70-jährigen Firmenjubiläums veranstaltet wurde.

Martin Kannegiesser
Diplom-Kaufmann Martin Kannegiesser ist Geschäftsführer des Technologielieferanten Herbert Kannegiesser in Vlotho/Westfalen und Vorsitzender der Familienstiftung Martin Kannegiesser. Die Stiftung hält alle Geschäftsanteile der Firma Kannegiesser. Martin Kannegiesser trat unmittelbar nach Abschluss eines betriebswirtschaftlichen Studiums an der Universität Köln 1966 als Vertriebsleiter in den elterlichen Betrieb ein, übernahm 1970 die Geschäftsführung und 1974 nach dem Tod seines Vaters und Firmengründers auch die Inhaberfunktion. Seit 1975 war er in ehrenamtlichen Funktionen, wie Vorsitzender des regionalen Arbeitgeberverbandes, Vorsitzender auf Bezirks- und Landesebene in der CDU-Mittelstandsvereinigung, im VDMA. Im Jahr 1994 wurde er Verhandlungsführer von Metall NRW, 1996 dessen Präsident und 1997 Vizepräsident von Gesamtmetall. Von September 2000 bis 2012 war er Präsident von Gesamtmetall, des größten deutschen Arbeitgeberverbandes, außerdem Vizepräsident des Bundes der deutschen Arbeitgeber (BDA). In 2010 wurde er zum neuen Präsidenten des Dachverbandes der europäischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände CEEMET gewählt.
Die Preis­fokussierung drückt die zentralen Kompetenzen der Wäschereien viel zu sehr in den Hintergrund.
Hochmoderne Technologien, die schnell und leistungsfähig sind, bedingen eine solide mitgewachsene Mechanik.
WRP: Herr Kannegiesser, die Roboterisierung hat in vielen Branchen schon vor vielen Jahren Einzug gehalten. Jetzt kommt diese Entwicklung auch in dieser Branche langsam an. Warum hat es gedauert ?

Martin Kannegiesser: Das ist unter anderem in dem Produkt begründet, das in den Wäschereien bearbeitet wird: Wäscheteile sind biegeschlaff, sie haben keine fest umrissene Form und sie sammeln sich an in Haufen. Das macht die Aufgabe Roboterisierung der Wäscherei, also die Automatisierung durch Roboter, ziemlich herausfordernd.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist unser automatisiertes System für die Teilesortierung auf der unreinen Seite. Wir mussten erst eine Menge technischer Voraussetzungen schaffen, um diese Lösung auf unserer Expo 2018 präsentieren zu können. Zum Beispiel muss der Roboter, wir nennen ihn Gripmaster, ein einzelnes Teil aus einem Wäschehaufen separieren. Dabei hilft ihm neuartige 3-D-Kameratechnik und eine intelligente Bildauswertung. Sie bestimmen die Position, an der der Gripmaster zweckmäßigerweise das Wäschestück am besten aufnehmen kann. Und natürlich muss das Ganze schnell gehen. Der Roboter vereinzelt jetzt 1.000 Teile in der Stunde.

Dann übergibt der Gripmaster das vereinzelte Teil an einen Träger. Anschließend wird es im Durchlauf von einer 3-D-Kamera erfasst, mittels einer intelligenten Bildauswertung identifiziert und in den passenden Wäschesack sortiert. Die Posten werden in einer Sackanlage gespeichert und dann für den Waschprozess abgerufen.

Eine weitere auf der Expo 2018 vorgestellte Etappe in die Roboterisierung der Wäscherei ist ein System für die automatische Beschickung der Frotteefaltmaschinen. Natürlich werden diese Entwicklungen weitergehen. Aber wir können hier zeigen: Diese Technologie ist jetzt da, die Grundprinzipien sind gelöst. Die Besucher können nachvollziehen, dass unser Ansatz auch in der Praxis gut funktionieren wird. Das Thema Roboterisierung löst auf der Expo 2018 das größte Interesse bei unseren Gästen aus.

WRP: Was bedeutet die Roboterisierung für die Wäschereien ?

Kannegiesser: Nach wie vor sind die Personalkosten der größte Kostenposten für die Betriebe. Die Roboterisierung der Wäscherei ist erst einmal ein sehr wirksames Werkzeug, diese Kosten zu minimieren. Es geht aber nicht nur um weniger Personal, sondern unter anderem auch darum, Mitarbeiter effektiver einzusetzen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass das Wäschereipersonal zwischen 50 bis 60 Prozent der Arbeitszeit mit Sortiervorgängen beschäftigt ist. Diese Prozesse gilt es zu straffen und zum Beispiel durch die roboterisierte Schmutzwäschesortierung zu automatisieren.

Das Thema Roboterisierung gewinnt weiter an Bedeutung, weil die Betriebe immer mehr Probleme haben schon bei der Personalrekrutierung. Wenn die Branche hier nicht gegensteuern kann, wird es sie in dieser Form in 20 Jahren nicht mehr geben. Dann wird diese Dienstleistung wieder anders gelöst, zum Beispiel mittels Inhouse-Wäschereien. Die ganze komplexe Logistik, die heute ein Textilservice-Unternehmen bereitstellt, ist dann nicht mehr notwendig.

WRP: Wie nah ist das System mit dem Gripmaster schon an der Praxis ?

Kannegiesser: Wir werden das automatische Sortiersystem für die Schmutzwäsche jetzt in einzelnen Betrieben einrichten. Ich denke, es wird schon in wenigen Jahren Standard sein in Wäschereien.

WRP: Wenn Wäschereien durch zum Beispiel Roboterisierung einen immer höheren Automatisierungsgrad erreichen, werden sie irgendwann ganz ohne Personal sein ?

Kannegiesser: Ich denke, dass die Betriebe in Zukunft weitgehend ohne Personal arbeiten werden. Schon heute lässt sich beobachten, dass Wäschereien Leistungen outsourcen. Zum Beispiel vereinbaren immer mehr Kunden mit uns verschiedene Wartungssysteme bis hin zur Vollwartung. Sie möchten möglichst wenig bis gar nichts mehr mit der Technik zu tun haben. Vor Ort in den Wäschereien sitzen dann Kannegiesser-Mitarbeiter, halten die Anlagen in Betrieb und führen die Wartungen durch. So können sich die Wäschereien auf ihre Organisation und Logistik konzentrieren.

WRP: Welche weiteren großen Themen sehen Sie aktuell und in Zukunft für die Wäschereien ? Wie werden diese Themen auf der Hausausstellung Expo 2018 gespiegelt ?

Kannegiesser: Unsere Maschinentechnik ist Basis für jede unserer Hausausstellungen – das gilt auch für die Expo 2018. Die Technik muss sich in den Betrieben durch maximale Verfügbarkeit auszeichnen, das ist seit Jahren eines unserer Leitthemen. Ein textiler Dienstleister muss seinen Kunden nicht nur vollständig und pünktlich zur vereinbarten Zeit beliefern, sondern muss zudem flexibel und schnell auf neue Anforderungen reagieren können. Elementar dafür ist eine Technik mit hoher Verfügbarkeit. Ist das nicht gewährleistet, werden Lieferketten unterbrochen und Termine nicht gehalten. Natürlich kostet es auch Geld, wenn Anlagen stehen und das Personal im Betrieb untätig sein muss.

Zum Thema Verfügbarkeit gehört natürlich genauso die Serviceorganisation inklusive umfassender Wartungssysteme. Beispielsweise stellen wir für unsere Kunden über 400 Servicefilme bereit, in denen im Detail die Wartung vorgestellt wird. Sie zeigen dem Kundentechniker unter anderem jeden notwendigen Handgriff.

WRP: Eine hohe Verfügbarkeit der Technik ist ein wesentlicher Faktor für die Betriebe, um im Wettbewerb bestehen zu können. Gleichzeitig müssen Wäschereien immer leistungsfähiger sein.

Kannegiesser: Das ist richtig. Um die Leistung in den Betrieben weiter zu steigern, sehen wir vor allem einen Ansatz: nämlich die Verstetigung der Wäschereiprozesse, um hier eine hohe Kontinuität ohne Wartezeiten zu erreichen. Wo ist die Wäsche, gehört das Teil dem Hotel Sonnenhof, welches Faltprogramm gehört dazu usw. ? Das alles kostet in den Betrieben sehr viel Zeit, viel zu wenig bleibt für das eigentliche Produkt.

Die Lösung ist ein Konzept, das zu einer Verstetigung der Prozesse führt. Das wird erreicht, in dem man den Warenfluss, weiter optimiert durch entsprechende Transport- und Sortiertechnik, mit dem Informationsfluss synchronisiert. Dieses Konzept nennen wir Smart Laundry. Mittels moderner Informations- und Kommunikationstechniken verzahnt es Mensch, Maschine, Anlage, Logistik und Produkt. Das führt zwangsläufig zu einer Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette. Wir demonstrieren die Smart Laundry auf der Expo 2018, erklären Zusammenhänge und die dafür notwendigen Datenbanken und Softwarepakete.

Vor einiger Zeit hatten wir einen neuen Betrieb eingerichtet. Der Kunde berichtete damals, dass in seiner alten Wäscherei eine Pro-Kopf-Leistung von rund 60 Kilogramm in der Stunde erreicht wurde. Im neuen Betrieb, so seine Bedingung, sollte es bei einem sehr breiten Sortiment eine Pro-Kopf-Leistung von 100 Kilogramm sein. Das hatten wir geschafft, mittlerweile ist das Pensum sogar höher. Möglich wurde es, weil die neue Wäscherei nicht nur über moderne Maschinentechnik verfügt, sondern hier die Synchronität von Waren- und Informationsfluss realisiert werden konnte.

Grundsätzlich sind die Steigerung der Leistung sowie eine hohe Verfügbarkeit der Maschinentechnik heute für alle Wäschereien elementar. Es sind Grund­anforderungen, die sie erfüllen müssen.

WRP: Wenn Wäschereien heute immer leistungsfähiger sein müssen, aber parallel in den Betrieben die Artikelvielfalt steigt – wie passt diese Entwicklung mit einer hohen Produktivität zusammen ?

Kannegiesser: Es muss zusammen passen. Die Annahme, dass eine hohe Produktivität immer nur mit einem gleichförmigen Artikelsortiment zusammengeht, ist naheliegend. In der Theorie ist es auch richtig, nur es stimmt nicht mit dem Markt überein. Heute müssen Wäschereien hoch produktiv und flexibel sein. Das heißt, wir müssen ihnen Systeme anbieten, die Vielfalt mit hoher Geschwindigkeit kombinieren. Dies können wir auch – angefangen bei den Waschstraßen, über die Mangelstraßen bis hin zu den Formteilesystemen. Nehmen wir als Beispiel den neuesten Faltroboter für das Formteilefalten, den wir auf der Expo 2018 zeigen: Er kann selbstständig unterschiedlichste Teile hintereinander falten und hat eine Stundenleistung von 1.200 Teilen. Früher schafften solche Maschinen maximal 700 bis 800 Teile. Neue Antriebssysteme und Kameratechniken machen diesen Faltroboter schnell, sicher und flexibel.

WRP: Der Preisdruck im Markt war und ist immens. Wie lange können die Wäschereien diese Entwicklung durchhalten ?

Kannegiesser: Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, müssen Wäschereien weiterhin in Technologie investieren. Gleichzeitig aber auch in das Marketing – hier braucht es frische Impulse. Heute spielt im Marketing der Betriebe die Preisdiskussion eine zu zentrale Rolle. Natürlich ist der Preis für eine Dienstleistung wichtig und entscheidend. Aber seine Fokussierung drückt die zentralen Kompetenzen der Wäschereien für textile Dienstleistungen viel zu sehr in den Hintergrund. Das sind Hygiene und Qualitätssicherung sowie Logistik. Allein diese Kompetenzen machen aus der Perspektive der Wäschereikunden betrachtet die Existenzberechtigung der Branche aus. Ich bin deshalb nach wie vor der Meinung, dass die Hygiene für Wäschereien das zentrale Marketingthema sein sollte. Dies gilt nicht nur für die Dienstleister im Gesundheits-, sondern ist fast genauso bedeutend im Hotelmarkt.

WRP: Wie schafft man es, den Fokus der Wäschereikunden weg vom Preis und mehr auf Hygiene zu richten ?

Kannegiesser: Eine dafür wesentliche Voraussetzung ist, dass die Wäschereien ihren Kunden eine hygienisch einwandfreie Dienstleistung garantieren können. Das ist heute nicht möglich, weil in der Praxis der Hygienestatus in den Betrieben nur stichprobenhaft geprüft wird. Einmal in der Woche oder im Monat, halbjährlich beziehungsweise einmal im Jahr führen Waschmittellieferanten oder Institute entsprechende Kontrollen durch. Wir haben hoch gerechnet, dass die heute stattfindenden Hygienekontrollen nur rund 0,25 Prozent der gesamten Chargen abdecken, die jeden Tag in einer Waschstraße gewaschen werden. Das ist offensichtlich nicht ausreichend, um Garantien bezüglich Hygiene aussprechen zu können.

Für uns stellte sich deshalb die Aufgabe: Wie erreicht man in den Wäschereien beim Thema Hygiene eine Zwangsläufigkeit, einen Automatismus ? Wie kann man jeden Wäscheposten, der die Waschstraße verlässt, überprüfen, dass er alle Anforderungen einer hygienisch einwandfreien Wäscheaufbereitung erfüllt ? Unsere Lösung ist eine Online-Messung, wir nennen sie Qualitex. Hier messen Sensoren permanent die Rezepturwerte, entsprechend kann die Dosiertechnik gesteuert werden. Das Ganze wird dokumentiert. So wird eine automatische und dem Kunden belegbare Qualitätskontrolle für jeden Wäscheposten realisiert.

Grundsätzlich gewinnt das Thema Hygiene in der Öffentlichkeit immer weiter an Bedeutung. Deshalb müssen sich die Wäschereien auch mit der Frage beschäftigen, wie lange die sporadischen Hygienestichproben bei steigenden Kundenansprüchen noch zulässig bleiben ? Schon heute verlangen immer mehr Kunden eine Waschdokumentation einschließlich zwangsläufiger Kontrolle für jeden Wäscheposten.

WRP: Mit der Aufmerksamkeit auf Hygiene könnte zwar das Preisthema an Präsenz verlieren, aber zusätzlich ein neuer Druck in den Markt kommen….

Kannegiesser: Deshalb waren wir mit Qualitex im breiten Einsatz in den Markt bisher eher zurückhaltend: Erstens bringen die Wäschereien, die ein solches System einsetzen, die Betriebe ohne eine solche Lösung erheblich in Bedrängnis. Zweitens sehen die Waschmittelhersteller das Thema Hygiene als ihr Aufgabenfeld an. Wir haben lange überlegt und dann entschieden, wir können Fortschritt genauso wenig stoppen wie das Thema Hygiene, das immer mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit gerät. Deshalb bieten wir unseren Kunden jetzt Qualitex an. Und zwar aktuell in Verbindung mit unserer Waschstraße PowerTrans Vario. Die Maschine erfüllt mit ihrer Waschtechnik bestimmte Voraussetzungen, die für Qualitex notwendig sind. Sie kann jederzeit auch Retrofit gemacht werden.

WRP: Entwicklungen wie Roboterisierung, künstliche Intelligenz oder auch das Thema Hygiene verlangen von einem Technologiehersteller immer neues Know-how. Wie kann die Firma Kannegiesser dies leisten ?

Kannegiesser: Wir generieren das dafür notwendige Wissen intern – das heißt Mitarbeiter erwerben die Qualifikationen durch permanente Weiterschulungen. Natürlich setzen wir auch auf externe Expertise, die meistens aber wenig von Wäscherei versteht. Zum Beispiel arbeiten wir intensiv mit Hochschulen zusammen und unterhalten ein dichtes Netzwerk von Spezialisten. Weil zum Beispiel Kameratechnik und automatische Bilderkennung und -verarbeitung für uns immer wichtigere Aufgabenfelder sind, haben wir jetzt ein ganz Team von Spezialisten angeheuert.

Mit diesen neuen Technologien entstehen bei uns nicht nur neue Berufsbilder, sondern sie wirken ganz tief ein in unsere Organisation. Denn natürlich muss dieses neue Wissen auch an unsere Kunden weiter gegeben werden. Das heißt, auch unsere Berater werden ständig weiter geschult und trainiert.

Trotzdem sage ich weiter, dass man trotz der neuen Technikfelder nicht die Mechanik der Maschinen vernachlässigen darf. Sonst wäre es so, als wenn man einen 12-Zylinder-Motor in einen Opel P4 einbauen würde – das passt einfach nicht zusammen. Hochmoderne Technologien, die schnell und leistungsfähig sind, bedingen eine solide mitgewachsene Mechanik. Diese muss ständig weiter entwickelt werden, um Schritt zu halten. Nehmen wir als Beispiel unsere neuen Antriebstechniken. Sie liefern eine völlig neue Geschwindigkeit und Präzision. Heute bedeutet eine automatische Eingabetechnik im wesentlichen, sie muss automatisch spreizen. Dieser Vorgang muss immer schneller gehen – das aber gleichzeitig mit größter Präzision, weil sonst die Wäsche Schaden nehmen kann. Das können unsere neuen Antriebstechniken. Mit den alten Pneumatik-Steuerungen wäre dieses Leistungsniveau nicht möglich.

WRP: Die Expo 2018 wird auch aus Anlass des 70-jährigen Firmenjubiläums veranstaltet. 1948 startete Gründer Herbert Kannegiesser mit vier Mitarbeitern, heute beschäftigt das Unternehmen 1.750 und gilt als weltweit führender Technologiehersteller in der Branche. Was war und ist das Erfolgsrezept ?

Kannegiesser: Einer der Erfolgsfaktoren war, dass wir uns immer wieder den sich veränderten Strukturen in den Märkten angepasst haben. Wenn sich diese neu ausbilden, dann bedeutet das für jede Firma gleichzeitig Risiko und Chance. In den 1960er und 1970er Jahren war unser Hauptkunde die Bekleidungsindustrie. Seitdem hat sich diese Branche so enorm verändert, dass sie heute kaum noch wiederzuerkennen ist. Oder Wäschereien: Sie waren in den 1950er bis Mitte der 1960er Jahre im wesentlichen geprägt von der privaten Haushaltswäsche. Heute beschäftigen sie sich fast nur noch mit dem Objektgeschäft. Sich diesen Veränderungen in den Branchen und Nischen stets mit neuen Produkten anzupassen, immer bereit zu sein – das gilt natürlich für unsere ganze Mannschaft –, das war und ist entscheidend für die erfolgreiche Entwicklung der Firma Kannegiesser.

Viele Hersteller entwickeln sich aus einem Produkt, einer Technologie heraus weiter. Wenn sich diese aber verändern, scheitern manche Hersteller, weil das vorhandene Know-how nicht mehr passt und sie den Anschluss verlieren. Natürlich hat auch die Firma Kannegiesser aus dem Know-how der Produkte gelebt. Aber wir waren immer – und das ist ein weiterer Erfolgsgarant – sehr auf unsere Kunden orientiert, wenn es darum ging, das Sortiment weiter zu entwickeln.

WRP: Kundennähe ist für jedes Unternehmen ganz wichtig….

Kannegiesser: Es klingt tatsächlich wie eine Banalität, denn natürlich ist es für jedes Unternehmen wesentlich, nah am Kunden zu sein. Aber unsere Kundenorientierung war und ist ganz besonders ausgeprägt. Wir haben unser Geschäft immer aus der Perspektive unserer Kunden gesehen: Wie entwickeln sie sich, wie unsere Branche ? Was werden unsere Kunden in Zukunft benötigen, um erfolgreich zu sein ? Wie müssen sie sich aufstellen ? Darauf haben wir unsere Programme immer ausgerichtet. All unsere Lösungen sind prägend aus der Kundensicht und der Notwendigkeiten – so als wenn wir selbst eine Wäscherei betreiben würden.

Interview aus WRP 07-2018