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Jensen-Gruppe

Erfolgreiche Premiere für die Performance Days

Mehr als 1.000 Gäste, hauptsächlich aus Europa, besuchten die Performance Days der Jensen-Gruppe in Mallorcas Hauptstadt Palma. „Wir sind mit dieser Premierenveranstaltung mehr als zufrieden“, bilanzierten unisono Gerda Jank und Hartmut Schlimbach, beide Jensen-Gruppe. Zentrales Thema des Kundenevents: die Zukunft der Wäschereiautomation aus der Jensen-Perspektive.

Gerda Jank
Gerda Jank absolvierte ihre Ausbildung zur Industriekauffrau bei einem Schweizer Technologiekonzern und hat einen Abschluss als diplomierte Kommunikations­leiterin und PR-Beraterin. Seit 2010 ist sie bei der Jensen-Gruppe als Head of ­Communications tätig.
Hartmut Schlimbach
Hartmut Schlimbach ist seit 2017 bei Jensen und Leiter der Businessregion II sowie Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung. Die Businessregion II ist eine von weltweit fünf Vertriebsregionen von Jensen und umfasst die deutschsprachigen Länder, Osteuropa und Skandinavien, die britischen Inseln und Benelux. Hartmut Schlimbach ist Diplomingenieur und hat für Goretex und dann mehr als 20 Jahre für Henkel-Ecolab gearbeitet. Ab 2014 verantwortete Hartmut ­Schlimbach das Key-Account-Management im Wäschereibereich des Forschungsinstituts Hohenstein.
Alle Veranstaltungstage waren geprägt von inspirierenden Fachgesprächen. Gerda Jank
Die Technik­anforderungen der Wäscherei­leiter sind in allen Ländern ziemlich ­identisch. Hartmut Schlimbach
WRP: Die Jensen-Gruppe hat die Performance Days in Palmas Radsportarena durchgeführt. Es war eine Premierenveranstaltung, wie sieht das Fazit aus ?

Gerda Jank: Wir sind sehr zufrieden. Mehr als 1.000 Gäste zählten wir in der Palma Arena an den insgesamt sieben Tagen der Performance Days. Das waren mehr Besucher, als wir im Vorfeld erwartet und uns zum Ziel gesetzt hatten. Die meisten Gäste beteiligten sich nicht nur an einem Tag an unseren Programmen, sondern nahmen sich mehr Zeit. Alle Veranstaltungstage waren geprägt von inspirierenden Fachgesprächen, anregendem Informationsaustausch und einer einzigartigen Atmosphäre tagsüber sowie bei der sommerlichen Abendparty am Strand.

WRP: Wer hat die Performance Days besucht ?

Gerda Jank: Die meisten Kunden kamen aus Frankreich, Deutschland und Spanien. Wir hatten die Veranstaltung in den USA und in Asien kaum beworben, haben also die Performance Days hier in Palma vor allem für unsere europäischen Kunden ausgerichtet.

Hartmut Schlimbach: Unsere italienischen, französischen und insbesondere spanischen Kunden waren auch ein bisschen stolz darauf, dass die Performance Days auf der Insel Mallorca durchgeführt wurden. Entsprechend groß war die Vorfreude bei ihnen. Das hatten wir bei der Planung der Performance Days gar nicht so auf dem Schirm gehabt.

WRP: Welche Idee steht hinter den Performance Days ?

Gerda Jank: Ein Anlass für die Performance Days war, unseren Kunden wieder einmal das gesamte Lösungssortiment der Jensen-Gruppe präsentieren zu können. Außerdem, dass wir mit ihnen in einem entspannten Rahmen mehr Zeit verbringen wollten, als dies zum Beispiel auf einer Messe möglich ist. Wir wollten nicht nur unsere neuen Lösungen präsentieren, sondern auch über unsere Zusammenarbeit mit GotliLabs und mit Inwatec informieren.

WRP: Warum hat sich die Jensen-Gruppe für diese Veranstaltung und diesen Ort entschieden ?

Gerda Jank: Als wir anfingen, die Performance Days zu planen, war schnell klar, dass als Veranstaltungsort nur eine Messehalle oder eben eine Sportarena in Frage kommen würde. Eine Idee war dann die Radsportarena Palma Arena auf Mallorca. Dass die Insel von vielen Flughäfen in Europa sehr gut zu erreichen ist, war ein weiters Argument. Und viele kennen Mallorca als Urlaubsziel. Auch das macht die Insel als Veranstaltungsort für ein solches Event attraktiv. Mallorca bietet eine gelassene Atmosphäre, die sich auch auf die Performance Days übertrug. Abseits des Alltags konnten wir mit unseren Kunden in aller Ruhe Themen, Aufgaben, Projekte etc. betrachten und diskutieren.

WRP: Was waren die zentralen Themen auf den Performance Days ?

Gerda Jank: Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Zukunft der Wäschereiautomation. Für uns sind Big Data, Automatisierung, künstliche Intelligenz, Wäscherei-Robotik und integrierte Produktion schon heute zentrale Entwicklungsaufgaben, damit unsere Kunden mit unseren Lösungen auch im zukünftigen Wettbewerb leistungsfähig und erfolgreich bleiben. So haben diese Themen natürlich auch die Performance Days bestimmt.

Wir haben schon vor Jahren zusammen mit ABS das Joint Venture GotliLabs gegründet, um Lösungen für Big Data in der Wäscherei zu entwickeln. Herausgekommen ist dabei unter anderem Globe. Und seit diesem Jahr sind wir an Inwatec beteiligt. Die Firma ist in der Branche führender Spezialist für Wäscherei-Robotik und künstliche Intelligenz.

Globe stellt heute das weltweit umfassendste Produktions-Informations-Managementsystem dar. Es kann unter anderem alle Ressourcen einer Wäscherei verwalten – Maschinen, Verbrauchsmedien, Energie sowie Personal. Das System generiert Daten, stellt sie bereit und dokumentiert und analysiert sie. Eine Wäscherei kann mit Globe nicht nur die Produktivität, sondern auch die Maschinenverfügbarkeit verbessern.

Hartmut Schlimbach: Für mich vereinigten sich die Themen Automatisierung, Robotik und künstliche Intelligenz auf den Performance Days beispielhaft in der Anlage von Inwatec. Diese Anlage sortiert auf der unreinen Seite automatisch Kleidung und Textilien. Sie besteht aus einem Separier-Roboter, einer Röntgenmaschine und einer Sortiermaschine, alle arbeiten in einem Verbund zusammen.

Im Separier-Roboter identifizieren 3D-Kameras und eine ausgefeilte Software die besten Punkte für den Greifer, um die Wäsche aufzunehmen. Und in der Röntgenmaschine macht die Technik von allen Textilien mit Fremdgegenständen Fotos, die in einer Datenbank hinterlegt werden. So lernt das System selbstständig, ob es sich in dem Wäscheteil zum Beispiel um einen Kugelschreiber, einen Reißverschluss oder einen Knopf handelt. Dieser Ansatz mit künstlicher Intelligenz ist in der Branche völlig neu. Das System erkennt sehr zuverlässig Fremdelemente und reduziert damit das Risiko für die Mitarbeiter. Dabei ist die Anlage sehr leistungsfähig, hat eine hohe Produktivität und spart Arbeitskosten. Das Sortiersystem demonstriert für mich exemplarisch, wohin die Reise in der Wäschereitechnik gehen wird.

WRP: Big Data, künstliche Intelligenz und Robotik – wie nah an diesen Themen sind die Textilpflegebetriebe schon heute ?

Hartmut Schlimbach: Wenn wir über die Anlage von Inwatec sprechen: Diese ist bereits in verschiedenen Betrieben im Einsatz und heute bei allen Wäscherei-Neubauten immer ein Thema. Und dann oftmals nicht nur als Einzellösung, sondern gleich mit 3, 4 oder 5 Linien. Sicherlich gibt es Wäschereien, für die ist eine solche Lösung heute noch nicht so interessant. Andererseits haben wir auch Kunden, die ein ähnlich weit automatisiertes System auch für Großteile fordern.

Wenn ich noch einmal Big Data in der Wäscherei aufgreifen darf: Es gibt Hotels, die jedes Jahr 25 Prozent ihres Wäschebestandes ersetzen müssen, und es gibt Häuser, bei denen sind es nur 10 Prozent. Bei den Hotels mit der niedrigen Quote wissen die Dienstleister relativ genau, welche Textilien wann, wo und in welchen Mengen im Umlauf und im Lager sind. Diese Transparenz fehlt in manchen Hotels, die deshalb jedes Jahr beträchtliche Summen in neue Wäsche investieren müssen.

Globe sorgt für diese Transparenz. Es kann Kunden oder Produktkategorien per track-and-trace innerhalb der Wäscherei nachverfolgen. So liefert das System den Wäschereien die notwendigen Informationen und macht dadurch nicht nur die internen sondern auch die externen Prozesse leistungsfähiger. Die Wäsche ist exakt steuerbar und bis zu ihrem Einsatzende regelmäßig in Umlauf. Es muss keine Wäsche nachgeliefert werden, es gibt keine Überlieferung. So kann mit einem Minimum an Wäsche der Bedarf des Kunden gedeckt werden. Dazu kommt, dass heute die Investitionen in Wäsche den zweitgrößten Kostenposten in einer Wäscherei darstellen. Dann ist es natürlich umso wichtiger, wenn ein Betrieb hier sparen kann. Um zum Beispiel die freiwerdenden Mittel in neue Maschinentechnik zur Steigerung der Dienstleistungsqualität einzusetzen.

Gerda Jank: Auch Globe ist in der Branche schon im Einsatz, beispielsweise in der Wäscherei Clova in Belgien. Dieser Betrieb besitzt eine der modernsten Wäschereilogistiksysteme weltweit, die Basis dafür ist Globe. Darüber hinaus liefert die Lösung Status­informationen der Maschinentechnik, erkennt zeitnah Defekte, berechnet die Effizienz des jeweiligen Prozesses sowie des Mitarbeiters. Gleichzeitig wacht Globe über den Energie- und Wasserverbrauch in den Prozessen.

Globe ist somit eine Anwendung, die das komplette Datenmanagement in Großwäschereien bewältigt. Sie wurde von Spezialisten entwickelt, die sich dezidiert dem Thema gewidmet haben. Und sie arbeiten bereits an weiteren Versionen und Funktionen. Wir versuchen, mit all unseren Lösungen immer einen Schritt voraus zu sein.

Auch das Feedback unserer Kunden auf den Performance Days zeigte, dass Daten und das Management dieser Daten immer wichtiger werden. Unter anderem auch vor dem Hintergrund, dass sich die Märkte weiter konsolidieren und Wäschereigruppen zum Beispiel auch ihre eigenen Standorte benchmarken möchten.

Hartmut Schlimbach: Wenn die Jensen-Gruppe heute mit Unternehmen wie Inwatec und ABS zusammen arbeitet, dann heißt das auch, wir erkennen an, dass sie manche Themen viel besser als wir beherrschen. Wenn wir als Jensen-Gruppe dieses Know-how entwickeln müssten, würde das eine Menge Zeit benötigen.

Diese Firmen bringen in die Entwicklung auch neue Perspektiven mit ein. Nehmen wir Inwatec: Diese Firma kommt von der Softwareseite. Sie versucht deshalb, Probleme über die Software zu lösen. Dagegen versucht ein Maschinenbauer zuerst, Probleme mechanisch zu lösen.

WRP: Welche Neuheiten beziehungsweise welche Lösungen standen im Mittelpunkt des Kundeninteresses auf den Performance Days ?

Gerda Jank: Zum Beispiel die Senking Universal im neuen Design. Die Waschstraße bietet beste Waschleistungen, ist zuverlässig und effizient und einfach in der Wartung. Unter anderem ist das Bedienerpanel reduziert worden, und die Maschine besitzt jetzt eine einfachere Navigation. Gleichzeitig sind zusätzliche Informationen, zum Beispiel für den Wäschereileiter, auf einer anderen Ebene der Steuerung abrufbar.

Hartmut Schlimbach: Technisch neu ist auch die Presse an der Waschstraße. Sie entwässert jetzt mit einem Druck von 40 bar, vorher waren es 37 bar. Dies bedeutet kürzere Taktzeiten, eine noch geringere Restfeuchte und damit auch eine höhere Produktivität.

Das zentrale Thema Automation wurde auf den Performance Days für den Flachwäschebereich durch die Jenrail 2000 Automatic für Großteile illustriert. Dieses System speichert nicht nur die Wäsche vor der Mangelstraße, sondern sortiert sie automatisch nach Kunde, Artikel oder Größe. Dank der eckenlosen Eingabe kann der Bediener bis zu 600 Wäschestücke in der Stunde eingeben. Das System steigert insgesamt die Leistung beziehungsweise reduziert den Personalbedarf.

Gerda Jank: Im Segment Berufskleidung präsentierten wir ein komplettes Metricon-System für sowohl hängende als auch gefaltete Formteile. Auch diese Anlage transportiert und sortiert automatisiert, die Sortierung kann anhand jeder Formteil-ID erfolgen. Bis zu 7.000 Teile schafft die Anlage in der Stunde.

WRP: Ein weiterer Schwerpunkt der Performance Days war die Alpha-Serie. Für welche Märkte sind die Maschinen gedacht ?

Hartmut Schlimbach: Die Einzelmaschinen der Marke Alpha werden in unserem Werk in China hergestellt. Sie sind technisch weniger aufwändig, aber in der Qualität genauso hochwertig wie Jensen-Produkte. Aber bei Alpha sind keine Extraausstattungen möglich. Man kann Jensen- und Alpha-Maschinen ein bisschen vergleichen mit einem Architekten- und einem Fertighaus.

Alpha-Produkte sind für den Export bestimmt und stellen deshalb auch ein alternatives Angebot für den europäischen Markt dar. Wir haben in diesem Markt schon einige Alpha-Maschinen verkauft.

WRP: Wie passen Maschinen von Alpha in einen deutschen Markt, in denen Wäschereien als besonders anspruchsvoll gelten und oftmals Maschinen auf die Anforderungen des Kunden zugeschnitten werden ?

Gerda Jank: Auch im deutschen Markt gibt es beide Anforderungen: Es gibt Wäschereien, die technisch hochstehende Lösungen fordern und es gibt Betriebe, die bei Einzelmaschinen auch mit einer Grundausstattung zufrieden sind. Wir können mit Maschinen von Jensen und von Alpha beide Segmente bedienen.

WRP: Wie unterschiedlich sind die Anforderungen an die Wäschereitechnik in den einzelnen Ländern ?

Hartmut Schlimbach: Aus meiner Erfahrung sind die Unterschiede eher gering. So sind die Technikanforderungen der Wäschereileiter in allen Ländern ziemlich identisch. Und in vielen Ländern haben die Betriebe das Problem, qualifiziertes Personal beziehungsweise Nachwuchs zu finden.

Deutlich ausgeprägter sind für mich die Unter­schiede innerhalb der Länder: Für ein 5-­Sterne-Hotel in Paris sind die Anforderungen an die Technik sicherlich höher als für ein sehr gutes Hotel in Deutschland, aber für ein Haus in Marseille sind sie wiederum deutlich geringer.

Ein weiterer Aspekt ist die weiter voran schreitende Konzentration in den nationalen und internationalen Märkten. Die großen Textilserviceanbieter gewinnen weiter an Bedeutung. Sie fragen nach einheitlichen Produkten, Angeboten, Abläufen etc. Das führt zu einer Harmonisierung der Prozesse. Die Ära der nationalen Lösungen ist – zumindest für diese Kunden – vorbei.

WRP: Wenn wir Jensen sowie Inwatec und GotliLabs zusammen betrachten und einen Blick in die Zukunft wagen: Wie werden die Wäschereien in 10 Jahren aussehen ?

Hartmut Schlimbach: Sicherlich wird es zukünftig in den Betrieben weniger, aber höher qualifiziertes Personal geben. Die Prozesse werden weiter automatisiert und transparenter sein sowie die Produktionsausfälle werden minimiert.

Gerda Jank: Und die Wäschereien werden sicherer sein. Weil viele Betriebe mit einer automatischen Sortierung der Wäsche auf der unreinen Seiten arbeiten, werden die Unfallzahlen in diesem Bereich weiter abnehmen.

WRP: Heute beklagen die Betriebe zumindest in Deutschland, dass sie massive Probleme haben, qualifiziertes Personal zu bekommen. Wenn die Qualifikation in den Wäschereien wieder zunehmen wird, in welchen Bereichen wird dies passieren ?

Gerda Jank: Nehmen wir als Beispiel wieder Big Data. In den Wäschereien wird das Datenbedürfnis und damit das Datenvolumen weiter steigen. Damit erhöht sich auch der Bedarf an entsprechend qualifizierten Mitarbeitern: Was sagen diese Daten eigentlich aus, was soll mit diesen Informationen passieren ? Wie kann man damit seine Prozesse weiter optimieren ?

Hartmut Schlimbach: Dabei ist aus meiner Sicht noch gar nicht sicher, wo diese Spezialisten sitzen werden: Sind sie Mitarbeiter der Wäscherei, damit der Betrieb die gewonnenen Daten intern verwalten und das Know-how selbst entwickeln kann ? Oder favorisieren die Wäschereien für diese Aufgaben einen externen Dienstleister ? Auch wir können entsprechende Services mit Hotlines, Technikern, Fernwartung etc. anbieten. Datensicherung, Server, Cloud – auch mit diesen Themen beschäftigen wir uns aktuell sehr intensiv.

WRP: Werden die Performance Days in naher ­Zukunft wieder veranstaltet ?

Gerda Jank: Die Premiere der Jensen Performance Days war ein großer Erfolg. Das bestätigt uns, es war jetzt der richtige Zeitpunkt für eine solche Veranstaltung. Im Vergleich zu traditionellen Messen boten die Performance Days auf einer Fläche von 2.100 Quadratmetern eine exzellente Plattform für intensive Diskussionen darüber, wie Jensen die Zukunft der Wäschereiautomation gestalten wird.

Interview aus WRP 06-2018