Firmen, Köpfe, Unternehmen, Markt, Hintergrund

www.wrp-interview.de

Textilveredlungsunion

„Wir sind Partner für Farben und Garne“

Die TVU ist eines der größten europäischen Garnveredlungs- und Garnhandelsunternehmen. Das Familienunternehmen versteht sich als Serviceanbieter in Sachen Garn. Anbieter von Flachwäsche, Berufsbekleidungsstoffen und Berufsbekleidung gehören zu den wichtigsten Kunden. Statt wie viele andere Färberei- oder Garnhandelsunternehmen kleiner und an den Rand des Marktes gedrängt zu werden, wächst die TVU-Gruppe seit 10 Jahren kontinuierlich und erreicht inzwischen einen Umsatz von rund 48 Millionen Euro. WRP hat mit den drei Geschäftsführern Hans, Gerhard und Christian Hausner über die Stärke der TVU, Partnerschaften mit Kunden und Teamgeist gesprochen.

Hans Hausner
Hans Hausner ist wie sein Bruder Gerhard und sein Sohn Christian in einer textilen Färbereifamilie geboren und aufgewachsen. Sein Großvater gründete bereits 1922 die erste Färberei der Familie in Asch im Sudetenland (Tschechien). Nach dem 2. Weltkrieg fingen die Eltern in Leutershausen wieder ganz neu an. Bevor er auch beruflich in die elterliche Garnfärberei eintrat, machte Hans Hausner eine Lehre bei der Kulmbacher Spinnerei als Textilveredler Färberei und seinen Textilveredlungstechniker an der Textilfachschule in Münchberg. Nach einem langen, einschlägigen Praktikum in den USA, stieg er 1974 in die TVU ein. Dort war er zunächst Färbereileiter und ab 1991 Geschäftsführer für den kaufmännischen Bereich und den Garnvertrieb. Hans Hausner ist auch im Industrieverband Veredlung, Garne und technische Textilien (IVGT) engagiert, derzeit als Schatzmeister und Mitglied des Vorstandes. Privat geht er gern wandern und ist in der Kirchengemeinde tätig. Hans Hausner ist verheiratet und hat drei Kinder. Sohn Christian ist inzwischen Mitgeschäftsführer.
Gerhard  Hausner
Gerhard Hausner ist in dritter Generation Mitinhaber und Geschäftsführer der TVU. Schon als Kind war er viel mit den Eltern in der Färberei. Bei der Kulmbacher Spinnerei ging Gerhard Hausner in die Lehre als Textilveredler Färberei und absolvierte danach die Textilfachschule Münchberg mit Abschluss als Textilveredlungstechniker. Es folgten zwei Jahre als technischer Assistent der Geschäftsleitung beim Textilveredlungsunternehmen Schüler & Co., Kulmbach. 1983 trat Gerhard Hausner in die TVU ein und war zunächst zuständig für die Färberei. Seit 1991 führt er die Produktion als Geschäftsführer. Das genaue „Hinbekommen“ des richtigen Farbtons ist eine Kunst, die ihn heute noch fasziniert. Gerhard Hausner ist verheiratet und hat 5 Kinder.
Christian Hausner
Christian Hausner repräsentiert die vierte Generation der Färbereifamilie Hausner und ist einer der drei Geschäftsführer. Zusammen mit seinem Onkel Gerhard Hausner ist er Inhaber der TVU-Gruppe, nachdem ihm sein Vater Hans Hausner seine Anteile weitergegeben hat. Auch Christian ist mit seinem Vater schon als Kind viel im Betrieb gewesen, was sein technisches Interesse und sein praktisches Denken früh beeinflusste. Seine Lehre zum Textilveredler Färberei absolvierte Christian Hausner bei der Nähseidenfabrik Kupfer in Ansbach. Auch Christian machte seinen Textilveredlungstechniker bei der Textilfachschule Münchberg. Danach folgten zwei Jahre bei der Textilveredlung Frank in Geretsried und ein sechsmonatiges Praktikum in den USA beim Nähgarnproduzenten American & Efird in Mount Holy NC USA. Nach dem Einstieg in die TVU 2011 leitete Christian Hausner erst verschiedene Abteilungen wie die technische EDV, den Chemikalieneinkauf und die technische Kundenbetreuung. Derzeit bereitet er sich auf die Übernahme der Aufgaben seines Vaters Hans vor. Christian Hausner ist verheiratet. Er ist viel in der Natur, angelt und reist gern.
Unser ­Geschäft ist zum weitaus größten Teil ein Projekt­geschäft. Hans Hausner
Unsere Geschäfts­entwicklung ist wesentlich von Partner­schaften bestimmt. Hans Hausner
Wir haben einen stark ausgeprägten Teamansatz. Gerhard Hausner
WRP: Herr Hans Hausner, im Kern ist die TVU aus der Auftragsveredlung für Garne gewachsen. Das ist kaum einer reinen Garnfärberei gelungen. Heute liegt die TVU-Gruppe bei einem konsolidierten Umsatz von etwa 48 Mio. Euro. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Hans Hausner: Wir sind über die reine Auftragsveredlung schon seit geraumer Zeit hinaus. Heute ist die TVU-Gruppe bestehend aus dem Auftragsveredlungsunternehmen TVU-Textilveredlungsunion GmbH (TVU) und der TVU Garnvertrieb GmbH (TVG) ein kompletter Garnanbieter, flexibel wie ein Händler, aber technisch mit herausragender Färbereierfahrung und moderner, eigener Produktion in Deutschland.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen für unseren Erfolg. Wenn ich zusammenfassen soll, was uns im Markt besonders macht, was bei uns gesucht wird, dann ist das unser Servicegedanke, aus einer Hand das richtige Garn in der richtigen Farbe zeitgerecht bereitzustellen.

WRP: Das hört sich eigentlich wie eine Selbstverständlichkeit an, wenn man Garne bzw. Farbgarne anbietet.

Hans Hausner: Das hört sich vielleicht selbstverständlich an, ist es aber nicht. Auftragsveredlungen haben in der Regel keine Einkaufs- und Verkaufskompetenz bei Garnen und Garnhändler haben keine eigenen Färbereikapazitäten. Es braucht viel Wissen, Engagement und ständige Investitionen, um technisch und ökonomisch Färbungen und Garne auf gutem qualitativen Niveau anzubieten. Wir arbeiten mit etwa 150 Beschäftigten dauernd daran, und wir investieren jedes Jahr erhebliche Beträge, um Service, Logistik und Produktion in Deutschland wettbewerbsfähig und nachhaltig weiterzuentwickeln.

Sehen Sie, unser Grundansatz ist der Service, die Dienstleistung. Unser Geschäft ist zum weitaus größten Teil ein Projektgeschäft. Das kommt vor allem aus unserer Tradition als Auftragsveredlung. Dadurch haben wir schnellen, flexiblen und pünktlichen Service von Anfang an in unserer Geschäftsauffassung und in unseren Abläufen. Als Auftragsveredler wurden und werden wir mit einer enormen Bandbreite an Aufgaben und Garnen konfrontiert, die wir aus Färbereiperspektive lösen müssen. Die müssen für die nachgelagerten Wertschöpfungsstufen und Einsätze funktionieren. Bis hin zur Textilpflege. Das heißt wir kennen Farbprobleme über eine ganz breite Palette an Garntypen, Weiterverarbeitungs- und Einsatzzwecken. Das ist die eine Seite.

Dazu haben wir seit etwa 30 Jahren nach und nach auch ein Garnhandelsgeschäft aufgebaut. Umsatzmäßig ist das heute größer als das Veredlungsgeschäft. Auch den Garnhandel fassen wir als Projektgeschäft auf, weil die Garne für bestimmte Einsatzzwecke beziehungsweise Kunden gekauft werden und unsere Verkäufer gleichzeitig auch für den Garneinkauf verantwortlich sind. Da wird in der Regel nichts eingekauft, was nicht für ein konkretes Verkaufsprojekt ist. Wir haben keine eigene Spinnerei, sodass wir immer genau das Garn suchen und kaufen können, welches die Probleme für unsere Kunden gut löst. Dadurch haben wir uns eine sehr breite Garnexpertise erarbeitet und zwar im Einkauf, in der Färberei und im Verkauf.

WRP: Die Synergien von Garnhandel und Garnveredlung haben die Stabilität und das Wachstum also entscheidend gefördert. Was ist denn der stärkere Unternehmensteil ?

Gerhard Hausner: Als Auftragsveredlung allein wären wir heute sicher nicht so stark. Die Kombination mit dem Garnhandelsgeschäft und den dabei gemachten Erfahrungen hat unser Unternehmen erheblich weitergebracht. Früher haben wir viel für Garnhändler gefärbt, die nicht wollten, dass wir mit deren Kunden direkt sprechen. Dadurch wussten wir sehr oft nur aus zweiter Hand, was die von uns bereitgestellten Färbungen realisieren sollten und welche Probleme zu lösen waren.

Der Aufbau des eigenen Garnhandelsgeschäfts hat dazu geführt, dass wir heute das Färben und seine Resultate über praktisch alle Wertschöpfungsstufen hinweg verfolgen können. Angefangen von der weltweiten und nicht durch eine eigene Spinnerei eingeschränkten Beschaffung von geeignetem Garn bis hin zur Leistung des gefärbten Garns beim letzten Verwender. Diese Kombination gibt es ziemlich selten. Aus dem Blickwinkel der Färberei sind wir über alle Wertschöpfungsstufen hinweg oft gesuchte Experten für Farben und Garne. Manchmal fühlen wir uns dabei wie eine Informations- und Beratungsstelle.

Hans Hausner: Unsere Synergien liegen aber nicht nur im Produkt und der Produktionskompetenz. Sie liegen auch in der viel größeren Marktreichweite, die sich organisch ergeben hat. Als Garnhändler kann die TVU-Gruppe die Färbung oder sonstige Ausrüstungen zusätzlich anbieten. Das ist vor allem bei etwas kniffligeren Produkten oder bei kurzen Lieferzeiten ein großer Vorteil für die Kunden.

Und als Auftragsveredler können wir zusätzlich noch Rohgarn anbieten oder alternative Garnlösungen. Wir haben ganz typische Geschäftskombinationen, bei denen wir als Auftragsveredler Fremdgarne färben und ausrüsten und beim selben Kunden auch Rohgarn liefern. Umgekehrt gibt es Kunden, die bei uns Rohgarn kaufen, aber Teile davon auch bei uns veredeln lassen. Das funktioniert sehr gut. Beide Unternehmen der TVU-Gruppe wissen, dass sie ohne die Schwestergesellschaft deutlich schwächer wären. Deshalb stellt sich für uns auch nicht die Frage, ob ein Unternehmen stärker ist als das andere. Wir wissen, dass unsere Stärke aus der Kombination kommt. Für uns sind Garnhandel und Garnveredlung untrennbar miteinander verbunden.

Gerhard Hausner: Garnhandel und Garnveredlung sind zwar zwei Gesellschaften, aber inzwischen sind sie unter einem Dach. Die räumliche Nähe ist sehr positiv, und die Wege sind kurz. Das gilt auch für die Entscheidungsprozesse.

WRP: Sagen Sie uns etwas zum Garnhandel, der bei ihnen die Spinnerei ersetzt. Wo kaufen sie ihre Garne ?

Hans Hausner: Das möchte ich anders ausdrücken. Der Garnhandel ersetzt nicht die Spinnerei. Wir wollten nie eine Spinnerei, weil sie damit mehr oder weniger stark auf eine bestimmte Produktionskapazität festgelegt sind und für deren Auslastung sorgen müssen. Das schränkt die Flexibilität ein. Wir kaufen unsere Garne weltweit ein und können deshalb im Einkauf sehr viel schneller für unsere Kunden optimieren als bei eigenen Spinnereikapazitäten. Dabei arbeiten wir jahrelang mit Schlüssellieferanten zusammen, damit wir für unsere Lieferanten ein relevanter Partner sind, auf den sie sich einstellen können. Wir bekommen dadurch besser Qualitätssicherheit, Nachhaltigkeitsstandards, eingeübte Abläufe und bessere Kosten realisiert als bei einer zersplitterten Beschaffungsstruktur. So können wir unseren Kunden einen sehr viel breiteren, qualitativ abgesicherten Service bieten als aus einer eigenen Spinnerei heraus.

Christian Hausner: Wir sollten an dieser Stelle noch ergänzen, dass wir in Singapur eine Garnhandelsgesellschaft haben, die unsere internationale Beschaffungskompetenz weiter ausbaut. Insgesamt ist das Wissen der TVG über die internationalen Beschaffungsmärkte und unsere praktischen Erfahrungen von der Türkei über Ägypten und Syrien bis nach Indien, Pakistan und Indonesien in den letzten 30 Jahren permanent gewachsen.

WRP: Sie sprachen von den vielfältigen Anforderungen an die TVU-Gruppe als Garnveredler und Garnlieferant. Welche Märkte beziehungsweise Kundengruppen bedienen sie vor allem ?

Hans Hausner: Strategisch haben wir uns vor einigen Jahren zum Ziel gesetzt, 2020 ein führender Garnlieferant in Europa zu sein. Dem sind wir entschieden nähergekommen. Regional gesehen erlösen wir etwa 45 Prozent unseres Umsatzes im europäischen Ausland, vor allem in den nord-westeuropäischen und osteuropäischen Ländern.

Wie in jedem Geschäft gibt es dabei Produktschwerpunkte. Wir liefern stark in das Objektgeschäft bei Heimtextilien, Bett- und Tischwäsche, auch Frottierwaren. Wir haben aber auch große und bekannte Kunden bei den Webern und Wirkern für die Bekleidungsindustrie. Darunter sind auch namhafte Spezialisten für Berufsbekleidungsstoffe und Kunden für gewirkte Berufsbekleidung. Weiter verkaufen wir in den Bereich der Mobiltextilien und sind bei den medizinischen Textilien sowie Hygienetextilien stark.

Aber wir verkaufen auch Garn in den modischen Bereich, speziell in die modische Strickindustrie. Früher war das sogar unsere stärkste Kundengruppe, aber die Produktion dafür ist in Westeuropa ständig schwächer geworden. Heute können wir viel Nachfrage aus dieses Kundensegment sehr gut und effizient über unseren Lagerservice befriedigen.

Gerhard Hausner: Die Kunden unseres Lagerprogramms schätzen sehr, dass sie bei uns bis hinunter zu einem Karton mit 35 Kilogramm pro Farbgarn ordern können und wir schnell auf Konen liefern. Das wird auch viel aus dem Ausland in Anspruch genommen und hat sich als attraktiver Service herausgestellt. Da wir dieses Lagerprogramm mit Namen Ocean nur in einer Qualität, aber in 104 Farben liefern, ist es produktionstechnisch und ökonomisch auch für uns interessant.

Sie müssen sich bitte klarmachen, dass Auftragsveredlungen Farben und andere Ausrüstungen wie zum Beispiel die Hydrophobausrüstung pro Auftrag einstellen und mit dem Kunden abgleichen. Das bedeutet einen hohen Aufwand, der bei kleinen Mengen noch ein Kostentreiber mehr ist. Bei unserem Lagerprogramm haben wir aber eine vorgegebene Farbkarte. Die auftragsbezogenen Entwicklungskosten entfallen dadurch und der Entwicklungsaufwand sowie die Logistikkosten können breit verteilt werden. Aber auch insgesamt können wir so eine viel günstigere Kostenstruktur realisieren. Dadurch können wir auch kleineren Kunden ein attraktives Angebot machen.

WRP: Das macht man sich als Textiler, der in Kollektionen oder Sortimenten denkt, gar nicht so klar, dass sie durch die Auftragsveredlung ungleich mehr Rezepturen entwickeln müssen als Unternehmen, die feste Programme anbieten.

Gerhard Hausner: Das ist das Wesen unseres Geschäfts beziehungsweise unseres Services. Wir machen sehr sehr häufig Einzelanfertigungen. Klar haben wir erprobte Rezepturen und ein riesiges Archiv. Aber es ist deshalb so riesig, weil wir nicht aus einem Standardprogramm liefern – Ausnahme Ocean -, sondern weil wir immer wieder neue Kunden mit neuen Farb- und Ausrüstungsanforderungen haben. In den Einzelanfertigungen des Veredlungsgeschäfts liegen so gesehen auch erhebliche Qualitätsrisiken wie in jeder vielfältigen Produktion.

Wenn wir über Qualitätssicherung sprechen, dann muss man diesen Aspekt der individuellen Rezeptur- und Verfahrensanpassung bedenken. Qualitätssicherung heißt nicht nur Zertifikate zu erlangen und regelmäßig zu erneuern oder in neue Maschinen und Laborgeräte zu investieren – es heißt vor allem auch unsere Mitarbeiter zu schulen und sie mit in die Verantwortung zu nehmen. Ich bin als Geschäftsführer persönlich und im Detail dahinter her, dass wir eine niedrige Reparandenquote haben, aber wir legen auch großen Wert auf die Ausbildung, Schulung und Verantwortung unserer Mitarbeiter. Wir realisieren eine Reparandenquote von 1 bis 2 Prozent. Das ist ein guter Wert bei der Komplexität unserer Anforderungen, aber wir wollen uns da weiter verbessern.

WRP: In ihrer Aufgabenstellung kann man die TVU mit dem Textilservice vergleichen. Der Textilservice lebt davon, dass er seinen Kunden sagt, überlasst uns eure Textilien, wir können die besser pflegen als ihr, und ihr braucht euch keine Gedanken mehr über die Qualität der textilen Versorgung zu machen. Sie sagen: Wir sind die Spezialisten für Garn und Farben. Dass könnt ihr uns überlassen und euch auf die Konfektion oder die Weberei konzentrieren. Wir sorgen dafür, dass die Qualität der von uns verkauften Garne funktioniert.

Gerhard Hausner: Das ist die Grundlage unserer arbeitsteiligen Welt. Man muss sich aufeinander verlassen können. Ihre Analogie stimmt vor allem für das Projektgeschäft des Textilservice, wenn individuelle Corporate Wear angeboten wird. Die wird ja auch oft aufwändig entwickelt. Diese Einzelentwicklungen sind unser Kerngeschäft und sie erfordern eine umfangreiche und oft auch aufwändige Abstimmung und Entwicklungsarbeit. Qualitätssicherheit ist hier die Basis und das sehen wir als einen unserer wichtigsten Erfolgsfaktoren im Markt.

Hans Hausner: Ich möchte das noch vertiefen. Wir haben ja bereits gesagt, dass wir uns als Experten für Garne und Farben sehen. Aber ich glaube es ist deutlich geworden, dass unsere eigentliche Stärke – wie mein Bruder sagt – darin liegt, dass wir Partner für Farben und Garne sind. Zunächst Entwicklungspartner, dann Partner für die Zulieferung im Programm der Kunden. Unsere Geschäftsentwicklung ist wesentlich von Partnerschaften geprägt. Bezogen auf die Färberei war das schon immer so. Früher hatten wir eine Handvoll großer Händler für die wir die Farben gemacht haben. Heute spielen die Händler bei uns – wie generell in der textilen Kette – nur noch eine geringe Rolle. Aber die Kooperation über die Wertschöpfungsstufen hinweg ist ausgeprägter geworden, und wir bieten inzwischen nicht nur die Färbung oder sonstige Garnausrüstung an, sondern beschaffen auch das richtige Garn. Und unser Grund­ansatz, projektbezogen die Probleme unserer Kunden zu lösen, ist geblieben.

WRP: Sie gehen projektweise doch sogar über das Angebot von Garn oder Garnfärbungen hinaus.

Hans Hausner: Ja, das stimmt. Wir haben in verschiedenen Marktsegmenten Projekte, die bis in das fertige Produkt gehen. Derzeit haben wir zum Beispiel das Projekt TVU-Workwear gestartet. Wir haben festgestellt, dass die Workwear-Anbieter sich mit Pullovern schwer tun. Und wir haben die Expertise im Haus. Wir kennen aus unserem internationalen Kundenkreis die Strickereien, die qualitativ gute Arbeit machen, und wir kennen die Garne, die für einen langen Lebenszyklus bei guter Qualität geeignet sind. Deshalb haben wir ein Kernsortiment an Pullovern für die Workwear-Lieferanten an den Markt gebracht. Das ist ein ganz gezielter Ansatz, der den Bekleidungsanbietern hilft, die keine Strickkompetenz haben. Dann haben wir aber auch Partnerschaften bei Hygienetextilien oder in speziellen Flachwäscheprodukten. Wir sind offen für vielfältige Kooperationen und Partnerschaften über die Wertschöpfungsstufen hinweg. Dieser Blick auf das Ganze in unserer hoch arbeitsteiligen Welt ist wichtig, um die eigene Servicekompetenz zu erhöhen und um markt- und produktnah zu bleiben.

Christian Hausner: Eine ganz zentrale Rolle für unseren Service und unsere Kompetenz spielen unser Labor und unsere Entwicklung. Die übersetzen die Kundenanfragen und Aufträge in Rezepturen und Verfahrensschritte, kontrollieren die Ergebnisse, besprechen sie mit den Kunden bzw. unseren Verkäufern und Garnbeschaffern, passen Verfahren oder Rezepturen an und beschäftigen sich mit alternativen Lösungen, wenn es mit bisherigen Lösungen nicht weitergeht.

Unser Arbeitsaufwand in dem Bereich hat sich enorm gesteigert. Das ist nicht nur auf eigene Initiativen, Kundenanfragen sowie genauere und spezifischere Kundenanforderungen zurückzuführen, sondern auch auf strenger werdende Regelungen für die zugelassenen Chemikalien, oder auf Farbstoffe, die von den Anbietern aus wirtschaftlichen oder ökologischen Gründen vom Markt genommen werden. Da müssen sie erstmal Ersatz finden und Erfahrungen mit neuen Rezepturen machen.

Wir sind auch immer wieder Partner bei Pilotprojekten im Färbereibereich. Wenn es zum Beispiel darum geht, die Schadstoffe bei Färbungen zu reduzieren, sind wir ein bevorzugter Ansprechpartner. Oder wenn eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung angestrebt wird und die Veredlungsprozesse entsprechend umgebaut werden müssen, werden wir hinzugezogen.

WRP: Saubere Produktion ist für eine Färberei in Deutschland und im idyllischen Franken ein wichtiges Stichwort. Hier sind Sie seit Jahrzehnten aktiv.

Hans Hausner: Mein Bruder und ich sind damit groß geworden. Schon seit den 1980er Jahren verfolgen wir eine an Umweltschutz und Ressourceneffizienz ausgerichtete Unternehmensentwicklung. Die TVU gehört zu den größten Nutzern und auch Zahlern für die wasserwirtschaftliche Infrastruktur in Leutershausen. Damit haben wir eine hohe Verantwortung für die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung in unserer kleinen Stadt. Eine aktive, betriebliche Umweltpolitik ist allein schon aus diesem Grund ein Grundpfeiler unseres Zusammenhalts mit den Nachbarn, Mitarbeitern, Bürgern und Organen unserer Stadt und unserer Region. Wir sind ein Familienbetrieb und unsere Familien leben in Leutershausen. Wir schweben nicht jeden Morgen aus einer Großstadt ein oder verlassen das Unternehmen in fünf Jahren wieder. Die Anonymität einer fernen Großstadt kennen wir genauso wenig wie hohe Mauern.

Die Umweltfolgen der TVU-Produktion haben wir nie ausgeblendet, sondern packen sie pro­aktiv an. Wenn man hier in die konkreten Details geht, wird schnell klar wie lebenswichtig gute Entscheidungen von Betrieb und Politik in diesem Bereich sind. Wir wissen, dass wir eine Verantwortung haben und die haben wir auch immer wahrgenommen. Das ist zeitweise schwierig mit einer Stadt und Nachbargemeinden, die ihre wasser- und abwasserwirtschaftlichen Konzeptionen nicht immer klar haben. Es gibt Jahre, in denen unsere Investitionen in die Nachhaltigkeit und Umweltschonung die weitaus größten Posten in unserem Investitionsbudget sind, und dafür benötigen wir eine gewisse Sicherheit über die langfristige Auslegung der örtlichen Infrastrukturpolitik. Da laufen betriebliche Notwendigkeiten und politische Entscheidungsfindungen nicht immer zusammen.

Wir bemühen uns in der Umweltfrage transparent zu sein. Unsere umfassende betriebliche Abwasser- und Abfallstatistik ist einsehbar für Kunden und Behörden. Heute nutzen wir in der Produktion nur noch Brauchwasser. Wir haben den Wasserverbrauch um 35 Prozent reduziert und eine eigene Abwasserentfärbung noch vor der örtlichen Kläranlage installiert.

Aber unsere Nachhaltigkeitspolitik geht über Wasserverbrauch, Aufbereitung und betriebseigene Abwasserentfärbung weit hinaus. In unserer 2010 verabschiedeten Vision 2020 hatten wir als ein Ziel definiert, Vorreiter beim Umweltschutz sein zu wollen. Dafür haben wir viel getan und übertreffen die durch Behörden oder Zertifizierungsinstanzen gesetzten Mindestanforderungen in der Regel erheblich.

Absolut beispielhaft ist unser Energiekonzept. Wir erzeugen Wärme im eigenen Biomasseheizwerk und gewinnen 60 Prozent der Wärme nach dem Färben zurück. Unser Strombedarf wird derzeit zu 13 Prozent durch Photovoltaikanlagen gedeckt. Insgesamt haben wir die CO2-Emissionen um mehr als 90 Prozent reduziert.

Christian Hausner: Wir sind auch umfangreich zertifiziert. Es entspricht sowieso unserer Überzeugung, Umweltgifte, die sich nicht oder nicht schnell genug abbauen lassen zu vermeiden. Öko-Tex Standards, die REACH-Verordnung und andere gesetz­liche Mindestanforderungen sehen wir als Mindeststandards an. Die übertreffen wir in der Regel. Wir sind aber auch nach GOTS*, nach IVN Best** und nach Fairtrade zertifiziert. Als Managementbasis sind wir entsprechend ISO 9001 für die Qualitätssicherung sowie 14001 für das Umweltmanagement zertifiziert.

WRP: Zur Nachhaltigkeit gehört heute nicht nur Umweltschutz, sondern auch eine soziale Komponente…

Gerhard Hausner: Bezogen auf unsere eigene Produktion in Deutschland sehe ich da kein Problem. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter über das gesetzliche Maß und über die Tarifregelungen hinaus durch vielerlei Maßnahmen wie zum Beispiel Zuschüsse für den Kindergarten oder gesundheitliche Präventionsmaßnahmen. Und wir bilden ständig in einer Reihe moderner Berufe aus wie unter anderem Mechatroniker oder Euro-Kaufmann. Derzeit liegt unsre Ausbildungsquote bei 12 Prozent und in der Regel können wir unsere Lehrlinge auch übernehmen. Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber den jungen Leuten wahr.

Ich möchte das Thema aber nochmal anders beleuchten. Wir haben einen stark ausgeprägten Team­ansatz. Ich glaube, es ist deutlich geworden, dass die Art unserer Geschäftsauffassung sehr servicebezogen und kundenindividuell ist und zwar bis tief in die Technik. Wir tun sehr viel, um die Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, selbstständig Problemlösungen zu entwickeln und mit dem jeweils zuständigen Geschäftsführer auf kurzem Weg zu besprechen. Wir haben zahlreiche betriebsinterne Teams, die sich auch über die Grenzen ihrer Abteilungen hinweg gemeinsam um definierte Aufgaben kümmern, zum Beispiel um bestimmte Kundenprobleme. Das hat sich als sehr fruchtbar erwiesen und tut auch den Mitarbeitern gut. Unsere Hierarchien sind sehr flach und wir drei Geschäftsführer sind voll in das operative Geschehen integriert. Das funktioniert nur als Team.

Hans Hausner: Es hört sich vielleicht etwas romantisch oder sehr traditionell in der heutigen Zeit an, aber ich denke wir können von einer TVU-Familie sprechen. Die Beschäftigungszeit der Mitarbeiter bei der TVU ist sehr hoch. Wir kennen ganz viele Mitarbeiter und deren Familien auch aus dem örtlichen Miteinander. Das wirkt sich aus, weil beide Seiten in etwa wissen wie gelebt wird. Die TVU hat ja nicht nur gute Zeiten, sondern immer wieder auch schwierige Phasen und wir haben als Inhaberfamilie unsere Mitarbeiter an den guten und an den schlechteren Jahren beteiligen können. Unser langjähriger Betriebsratsvorsitzender war auch der Leiter unserer Produktionsvorbereitung. Dadurch wusste der Betrieb immer, wie es um die Auftrags- und Geschäftslage stand.

Diese Transparenz hat der TVU gut getan und den Zusammenhalt gefördert. Es gibt natürlich Konflikte, aber wir bekennen uns dazu, hier zu produzieren. Wir nehmen die Gewinne nicht aus der Firma oder investieren in größerem Maß im Ausland. Wir investieren jedes Jahr deutlich in Leutershausen und stärken das Eigenkapital des Unternehmens, damit wir auch in schlechteren Zeiten zukunftsorientiert arbeiten können. Das wissen unsere Mitarbeiter.

So beschreiben die Begriffe Zusammenarbeit und Partnerschaft nicht nur das Verhältnis zu unseren Kunden, sondern auch die innerbetrieblichen Verhältnisse. Wir stehen als Garnhändler und Färber auch zukünftig vor großen Herausforderungen, die kreative und flexible Lösungen brauchen werden. Dafür benötigen wir ein verantwortungsbewusstes Miteinander mit Kunden, Mitarbeitern und politischen Entscheidungsträgern auf allen Ebenen auch in Zukunft.

WRP: Wie sehen sie die Zukunft der TVU-Gruppe ?

Hans Hausner: Unsere Vision 2020 wird gerade von einem Team der TVU fortgeschrieben. Ich sehe, dass unser Geschäftsmodell eine gute Zukunft hat. Wir haben im Bereich der Garnveredlung eine herausragende Produktionskompetenz und technische Erfahrung über alle Wertschöpfungsstufen hinweg. Und bei den Garnen haben wir eine erstklassige Beschaffungskompetenz mit einem großen Wissen über Weiter­verarbeitungs- und Verwendungsmöglichkeiten. Beides bieten wir als Service an für kundenindividuelle Lösungen, nicht als Standardkollektion oder -sortiment. Besonders stark sind wir damit für Anforderungen, die qualitative Sicherheit benötigen, für Anforderungen, die eine hohe Umweltverträglichkeit und -transparenz erfordern und für kurze Lieferzeiten. Die Objektgeschäfte in den Bereichen der Berufsbekleidung und der Bett- und Badwäsche harmonieren hier mit unseren Stärken. Da möchten wir gern noch mehr Partnerschaften entwickeln.

Interview aus WRP 05-2018