Firmen, Köpfe, Unternehmen, Markt, Hintergrund

www.wrp-interview.de

BurnusHychem

„Service Excellence für unsere Kunden“

Die Firma BurnusHychem hat für ihre Kunden in ein neues Servicelabor investiert. Im Interview des Monats sprachen wir mit Holger Gärtner, Dr. Andreas Lange und Martin Schergung über die komplexen Aufgaben eines Labors sowie den Servicegedanken des Unternehmens. Für BurnusHychem ein Spagat: Während das Serviceportfolio stetig wächst und damit auch der Zeit- und Kostenaufwand, steht die Firma gleichzeitig beim Kunden für ein bestimmtes Budget in der Verantwortung.

Dr. Andreas Lange
Dr. Andreas Lange ist Leiter der Forschung und Entwicklung bei BurnusHychem. Nach dem Abitur studierte er zunächst Chemie in Frankfurt/Main und promovierte anschließend mit einer Arbeit über den „Mechanismus des Zerfalls von Peroxosäuren unter Bildung von Singulettsauerstoff“. Dr. Andreas Lange ist seit mehr als  20 Jahren bei BurnusHychem beschäftigt und wurde im Jahre 2002 mit dem Hessischen Innovationspreis ausgezeichnet. Er engagiert sich in zahlreichen Arbeitsgruppen und Projektgruppen von verschiedenen Forschungsinstituten und Verbandsorganisationen. Seit 2017 ist er Vorsitzender des Fachbereichs Wäschereitechnik im Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz (IHO).
Holger Gärtner
Holger Gärtner ist seit 1. Juli 2015 bei BurnusHychem verantwortlich für den deutschlandweiten Vertrieb. Nach der Ausbildung als Chemielaborant studierte er Verfahrenstechnik in Frankfurt am Main. Nach dem Studium startete Gärtner 1994 seine berufliche Karriere als Vertriebsmitarbeiter und Anwendungstechniker bei der J.P. Haas GmbH. 2004 wechselte er zur Jensen GmbH in Harsum als Sales-Manager für die Region Mitte-West. 2014 kehrte er zurück zur BurnusHychem. Holger Gärtner ist 50 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne.
Martin Schergung
Martin Schergung ist Leiter TQM / EHS bei BurnusHychem. Nach dem Studium der Biologie (Molekular- und Mikrobiologie) in Hamburg arbeitete er insgesamt zehn Jahre als verantwortlicher Projektleiter für Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme für zwei Unternehmensberatungen in Hamburg und Göttingen. Martin Schergung ist seit 2001 bei BurnusHychem beschäftigt.
In unserem neuen Servicelabor beschäftigen wir uns ganz grundlegend mit den unterschiedlichsten Kundenanforderungen.
Wir müssen Rahmenbedingungen abstecken und Aufwand, Umfang und Häufigkeit für Serviceleistungen definieren.
Gegebenenfalls können schwermetall­belastete Textilien sogar Sondermüll sein.
WRP: BurnusHychem eröffnete im letzten Jahr sein neues Servicelabor. Warum hat man hier investiert ?

Dr. Andreas Lange: In unserem neuen Servicelabor beschäftigen sich unsere Kolleginnen ganz grundlegend mit den unterschiedlichsten Kundenanforderungen. Weil wir in den letzten Jahren sehr viele neue Kunden im In- und Ausland dazu gewonnen haben, stieg gleichzeitig die Zahl an Anforderungen, für die unser Servicelabor Lösungen anbieten möchte. Deshalb hat BurnusHychem in entsprechende Kapazitäten, Ausstattungen und natürlich Personal investiert. Im neuen Servicelabor sind neben der Laborleiterin zwei ausgebildete Chemielaborantinnen beschäftigt, die auch textiltechnische Fragestellungen beherrschen.

Wenn man als Waschchemiehersteller und -lieferant in diesem Markt existieren möchte, ist es wichtig, dass man seinen Kunden bei Problemen vor Ort Hilfestellungen geben kann. Dafür ist das Servicelabor ein zentraler Baustein.

Holger Gärtner: Mit dem neuen Servicelabor haben wir uns langfristig positioniert. Wir können jetzt auch Laborleistungen anbieten, die in der Vergangenheit extern vergeben werden mussten. Das ist nicht nur positiv für unsere Kostensituation, sondern macht auch einen viel schnelleren Service möglich. Schließlich steht der Kunde bei uns im Mittelpunkt.

WRP: Mit welchen Aufgaben beschäftigt sich das Servicelabor, was leistet es ?

Dr. Lange: Mit am häufigsten sind textiltechnische Fragestellungen unserer Kunden. Zum Beispiel extreme Verfleckungen, die mit üblichen Verfahren nicht gelöst werden können. Die Laboraufgabe lautet: Aus was besteht die Verfleckung und wie kann sie mit Produkten und Verfahren aus unserem Portfolio entfernt werden ? Die Verfleckungen werden untersucht und dann verfahrenstechnische Vorschläge erarbeitet. Manchmal sind Sonderverfahren notwendig, um extreme Verfleckungen zu entfernen.

Im Servicelabor landen auch Wäschereianfragen bezüglich des Status des Frisch- beziehungsweise des Abwassers: Wie sind die CSB-Werte ? Sind Schwermetalle wie zum Beispiel Eisen, Mangan oder Kupfer im Wasser, die im Waschverfahren Katalytschäden mit Verbindungen auf Basis von Aktivsauerstoff verursachen können ? Unser Servicelabor liefert Antworten auf unterschiedlichste Fragestellungen.

Martin Schergung: Das Leistungsangebot reicht auch in die Textilanalytik. Zum Beispiel werden im Servicelabor Fasern untersucht. Gerade Fasermischungen aus Fernost finden hier oft eine besondere Beachtung. Sind Auflagerungen auf den Fasern, zum Beispiel besondere Schlichten, die erst mit einem Einwaschverfahren entfernt werden müssen ? Natürlich untersucht das Servicelabor auch Schadensfälle. Hat zum Beispiel die festgestellte Rissbildung im Textil eine mechanische oder eine chemische Ursache ?

Das neue Servicelabor ist jetzt unter anderem mit dem analytischen Equipment für die Messung der Weißqualitäten ausgestattet. Neben Weißgraden – hier kann die Fragestellung zum Beispiel heißen, ob die RAL- beziehungsweise Kundenvorgaben erreicht werden – können auch Farbabweichungs- und Grundweißwerte als Maß für die Vergrauung bestimmt werden.

WRP: Das Servicelabor hat offensichtlich gut zu tun. Gibt es heute für eine solche Einrichtung mehr Aufgaben als in der Vergangenheit ?

Schergung: Vor allem werden die Fragestellungen immer komplexer. Nehmen wir das Beispiel Reflexstreifen auf einer Schutzkleidung. Dies bedingt nicht nur eine aufwändige Pflege, sondern es muss zusätzlich geprüft werden, dass auch nach 30, 40 oder 50 Aufbereitungszyklen die Schutzfunktion noch gegeben ist, um die Sicherheit des Trägers in der Dunkelheit und bei schlechten Sichtverhältnissen zu gewährleisten. Hier müssen wir uns den Herausforderungen der PSA-Schutzrichtlinien stellen und dem Kunden validiert sagen, dass dieser Reflex-Leuchtstreifen noch funktioniert.

Gärtner: Es gibt auch viele neue Fasern in den Textilien. Dann stellen sich beispielsweise Fragen nach den optimalen Wasch- und Mangeltemperaturen. Oder das große Thema Schlichten. Es gibt eine so große Vielfalt, dass eigentlich jedes Teil entsprechend analysiert werden müsste. Um dann zu entscheiden, ob das Textil alkalisch, neutral oder sogar sauer und mit einer hohen oder niedrigen Temperatur bearbeitet werden muss, um die Schlichte komplett zu entfernen.

Dr. Lange: Weil Mode und Design auch in der Berufskleidung immer wichtiger werden, kann es passieren, dass der Reflexstreifen auf der Kleidung nur noch ein modisches Accessoire ist und nicht mehr den Anforderungen der klassischen Persönlichen Schutzausrüstung entspricht. Das bedeutet für unsere Kolleginnen im Labor natürlich eine ganz andere Fragestellung.
Heute geben viele Konfektionäre in der Pflegekennzeichnung minimalste Temperaturen an und labeln ihre Textilien beispielsweise bei einer maximalen Waschtemperatur mit 40°C. Unsere Aufgabe ist es dann, mit dieser maximalen Pflegekennzeichnungstemperatur unsere Wiederaufbereitung sicherzustellen. Mit der großen Herausforderung, dass die Schmutzentfernung in höheren Wasch­temperaturbereichen natürlich besser funktioniert. Ich finde es mindestens eine Überlegung wert, ob man die Pflegekennzeichnung nicht wieder in übliche Temperaturranges der professionellen Wäsche schiebt.

WRP: Mit welchen Themen beschäftigt sich das Servicelabor aktuell ?

Dr. Lange: In letzter Zeit häufen sich Anfragen hinsichtlich möglicher Schwermetallbelastungen auf Textilien, die in der Wäscherei bearbeitet werden sollen. Wie hoch ist die Chrom-Belastung, wie kann diese reduziert werden ? Schließlich gelten hier Grenzwerte, auch innerhalb der Abwasserverordnung. Gegebenenfalls können schwermetallbelastete Textilien sogar Sondermüll sein.

Schergung: Wenn Wäschereien Textilien bearbeiten sollen, die zum Beispiel mit Chrom, Blei oder mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet sind, dann müssen sie nicht nur die Grenz­werte beim Abwasser einhalten, sondern natürlich auch den Schutz der Mitarbeiter in der Wäscherei gewährleisten.

Ich sehe hier die PSA-Hersteller in der Pflicht, die Textilien oder Ausrüstungen so auszustatten, dass sie Schwermetalle nicht mehr aufnehmen beziehungsweise die Kleidung trotzdem leicht zu reinigen ist. Die Kunden der Wäschereien werden ihren rechtlichen Pflichten gerecht, indem sie diese entsprechend informieren. Und die Wäschereien geben die Pflichten an uns Waschchemielieferanten weiter, wenn sie uns zum Thema um entsprechende Hilfestellungen bitten. Dann kann es auch passieren, dass wir der Wäscherei empfehlen, einen solchen Auftrag ohne Abwasserreinigung nicht zu übernehmen. Es macht keinen Sinn, hochgradig kontaminierte Wäsche unter den normalen Bedingungen einer Wäscherei zu bearbeiten.

Dr. Lange: Wir fungieren sozusagen als Informationsbroker für unsere Kunden.

Gärtner: Bezüglich Schwermetallbelastungen in der Berufskleidung sind wir gerade in drei Wäschereien in der Analytik, die Waschverfahren entsprechend zu optimieren, um ein sicheres Aufbereitungsergebnis zu gewährleisten.

WRP: Nun beschäftigt sich BurnusHychem nicht nur mit Kundenanforderungen adressiert an das Servicelabor, sondern Hauptgeschäftsfeld sind noch immer Waschlösungen. 2016 wurde das neue Produktportfolio Green Line vorgestellt. Was zeichnet dieses Sortiment aus und wie ist die Akzeptanz dafür im Markt ?

Gärtner: BurnusHychem kümmert sich seit Jahrzehnten um das Thema Nachhaltigkeit. Im Jahr 2000 hat das Unternehmen mit Sterisan das erste System ohne Peressigsäure in den Markt gebracht, das bereits bei einer Waschtemperatur von 40°C optimal arbeitet. In dieser Tradition steht auch die Serie Green Line. Das ganzheitliche System besteht aus vier Komponenten: ein konzentriertes Flüssigwaschmittel, ein Alkali-Booster, ein Bleich- und ein Absäuerungsmittel. Alle Bausteine sind aufeinander abgestimmt.

Dr. Lange: Die Green Line Serie steht für nachhaltiges Waschen. Ein weiteres Leitthema bei der Entwicklung war, es so einfach wie möglich zu machen. Deshalb ein Baukastensystem für unterschiedlichste Aufgaben, aber auch der Verzicht zum Beispiel auf Inhaltsstoffe wie Parfümöle, Farbstoffe, optische Aufheller oder Enzyme.

Green Line erfüllt alle Anforderungen an das neue EU-Eco-Label. Zum Beispiel ist das kompakte Flüssigwaschmittel phosphatfrei und anaerob und aerob leicht abbaubar. Um das Green Line System mit dem EU-Eco-Label zertifizieren zu lassen, haben wir es bei der beauftragten Stelle, der RAL gGmbH, eingereicht. Diese vergibt das Label. Das Verfahren zur Einreichung der kompletten Unterlagen ist sehr aufwändig. Die Label-Kriterien fordern unter anderem genaueste Auskünfte über die Inhalts- und die Begleitstoffe und geben Obergrenzen vor. Es müssen Abbaubarkeit, Toxikologie etc. erklärt und Gebrauchstauglichkeitstests durchgeführt werden. Das Ganze muss der RAL sowie dem Umweltbundesamt, es ist für die Überprüfung der Rezepturdetails zuständig, erläutert werden. Wir werden das EU-Eco-Label für Green Line demnächst erhalten.

Gärtner: Wir sind sehr froh darüber, dass wir mit Green Line nicht nur im In- sondern auch im Ausland Kunden gewinnen konnten. Sie setzen das System sehr erfolgreich ein. Die Betriebe halten alle RAL-Prüfkriterien sehr gut ein.
Das Thema Nachhaltigkeit steht insbesondere bei Hotelgruppen im Fokus. Deshalb haben wir uns entschlossen, unseren Kunden ein Zertifikat zu überreichen, wenn die Wäscherei das System Green Line in vollem Umfang einsetzt. Mit diesem Zertifikat wird sowohl dem Kunden als auch dem Gast im Hotel angezeigt, dass die Wäsche nachhaltig gepflegt wird.

Schergung: Wenn die Hotelketten Audits durchführen erhalten unsere Green Line Wäschereien die höchsten Bewertungen im Bereich Umweltverträglichkeit. Wir haben schon viele Betriebe gewonnen, weil sie sich mit dem Zertifikat als umweltfreundliche Wäscherei präsentieren können. Eine hohe Bewertung bedeutet letztlich auch Wettbewerbsvorteile.

Gärtner: Green Line beherrscht natürlich nicht nur Hotelwäsche. Dank des Baukastenkonzeptes können mit dem System leichte, mittlere und schwere Verschmutzungen entfernt werden.

WRP: Für welche aktuellen Anforderungen in den Wäschereien hat BurnusHychem fertige Lösungen beziehungsweise was ist in der Entwickelungspipeline ?

Gärtner: Zum Beispiel haben wir für Kunden die Alten- und Pflegeheime versorgen, eine Speziallösung für die Bearbeitung von geruchsintensiver Wäsche entwickelt. Weitere Einsatzgebiete für diese Lösung sind Berufskleidung für Entsorgungsbetriebe, Sportbekleidung, Pferdedecken etc.. Das System besteht aus dem phosphatfreien Flüssigwaschmittel Burti odoro und dem Weichspüler Tenapré odoro, der mit seinem Geruchsabsorber für einen angenehmen frischen Duft sorgt. Das System ist hochflexibel und gelistet und kann als Vario-System bei Waschtemperaturen von 40°C oder 60°C eingesetzt werden. Eine weitere Entwicklung auf Basis einer Kundenanforderung ist Purlovan, ein flüssiges Spezialwaschmittel für Reinraum- und ESD-Bekleidung.

Dr. Lange: Die Speziallösung für geruchsintensive Wäsche ist natürlich auch prädestiniert für Textilien, die brandsaniert werden müssen. Wir entwickeln diese Lösungen immer weiter, damit sie stets den aktuellen Marktanforderungen gerecht werden.

Wenn es bei BurnusHychem grundsätzlich um das Thema Entwicklung geht, muss das Unternehmen vor allem zwei große Aufgabenbereiche forcieren. Grundsätzlich ist alles relevant, was der Kunde mit seinen Sinnen erfahren kann. Wir müssen uns beispielsweise mit der sichtbaren Fleckentfernung beschäftigen, also mit dem Portfolio für Fettlöser – dies muss stetig weiter optimiert und angepasst werden. Ein Verfahren bei 40°C bedingt einen anderen Fettlöser als bei 60°C.

Und natürlich sieht der Kunde immer die Weißqualität seiner Textilien. Deshalb gehört es zu unseren Aufgaben, den Weißgrad auch unter verschiedensten Bedingungen sicherzustellen – bei minimierten Dosiermengen genauso wie bei verkleinerten Wassereinsatzmengen. Und wir wissen alle, je geringer der Frischwassereinsatz, desto größer ist per se die Vergrauung.

Eine Menge Entwicklungskapazität müssen wir auch einsetzen, um unser bestehendes Portfolio zu verteidigen. Ein Waschchemiehersteller und -lieferant steht heute in Europa durch Vorschriften und Regelungen enorm unter Druck. Egal ob man als Produzent unter REACH oder die Biozidprodukteverordnung fällt – es bedeutet einen immensen Aufwand, seine Formulierungen auf dem Stand der Dinge zu bringen und in die Zukunft zu tragen.

Nehmen wir als Beispiel das Trisanox-System in unserem Sortiment. Hier wird auf intelligente Art und Weise Peressigsäure direkt in der Waschlauge gebildet. Weil das System eine hohe Hygienewirkung besitzt, ist BurnusHychem Hersteller eines Biozids und unterliegt somit den rechtlichen Bestimmungen der Biozidprodukteverordnung. Wir mussten deshalb für Trisanox unter anderem eine Notifizierung ausführen, um ins Review Programm der ECHA aufgenommen zu werden. Auch in Zukunft werden wir in dieser Hinsicht eine Vorreiterposition einnehmen, wenn es um die Zulassung von Biozidprodukten geht. Derzeit erstellen wir beispielsweise das Dossier zur Wirkstoffgenehmigung des Trisanox-Systems, was immense Kosten verursacht. Wir nehmen eine Menge Geld in die Hand, um ein System zu verteidigen, das schon viele Jahre erfolgreich im Markt ist. Aber nur dadurch ist auch gewährleistet, dass ein solches System vermarktungsfähig bleibt.

WRP: In den Wäschereien werden die Prozesse immer transparenter, deshalb Daten, Zahlen sowie Informationen immer wichtiger. Wie beteiligt sich BurnusHychem an dieser Entwicklung ?

Gärtner: Diese Entwicklung ist auch möglich, weil unterschiedlichste Maschinen mit unterschiedlichsten Steuerungen miteinander kommunizieren und Daten austauschen können. Unsere Dosiertechnik bietet diese Kompatibilität.

Dr. Lange: Schon seit Jahren stellt BurnusHychem seinen Kunden das batchLOG-Informationssystem zur Verfügung. Es bietet online die Möglichkeit der Daten­erfassung und Prozessdokumentation. Das System sammelt Zahlen und Daten und stellt sie aufbereitet zum Beispiel der Wäschereileitung zur Verfügung: Welches Waschprogramm ist aktuell im Einsatz, wie setzt sich prozentual das Wäscheportfolio zusammen, welche Dosiermengen werden dafür eingesetzt usw. ? Die Kontrolle und Auswertung der Prozessdaten gewährleistet, dass zu jeder Zeit die Wirtschaftlichkeit der Prozesse überprüft werden kann.

Schergung: Zusätzlich können wir über einen Fernwartungszugriff der Wäscherei Hilfestellungen geben. Je nach Ausbaustufe sind zum Beispiel in einem Waschprogramm verschiedene Dosierparameter anpassbar. Wir tauschen uns regelmäßig mit den Maschinen- und Softwareherstellern und natürlich unseren Kunden aus, um diese Möglichkeiten weiter zu entwickeln.

Gärtner: In diesem Zusammenhang wird in Zukunft die Hygienesicherheit der Prozesse immer bedeutender. Wie können entsprechende Daten und Parameter wie beispielsweise pH-Wert, Aktivsauerstoff-, Peressigsäuregehalt, Temperaturen, Alkalitäten und Leitwerte in Echtzeit gelesen werden, um diesen Prozess zu überwachen und ihn bei Bedarf nachzujustieren ?

Schergung: Das ist zwar noch Zukunftsmusik. Aber die notwendige Sensorik, um entsprechende Informationen zu generieren, ist schon vorhanden. Zum Beispiel können heute in der Medizin im Blut bestimmte Parameter gemessen werden. Sind diese nicht optimal wird automatisch über eine entsprechende Medikamentation nachgebessert. Dieses Konzept ist durchaus übertragbar auf den Wäschereiprozess.

Ein weiteres Beispiel dafür ist ein Hygienemonitoring, um die Keimbelastung in der Maschine zu überwachen. Werden Werte überschritten werden automatisch Desinfektionskomponenten nachgereicht oder der Waschprozess verlängert beziehungsweise Temperaturen angepasst. Ich denke, schon in den nächsten Jahren wird dieses übliche Praxis sein in den Wäschereien.

WRP: Bei allen Waschchemieherstellern in der Branche wird das Serviceportfolio für die Kunden immer umfassender. Geht diese Entwicklung immer weiter ?

Gärtner: Unser Leitsatz ist: Kunden wollen keine Produkte, sie wollen Lösungen. Natürlich möchten wir unseren Kunden bei Problem immer helfen. Aber in der Tat haben heute Servicequalität und -quantität einen Umfang erreicht, dass wir zukünftig entscheiden müssen: Bis wann ist eine Serviceleistung in unserer Verantwortung, ab wann ein Dienst, den wir in Rechnung stellen müssen ?

Schon jetzt machen wir in den Kundengesprächen immer wieder deutlich, welchen Leistungsumfang wir heute generieren. Das fängt bei den monatlichen Besuchen an, geht über das Hygienemonitoring, die Prüfung der Waschgangkontrollstreifen bis hin zu den Fleckmonitoren, die routinemäßig im Prozess mitlaufen und anschließend in unserem Servicelabor geprüft werden. Oder betrachten wir die Überwachung, Wartung und Instandhaltung unserer Dosiertechnik. Gerade die Anlagen- und Maschinenverfügbarkeit steht aktuell in den Betrieben weit im Vordergrund. Das zusammen ist ein ziemlich umfangreiches Servicepaket. Der Kunde nimmt es gerne in Anspruch, aber für uns hat es einen hohen Zeit- und Kostenaufwand zur Folge. Dies ist für uns umso entscheidender, je mehr wir bei unseren Kunden für ein bestimmtes Budget in Verantwortung stehen.
Deshalb müssen wir Rahmenbedingungen abstecken und Aufwand, Umfang und Häufigkeit für Serviceleistungen definieren. Übersteigen sie ein Limit, wird die Leistung kostenpflichtig oder muss zumindest als ein fester Satz mit der Wäscherei vereinbart werden.

Schergung: Unser Anspruch war schon immer, Qualität steht an erster Stelle. Aber Qualität und Preis müssen in einem angemessen Verhältnis zueinander stehen. Es ist manchmal erstaunlich, zu welchen Preisen in der Branche Qualitätsversprechen abgeben werden. Natürlich kann man mit seinen Preisen immer weiter heruntergehen. Aber dies bedeutet in Folge meistens auch immer schlechtere Waschergebnisse – weil am Produkteinsatz gespart wird, um kostengünstig zu sein.

Das ist keine gute Entwicklung. Der Wäschereikunde wird eine mangelhafte Qualität früher oder später monieren. Dann geht der Auftrag verloren und ins Spiel kommen dann wieder die Betriebe, die sich durch eine gute Qualität auszeichnen.

WRP: Ein wichtiges Thema in der Branche ist die Fachkräfteproblematik in den Betrieben, Diese wird durch seit Jahren sinkende Auszubildendenzahlen im Berufsbild Textilreiniger weiter verschärft. Was heißt das für einen Waschmittelhersteller ?

Dr. Lange: Das ist in der Tat eine dramatische Entwicklung. Es gibt immer weniger qualifiziertes Personal und Nachwuchs, parallel steigen die Anforderungen in der Wäscherei. Die Betriebe sind heute Hightech-Unternehmen mit einem hohen Automatisierungsgrad. Gleichzeitig werden Maschinen, Verfahren und Textilien immer komplexer. Diese Entwicklung bedingt eigentlich immer mehr fachspezifisches Personal, das die verschiedenen Systeme und Prozesse nicht nur versteht, sondern auch Wartung und Instandhaltung durchführen kann.

Gärtner: Hier zeigt sich wieder der schon beschriebene Spagat: Auf der einen Seite immer komplexere Wäschereiprozesse mit immer neuen Anforderungen, auf der anderen Seite ein Kunde, der den stetig steigenden Aufwand nicht entsprechend in ausreichendem Maße honorieren möchte. Gleichzeitig kämpfen die Betriebe damit, qualifiziertes Personal zu bekommen. Und mit dem Nachwuchsproblem geht in den Wäschereien in Zukunft immer mehr Qualifikation verloren.

Diese immer aufwändigeren Prozesse in den Wäschereien zu installieren, zu verfolgen und zu gewährleisten bedeutet auch auf der Lieferantenseite entsprechend qualifiziertes Personal. Und hier schlägt das Qualifikations- beziehungsweise Nachwuchsdilemma auch auf die Lieferantenseite durch. Unsere Anwendungstechniker müssen zum Beispiel nicht nur die Wäschereikompetenz besitzen, um die Verfahren zu verstehen, sondern sie müssen diese Verfahren auf Maschinensteuerungen programmieren, die nicht nur verschiedenen Marken, sondern auch unterschiedlichsten Generationen angehören. Das bedingt eine Kompetenz, die durch stete Weiterbildung immer aktuell gehalten werden muss.

Dem Qualifizierungsverlust in den Betrieben begegnen wir, indem wir unsere Prozesse immer sicherer machen. Zum Beispiel zu gewährleisten, dass in der Dosiertechnik keine Produkte oder auch Waschprogramme verwechselt werden können.

Schergung: Ein Beispiel für unser Bestreben, Prozesse immer sicherer zu machen, ist ein innovatives Konzept, das wir vor zwei Jahren entwickelten und das von unseren Kunden immer mehr angenommen wird. Basis für das Konzept sind doppelwandige Tagesvorratsbehälter für unsere Produkte, aus denen über die Dosieranlage die Maschinen versorgt werden. Die Tagesvorratsbehälter wiederum sind mit den Großgebinden verbunden. Das Konzept hat mehrere Vorzüge: Die Produktversorgung ist immer gewährleistet, deshalb können die Pumpen keine Luft ziehen. Wenn der Vorratsbehälter sich leert wird automatisch aus dem Großgebinde nachgefördert. Leert sich das Großgebinde gibt es eine entsprechende Meldung, trotzdem kann aus dem Vorratsbehälter weiter gewaschen werden. So müssen nur die Großgebinde gewechselt werden. Man kann diese vor dem Wechsel komplett leer pumpen, das wiederum minimiert die Gefährdungssituation beim Tausch der Gebinde.

Gärtner: Um die Aufgaben, die aus dem fehlenden Fachpersonal in den Betrieben resultieren, zu bewältigen, wird es auch in Zukunft Hilfestellungen von Seiten der Lieferanten geben müssen. Denn ich kann mir heute nicht vorstellen, dass man diese Entwicklung wieder drehen kann. So werden auch in Zukunft viele Serviceleistungen weiterhin bei den Waschmittelherstellern angesiedelt sein. Aber hier muss schon heute diskutiert und definiert werden, welche Services dann in unserer Verantwortung stehen und welche, wenn wir sie leisten, honoriert werden müssen.

Interview aus WRP 03-2018