Firmen, Köpfe, Unternehmen, Markt, Hintergrund

www.wrp-interview.de

Lapauw International,

„Es ist sehr wichtig, heute ein komplettes Programm anbieten zu können“

Der internationale Wäschereimaschinenhersteller Lapauw hat im letzten Jahr die Übernahme der Firma Transferon abgeschlossen und tritt seitdem in der Branche als Komplettausstatter für Wäschereien auf. Wir sprachen im Interview des Monats mit Firmenchef Philippe D`heygere und CEO Steven Renders über die neuen Möglichkeiten im Sortiment und warum es wichtig ist, heute für Wäschereien ein komplettes Lösungsportfolio anbieten zu können.

Philippe D`heygere
Der Investor Philippe D`heygere übernahm 2010 den belgischen Wäschereimaschinen-Hersteller Lapauw und das Tochterunternehmen Lapauw Frankreich. Davor war Philippe D`heygere in verschiedenen Unternehmen engagiert, unter anderem bei der Firma Stow International (heute Kardex Stow), die individuelle Lagerlösungen für die Warenwirtschaft entwickelt.
Steven Renders
Steven Renders ist Chief Executive Officer (CEO) bei Lapauw. Nach seinem Hochschulabschluss arbeitete Renders als Lehrer an einer Universität und an einer Management-Schule. Von 1996 bis 2005 war er Chief Financial Officer (CFO) und von 2006 bis 2012 Chief Operating Officer (COO) beim Unternehmen Kardex Stow. Steven Renders ist verheiratet und hat drei Kinder.
Die technische Entwicklung wird in Europa erfolgen. Für die Herstellung der Tunnelwaschanlagen hat Lapauw eine neue Niederlassung in Thailand gegründet.
Heute sind wir sehr gut darauf vorbereitet, um weltweit für jede Projektgröße die optimale Lösung liefern zu können.
Transferon hat im Laufe der Jahre weltweit mehr als 3.000 Mangeln und über 400 Tunnelwaschanlagen verkauft.
WRP: Im letzten Jahr hat Lapauw International die Übernahme des Waschtechnikherstellers Transferon zum Abschluss gebracht. Was bedeutet diese Übernahme für Lapauw?

Philippe D`heygere: Der Kauf von Transferon ist ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung von Lapauw International. Als wir Lapauw im Jahr 2010 übernahmen, formulierten wir unter anderem ein Ziel: Dass das Unternehmen weiter ausgebaut werden soll, um schließlich ein komplettes Angebot an Wäscherei­lösungen an unsere weltweiten Kunden liefern zu können. Um dies zu leisten, fehlten bisher eindeutig die Tunnelwaschanlagen in unserer Produktpalette.

Steven Renders: Mit der Firma Transferon gewinnen wir einen großen Erfahrungsschatz sowie jede Menge technisches Wissen dazu. Seit mehr als 45 Jahren produziert und liefert das Unternehmen Wäschereiausrüstung in die ganze Welt. Transferon begann mit der Herstellung von Trocknern, entwickelte jedoch schnell die gesamte Produktpalette einschließlich Mangeln, Waschschleudermaschinen und Tunnelwaschanlagen. Und das mit großem Erfolg: Das Unternehmen besitzt heute einen sehr großen Kundenstamm und hat im Laufe der Jahre weltweit mehr als 3.000 Mangeln und über 400 Tunnelwaschanlagen verkauft.

WRP: Für welche Produkte beziehungsweise Lösungen steht das Transferon-Sortiment heute?

Philippe D`heygere: Transferon ist heute vor allem für seine Mangeln und Tunnelwaschanlagen bekannt. Dabei bietet das Unternehmensportfolio sehr viel mehr. In den letzten Jahrzehnten hat Transferon unter anderem Eingabe- und Faltmaschinen, Fördersysteme, Softwarelösungen für das Wäschereimanagement sowie Lösungen für die Konfektionierung entwickelt, produziert und geliefert. Das dabei gesammelte Know-how wollen wir nutzen. Zwar liegt unser Fokus jetzt auf den Waschstraßen, Pressen, Transportbändern und Trocknern im Sortiment von Transferon. Aber schon jetzt tauschen sich die Ingenieure von Lapauw und Transferon intensiv aus und entwickeln gemeinsam Ideen für neue Lösungen.

Steven Renders: Die Teams von Transferon und Lapauw haben in den vergangenen Monaten auch im Bereich der technischen Weiterentwicklung konzentriert zusammengearbeitet. Schließlich wollen wir sicherstellen, dass die Lapauw-Tunnelwaschanlagen nicht nur für aktuelle, sondern auch für zukünftige Marktanforderungen gerüstet sind. In diese Maschinen fliessen schon jetzt das Wissen der beiden Firmen sowie die jahrzehntelangen Erfahrungen der Transferon- und der Lapauw-Kunden ein.

Philippe D`heygere: Lapauw ist bekannt als Pionier in der Wäschereitechnologie. Wir statten unsere Kunden mit Maschinen aus, die eine sehr gute Bearbeitungsqualität sowie eine hohe Leistung bieten und die mit branchenführend niedrigen Gesamtbetriebskosten arbeiten. Diese für Lapauw-Lösungen charakteristischen Merkmale gelten natürlich auch für die Tunnelwaschanlagen.

WRP: Wo werden die Tunnelwaschstraßen entwickelt und hergestellt?

Steven Renders: Die technische Entwicklung wird in Europa erfolgen. Für die Herstellung der Tunnelwaschanlagen hat Lapauw eine neue Niederlassung in Thailand gegründet. Die Produktion und Montage wird von ehemaligen Mitarbeitern von Transferon übernommen, die über viele Jahre Erfahrungen im Bau solcher Anlagen verfügen. Natürlich sind die Maschinen in unserem Werk CE-zertifiziert und jeder Schritt im Prozess entspricht dem Qualitätssystem von Lapauw.

Wir freuen uns, dass sich der ehemalige Eigentümer von Transferon, Peter Zaiser, dazu entschlossen hat, der Lapauw-Gruppe beizutreten. Er wird zukünftig den Posten als Geschäftsführer von Lapauw Thailand übernehmen. Seine Erfahrung ist sehr wichtig für uns, und seine Präsenz vor Ort sichert den reibungslosen Übergang von Transferon zu Lapauw.

Philippe D`heygere: Lapauw Thailand wird viel mehr sein als nur ein Produktionsstandort für Tunnelwaschanlagen. Unser Geschäft in Asien wächst schnell. Das neue Unternehmen gibt uns die Möglichkeit, diesen Standort zu einem Produktions- und Vertriebszentrum für die gesamte Region auszubauen. Um dies weiter voran zu treiben, werden meine Tochter und ihr Ehemann in diesem Jahr nach Thailand umziehen und eng mit dem ehemaligen Transferon-Team zusammenarbeiten.

WRP: Wie wichtig ist es heute, dass ein Wäschereitechniklieferant wie Lapauw seinen Kunden mit einem kompletten Sortiment gegenüber treten kann?

Philippe D`heygere: Ein eigenes Produktprogramm, mit dem eine Wäscherei komplett ausgestattet werden kann, das für alle Aufgaben eine passende Lösung bietet, das ist heute sehr wichtig. Es gibt Kunden, die nur dann mit einem Technikhersteller zusammenarbeiten, wenn dieser die gesamte Ausrüstung liefern kann. Wir hatten schon einige Anfragen, bei denen eine Tunnelwaschanlage Teil des Investitionsprojekts war. Weil diese aber bisher nicht Bestandteil in unserem Sortiment waren, wurde Lapauw nicht berücksichtigt.

Ich möchte an dieser Stelle aber auch betonen: Wenn wir heute als Komplettausstatter in der Branche auftreten können, bedeutet das ganz bestimmt nicht, dass wir uns nun ausschließlich auf die großen Projekte konzentrieren werden. Für uns ist nach wie vor jeder Kunde und jedes Projekt wichtig – egal ob es sich um eine kleine OPL-Wäscherei handelt, die eine Mangel oder eine Waschmaschine mit geringer Kapazität benötigt oder um eine große industrielle Wäschereigruppe, die eine neue Wäscherei in Betrieb nehmen möchte.

Steven Renders: Eine große Stärke unserer Produkte ist, dass sie unsere weltweiten Kunden mit niedrigsten Betriebskosten überzeugen. Verantwortlich dafür ist die lange Lebensdauer der Technik und ihre hohe Zuverlässigkeit. Und wir pflegen eine offene Ersatzteilpolitik und verbauen weniger geschützte Teile als unsere Wettbewerber. Die effizienten Tunnelwaschanlagen, die unser Maschinenportfolio komplett machen, eröffnen unseren Kunden weitere Möglichkeiten, die Gesamtbetriebskosten in ihren Wäschereien zu minimieren. Das ist ein echter Vorteil für sie und auch für ihre ihre Kunden.

WRP: Welchen Kunden, Märkte und Regionen versorgt Lapauw heute mit seinen Produkten?

Steven Renders: Lapauw International ist auf der ganzen Welt aktiv. Wir haben ein schnell wachsendes weltweites Netzwerk von Lapauw-Tochtergesellschaften und zertifizierten Lapauw-Händlern und im letzten Jahr auf allen Kontinenten Maschinen verkauft.

Philippe D`heygere: Es gibt eine große Vielfalt unter unseren Kunden: Das reicht von den Hotels und Krankenhäusern, über Kreuzfahrtschiffe bis hin zu den kleineren und den großen internationalen Wäschereien, die jeden Tag kleine bis sehr große Mengen Wäsche bearbeiten. All diese Kunden sich für uns gleichermaßen wichtig.

WRP: Wird Lapauw mit den Transferon-Produkten neue Kundengruppen oder neue Märkte ansprechen können?

Steven Renders: Mit den Tunnelwaschanlagen in unserem Portfolio können wir jetzt auch die Kunden ansprechen, die bisher bei unseren Wettbewerbern nach einer Lösung suchen mussten. Wir können nun eine Lapauw-Tunnelwaschanlage mit den typischen Vorzügen offerieren, die alle Lapauw-Produkte auszeichnet: hohe Qualität, Zuverlässigkeit und Leistung sowie geringe Wartungskosten. Und die Lapauw-Tunnelwaschanlagen besitzen eine lange und erfolgreiche Produktgeschichte mit über 400 installierten Systemen.

WRP: Wie werden die Lapauw-Produkte in Deutschland vertrieben, wie der Service geleistet?

Philippe D`heygere: Wim Demeyer ist unser Verkaufsleiter für Europa und auch verantwortlich für unser Händlernetzwerk in Deutschland. Alle unsere Händler haben ihre eigenen Techniker, die bei Bedarf von den Technikern der Lapauw-Gruppe in Belgien und der Tschechischen Republik unterstützt werden.

WRP: Welche Trends beobachtet Lapauw in der Textilpflegebranche in Deutschland und international?

Philippe D`heygere: Wir sehen drei Haupttrends in dieser Branche. Erstens: In den Betrieben schreitet die Automatisierung weiter voran. Das ist vor allem darin begründet, dass es für unsere Kunden immer schwieriger wird, qualifiziertes und motiviertes Personal zu finden. Außerdem führt der intensive Wettbewerb zwischen den Wäschereidienstleistern, der Kampf um jeden Kunden, zu sinkenden Preisen und Margen. Das zwingt die Wäschereien, in ihren Betrieben weiter nach Kosteneinsparungen zu suchen. Und das kann bedeuten, die Prozesse zu automatisieren. 2. Es besteht auch ein wachsendes Interesse in den Wäschereien, mehr Informationen und Daten zu generieren, zum Beispiel über die Leistung der Technik und über die logistischen Prozesse. 3. Und nicht zuletzt ist die Suche nach ökologischen Lösungen, die immer weniger Energie und Ressourcen verbrauchen, noch immer aktuell. Dies wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.

WRP: Wie reagiert Lapauw auf diese Entwicklungen? Welche Lösungen sind in der Pipeline?

Steven Renders: Lapauw war schon immer ein Wegbereiter in dieser Branche. Diese Rolle werden wir auch in Zukunft übernehmen. Wir haben massiv in unser Team für Forschung und Entwicklung investiert und werden dies auch in den kommenden Jahren tun. Unsere Ingenieure arbeiten intensiv an Projekten, die für unsere Kunden wesentliche Verbesserungen bedeuten und die Antworten liefern auf die Herausforderungen von heute und morgen. Soviel sei hier verraten: Einige dieser innovativen Lösungen werden aktuell in der Praxis getestet und auf der Messe Expodetergo in Mailand in diesem Jahr im Oktober vorgestellt.

WRP: Herr D`heygere, Sie haben Lapauw im Jahr 2010 übernommen und dem Unternehmen damals ein neues strategisches Konzept verpasst. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?

Philippe D`heygere: Ich bin sehr zufrieden mit dem, was Lapauw heute ist und in der Branche darstellt. Ich habe die Firma Lapauw übernommen, um sie von einem lokalen Hersteller für sehr fortschrittliche und langlebige Mangel- und Waschtechnik zu einem Global Player zu entwickeln, der seine Kunden weltweit mit einem kompletten Wäschereiprogramm unterstützt.

Um dieses Ziel zu erreichen, mussten Steven und ich viele Hausaufgaben erledigen. Eine unserer ersten Aufgaben war, bei Lapauw mehr Struktur in den Entwicklungsprozess und die allgemeine Arbeitsweise zu bringen. In der Folge wurde das Unternehmen unter anderem im Jahr 2013 ISO 9001:2008 zertifiziert, außerdem erhielten wir die ASME-Zertifizierung.

Wir haben neue Lapauw-Vertriebsgesellschaften gegründet, um den Endkunden und ihren Projekten näher zu sein. Wir haben alle unsere Produkte verbessert, neue Patente erhalten, in Innovationen und Designs investiert und schließlich unser Produktportfolio um die bekannten Transferon-Tunnel-Waschsysteme erweitert, zu denen auch die passendenden Pressen und Trocknern gehören.

Heute sind wir sehr gut darauf vorbereitet, um weltweit für jede Projektgröße die optimale Lösung liefern zu können. Mit unseren Fabriken in Belgien, in der Tschechischen Republik und jetzt in Thailand können wir schnell und kosteneffizient produzieren. Nach sieben Jahren harter Teamarbeit konnten wir den Umsatz von Lapauw verdoppeln. Ich freue mich sehr über diese Entwicklung. Dies motiviert uns, noch besser zu werden und uns neue Ziele für die Zukunft zu setzen.

WRP: Das ist ein gutes Stichwort: Welche Ziele gibt es in den nächsten Jahren?

Steven Renders: Mit den Tunnel-Waschsystemen in unserem Sortiment sowie weiteren Exklusivvereinbarungen, die wir gerade unterzeichnet haben, ist Lapauw nun in der Lage, komplette Projekte zu realisieren und perfekte Lösungen zu liefern. Waren Kunden bisher bei der Auswahl an Gesamtprojektlieferanten begrenzt, stellt Lapauw jetzt eine weitere Option dar. Und zwar mit Technik, die den typischen Lapauw-Stempel trägt: Hervorragende Maschinen für Wäschereien, die mit niedrigen Gesamtbetriebskosten arbeiten möchten. Diese Botschaft wollen wir in die Märkte tragen und die Marke Lapauw noch präsenter machen.

Interview aus WRP 02-2018