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Inwatec ApS

Spezialist für die Automatisierung von Wäschereien

Die Firma Inwatec mit Sitz im dänischen Odense ist Hersteller für Wäschereitechnik. Erst seit gut acht Jahren in der Branche, hat sich das Unternehmen heute einen Namen mit innovativen Lösungen wie unter anderem Röntgen- und Mattenrollmaschinen sowie automatischen Lagersystemen für Stapelware beziehungsweise Matten gemacht. Wir sprachen mit Unternehmensgründer und Geschäftsführer Mads Andresen sowie Finn Hahn, er ist für den deutschen Vertrieb zuständig, über die Entwicklung dieser Lösungen und über Marktpotentiale.

Mads Andresen
Mads Andresen ist Direktor und Partner der Firma Inwatec in Dänemark. Er ist Software-Ingenieur, sein Studium absolvierte er an der University of Southern Denmark. Nach dem Studium arbeitete er in verschiedenen Unternehmen, um Softwarelösungen zu entwickeln. Mads Andresen lebt mit seiner Frau und drei Töchtern in Odense.
Finn Hahn
Finn Hahn ist bei Inwatec für den Vertrieb im deutschen Markt zuständig. Vorher arbeitete er in der Firma sowohl in der Produktentwicklung als auch im technischen Vertrieb. Finn Hahn ist in Flensburg geboren und aufgewachsen und hat sein Studium zum M.Sc.Eng Product Development & Innovation an der Syddansk Universitet (SDU) in Odense erfolgreich absolviert.
„Es gibt einen Bedarf für neue Lösungen, und wir versuchen mit Inwatec, passende Antworten zu liefern.“
„Die Bedeutung der Software ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und wird auch in Zukunft weiter zunehmen.“
„Geht es um den Einkauf von neuer Technik, ist der deutsche Markt noch ein wenig konservativer als andere Märkte.“
WRP: Inwatec wurde 2009 gegründet und gehört damit zu den ganz jungen Firmen in der Zulieferindustrie der Textilpflegebranche. Was war damals die Motivation, sich mit Inwatec in der Wäschereibranche selbstständig zu machen ?

Mads Andresen: Es gab und gibt noch heute in den Wäschereien ein großes Potential für neue innovative Lösungen in den Bereichen Automatisierung und Konstruktion. Ich hatte damals ein paar passende Ideen. Und dies war der Anlass, zusammen mit meinem Geschäftspartner Lars Hansen 2009 Inwatec zu gründen.

Als Software-Ingenieur hatte ich schon vor der Gründung von Inwatec Kontakt in die Wäschereibranche. Unter anderem war ich für einen Lieferanten der Jensen-Gruppe tätig, später für eine dänische Firma, die Wäschereimaschinen installierte. Bei meinen Besuchen in den Wäschereien stellte ich immer wieder fest, dass einige Prozesse und Maschinenlösungen aus meiner Sicht nicht optimal sind – weil sie nicht besonders effizient, wenig verlässlich, nicht ergonomisch, nicht zeitgemäß, keine gute Qualität lieferten oder zu viel Handarbeit verlangten. Es gab und gibt also in den Betrieben einen Bedarf für neue Lösungen, und wir versuchen mit Inwatec, passende Antworten zu liefern.

WRP: In den Anfangsjahren hat sich Inwatec auf die Entwicklung und die Konstruktion von Mattenrollmaschinen konzentriert. Warum dieser Fokus ?

Andresen: Eine dieser Ideen am Anfang war eine Mattenrollmaschine. Also eine Maschine, die Matten rollt. Üblicherweise wurde die Ware damals gefaltet. Unsere Maschine sollte eine bessere Qualität bei gleichzeitig hoher Leistung liefern. Deshalb wurde bei ihrer Entwicklung der Fokus auf das Rollen der Matten, auf die Rollqualität und auf einen hohen Output gelegt.

Es war der richtige Ansatz. Wir waren und sind heute mit unseren Mattenrollmaschinen sehr erfolgreich. Und der Mattenmarkt zeichnet sich durch Wachstum aus, die Wäschereien verdienen Geld mit dem Produkt Matte. Hinzu kommt, dass wir mit unseren Mattenrollmaschinen in einer Nische unterwegs sind. Es gibt nur sehr wenige Technikanbieter. Als Hersteller muss man nicht nur die Maschine beherrschen, sondern auch den Markt und die Produkte kennen. Wie bewegt sich eine Matte in der Maschine, wie funktioniert eine Mattenwäscherei und die Logistik dahinter ? Dieses Know-how basiert auch auf Erfahrungen, die erst gesammelt werden müssen – und das bedingt Zeit.

WRP: Werden die Mattenrollmaschinen von Inwatec weltweit vertrieben ?

Andresen: Es gibt Mattenmärkte in Europa, in Nordamerika in den USA und Kanada, vielleicht kann noch Australien dazu gezählt werden. In Regionen wie zum Beispiel Asien spielt dieses Produkt heute nur eine kleine beziehungsweise gar keine Rolle. Wir sind in allen wichtigen Märkten mit unseren Maschinen vertreten.

WRP: Mit Mattenrollmaschinen ist Inwatec gestartet. Welche Lösungen hat das Unternehmen heute im Portfolio ?

Finn Hahn: Wir haben weitere Lösungen für den Bearbeitungsprozess in einer Mattenwäscherei – bis auf das Waschen und Trocknen – entwickelt. Es gibt Lösungen für die Entladung aus unterschiedlichen Ladungsträgern auf der unreinen Seite und für das Rollen, Sortieren und Kommissionieren der Ware auf der sauberen Seite.

Für den Wareneingang auf der schmutzigen Seite der Wäscherei haben wir einen Roboter zum Separieren der Wäsche im Sortiment. Es gibt eine Röntgenmaschine, die Fremdkörper in den Textilien erkennt sowie eine automatische Sortiermaschine. Das Ganze kann in Systeme integriert werden, zum Beispiel zusammen mit Waschstraßen.

Auch für die saubere Seite in Wäschereien können wir verschiedene Lösungen anbieten. Zum Beispiel eine Beutelmaschine für Kleinteile wie Wischmopps oder Putzlappen. Die Maschine zählt automatisch ab, verpackt die gewünschte Menge an Artikeln in einen Plastikbeutel, druckt ein Etikett mit Kunden­informationen auf die Beutel und transportiert diese direkt zum Rollwagen. Eine weitere Entwicklung ist ein Lagersystem für gestapelte Ware. Dieses dient als Puffer zwischen der Faltmaschine und dem Logistikbereich.

All diese Lösungen werden hier in Odense entwickelt und hergestellt.

WRP: Wenn wir das Inwatec-Team hier in der Zentrale in Odense betrachten, fällt auf, dass die Softwareabteilung die meisten Mitarbeiter zählt.

Andresen: Grundsätzlich ist die Bedeutung der Software in der Branche sowie in den technischen Lösungen in den letzten Jahren stetig gewachsen und wird auch in Zukunft weiter zunehmen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in einem Unternehmen wie Inwatec wieder. Heute beschäftigen wir mehr Softwarespezialisten als Ingenieure im Bereich Konstruktion.

Hahn: Schon immer hat die Software in den Produkten von Inwatec ein hohes Gewicht. Dies ist auch in der Firmenphilosophie von Mads Andresen, er ist Software-Ingenieur, begründet. Ein traditioneller Maschinenhersteller versucht vieles in der Technik über die Mechanik zu lösen. Das ist manchmal mit einem hohen Aufwand verbunden. Wir bei Inwatec versuchen die Mechanik in unseren Maschinen so einfach wie möglich zu halten. Funktionalitäten werden über die Software generiert, die immer sehr eng mit der Hardware verknüpft ist.

Wenn wir über eine neue Maschine nachdenken, denken wir schon in dieser Phase an die Software und mögliche Funktionalitäten. In der Entwicklungs- und Konstruktionsphase arbeiten Konstruktions- und Softwareabteilung eng zusammen. Immer wird die Software mit gedacht. Um im Ergebnis eine in der Konstruktion möglichst einfache, aber aufgabenorientierte und leistungsfähige Maschine zu entwickeln.

Andresen: Mein Ansatz ist, wie macht man eine gute Software für eine Wäschereimaschine ? Wie bringt man sie in dieser Hardware optimal zur Geltung ? Das ist eine etwas andere Herangehensweise als bei der klassischen Maschinenentwicklung. Software bietet viele Möglichkeiten und hat eine hohe Flexibilität. Sie macht auch eine schnellere Entwicklungszeit möglich. Wir nutzen zum Beispiel die Feedbacks intern von unseren Mitarbeitern und auch extern von unseren Kunden und können diese in der Software schnell aufnehmen und umsetzen. Deshalb ist bei Inwatec die Kommunikation innerhalb und außerhalb des Unternehmens so wichtig.

WRP: Dann ersetzt die Software immer mehr den mechanischen Anteil in einer Maschine ?

Hahn: Das kann man so sagen. Leider kann Software die Mechanik nicht komplett ersetzen. Denn je weniger Mechanik in einer Maschine, desto weniger störanfällig ist die Technik.
Software als bedeutender Bestandteil einer Maschine bietet eine Reihe von Vorzügen. Es können später sehr einfach und schnell Änderungen vorgenommen werden. Zum Beispiel, um eine Lösung weiter zu entwickeln. Haben wir ein Softwareupdate, können wir dieses aus Dänemark auf die Maschine beim Kunden aufspielen. So wird diese Maschine beispielsweise um 20 Prozent schneller. Weil wir die Software stetig weiter entwickeln, kann Technik immer auf einem aktuellen Stand gehalten werden.

Andresen: Unsere erste Röntgenmaschine ist vor vier Jahren in den Markt gegangen. Mechanisch ist sie heute noch immer die selbe Maschine. Sie kann aber jetzt in der aktuellen Ausgabe viel mehr und ist deutlich leistungsfähiger – weil wir in den letzten Jahren stetig ihre Software weiter entwickelt haben.

Oder unsere Sortierlösung: Mechanisch einfach, liegt das Know-how in der Software. Aktuell kann nach Farbe, Volumen, Gewicht, Größe und weiteren Kriterien sortiert werden. Zur Zeit testen wir eine Lösung mit Kameras und 3-D-Sensoren, um die Wäsche zu identifizieren. Auch wenn Textilien nicht nicht mit einem Chip gekennzeichnet ist, kann das System diese Teile aussortieren.

Hahn: Wir nutzen auch künstliche Intelligenz, um dieses System weiter zu entwickeln. Das Ziel sind noch mehr Sortierkriterien zu ermöglichen beziehungsweise bei der Röntgenanlage noch mehr Gegenstände, die detektiert werden können.

Andresen: Auch deshalb nennen wir uns Laundry Nerds. Wir konzentrieren uns auf die Aufgabe und machen nur das, worin wir gut und kompetent sind. Wenn die Firma Inwatec eine neue Lösung anbietet, muss sie besser sein als die Wettbewerbs­produkte im Markt.

Es ist für uns sehr wichtig, dass alle unsere Mitarbeiter so oft wie möglich in die Wäschereien gehen. Man kann diese Betriebe nur schwer erklären. Wenn unsere Mitarbeiter vor Ort die Prozesse sehen, dann ist das Verständnis dafür einfach viel höher. Gleichzeitig können sie neue Ideen entwickeln. Sie lernen in den Betrieben ihre Kunden sowie die Wäschereimitarbeiter kennen. Auch das bietet Anregungen und Ansätze, wenn es um die Neu- und die Weiterentwicklung von Produkten geht.

Weil Software immer wichtiger wird, heißt das auch, dass sich das Anforderungsprofil der Maschinenkonstrukteure weiterentwickeln muss. Zumindest hier in Dänemark denken sie branchenübergreifend noch immer eher in mechanischen Lösungen. Hier muss ein neues Denken stattfinden, das neue Wege und Lösungen möglich macht. Wir versuchen, dafür eine passende Kultur bei Inwatec zu schaffen. Sie soll unsere Mitarbeiter auf der Suche nach Lösungen motivieren, neue Wege zu gehen.

WRP: Wie kann eine solche Kultur beziehungsweise Umgebung in einem Unternehmen installiert beziehungsweise gefördert werden ?

Andresen: Wir müssen bei Inwatec einen Freiraum erhalten für Kreativität und auch für Fehler. Es muss ein miteinander geben, alle müssen an einem Strang ziehen. Wir haben im Unternehmen eine flache Hierarchie und eine Organisationsstruktur mit sehr kurzen Wegen. Alles ist offen und transparent, damit keine Kommunikationsbarrieren entstehen. Ein Beispiel: Die Planung für eine neue Maschine kann am Computer perfekt aussehen, aber wie sieht es mit der Umsetzung in die Praxis aus ? Deshalb schauen unsere Konstruktions-Ingenieure immer wieder in die Produktion, um Theorie und Praxis abzugleichen.

WRP: Nach welchen Leitlinien entwickelt Inwatec die Produkte ?

Andresen: Eine neue Lösung muss natürlich leistungsfähiger sein als schon existierende Produkte im Markt beziehungsweise sie muss eine definierte Leistung mit weniger Personal ermöglich. Wir schauen auch, wie man Prozesse besser machen kann, um eine höhere Qualität zu erreichen. Wir hatten schon über unsere Mattenrollmaschinen gesprochen, die nicht nur die Leistung, sondern auch die Qualität steigern. Und die Röntgenmaschine hilft dabei, dass die Wäscherei weniger Textilien nachkaufen muss. Das ist auch ein Stück ökonomische Nachhaltigkeit. Wenn besser sortiert werden kann, sinkt der Nachwäscheanteil und es müssen weniger Personal und Ressourcen eingesetzt werden.

Wenn wir an einer neuen Maschine arbeiten, dann betrachten wir auch den Mitarbeiter, der an dieser Maschine steht. Unser Ziel ist hier, seine Arbeit zu erleichtern und die Technik so zu gestalten, dass er einen attraktiven Arbeitsplatz erhält. Dies ist für seine Leistungsfähigkeit und seine Gesundheit ganz wichtig. Der attraktive Arbeitsplatz wird in Zukunft in der Branche weiter an Bedeutung gewinnen. Auch hinsichtlich der Entwicklung, dass es nicht nur hierzulande für die Wäschereien immer schwerer wird, Mitarbeiter zu bekommen. Mittlerweile hören wir auch in den USA, dass die Betriebe Probleme haben, nicht nur qualifiziertes, sondern überhaupt Personal zu rekrutieren.

Hahn: Die Schwierigkeiten der Wäschereien in Deutschland, passendes Personal zu finden, gilt grundsätzlich. Noch größer werden diese Probleme, wenn es um die Bereiche mit schweren Handhabungen geht, zum Beispiel im Mattengeschäft oder in der Sortierung von Schmutzwäsche. Es sind ganz einfach körperlich sehr anstrengende und belastende Tätigkeiten. Umso größer ist deshalb hier der Bedarf an Automatisierungslösungen.

WRP: Welche Kunden und Märkte bedient Inwatec ?

Andresen: Inwatec arbeitet ausschließlich für Wäschereien, genauer für große industrielle Betriebe. Damit sich unsere Maschinen für unsere Kunden rentieren, ist ein gewisses Wäschevolumen notwendig. Schon unsere kleinste Mattenrollmaschine ist für industrielle Anforderungen entwickelt und konstruiert.

WRP: Welche Bedeutung hat der deutsche Markt für Inwatec ?

Andresen: Der deutsche Markt ist sehr wichtig, auch bedingt durch seine Größe. Zu unseren Kunden in diesem Markt zählen einige große Textilservice-Konzerne und auch mittelständische, inhabergeführte Wäschereien. Die Entscheider in diesen mittelständischen Betrieben sind noch sehr nah dran an den Prozessen, haben oftmals auch eine sehr hohe Technikaffinität. Das Verständnis für unsere Lösungen ist hoch, von den Inhabern bekommen wir oft ein Feedback. Und natürlich hat Inwatec als dänisches Unternehmen auch eine räumliche Nähe zum deutschen Markt.

WRP: Wie werden die Produkte beziehungsweise Lösungen in Deutschland vertrieben ?

Hahn: Seit zweieinhalb Jahren bin ich für den Vertrieb in den deutschsprachigen Ländern zuständig. Natürlich wird der Vertrieb auch über unsere Zen­trale in Odense in Dänemark organisiert.

Geht es um den Einkauf von neuer Technik, ist der deutsche Markt aus unserer Perspektive noch ein wenig konservativer als andere Märkte. Möchte eine Wäscherei in eine neue Maschine investieren, dann will sie diese gerne vorher in der Praxis in einem Betrieb bei einem Kollegen erleben. Und diese Maschine soll dort am besten schon seit fünf Jahren erfolgreich arbeiten.

Neuen Lösungen tritt die hiesige Branche erst einmal mit einer gewissen Skepsis entgegen. Für uns als Firma Inwatec, die für neue und innovative Lösungen steht, bedeutet dies noch mehr Engagement bis man als zuverlässiger Partner wahrgenommen wird. Aber wir sind hier in einer guten Position, weil unsere Produkte für uns sprechen. Und wir Lösungen anbieten, die andere Hersteller nicht im Portfolio haben.

Andresen: Deutschland wird für Inwatec immer wichtiger. Wir wachsen hierzulande und das bedeutet auch, dass wir mehr deutschsprachige Mitarbeiter benötigen. Das Geschäft wird in Deutsch gemacht, und natürlich ist das Beherrschen der Sprache auch im Service wichtig.

WRP: Service, speziell die technische Unterstützung, ist ein wichtiges Stichwort für ihre Kunden. Wie organisiert Inwatec einen optimalen Service ?

Hahn: Wenn einmal die Technik streiken sollte, können wir online auf die Maschine zugreifen. Der Kunde meldet sich und erläutert das Problem. Wir loggen uns dann in die Maschine ein, lokalisieren die Störung und können in den allermeisten Fällen das Problem per Fernwartung beheben.

Weil wir die Technik in Dänemark entwickeln und produzieren, muss sie so konstruiert sein, dass sie einfach zu montieren ist. Alle Komponenten sind gut zu erreichen. Wir setzen in den Maschinen außerdem auf Standardteile, die überall erhältlich sind.

Bekommen wir die Maschinenstörung nicht aus der Ferne in den Griff, erhält der Kunde alle Informationen sowie genaue Instruktionen, um das Problem selbst lösen zu können. Dieses Verfahren funktioniert sehr gut. Es kommt nur sehr selten vor, dass ein Servicetechniker zu einem Kunden fahren muss, um sich auf die Fehlersuche zu machen. Aber natürlich gibt es diese Option.

WRP: Arbeitet Inwatec bei Kundenprojekten auch mit anderen Wäschereitechnikherstellern zusammen ?

Andresen: Grundsätzlich sind wir für Kooperationen innerhalb eines Projektes, wenn es Sinn macht, offen. Sie sind bis heute eher die Ausnahme – einfach weil es bisher wenig Gelegenheiten gab. Es kommt häufiger vor, dass ein Kunde innerhalb seines Projektes für eine bestimmte Anforderung eine Inwatec-Lösung favorisiert.

Ich denke, dass eine Zusammenarbeit zwischen Inwatec und anderen Wäschereitechnikherstellern in Zukunft häufiger stattfinden wird. Auch weil wir als Firma Inwatec in der Branche immer mehr wahrgenommen werden.

Wenn wir unsere Lösungen vor oder hinter Maschinen anderer Hersteller einrichten, dann machen wir selbstverständlich die Integration beziehungsweise stellen ein Interface bereit.

WRP: Wenn die Firma Inwatec auf die Produktionsprozesse in den Wäschereien in Deutschland blickt: Wo ist das größte Potential in den Betrieben ?

Andresen: Ganz eindeutig im Schmutzwäsche-Wareneingang. Wenn hier heute in den Betrieben eine Sortierung stattfindet, dann passiert das in den allermeisten Fällen händisch beziehungsweise manuell. Es ist eine unangenehme Tätigkeit und es passieren Fehlsortierungen. Wir möchten diesen Prozess bis hin zu den Waschstraßen beziehungsweise Waschmaschinen komplett automatisieren und sicher machen.

Eine Herausforderung ist sicherlich, dass unterschiedlichste Textilien sicher und schnell sortiert werden müssen. Das bedeutet für die Technik eine hohe Flexibilität und gleichzeitig Leistungsfähigkeit. Man muss an dieser Stelle nur einmal an Bewohnerwäsche aus Alten- und Pflegeheimen denken. Es gibt hier Teile in unterschiedlichsten Materialien und mit unterschiedlichen Pflegeanforderungen. Und hier ist es noch wichtiger, dass am Ende der Bewohner seine Bekleidung garantiert zurück bekommt.

Für den Prozess der automatischen Sortierung ist eigentlich eine Kennzeichnung des Textils mit Barcode oder Transponder notwendig. Aber für den Altenheim-Bewohner kann diese Kennzeichnung den Tragekomfort mindern. Andere fühlen sich durch den Chip in der Bekleidung überwacht. Deshalb muss nach meiner Meinung eine automatische Sortierlösung entwickelt werden, die ohne Barcode und Transponder funktioniert. Bis wir einen sicheren automatisierten Sortierprozess mit all diesen Anforderungen gewährleisten können, wartet noch viel Arbeit auf uns. Wir haben Ansätze, aber noch nicht die finale Idee. Aber ich denke, das es absehbar gelingen wird. Oder anders formuliert: Es ist nicht vorstellbar, dass eine vollautomatische Sortierung der Schmutzwäsche nicht lösbar ist.

Ein weiteres Potential erkennen wir in der Logistik auf der reinen Seite. Auch hier sehen wir noch Möglichkeiten, die Prozesse besser und effizienter zu machen.

WRP: Wo möchte die Firma Inwatec in zehn Jahren stehen ? Gibt es Entwicklungsziele ?

Andresen: Erst einmal sind wir sehr zufrieden mit unserer Entwicklung in den letzten Jahren. Aber unser Ziel ist nicht, jedes Jahr ein bestimmtes Wachstum zu generieren. Unser Ziel ist es, gute innovative Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln. Und weil wir das leisten, entsteht in Folge ein wachsendes, ein sich entwickelndes Unternehmen Inwatec.

Natürlich wollen wir unsere Präsenz in den wichtigen Märkten wie den USA, Kanada, Deutschland, aber auch in Asien weiter entwickeln. Wenn wir auf den bedeutenden Messen wie Clean Show in den USA, die Texcare International in Frankfurt oder die Expodetergo in Mailand unterwegs sind, dann sehen wir den Bedarf nach innovativen Lösungen. Aber wir wissen auch, dass man keine Maschinen für Brasilien von Dänemark aus verkaufen kann. Das bedingt andere Vertriebsstrukturen als sie heute bei Inwatec existieren.

Interview aus WRP 11-2017