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Schulthess Maschinen AG

„Die hohe Qualität ist das herausragende Merkmal unserer Maschinen“

Für erfolgreiche Aufführungen im Münchener Residenztheater und in der Bayerischen Staats­oper sorgt auch das Team der Wäscherei der beiden Häuser. Schließlich ist es für die Pflege der Kostüme bis hin zu den Konzerthemden verantwortlich. Im Interview des Monats sprachen wir mit Teamleiterin Wäscherei Theresia Hüttinger, Günther Pongratz und Thomas Specht, beide Michaelis Wäschereimaschinen sowie Daniel Kolland, Schulthess Maschinen, über die Anforderungen an Wäschepflege und Technik.

Theresia Hüttinger
Theresia Hüttinger ist Teamleiterin in der Wäscherei und seit 2006 beim Residenztheater beschäftigt. Die ausgebildete Hauswirtschafterin hatte vorher 15 Jahre lang im Berufsförderungswerk München in Kirchseeon gearbeitet. Auch dort in einer Wäscherei, zusätzlich mit Internatsbetreuung.
Günther Pongratz
Günther Pongratz ist Geschäftsführer Technik bei Michaelis Wäschereimaschinen in Hohenbrunn. Er ist seit 1983 im Unternehmen. Zuerst arbeitete Pongratz in der Produktion, dann im Service und später im Lager und Einkauf. Seit Dezember 2008 ist Pongratz Geschäftsführer Technik und Mitgesellschafter der Firma.
Thomas Specht
Thomas Specht ist Außendienstservicetechniker bei Michaelis Wäschereimaschinen. Specht ist gelernter Elektromonteur mit Spezialisierung auf Wartung und Instandhaltung. Nach der Lehre arbeitete er in einem Tierzuchtbetrieb. Im Jahr 1989 wechselte er zu einer mittelständischen Elektrofirma in Nürnberg, später zu Löwe-Opta in Kronach. Specht ist seit 2002 bei Michaelis, seit 2010 Mitgesellschafter im Unternehmen. Er ist für München, Niederbayern, Teile Oberbayerns und der Ober­pfalz sowie Österreich zuständig.
„Unsere Michaelis- und auch die Schulthess-Maschinen, die wir heute vertreiben, stehen für eine hohe Qualität.“
„Wir entwickeln auf Kundenwunsch auch Sonderma­schinen.“
WRP:Frau Hüttinger, Sie sind Teamleiterin in einem Betrieb, der für die Wäschepflege im Residenztheater und in der Bayerischen Staatsoper verantwortlich ist. Seit wann gibt es die Wäscherei und was genau wird hier bearbeitet ?

Theresia Hüttinger: Die Wäscherei wurde 1963 mit der Wiedereröffnung der Bayerischen Staatsoper gegründet. Wir pflegen hier Kostüme, Oberbekleidung, Konzerthemden bis hin zu Hand- und Duschtüchern aus den beiden Häusern.

WRP:Wie viele Teile werden in der Woche in der Wäscherei bearbeitet ?

Theresia Hüttinger: In der Woche sind es durchschnittlich etwa 200 Hemden, rund 500 Hand- und Duschtücher, dazu kommen Oberbekleidungsteile und Kostüme. Das Volumen variiert, es ist auch abhängig von der Größe der Aufführungen. Beispielsweise gibt es in der Bayerischen Staatsoper Veranstaltungen mit vielen Künstlern auf der Bühne und kleinere mit einem 10-köpfigen Herrensolo. Nach dem Auftritt kommt die Wäsche zu uns. In der Regel haben wir zwei Tage Zeit, bis das Konzerthemd oder das Kostüm wieder sauber beim Künstler sein muss.

Unser Wäschereiteam besteht aus sechs Mitarbeiterinnen: 3 sind bei der Bayerischen Staatsoper, 3 beim Residenztheater angestellt. Entsprechend der ganzjährigen Spielzeit der beiden Häuser ist auch für uns in der Wäscherei das ganze Jahr über Saison. Wenn viel Wäsche bearbeitet werden muss, ist fast immer die komplette Mannschaft im Einsatz. Je nachdem, wie die Vorstellungen liegen beziehungsweise getaktet sind, arbeiten wir auch am Wochenende. So kann es in der Wäscherei auch mal eine 7-Tage-Woche geben.

WRP:Viele Teile hier in die Wäscherei sind sicherlich anspruchsvoll in der Bearbeitung.

Theresia Hüttinger: Das ist richtig. Nehmen wir das Konzerthemd mit Umschlagkragen und Manschetten. Wenn zum Beispiel Schminke darauf zu finden ist, wird diese Stelle mit Schmierseife gebürstet, bevor es in die Maschinenwäsche geht. Es ist eine Art von Vordetachur mit unserem eigenen Rezept.

WRP:In diesem Betrieb wird ausschließlich gewaschen. Was machen Sie mit nicht-waschbaren Textilien ?

Theresa Hüttinger: Bereits in der Künstlergarderobe wird in waschbare und nicht-waschbare Kleidung sortiert. Alle nicht-waschbaren Teile kommen in eine Textilreinigung.

WRP:Welche Anforderungen haben Sie als Teamleiterin an die Maschinentechnik in der Wäscherei ?

Theresia Hüttinger: Für uns wichtig, dass die Maschinen jeden Tag zuverlässig funktionieren und ein qualitativ gutes Waschergebnis liefern. Schließlich wünschen wir uns zufriedene Kunden. Wir setzen hier Waschmaschinen mit Kapazitäten von 8, 14, 25 und 35 Kilogramm ein, dazu noch zwei Trockner und Zentrifugen. Mit dieser Ausstattung können wir nicht nur auf unterschiedliche Wäschemengen sehr flexibel reagieren. Waschmaschinen und Trockner mit relativ großen Volumen sind auch wichtig, weil die Kostüme einfach Platz in der Maschine benötigen.

WRP:Waschmaschinen, Trockner und Zentrifugen in der Wäscherei sind von den Herstellern Michaelis Wäschereimaschinen beziehungsweise Schulthess Maschinen. Warum passen diese Produkte so gut zum Aufgabenprofil in dieser Wäscherei ?

Günther Pongratz: Unsere Michaelis- und auch die Schulthess-Maschinen, die wir heute vertreiben, stehen für eine hohe Qualität. Sie sind zuverlässig im Wäschereialltag und erreichen dank der hochwertigen Konstruktion und Bauteilequalität lange Einsatzzeiten und ein hohes Maß an Verfügbarkeit. In dieser Wäscherei steht unter anderem eine Waschmaschine von Michaelis, die 1986 aufgestellt wurde. Seitdem erledigt sie jeden Tag zuverlässig ihre Aufgaben. Für mich sind die hohe Qualität und die Verlässlichkeit die herausragenden Merkmale unserer Maschinen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für diese Wäscherei ist, dass unsere Waschmaschinen frei programmierbar sind. So lassen sie sich an unterschiedlichste Anforderungen ganz individuell anpassen.

WRP:Gibt es auf den Maschinen spezielle Pflegeprogramme, zum Beispiel für die Theaterkostüme ?

Thomas Specht: Wir haben für die Maschinen in dieser Wäscherei bisher 15 individuelle Programme geschrieben. Zum Beispiel Programme mit und ohne Vorwäsche, mit mehr oder weniger Waschmechanik, links- oder rechtsdrehender Waschtrommelbewegung, mit mehreren Spülgängen usw. – so gibt es für jede Wäsche hier im Betrieb immer das optimale Pflegeprogramm. Es kann ganz einfach auf Knopfdruck aufgerufen werden.

Bei unseren Maschinen sind die ersten 18 Plätze mit festen Programmen belegt. Alle weiteren können individuell konfiguriert werden. Meistens nehmen wir dafür ein Basisprogramm, das entsprechend der Anforderung erweitert wird.

Daniel Kolland: Die Vielfalt der Anforderungen in den Wäschereien ist riesig. Es gibt Textilien, die müssen sofort in der Trommel bewegt werden, wenn die Maschinentür geschlossen wird. Durch die freie Programmierbarkeit unserer Maschinen kann das gewährleistet werden. Man kann zum Beispiel bei einer Temperatur von exakt 32° C eine Haltezeit von 10 Minuten vorgeben. Dann werden diese 32° C auch über 10 Minuten exakt gehalten. Die Temperatur wird ständig überwacht und wenn notwendig wird nachgeheizt.

Günther Pongratz: Heute ist das Verfahren, um Programme auf eine wmi-Maschine von Schulthess zu überspielen, noch einfacher und bequemer geworden. Benötigt unser Kunde oder sein Waschmittellieferant ein neues Programm, dann schreiben wir es, speichern es auf einem USB-Stick und schicken ihn an den Kunden oder Waschmitteltechniker. Anschließend können sie das neue Programm selbst ganz einfach auf die Maschine laden.

Daniel Kolland: Unsere frei programmierbare wmi-Maschine kommt ab Werk mit 72 Proficlean-Programmen zum Kunden. Diese Programme sind für bestimmte Marktsegmente, zum Beispiel für Gebäudereiniger, entwickelt worden. Mit dabei sind auch Programme für die Nassreinigung und Desinfektion.

WRP:Gibt es in dieser Wäscherei spezielle Techniklösungen ?

Thomas Specht: Zum Beispiel sind die Trockner mit einer separaten Frischluftzufuhr ausgestattet worden. So vermeidet man einen Unterdruck in den Maschinen und es können zu jeder Zeit die Türen geöffnet werden. Die Mitarbeiterinnen hier in der Wäscherei haben ein großes Know-how und viel Erfahrung, wenn es um die Pflege der Wäsche aus Theater und Oper geht. Sie wissen ganz genau, wann ein Teil einen Trocknungsgrad erreicht hat, um es anschließend optimal weiter bearbeiten zu können.

WRP:Welche Bedeutung hat der Service von Micha­elis für die Wäscherei ?

Theresia Hüttinger: Das ist schon sehr wichtig. Michaelis liefert nicht nur die Maschinen, sondern bietet auch eine gute Beratung und einen guten Service. Auch die Kommunikation mit der Firma funktioniert schnell und zuverlässig.

WRP:Das heißt, gibt es ein technisches Problem in der Wäscherei, dann kommt die Firma Michaelis ?

Thomas Specht: Wenn Wäschereitechnik streikt, wissen wir um die Dringlichkeit und das der Kunde sein Problem schnell gelöst haben möchte. Von uns werden Reparaturen deshalb bevorzugt behandelt. Ruft die Wäscherei, sind wir immer schnell vor Ort. Ich bin seit 15 Jahren für diesen Betrieb zuständig, da lernt man jede Maschine hier sehr genau kennen. Wir führen in dieser Wäscherei auch die Revisionen durch. Einmal im Jahr – so schreibt es der Gesetzgeber vor – prüfen wir die Technik. Bei einer Revision achten wir aber nicht nur auf die sicherheitsrelevanten Aspekte. Wir stellen die komplette Maschine auf den Prüfstand und testen Lager, Stoßdämpfer, Dichtungen, Heizung usw., saugen zum Beispiel auch die Trockner aus. Sind Bauteile schadhaft beziehungsweise deuten sich hier Probleme an, werden sie gleich ausgetauscht.

Daniel Kolland: Die Kompetenz unserer Händler in Deutschland wie zum Beispiel von Michaelis Wäschereimaschinen erschöpft sich nicht darin, eine Maschine aus dem Schulthess-Katalog auszuwählen und für den Transport zum Kunden zu sorgen. Sondern es beginnt schon sehr viel früher mit der Beratung und der Planung: Welche Maschine ist optimal für die Anforderung des Kunden, welche Verfahren und welches Zubehör sind notwendig, passt die favorisierte Maschine an ihren neuen Standort und ist die Versorgungsinfrastruktur vorhanden ? Natürlich kümmern sich unsere Händler um weitere Fragen, zum Beispiel um die idealen Arbeitsprozesse in der Wäscherei.

Und weil die Firma Michaelis nicht nur die Technik, sondern eben auch die Gegebenheiten in der Wäscherei sehr genau kennt, kann sie noch schneller und kompetenter auf unterschiedlichste Anliegen reagieren.

Günther Pongratz: Natürlich ist für unsere Kunden ein kompetenter und verlässlicher Service sehr wichtig. Unser Dienstleistungsangebot geht aber noch weiter, unter anderem entwickeln wir auf Kundenwunsch Sondermaschinen. Zum Beispiel für Stonewash-Verfahren und Textilfärbungen. Eine solche Spezialmaschine hat unter anderem einen seitlich angebauten Chemikalientank, einen Eingriff in der Fronttür, um Wäscheproben mit einem Haken zu entnehmen und einen litergenauen manuellen Wasserzulauf.

WRP:Michaelis Wäschereimaschinen vertreibt heute Produkte von Schulthess. Seit wann arbeiten beide Firmen zusammen ?
Günther Pongratz: Bis 1994 entwickelte und produzierte Michaelis hochwertige Wäschereitechnik unter der eigenen Marke. Sie wurde weltweit vertrieben und genoss einen ausgezeichneten Ruf. Leider musste die Firma dann Konkurs anmelden.

Michaelis gab die Entwicklung und die Produktion der Waschtechnik auf und machte als Vertriebs- und Serviceunternehmen in der Branche weiter. Als wir 1994 einen neuen Maschinenhersteller als Lieferanten suchten, war die Entscheidung mit Schulthess zusammenzuarbeiten, naheliegend. Beide Firmen passen hinsichtlich ihrer Qualitätsphilosophie einfach sehr gut zusammen. Was bringt es uns, wenn wir von einem anderen Hersteller kaufen und der Kunde ist anschließend nicht zufrieden ?

Ich denke, im Laufe der Jahre hat sich zwischen den Firmen eine gute Zusammenarbeit entwickelt. Wenn Schulthess zum Beispiel neue Maschinen in den Markt bringt oder bestehende Technik weiter entwickelt wird, dann fahren unsere Techniker in die Schulthess-Zentrale nach Wolfhausen und werden entsprechend geschult. Wir und unsere Kunden sind sehr zufrieden mit den Maschinen.

Daniel Kolland: Unsere Weiterbildungsangebote in Wolfhausen werden für unsere Vertriebspartner und für die Waschmitteltechniker veranstaltet. Diese Schulungen bieten wir regelmäßig auch in verschiedenen Sprachen an. Die Teilnehmer werden auf den neuen Maschinen geschult, lernen unter anderem auch, Maschinenprogramme zu schreiben.

Auch ich finde, dass unser Produkt sehr gut in die Firma Michaelis passt. Heute ist sie mit einem großen Ersatzteillager ausgestattet und kann deshalb schnell reagieren, wenn bei Reparaturen Ersatzteile notwendig sind.

WRP:Hält die Firma Michaelis an ihrem Standort in Hohenbrunn auch Neumaschinen von Schulthess vor ?

Daniel Kolland: Schulthess Maschinen baut seine Produkte in der Regel auf Bestellung. Das geht relativ schnell. Für eine Maschine in Standardausführung benötigen wir eine Produktionszeit von rund fünf Tagen. Dazu kommt rund eine Woche für die Lieferung.

Günther Pongratz: Wir geben unserem Kunden eine Lieferzeit von zwei bis vier Wochen an. In den meisten Fällen ist die bestellte Maschine nach zwei Wochen bei ihm.

WRP:Die Firma Michaelis muss die Schulthess Maschinen aus der Schweiz einführen, das nicht Mitglied in der Europäischen Union ist. Hat dies Nachteile, zum Beispiel beim Zoll ?

Daniel Kolland: Zwischen der Schweiz und den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bestehen verschiedene Zollabkommen. Diese vereinfachen den Warentransport über die Zollgrenzen hinweg stark. Die Maschinen müssen zwar durch eine Zoll­abwicklung, aber sie werden nicht mit einem Prozentsatz monetär beaufschlagt, werden also nicht teurer. Unsere Waschmaschinen und Trockner sind Industriegüter, die zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedern zollfrei zirkulieren. Die Zollabwicklung leisten die Spediteure.

Interview aus WRP 06-2017