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Pellerin Milnor

„Das StaphAirtrol System schließt eine Lücke im Hygieneprozess“

Der Hersteller Milnor hat in Europa eine neue Trennwandmaschinenserie präsentiert. Ein wichtiges Ausstattungsdetail dieser Reihe ist ein System, das in der Maschine nach der Desinfektion eine erneute Kontamination der Wäsche verhindern soll. Darüber, und über weitere Themen, sprachen wir mit Florian Ott, Ott Wäschereitechnik, und Yves Dabrowiecki, Milnor International. „Aus unserer Sicht schließt das StaphAirtrol System eine Lücke im Hygieneprozess“, sagt Florian Ott von der deutschen Milnor-Vertretung.

Yves Dabrowiecki
Yves Dabrowiecki ist seit 2012 bei Milnor International tätig und hier für die Koordination des Milnor Dealer Networks in Europa zuständig. Er studierte Sozial- und Militärwissenschaften an der Royal Military Academy in Brüssel, 2002 machte er seinen Master. Nach drei Jahren bei der Belgischen Luftwaffe wechselte er in die Wirtschaft. 2009 beendete er sein Studium der Betriebswirtschaft an der Universität in Brüssel. Anschließend arbeitete er als Abteilungsleiter der Luftfrachtabwicklung der Belgischen Luftwaffe.
Wir wollen Maschinen liefern, die sich durch Qualität, eine hohe Verfügbarkeit und lange Einsatzzeiten auszeichnen.
Eine Maschine, die im Prozess verlässlich und flexibel arbeitet, ist ein wichtigeres Argument als ein möglichst niedriger Anschaffungspreis.
Milnor investiert weiter in sein europäisches Zentrallager.
WRP:Jüngstes Mitglied im Milnor-Maschinenportfolio ist eine neue Serie von Trennwandmaschinen mit dem Namen MWB. Hersteller Milnor betont, dass die Maschinen vor allem für hohe Hygieneanforderungen entwickelt und gefertigt werden. Was zeichnet die MWB-Serie hier aus?

Florian Ott: Es sind eine Reihe von Vorzügen, die diese neue Serie für die hohen Anforderungen in der Aufbereitung von Wäsche im Krankenhaus- und Altenheimmarkt sowie aus der lebensmittelverarbeitenden Industrie prädestinieren. Ein ganz wichtiger Aspekt ist das patentierte StaphAirtrol System, mit dem die Maschinen der neuen Serie ab Werk ausgeliefert werden. Es stellt sicher, dass die Maschine, wenn sie über den Wrasenabzug Luft ansaugt, die Luft von der reinen Seite der Wäscherei bezieht. So ist es mit dem StaphAirtrol System ausgeschlossen, dass durch einen Luftbezug von der unreinen Seite die Wäsche wieder kontaminiert werden kann.

Trennwandmaschinen sind in den allermeisten Fällen mit einer Seite bündig in die Trennwand auf der reinen Seite der Wäscherei eingelassen, also dort, wo die Wäsche ausgeladen wird. Das heißt, die Maschine steht komplett auf der unreinen Seite. Wenn sie die Waschflotte ablässt, dann saugt sie parallel das gleiche Volumen an Luft über den Wrasenabzug an. Sonst würde ein Vakuum entstehen. Der Wrasenabzug befindet sich aber auf der unreinen Seite, die eingezogene Luft kann also belastet sein.

WRP:Kann man das Risiko einer Kontaminierung der Wäsche über den Wrasenabzug in der Praxis nicht vernachlässigen?

Yves Dabrowiecki: Bei einer Maschine mit einer Beladekapazität von 84 Kilogramm folgen nach einem desinfizierenden Waschschritt zum Beispiel drei Spülschritte. Dann wird bei dieser Maschinengröße ungefähr ein Kubikmeter unreine Luft über den Wrasenabzug direkt durch die saubere Wäsche gesaugt.

Vor einiger Zeit haben wir mit zwei unserer Geschäftsführer der Pellerin Milnor Corporation eine Wäscherei in Deutschland besucht, die unter anderem Krankenhauswäsche bearbeitet. Dabei fiel ihnen auf, dass bei den dort installierten Trennwandmaschinen die Zu- und Abluft auf der unreinen Seite erfolgte. Für die Beiden ungewöhnlich, denn Milnor liefert bereits seit den 1960er Jahren seine Trennwandmaschinen mit dem StaphAirtrol System aus, um dieses Kontaminationsrisiko zu minimieren. Schon damals hatte man die Problematik erkannt und das System patentieren lassen. Seitdem werden alle Milnor-Trennwandmaschinen ab Werk damit ausgestattet.

Umso bemerkenswerter fanden Beide, dass der Luftaustausch zwischen reiner und unreiner Seite so wenig Berücksichtigung findet. Gerade in Deutschland, wo eine Vielzahl von Regelungen und Vorschriften für eine hygienisch sichere Wäsche existieren.
WRP:Sie haben gerade die Vorschriften und Regelungen erwähnt, die hierzulande für die Aufbereitung von Wäsche aus hygienesensiblen Bereichen gelten. Existiert hier nach Ihrer Meinung eine Lücke?

Ott: Eine der Richtlinien des Robert Koch-Institutes bezüglich Hygiene/Desinfektion schreibt vor, dass es nach der Desinfektion zu verhindern ist, dass die Wäsche in der Waschmaschine wieder bakteriell verunreinigt wird.*

Wenn ein Hersteller Maschinentechnik anbietet, die nach den Richtlinien des Robert Koch-Institutes arbeitet beziehungsweise diese Anforderungen erfüllen soll, dann muss selbstverständlich auch diese Vorgabe erfüllt sein. Aus dieser Perspektive betrachtet schließt das StaphAirtrol System für mich eine Hygienelücke. Um den Prozess sicher zu machen, müssen die Wäschereien einen enormen Aufwand betreiben: Sie trennen den Betrieb in eine reine und eine unreine Seite, richten Schleusen für das Personal sowie Desinfektionsanlagen für Rollcontainer ein, halten sich penibel an Desinfektionspläne usw. Dann zu sagen, das Risiko einer erneuten Kontamination der Wäsche durch unreine Luft sei zu vernachlässigen, finde ich ein bisschen fragwürdig.

WRP:Was weiter macht die Maschinen der neuen Serie besonders geeignet für den Hygieneeinsatz?

Dabrowiecki: An der Maschine kann man über die Kalenderfunktion verschiedene Protokolle abrufen. So kann man zu jeder Zeit belegen, dass alle Anforderungen im Waschprozess erfüllt werden. Zum Beispiel über das Protokoll Betriebsablauf: Alle abgelaufenen Programme werden mit Start und Endzeit aufgelistet, auch Programmabbrüche werden protokolliert. Das Betriebsablaufprotokoll ist unter anderem sehr wichtig für den Nachweis desinfizierend zu waschender Ware. Es gibt auch ein Protokoll, das alle Änderungen an der Konfiguration oder in den Waschprogrammen auflistet sowie ein weiteres, das alle aufgetretenen Fehler speichert. Das ist insbesondere für den Service beziehungsweise den Techniker notwendig, wenn es ein akutes Problem mit der Maschine gibt.

Ott: Die Kalenderfunktion ist in der neuen MilTouch-Steuerung integriert. Mit dieser neuen Version werden alle Maschinen im Milnor-Sortiment ausgestattet. Die Steuerung bietet eine enorm hohe Flexibilität, weil sie frei programmierbar ist. Natürlich ist das nicht nur für die Marktsegmente von Bedeutung, in denen die Hygiene ganz oben steht.

Alle Maschinen der neuen MBW-Serie können in das Milnor Mildata-Netzwerk eingebunden werden. Dieses hauseigene Kontroll- und Managementsystem überwacht alle Waschraum-Aktivitäten und liefert dazu Berichte.

WRP:Milnor gilt eigentlich als Spezialist für Open-Pocket-Waschschleudermaschinen. Warum hat man eine neue Trennwandmaschinenserie ins Sortiment aufgenommen?

Dabrowiecki: Das Thema Hygiene hat nach wie vor in Deutschland und auch international eine große Bedeutung. Durch die demographische Entwicklung wächst der Altenpflegemarkt und damit auch der Bedarf an einer Maschinentechnik, die die Wäsche nach den Vorschriften in diesem Segment aufbereiten kann.

Ott: Für uns als Lieferanten ist die MWB-Trennwandmaschinenserie auch deshalb wichtig, weil sie eine Lücke in unserem Angebot für dieses Segment schließt. Zwar gab und gibt es schon Trennwandmaschinen bei Milnor, aber erst ab Beladegrößen ab 100 Kilogramm. Jetzt mit der neuen Serie startet das Angebot bei 26 Kilogramm. Weiter sind Maschinen mit Beladegrößen von 45, 63 und 84 Kilogramm verfügbar.

WRP:Als einer der letzten Hersteller weltweit entwickelt und produziert Milnor seine Steuerungen selbst im Werk in New Orleans. Das bedeutet für das Unternehmen einen nicht unerheblichen Aufwand. Warum leistet sich Milnor diesen Luxus?

Ott: Für Milnor ist die Steuerung eine Schlüsselkomponente der Maschine. Wenn die Steuerungen im eigenen Werk entwickelt und gefertigt werden, dann bietet das den Riesenvorteil, dass das Unternehmen die volle Kontrolle über das Produkt besitzt. So gibt es alle Möglichkeiten, auf Kundenanforderungen sehr schnell und ohne Umwege reagieren zu können. Viele Hersteller von Wäschereitechnik haben sich entschieden, den Steuerungsbereich out-zu-sourcen. Sie kaufen bei der Firma B&R zu, haben so aber keinen direkten Zugriff mehr auf das Design der Steuerung. Das macht sie weniger flexibel und bedeutet einen hohen Aufwand, wenn ein Kunde zum Beispiel Sonderlösungen im Bereich der Steuerung und Software verlangt.

Ein weiteres sehr wichtiges Argument ist, dass bei den Steuerungen auch nach vielen Jahren die technische Unterstützung und die Ersatzteilversorgung gewährleistet werden kann. Wir als Firma Ott Wäschereitechnik bieten Service für Milnor-Maschinen, die Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre aufgestellt wurden. Wenn hier beispielsweise eine Mutterplatine, das Tastenfeld oder ein Display ausfällt, können wir aus unserem Lager sofort Ersatz liefern und die Maschine läuft am nächsten Tag wieder.

Auch bei Milnor wurde schon einmal diskutiert, die Herstellung der Steuerungen auszulagern. Der Lieferant konnte aber für sein Produkt lediglich zehn Jahre lang Support und Unterstützung zusichern. Was passiert, wenn nach zehn Jahren die Steuerung einer Milnor-Maschine nicht mehr funktioniert, weil ein elektronisches Bauteil kaputt ist? Kann man einem Kunden zumuten, dass er dann die ganze Steuerung austauschen muss? Das deckt sich einfach nicht mit der Milnor-Philosophie. Wir wollen Maschinen liefern, die sich durch Qualität, eine hohe Verfügbarkeit und lange Einsatzzeiten auszeichnen.

WRP:Wäschereien stellen unterschiedlichste Anforderungen an die Maschinen beziehungsweise Steuerungen. Inwieweit lassen sich diese kundenindividuell konfigurieren?

Ott: Die MilTouch Steuerung ist bis ins kleinste Detail komplett frei programmierbar. Das bedeutet eine sehr hohe Flexibilität, um unterschiedlichste Anforderungen erfüllen zu können. Zum Beispiel ein Nassreinigungsverfahren. Natürlich müssen hier die Wasserstände frei programmierbar sein – das können heute fast alle Steuerungen – aber das gilt genauso für die Reversierzeiten. Die MilTouch Steuerung kann auch in Datenmanagementsystemen eingebunden werden, wie beispielsweise das HELMS-System von Ecolab. Das geschieht ganz einfach über ein Zusatzmodul für die MilTouch-Steuerung. Mit diesem Datenmanagementsystem lassen sich unter anderem die eingesetzten Ressourcen Wasser, Energie und Chemikalien kontrollieren. An dieser Steuerung kann die Abwasserführung in verschiedene Richtungen programmiert werden, je nachdem ob das Wasser zurück gewonnen oder in den Abwasserkanal abgeleitet werden soll. Die MilTouch-Maschinen sind in Rückgewinnungssysteme integrierbar.

Natürlich sind auch Sonderlösungen möglich. Wir haben gerade ein Angebot an einen Kunden abgegeben, der eine explosionsgeschützte Maschine sucht. Dieser Kunde bearbeitet unter anderem Putzlappen aus der Druckindustrie, die mit Lösemitteln getränkt sind. Die Putzlappen gasen aus und sind hoch entzündlich. Deshalb muss die Maschine so gesichert sein, dass keine Funken möglich sind. Zum Beispiel müssen die Elektronik und die Motoren gekapselt werden, die Trommel aus einem bestimmten Edelstahl gefertigt sein usw. Wir arbeiten in einem solchen Fall mit einem Spezialisten für solche Umrüstungen zusammen.

WRP:Welche Kunden / Marktsegmente beliefert Ott Wäschereitechnik mit der Milnor-Technik?

Ott: Unser Schwerpunkt sind gewerbliche Wäschereien, viele bearbeiten Berufsbekleidung und auch Matten. Wir hoffen mit der neuen Trennwandmaschinenserie auch bei den Wäschereien das Interesse wecken zu können, die den Gesundheitsmarkt bedienen.
WRP:Diese Aufgabe wird nicht einfacher, weil Milnor nach wie vor als ein Hersteller von hochpreisiger Technik gilt...

Ott: In den letzten Jahren ist Milnor – gerade bei der Serie der kleineren Open-Pocket-Maschinen, also von 27 bis 125 Kilogramm Beladegröße – deutlich wettbewerbsfähiger geworden. Aber es ist richtig: Milnor ist sicherlich nicht der billigste Anbieter am Markt. Wenn ein Kunde beim Maschinenkauf ausschließlich den Fokus auf einen möglichst niedrigen Anschaffungspreis legt, dann sind wir nicht der richtige Ansprechpartner. Wenn der Kunde aber nach hoher Produktqualität und Verfügbarkeit sowie nach verlässlicher Unterstützung sucht, dann lohnt es sich in jedem Fall, mit uns ins Gespräch zu kommen und mal zu schauen, was Milnor anzubieten hat.

Wir laden Kunden immer wieder zu uns nach Heede ein, damit sie die Milnor-Technik in Ruhe begutachten können. Der Unterschied zu einer preiswerteren Maschine ist im wahrsten Sinne offensichtlich, er ist zu sehen. Das hohe Maß an Qualität ist der Grund, warum Milnor-Maschinen in der Anschaffung eine etwas höhere Investition bedeuten. Ein früherer Vertriebsmitarbeiter von Milnor hat dazu passend einmal festgestellt, dass die teuerste Maschine diejenige ist, die nicht funktioniert. Denn dies bedeutet Produktionsausfall, es muss der technische Service bestellt werden usw. Aus meiner Sicht ist eine Maschine, die im Prozess verlässlich und flexibel arbeitet, ein wichtigeres Argument als ein möglichst niedriger Anschaffungspreis.

WRP:Seit Mitte 2015 ist bei Ott Wäschereitechnik das europäische Zentrallager für Milnor-Maschinen eingerichtet. Welche Vorzüge bietet das Zentrallager? Wie hat sich dieses Angebot entwickelt?

Ott: Für unsere Firma Ott Wäschereitechnik hat sich das Zentrallager sehr positiv entwickelt. Wir haben heute aus dem Lager einen kontinuierlichen Maschinenflow. Man kann feststellen, dass wir jetzt einen größeren Teil unserer Verkäufe dem Umstand zu verdanken haben, dass wir Maschinen ohne Lieferzeit direkt aus dem Lager liefern können. Wir hatten dieses Argument anfangs ein bisschen unterschätzt. Aber für viele Kunden ist es ein sehr wichtiger Faktor. Zum Beispiel wenn sie vor der Entscheidung stehen, in eine teure Reparatur oder gleich in eine neue Maschine zu investieren.

Dabrowiecki: Aus diesem Lager werden Maschinen europaweit geliefert, alle europäischen Händler haben darauf Zugriff. Alle Maschinen in diesem Lager sind noch im Bestand des Herstellers und noch nicht verzollt. Milnor wird das Angebot weiter ausbauen. Bisher umfasste es Beladekapazitäten von 27 bis 77 Kilogramm. Jetzt kommen Maschinen mit 125 Kilogramm dazu. Milnor investiert also weiter in sein europäisches Zentrallager.

WRP:Mit dem Zentrallager ist auch das Schulungsangebot von Ott Wäschereitechnik erweitert worden. Wie läuft es damit?

Ott: Wir organisieren hauptsächlich Schulungen für unsere Kunden. Dann steht zum Beispiel die MilTouch-Steuerung mit ihren Möglichkeiten und der Bedienung im Fokus. Wir organisieren diese Schulungen auch für Partner in unserem Servicenetz. Zukünftig wollen wir in dieses Angebot verstärkt die Verfahrenstechniker der Waschchemie-Lieferanten einbinden. Nicht nur, um sie bei der Technik auf dem aktuellsten Stand zu halten. Sie können für Milnor auch wichtige Multiplikatoren vor Ort bei den Kunden sein.

WRP:Für Wäschereien werden Service und Beratung immer bedeutender. Wie ist Milnor beziehungsweise Ott Wäschereitechnik als Exklusivvertretung des Herstellers in Deutschland hier aufgestellt?

Ott: Die Firma Ott Wäschereitechnik ist erster Ansprechpartner für Milnor Maschinen in Deutschland, wenn ein Kunde seinen alten Lieferanten verloren hat beziehungsweise den Milnor-Partner vor Ort nicht kennt – so sehen wir unsere Aufgabe im deutschen Markt.

Ott Wäschereitechnik arbeitet in Deutschland mit einer Reihe von langjährigen Milnor Service-Partnern zusammen. So ist die bundesweite Versorgung mit technischen Service und Beratung gewährleistet. Wir werden in Zukunft – immer in enger Abstimmung mit Milnor International – die Zusammenarbeit mit diesen Partnern weiter intensivieren und dieses Netzwerk ausbauen.

WRP:Warum konzentriert sich Milnor auch weiterhin ausschließlich auf den Waschbereich? Viele Hersteller haben ihr Sortiment ergänzt. Sie treten heute als Komplettausstatter auf, weil ihre Kunden alles aus einer Hand, nur einen Ansprechpartner haben wollen.

Ott: Dahinter soll der Wunsch des Kunden stehen, dass er die gesamte Technikausstattung einer Wäscherei nur von einem Hersteller produziert und geliefert und dazu das komplette Servicepaket haben möchte. In dieser Branche kann das weltweit aus meiner Sicht, wenn überhaupt, nur ein einziges Unternehmen leisten.

Wenn also manche Firmen damit werben, ein Komplettausstatter zu sein, dann gehört das in den Bereich der Märchen. Wie soll man den Support gewährleisten können, wenn Teile der Produktpalette von vollkommen fremden Herstellern stammen und dort einfach nur die Maschinen auf einen Markennamen umgelabelt werden? Und im schlimmsten Fall wechselt dann der Hersteller für eine bestimmte Maschinengruppe auch noch.

Es ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, Gesamtausrüster zu sein. Wenn es aber um ein Angebot aus einer Hand geht, kann auch Milnor das leisten. Das passiert dann bei größtmöglicher Transparenz. So firmieren alle Komponenten weiter unter der Marke des Herstellers. Dahinter steht auch das Denken, dass jeder Produzent in diesem Markt seine Stärken, seine Spezialitäten hat. Deshalb kann er auch nicht für jede einzelne Kundenanforderung immer die beste im Markt verfügbare Lösung in seinem Portfolio haben.

Einen Lieferanten für die gesamte Wäschereiausstattung zu wählen ist für die Angebotsphase relativ bequem. Es muss allerdings nicht bedeuten, dass der Kunde auch für jeden Bereich das beste Produkt und die optimale Lösung bekommt. Wir stellen fest, dass sich diese Erkenntnis auch bei vielen Kunden langsam durchsetzt. Wir raten deshalb unseren Kunden, schon vor der Investition zu schauen, welcher Hersteller in seinem Bereich besondere Stärken hat.

Auch das Argument, dass bei Maschinen von verschiedenen Herstellern die Datenverknüpfung problematischer sein könnte, ist heute ohne Bedeutung. Schließlich gibt es verschiedene universelle Datenübertragungsprotokolle, die eine reibungslose Kommunikation der einzelnen Komponenten im Verbund garantieren.

Dabrowiecki: Milnor wird deshalb auch in Zukunft seiner Linie treu bleiben. Nämlich, dass man nur das gut machen kann, was man beherrscht und wo man das notwendige Know-how und auch die Erfahrungen besitzt – und das ist der Waschbereich.

WRP:Ott Wäschereitechnik arbeitet seit vielen Jahren mit Milnor zusammen. Wie würden sie den Hersteller charakterisieren, was zeichnet ihn aus?
Ott: Milnor-Maschinen stehen für Wertigkeit, Verlässlichkeit, Verfügbarkeit – das findet sich auch im Unternehmen Milnor wieder. Die Firma ist seit 70 Jahren erfolgreich im Markt, die Fluktuation am Firmenstandort in New Orleans ist gering. Viele Mitarbeiter in der Produktion, in der Fertigung und Entwicklung sind seit Jahrzehnten im Unternehmen beschäftigt.

Um eine große Kontrolle bei der Qualität zu haben, ist bei Milnor die Fertigungstiefe sehr hoch. Um die hohen Standards zu erfüllen, wird auf modernste Fertigungstechnik mit Laserschneidmaschinen und Schweißrobotern gesetzt. Auch zu den Herstellern der Vorprodukte wie beispielsweise Baldor für die Motoren oder Yaskawa für die Frequenzumwandler bestehen seit Jahrzehnten Lieferbeziehungen.

Für mich hat Milnor schon immer eine sehr stabile bis konservative Politik verfolgt, auch was die Wahl der Händler betrifft. Auch hier wird sehr viel Wert auf Loyalität und langfristige Partnerschaften gelegt.

WRP:Welche Bedeutung hat der deutsche Markt heute für Milnor?

Dabrowiecki: Der gesamte deutschsprachige Raum mit Österreich, der Schweiz und Deutschland ist wirtschaftlich die stärkste Region Europas. Milnor ist seit den 1960er Jahren hier präsent. Die Kunden hier haben einen hohen Anspruch. Es entscheidet also nicht immer nur der günstigste Preis, sondern vor allem die Qualität und Zuverlässigkeit des Equipments. Das sind Anforderungen, die mit der Philosophie und dem Selbstverständnis der Pellerin Milnor Corporation übereinstimmen. Insofern war, ist und bleibt der deutschsprachige Raum für Milnor ein sehr interessanter Markt.

WRP:Welche Perspektiven sieht Milnor im europäischen Markt?

Dabrowiecki: Was für Deutschland gilt, betrifft in weiten Teilen die gesamte Europäische Region. Die Tatsache, dass Milnor das weltweit erste Maschinenlager in Europa, Standort Hamburg, eingerichtet hat, ist kein Zufall. Europa ist ein Absatzmarkt, auf dem Milnor schon immer eine starke Präsenz gezeigt hat. Über unser langjähriges Milnor Dealer Netzwerk werden wir auch zukünftig unseren Kunden hochwertige Maschinentechnik anbieten.


Interview aus WRP 03-2017