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Salesianer Miettex

„Wir versprechen nicht, wir garantieren“

Salesianer Miettex feiert 2016 das 100-jährige Bestehen des Unternehmens. Die Firma ist seit der Gründung kontinuierlich gewachsen und heute als Textilserviceanbieter Marktführer in Österreich mit starken Positionen in den osteuropäischen Ländern. Das Familienunternehmen wird in dritter Generation von Magister Thomas Krautschneider geführt. WRP sprach mit ihm über die Bausteine des Erfolgs und die Zukunft des Unternehmens.

Thomas Krautschneider
Thomas Krautschneider studierte Wirtschaftswissenschaften in Paris und in den USA, wo er mit dem Master of Business Administration (MBA) das Studium abschloss. Er trat 1996 in das von seiner Mutter Christine Krautschneider geführte Unternehmen ein und wurde nach verschiedenen Stationen im Hause im Jahr 2000 geschäftsführender Gesellschafter Salesianer Miettex. Damit repräsentiert er die dritte Generation des Familienunternehmens.
Service und Qualitätsproduktion leben von engagierten Mitarbeitern.
Verdrängungswettbewerb ist nirgendwo unsere strategische Ausrichtung.
Gerade haben wir unseren ersten umfangreichen Nachhaltigkeitsbericht fertig gestellt.
WRP:Herr Krautschneider, Salesianer Miettex gehört heute zu den großen Textilserviceanbietern in Europa. Sie sind Marktführer in Österreich. Gibt es eine Mission oder ein zugrundeliegendes Wertesystem für die 100-jährige erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens?

Thomas Krautschneider: Wir sind ein Familienunternehmen und deshalb kann ich hier wirklich bei meiner Großmutter ansetzen. Sie hat als 17-jähriges Mädel aus der Provinz kommend den Elan gehabt, Kunden anzusprechen, deren Wäsche im Handkarren zu holen und sauber wieder zurückzubringen. Dahinter steckt eine unternehmerische Kundenorientierung, die für Salesianer Miettex heute noch prägend ist. Die Kundenwünsche mit ihren vielen Details sind für uns immer wieder Anforderung und Ansporn. Sie sind ein Motor für unsere Weiterentwicklung.

Zur Kundenorientierung gehört aber auch die Verlässlichkeit und Qualität der Leistung und die ist nur mit einer gut organisierten und qualitativ hochwertigen Produktion wirtschaftlich zu realisieren. Besonders wichtig dabei sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, weil die umsetzen und durchführen. Service und Qualitätsproduktion leben von engagierten Mitarbeitern. Viele kenne ich seit langem gut. Wir haben als Familienunternehmen besondere Möglichkeiten, Bindungen zu den Mitarbeitern zu entwickeln.

WRP:Ihre Großeltern haben den Textilservice in seiner heutigen Form noch nicht gekannt. Wie ist dieses Geschäftsmodell eingeführt worden?

Thomas Krautschneider: Das ist auf meinen Vater zurückzuführen. In den 1960er Jahren war er unter anderem in den USA und hat dort den Textilservice kennen gelernt. Salesianer hat die Marktverschiebung von der Wäscherei zum Textilservice nicht nur mitgemacht, sondern in Österreich auch mit geprägt. Wir haben zwar heute noch zwei Filialen für das Konsumentengeschäft hier in Wien, die haben für das Gesamtunternehmen aber nur eine untergeordnete Bedeutung.

WRP:Heute wird Salesianer Miettex als Marktführer im Textilservice für Österreich angesehen.

Thomas Krautschneider: Das sind wir auch. Nach dem Branchenradar, der in Österreich für verschiedene Industrien erstellt wird, hat Salesianer Miettex einen Marktanteil von knapp 40 Prozent gemessen am Umsatz. Das ist doppelt so hoch wie der nächstgrößere Mitwettbewerber. Ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Marktführerschaft war die Übernahme des Flachwäschegeschäftes in Österreich von der Mewa im Jahr 2008.

WRP:Die Geschichte ihres Hauses ist insgesamt durch zahlreiche Übernahmen gekennzeichnet.

Thomas Krautschneider: Teilweise hat das mit regionaler Marktabdeckung zu tun. Schauen Sie sich mal die Topographie von Österreich an. Die Logistik ist hier wegen der Berge kompliziert, die Touren sind häufig aufwändiger als im flachen Land. Um die Kunden gut bedienen zu können, braucht es Betriebe in den verschiedenen Regionen wie zum Beispiel in Tirol. Auch darüber hinaus hat es immer wieder Marktchancen gegeben, die wir durch Übernehmen nutzen konnten. Wir haben aber auch zahlreiche Betriebe neu gebaut wie etwa in Inzing, Tirol oder Bratislava, Slowakei. Eine moderne Produktion ist für die optimale Kundenversorgung und um im Wettbewerb langfristig zu bestehen, einfach notwendig. Generell ist die Offenheit für innovative Technologien und neue Vorgehensweisen Teil unseres Selbstverständnisses. Unsere Unternehmens-
entwicklung ist ohne Innovation nicht vorstellbar.

WRP:Welche Märkte bedienen Sie?

Thomas Krautschneider: Unsere Kernmärkte sind geografisch gesehen alle österreichischen Bundesländer und Südtirol. Auch nach Süddeutschland liefern wir seit vielen Jahren und in den osteuropäischen Ländern bauen wir unsere Positionen auf oder aus. Insgesamt verfügen wir derzeit über 23 Betriebe in neun Ländern.

WRP:Bei der Internationalisierung haben Sie einen typisch österreichischen Weg gewählt. Nach dem Fall der sozialistischen Staaten Osteuropas haben Sie begonnen, in zentral- und südosteuropäischen Ländern des früheren Ostblocks zu investieren.

Thomas Krautschneider: Ja, wir sind nach Zentral- und Südosteuropa gegangen, zunächst weil unsere Kunden im Hotelbereich Textilservice haben wollten. Das hat 1991 mit Ungarn angefangen und gab eine schöne Grundauslastung. Mittlerweile haben wir zehn eigene Betriebe in acht Ländern außerhalb Österreichs sowie eine Reihe von Kooperationen. Mit den ausländischen Tochterunternehmen machen wir mehr als ein Viertel unseres Jahresumsatzes.

WRP:In welchem der ost- oder zentraleuropäischen Länder erzielen Sie den meisten Umsatz?

Thomas Krautschneider: Derzeit in Slowenien. Da haben wir früh angefangen und das wirkt sich in einer hohen Durchdringung des an sich eher kleinen, aber hoch entwickelten Marktes aus. In Slowenien gibt es kaum noch ein Hotel, welches selbst wäscht.

WRP:Soll dieser Weg nach Osten weiter gegangen werden?
Thomas Krautschneider: Ja, bei der Internationalisierung wird das unsere Stoßrichtung auch in den nächsten Jahren sein. Dieses Jahr haben wir unseren neuesten Betrieb in Bratislava eingeweiht. Von dort aus soll nicht nur der slowakische, sondern auch der ostösterreichische Markt besser bedient werden. Große Potenziale sehen wir aber vor allem in den bevölkerungsstarken Ländern Osteuropas wie Polen und Rumänien. In Rumänien arbeiten wir bereits mit zwei eigenen Betrieben, während unsere Gesellschaften in Polen ihre Aufträge bei Partnerbetrieben bearbeiten lassen. Der polnische Markt ist schon weitgehend besetzt. Wir sehen aber gute Chancen, dort Marktfelder für uns erfolgreich zu erschließen.

WRP:Ihre Marktstrategie Richtung Zentral- und Südosteuropa ist keine Verdrängungs-, sondern eine Marktentwicklungsstrategie, wenn wir das richtig verstehen?

Thomas Krautschneider: Verdrängungswettbewerb ist nirgendwo unsere strategische Ausrichtung. Wir sehen uns in den neuen Märkten als Serviceanbieter für Hotelketten, die international unsere Kunden sind und als Themenführer in Sachen Hygiene. In den meisten Ländern Osteuropas sind keine Hygienerichtlinien für Wäschereien im Gesundheitssektor vorgeschrieben.

Der Gesundheitsmarkt ist aber durchaus schwierig. Zum Beispiel in Ungarn sind Gefängniswäschereien als Wettbewerber ein Thema. Wir müssen und wollen über die Qualität und die Sicherung von Hygienestandards kommen.

WRP:In welchen Geschäftsfeldern arbeitet Salesianer Miettex?

Thomas Krautschneider: Wir sind breit aufgestellt. Wir bedienen das Gesundheitswesen, das Gastgewerbe sowie den Handel, Dienstleistungsunternehmen, Handwerk und Industrie. Wir liefern Berufsbekleidung, Flachwäsche und bieten Spezialservices an wie unter anderem Reinraumservices, Sterilservice, persönliche Bewohnerwäsche in Altenheimen, Matten, Putztücher, Waschraumservice und einen Vorhangservice. Wir sind textile Vollversorger mit einer großen Servicebreite. Das entspricht unserem Anspruch, Marktführer zu sein.

WRP:Wie verteilen sich die Umsätze auf die Kundengruppen?

Thomas Krautschneider: Das ist recht gut verteilt. Wir haben zuletzt fast 160 Millionen Euro Umsatz erzielt. Das Textilmanagement für das Gastgewerbe liegt bei 38 Prozent, der Gesundheitssektor inklusive Sterilservice bei 31 Prozent und Gewerbe, Handel und Industrie mit Reinraumservice bei 25 Prozent. Die Produkte und Services für Waschräume, Matten- und Vorhangservices liegen bei sechs Prozent. Unsere Geschäfte sind also recht gut über die Kunden- und Produktgruppen verteilt. Das heißt aber nicht, dass auch jeder unserer Betriebe alles macht. Da muss man heute spezialisiert sein, um wirklich gute Ergebnisse zu erzielen.

WRP:Wenn wir bei einigen Segmenten tiefer schauen, dann erstaunt aus europäischer Perspektive besonders, wie stark der österreichische Textilservice insgesamt im Bereich der Medizinprodukte ist. Warum konnte man sich gegen die Konkurrenz der Einwegprodukte so gut behaupten?

Thomas Krautschneider: Offenbar ist es uns schon beim Aufkommen der Einwegprodukte gelungen, die Kliniken von den Vorteilen wiederverwertbarer OP-Textilien zu überzeugen. Dazu gehört der enge Kontakt zu den Kliniken – so wie wir ihn als Branche pflegen und gepflegt haben und wie wir ihn als Unternehmen unter anderem durch drei spezialisierte Medizinproduktberaterinnen permanent und im Detail leben. Salesianer Miettex hatte bereits 1988 den Sterildienst eingeführt, mit welchem wir OP-Mäntel und OP-Abdecksysteme zur Verfügung gestellt haben. Die Ausgangsbasis in den 1990er Jahren war gut. Die Branche unterhielt in Österreich sechs Wiederaufbereitungszentren, davon war eines von uns. Damit war sowohl für eine gute regionale Abdeckung wie auch für eine sehr fruchtbare Konkurrenz gesorgt. Der Wettbewerb auf höchstem Niveau hat uns immer dazu angehalten, allerbeste Qualität zu liefern. Heute gibt es immer noch fünf Wiederaufbereitungszentren, davon gehören mittlerweile zwei zu uns. Wir sind davon überzeugt, einen qualitativ hochwertigen, preislich attraktiven und vor allem nachhaltigen Service zu bieten.
WRP:Offenbar sind sie in Österreich in der Lage, den Kunden den nachhaltigen Nutzen wiederverwertbarer OP-Textilien zu vermitteln.

Thomas Krautschneider: Ich glaube, dass die Kunden in Österreich insgesamt etwas nachhaltiger denken als in anderen Ländern. Aber wir sind ganz klar in einem harten Wettbewerb mit den Einweglern. Die besseren Nachhaltigkeitseffekte von Mehrwegprodukten lassen sich jedoch klar zeigen. In einer Studie des Instituts Denkstatt Austria von 2013 konnte dokumentiert werden, dass der Carbon Footprint von Mehrweg-OP-Textilien nicht einmal halb so groß ist wie der von konkurrierenden Einwegprodukten. Das liegt vor allem daran, dass deren Produktion und die Abfallbeseitigung gerechnet über die Anzahl der Operationen im Jahr sehr viel höhere Umweltbelastungen mit sich bringen als die Mehrwegprodukte.

Der Erfolg hat aber mehrere Väter. Ganz wesentlich ist auch, dass der Wettbewerb in Österreich nicht so sehr in eine nach unten gerichtete Preis- und Qualitätsspirale gemündet hat. Dadurch konnte auch die Qualität des eingesetzten OP-Laminats oder einer Mikrofaser hoch gehalten werden. Wenn immer günstigere Mehrwegprodukte gesucht werden, schwindet die Qualitätsdifferenz zu einem guten Einwegprodukt. Das konnte in Österreich vermieden werden.

WRP:Gehen Sie soweit, die Sterilisation von Operationsinstrumenten anzubieten?

Thomas Krautschneider: Wir haben das im Markt sondiert. Aber es hat sich gezeigt, dass die Synergien zu unserem OP-Textilgeschäft nicht ausreichend sind. Beispielsweise ist der notwendige 24-Stunden-Service nur schwer zu leisten und die Wiederaufbereitung ist sehr kostenintensiv. Wichtige Kunden im Markt haben sich zu regionalen Lösungen entschieden, nachdem sie mit Auslagerungen bei der Sterilisation von Instrumenten keine befriedigenden Ergebnisse erzielen konnten. Wir haben nach Gesprächen mit großen Zielkunden keine bedeutenden Investitionen in diesem Bereich getätigt, weil sich keine Verträge abzeichneten.

WRP:Österreich hat einen starken Tourismussektor. Ist das eine gute Grundlage für Ihr Geschäft, die gern genommen wird, oder sehen Sie dort auch spezielle Stärken von Salesianer Miettex?

Thomas Krautschneider: Der Hotel- und Restaurantmarkt ist wichtig für uns. Wir sind in der glücklichen Lage, dass Österreich neben dem saisonalen Geschäft auch eine ganze Reihe von Ganzjahresdestinationen hat. Darüber hinaus sind es sehr viele Einzelhäuser, die gute Marktpositionen besitzen. Das macht die Marktnachfrage unter Qualitäts- und Preisgesichtspunkten interessant. Vor allem im Bereich der Tischwäsche sehen wir Österreich sehr positiv, weil die textile Tischkultur hier – aber auch in Süddeutschland – sehr viel ausgeprägter ist als in anderen Ländern. Hier gehört bei jedem Restaurant oder Gasthaus eine Tischdecke auf den Tisch.

WRP:Der Tischwäschemarkt und seine Bedienung wird häufig als sehr schwierig angesehen. Und das nicht nur, weil die Nachfrage sich von der Tischdecke über den Tischläufer zum Platzset zurückzieht, sondern auch, weil in der Wiederaufbereitung mehr händischer Aufwand nötig ist als bei anderen Produkten.

Thomas Krautschneider: Sicher sind die Kosten wegen der Mangelzuführung höher als bei besser automatisierbaren Prozessen, aber das bekommen wir gedeckt. Wir fördern einen schön eingedeckten Tisch mit weißer Tischwäsche in unseren Verkaufs- und Promotionmaterialien und das scheint zum Erfolg beizutragen. Es liegt auch an uns als Branche und da denke ich an die Tischwäschelieferanten und an den gedeckten Tisch insgesamt, die Tischkultur hoch zu halten. Weiße Tischwäsche steht für Sauberkeit, Hygiene, Qualität und für gepflegtes Essen.

WRP:In Deutschland gibt es Hotels, bei denen mehr als ein Textilserviceanbieter liefert. Zum Beispiel macht ein Dienstleister die Berufsbekleidung, ein anderer die Flachwäsche. Ist dieses Modell auch in Österreich geläufig?

Thomas Krautschneider: Nein, das haben wir hier im Hotelbereich nicht. Aber es kann im Gesundheitsbereich vorkommen. Unter dem Gesichtspunkt der Logistikkosten macht es wenig Sinn. Die Generalübernahme der Textilversorgung durch einen Dienstleister ist der Regelfall.

WRP:Nun haben Sie auch ein ausgeprägtes Servicegeschäft bei Berufsbekleidung und PSA. Wie ist es möglich, dass Sie alle branchenüblichen Geschäftsfelder erfolgreich bearbeiten können? Die übliche Lehre ist, dass Marktführerschaft Spezialisierung erfordert.

Thomas Krautschneider: Zunächst einmal arbeiten wir dafür, in all unseren Marktsegmenten die besten Lieferanten zu sein. Dieses Ziel haben wir uns gegeben und wir haben im Vertrieb Spezialisten. Aber die Breite unseres Angebots ist nicht zu verwechseln mit der Struktur unserer einzelnen Betriebe. Die sind sehr wohl auf Flachwäsche oder auf Berufsbekleidung spezialisiert und darüber hinaus noch auf Spezialservices wie Matten, Reinraum-, Sterildienst oder PSA. Der Betrieb für PSA ist beispielsweise hier in Wien. Hier werden mehr als 15.000 Teile am Tag in einer Schicht aufbereitet.

Die topographischen Gegebenheiten Österreichs erlauben es jedoch nicht, jeden unserer 13 österreichischen Betriebe zu spezialisieren. Dafür ist die Logistik in den Bergen und im Winter zu schwierig. Der logistische Radius ist kleiner als im Flachland. Unter diesen Gesamtbedingungen sind wir davon überzeugt, in mehreren Geschäftsfeldern die Besten sein zu können.

WRP:Inwieweit stützen Sie das Bestreben die Besten zu sein durch Zertifikate ab?

Thomas Krautschneider: Unsere Kunden schätzen Sicherheit und Verlässlichkeit. Und auch für uns selbst ist es wichtig, dass wir uns unserer Prozesse und Standards sicher sind. Wir haben deshalb alle unsere Standorte einer Zertifizierung unterzogen, welche die gleichen Normen und Prozessvorschriften über alle Betriebe zieht. Dabei geht es um ISO 9001, ISO 14001, Leitlinie zur Krankenhaushygiene, OHSAS 18001 und einiges mehr. Wir nennen das Matrixzertifizierung, weil in einer Matrix dargestellt wird, welche Zertifizierung in welchem Betrieb anzulegen ist. Dabei gibt es auch Zertifikate für Spezialservices, die nicht überall notwendig sind. Das Managementsystem für Medizinprodukte beispielsweise wird nur bei den Betrieben angewendet, welche Medizinprodukte wiederaufbereiten, während die ISO 14001 für das Umweltmanagement bei allen Betrieben anzuwenden ist.

Bei der Matrixzertifizierung müssen nicht alle Betriebe jährlich zertifiziert werden. Aber die Standards und Verfahrensvorschriften gelten für alle, die der entsprechenden Zertifizierungsnorm grundsätzlich zugeordnet sind. Man geht davon aus, dass die erfolgreiche Überprüfung zum Beispiel der ISO 14001 in Kramsach auch für die anderen Betriebe Gültigkeit hat, weil die anderen Betriebe genauso arbeiten. Im nächsten Jahr wird dann ein anderer Betrieb geprüft. Die Prüfer sind selbstverständlich externe Institutionen.

WRP:Sie sprechen auch Garantien für die Kunden aus.

Thomas Krautschneider: Richtig, den Kunden ist Versorgungssicherheit und die Einhaltung von verabredeten Leistungsstandards sehr wichtig. Deshalb haben wir hier unseren Aufwand und unsere Bemühungen erhöht. Auf Basis unseres inte-
grierten Managementsystems haben wir Garantien formuliert und als Gewährleistungsmarken eingetragen wie zum Beispiel die Hygiene- und die Nachhaltigkeitsgarantie. Wir versprechen unseren Kunden nicht nur eine hervorragende Leistung, wir garantieren auch für die Anwendung bester Textilservicepraxis.

Beim Thema Hygiene beispielsweise garantieren wir, dass Salesianer Miettex nur gelistete, desinfizierende Waschverfahren einsetzt. Beim Thema Nachhaltigkeit garantieren wir, dass wir konsequent und ausschließlich nachhaltige Verfahren in unserer Serviceerbringung einsetzen. Das wird regelmäßig von unabhängigen Fachleuten und Instituten geprüft und dokumentiert.
WRP:Lassen Sie uns über das Thema Hygiene sprechen.

Thomas Krautschneider: Hygiene ist ein Megathema. Globalisierung der Viren, resistente Erreger in Institutionen des Gesundheitssektors, kontaminierte Lebensmittel – das sind die Gefahren, denen auch mit entsprechender Textilpflege wirksam begegnet werden kann. Wobei sich das Thema Hygiene nicht auf die Textilpflege beschränkt, sondern viel umfassender ist und schon beim Händewaschen beginnt. Hier ist immer noch Aufklärungsarbeit zu leisten. Eine bewusstere Berücksichtigung hygienischer Verhaltensweisen würde viele Krankheiten vermeiden.

WRP:Salesianer Miettex ist bei diesem Thema nicht nur Textilserviceanbieter, sondern macht auch Öffentlichkeitsarbeit?
Thomas Krautschneider: Wir sehen uns auch in diesem Feld als Meinungsbildner und wollen die öffentliche Wahrnehmung unterstützen, weil uns das Thema sehr wichtig ist. Hier muss viel erklärt und auch Lobbyarbeit bei Institutionen und Gremien betrieben werden. Wir engagieren uns dabei und haben schon Experten-Roundtables gemeinsam mit der Presse organisiert, um das Problembewusstsein durch Information zu stärken. Es ist wichtig, dass auch die Kunden unserer Kunden mehr Hygiene fordern.

WRP:Wie wollen Sie das fördern?

Thomas Krautschneider: Nehmen Sie das Beispiel Hotelwäsche. Angesichts des wachsenden internationalen Tourismus wäre die verbesserte Einhaltung von Hygienestandards wirklich wichtig. Aber es gibt keine Hygienestandards für Hotelwäsche in Österreich. Wir haben uns zwar dem Hotelcheck Hygiene von den Hohenstein Instituten unterzogen, aber die darin geprüften Hygienestandards für die Aufbereitung von Hotelwäsche sind nicht verbindlich. Wir bieten den Hoteliers an, ihre Gäste mit Klappkarten über unsere Hygiene- und Umweltgarantien zu informieren. Die Gäste wissen dann, dass sich der Hotelier und wir besonders um dieses Thema kümmern. Das fördert nicht nur das Problembewusstsein, sondern bietet zugleich Lösungen an.

WRP:Es klingt mit den Klappkarten und an anderen Stellen immer wieder an, dass Salesianer Miettex sich besonders um die Nachhaltigkeit kümmert.

Thomas Krautschneider: Gerade haben wir unseren ersten umfangreichen Nachhaltigkeitsbericht auf der Grundlage der Global Reporting Initiative fertig gestellt. Es lässt sich im Bericht gut sehen, wo wir stehen, was wir gemacht haben und welche Ziele wir bis 2020 anstreben. Selbst Maßnahmen zur Realisierung dieser Ziele veröffentlichen wir und machen uns damit für unsere Kunden, Mitarbeiter und sonstigen Interessierten transparent und nachvollziehbar. Wir haben in sieben Bereichen wie etwa Energieverbrauch, Wasser und Abwasser oder Fuhrpark die Entwicklung unserer Situation beschrieben und Verbesserungsmaßnahmen bis 2020 formuliert.

WRP:Geben Sie bitte zur Verdeutlichung ein Beispiel für die nachhaltige Geschäftspolitik von Salesianer Miettex. Vielleicht nicht aus dem Gebiet der Energie- und Kosteneinsparung, sondern bezogen auf den Einsatz von nachhaltig produzierten Textilien. Denn das ist in der Branche noch Neuland.
Thomas Krautschneider: Wir haben bereits seit einiger Zeit Pilotprojekte mit Kunden, um fair gehandelte Baumwolle in der Hotelwäsche einzusetzen. Unser Ziel ist es, den Anteil fair gehandelter Baumwolle in der von uns eingesetzten Bettwäsche von 25 Tonnen im laufenden Geschäftsjahr auf 75 Tonnen in den nächsten zwei Jahren zu erhöhen. Entsprechende Zwischenschritte sind definiert und Kontrakte bei den Fairtrade-Lieferanten abgeschlossen. Damit wir das sachgerecht vermarkten können, hatten wir kürzlich eine umfangreiche Schulung. Wir machen in punkto Nachhaltigkeit nicht nur bei unseren eigenen Produktionsprozessen Ernst, sondern auch bei den zugekauften Textilien. Zunehmend wollen wir hier die textile Kette in die Pflicht nehmen und das auch bis zum Anwender, in diesem Fall dem Hotelgast, kommunizieren.

Lassen Sie mich gleichsam zusammenfassend darauf hinweisen: Wir sind auch das einzige Textilserviceunternehmen, welches für mehrere Betriebe mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde. Unsere weiteren Betriebe werden folgen. Das Österreichische Umweltzeichen ist ein Garant für umweltfreundliche Dienstleistungen und Produkte. Es ist auch beim Konsumenten, also den Hotelgästen, Patienten etc. bekannt. Die Einhaltung der definierten Standards wird regelmäßig durch ein unabhängiges Gutachten nachgewiesen.

WRP:Abschließend möchten wir noch fragen, wie die Zukunft von Salesainer Miettex aussehen wird?

Thomas Krautschneider: Wir sind ein Familienunternehmen mit 100-jähriger Tradition. Wir haben gewachsene Werte und eine Marktposition, die es erlaubt, diese Werte behutsam aber dauerhaft durchzusetzen. Die Unternehmensstruktur und die Eigenkapitalausstattung geben uns die Möglichkeit, weitgehend unabhängig unsere Ziel zu verfolgen. Wir wollen unsere Position als Marktführer in Österreich behaupten. Dazu gehört auch, dass wir nicht nur im Mengengeschäft Qualitätsservice bieten, sondern auch in Spezialmärkten die Potenziale bearbeiten. Beispielsweise sehen wir noch Potenziale im Markt für Putztücher, die wir entwickeln können.

Wir werden weiter in Zentral- und Südosteuropa expandieren. Dabei sehen wir uns als Themenführer bei Hygiene und Nachhaltigkeit und arbeiten vor allem daran, in den bevölkerungsstarken Ländern wie Rumänien und Polen unsere Position zu verbessern. Insgesamt bleiben wir bodenständig und machen mit unseren Mitarbeitern einen Schritt nach dem nächsten, um anspruchsvolle Ziele und positive gesellschaftliche Werte realisieren zu können.

Interview aus WRP 10-2016