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Beirholms Vaeverier

Nachhaltig, fair und trotzdem wirtschaftlich

Beirholms Vaeverier (Vaeverier =Weberei) gehört seit vielen Jahren zu den interessantesten Anbietern von Flachwäsche. Das Unternehmen hat seine Geschäftsaktivitäten stark auf den Textilservicemarkt ausgerichtet und gehört auch in Sachen Nachhaltigkeit zu den Vorreitern der Branche. WRP besuchte das Unternehmen in Kolding, Dänemark und sprach mit den Inhabern Peter und Kamma Beirholm sowie mit Nachhaltigkeits-Manager Naomi Rasmussen über Ziele, Strategien und Erfolge des Unternehmens.

Peter Beirholm
Peter Beirholm schloss sein Wirtschaftsstudium als Diplom-Kaufmann ab. Nach dem Studium sammelte er Erfahrungen beim dänischen Textilunternehmen Nordisk Tekstil. Nach einer Etappe im Finanzsektor trat Beirholm 1984 in das elterliche Unternehmen ein. Seit 1987 ist er Eigentümer und Geschäftsführer von Beirholms Vaeverier. Peter Beirholm sieht sich als Teil des Managementteams mit besonderer Verantwortung für Strategie und Geschäftsentwicklung. Operativ verantwortet er den Vertrieb.
Kamma Beirholm
Kamma Beirholm schloss in Dänemark ein Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Organisation und Unternehmensführung ab. Danach machte sie ihren Masters of Business Administration (MBA) an der Henley Business School in England. Nach einer Tätigkeit als Beraterin bei der Personal- und Managementberatung Mercuri Uval trat sie 1991 bei Beirholms Vaeverier ein. Dort arbeitet sie hauptsächlich an strategischen Fragestellungen, Design, Marketing und im Projektmanagement.
Naomi Rasmussen
Naomi Rasmussen studierte an der Süddänischen Universität in Kolding. Sie trat 1996 bei Beirholm ein und arbeitete zunächst in der Beschaffung von Beirholm-Textilien für den Textilservice. Später wechselte ihr Aufgabengebiet zur Kundenseite. Nachdem sie zunächst das Trennung Auftrags-system und die Kundenbearbeitung neu strukturierte, war sie später als Key Account Managerin für Großkunden in verschiedenen Ländern verantwortlich. Im Beirholm-Managementteam hat Naomi Rasmussen maßgeblich an der CSR-Strategie und ihrer Umsetzung gearbeitet.
Unsere Geschäftskonzeption basiert sehr stark auf Wissen und der Organisation von Wissen im Wertschöpfungsnetz.
Die nachhaltige Produktion ist schon heute Standard. Es ist kein Zusatznutzen mehr, es ist eine Voraussetzung für viele Kunden.
Der Textilservice ist ein sehr guter Multiplikator, der eine industrielle Herangehensweise an das Textilgeschäft erlaubt und erfordert.
WRP: Frau Beirholm, Herr Beirholm, Sie haben Ihr Unternehmen stark auf den Textilservice fokussiert. Warum?

Kamma Beirholm: Weil wir der bevorzugte Textillieferant für Leasingwäschereien in Europa sein wollen. Indem wir das volle Potenzial im gesamten Wertenetzwerk aktivieren, wollen wir den Leasingwäschereien, deren Kunden und Endverwendern die rentabelsten Textillösungen bieten. Eine Vision und Zielsetzung, an der wir zusammen mit unseren Partnern stetig weiterarbeiten sind „Context Engineered Textiles“, das heißt, speziell auf den jeweiligen Verwendungszweck zugeschnittene Textilien.

WRP: Warum der Textilservice und nicht andere Vertriebskanäle?

Peter Beirholm: Zum einen ist der Textilservice ein sehr guter Multiplikator, der eine industrielle Herangehensweise an das Textilgeschäft erlaubt und erfordert. Leasingwäschereien verfügen über das stärkste Geschäftsmodell auf dem Markt für Objekttextilien. Im Vergleich zu anderen Branchen besitzen sie entscheidende Wettbewerbsvorteile für die Beschaffung und Pflege von Textilien. Zum anderen haben wir uns bei Beirholm auf diese Branche fokussiert seitdem die Idee des Textilleasings in den 1960er Jahren hier in Skandinavien aufkam. Das bei Beirholm über Generationen gewachsene Wissen um die textile Produktion wurde seitdem genutzt, um die speziellen Anforderungen des Textilservice von der Faser bis zum Endprodukt industriell so umzusetzen, dass Beirholm-Textilien nicht nur hoch leistungsfähig sind, sondern auch profitabel eingesetzt werden können.

WRP: Welche textilen Wertschöpfungsstufen haben Sie noch in Dänemark, um die Spezialisierung herauszuarbeiten und weiterzuentwickeln?

Peter Beirholm: Unsere Geschäftskonzeption basiert sehr stark auf Wissen und der Organisation von Wissen im Wertschöpfungsnetz. Beirholms Vaeverier gibt es seit 1870 und wir sind die fünfte Generation. Da kommt viel textiles Wissen zusammen, nicht nur technisches Wissen, sondern auch Erfahrung und Know how über Marktentwicklungen und Marktveränderungen. Seit 1978 haben wir uns entschieden, die Produktion zu 100 Prozent an ausländische Produktionspartner zu geben. Dadurch können wir unseren Kunden wettbewerbsfähigere Produktionsbedingungen anbieten als wir sie in Kolding haben. Produktentwicklung, Design, Marketing, Lager, Qualitätssicherung und Vertrieb liegen aber weiterhin hier in Dänemark.

WRP: Beirholms Produkte und Services für den Textilservice beruhen auf vielen speziellen technischen Details. Gehen diese Informationen nicht auf dem Weg zu Ihren Partnern verloren?

Kamma Beirholm: Wir arbeiten mit wenigen, ausgewählten Lieferanten. Sie müssen nicht nur zu unserer Beschaffungsstrategie passen, sondern auch bereit sein, mit uns transparent und initiativ zusammen zu arbeiten. Beide Seiten müssen in die Kooperation investieren. Mehr als 80 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir mit Produktionspartnern, mit denen wir länger als 15 Jahre eng zusammenarbeiten. Unser wichtigster Partner, die Firma Sapphire aus Pakistan, ist seit vielen Jahren eng mit uns verbunden. Da haben wir langjährige feste Ansprechpartner und gemeinsames Wissen um Abläufe und Systeme. Wir glauben, dass es für unseren Erfolg und den unserer Partner wichtig ist, dass wir uns sehr gut kennen und zwar sowohl als Personen als auch als Organisationen. Das sind die Voraussetzungen, um Informationen gesichert auszutauschen und gemeinsam neue Entwicklungen zu erarbeiten und umzusetzen.

Lassen Sie mich noch ein paar Hintergrundinformationen über unseren Partner Sapphire geben. Es ist eine familiengeführte Unternehmung mit einem Umsatz von etwa einer Milliarde Euro und rund 20.000 Mitarbeitern. Die Produktion ist vertikal integriert von der Spinnerei über die Weberei und Veredlung bis hin zur Stickerei. Sapphire verarbeitet etwa sieben Prozent des pakistanischen Baumwollaufkommens. Die Produktion von Sapphire ist auf dem neuesten Stand, die Belegschaft bestens ausgebildet und hoch motiviert. Gemeinsam mit Beirholm hat sich Sapphire auf die Textilservice-Industrie spezialisiert. Wir betreiben zusammen Produktentwicklung und entwerfen neue textile Problemlösungen für unsere Kunden. Sapphire hat Teams, die nur für und mit Beirholm arbeiten. Beispielsweise arbeiten für uns rund 1000 Personen in der Stickerei. Um der Branche ganz transparent diese Zusammenarbeit zu zeigen, stellen wir seit 1998 zusammen mit Sapphire auf der Heimtextil aus.

WRP: Sie setzen auf ein partnerschaftliches Geschäftsmodell, von dem beide Seiten profitieren, statt nur auf den Vorteil Ihrer Firma ...

Peter Beirholm: Richtig und das gilt nicht nur in der Beziehung zu unseren Partnern in der textilen Produktion, sondern auch in Bezug auf unsere Kunden und deren Kunden. Wir verstehen die Supply Chain von der Faser bis zum Verbraucher als ein Wertschöpfungsnetzwerk. In diesem Netzwerk schaffen wir Win-Win-Situationen, statt Win-Loose-Situationen. So wie es einen Produkt-Flow entlang der Wertschöpfungskette gibt, so gibt es auch einen Flow an Know how. Dieses gesamte Wissen können wir nur optimal nutzen, wenn wir transparent und konstruktiv zusammenarbeiten. Wie soll der Partner zielführend mit uns zusammenarbeiten, wenn wir wichtige Informationen für uns behalten, weil wir zum Beispiel fürchten, dass er zu schlau wird oder zu hohe Preise veranschlagt? Unsere Herangehensweise verlangt, dass wir traditionelle Geschäftsbeziehungen zwischen den Teilnehmern in aktiv kooperierende Partnerschaften verwandeln. Das erfordert tiefgehende Einblicke in das Geschäft des einzelnen Partners – von der Herstellung bis zu den einzelnen Wäschereikunden und deren ganz unterschiedlichen Kunden. Es verlangt auch kulturelle Einsichten über die Grenzen von Unternehmen, Branchen, Ländern und Kulturen hinweg. Und es verlangt glaubwürdige Beziehungen, Transparenz und Offenheit zwischen Partnern.

Am allerwichtigsten für unsere Weiterentwicklung ist das permanente Teilen und Schaffen von Wissen im Netzwerk. Beirholm ist bestrebt, Initiator und Katalysator für systematisches Lernen zu sein. Wir verbinden verschiedene, auch gegenläufige Interessen, um unseren Kunden die besten und rentabelsten Textillösungen zu bieten.

WRP: Können Sie ein konkretes Beispiel für die Erarbeitung von Nutzen auf allen Wertschöpfungsebenen geben, also einer klassischen Win-Win-Situation in ihrem Wertschöpfungsnetz?

Peter Beirholm: Nehmen wir unsere Beirtex-Produkte. Damit bieten wir unser gesamtes Produktionsprogramm an. Mit diesem Sortiment realisieren wir eine Reihe von Vorteilen entlang der Wertschöpfungskette von den Baumwollpflanzern bis zum Hotelgast. Die Gesamtkosten (Total Costs of Ownership) über die Lebensdauer sind markant niedriger als bei Baumwollprodukten. Anders ausgedrückt: Der Gewinn pro Textil beziehungsweise der Return on Investment steigt. Lassen Sie uns das mal durchgehen. Das mit der BCI-Baumwolle gesponnene Beirtex-Garn ist ein Polyester-Baumwollgarn. Durch die Polyester-Baumwollmischung ergeben sich bekanntlich viele Vorteile für die Textilpflege verglichen mit reinem Baumwollgarn. Polyester trocknet beispielsweise schneller. Auch die Haltbarkeit von Polyester-Baumwollprodukten ist bekanntlich länger als die von reinen Baumwolltextilien. Bei Beirtex-Produkten kommt dazu, dass der Lebenszyklus verglichen mit konventionellen Polyester-Baumwollmischungen noch einmal länger ist. Grund dafür ist die deutlich reduzierte Flusenbildung und das signifikant niedrigere Pillingverhalten bei Beirtex-Garnen. Beirtex-Textilien werden im Laufe des Gebrauchs und der Waschzyklen kaum dünner. Weil das Pilling nur sehr schwach ist, behalten Beirtex-Produkte ihre schöne Oberfläche über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Naomi Rasmussen: Für den Baumwollanteil des Beirtex-Garns wird Baumwolle der BCI (= Better Cotton Initiative) verwendet. Dadurch tragen wir und unsere Kunden zu einem verbesserten Umgang mit der Umwelt und zu besseren Arbeitsbedingungen für die Kleinbauern bei. Die BCI zielt darauf ab, die Farmer besser auszubilden, zu trainieren und zu beraten. Dadurch soll der Einsatz von Pestiziden minimiert werden, verantwortungsvoll und sparsam mit Wasser umgegangen werden, der Boden nachhaltiger bewirtschaftet und die sozialen Rechte der Bauern gestärkt werden. Bis 2020 will das BCI-Programm 30 Prozent der Baumwollprodukte und fünf Millionen Farmer erreicht haben.

WRP: Warum setzen Sie hier nicht auf biologisch angebaute Baumwolle nach den GOTS-Prinzipien? Ist das nicht ökologischer?

Naomi Rasmussen: “Premium”-Standards für Nachhaltigkeit haben ihren Stellenwert und sie ermöglichen klare Nutzenvorteile für die Umwelt, sowie für die Lebens- und Arbeitsbedingungen bei der Produktion von reinen Baumwollprodukten. Beirholm betrachtet Nachhaltigkeit aber aus einer breiteren Perspektive. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie beruht auf einer ganzheitlichen Sicht, die die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich des Textilservice und seiner Kunden umfasst. Unsere CSR-Entscheidungen sollen für alle Glieder der Wertschöpfungskette Vorteile haben: für die Baumwollfarmer, die Textilproduzenten, Textilservice-Anbieter, Hotels und deren Kunden. Ökologische Baumwollprodukte nach GOTS sind zu 100 Prozent aus Baumwolle und das ist für den Textilservice nicht die nachhaltigste Lösung, denn reine Baumwollprodukte benötigen mehr Wasser und mehr Energie und haben kürzere Lebenszyklen in der industriellen Wäscherei. Die Better Cotton Initiative zielt auf eine Transformation des konventionell produzierten Teils der Weltbaumwollproduktion ab, welche die Lebensbedingungen der Farmer und die ökologischen Umwelteffekte verbessert. BCI will diese Verbesserungen für den breiten Markt mit sofortiger Wirkung. BCI-Baumwolle darf mit anderen Garntypen für das Endprodukt gemischt werden und deshalb halten wir sie aus einer breiteren Perspektive für die nachhaltigere Lösung. BCI-Baumwolle macht heute mehr als zehn Prozent der weltweiten Baumwollproduktion aus während Biobaumwolle nach GOTS weniger als ein Prozent erreicht.

WRP: Die Fertigung von Beirholm-Produkten erfolgt nach den Kriterien des EU-Ökolabels, der sogenannten Euroblume. Welche Aussagekraft hat es?

Naomi Rasmussen: Die EU-Blume gehört nach unserer Einschätzung zu den besten Ökolabeln und Zertifikaten, die im Wald der Zertifikate und Gütesiegel zu finden sind. Wir garantieren damit für unsere Produkte einen minimalen Einsatz umweltschädlicher Stoffe, hohen Schutz vor gesundheitsgefährdenden Chemikalien, hohe Anforderungen an Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit sowie an die Eigenschaften der Textilfasern und Endprodukte selbst. Außerdem hat die EU-Blume europaweite Bedeutung.

WRP: Sie haben die Vorteile für den Textilservice, beziehungsweise den Eigentümer des Textils beschrieben. Gibt es auch Vorteile für die Nutzer der Textilien?

Peter Beirholm: Auf jeden Fall. Letztlich profitiert auch der Hotelgast. Der eigentliche Punkt beim Beirtex-Garn ist, dass es trotz 50:50 Mischung eine Baumwollhaptik hat. Das liegt daran, dass Baumwoll- und Polyesterfasern so gemischt werden, dass die Baumwollfasern zum weit überwiegenden Teil außen liegen und die Polyesterfasern zum größten Teil ummanteln. Die Berührungsfläche besteht also weit überwiegend aus Baumwolle. Der große Vorteil für Hotels ist, dass der Gast das angenehme Gefühl von Baumwolle hat und der liefernde Textilservice trotzdem ein Produkt verwenden kann, welches in den Wiederaufbereitungskosten deutlich niedriger liegt als reine Baumwollprodukte.

WRP: Beirtex ist kein Core-Garn. In welchem Verfahren wird es gesponnen?

Peter Beirholm: Wir arbeiten nach einem japanischen Verfahren, das für die Bekleidungsindustrie speziell für Jeans entwickelt wurde. Ziel war es unter anderem, den Faserabrieb und das Pilling zu verringern. Die ersten Produkte mit Beirtex-Garn haben wir 2004 ausgeliefert. Inzwischen ist die dritte Generation der Beirtex-Garne auf dem Markt. Die Entwicklung betreiben wir gemeinsam mit unserem Produktionspartner Sapphire. Die aktuelle Generation von Beirtex-Garnen hat vier große Vorteile: Sie ermöglicht mehr Glanz für Satinbett­wäsche, sie hat einen weicheren Griff als die erste Generation, sie ist aus BCI-Baumwolle und sie ist nach den Kriterien der EU-Umweltblume gefertigt.

WRP: Welche Vorteile hat denn die textile Produktionsstufe, zum Beispiel Ihr Geschäftspartner Sapphire?

Peter Beirholm: Sapphire kann mit unseren gemeinsam entwickelten Produkten das Objektgeschäft besser ausbauen. Unser Partner hat erkannt, wie viel Potenzial das Objektgeschäft hat, wenn es richtig angegangen wird. Sapphire hat im vergangenen Jahr etwa 20 Millionen USD in spezielle Ausrüstungsmaschinen und -verfahren für das Objektgeschäft und den Textilservice investiert. Finden Sie Vergleichbares mal bei einem anderen Textilunternehmen.

WRP: Herr Beirholm, Sie stehen auf dem Standpunkt, dass nachhaltig produzierte Textilien nicht teurer sein müssen als konventionell produzierte. Wie meinen Sie das?

Peter Beirholm: Die nachhaltige Produktion ist heute schon Standard. Es ist kein Zusatznutzen mehr, es ist eine Voraussetzung für viele Kunden. Wir sehen und wirken daran mit, dass Wertschöpfungsnetzwerk nachhaltig zu organisieren. Die Menschen wollen das und wir können das. Mit unserer Herangehensweise, das heißt unter Verwendung von Beirtex-Garn mit BCI-Baumwolle und nach den Kriterien des EU-Umweltlabels können wir nachhaltig produzierte Textilien zum Preis konventionell produzierter Flachwäsche anbieten. Wir erhöhen unsere Preise nicht wegen mehr Nachhaltigkeit in unserer Organisation, obwohl wir und unsere Partner ständig darein investieren. Eine zentrale Botschaft von Beirholm ist: Beirholm kombiniert in der Flachwäsche höchsten Komfort, niedrigste Verfahrenskosten und ein hohes Maß an Nachhaltigkeit in bisher nicht erzieltem Ausmaß.

WRP: Lassen Sie uns noch einmal auf den Nutzen für das Textilleasing, für Hotels und die Hotelgäste eingehen. Hier vertritt Beirholm seit vielen Jahren die Auffassung, dass Individualität, Markenbildung und Corporate Design intelligent umgesetzt nicht zu hohen Kosten führen müssen.

Kamma Beirholm: Sowohl die Hotels wie auch die Hotelgäste werden anspruchsvoller. Die Ausstattung von Zimmern und Bad spielen die zentrale Rolle bei der Buchung, und Bett- sowie Badwäsche sind ein Teil des Schlaferlebnisses. Das Selbstverständnis von Hotel und Restaurant und die textile Kultur müssen zueinander passen. Darüber hinaus muss die textile Kultur aber auch effizient und profitabel umgesetzt werden. Poolwäsche stößt dabei zuweilen an ihre Grenzen, weil sie nicht das Design und die Markenbildung von Hotels unterstützt. Hier kommt es darauf an, mit anderen Designs Lösungen zu finden. Aber diese Lösungen sollten aus den gleichen Qualitäten sein, die für die Poolware verwendet werden, denn die Basis für die Rentabilität des Textilkonzepts ist in der Regel eine leistungsfähige, profitable Poolware. Interessante, intelligente Sortimente werden auf der Basis von wenigen Qualitäten entwickelt, welche die Poolware einschließen.

WRP: Die Befürchtung des Textilservice ist, dass differenzierte Programme bei Bad-, Bett- und Tischwäsche die Kosten nach oben treiben: höhere Bestände, vielfältigere Probleme bei der Farbbeständigkeit und andere Pflegerisiken.

Kamma Beirholm: Die Atmosphäre eines Hotels, eines Restaurants oder eines Hotelzimmers ist wichtig für den Gast. Textilien haben in diesem Zusammenhang eine fast magische Kraft. Ihre Wirkung hat großen Einfluss auf die gesamte Szenerie und das Wohlgefühl des Gastes. Das wollen viele Hotels nutzen. Bei einem intelligenten Aufbau des Sortiments muss das nicht zu höheren Kosten führen. Wenn etwa eine textile Grundqualität genutzt wird und bei den Designs auf Kombinierbarkeit geschaut wird, dann gibt es vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten für eine ansprechende und zum Hotel passende Ausstattung. 80 Prozent unseres Angebots basiert auf vier Qualitäten, die alle bei einem Unternehmen produziert werden. Unsere Kunden können dadurch für jedes Hotel oder jedes Altenheim auf der Basis von wenigen Grundqualitäten ansprechende und zueinander passende Designs anbieten. Das ist uns wichtig. Dabei geht es ja um zwei andere Aspekte: Wir müssen im textilen Netzwerk schneller werden und bei Objekttextilien müssen wir Qualität mit modischem Gehalt produzieren. Auch deshalb greifen wir auf wenige Grundqualitäten zurück. So lassen sich schnell zum jeweiligen Interieur und Corporate Design passende Angebote machen auf einem Niveau, das für die Industriewäsche gut geeignet ist und mit überzeugender Lebensdauer. Die Kosten über den gesamten Lebenszyklus sind nicht höher als bei konventionell zusammengestellten Sortimenten.

WRP: Wie erfolgen bei Ihnen Qualitätskontrollen?

Peter Beirholm: Wir machen Stichproben und alle 3.000 Meter erfolgt eine volle Inspektion der Ware.

WRP: Und wie sieht es mit dem Lieferservice von Beirholm aus?

Kamma Beirholm: Wir haben ein Fertigwarenlager mit Waren im Wert von sieben Millionen Euro, aus dem jederzeit abgerufen werden kann. Teilweise ist das Lager bestehenden Kunden zugeordnet, teilweise besteht es aus der Beirholm-Kollektion. Darüber hinaus haben wir ein Rohwarenlager im Wert von etwa sechs Millionen Euro, aus dem nach Auftragseinteilung sofort fertig produziert werden kann.

WRP: Lassen Sie uns nochmal auf den Nutzen leistungsfähiger, speziell auf das Hotelgeschäft und den Textilservice ausgerichteter Flachwäsche kommen.

Peter Beirholm: Das können wir gern vertiefen, da haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht. Zunächst einmal können Sie davon ausgehen, dass die Anschaffungskosten nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten während der gesamten Nutzungszeit des Textils darstellen. Pflegekosten machen sicher 80 Prozent der Lebenszykluskosten aus. Dazu kommen noch Handlingskosten in der Logistik des Textilservice und bei dessen Kunden. Um ein paar Beispiele für Hotelbettwäsche zu geben: Bettwäsche sollte so entworfen und konfektioniert sein, dass sie beidseitig verwendbar ist. Das reduziert die Zeit beim Betten machen. Leistungsfähige Textilien halten besser Form und Farbe, das heißt, die Hausdame muss nicht aussortieren und selektieren. Bettwäsche sollte zudem leicht sein, dann geht es auch schneller und ergonomisch leichter für die Zimmermädchen beim Bettenmachen, sie verbrauchen weniger Platz auf den Stationstrolleys und bei allen anderen Transport- und Lagerungsnotwendigkeiten. Die Textilien sollten zudem nicht aneinander haften, weil auch das die Zeit beim Betten machen verlängert und so weiter. Wir schaffen mit unseren Textilien die Voraussetzungen, um auch beim Zimmerservice mehr Effizienz und Produktivität zu schaffen als konventionelle Textilien.

WRP: Da gehen Sie aber richtig in die ­Details ...

Peter Beirholm: Sicher, aber an dieser detaillierten Herangehensweise erkennt der Textilservice oder das Hotel, dass wir uns mit allen Problemkreisen beim Kunden und Verwender beschäftigen und Lösungen suchen. Dadurch entstehen kreative Situationen, die zu besseren Lösungen für alle führen.

WRP: Sprechen Sie eigentlich die Hotels auch direkt an?

Peter Beirholm: Unsere Textilservice-Kunden kommen mit ihren Kunden, den Hotels zu uns. Es ist bekannt, dass wir uns sehr um die Gestaltungsprobleme von Bett-, Bad- und Tischwäsche für Hotels bemühen. Wir haben eine eigene Firma zusammen mit Sapphire gegründet, die Creadore heißt. Einige große, internationale Hotelketten haben Creadore gelistet. Creadore ist hauptsächlich im europäisch-mediterranen und arabischen Raum aktiv. Als Beirholm bekommen wir durch Creadore sehr tiefe und gute Einsichten in die praktischen Probleme von Hotels im Umgang mit Wäsche.

WRP: Und das ist keine Konkurrenz zum Textilservice?

Peter Beirholm: Nein, denn wir treten mit Creadore nicht in unseren Stammmärkten in Westeuropa an, sondern vor allem im mediterranen und arabischen Raum. Zudem wissen die Textilservice-Unternehmen von Creadore. Wo immer es möglich ist, beziehen wir die Textilservice-Firmen ein, aber der Textilservice kann manche globale Marktpotenziale auch nicht abdecken. Dann gibt es auch noch einen anderen Aspekt: Wäschereien können große, globale Hotelketten nur schwer hinsichtlich ihrer Standards bei Wäsche beeinflussen. Wir haben erlebt, dass Textilservice-Unternehmen Hotelwäsche aufbereiten mussten, die nicht für die industrielle Wäsche geeignet war. Das hat zu erheblichen Verlusten bei den Wäschereien geführt. Mit Creadore können wir als Bettwäschelieferanten bei global aktiven Hotelketten gelistet werden, sodass den Wäschereien Textilien zur Verfügung stehen, die bei industriellen Wiederaufbereitungsprozessen leistungsfähig sind.

WRP: Wie groß ist Creadore?

Peter Beirholm: Das ist überschaubar. Der Umsatz liegt bei acht bis zehn Millionen Euro und die Anzahl der Beschäftigten bei zwölf. Aber dahinter steht nicht nur Beirholm, sondern auch Sapphire.

WRP: Und wie groß ist Beirholms Vaeverier?

Peter Beirholm: Unser Umsatz liegt bei rund 50 Millionen Euro. Unser wichtigster Markt ist Deutschland mit einem Anteil von etwa 50 Prozent. Deutschland ist aber nicht nur quantitativ das wichtigste Land. Vielmehr sind hier die Standards so gut entwickelt, dass wir unsere Produktion auf die in Deutschland üblichen Standards ausrichten können und dabei qualitativ in der Welt bestehen. Das gilt für die Qualität, den Lieferservice und die Nachhaltigkeit. Wir richten uns mit unserer Globalisierungsstrategie an den hohen deutschen Standards aus.

WRP: Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens?

Peter Beirholm: Die Märkte werden anspruchsvoller und spezialisierter. Dafür sind wir bestens gerüstet. Mit unserer Spezialisierung und unserem am Wissen orientierten Geschäftsmodell werden wir weiter in der Lage sein, Textilien anzubieten, die in ihren speziellen Einsatzgebieten einen Wettbewerbsvorteil und besonderen Kundennutzen haben. Unser Wachstum steht auf gutem Fundament und wird weitergehen.

Interview aus WRP 12-2015