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Genossenschaft Hotel Zentralwäscherei

„Wir sind ganz einfach zufrieden mit unserem Dienstleister“

Ein großer Fan des Komponentensystems von CHT/Bezema ist Eric Oswald, Leiter der Genossenschaft Hotel Zentralwäscherei in Gstaad. „Bei der Einzeldosierung geht exakt nur das in die Prozesse, was gerade benötigt wird“, erklärt Oswald. Bereits seit über zehn Jahren arbeitet sein Betrieb mit CHT/Bezema als Dienstleister für die Waschchemie zusammen, jetzt auch am brandneuen Wäschereistandort. Wir trafen uns mit Eric Oswald und Hansjörg Sumi, beide Zentralwäscherei, und Mathias Österle von CHT/Bezema in Gstaad zum Interview des Monats.

Eric Oswald
Eric Oswald ist seit 2005 Betriebsleiter der Genossenschaft Hotel Zentralwäscherei. Der Wäscher mit Leib und Seele startete seine Karriere 1986 in der Gloria-Wäscherei in Solothurn. Dort lernte er das Handwerk.
Hansjörg Sumi
Hansjörg Sumi arbeitet seit 2006 als Technischer Leiter in der Genossenschaft Hotel Zentralwäscherei. Er ist gelernter Heizungs-Lüftungs- und Sanitärinstallateur.
Mathias Österle
Mathias Österle ist Leiter Technischer Service und Vertrieb Textilpflege bei CHT/Bezema in Montlingen, Schweiz. Er ist verantwortlich für die Länder Schweiz, Tschechien, Ungarn, Slowakei und Rumänien. Mathias Österle hat eine 5-jährige Ausbildung als Textilchemiker erfolgreich absolviert und ist seit 13 Jahren im Unternehmen.
Ich bin total überzeugt vom Waschsystem mit einzelnen Komponenten, das auch CHT/Bezema favorisiert.
Je intensiver man sich mit einer Wäscherei beschäftigt, desto mehr wächst die Erkenntnis, dass das Ganze eine Riesenaufgabe ist.
Funktionierende Lösungen für neue Marktanforderungen werden zeitnah entwickelt.
WRP: Die Genossenschaft Hotel Zentralwäscherei ist am neuen Standort am 1. Mai 2015 offiziell eröffnet worden. Ist alles bereit für die kommende Saison?

Eric Oswald: In unserem neuen Betrieb laufen die Prozesse bis auf wenige Kleinigkeiten. Aber bis zum Saisonstart am kommenden 4. Dezember wird alles fertig sein.

WRP: Ihr Geschäft ist sehr stark von Saisonzeiten abhängig. Wann ist besonders viel los?

Oswald: Wir arbeiten vorrangig für Hotels in der Umgebung. Unsere Kunden sind in einem Umkreis von rund 25 Kilometern um unseren Standort beheimatet. In jedem Jahr startet die Saison Mitte Dezember und dauert rund drei Monate bis Mitte März. Dann wird es ruhiger. Von Mitte Juni bis Mitte September geht unsere zweite Saison. In diesen beiden Hochphasen werden durchschnittlich täglich mit einer Schicht rund 5,5 Tonnen Wäsche durch den Betrieb geschleust. Weil wir an allen Tagen in der Woche holen und liefern, gilt die 7-Tage-Woche in der Zentralwäscherei.

Die Leistungsanforderungen sind durch die Saisonzeiten höchst unterschiedlich. Im Januar und im Februar werden durchschnittlich insgesamt rund 160 Tonnen, also cirka 6,5 Tonnen am Tag bearbeitet. Dabei ist der Januar ruhiger als der Februar. Im Februar geht die Tagesleistung auf acht bis neun Tonnen hoch. An unseren Saisonspitzentagen Weihnachten und Neujahr sind es über 8,5 Tonnen täglich. In der Zwischensaison hingegen laufen die Maschinen langsamer und nur fünf Tage pro Woche. Im November gilt es teilweise unter einer Tonne Wäsche täglich zu waschen. Insgesamt haben wir eine Jahresleistung von rund 1.100 Tonnen Wäsche.

WRP: Wie wird dieses Saisongeschäft personell geleistet? Gibt es eine Kernmannschaft?

Oswald: Wir haben festangestellte Mitarbeiter, die das ganze Jahr im Betrieb sind. Diese Mannschaft zählt rund 20 Köpfe. In der Saison wird dieses Team um 27 Mitarbeiter aufgestockt. Auch diese sind schon viele Jahre bei uns, die Fluktuation im Betrieb ist sehr gering.

WRP: Welche Kunden werden von der Zentralwäscherei betreut, welche Textilien gewaschen?

Oswald: Wir haben heute ein sehr breites Angebotsspektrum. Als die Zentralwäscherei Ende der 1960er Jahre startete, wurde ausschließlich Wäsche aus den elf Hotels der Anteilseigner gewaschen. Die tägliche Waschleistung betrug damals 3,5 Tonnen. Mit den Jahren erweiterte sich das Pensum beträchtlich: Nicht nur weil neue Häuser dazukamen, sondern zum Beispiel auch neue Angebote wie Spas und Solebäder in den Hotels geschaffen wurden und die Gäs­tezahlen erhöhten. Der Frotteeanteil in der Zentralwäscherei wurde immer größer und die Bettausstattungen in den Hotelzimmern immer komplexer. Heute waschen wir nicht nur die Berufskleidung der Hotelmitarbeiter, auch Gäste können ihre Kleidung zur Reinigung abgeben. Hinzu kommt noch die Wäsche aus den Chalets und von Privatkunden in Gstaad und Umgebung. Dafür unterhalten wir insgesamt drei Annahmestellen. Außerdem sind wir Dienstleister für Alten- und Pflegeheime.

Also die Wäschemenge wurde immer größer und vielfältiger, deshalb war eine neue Wäscherei notwendig. Um das ganze Spektrum innerbetrieblich logistisch trennen zu können, findet im neuen Standort im Erdgeschoß die Großproduktion statt, im ers­ten Stock sind Chemisch Reinigung und Privatwäscherei beheimatet.

WRP: Welche Anforderungen stellen Ihre Kunden an die Dienstleis­tungen der Zentralwäscherei?

Oswald: Die Zentralwäscherei ist auch heute hauptsächlich auf Hotelwäsche spezialisiert. Deshalb steht natürlich Qualität ganz oben im Anforderungskatalog. Das heißt, makellos saubere Textilien mit sehr guter Finish- und Bügelqualität mit absolut termintreuer Lieferung. Natürlich bereiten wir die Wäsche mittels desinfizierender Verfahren hygienisch einwandfrei auf. Selbstverständlich gilt ein hoher Qualitätsstandard auch für unser Privatkundengeschäft sowie für die Wäsche aus den Alten- und Pflegeheimen.

WRP: Wesentlich für eine hohe Qualität der Wäsche sind optimale Waschverfahren und -produkte. Seit vielen Jahren arbeitet die Zentralwäscherei mit dem Waschchemie-Hersteller und -Lieferanten CHT/Bezema zusammen. Wie kam es dazu, und was sind die Gründe für die lange Zusammenarbeit?

Oswald: Wir waren und sind ganz einfach zufrieden mit CHT/Bezema. Das hat verschiedene Gründe. Ein sehr wichtiger ist zum Beispiel, dass ich total überzeugt bin vom Waschsystem mit einzelnen Komponenten, das auch CHT/Bezema favorisiert. Also: Für jedes Produkt, für jede Anforderung wird nur die Chemie zum Waschen eingesetzt, die auch wirklich benötigt wird und die am besten darauf angepasst ist. Das schont die Wäsche und ist gut für die Umwelt.

Schon vor 30 Jahren, als ich in dieser Branche anfing, habe ich mich gefragt, warum man in Wäschereien auf Allroundprodukte setzt? Denn dabei gelangen auch Produkte in den Prozess, die nicht dafür notwendig sind. Viel besser aus meiner Sicht schien die bedarfsgerechte Einzeldosierung. Von diesem Konzept bin ich bis heute überzeugt. Aber damals waren entsprechende, funktionierende Systeme nicht im Markt. Als CHT/Bezema vor mehr als zehn Jahren anfing, Komponenten einzeln zu dosieren, war ich ganz ehrlich total begeistert.

Im Jahr 2005 begannen wir am alten Standort der Zentralwäscherei mit ersten Tests mit dem Komponentensystem. Seitdem sind das System und die Produkte immer weiter verbessert worden. Beides zusammen liefert heute sehr gute Ergebnisse.

Das Komponentensystem besitzt eine große Transparenz – auch bei den Kosten. Man bestellt die einzelnen Produkte, sie werden geliefert und nur dafür wird gezahlt. Man weiß genau, welche und wie viel Chemie in die Prozesse geht.

Erst danach bilanzieren wir aus Chemie-, Energie- und Wasserverbrauch verschiedene Kostengrößen, zum Beispiel für das Kilogramm gewaschene Wäsche. Aus meiner Sicht sind Abrechnungspauschalen für Waschchemie wie zum Beispiel für das Kilogramm gewaschene Wäsche zwar auf den ersten Blick attraktiv. Aber sie decken nicht immer alles ab. Zum Beispiel müssen Produkte wie Stärke oder Weichspüler oft extra bezahlt werden. Das kann bedeuten, dass man dann ganz darauf verzichtet und die Wäschequalität leidet.

Ein weiterer Grund, warum wir mit CHT/Bezema zusammen arbeiten, ist, dass das Unternehmen sehr innovativ ist. Funktionierende Lösungen für neue Marktanforderungen werden zeitnah entwickelt. Auch der Service ist sehr verlässlich. Gibt es mal Schwierigkeiten, werden sie schnell behoben.

Vielleicht steckt ein bisschen auch eine bestimmte Philosophie dahinter. Denn das CHT/Bezema Baukastensystem setzt eine kundeneigene Dosieranlage voraus. Dies sichert uns auch eine gewisse Unabhängigkeit. Wenn der Waschchemielieferant doch nicht mehr passt, kann man trotzdem weiter arbeiten.

Mathias Österle: Für ­CHT/Bezema­ sind fertige Mischungen beziehungsweise Vollwaschmittel immer ein Kompromiss. Man erreicht zwar akzeptable Resultate – optimale Ergebnisse für jedes Problem gibt es dagegen nur mit einer darauf abgestimmten Lösung. Unser SMARTEC-System kombiniert deshalb alle für das Waschen notwendigen Komponenten individuell. Waschaktive Tenside, Alkali, Komplexbildner oder optische Aufheller werden nur nach Bedarf und in der richtigen Menge dosiert. Flexibel wird dort verstärkt, wo es die Situation erfordert, und auf das verzichtet, was nicht benötigt wird. Unsere Philosophie ist, dass ein unangepasster Einsatz an Chemie unnötig Ressourcen verbraucht und den Verschleiß der Wäsche verstärkt.

WRP: Arbeitet ein solches Waschchemie-Baukastensystem auch effizienter?

Österle: Wir dosieren nur das, was wirklich benötigt wird. Daher ist es ein sehr effizientes System. Es gibt keine Zusatzprodukte, die keinen Effekt auf das Waschen besitzen. Bei Formulierungen von Produkten müssen zum Beispiel Zusatzstoffe eingesetzt werden, damit diese in sich stabil bleiben. Dies ist bei der Einzeldosierung nicht notwendig.

WRP: Heute ist ein Waschchemie-Hersteller nicht nur Lieferant, sondern in den Betrieben für den Waschprozess sozusagen verantwortlich. Was muss CHT/Bezema in der Zentralwäscherei leisten?

Österle: Wir entwickeln Verfahren individuell abgestimmt auf die unterschiedlichen Wasch- und Kundenanforderungen der Zentralwäscherei. Außerdem überwachen wir zusammen mit dem Betrieb die Waschprozesse. In regelmäßigen Abständen wird die Zentralwäscherei besucht und es werden Prozesskontrollen durchgeführt. Mittels Filtration und Bioindikatoren wird unter anderem die hygienische Einwandfreiheit der Waschergebnisse bestätigt.

Diese Kontrollen werden immer dokumentiert. Dies ist nicht nur hilfreich, wenn man zum Beispiel Änderungen durchführen will. Wenn es doch einmal zu Problemen kommt, hilft die Dokumentation bei der Ursachenforschung.

WRP: Wie oft ist die Firma CHT/Bezema in den Betrieben, zum Beispiel hier in der Zentralwäscherei?

Österle: Im neuen Betrieb der Zentralwäscherei waren wir bisher mindestens einmal im Monat. Ansonsten ist der Rhythmus einmal im Quartal und immer vor dem neuen Saisonstart. Für neue Projekte im Betrieb sind natürlich die Zeiten außerhalb der Saison ideal. Dann können in Ruhe Verfahren umgestellt sowie Prüfungen und Tests stattfinden.

Außerdem haben wir in der Zentralwäscherei die Möglichkeit, von außen online auf die Waschprozesse und auf die Dosieranlage zuzugreifen. Gibt es ein Problem, sieht man sofort, was die Ursache ist. Manchmal kann schon von außen korrigiert werden. Muss unser Service in die Zentralwäscherei, fährt der Techniker den Betrieb gleich mit den richtigen Ersatzteilen an.

WRP: Ist eine umfassende Dienstleistung unter den Bedingungen des Saisongeschäfts, so wie sie die Zentralwäscherei offeriert, nur als genossenschaftlich organisierter Betrieb möglich?

Oswald: Natürlich lebt das Genossenschaftsmodell auch von der Solidarität seiner Mitglieder. Aber für die Zentralwäscherei gilt, dass sie als Betrieb wirtschaftlich erfolgreich sein muss. Das ist sie auch. Wir sind Dienstleister. Wir verstehen die Hotels, die wir bedienen, als unsere Kunden. Und sie sind zufrieden mit uns. Natürlich ist es schon vorgekommen, dass einer von ihnen es mal mit einem anderen Dienstleister versucht hat. Letztlich kam er wieder zurück: Denn bei einem vergleichbaren Preis wurde ihm ein schlechterer Service geboten.

WRP: Ein immer noch wichtiges Thema für Wäschereien ist das Energiesparen. Welche Systeme für das Energie- und Ressourcensparen wurden beim Neubau der Genossenschaft Hotel Zentralwäscherei realisiert?

Oswald: Beim Neubau der Wäscherei wurden alle Lösungen realisiert, die für das Energie- und Ressourcensparen aktuell wichtig und notwendig sind. Wir setzen auf Wasserrückgewinnung, um Chemie einzusparen und auf Wärmerückgewinnung, um den Energieeinsatz zu minimieren.

Wir wissen heute nicht, wie die Energiepreise in einem Jahr aussehen. Schon heute bezahlen wir eine CO2-Abgabe, die sehr wahrscheinlich weiter steigen wird. Das Abwasser wird gegenwärtig pauschal berechnet. Vielleicht muss man es absehbar nach Verschmutzungsgrad bezahlen? Was wir wissen ist, dass sich die Bedingungen für unsere Wäscherei verändern und die Kosten weiter steigen werden. Deshalb muss man schon heute mit den Ressourcen sparsam umgehen. Unser neuer Betrieb ist für die Zukunft gebaut – auch zum Wohle der Umwelt.

WRP: Können Sie dies mit Zahlen illustrieren? Zum Beispiel, wie viel Wasser muss in Bereich der Großproduktion heute eingesetzt werden, um ein Kilo Wäsche zu waschen?

Hansjörg Sumi: Als CHT/Bezema vor über zehn Jahren als Dienstleister für die Zentralwäscherei anfing, haben wir mit rund 16 Liter Frischwasser pro Kilogramm Wäsche kalkuliert. Aktuell sind wir bei rund 4 Litern auf den Waschstraßen, rund 10 bis 11 Liter sind es bei den Waschschleudermaschinen. Wir rechnen absehbar mit noch besseren Werten. In der neuen Wäscherei sind momentan noch nicht alle Prozesse optimal abgestimmt.

Oswald: Außerdem haben wir ein komplexes Angebot mit unterschiedlichsten Anforderungen. Wir haben im Betrieb nicht nur Waschstraßen, sondern auch Waschschleudermaschinen sowie Maschinen für die Chemisch Reinigung. Aufgrund der verschiedenen Saisonzeiten schwanken die Beladungsmengen. Es gibt extrem viele Postenwechsel. Und erst seit ein paar Wochen funktioniert für die Maschinen die Kiloeingabe, die die Wassermenge abhängig von der Wäschemenge steuert.
Wenn eine neue Wäscherei startet, ist am Anfang alles ein bisschen in der Schwebe. Nach der Saison im April nächsten Jahres können wie alles reseten und dann die Prozesse viel genauer betrachten. Dabei schauen wir nicht auf andere Betriebe; sondern wir schauen lieber, was wir noch verbessern können.

WRP: Wie tragen Produkte und Lösungen von CHT/Bezema dazu bei, dass die Zentralwäscherei möglichst umweltschonend arbeiten kann?

Österle: Ein Parameter für die Energiekosten in einer Wäscherei ist die Waschtemperatur. Als CHT/Bezema die Zusammenarbeit mit der Zentralwäscherei noch am alten Standort begann, wurde mit 80° C gewaschen und der Wasserverbrauch war relativ hoch. Dann startete eine Entwicklung: Die Wäscherei inves­tierte sehr viel in die Energierückgewinnung. Wir stellten erst auf Niedrigtemperatur mit 50° C um, später auf Verfahren mit 60° C. Heute im neuen Standort der Zentralwäscherei wird mit 70° C gearbeitet.

Dank der weiter fortgeschrittenen Technologien bei der Energierückgewinnung stellen wir heute fest, dass bei Verfahren mit einer Waschtemperatur von 70° C nicht mehr Energie eingesetzt werden muss als bei Verfahren mit 40 oder 50° C. Ganz im Gegenteil: In der Gesamtbetrachtung ist sogar weniger Energie notwendig, wenn man zum Beispiel ans Trocknen denkt.

In der Zentralwäscherei wird seit sechs Jahren ohne Peressigsäure und seit fünf Jahren zu 100 Prozent chlorfrei gewaschen. Der Ansatz war damals, dass Gefahrenpotential innerhalb des Betriebes zu reduzieren. Für die Mitarbeiter also das Risiko beim Handling und beim Transport solcher Stoffe zu minimieren. Außerdem sind Chlor und Peressigsäure natürlich bedeutende Faktoren für die Schädigung der Wäsche.

Und wir setzen im Bereich Wetclean der Zentralwäscherei spezielle Weichspülerformulierungen ein. Damit lassen sich die Hemden und die Uniformen besser finishen – was natürlich auch für die Energiekosten relevant ist.

WRP: Ist es eigentlich für die Kunden wichtig, dass die Zentralwäscherei ohne Peressigsäure und zu 100 Prozent chlorfrei wäscht?

Oswald: Das hat für unsere Kunden keine Bedeutung. Der Kunde moniert, wenn die Wäsche beschädigt ist, Flecken aufweist oder der Preis zu hoch ist. Wir verzichten auf Peressigsäure und Chlor aus den schon erläuterten Gründen. Aber auch, weil wir überzeugt sind, dass es besser für die Umwelt ist.

Österle: Niedrigere Waschtemperaturen und pH-Werte sowie Verfahren ohne Chlor und Peressigsäure minimieren grundsätzlich jedwede Risiken im und für den Betrieb. Auch zum Beispiel, wenn der Wäscher mal ein falsches Programm auswählt.

WRP: Grundsätzlich favorisiert CHT/Bezema Verfahren mit mittleren und höheren Waschtemperaturen. Warum ist das so?

Österle: Nehmen wir das Beispiel Zentralwäscherei: Eine Waschtemperatur von 70° C ist unsere Standardempfehlung für Hotelwäsche auf der Waschstraße. Das hat zwei Gründe: Hygiene und Gesamtenergieverbrauch. Eine höhere Waschtemperatur sichert ein gutes Hygieneergebnis. Außerdem gilt, je wärmer die Wäsche nach dem Spülen in die Presse gehen kann, desto größer ist die Entwässerungsleistung. Als wir beispielsweise die Waschtemperatur in der Zentralwäscherei auf 70° C erhöhten, konnten wir den Pressdruck bei der Tischwäsche um 50 Prozent reduzieren – einfach weil die Entwässerungsleistung extrem anstieg.

Und je höher die Entwässerungsleistung, um so weniger Energie ist für das Verdampfen, also für das Trocknen, notwendig. Das ist die teure Energie:Hier muss ungefähr 500 mal mehr Energie eingesetzt werden als für das Waschen.

WRP: Welches sind die aktuellen und die zukünftigen Projekte der Zentralwäscherei in Zusammenarbeit mit CHT/Bezema?

Österle: Die Optimierung der Verfahren im Betrieb ist ein stetiger Prozess. Deshalb suchen und entwickeln wir immer neue Lösungen, um das Waschen noch sicherer und effizienter zu machen. Aktuell sind wir zum Beispiel dabei, den Betrieb auf unser neuestes Verfahren umzustellen. Es ist eine Weiterentwicklung – soviel können wir hier schon verraten – die auf der Texcare International 2016 in Frankfurt offiziell vorgestellt wird. Ich denke, man muss ständig optimieren. Manchmal geht dabei etwas schief, manchmal kommen dabei Lösungen heraus, mit denen man gar nicht gerechnet hat.

Oswald: Die Firma CHT/­Bezema hat diesbezüglich einen ähnlichen Ehrgeiz wie wir. Und wir sind immer empfänglich für Neues, um das Textil und die Umwelt zu schonen. Nehmen wir das Beispiel pH-Wert. Je niedriger dieser beim Waschen ist, desto besser ist es für die Wäsche. In der Zentralwäscherei ist dieser Wert heute bei 8,5 in der Vorwäsche, in der Hauptwäsche bei knapp 10. Früher waren Werte von 12 die Normalität in den Betrieben. Dank der Innovationen von CHT/Bezema ist das Waschen in der Zentralwäscherei heute wesentlich schonender für die Textilien.

Dazu tragen natürlich auch niedrigere Waschtemperaturen bei. Bei uns haben sie auch den Vorteil, dass unter anderem die Mangeln bei 8 bar mit 170 bis 175° C arbeiten können. Das schont das Gewebe und die Wäsche kann länger eingesetzt werden. Heute haben wir bei der Wäsche eine um bis zu 30 Prozent längere Lebensdauer. Zum Beispiel sind in der Zentralwäscherei noch Textilien aus 2002 im Einsatz.

Eigentlich vergehen heute keine zwei Monate, an denen wir nicht an den Stellschrauben drehen, um etwas Neues auszuprobieren. Für uns ist es ein Prozess, der wahrscheinlich erst aufhört, wenn wir in den Ruhestand gehen. Wir zeigen dieses Engagement auch, weil wir sonst einfach nicht zufrieden sind. Aber man lernt dabei auch: Je intensiver man sich mit einer Wäscherei beschäftigt, desto mehr wächst die Erkenntnis, dass das Ganze eine Riesenaufgabe ist.

Interview aus WRP 11-2015