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Paul Hartmann AG

Unterstützung nach Maß – Das Hygienemanagement von Hartmann für Wäschereien

Als Spezialist mit langjähriger Hygienekompetenz bietet Hartmann nicht nur Produkte für die Betriebshygiene, sondern entwickelt kontinuierlich einfache und sichere Systemlösungen für eine optimale Hygiene entlang des gesamten Wäschekreislaufs. Die aktuelle Neuentwicklung, ein einfaches und nachweislich sicheres Verfahren zur Sanierung von Taktwaschstraßen und Waschschleudermaschinen innerhalb des laufenden Produktionsbetriebes, war natürlich ein Thema im Interview des Monats mit Jan Gladig, Marketmanager Industrie, und Dominik Feil, Leiter Vertrieb Industrie. Beide betonten außerdem die grundsätzliche Bedeutung eines funktionierenden Hygienemanagements in Wäschereibetrieben.

Jan Gladig
Jan Gladig ist Marketmanager Industrie Paul Hartmann Deutschland.
Dominik Feil
Dominik Feil ist Leiter Vertrieb Industrie Paul Hartmann Deutschland.
Dismozon process macht eine einfache, schnelle und nachweislich sichere Sanierung von Taktwaschstraßen möglich.
WRP: Ein schlechtes Waschergebnis durch Verunreiniguungen, der Eintrag von Keimen in das Betriebsumfeld oder sogar eine systemische Versporung – für eine Wäscherei können sich Hygienedefizite bis zu einer Katastrophe entwickeln, die am Ende sogar ihre Existenz gefährden kann. Hat sich die Firma Hartmann deshalb dem Thema angenommen und eine Sanierungslösung für Waschstraßen entwickelt?

Jan Gladig: Wir versuchen immer auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen und neue Lösungen zu entwickeln, so auch in diesem Fall. Die Anforderung kam aus dem Markt. Anfang 2014 starteten wir daher mit der Entwicklung von Dismozon process und einem einfachen Verfahren zur Sanierung von Taktwaschstraßen in Zusammenarbeit mit dem Maschinenhersteller Kannegiesser. Im Juli war die Markteinführung. Jetzt macht Dismozon process eine einfache, schnelle und nachweislich sichere Sanierung von Taktwaschstraßen und Waschschleudermaschinen möglich. Wir haben den Sanierungsprozess auch von unabhängiger Seite durch die Hohenstein Institute prüfen lassen. Dieses Gutachten liegt vor und bestätigt die Wirksamkeit von Dismozon process für eine sichere Sanierung.

Neben verschiedenen praxisnahen Anwendungstests wurde Dismozon process auch schon in der Praxis bei Kunden erfolgreich eingesetzt. Zum Beispiel vor kurzem in einer Wäscherei. Mit dem neuen Prozess konnte eine Taktwaschstraße kurzfristig saniert werden, anschließend bestand der Betrieb erfolgreich ein Audit.

WRP: Wie entsteht das Problem in der Waschtechnik? Wie gelangen die Sporen in die Maschinen?

Gladig: Der Eintrag von Schmutz und Keimen in wasserführende Systeme, wie in eine Taktwaschstraße, ist normal und meist systembedingt. Zusätzlich führen nicht ausreichend umgesetzte Hygienemaßnahmen, hohe Schmutzfrachten und die Überlastung des Waschverfahrens zu einer kontinuierlichen Verschmutzung in Form von Ablagerungen, Verkrustungen und Biofilmen im Inneren der Maschine. Einher geht dies mit einer erhöhten Keimbelastung, insbesondere durch aerobe Sporenbildner. Ohne die Durchführung wirksamer Hygienemaßnahmen kann diese Verunreinigung zu einer Beeinträchtigung des Waschergebnisses, den Eintrag von Keimen in das Betriebsumfeld und im schlimmsten Fall zu einer systemischen Versporung führen.

Dominik Feil: Sanierungsmaßnahmen von Taktwaschstraßen werden nur selten beziehungsweise erst dann durchgeführt, wenn ein unausweichliches Problem wie eine systemische Versporung vorliegt. Ein Grund ist, dass bisher kein standardisiertes und einfaches Verfahren zur regelmäßigen Sanierung von Taktwaschstraßen zur Verfügung stand. Auch deshalb wurde Dismozon process entwickelt. Unser Ansatz ist, dass eine regelmäßige und einfache Sanierung die optimale Lösung ist, um einen durchgehend hygienisch einwandfreien Zustand in den innenliegenden Kammern der Taktwaschstraße sicherzustellen.

WRP: Wie funktionieren Produkt und Verfahren und wie werden sie eingesetzt?

Gladig: Dismozon process ist ein sauerstoffaktiver Desinfektionsreiniger mit einem umfassenden Wirkungsspektrum und außerordentlich hoher Materialverträglichkeit. Der Sanierungsprozess mit Dismozon process ist zweistufig und kann im laufenden Produktionsbetrieb erfolgen. Zunächst werden Verkrustungen sowie Biofilme gelöst und in der zweiten Phase die Keime abgetötet. Nachdem der Sanierungsvorgang abgeschlossen ist – die reine Prozesszeit beträgt rund 65 Minuten – ist die Maschine wieder einsatzbereit.

Feil: Bisher mussten Wäschereien bei solchen Sanierungen auf aggressive Chemikalien wie Peressigsäure sowie auf hohe Temperaturen zurückgreifen. Aber Peressigsäure belastet nicht nur das Material der Maschinen, sondern kann auch die Gesundheit der Mitarbeiter beeinträchtigen. Aufgrund der intensiven Geruchsentwicklung muss für die Sanierung oft das gesamte Betriebsumfeld still gelegt werden.

Mit Dismozon process schließen wir eine mögliche Lücke innerhalb des Hygienekreislaufs. Durch eine hygienisch einwandfreie Taktwaschstraße ist nicht nur die Basis für die Qualität der aufbereiteten Textilien sichergestellt. Es wird auch vermieden, dass Keime wie aerobe Sporenbildner über die Uferzone der Maschine und somit über die Presse oder Zentrifuge in das Betriebsumfeld gelangen.

Wir empfehlen Dismozon process – genauso wie alle anderen Maßnahmen der Betriebshygiene – regelmäßig durchzuführen. Schließlich reden wir bei Hygienemaßnahmen in erster Linie von Infektionsprophylaxe und Kontaminationskontrolle. Daher sollten die Hygienemaßnahmen als Standard im Produktionsprozess integriert sein.

WRP: Wie ergänzen sich in der Praxis sachgerechte Wäscheaufbereitung und Betriebshygiene? Wie unterstützt Hartmann die Wäschereien dabei?

Feil: Der Aufbereitungsprozess für die sensorische Sauberkeit und hygienische Reinheit der Wäsche ist von entscheidender Bedeutung. Ebenfalls wichtig dabei ist, im Betrieb die hygienischen Voraussetzungen zu schaffen, um eine Rekontamination der aufbereiteten Wäsche zu vermeiden. Hierfür gelten entsprechende Richtlinien für Wäschereibetriebe, deren Einhaltung durch wichtige Zertifikate und Gütezeichen geregelt ist.

Mit unserem Hartmann Hygienemanagement unterstützen wir Wäschereien individuell, die gültigen Hygieneanforderungen umzusetzen und eine optimale Hygiene innerhalb des Betriebsumfelds sicherzustellen. Dabei erarbeiten wir ein individuelles Hygienekonzept speziell auf den jeweiligen Betrieb zugeschnitten.

Im Mittelpunkt der Betriebshygiene stehen Personal- und Flächenhygiene. Hierfür bieten wir ein umfangreiches Produkt-sortiment und einfache Systemlösungen an. Abgerundet wird unser Sortiment durch Produkte zur Containeraufbereitung sowie jetzt neu für die Sanierung von Taktwaschstraßen.

WRP: Warum ist Betriebshygiene eine so wichtige Aufgabe für Wäschereien?

Gladig: Eine lückenlose Betriebshygiene schützt Wäschereien vor unangenehmen Überraschungen mit möglichen Haftungsfolgen. Hygienemängel können schnell zu einer Kontamination der Wäsche und damit zu einer Beeinträchtigung der Qualität führen. Ein Produktionsausfall durch eine kontaminierte Wäscheumgebung oder ein Mitarbeiterausfall durch Krankheit sind häufig auf Lücken in der Betriebshygiene zurückzuführen. Echte Hygienesicherheit verlangt daher eine gute Betriebshygiene bis ins Detail.

Entlang des gesamten Wäschekreislaufs gibt es eine Vielzahl kritischer Punkte, die zu mikrobieller Kontamination führen können. Häufige Auslöser sind Kreuzkontaminationen durch Kontaktflächen und kontaminierte Hände der Mitarbeiter. Unser Hygienemanagement unterstützt Wäschereien dabei, eine optimale Hygiene bei allen kritischen Punkten in der Wäscheumgebung sicherzustellen.

WRP: Welche Bestandteile hat das Hartmann Hygienemanagement?

Gladig: Um wirklich effizient zu sein, müssen sich Hygienekonzepte an den individuellen Gegebenheiten des Betriebes orientieren. Denn jeder Betrieb ist anders. Daher erfolgt die Beratung durch unsere erfahrenen Fachberater individuell direkt vor Ort. Der Leistungsumfang unseres Hygienemanagements besteht aus vier Säulen:

1. Die Analyse zur Aufnahme des Ist-Zustands. Unser Fachberater untersucht den Wäschekreislauf innerhalb des Produktionsumfelds unter Berücksichtigung der hygienerelevanten Kontrollpunkte und der gesetzlichen Anforderungen.
2. Die fachlich kompetente Beratung zur Prozessoptimierung und Verbesserung des Hygienestandards sowie Zusammenstellung individueller Produktprogramme zur einfachen Umsetzung betriebsgerechter Desinfektionsmaßnahmen.

3. Unser Service. Wir erstellen individuelle Desinfektionspläne für den Betrieb. Gleichzeitig optimieren wir die Personalhygiene sowie die damit verbundenen Arbeitsabläufe unter Zuhilfenahme von Händehygiene- und Hautschutzplänen, Postern und Serviceetiketten.

4. Die Qualifikation der Mitarbeiter bildet die letzte Säule im Hygienemanagement. Wir schulen die Mitarbeiter zum neuen Hygienekonzept und darüber hinaus bei Bedarf zu relevanten Hygienemaßnahmen, kritischen Kontrollpunkten sowie mikrobiologischen Risiken.

Feil: Das Hartmann Hygienemanagement wurde vor zwei Jahren entwickelt und eingeführt. Im Zuge der Umsetzung bilden wir den betrieblichen Hygienekreislauf ab und versuchen, die Hygienemaßnahmen zu optimieren, dass diese sicherer und einfacher umsetzbar werden. Mit unserem Hygienemanagement bieten unsere Fachberater Beratung, Service und Qualitätsprodukte aus einer Hand.

Zusätzlich bieten wir Wäschereien ein Hygienezertifikat an. Mit diesem Zertifikat bescheinigen wir den Wäschereien, dass die von uns gestellten Anforderungen für eine sachgerechte Betriebshygiene im Rahmen unseres Hartmann Hygienemanagements erfüllt werden. Das befristete Zertifikat unterstützt nachhaltig die Eigenverantwortung zur Umsetzung einer sachgerechten Betriebshygiene und stellt die regelmäßige Überprüfung der erforderlichen Maßnahmen sicher. Dabei ist zu berücksichtigen: Unser Hygienezertifikat ersetzt nicht die für die Branche erforderlichen unabhängigen Zertifikate oder Gütezeichen.

WRP: Wenn in Betrieben die Hygiene mangelhaft ist: Was sind die Gründe, die sie häufiger antreffen?

Gladig: Häufige Ursachen für mangelhafte Hygienemaßnahmen sind Zeitdruck, fehlendes Know-how sowie, zum Teil daraus resultierend, falsche Produkte beziehungsweise fehlerhafte Produktanwendungen. Eine sachgemäße Durchführung der Flächendesinfektion – insbesondere im produktnahen Umfeld – die gleichzeitig effektive Arbeitsabläufe sicherstellt, gehört zusammen mit der Händehygiene zu den wichtigsten Bestandteilen der Betriebshygiene. Zusätzlich darf die sachgerechte maschinelle Aufbereitung von Containern, die zwischen dem unreinen und reinen Bereich eines Betriebs wechseln, nicht außer Acht gelassen werden.

WRP: Hygiene hängt sehr viel von den Handelnden ab. Wie wird gewährleistet, dass alle mitmachen?
Feil: Natürlich setzt es eine Bereitschaft voraus, es muss die Sensibilität des Themas Hygiene für den Betrieb und die Mitarbeiter erkannt werden. Nehmen wir ein Beispiel aus dem Bereich der Personalhygiene: 90 Prozent der Keime werden über die Hände übertragen. Entsprechend bedeutend sind sichere und einfach umzusetzende Maßnahmen für die sachgerechte Händehygiene.

Bei den Schulungen vor Ort werden die Mitarbeiter der Wäscherei zu allen relevanten Hygienemaßnahmen, kritischen Kontrollpunkten sowie mikrobio-logischen Risiken qualifiziert. In der Praxis machen Händehygiene- und Hautschutzpläne, Poster und Serviceetiketten die erforderlichen Prozesse sichtbar und die Mitarbeiter werden weiter sensibilisiert. Schließlich weisen wir immer darauf hin, dass unsere Maßnahmen nicht nur dem Schutz der aufbereiteten Wäsche, sondern auch der Sicherheit des einzelnen Mitarbeiters dienen. Wenn ein Mitarbeiter weiß, er wendet Maßnahmen auch zum Eigenschutz an, dann gewinnen sie für ihn an Priorität.

Gladig: Man muss die Mitarbeiter aufklären und mitnehmen. Nehmen wir zum Beispiel alkoholische Hände-Desinfektionsmittel. Viele denken, dass die Haut durch die regelmäßige Händedesinfektion geschädigt wird. Ursache hierfür ist ein Brennen vorgeschädigter Haut bei Kontakt mit Alkohol. Aber nicht die Händedesinfektion ist die Ursache für die Hautirritation, sondern fehlerhaft durchgeführte Händehygienemaßnahmen, beispielsweise intensives Händewaschen. Hochwertige alkoholische Hände-Desinfektionsmittel sind, dank der rückfettenden Formulierung, sehr gut hautverträglich. Beispielsweise führt unser Sterillium nachweislich zu einer Erhöhung der Hautfeuchte.

WRP: Gerade in den Wäschereien herrscht ein großer Zeitdruck.......

Gladig: Einmal im Betrieb implementiert bedeutet ein auf die laufenden Prozesse zugeschnittenes Hygienemanagement keinen zeitlichen Zusatzaufwand, sondern vereinfacht kontinuierlich die Maßnahmen. Wichtig dabei ist, das Hygienemanagement regelmäßig zu prüfen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass unser Hygienemanagement von unseren Kunden und ihren Mitarbeitern sehr gut angenommen wird.

WRP: Immer wieder tritt das Thema Hygiene ins Rampenlicht, jüngst zum Beispiel durch die schlecht gereinigten Endoskope in der Uniklinik Mannheim. Hat durch solche Skandale das Thema Hygiene in den Wäschereien eine andere Relevanz bekommen?

Gladig: Hygieneskandale führen generell dazu, dass die Sensibilität für dieses Thema steigt. Allerdings hat der angesprochene Fall keinen direkten Bezug zur Wäschereibranche. Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass in den letzten Jahren die Hygiene beziehungsweise die Infektionsprophylaxe in allen Bereichen hygienerelevanter Unternehmen und Einrichtungen, wie eben auch in Wäschereien, zugenommen hat. Die Hygieneanforderungen steigen stetig und die Unternehmen müssen den höheren Ansprüchen gerecht werden, schließlich erwarten ihre Kunden eine einwandfreie Dienstleistung.

WRP: Registriert die Firma Hartmann als Hygienespezialist die wachsende Aufmerksamkeit auf dieses Thema?

Gladig: Wir merken es an den stetig steigenden Anfragen rund um das Thema Hygiene und der hohen Nachfrage nach unseren Desinfektionsprodukten. Daher bieten wir unseren Kunden in unserem wissenschaftlichen Kompetenzcenter, dem Bode Science Center, unter anderem eine Expertenhotline zu Fragen rund um Hygiene und Desinfektion an.

WRP: Wo möchte die Firma Hartmann in fünf Jahren in dieser Branche stehen?

Feil: Wir sehen uns in diesem Markt als Spezialist für die Desinfektion in den Bereichen Personal und Umfeld sowie als kompetenter Partner für ein erfolgreiches Hygienemanagement in Wäschereien.

In dieser Branche gibt es das Potential, dass Betriebe beim Thema Hygiene noch professioneller arbeiten. Auch weil die Anforderungen der Kunden der Wäschereien steigen und somit die Hygiene stetig an Bedeutung gewinnt. Unseren Weg wollen wir deshalb konsequent fortsetzen und unsere Produkte und Konzepte im Markt weiter etablieren.

Gladig: Auch in Zukunft werden wir neue Konzepte und Lösungen, wie zum Beispiel jüngst Dismozon process, entwickeln. Dabei betrachten wir generell die Anforderungen im Markt sowie den gesamten Hygieneprozess.

Interview aus WRP 07-2015