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Kentaur

Wachsen mit Mehrwert für den Textilservice

Die Firma Kentaur, dänischer Anbieter von leichter Berufsbekleidung, ist noch relativ jung. Trotzdem hat sich das Unternehmen im deutschsprachigen Textilservicemarkt zu einem der wichtigen Lieferanten entwickelt. Wie soll die Zukunft aussehen? WRP sprach mit Katja Schwerdtfeger, Sales Manager und Christian Beirholm, Geschäftsführer und Mitinhaber, über geschäftliche Grundsätze und Visionen der Firma Kentaur.

Christian Beirholm
Christian Beirholm (45) wechselte 1994 nach seinem Studium zum Diplom-Kaufmann und einer kurzen Zeit bei einem dänischen HAKA-Unternehmen zu Kentaur. Seine Aufgabe war damals der Aufbau des Exports, wobei er sich auf Deutschland konzentrierte. Seit 2001 ist Beirholm Mitgesellschafter und neben dem Firmengründer Bernt Dahl Geschäftsführer des Unternehmens. In der Geschäftsführung verantwortet Christian Beirholm die Bereiche Verkauf, Produktentwicklung und Marketing.
Katja Schwerdtfeger
Katja Schwerdtfeger trat bei Kentaur als Vertriebsassistentin ein und stieg schnell zur Vertriebsmanagerin auf. Während dieser Zeit studierte sie parallel am International Business College Kolding und machte hier ihren Abschluss im Bereich Marketing. Nach einem beruflichen Zwischenschritt als Handelsberaterin der Königlich Dänischen Botschaft in Berlin, kehrte Katja Schwerdtfeger 2007 wieder zu Kentaur zurück. Seitdem ist sie als Vertriebsmanagerin mit verantwortlich für das Verkaufsgebiet Deutschland.
Wir sind nicht stark gewachsen, weil wir preiswert sind, sondern weil wir Bekleidung mit Köpfchen machen.
Wir wollen für leichte Berufsbekleidung der bevorzugte Lieferant für Textilserviceunternehmen und für professionelle Partner in Europa sein.
Die Träger haben heute einen größeren Einfluss auf die Spezifizierung der Bekleidung als früher. Das muss der Textilservice berücksichtigen und wir helfen dabei.
WRP: Frau Schwerdtfeger, Herr Beirholm, was war die wichtigste Entscheidung der letzten Jahre für die Entwicklung von Kentaur?

Christian Beirholm: Wir sind von Anfang an auf leichte Berufsbekleidung spezialisiert. Und mit diesem Produktprogramm haben wir uns vor Jahren entschlossen, Kentaur auf den Textilservice zu konzentrieren. Das hat sich nach innen und außen bestens bewährt.

WRP: Warum hat sich das bewährt? Woran sieht man das?

Christian Beirholm: Unsere Spezialisierung durchzieht das Denken der ganzen Firma von der Produktentwicklung über die Beschaffung bis hin zu Marketing und Vertrieb. Wir verstehen unsere Kunden besser und können besser mitdenken. Sie kommen so auf große Ideen und kleine praktische Kniffe, die ohne diese Fokussierung nicht kommen würden. Und das zahlt sich aus. Wir sind erfolgreich bei unseren Bestandskunden und gewinnen neue Kunden und Märkte hinzu.

WRP: Lässt sich das in Zahlen fassen?

Christian Beirholm: Sicher. 2007 haben wir etwa 1 Millionen Teile verkauft. 2012 waren es 2,5 Millionen Teile und für 2017 haben wir uns als mittelfristiges Ziel 3,5 Millionen Teile vorgenommen. Wir sehen gutes Potenzial für Kentaur. Wir wollen für leichte Berufsbekleidung der bevorzugte Lieferant für Textilserviceunternehmen und für professionelle Partner in Europa sein. Da sind wir auf einem guten Weg.

WRP: Kleine Nachfrage, was meinen Sie mit „professionelle Partner“?

Christian Beirholm: Es gibt Marktsegmente, die vom Textilservice nicht gut erreicht werden. Zum Beispiel wird der Restaurantmarkt in manchen Gegenden nicht stark vom Textilservice bedient. Da sind spezialisierte Küchen- und Restaurantausstatter viel stärker. Das sind professionelle Partner, die unsere Produkte vertreiben. Lassen Sie mich aber festhalten, dass wir auch dieses Segment vorrangig über Textilservice bedienen möchten.

WRP: Kentaur ist ein dänisches Unternehmen. Was bedeutet das für den europaweiten Anspruch, „bevorzugter Lieferant für Textilserviceunternehmen und professionelle Partner in Europa“ zu sein?

Christian Beirholm: Wir sind ein dänisches Unternehmen, aber vertriebsseitig europäisch aufgestellt und organisiert. Dänemark ist ein kleines Land, deshalb haben wir schon lange ein stark ausgebautes Exportgeschäft. Unsere Marktorientierung geht nach Süden. Deutschland ist seit etwa 2007 unser wichtigster Markt und macht inzwischen etwa 50 Prozent des Umsatzes aus. Heute kommen die skandinavischen Länder bei uns auf einen Umsatzanteil von etwa 35 Prozent. Die deutschsprachigen Länder und die anderen west- und osteuropäischen Märkte haben zusammen etwa 65 Prozent. Der Export wird bei unserem weiteren Wachstum noch stärker zunehmen, vor allem südlich von Dänemark.

WRP: Gibt es denn dänische Besonderheiten im vertriebsseitig europäisch aufgestellten Unternehmen „Kentaur“?

Katja Schwerdtfeger: Da gibt es schon ein paar Aspekte. Kentaur lernt sehr viel aus der Zusammenarbeit mit den Textilserviceunternehmen und deren Kunden. Für die Produktentwicklung gibt es häufig Fokusgruppen, bei der z.B. ein Krankenhaus mit seinem Textilserviceanbieter und uns die Bekleidungskonzepte optimiert. Das ist direkter und intensiver als in anderen Märkten und führt oft zu praktischen, neuen Lösungen und Erkenntnissen, die uns weiterhelfen. Im Export haben wir auch oft das Gefühl, dass die dänische Art gut ankommt.

WRP: Entwickeln sie die Kentaur-Kollektion für die Träger oder für den Textilservice?

Christian Beirholm: Das Textilserviceunternehmen und die Träger sind bei uns gleich wichtig. Aber wenn die Träger unzufrieden sind, hat das Textilserviceunternehmen ein Problem. Die Träger haben heute einen größeren Einfluss auf die Spezifizierung der Bekleidung als früher. Das muss der Textilservice berücksichtigen und wir helfen dabei.

WRP: Wo sehen Sie die aktuellen Trends in der leichten Berufsbekleidung?

Katja Schwerdtfeger: Generell sehen wir, dass die Bekleidung leichter wird und ein sportlicher Look gut ankommt. Von den Farben her gibt es viel unibunt. Starke Themen sind auch ergonomische Aspekte, Funktionalität und Komfort. Hier spielt das Thema Stretch eine große Rolle, aber auch Tencel wegen des Tragekomforts und anderer guter Eigenschaften.

Christian Beirholm: Wir sind bei der Umsetzung von Trends in unseren Kollektionen zielstrebig, behalten aber immer die besonderen Gegebenheiten des Textilservice im Blick. Die Modelle haben Laufzeiten von etwa zehn Jahren. Unsere Katalogartikel dienen auch als Ausgangspunkt für kundenspezifisch entwickelte Bekleidungskonzepte. Wir nennen dies Kenflex.

WRP: Sie haben vier Kollektionen im Katalog.

Christian Beirholm: Mit unserer leichten Berufsbekleidung bedienen wir verschiedene Marktbereiche, die unterschiedliche Anforderungen haben. Deshalb haben wir eine Kollektion Serving & Food, die vor allem auf die Marktsegmente Gastronomie, Catering und Servicepersonal und generell Lebensmittelhandel abzielt. Die Textilserviceunternehmen im Horeca-Markt haben leider ein stärkeres Augenmerk auf Flachwäsche, aber das gibt für uns ein Zukunftspotenzial. Dann haben wir den großen Markt Care & Kindness, den Gesundheitssektor in all seinen Facetten für leichte Berufsbekleidung. Und schließlich bearbeiten wir den sehr interessanten Bereich Processing Industries, wo wir uns auf die Lebensmittelindustrie und HACCP-Bekleidung konzentrieren. Hier haben wir eine Kollektion am Start, die vom Konzept und von der Funktionalität unschlagbar ist. Ein straffes Programm, aber mit Modellen mit interessanten funktionalen Details, wie zum Beispiel den pull-up Ärmel, der in mehreren europäischen Ländern gebrauchsmustergeschützt ist.

WRP: Und was ist ihr Angebotsbereich Shirts Concept?

Christian Beirholm: Das ist ein sehr interessantes Produktfeld. Wenn es um leichte Berufsbekleidung geht, kommen Polos und T-Shirts überall vor, auch außerhalb der beschriebenen Zielbranchen. Praktisch bei jedem Auftrag sind Shirts dabei. Ein Problem im Markt ist die industriewäschetaugliche Qualität von Polos und T-Shirts. Dieses Problem haben wir schon vor Jahren partnerschaftlich mit der Firma ID, einem der größten europäischen Shirtlieferanten in Europa gelöst. Die leasingtaugliche Produktlinie Prowear haben wir gemeinsam mit ID entwickelt. Seit Anfang 2015 ist daraus eine offizielle Partnerschaft geworden. Wir arbeiten bei Prowear noch enger zusammen und haben mehr Einfluss auf die Produktentwicklung und Warenverfügbarkeit. Wir liefern auch direkt aus dem ID Lager das gesamt Prowear Programm. Für den Textilservice sind wir der bevorzugte Partner von ID.

WRP: Für den Textilservice ist die Wirtschaftlichkeit der Textilien von zentraler Bedeutung. Welche Rolle spielt das in der Produktentwicklung bei Kentaur?

Christian Beirholm: Die Wirtschaftlichkeit unserer Produkte und unseres Services für den Textilservice ist der entscheidende Dreh- und Angelpunkt unserer Entwicklungsarbeit. Hier unterscheiden wir uns von vielen anderen Berufsbekleidungsanbietern.

WRP: Lassen Sie uns das mal etwas ausführlicher besprechen.

Christian Beirholm: Zunächst einmal testen wir alle unsere Modelle auf ihre Beständigkeit in der industriellen Wäsche entsprechend des ISO Standards 15797, bevor sie in den Markt eingeführt werden. Unsere Produkte sollen praxistauglich sein und halten mindestens 80 bis 100 Wäschen, je nach Gewebe und Einsatzbereich. Einige Gewebe geben auch mehr her. Wir merken, dass die Vertragslaufzeiten der Textilserviceunternehmen oftmals länger als 3 Jahre sind, und das müssen wir in unserer Produktentwicklung berücksichtigen.

WRP: Ein großer Kostenfaktor für Lieferanten und für Unternehmen ist die Modellvielfalt. Die Unternehmen und die Träger wollen häufig ihre Individualität auch in der Berufsbekleidung ausdrücken.

Christian Beirholm: Da haben wir zwei großartige Instrumente in den Markt eingeführt. Bewährt und bekannt ist unser Basic Building und neu ist Kenflex. Der Grundgedanke ist bei beiden gleich: auf der Basis eines engen Artikelstammes sollen viele Variationsmöglichkeiten gegeben werden, so dass zum Beispiel ein ganzes Krankenhaus differenziert nach Abteilungen mit einem Grundmodell ausgestattet werden kann.

Ein weiterer Hintergrund ist, dass das Textilserviceunternehmen mit nur einem Anprobesatz für ein Grundmodell arbeiten und damit eine breite Vielfalt an Variationen abdecken kann. Bei den Damenkasacks beispielsweise können mit einem Anprobesatz 52 verschiedene Kasackvariationen abgedeckt werden.

WRP: Bitte erklären Sie kurz das System.

Christian Beirholm: Zunächst ist wichtig, dass unsere Basic Building Modelle alle in Doppelgrößen konzipiert sind. Das halbiert bei unseren Kunden die Lagerhaltung, weil eine Kentaur-Doppelgröße zwei Konfektionsgrößen abdeckt. Weiter bleiben Schnitt und Masstabelle bei allen Varianten gleich. Aber der Kunde kann Farben und Besätze wählen. Wir haben für das Basic Building zwei Grundmodelle: ein Unisex-Modell und ein von uns bezeichnetes Unisex-Damen-Modell. Die große Mehrheit der Berufsbekleidungsträger im Gesundheitssektor sind Frauen. Deshalb ist das variantenreichere unserer Basic Building Modelle vom Grundschnitt her ein Damenmodell.

Wir arbeiten seit 2006 mit Unisex-Artikeln und sehen darin viele Vorteile. Bei den Anprobesätzen gibt es Einsparpotenzial, weil nur noch ein Satz benötigt wird, selbst wenn mehrere Abteilungen mit unterschiedlichen Varianten des Modells ausgestattet oder wenn nach Ablauf eines Leasingvertrages für den neuen Vertrag eine neue Variante des Grundmodells geliefert werden soll. In der Produktion ergeben sich große Vorteile hinsichtlich der Qualitätssicherheit sowohl in der Wäscherei wie auch in der Bekleidungsproduktion. Auch die Beschaffungskos-ten werden positiv beeinflusst.

WRP: Und was leistet Kenflex?

Christian Beirholm: Bei Kenflex bieten wir an, dass sich der Kunde für eines unserer Standardmodelle entscheidet und dann bei Besätzen und Biesen sowie der Grundfarbe wählen kann. Bedingung dabei ist, dass die Besätze und Farben in unserem Katalog sind. Wir ermöglichen unseren Kunden damit eine große Flexibilität zur Individualisierung innerhalb unseres Standardsortiments.

WRP: Und das ist günstiger im Preis?

Christian Beirholm: Basic Building reduziert Kosten bei uns und auch beim Textilservice, da die Kollektionen dadurch sehr straff gehalten und Lagerplätze – sogenannte Stock Keeping Units – eingespart werden können. Wir müssen alle zusammen etwas gegen die steigenden Kosten und ungünstigeren Wechselkurse unternehmen.

Kenflex ist eher ein Service für unsere Kunden. Sie können sich aus unserem Werkzeugkasten an Standardgeweben bedienen und somit dem Endkunden seine Wünsche nach Individualität erfüllen. Die Materialien sind nicht nur getestet und zertifiziert, sondern werden zum großen Teil auch bevorratet. Aufgrund von Losgrößeneffekten können sie kostengünstiger beschafft werden.

WRP: Ist Basic Building Ihre Strategie, um dem Preisdruck bei leichter Berufsbekleidung zu begegnen?

Christian Beirholm: Erstmal muss ich festhalten, dass wir kein Billiganbieter sind. Deshalb beteiligen wir uns auch nicht an allen Ausschreibungen. Wir sind nicht stark gewachsen, weil wir preiswert sind, sondern weil wir Bekleidung mit Köpfchen machen. Wir bieten Lösungen, die ein optimales Preis-/Leistungsverhältnis ermöglichen. Wir nutzen dabei Möglichkeiten der Gestaltung und Effizienzsteigerung, die in der Berufsbekleidung möglich sind. Basic Building ist solch ein Instrument. Dabei geht es nicht zuerst um das Thema Kosten sparen, sondern um die Produkt- und Serviceleistung, die der Kunde wünscht. Klar versuchen wir dann, mit unserem Instrumentarium das Preis-/Leistungsverhältnis für den Kunden zu optimieren.

WRP: Im Kentaur-Katalog wird Basic Building beispielhaft mit Modellen gezeigt, die für ihren Bereich Care & Kindness, das ist der Gesundheitsbereich, gedacht sind. Dieses Marktsegment ist unter besonders starkem Preisdruck.

Katja Schwerdtfeger: Alle Bereiche sind in starkem Ausmaß unter Preisdruck, Gesundheitswesen und Lebensmittelproduktion aber besonders. Für den Gesundheitsbereich – gerade für Krankenhäuser – haben wir aktuell ein besonders preis-leistungsstarkes Konzept in den Markt gebracht. Es ist von der Modellvielfalt ganz straff gehalten, zum größten Teil basiert es auf Basic Building.

Christian Beirholm: Zum Beispiel haben wir bei der Kochbekleidung eine hervorragende, wertige Marktposition. Kentaur ist bei Köchen bekannt wie eine Marke. Der Chef eines dänischen Restaurants beispielsweise, welches seit Jahren zu den weltbesten Restaurants gezählt wird, trägt eine Kentaur Chefjacke. Wir bekommen regelmäßig direkte Anfragen von Chefköchen aus aller Welt. Unsere Position ist hier so stark geworden, dass wir nur für die Bearbeitung dieses Marktsegments über unsere Partner einen spezialisierten Außendienstmitarbeiter einsetzen.

Katja Schwerdtfeger: Wir verarbeiten auch hochwertige Materialien wie zum Beispiel Tencel. Weiter bieten wir Designelemente an, die sehr praktisch sind und sowohl dem Träger wie auch dem Textilservice zugutekommen. Beispielsweise haben wir Jacken, bei denen im Ärmel elastische Schlaufen angebracht sind, um pull-up Ärmel ohne Krempeln zu ermöglichen, wenn es zu warm wird. Wenn die Teile dann zur Pflege in das Textilserviceunternehmen kommen und sortiert werden, muss nicht entkrempelt werden. Diese Funktion haben wir übrigens als Gebrauchsmuster in einigen Ländern schützen lassen.

WRP: Wie haben Sie Ihren Lieferservice gestaltet?

Katja Schwerdtfeger: Die Lieferperformance gehört zu den wichtigsten Bausteinen unseres Geschäftsmodells. Nichts ist ärgerlicher, als mit einem Produkt zu überzeugen und es dann nicht schnell genug oder nicht rechtzeitig liefern oder nachliefern zu können. Das bringt richtig Ärger bei den Kunden und minimiert den Umsatz.

Wir haben unsere Kollektion deshalb hinsichtlich der Verfügbarkeit differenziert. Zunächst haben wir die NOS-Artikel, die immer bevorratet werden. Die anderen Artikel werden hinsichtlich unserer versprochenen Lieferperformance nach A, B, C und D eingestuft. Wir fahren damit ziemlich gut. Die Liefertreue zum Termin liegt sehr hoch, und unsere Kunden wissen, womit sie rechnen können.

WRP: Was ist die Mindestmenge, die man bei Ihnen bestellen kann?

Katja Schwerdtfeger: Alle Artikel im Katalog sind ab 1 Stück lieferbar. Wir haben eine Liste von Top 25 Artikeln aus unserer Eigenproduktion als NOS-Artikel definiert. Hier wurden die Lager hochgefahren, um mit einer höheren Menge eine schnelle Auslieferung zu sichern.

WRP: Wie sieht denn die Produktionsstruktur von Kentaur aus? Wie unterstützt sie die Lieferperformance?

Christian Beirholm: Um unsere Lieferperformance zu sichern, benötigen wir eine verlässliche, flexible und effiziente Produktion. Wir haben ein duales Produktionssetup aufgebaut: die Mehrheit unserer Auslieferungen wird in Polen und Serbien produziert und die Volumenartikel zusätzlich in Fernost.

WRP: Wie sind denn ihre Lieferzeiten?

Christian Beirholm: Zunächst mal haben wir ein großes Servicelager, in dem die Katalogartikel für sofortige Auslieferung vorgehalten werden. Ohne Shirts sind das derzeit etwa 600.000 Teile. Die Bestellungen für Artikel des Shirt Konzepts werden direkt aus dem sehr großen Lager von ID geliefert. Dies sichert ein einzigartige Flexibilität.
Wenn es sich um einen Auftrag handelt, der erst noch produziert werden muss, dann haben wir heute eine fast line, ein schnelles Programm mit vier Wochen Durchlaufzeit und das normale Programm, für welches wir sechs bis acht Wochen veranschlagen. Das ist ein Bereich, in dem wir klar besser werden wollen, um die Verfügbarkeit der georderten Artikel schneller zu machen.

WRP: Wie soll das geschehen?

Christian Beirholm: Ein wichtiges Element ist, gute Vorausplanungen für die benötigten Ressourcen erstellen zu können. Dann können wir zum Beispiel Meterware disponieren, ohne sie aktuell komplett durch Aufträge gedeckt zu haben. Diese Grundidee ist nicht neu und wird praktisch angewendet. Aber es geht darum, dies für Kentaur und Kentaur-Kunden sicherer zu machen und weiter zu treiben. Dafür brauchen wir verlässliche Indikationen und eine gute, transparente Kommunikation mit unseren Kunden. Wir stoßen damit auf Verständnis und die Kunden sind zunehmend bereit, darüber zu sprechen.

WRP: Lassen Sie uns weiter über die Zukunft und Pläne von Kentaur sprechen. Sie sagten bis 2017 wollen Sie 3,5 Mio. Teile absetzen, 1 Mio. mehr als 2013. Das ist eine stramme Wachstumsansage.

Christian Beirholm: Aber wir halten das für ein realistisches Ziel. Der Markt insgesamt wächst. Und wir haben hervorragende Konzepte und Produkte, um die Textilserviceunternehmen in ihrem Wachstum zu unterstützen. Dabei sehen wir vor allem eine engere Zusammenarbeit bei unseren Bestandskunden, aber wir werden auch neue Kunden und Märkte gewinnen.

WRP: Sie wollen aber deutlich stärker als der Markt wachsen….

Christian Beirholm: Wir glauben, dass die Anzahl der Wettbewerber nicht steigen wird. Und wir werden immer besser in der Ausrichtung auf den Textilservice. Wir werden stark an der Optimierung unserer Abläufe arbeiten und dadurch die Effizienz für unsere Kunden weiter erhöhen. Dabei geht es einerseits um die Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung in den Beschaffungsabläufen, aber auch in der Ausrichtung unserer Produktkonzepte. Wir werden uns andererseits stärker mit der Verfahrenstechnik in der Wäscherei beschäftigen, um unsere Produkte genauer darauf auszurichten. Unsere Kunden merken das.

WRP: Wo sehen Sie Probleme für die Zukunft von Kentaur?

Christian Beirholm: Probleme sehen wir generell wenige, da wir unseren Markt und unsere Kunden sehr gut kennen. Eine schon jetzt vorhandene Herausforderung ist es, uns in unserer Rolle als Bekleidungslieferant informiert zu halten. Zum Beispiel über veränderte Prozesse in den Betrieben. Wenn sich ein Element im Sinnerschen Kreis verändert, hat dies oftmals eine Auswirkung auf unser Produkt. Wir möchten sehr gerne noch viel enger mit unseren Kunden an unseren Produkten arbeiten, um sie weiter zu optimieren. Dies erfordert allerdings einen sehr intensiven Kommunikationsaustausch.

WRP: Die Zukunft hat bei Ihnen auch in den Materialien für Marketing und Vertrieb begonnen. Wann gibt es die Kentaur App für Android-Betriebssysteme?

Katja Schwerdtfeger: Mit unserem Katalog und der Kentaur App haben wir uns viel Mühe gegeben. Der Katalog erklärt sehr stark und wird von manchen Unternehmen als Handbuch für den Einkauf angesehen. Die Entwicklung der App hat uns viel gelehrt und sie ist sehr beliebt. Eine Android-Version planen wir für die Texcare 2016 in Frankfurt. Auf diese Messe freuen wir uns schon jetzt sehr.

WRP: Lassen Sie mich abschließend noch nach der CSR-Politik von Kentaur fragen. Was wird da gemacht?

Christian Beirholm: Bekanntlich ist Nordeuropa bei diesem Thema insgesamt sehr weit. Gesellschaftliche Verantwortung gehört auch bei uns zu den Basiswerten unternehmerischen Handelns.

Kentaur sieht es als eine Selbstverständlichkeit an, die Anforderungen zu erfüllen, die der Markt stellt und verfolgt eng die Entwicklung in diesem Bereich. Wir arbeiten mit Lieferanten, die uns ein zertifiziertes Produktportfolio bieten können, wie Ökotex, Blue Sign, Ecolabel etc. Auf der Ebene des Gesamtunternehmens ist Kentaur dem UN Global Compact beigetreten.

Wir haben uns dazu entschieden, als Hersteller und Lieferant unsere Lieferantensteuerung in den Mittelpunkt zu stellen. Wir sind deshalb Teil der Business Social Compliance Initiative, die sich um die Einhaltung von sozialen Standards in einer weltweit ausgelegten Wertschöpfungskette bemühen. Einer unserer Zulieferer arbeitet mit dem SA 8000 Standard, der Mindestanforderungen an ordentliche Arbeitsbedingungen stellt.


Kentaur A/S


Blytækkervej 20
DK-7000 Fredericia
Tel.: +45 7594 1177
Fax: +45 7594 5777
kentaur@kentaur.dk
www.kentaur.dk

Gründungsjahr: 1989
Absatz: 2,5 Mio. Teile
Mitarbeiter: 50

Geschäftsführende Gesellschafter:
Bernt Dahl,
Christian Beirholm

Niederlassungen in Dänemark & Norwegen

Produkte und Dienstleistungen:
Bekleidungskonzepte für leichte Berufsbekleidung im Textilservice

- Bekleidung für den Bereich Pflege/Krankenhaus
- Bekleidung für den Bereich Lebensmittelproduktion und HACCP
- Bekleidung für Hotel, Gastronomie, Catering und Retail
- T-, Polo- & Sweatshirts und Fleecejacken.

Zertifikate und Standards:
UN Global Compact, BSCI, SA8000, Ecolabel EU, Bluesign

Interview aus WRP 06-2015