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Intex

Wir müssen gestalten, novellieren und zeitgemäße Ansätze in die Tarifpolitik einbringen

Intex ist als reiner Arbeitgeberverband im Juni 2013 neu gegründet worden. Wir sprachen mit Claus Dietrich, Präsident ­Intex, und Intex-Geschäftsführer Norbert Knoche darüber, warum man sich neu aufstellte und welche Aufgaben der Verband heute leistet. „Für uns ist die Hauptaufgabe unseres Arbeitgeberverbandes zu gestalten, zu novellieren und zeitgemäße Ansätze in die Tarifpolitik einzubringen“, erklärt Claus Dietrich.

Claus Dietrich
Claus Dietrich wurde am 1. Juli 2013 zum Präsidenten von Intex gewählt. Seit 2003 ist er Mitglied der Intex-Tarifkommission, seit 2004 Tarifführer des Verbandes. Claus Dietrich ist seit dem 1. Juni 1990 Zentralabteilungsleiter Personal und Prokurist der CWS-boco Deutschland GmbH. Er ist 53 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder.
Norbert Knoche
Norbert Knoche ist seit 1. Juni 2014 Geschäftsführer Intex. Mit Gründung der Intex 1999 war Knoche Mitglied der Intex-Tarifkommission, von 2000 bis 2002 Sprecher der Tarifkommission. Am 1. Dezember 2013 nahm er seine Tätigkeit bei der „neuen“ Intex neu auf. Norbert Knoche arbeitete von 1986 bis 2013 als Personalleiter und Finanzverantwortlicher in einem mittelständischen Unternehmen der Textilservicebranche. Seit 1992 ist er ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Göttingen. Norbert Knoche ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat ein Kind.
WRP: Im Jahr 1999 wurde Intex als Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband gegründet. Seit Mitte 2013 konzentriert sich Intex als reiner Arbeitgeberverband auf die Tarifpolitik. Der im Zuge dieser Veränderung neu gegründete Wirtschaftsverband Textil-Service, kurz Wirtex, handelt seitdem als eigenständiger Wirtschaftsverband. Was war damals passiert ?

Claus Dietrich: Als Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband gegründet, musste Intex von Beginn an eine Vielzahl von Interessen bündeln: Die seiner ordentlichen Mitglieder und die seiner Fördermitglieder. Intex-Mitglieder bedienten als Dienstleister verschiedenste textile Märkte. Die Spannweite der Betriebsgrößen reichte vom Konzernunternehmen bis hin zum inhabergeführten kleinen mittelständischen Betrieb. Man kann sich vorstellen, dass allein dies schon eine herausfordernde Aufgabe war, weil sich so unter dem Dach der alten Intex unterschiedlichste Interessen und Ziele versammelten.

Hinzu kam: Die Tarifpolitik war für Intex seit Gründung als Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband schon immer ein exponiertes Aufgabenfeld. Das Thema Tarife rückte allerdings immer mehr in den Fokus der Verbandsarbeit. Es dominierte zum Beispiel die Präsidiumssitzungen und drängte die wichtigen Themen eines Wirtschaftsverbandes in den Hintergrund. Diese Entwicklung hatte natürlich Folgen: Ein nicht unbedeutender Teil der Mitglieder fühlte sich hier mit seinen Interessen nicht mehr optimal aufgehoben. So hatten die Fördermitglieder kein Interesse an Tarifthemen. Aber auch bei den ordentlichen Mitgliedern gab es unterschiedliche Interessen und Ansätze in der Tarifpolitik.

WRP: Also hat man die alte Intex getrennt: In einen selbstständigen Arbeitgeberverband Intex und einen selbstständigen Wirtschaftsverband Wirtex.

Dietrich: Richtig. Intex und Wirtex sind heute zwei völlig eigenständige Organisationen. Intex hat eine eigene Satzung, wir haben eigene Gremien, es entscheidet unsere Mitgliederversammlung, unsere Tarifkommission, unser Präsidium. Während sich die neue Intex als Arbeitgeberverband um die tarifpolitischen Interessen seiner Mitglieder kümmert, agiert Wirtex als Wirtschaftsverband genauso im Sinne seiner Mitglieder. Intex ist Ansprechpartner in allen Tariffragen und alleiniger und selbstständig agierender Verhandlungspartner bei Tarifverhandlungen.

Also: Intex und Wirtex sind formal juristisch zwei völlig getrennte Verbände. Ein Wirtex-Mitglied muss sich nicht sorgen, dass sein Verband sich mit tariflichen Themen beschäftigt.

Es gibt aber die spezielle Situation, dass die tragenden Unternehmen beider Verbände teilweise kongruent sind. Das heißt: Alle Intex-Mitgliedsunternehmen sind auch Mitgliedsunternehmen bei Wirtex. Aber nicht alle Mitgliedsunternehmen bei Wirtex sind auch Mitglieder bei Intex.

WRP: Es wäre damals doch naheliegend gewesen, dass der neu gegründete Wirtschaftsverband den Namen Intex weiter trägt, weil dieser einfach am Markt bekannt ist.

Dietrich: Damit hätte der Wirtschaftsverband die Rechtsnachfolge der alten Intex angetreten. Dies hätte aber zur Folge gehabt, dass alle laufenden Tarifverträge, die die Intex mit der IG Metall abgeschlossen hat, formal hätten neu verhandelt oder übertragen werden müssen. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, ist unser Verband in die Rechtsnachfolge eingetreten und hat den Namen Intex behalten.

WRP: Herr Knoche, am 1. Dezember 2013 übernahmen Sie die Intex-Geschäftsstelle in Frankfurt, seit dem 1. Juni 2014 sind Sie Geschäftsführer des Verbandes. Welche Bindungen haben Sie zur Branche, was reizt Sie an dieser Aufgabe ?

Norbert Knoche: Ich bin seit Jahrzehnten in der Branche Textildienstleistungen tätig. Bereits als Student der Rechtswissenschaft jobbte ich in einer Wäscherei als Servicefahrer und in der Produktion. Nach dem 1. und 2. juristischem Staatsexamen blieb ich der Branche verbunden und arbeitete in einem mittelständischen Unternehmen. Meine dortigen Arbeitsschwerpunkte lagen in den Bereichen Personal- und Finanzmanagement verbunden mit arbeitsrechtlichen Fragestellungen.

Die Bindung an diese Branche besteht darin, dass ich über Jahrzehnte meinen beruflichen Erfahrungshintergrund erweitern konnte und sie in vielerlei Hinsicht sehr gut kenne. Das gilt auch für die Verbandsarbeit, die ich schon vor der Intex-Gründung im Jahr 1999 beim Deutschen Textilreinigungs-Verband mit gestaltete, später dann bei Intex. Bereits bei meiner vorherigen Tätigkeit habe ich mich über zwölf Jahre in der Tarifarbeit engagiert. Von 2000 bis 2002 war ich Sprecher der Tarifkommission. Mir gefällt die Lebendigkeit und Vielfalt der Verbandsarbeit und die Moderation zum Erreichen gemeinsamer Ziele.

WRP: Welche Aufgaben nehmen Sie als Geschäftsführer Intex war ?

Knoche: Die Geschäftsführung beinhaltet die Leitung und Aufgabenwahrnehmung der Intex-Geschäftsstelle. Vorrangig bin ich für unsere Mitgliedsunternehmen Ansprechpartner im Aufgabenbereich Tarifwesen, insbesondere Tarifvertragswerk. Darüber hinaus gehören zu meinem Tätigkeitsspektrum alle Aufgaben, die in einem Verband zu erledigen sind: Einnahmen, Ausgaben, Budgetierung, Rechnungskontrolle, Sekretariatsarbeit, Sitzungskoordination, -organisation und -durchführung für Präsidium, Tarifkommission und Mitgliederversammlung etc.

WRP: Die heutige Konstruktion mit Wirtex als Wirtschaftsverband und Intex als Arbeitgeberverband ähnelt der des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes mit der Tarifpolitischen Arbeitsgemeinschaft Textilreinigung, kurz Tatex.

Dietrich: Das ist richtig. Der Unterschied besteht darin: Tatex ist eine Tarifgruppe innerhalb des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes, Intex hingegen ist ein eigenständiger Verband, der mit eigenem Profil eine Reihe von Aufgaben erfüllt.

WRP: Welchen Themen nimmt sich die neue Intex als Arbeitgeberverband an, welche Ziele werden verfolgt ? Was steht ganz oben auf der Agenda ?

Dietrich: Es ist wichtig, dass diese Branche weiterhin ihre eigenen Tarife verhandeln kann. Und das werden wir auch in Zukunft als ein starker Verhandlungspartner tun. Wir setzen uns dafür ein, dass die gesetzlichen und tariflichen Rahmenbedingungen für die Branche erhalten und verbessert werden. Intex ist der Ansprechpartner für Sozialpartner, wir werden als Verband aktiv die Sozialpolitik mitgestalten. Damit sind unsere Aufgaben klar definiert: die Bekämpfung der Schwarzarbeit, Demographiethemen sowie Aus- und Weiterbildung. Unverzichtbar ist daher das Lobbying in Politik und Verwaltung sowie die Einflussnahme auf die Arbeits- und Sozialgesetzgebung.

Knoche: Wenn Sie nach einem aktuell wichtigen Thema auf der Intex-Agenda fragen: In diesem Jahr steht die nächste Tarifrunde an. Es gibt Tarifverträge, die zum 30. Juni 2015 auslaufen, weitere die zum 30. Juni 2015 gekündigt werden können. Daraus ergeben sich neben den jeweils anstehenden Tarifverhandlungen unterjährige Daueraufgaben. Gegenwärtig sind 14 Tarifverträge in Geltung. Dabei sind Tarifverträge, die aus den 1970er und 1990er Jahren stammen. Es sind beispielsweise im Lohn- und Gehaltstarifvertrag Tätigkeitsbeschreibungen aus dem Jahr 1975 formuliert. Einige dieser Tätigkeiten werden schon seit vielen Jahren nicht mehr in den Betrieben ausgeübt. Zusammen mit unserem Tarifpartner werden diese Verträge entsprechend bearbeitet, aktualisiert und modernisiert. Es ist eine Aufgabe, die man zwischen den Tarifverhandlungen leisten muss, weil sie komplex, intensiv und umfangreich ist.

Dietrich: Zuständig dafür ist eine Arbeitskommission, die im Jahr 2011 im Rahmen eines Tarifabschlusses eingerichtet wurde. Dieser Kommission gehören vier Vertreter der Intex und vier Vertreter der IG Metall an. Sie hat die Aufgabe, zwischen den Tarifverhandlungen Gremienarbeit zu leisten. Auf der Agenda steht unter anderem die erläuterte Neuordnung der Lohn- und Tarifbeschreibungen. Die Kommission verrichtet hier exzellente Arbeit.

Eine weitere interne Intex-Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit Unklarheiten im Manteltarifvertrag. Es gibt Auslegungsthemen, die im Wording einfach schlecht formuliert sind. Diese werden juristisch eindeutig gefasst.

Parallel dazu sind wir auf der politischen Ebene aktiv. Wir haben aktuell gemeinsam mit der IG Metall das Sozialtestat neu geordnet. Intex hat außerdem mit der IG Metall einen Schlichtungsausschuss vereinbart, der zum Beispiel bei Streitigkeiten, die aus Auslegungsfragen resultieren, aktiv wird. Und wir sind natürlich als Arbeitgeberverband daran interessiert, beim Bündnis gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung und der weiteren Ausgestaltung des Mindestlohns mitzuwirken und Einfluss zu nehmen. Übrigens haben wir uns schon vor Jahren erfolgreich für einen allgemeinverbindlichen Branchenmindestlohn zum Schutze der tariftreuen Unternehmen eingesetzt. Das ist ein hervorragendes Beispiel für erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Deutschen Textilreinigungs-Verband und der IG Metall.

WRP: Wie meistert intex diese Herausforderungen ?

Knoche: Unsere Mitglieder unterstützen uns tatkräftig. Zum Beispiel stellen sie fachkompetente Mitarbeiter für die Gremienarbeit zur Verfügung. Auch die Mitglieder des Intex-Präsidiums unterstützen, bringen sich ein und sind in verschiedenste Themen aktiv eingebunden. Das Intex-Präsidium ist sehr engagiert, entsprechend macht die Arbeit als Geschäftsführer sehr viel Spaß. Das sind gute Voraussetzungen als Arbeitgeberverband tatkräftig und professionell aufgestellt zu sein.

WRP: Arbeitet man mit anderen Verbänden zusammen ?

Dietrich: Wir sind zur Zeit in keinem Arbeitgeberdachverband vertreten. Allerdings arbeiten wir sehr konstruktiv mit anderen Verbänden zusammen.

WRP: Wenn wir noch einmal zurückblicken: Vor dem Neustart hatte Intex zusammen mit dem Deutschen Textilreinigungs-Verband eine Fusion angestrebt. Das Ziel war schon im Blick, nämlich der Gesamtverband Textil Service (GVTS). Bekanntlich konnte die Fusion damals doch nicht realisiert werden. Ist dieses Thema damit komplett vom Tisch ?

Dietrich: Grundsätzlich existieren auch nach der gescheiterten Fusion keine Berührungsängste zwischen den Verbänden. Es findet zwischen Intex und dem DTV auf allen Ebenen und zu allen Themen ein regelmäßiger und konstruktiver Gedankenaustausch statt.

WRP: Man hat versucht, aus Intex und DTV einen gemeinsamen Verband zu machen, das hat nicht funktioniert. Jetzt ist noch Maxtex dazugekommen. Wie passt das zusammen ?

Dietrich: Das verstehen viele in der Branche nicht, ich ganz ehrlich auch nicht. Meine ganz persönliche Meinung: Es war bereits 1999 keine gute Entscheidung, eine überschaubare Branche in zwei Dachverbände intex und DTV aufzuspalten. Rückblickend betrachtet hätte man damals die Herausforderungen unter einem gemeinsamen Dachverband gut lösen können. Für mich wäre das der bessere Weg gewesen.

WRP: Ein Ausblick auf Intex in zehn Jahren: Welche Ziele will man erreichen, wofür wird Intex dann stehen ?

Dietrich: Ich würde gerne ein Tarifwerk für die gesamte textile Dienstleistungsbranche unter einem einheitlichen Dach sehen. Das ist ein klares Ziel, aber es ist eine schwierige Aufgabe. Ich habe Zweifel, dass dieses Ziel in naher Zukunft erreicht werden kann. Aber es gibt überhaupt keine Zweifel, dass ein einheitliches Vertragswerk notwendig ist, wenn wir in unserer Branche auch in Zukunft am Standort Deutschland erfolgreich sein wollen.


Mitglieder bei Intex


Ahrens Textil-Service, Elmshorn
Alsco Berufskleidungs-Service, Köln
Bardusch, Ettlingen
Berendsen Textilservice, Glinde
CWS-boco Deutschland, Dreieich
Initial Textil Service, Köln
Kuntze & Burgheim Textilpflege, Hannover
Mewa Textil-Service, Wiesbaden
Walter Greif, Augsburg
Wulff Textil-Service, Kiel

Interview aus WRP 01-2015