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Cinet – Internationaler Dachverband der Textilpflege

Mit Kommunikation und Projekten bringen wir Schwung in die Branche

Cinet (Comité International de l`Entretien du Textile) versteht sich als internationaler Dachverband für die gesamte Textilpflegebranche. Mitglieder sind nationale Verbände, Textilpflegeunternehmen, Institute und Zulieferer. In den letzten Jahren hat sich der Verband, der in Ophemert, Niederlande, sein Büro hat, zu einer internationalen Kommunikations- und Wissensplattform entwickelt. Die Textilpflege wird als Zukunftsbranche mit vielversprechenden Erfolgspotenzialen gesehen. WRP sprach mit Präsident und Geschäftsführer Peter Wennekes über Aktivitäten und Pläne.

Peter Wennekes
Peter Wennekes hat eine Ausbildung an der HEAO in Utrecht (NL) und nachfolgend ein Marketingstudium zum IBW genossen. Dort machte er sein Diplom NIMA-C. Zunächst arbeitete Wennekes als Dienstleister für die Textil- und Bekleidungsindustrie. Dabei standen Marketing und PR-Aufgaben im Vordergrund. Seit 2004 führt er die niederländischen Textilpflegeverbände FTN für Wäschereien sowie Textilservice und den holländischen Textilreinigerverband NETEX (1997). 2005 wurde er von den Cinet-Mitgliedern zum Geschäftsführer bestellt.
Erstmal ist festzuhalten, dass die Textilpflege zunehmend nachgefragt wird und der Markt insgesamt sehr deutlich wächst.
Die Reinigungsbranche befindet sich in einem Umbruch in Westeuropa. Gleichwohl gibt es viele erfolgreiche Textilreinigungs- unternehmen mit profitablen Geschäftsmodellen.
Sicher ist, dass die Branche ihren Kern verschiebt von der Textilpflege als Produktion hin zur komplexen Dienstleistung für Kunden.
WRP: Herr Wennekes, Sie sehen die Textilpflege als Zukunftsbranche mit guten Entwicklungsmöglichkeiten. Viele Personen und Unternehmen in der Branche sind da deutlich skeptischer, und in der Gesellschaft ist das Image der Branche eher glanzlos.

Peter Wennekes: Das ist aber nicht nötig. Erstmal ist festzuhalten, dass die Textilpflege zunehmend nachgefragt wird und der Markt insgesamt sehr deutlich wächst. Dabei verändert er sich allerdings und das müssen wir nicht nur akzeptieren und verstehen, sondern auch gestalten. Da gibt es große Potenziale. Viele traditionelle Geschäftskonzepte kommen in die Defensive, doch die Entwicklungsmöglichkeiten sind groß.

WRP: Aber sie sind nicht gleich verteilt. Die Textilpflegebranche wächst zwar insgesamt, aber beispielsweise Textilreiniger haben es in Europa schwerer als Textilserviceunternehmen.

Peter Wennekes: Die Reinigungsbranche befindet sich in einem Umbruch in Westeuropa. Gleichwohl gibt es viele erfolgreiche Textilreinigungsunternehmen mit profitablen Geschäftsmodellen. Wir müssen Textilpflege vom Markt her verstehen, nicht vorwiegend aus der Perspektive des erlernten Handwerks. Wir brauchen einen Perspektivenwechsel, dann werden sofort neue Möglichkeiten ins Auge fallen. Ich halte viel davon, die klassische Segmentierung der Branche in Reiniger und Wäscher in den Hintergrund treten zu lassen. Vielmehr müssen wir uns mit Textilpflege und Textilmanagement für Verbraucher beziehungsweise Privatleute einerseits und Unternehmen und Institutionen andererseits beschäftigen. Ob da im unternehmerischen Einzelfall mehr Reiniger- oder Wäschereileistungen oder Textilmanagement benötigt wird ist eine Frage der konkreten Unternehmenskonzeption und Marktbearbeitung.

WRP: Was ist dabei die Rolle von Cinet?

Peter Wennekes: Cinet erarbeitet Wissen über erfolgreiche Verfahrensweisen in der Textilpflege und erfolgreiche Geschäftsmodelle bei den Kunden. Außerdem wird die Diskussion und die Übertragung erfolgreicher Modelle auf die Praxis ermöglicht. Das erfolgt einerseits durch viele Projekte, die wir anstoßen und begleiten und andererseits durch einen permanenten Austausch zwischen Verbänden, Unternehmen und Experten. Uns geht es darum, die Leistungsfähigkeit und das Image der Textilpflegebranche entscheidend zu verbessern.

WRP: Lassen Sie uns beim ersten Schritt, dem Aufbau von Wissen, konkret werden. Was macht Cinet da?

Peter Wennekes: Aktuell schaffen wir eine umfassende Datenbasis mit unserem Projekt: The World of PTC, also die Welt der professionellenTextilpflege. Zuerst haben wir den Stand der Technik und der besten Verfahren für Reinigungen und Wäschereien auf etwa 370 Seiten erarbeitet. Dabei standen die Themenkreise Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit durch Verfahren und Technologien im Vordergrund. Das wurde 2013 veröffentlicht als Band 1 der World of PTC.

In diesem Jahr kam Band 2 dazu. In diesem Band geht es um die Beschaffenheit der Märkte und ihrer Segmente von Deutschland bis China. Nicht nur Marktdaten interessieren uns, sondern auch erfolgreiche Geschäftsideen und -konzepte. Marktcharakteristika und Trends heißt der Untertitel dieses umfangreichen Werks mit 430 Seiten Umfang. Aktuell arbeiten wir an dem dritten Band, der sich mit Innovationen in der Textilpflege und im professionellen Textilmanagement beschäftigt. Alles wird auf einer digitalen Datenbank abgelegt und über eine Webseite zugänglich gemacht werden. Wir haben eine internationale Datenbasis geschaffen über alle heute wesentlichen Textilpflegeverfahren und alle wichtigen Märkte. Das ist kein abstrakter Überblick, sondern es wird sehr konkret auf die wichtigen Märkte im Sinne von Ländern wie zum Beispiel Frankreich oder Japan aber auch auf Dienstleistungen eingegangen. Wer etwas über die neuesten Trends in der Bereitstellung und Pflege von PSA wissen will, der findet bei uns genauso eine informative Ausgangsbasis wie derjenige, der etwas über neue Geschäftsideen für kleine Reinigungen und Wäschereien erfahren möchte.

WRP: Wie haben Sie das geschafft? Cinet ist doch kein Riesenverband.

Peter Wennekes: Wir haben zwar nur einen kleinen Apparat, aber eine gute, lebendige internationale Struktur. Cinet besteht derzeit aus circa 70 Mitgliedern, davon sind mehr als 30 nationale Verbände und wissenschaftliche Institute. Und wir werden weiter wachsen. Diese Struktur allein ermöglicht schon eine internationale Kommunikation und Wissenssammlung. Aber auch die Zulieferer, die bei uns Mitglieder sind, sind international orientiert. Darüber hinaus unterhalten wir ein großes Netz von mehr als 150 Verbindungspersonen, wir nennen sie Liaisonen, die nur teilweise Mitglieder sind. Manche arbeiten sehr regelmäßig mit uns und berichten aus ihren Heimatmärkten oder Spezialgebieten. Sie haben wir zu Liaison-Officers ernannt. Unser weltweites Informations- und Kommunikationsnetzwerk liegt bei deutlich mehr als 1.500 Personen, Institutionen und Unternehmen. Und dieses Netz haben wir motivieren können, bei der weltweiten Zusammenstellung von Wissen mitzuhelfen.

WRP: Cinet hat aber nicht nur Wissen zusammengetragen und verfügbar gemacht, sondern auch selbst Wissen erarbeitet.

Peter Wennekes: Es gibt grundsätzliche Fragestellungen, die für die Branche wichtig sind, aber bisher nicht angefasst wurden. Beispielsweise haben wir nachgewiesen, dass die industrielle Wäscherei zwei- bis dreimal nachhaltiger ist als die Wäsche in privaten Haushaltswaschmaschinen. Das konnten die industriellen Wäschereien und Textilserviceunternehmen bis dahin nicht klar beweisen. Aber es ist ein ganz wichtiges Argument, weil die wichtigsten Wettbewerber für die industrielle Wäscherei die Waschmaschinen der Mitarbeiter sind. Wir hatten deshalb 2010 ein Forschungsprojekt initiiert und begleitet, welches industrielle Wäsche und Haushaltswäsche miteinander verglich, zum Beispiel bezüglich des Energieeinsatzes. Dabei konnte gezeigt werden, dass bei gleichem Pflegeergebnis die industrielle Wäscherei zwei- bis dreimal effizienter und ressourcenschonender arbeitet. Das haben wir schon 2010 gemacht.

WRP: Haben Sie auch ein Beispiel für Reinigungen?

Peter Wennekes: Da haben wir zum Beispiel Solvetex, ein ständig fortgeführtes Projekt zum Vergleich der Lösemittel hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit. Das ist besonders wichtig, weil das Lösemittel PER in vielen Ländern schwer unter Druck ist und die Unternehmen nach Alternativen suchen. Beispielsweise wird PER in Frankreich derzeit durch politische Beschlüsse soweit eingeschränkt, dass es fast vollständig durch andere Lösemittel ersetzt werden muss. Was sollen die Kollegen nun einsetzen? Wir haben unabhängig von den Lieferanten die Lösemittel und Verfahren wissenschaftlich und praktisch miteinander verglichen und sind zu klaren Ergebnissen gekommen. Zuletzt haben wir die Nachhaltigkeit der verschieden Nassreinigungsverfahren vergleichend analysiert und als Solvetex IV veröffentlicht. Das hilft unseren Mitgliedern und den Interessenten an Reinigungsverfahren, die Stärken und Schwächen auszumachen und sich zu entscheiden.

WRP: Bei vielen Studien muss man sich die Methode anschauen, um die Ergebnisse einschätzen zu können.

Peter Wennekes: Unsere Studien, auch die Solvetex-Analysen, sind unabhängig erstellt und nicht von dem einen oder anderen Lösemittelanbieter abhängig. Das ist in der Branche auch bekannt und wird geschätzt.

Aber lassen Sie mich einen ganz anderen Punkt betonen: Wir müssen herausstellen, dass die professionelle Textilpflege zwei bis dreimal besser und nachhaltiger ist als die private Textilpflege. Die großen Marktpotenziale liegen B to C wie auch B to B in den selbst pflegenden Haushalten und Unternehmen. Unterschiede in der Wirksamkeit der Lösemittel sind viel weniger entscheidend.
WRP: Soweit zur Wissensdatenbank bei Cinet. Was macht Cinet nun mit dem Wissen?

Peter Wennekes: Wissen um des Wissens willen ist nicht unser Ziel, sondern wir wollen die Branche unterstützen und verbessern. Wir machen deshalb zweierlei: Erstens erarbeiten wir zusammen mit Mitgliedern und Branchenkennern Leitlinien, Industriestandards und mustergültige Verfahrensweisen, die so genannten Best Practices. Zweitens tragen wir die gewonnen Erkenntnisse in die Branche hinein, um möglichst vielen Verbänden und Unternehmen praxisnahe Unterstützung zu geben.

WRP: Was meinen Sie mit der Entwicklung von Leitlinien und Industriestandards?

Peter Wennekes: Wir bemühen uns zum Beispiel um einen internationalen Standard für mustergültige Verfahren für sichere und nachhaltige Textilpflege. Ein entsprechendes Dokument: International Standard Best Practices in Safe and Sustainable Professional Textile Cleaning wurde von zahlreichen internationalen Branchenvertretern anlässlich der Texcare 2012 unterzeichnet. Zu den Leitlinien gehört, dass wir Pflegeverfahren proklamieren, welche den Lebenszyklus der Textilien klar verlängern, möglichst wenig Umweltressourcen verbrauchen und die Gesundheit der Mitarbeiter und Kunden schützen.

Das ist ja nicht überall auf der Welt gleich gut gemacht. Auch die Rahmenbedingungen sind unterschiedlich. Hätte es beispielsweise in Frankreich 1990 eine 2. BImschV gegeben wie in Deutschland, dann hätte die französische Textilreinigungsbranche früher und entschiedener an Umweltschonung und niedrigen Emissionswerten gearbeitet. Dann müsste dort jetzt nicht PER weitgehend substituiert werden. Die deutsche Reinigungsbranche bleibt weit unter den in Europa vorgeschriebenen Emissionswerten, weil sie dazu gezwungen wurde, sicherer und umweltschonender mit PER zu arbeiten. Gleiches gilt für die Niederlande und andere Länder. Aber nicht für Frankreich, Russland, Serbien, Ungarn, China und so weiter.

WRP: Das heißt Cinet hilft, hohe Standards für sichere und nachhaltige Textilpflege in diesen Ländern zu verbreiten?

Peter Wennekes: Wir haben solche Standards und Leitlinien überhaupt erst einmal formuliert und setzen uns dafür ein. Wir kümmern uns dabei nicht um alle Länder in der Welt, aber gerade in Russland und China sind entsprechende nationale Branchenverbände unsere Mitglieder. Wir unterstützen ihre Projekte, um die Industrie sicherer und nachhaltiger zu machen. Für entsprechende Initiativen interessieren sich aber auch europäische Mitgliedsverbände.

WRP: Haben Sie auch ein Beispiel für wissensbasierte Cinet-Projekte in Westeuropa?

Peter Wennekes: Für die Wäschereibranche sind wir an einem EU-Projekt maßgeblich beteiligt, bei dem es um neue Verfahren für die Herstellung beziehungsweise Wiederherstellung von Schutzfunktionen bei Textilien geht. Also zum Beispiel beim antimikrobiellen Schutz durch entsprechend ausgerüstete Arbeitsbekleidung. Es heißt: Wash & Load, weil die Idee ist, den Schutz im Waschverfahren punktgenau aufzuladen. Das ist in zweierlei Hinsicht neu: Zum einen ist die genaue Steuerung der Schutzfunktion ressourcenschonender als bisherige Verfahren. Zum anderen, und das kann hoch interessant sein: Vielen Wäschereien wird eine zusätzliche Dienstleistung an die Hand gegeben, über die sie bis dato nicht verfügen können. Das Projekt eröffnet also neue Geschäftsmöglichkeiten und stärkt die Rolle der Wäschereien gegenüber Kunden und Lieferanten. Es wurde gerade abgeschlossen und läuft nun als Pilot in einem mittelgroßen, niederländischen Textilserviceunternehmen. Wir wollen mit Wash & Load anregen, an zusätzlichen Funktionen zu arbeiten, die in der Wäscherei geschaffen werden können. Sauber ist die Grundeigenschaft, aber es geht auch mehr.

Ein anderes Beispiel ist unser Konzept zur Sanierung von Umwelt-Altlasten der Branche. Das übersteigt in der Regel die Möglichkeiten des verursachenden Textilpflegebetriebes, wenn er überhaupt noch existiert. Hier haben wir einen korporativen Weg für die Branche und die Gesellschaft mitentwickelt wie er zum Beispiel in Belgien und den Niederlanden gegangen wird.

WRP: Cinet arbeitet also an der Vergangenheitsbewältigung und an aktuellen Verbesserungen der Textilpflegebranche. Ihr Optimismus für die Branche ist aber vor allem durch einen Blick in die Zukunft begründet.

Peter Wennekes: Selbstverständlich. Das ist für mich fast das Wichtigste, weil es uns Ideen für die Entwicklung von Erfolgspotenzialen gibt. Unsere World of PTC beschreibt Trends, die in die Zukunft weisen. Außerdem haben wir intensiv an einer sogenannten FTN Roadmap 2030 für den Textilservice gearbeitet, welche Marktanforderungen und Technikentwicklungen der Zukunft bis 2030 beschreibt.

Sicher ist, dass die Branche ihren Kern verschiebt von der Textilpflege als Produktion hin zur komplexen Dienstleistung für Kunden im Sinne der Versorgung mit wiederaufbereiteten Textilien am Ort des Bedarfs. Teilweise wird es auch ein selbstständiges Textilmanagement durch den Serviceanbieter im Rahmen eines Budgets geben. Das wird total spannend. Die wichtigsten Entwicklungsstränge, die wir verfolgen und verschmelzen müssen sind die Anforderungen der Kunden in den jeweiligen Marktsegmenten. Dabei werden Hygiene und Komfort eine viel stärkere Rolle spielen als heute. Die Textilien werden viel differenziertere Funktionen haben als heute und deshalb spezifischere Nachfrage ermöglichen. Die Wiederaufbereitung wird stärker von Nachhaltigkeit und Automation geprägt sein und die Logistik wird einen viel höheren Stellenwert haben. Es wird viel mehr Roboter geben, die Arbeitswelt in den Wäschereien wird sich stark verändern und kundenspezifische Dienstleistungen werden durch Robotik und EDV ökonomisch machbar. Es steigt die Produktivität, aber auch die Kapitalintensität. All das wird mit Informations- und Kommunikationstechnik unterlegt und begleitet werden. Ein riesiges Potenzial, welches sich für die Branche und die Unternehmen auftut, weil sich all diese globalen Entwicklungstrends in den spezifischen Märkten und Regionen unterschiedlich konkretisieren werden. Sie verstehen jetzt vielleicht auch, warum wir unseren dritten Band der World of PTC dem Thema Innovationen widmen.

WRP: Wie kommt das Wissen in die Branche und zu den Kunden?

Peter Wennekes: Da haben wir viele Wege und entwickeln ständig neue Kanäle. Ganz wichtig sind mir unsere Lehr- und Trainingsangebote. Wir stellen online Lehrgänge für industrielles Waschen „E-Industrial Laundry“, Reinigung im Nassverfahren „E-Wetcleaning“, und für die chemische Reinigung „E-Dryclean“ zur Verfügung.

Ausgangspunkt dieser Angebote war ein Leonardo Da Vinci-Projekt der EU für die Textilreinigungsbranche, welches wir damals mit einer Reihe von Partnern, unter anderem dem DTV, durchgeführt hatten. Es werden dadurch verständliche, praxisnahe Materialien für die Ausbildung von Textilreinigern im Internet zur Verfügung gestellt werden.

Cinet aktualisiert die Inhalte der Module und vergibt Zertifikate an erfolgreiche Absolventen der Kurse. Mittlerweile wird E-Dryclean in vielen Sprachen angeboten und sehr gut angenommen. E-Industrial Laundry ist vor Kurzem fertiggestellt worden und wird gerade unter anderem ins Französische, Deutsche und Russische übersetzt. Zusätzlich zum E-Learning bieten wir auch themenspezifische Workshops und Trainingsprogramme an. Cinet hält es für wichtig, diese Training- und Lernhilfen bereitzustellen, weil das offizielle Angebot für die Ausbildung von Wäscherei- und Reinigungsmitarbeitern in vielen Ländern lückenhaft ist.

In diesen Ausbildungstools sind übrigens die Standards von Best Practices hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit verankert. Wer aufgrund eines E-Learning Kurses zertifiziert wird, der weiß was musterhafte Verfahren in der Textilpflege sind. Das heißt, wir verankern die Standards und Leitlinien für nachhaltige und sichere Textilpflege in unseren Ausbildungsmaterialien und machen sie zur Basis für die persönlichen Zertifikate der Absolventen.

WRP: In Deutschland gibt es in einigen Gegenden nicht genug Auszubildende, um eine Klasse zu rechtfertigen. Dann sind die E-Learning Materialien sicher eine gute Lösung.

Peter Wennekes: Es geht einfach darum, den Ausbildungsstand der Mitarbeiter zu verbessern und dafür leicht zugängliche Materialien bereitzustellen. Die Flexibilität des Internets hilft auch Seiteneinsteigern oder Personen, die sich neben der Arbeit oder sogar während der Arbeit weiterqualifizieren wollen. Und ein höheres Ausbildungsniveau ist für die Branche sehr hilfreich.

WRP: Was ist mit den Cinet-Konferenzen? Die sollten doch eine große Multiplikatorwirkung haben.

Peter Wennekes: Konferenzen sind für uns sehr wichtig. Sie sind sehr wirksam, weil viele engagierte Personen gleichzeitig erreicht werden und wir eine Community bilden können, die sich mit all ihren Erfahrungen austauscht. Wir veranstalten viele internationale Konferenzen oder sind Programmpartner. Dabei sind wir manchmal auch Geburtshelfer. Zuletzt haben wir Anfang November den CEE-TEX Summit, eine neue Plattform für die zentral- und osteuropäische Textilpflegebranche mit initiiert und inhaltlich gestaltet. Die Konferenz fand in Ungarn statt und wurde zusätzlich von Delegationen aus Polen, Serbien, Tschechien, Slowakei und einigen anderen Staaten der Region besucht. Wir haben außerdem Konferenzen zur Expodetergo in Italien, der Jetexpo in Frankreich, der Clean in den USA, der Texcare Asia in Shanghai, der Texcare Russia in Moskau und weitere gestaltet oder mitgestaltet.

Wir machen aber auch Informationsveranstaltungen zu Spezialthemen. Im September organisierte Cinet in Köln eine internationale Konferenz zur Sanierung von verseuchtem Grund und Boden und im Dezember werden wir in Holland unser jährliches Symposium zu Zukunftsaspekten der Textilpflege abhalten. Konferenzen eignen sich bestens, um den aktuellen Stand des Wissens und Trends vorzustellen und zu diskutieren und um Erfahrungen auszutauschen.

WRP: Bei der Expodetergo hat Cinet erstmals europäische Preise für Best Practices in der Textilreinigung vergeben. Warum?

Peter Wennekes: Mit dem European Award Best Practices können wir besonders erfolgreiche Betriebe herausstellen und der Branche und ihren Kunden zeigen, dass in der Textilpflege ausgezeichnete Unternehmer arbeiten. Wir haben den Preis erstmalig vergeben. Er war schon allein deshalb erfolgreich, weil er zu zahlreichen Anfragen von Unternehmen geführt hat, wie sie sich in Puncto Nachhaltigkeit und Sicherheit verbessern können. Der Preis hat drei Themenkreisen Öffentlichkeit verschafft: Erstens den ausgezeichneten Unternehmen als Vorbilder für die Branche, zweitens den Themen Nachhaltigkeit und Sicherheit und drittens der Verbesserung des Images der Branche. Die professionelle Textilpflege wird in der Öffentlichkeit unterschätzt und daran wollen wir mit diesem Preis arbeiten.

WRP: Die WRP freut sich, dass der von uns nominierte Betrieb Goldstück-Textilpflege unter den drei prämierten Unternehmen war. Wir hatten die Firma benannt, weil sie 2013 unseren WRP Star bekommen hatte.

Peter Wennekes: Es waren 30 Unternehmen aus zehn Ländern von unseren Mitgliedern und befreundeten Fachmagazinen nominiert worden. Die zehnköpfige Jury war international und bestand aus Fachjournalisten und unabhängigen Experten. Es war ein guter Start und wir werden den Preis weiterführen. Er hilft der Branche, leuchtende Beispiele und ihre Leistungen sichtbar zu machen. Ich muss mich hier bei den Sponsoren bedanken, die uns das ermöglicht haben, ohne Teil der Jury sein zu wollen.

WRP: Konferenzen und der European Award sind vermutlich die lebendigsten Kommunikationsmittel von Cinet. Wie sehen denn Butter und Brot in der Kommunikation von Cinet aus?

Peter Wennekes: Da müssen wir jetzt sicher nicht ins Detail gehen. Nur ganz grob: wir haben eine gerade neu strukturierte Webseite mit der Adresse www.cinet-online.net frei gegeben, die in ihren Inhalten ständig aktualisiert wird. Wir versenden vierzehntägig Newsletter, aber nur an Abonnenten. Wir geben regelmäßig Pressemitteilungen heraus und kooperieren mit zahlreichen Fachmagazinen. In der WRP beispielsweise gestalten wir pro Ausgabe eine Seite und informieren die deutsche Textilpflegebranche über unsere Aktivitäten. Soweit die regelmäßigen Kommunikationsangebote. Darüber hinaus ergeben sich ständig Projekte zu denen wir ein Editorial oder Fachbeiträge beisteuern.

WRP: Abschließend verraten Sie uns bitte, was Cinet 2015 vorhat.

Peter Wennekes: Wir haben sieben internationale Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen wie zum Beispiel Marketing und PR oder Research und Technology eingerichtet, die sich 2015 entfalten sollen. Wir wollen auch mehr Workshops anbieten, um mit unseren Ideen und Vorschlägen noch praktischer zu werden und konkreter den Unternehmen helfen zu können. Im Rahmen der Clean 2015 in Atlanta werden wir eine Konferenz organisieren und verschiedene andere Meetings als Programmpartner begleiten. Thematisch konzentrieren wir uns gerade auf Innovationen in der Textilpflege. Die Unterstützung unserer Mitglieder und der Ausbau von Training, Aus- und Weiterbildung liegt uns besonders am Herzen. Und dann arbeiten wir an einer Image-Kampagne, welche die Vorzüge und Bedeutung der Textilpflegebranche gegenüber der Öffentlichkeit, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft herausstellen wird. Es gibt viel zu tun, damit die Branche die Chancen nutzen kann, die sich bieten.

WRP: Vielen Dank für dieses ­Gespräch.


Die Welt der Professionellen Textilpflege


Mit der Buchreihe „The World of PTC“ (Die Welt der professionellen Textilpflege) trägt Cinet das derzeitige Wissen der Branche zusammen.

Band 1 (Technik und Organisation) behandelt auf über 370 Seiten Pflegeverfahren und Organisationsformen von Wäschereien, Textilservice und Textilreinigungen. Zu den Themen zählen unter anderem
- die Geschichte der Textilpflege und des Textilservice
- Prinzipien der Nachhaltigkeit
- heutiger Stand der Technik in der Textilpflege
- vorbildliche Verfahrensweisen (Best Practices)

Band 2 (Markt) befasst sich auf 430 Seiten mit den Märkten der Welt sowie mit speziellen Marktsegmenten. Kern des Buches sind Profile aller wesentlichen Märkte der Kontinente Europa, Asien, Amerika und Australien. Es werden sowohl die Textilreinigungsmärkte wie die Textilservice- und Wäschereimärkte dargestellt. Zusätzlich werden Spezifika besonderer Marktsegmente wie zum Beispiel des PSA-Marktes beschrieben.

Band 3 wird sich mit Innovationen beschäftigen. Die Bücher sind bei Cinet beziehbar.


Cinet im Profil


Cinet – das Comité International de l` Entretien du Textile – entstand vor 30 Jahren durch den Zusammenschluss eines nordeuropäischen und eines südeuropäischen Textilpflegeverbandes. Anliegen der Verschmelzung war es, der Textilpflegebranche eine einheitliche europäische Plattform für den Informationsaustausch und die Wahrnehmung übergeordneter Interessen zu geben.

Ziele von Cinet
- Bildung eines internationalen Netzwerks, um den Informationsaustausch in der Branche zu verbessern.
- Förderung von mustergültigen Verfahren (Best Practices) hinsichtlich Qualität und Nachhaltigkeit sowie die Förderung von Innovationen.
- die Interessen der Industrie herausarbeiten, vertreten und fördern in den Bereichen Umwelt, Technik, Marketing, Steuern, Recht und Regulierung.
- Projekte bilden und durchführen, welche die Textilpflegebranche fördern

Mitglieder
Ordentliche Mitglieder sind derzeit 25 nationale Verbände der Textilpflege und des Textilservice angefangen von der All Japan Laundry and Drycleaning Association (Zenkuren) bis hin zum Schweizer Textilpflegeverband VTS/ASET. Assoziierte Mitglieder sind Forschungsinstitute wie Hohenstein oder CTTN aus Frankreich. Auch Zulieferer gehören zu den Mitgliedern, angefangen von Böwe und Multimatic bis hin zu Girbau. Schließlich gibt es bei Cinet auch Einzelmitgliedschaften von bedeutenden Unternehmen der Branche wie zum Beispiel 5àSec Dry Clean International aus der Schweiz, der großen russischen Diana Holding oder Fornet aus China.

Vorstand
Der Vorstand von Cinet besteht aus Chris Tebbs, Kanada; Gabriele Cuppini, Italien, Direktor der FMB Gruppe; P. Pinchou, China, CEO Fornet China und Leonid Bertsev, Russland, Vorsitzender des russischen Textilpflegeverbandes sowie Peter Wennekes, Geschäftsführer der holländischen Textilpflegeverbände FTN und Netex, der auch Geschäftsführer und Präsident von Cinet ist.

Büro und Kontakt
Der Verband hat seinen Sitz in Ophemert, Niederlande und beschäftigt neun Mitarbeiter in Vollzeit.

Cinet
P.O.Box 10, NL-Ophemert
Tel.: 0031 344 650430
cinet@cinet-online.com
www.cine-online.com

Interview aus WRP 12-2014