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Veit

Wir werden immer besser

Die Firma Veit hat sich innerbetrieblich neu strukturiert. Alle drei Produktionsstandorte sind mittlerweile zentral in Landsberg zusammengefasst, nach außen tritt der Spezialist für Bügeltechnik jetzt allein unter dem Logo „Veit“ auf. Auch auf der Vertriebsseite gibt es eine neue Strategie. Anlass genug, um mit Vertriebsleiter Jürgen Pfattheicher in der Firmenzentrale über Synergieeffekte und über mehr Präsenz des Unternehmens im deutschen Dienstleistungsmarkt zu sprechen.

Jürgen Pfattheicher
Jürgen Pfattheicher ist Leiter des Vertriebs National/International für Veit. Er ist Jahrgang 1969, mit einer Textilreinigungsmeisterin verheiratet und hat zwei Söhne. Nach seiner Lehre zum Industriekaufmann startete er 1991 seine berufliche Karriere bei Veit. Als selbstständiger Händler arbeitete er 13 Jahre lang für das Unternehmen. Seit der Texcare International 2004 ist Pfattheicher dann näher an Veit gerückt. Ab 2006 war er verantwortlich für den deutschen Markt. Im Jahre 2010 übernahm Jürgen Pfattheicher die Gesamtverantwortung im Vertrieb. Seit dem Jahr 2013 ist er zudem verantwortlich für den Vertriebsinnendienst, den technischen Service und After Sales National/International.
Grundsätzlich sind durch die Zentralisierung in Landsberg die Möglichkeiten für Synergien gestiegen.
Der Vertrieb unseres ganzes Sortimentes organisiert sich jetzt in Produkte für Produktions- und für Dienstleistungsmärkte.
Mit dem Eintritt von Christopher Veit in die Firmenleitung ist ein elementarer Schritt für die Zukunft des Unternehmens eingeleitet.
WRP: Herr Pfattheicher, wir sind ein bisschen irritiert: Bislang waren in dem Veit-Markenlogo auch die Brands Brisay und Kannegiesser vertreten. Jetzt findet man Veit darauf solo. Was ist passiert?

Jürgen Pfattheicher: Die Firma Veit hat schon vor einiger Zeit angefangen, ihre innerbetriebliche Struktur zu überdenken und neu zu organisieren, um sich fit für die Zukunft zu machen. Das Unternehmen war bis in die jüngste Vergangenheit sozusagen in zwei Welten aufgeteilt: Nämlich in die eine Welt Bekleidungsindustrie und in die andere der Textilpflege. Beide Bereiche sammelten sich unter dem Dach der Veit-Gruppe. Für diese Branchen wurden an verschiedenen, spezialisierten Standorten Produkte entwickelt und hergestellt. Unsere Marken Brisay in Großostheim und Kannegiesser Fixiermaschinen in Vlotho lieferten Lösungen für die Bekleidungsindustrie, die Marke Veit hier in Landsberg ist für die Bügel- und Finishtechnik für Textile Care und die Textil-aufbereitung zuständig. Für jede dieser Branchen gab es einen eigenen Vertrieb und Kundenservices.

Diese Struktur ist historisch bedingt. Die Firma Veit entwickelte und produzierte bis 1985 ausschließlich Maschinenlösungen für die Konfektionsindustrie. Erst danach begann man, zusätzlich die Märkte Aufbereitung und Textile Care zu bearbeiten. Beide Branchen wurden seitdem im Unternehmen als eigenständige und voneinander unabhängige Bereiche betrachtet und geführt.

Im Zuge der Neuorganisation hat man diese Struktur in der Unternehmenszentrale in Landsberg am Lech überdacht. In einem ers-ten Schritt wurde bereits im Jahr 2004 erfolgreich die Herstellung der Kannegiesser-Produkte von Vlotho nach Landsberg verlagert. Vor zwei Jahren fing man an, das Know-how für Konfektionsmaschinen des Brisay-Standortes Großostheim nach Landsberg zu transferieren und zu integrieren. Auch dieser Prozess ist so gut wie abgeschlossen. In Großostheim gibt es jetzt nur noch einen Präsentationsraum und das Technikum für Brisay-Produkte. Heute werden sowohl die Produkte für die Bekleidungsindustrie als auch für Textile Care und Aufbereitung in der Veit Firmenzentrale in Landsberg entwickelt und hergestellt.

Parallel dazu organisiert sich der Vertrieb unseres ganzes Sortimentes jetzt in Produkte für Produktions- und Dienstleistungsmärkte. Textile Care sowie die Aufbereitung von neuer Ware, die zum Beispiel vor dem Verkauf im Einzelhandel aufgebügelt werden muss, ist für uns nun als Dienstleistungsmarkt klassifiziert. Im Produktionsmarkt sortieren wir alle unsere Lösungen für die Bekleidungsindustrie ein, die bisher unter Brisay und Kannegiesser firmierten. Dies gilt auch für unsere Produkte für den Automotivebereich. Allesamt werden jetzt als Produkte von Veit vertrieben. Die Markennamen Brisay und Kannegiesser wird man in Zukunft allenfalls auf den Maschinen neben dem Veit-Typenschild finden.

Weiterhin existent ist die Veit-Gruppe als Dach für insgesamt 20 Unternehmen, darunter unter anderem unsere ausländischen Tochtergesellschaften Veit USA, Veit UK und Veit China.

Also: Wir heißen Veit, wir sind Veit. Unsere Kunden finden in der neuen Veit-Welt auch in Zukunft optimale Lösungen für ihre Anforderungen. Wir werden ihnen weiterhin eine Fülle von guten Argumenten für Investitionen in unsere Produkte liefern.

WRP: Warum hat Veit diesen Weg eingeschlagen?

Pfattheicher: Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Zusammenlegung der Produktionen in Landsberg erzeugt Synergieeffekte und Kosteneinsparungen. Zum Beispiel, weil man Produktionsflächen sowie den administrativen Aufwand reduzieren, von einem zentralen Einkauf profitieren und eine gemeinsame Plattformstrategie für die Maschinentechnik weiter intensivieren kann. Die dadurch erzielten positiven Effekte werden unseren Kunden zugutekommen.

Möglich wurde die Zentralisierung der Produktion in Landsberg durch die Einführung des Lean-Produktions-Systems. Das konsequente umsetzen dieses Systems bedeutet auch eine deutliche Reduzierung der notwendigen Produktionsfläche. So konnte man die Kapazitäten konzentrieren.

Schließlich ist die neue Struktur von Veit auch ganz im Sinne unseres Prinzips, Lösungen so einfach wie möglich zu gestalten. Manchmal gab es in der Vergangenheit Anfragen von Kunden, warum Veit, Brisay und Kannegiesser gemeinsam in einem Markenlogo abgebildet sind, wie die Beziehungen zwischen den Firmen seien, usw. Auch diese Irritationen sind jetzt ausgeräumt.

WRP: Nach wie vor liefert Veit Bügeltechnik für Textile Care und für die Bekleidungsindustrie. Wie ähnlich sind sich eigentlich die Maschinen für diese Branchen? Und können es Technikinnovationen von der einen in die andere Branche schaffen?

Pfattheicher: Grundsätzlich hat Bügeltechnik für die Bekleidungsindustrie sowie für Textile Care einen unterschiedlichen Ansatz. In der Bekleidungsindustrie hat man Einzelteile, beziehungsweise auch gleiche Teile, in großen Stückzahlen in unterschiedlichen Konfektionsgrößen. Dagegen sind die zu bearbeitenden Teile in der Textile Care-Branche höchst unterschiedlich. Hier muss die Technik in der Produktion sehr flexibel sein. Deshalb sind Maschinen von Veit in beiden Branchen immer eigenständige Entwicklungen. Aber bei der Konzeption von Bügeltechnik für Textile Care fließen natürlich auch Erfahrungen und Know-how aus der Konfektionsindustrie mit ein und umgekehrt. Das gilt zum Beispiel für Themen wie Energieeffizienz, die in beiden Branchen eine wichtige Rolle spielt.

Letztes Jahr ist unser Hemdenfinisher mit Restfeuchtesteuerung für Textile Care mit dem Preis ‚Texprocess Innovation Award‘ ausgezeichnet worden. Prämiert wurde die Maschine für die integrierte Restfeuchtemessung und die daran geknüpfte automatische Beendigung des Finishingprozesses. Die Jury lobte dies als einen positiven Beitrag zur Reduktion von Energieverbrauch und zur Ressourcenschonung. Wir haben erst gar nicht daran gedacht, dass diese Maschine auch für Produktionsmärkte interessant sein könnte. Heute bieten wir sie in diesen Märkten als Alternative zur Hemdenpresse an, mit der der Hersteller das Hemd vor dem Verpackungsprozess noch einmal aufbügelt.

Manchmal kann die Firma Veit auch von einem Informations- und damit Technik-Vorsprung profitieren. Ein Beispiel sind Slimline-Hemden. Weil wir schon die Konfektionäre mit entsprechender Technik für diese Hemden ausgestattet haben, können wir dieses Know-how auch in unseren Maschinen für Textile Care berücksichtigen. Grundsätzlich sind durch die Zentralisierung der Produktions- und Entwicklungsabteilungen in Landsberg die Möglichkeiten für Synergien gestiegen. Dies ist schon durch die größere Nähe, die höhere Transparenz und Durchgängigkeit sowie durch die intensivere Kommunikation an einem Standort bedingt. Wir werden dies weiter fördern. Zum Beispiel finden seit letztem Jahr gemeinsame Außendiensttreffen für die Dienstleistungs- und die Produktionsmärkte statt.

WRP: Mit der neuen Struktur will die Firma Veit die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft schaffen. Dazu passt, dass in diesem Jahr Christopher Veit in die Geschäftsführung des Unternehmens bestellt wurde. Was bedeutet dies für die Firma?

Pfattheicher: Mit dem Eintritt von Christopher Veit in die Firmenleitung zum 1. Januar 2014 ist nun die dritte Generation für die Führung des Familienunternehmens mit verantwortlich. Damit ist ein elementarer Schritt für die Zukunft von Veit eingeleitet. Denn nicht nur die Unternehmensnachfolge ist gesichert, sondern die Geschäftsführung weiterhin bei einem Mitglied der Gründerfamilie.

Christopher Veit war in den letzten Jahren für die Geschäftsführung eines Veit-Produktionswerks südlich von Shanghai verantwortlich. In dem Standort werden Maschinen für die Bekleidungsindustrie in Asien, allen voran China, Vietnam und Bangladesh, produziert.

WRP: Maßnahmen wie zum Beispiel Standortverlagerungen bedeuten für ein Unternehmen auch finanzielle Aufwendungen. Wie war das letzte Geschäftsjahr für Veit?

Pfattheicher: 2012 war sowohl für unsere Dienstleistungs- als auch Produktionsmärkte im Vergleich zu den Jahren zuvor ein Geschäftsjahr auf einem guten Niveau mit einem leichten Plus. Dies gilt vor allem für die Umsätze im Bereich Textile Care, hier zeichnete sich unter anderem die Messe Texcare International in Frankfurt verantwortlich. Auch in der Bekleidungsindustrie können wir von einem guten Jahr sprechen.

Trotz der internen Aufgaben wie die Standortverlagerung von Brisay hatten wir für 2013 mit einem guten Plus geplant. Dieses Ziel konnte nicht ganz erreicht werden. Aber es wurde im Bereich Textile Care mehr Umsatz gemacht als jemals zuvor. Und verantwortlich dafür waren nicht nur die Exportmärkte, sondern vor allem der Inlandsmarkt.

WRP: Wie ist diese positive Entwicklung zu erklären?

Pfattheicher: Unsere Strategie, unsere Präsenz im deutschen Markt zu verstärken und dadurch mehr Berater im Markt zu haben, hat gegriffen. Es gilt offensichtlich noch immer: Wenn man am Markt ist, macht man das Geschäft. Wir verkaufen Investitionsgüter. Eine solche Investition basiert auf einem Beziehungsgeschäft. Aber heute verlangt unser Kunde nicht nur einen Verkäufer oder einen Gesprächspartner, mit dem er über seine Anforderungen an seine Maschinentechnik diskutieren kann. Er will einen Nutzen. Das fängt für ihn bei der optimalen Beratung an und hört nicht auf bei seiner Forderung, dass er zu jeder Zeit einen Ansprechpartner für seine Fragen haben will – sei es für die Technik, für die Anwendungstechnik oder für kaufmännische Belange. Diese Leistungen und diese Kundennähe können wir nur realisieren, wenn wir im Markt präsent sind und unseren Kunden kompetent und auf Augenhöhe begegnen. Unsere Mitarbeiter im Markt sind entsprechend qualifizierte Ansprechpartner. Alle sind aus der Branche, viele sind Textilreinigermeisterinnen und Textilreinigermeister. Sie kennen die Anforderungen und die Prozesse in den Textilpflegebetrieben ganz genau.

Vielleicht lässt sich die positive Entwicklung für Veit in dieser Branche auch ein bisschen durch die gesellschaftliche Rückbesinnung auf Werte wie Zuverlässigkeit und Qualität erklären. Aus Deutschland für Deutschland ist ein wichtiges Stichwort. Manchmal sind es kleine Details, wie zum Beispiel einen Ansprechpartner zu haben, der die gleiche Sprache spricht. Oder eine Bedienungsanleitung, die alles verständlich und eindeutig erläutert. Zudem kann bei Bedarf jederzeit sofort ein entsprechender Spezialist aus dem Werk als Ansprechpartner vor Ort sein. Diesen Weg geht die Firma Veit schon seit vielen Jahren.

WRP: Demnach sind die Perspektiven für ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2014 auch positiv?

Pfattheicher: In der Tat. Für dieses Jahr erwarten wir für den Dienstleistungsmarkt mit Textile Care sowohl für den Inlands- als auch die Exportmärkte sowie für die Produktionsmärkte international ein ordentliches Umsatzwachstum. Wir sind stolz sagen zu können, dass wir bereits zu Beginn des vierten Quartals den Jahresplan erfüllen werden.

WRP: Sie hatten gerade betont, dass man seinen Kunden einen Nutzen bieten muss. Gehören dazu auch Schulungen wie zum Beispiel Bügelseminare, die Veit in Großostheim und in Landsberg anbietet?

Pfattheicher: Richtig. Diese Schulungsangebote hat Veit schon seit vielen Jahren im Programm. Aber wir haben sie im Rahmen unserer Maßnahmen in Richtung Präsenz und Kundennähe weiter ausgebaut. Es geht unter anderem darum, dem Kunden zu zeigen, was er mit seiner Maschine – von der Handbügeltechnik bis hin zum automatischen Hemdenfinisher – alles leisten kann. Natürlich zielen diese Angebote auch auf die Bügel- und Finishergebnisse beziehungsweise auf deren Optimierung ab. Die Nachfrage nach entsprechenden Schulungen ist enorm.

Viel besser ist es natürlich, wenn wir diese Schulungen vor Ort beim Kunden durchführen können. Denn kein Betrieb gleicht dem anderen: Es gibt unterschiedliche Reinigungsverfahren und Prozessketten, die Sortimente sind verschieden, es herrschen andere Bedingungen. Deshalb ist das Training vor Ort für einen Teilnehmer letztlich effektiver.

Mitentscheidend für das Bügelergebnis ist nicht nur die Arbeit der Büglerin. Mindestens genauso wichtig sind die Prozesse, die schon vorher stattfinden. Auch hier geben die Trainer in unseren Schulungen den Teilnehmern wichtige Tipps, damit nicht nur das Resultat, sondern auch die Leistung verbessert werden kann.

Wir werden die Infrastruktur für Schulungen in Landsberg noch in diesem Jahr weiter verbessern und personell ausbauen. Übrigens werden diese Schulungen immer von qualifizierten Mitarbeitern von Veit durchgeführt.

WRP: Welche Bedeutung haben die Produktions- und Dienstleis-tungsmärkte national und international für Veit?

Pfattheicher: Wenn wir Produktions- und Dienstleistungsmärkte international betrachten, dann sind die Dienstleistungsmärkte für rund 50 Prozent des Veit-Umsatzes verantwortlich. Deutschland dagegen ist mit rund 90 Prozent Umsatzanteil fast ein reiner Dienstleistungsmarkt. Hierzulande spielt die Konfektion von Kleidung fast keine Rolle mehr. Zwar haben die großen Hersteller noch Produktionen in Deutschland, das Massengeschäft findet aber in anderen Ländern statt. Das gilt auch für unsere Märkte in Frankreich, in den Benelux-Ländern und in Skandinavien. Dagegen sind beispielsweise Polen, Bulgarien und Slowenien für Veit Produktionsmärkte. Dass heißt, in diesen Ländern wird mehr konfektioniert, als das Textilien gewerblich gepflegt werden.

WRP: Veit hat im deutschen Markt als Kunden sowohl Wäschereien als auch Textilreinigungen. Welche Kundengruppe ist heute bedeutender für das Unternehmen? Gilt dieses Verhältnis auch für die Exportmärkte?

Pfattheicher: Früher hat Veit in der Mehrzahl Textilreinigungen als Kunden bedient. Das war durch den damaligen Markt bedingt. Schon vor Jahren fing es an, sich zu verschieben. Immer bedeutender wurden und sind auch heute die Wäschereien. Diese Entwicklung ist auch damit zu erklären, dass es immer weniger Textilreinigungen gibt. Veränderte Tragegewohnheiten und die Konkurrenz der Haushaltswaschmaschine werden immer wieder als Ursachen angeführt. Wenn nicht in den 1990er Jahren der Artikel Hemd in die klassische Textilreinigung geholt worden wäre, dann würde heute die Zahl der Betriebe noch geringer sein. Aber ich glaube auch, dass das Hemd national und international in den nächsten Jahren weiterhin ein Wachstumsartikel für die Textilreinigungen bleibt.

WRP: Sind es die gleichen Maschinen, die Veit in der Wäscherei und in der Textilreinigung aufstellt?

Pfattheicher: Es sind weitestgehend die gleichen Produkte für Wäscherei und Textilreinigung. Natürlich unterscheiden sich jeweils die Produktionsprozesse. Diese Prozesse müssen bei der Auswahl des optimalen Finishing- beziehungsweise Bügeleiproduktes berücksichtigt werden.

WRP: Veit ist als Technikhersteller in vielen Ländern unterwegs. Welche Bedeutung hat der deutsche Markt grundsätzlich für das Unternehmen?

Pfattheicher: Deutschland ist unser Heimatmarkt. Entwicklung, Fertigung, Montage und kaufmännischer Hauptsitz waren, sind und bleiben auch in Zukunft hier beheimatet. Für uns ist das direkte, ungefilterte Feedback, das wir hierzulande von unseren Kunden erhalten, enorm wichtig. Dieses Feedback sowie der Input aus den Exportmärkten können wir immer wieder in Impulse umsetzen, um von Landsberg aus den Weltmarkt mit innovativer und wirtschaftlicher Technik für Produktion und Dienstleistung zu bedienen.

WRP: Was erwarten Kunden im Dienstleistungsmarkt heute von der Bügeltechnik?

Pfattheicher: Im Anforderungskatalog stehen technische Robustheit, einfache Bedienung und lange Einsatzzeiten ganz oben. Dass man mit seinen Maschinen seinen Kunden eine gute Qualität liefern kann, wird vorausgesetzt. Bügeltechnik darf aus Kundensicht nicht Over-Engineered sein. Und sie muss bezahlbar sein. Kurz: Der Kunde möchte eine einfache Maschine mit bester Leis-tung und höchster Verlässlichkeit bei kleinstem Preis.

Ganz aktuell haben wir genau dieses Anforderungsprofil in einem neuen Produkt für den Artikel Hemd umgesetzt. Die wichtigste Botschaft ist, dass dank dieses neuen Konzepts die Investitionssumme für dieses Hemdenbügelgerät keine Rolle mehr spielt. Gegen eine Liefer- und Installationspauschale stellen wir die Maschine beim Kunden auf. Der Anschluss an bauseitige Leitungen erfolgt durch einen Vertragspartner des Kunden. Anschließend bezahlt er eine monatliche Grundgebühr und dann pro gebügeltes Hemd – unabhängig, ob es 50, 200 oder mehr Teile am Tag sind. Über eine Einheit an der Maschine kann man aus der Veit-Zentrale in Landesberg online abrufen, wie viele Hemden bearbeitet wurden. Entsprechend dem vereinbarten Vertragssatz wird anschließend abgerechnet. ‚Pay per shirt‘, nennen wir das System, das den solventen Kunden davon befreit, sich mit der Finanzierung eines neuen Hemdenarbeitsplatzes beschäftigen zu müssen. So hat ein Textilreiniger, der zum Beispiel bisher Hemden auf einer alten Bügelpuppe beziehungsweise per Hand bearbeitete, jetzt zu jeder Zeit die Möglichkeit, auf moderne, leis-tungsstarke und energieeffiziente Technik aufzurüsten.

Für den Kunden ist dieses neue Produkt ein Rundum-sorglos-Paket. Über die Anbindung an die Zentrale in Landsberg kann die Maschine zum Beispiel immer mit der neuesten Software versorgt werden. Außerdem kann man frühzeitig mögliche technische Probleme erkennen und entsprechende Maßnahmen treffen. Seine Premiere feierte Pay per shirt ganz aktuell auf der Messe Expodetergo in Mailand.

Übrigens bietet Veit heute für die Hemdenbearbeitung alle technischen Möglichkeiten – egal ob man diesen Artikel handbügeln, pressen, blasen oder finishen möchte.

WRP: Welche Trends beobachten Sie im Textilpflegemarkt?

Pfattheicher: Dass Technik energieeffizient arbeitet, setzen Kunden heute voraus. Auch Themen wie zum Beispiel Nachhaltigkeit haben sich in der Branche etabliert.

Als Textilreiniger muss man sich heute auf die Artikel Hemd, Hose und Jackett konzentrieren. Schon eine ganze Weile hat die Business-Bekleidung im Leasing eine positive Entwicklung. Diese setzt sich fort. Das können wir an unseren Technikumsätzen für diesen Bereich ablesen. Für den Textilservice mit entsprechenden Angeboten ist die Firma Veit für die Bügeltechnik erster Ansprechpartner. Wir können bundesweit und auch international in ihren Standorten Technik mit gleichen Prozessen planen, einrichten und betreuen.

WRP: Wo will die Firma Veit in fünf Jahren stehen? Welche Ziele sind geplant?

Pfattheicher: Wir wollen die Marke Veit in Deutschland im Bewusstsein der Kunden dahin bringen, wohin wir nach unserer Meinung gehören. Unsere Präsenz im deutschen Markt wird in Zukunft weiter ausgebaut. Um dies leisten zu können, werden wir uns weiterhin mit qualifizierten Personal verstärken.

Damit einhergehen wird eine weitere Intensivierung unserer Angebote. Das Netz an Service- und Kundendiensttechnikern in Deutschland werden wir noch engmaschiger gestalten. Unsere Reaktionszeiten verkürzen wir in Zukunft sicherlich weiter, um Stillstandszeiten der Technik in den Betrieben zu minimieren. Die Maschinenverfügbarkeit von Veit-Geräten beim Kunden soll höchstmöglich sein.
Zukünftig versuchen wir im Kundendienst den Blick nicht mehr nach hinten, sondern nach vorn zu richten. Wir wollen also nicht erst reagieren können, wenn der Kunde ein Problem hat, sondern schon im Vorfeld aktiv sein. Eine vorausschauende, dauerhafte Wartung minimiert die Wahrscheinlichkeit technischer Probleme und erhöht die Verfügbarkeit der Maschinen. Veit wird dazu passende Serviceangebote entwickeln, die der Kunde optional buchen kann.

Natürlich wollen wir mit unserer neuen Struktur und mit der stärkeren Fokussierung auf den Kunden unseren Erfolg in Deutschland weiter ausbauen. Das gilt natürlich auch für die ausländischen Märkten. Vielleicht schafft es die Firma Veit, mit ihren Lösungen in weiteren Branchen erfolgreich zu sein. Wir werden auf jeden Fall immer besser – das dürfen unsere Kunden auch in Zukunft erwarten.


Die Veit-Gruppe



Reinhard Veit gründete das Unternehmen Veit im Jahre 1961.
Weitere Eckdaten in der 50-jährigen Firmengeschichte:

1973 Neubau in Landsberg, Rudolf-Diesel-Straße 3
1977 Gründung Veit Transpo, Transportsysteme
1980 Gründung Veit Inc., Atlanta, USA
1983 Gründung Veit Continental Ltd., Watford, United Kingdom
1986 Fertigstellung einer neuen Produktionshalle in Landsberg
1987 Gründung von Nihon-Veit, Osaka, Japan
1989 Übernahme der Firma Brisay, Aschaffenburg
1993 Gründung der Abteilung System- und Energieanlagentechnik
ab 1994 Gründung eigener Niederlassungen in Shanghai, Singapur, Vietnam, Hongkong, Bangladesh, Rumänien, Indonesien, Dominikanische Republik
2001 Übernahme der Firma Kannegiesser Garment & Textile Technologies, Vlotho und Produktionshallenerweiterung in Landsberg um 3.600 Quadratmeter
2007 Einführung von Lean Management / Lean Produktion
Ab 2012 Integration von Entwicklung, Beschaffung und Montage aller Marken der Veit-Gruppe in Landsberg am Lech.

Veit ist bis heute ein familiengeführtes Unternehmen mit Günter und Christopher Veit als Geschäftsführer. Die Firma beschäftigt aktuell in Deutschland 190, international 130 Mitarbeiter.

Produktinnovationen von Veit: Entwicklung der Kaltbügeltechnik, ergonomische und elektronisch gesteuerte Bügler, vollelektronisch gesteuerter Kleindampferzeuger, patentierter Riemenantrieb für Stretch-Control an Puppen und Topper, Tunnelfinishsysteme für Oberbekleidung.

Restfeuchtegesteuerte Hemdenbügelmaschine und Pay-per-Shirt-Abrechnungssystem.

Die Veit-Gruppe führt und produziert aktuell im Sortiment über 300 verschiedene Geräte und weit über 10.000 verschiedene verkaufsfähige Artikel (Ersatzteile, Bezüge etc.).

Interview aus WRP 10-2014