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EFIT

„Das neue FashionCare ist ein Meilenstein für die Branche“

Die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) hat ihr Qualitätsmanagementsystem FashionCare überarbeitet. Seit Anfang des Jahres ist es in den FashionCare-Betrieben im Einsatz. Wir sprachen mit EFIT-Geschäftsführer Dr. Volker Schmid und Robin Schmitt, Leiter Marketing, warum sie das neue FashionCare als kleine Revolution für die Branche betrachten – und warum die EFIT in Zukunft für ihre Mitglieder noch erfolgversprechender wird.

Dr. Volker Schmid
Dr. Volker Schmid ist Geschäftsführer bei der EFIT. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften in Tübingen, Innsbruck, Lausanne, Würzburg. Nach der Promotion über die Rheinverschmutzung arbeitete er als zugelassener Rechtsanwalt. Seit 1976 hatte Dr. Volker Schmid die Geschäftsführung verschiedener Wirtschaftsverbände inne, unter anderem in der Textilreinigungsbranche.
Robin Schmitt
Robin Schmitt ist Leiter Marketing bei der EFIT, Stuttgart. Nach der Ausbildung als Kaufmann für Bürokommunikation arbeitete er einige Jahre in diesem Beruf bei der BW-Bank. Anschließend orientierte sich Robin Schmitt beruflich neu, ging in den Werbebereich und war als Texter beschäftigt. Seit 3/2012 ist er beim DTV und bei der EFIT, zunächst als Marketing-Assistent der Geschäftsleitung, seit 11/2012 als Leiter Marketing. Parallel zu seiner aktuellen Aufgabe bei der EFIT studiert Schmitt Wirtschaftspsychologie an der Fernhochschule Riedlingen University.
WRP: Wenn man skizzieren müsste, was EFIT heute ausmacht, was sagen sie dann?

Robin Schmitt: Die EFIT ist ein Qualitätsverbund für die gesamte textile Kette. Wer bei der der EFIT mitmacht, profitiert als Einzelner vom Know-how der ganzen Vereinigung.

Unser Alleinstellungsmerkmal ist FashionCare. Der Reiniger hat durch die nachweislich höhere Qualität einen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig bietet er dem Bekleidungshersteller und dessen Kunden die Sicherheit einer sauberen, fremd zertifizierten Textilpflege.

WRP: Das Qualitätssicherungssystem FashionCare ist schon seit vielen Jahren im Markt. Seit Anfang 2014 gibt es das neue FashionCare. Was ist neu und was ist besser an dem System?

Robin Schmitt: Das neue FashionCare kommt da an, wo die Qualität gemacht wird: beim Mitarbeiter und an der Maschine. Es hängt als Logbuch am Arbeitsplatz – mit einem Kalender, Wochen- und Monats-Checklisten und Feldern für Umsatz, Teile und Arbeitsstunden.

Die Prüfmaterialen konnten wir komplett ersetzen.

Dr. Volker Schmid: ‚FashionCare versaut mir das Wochenende.‘ So brachte ein Mitglied seinen Dokumentationsaufwand am Wochenende auf den Punkt. Das haben wir geändert. Jetzt könnte man sagen: ‚Unsere Mitarbeiter leben FashionCare-Qalität‘.

Bis dahin war es ein langer Weg mit über 1.000 Arbeitsstunden.

WRP: Warum soll ein Textilreinigungsbetrieb bei EFIT beziehungsweise FashionCare mitmachen und sich zertifizieren lassen? Welche Vorteile hat es für den Betrieb?

Dr. Volker Schmid: Mit dem neuen FashionCare erkennen Sie frühzeitig Störungen im Arbeitsablauf, um sie zu beheben. Weniger Aufwand – mehr Ertrag. Weitere Vorteile: Die EFIT ist in engem Kontakt mit den Bekleidungsherstellern: Auf Wunsch schreiben wir im Einzugsgebiet des FashionCare-Qualitätsreinigers liegende Boutiquen, Bekleidungshäuser und Betriebe an und weisen auf die zertifizierte Qualität hin. Wir haben auch einen Reinigungsgutschein auf Lager – mit 50 Prozent Rabatt und 100 Prozent Schadensgarantie. Er wird dem PR-Schreiben beigelegt, wenn es der Reiniger möchte.

Mit dem Online-Forum checkpoint-efit.de bieten wir unseren Mitgliedern eine moderierte Diskussion über entstandene Schadenfälle, zu der wir auch den Bekleidungshersteller schriftlich einladen. Mit unseren bewährten Textil-Wissen bieten wir im Jahre 2014 mehr denn je.

WRP: Die EFIT fokussiert mit FashionCare heute auch das Thema Hygiene. Wie beurteilt die Organisation die Relevanz dieses Themas für die Textilreinigungsbetriebe?

Dr. Volker Schmid: Hygiene wird in der Gesellschaft branchen-übergreifend immer wichtiger. In einer Textilreinigung wird die Kleidung von verschiedenen Kunden gemeinsam bearbeitet. Der Kunde weiß das und wird nachfragen. Darum muss eine Textilreinigung beim Thema Hygiene sattelfest sein. Wir entwickeln zusammen mit Dr. Alexander Rohde von der Büfa gerade ein Hygienemodul, das auf unserer Mitgliederversammlung 2014 verabschiedet und dann unseren Qualitätsreinigern im Rahmen von FashionCare ab 2015 als freiwilliges Modul angeboten wird.

WRP: Zu den EFIT-Angeboten gehört auch das Verbandsmarketing. Gibt es aktuell Aktionen?

Robin Schmitt: Wir planen pro Jahr ein bis zwei Projekte. Aktuell ist es die WM-Aktion. Unsere Mitglieder bekommen von uns rechtzeitig eine Bestellübersicht und zahlen nur die Kosten für ihre bestellten Werbemittel. Wir freuen uns besonders, dass bei der WM-Aktion auch der Verband Textilpflege Schweiz mit macht.

WRP: Sie haben beschrieben, dass EFIT seinen Mitgliedern eine Reihe von Vorteilen bietet. Kann sich deshalb die Organisation heute so viel besser fühlen als in der Vergangenheit?

Dr. Volker Schmid: Wir haben mit unseren Angeboten einen sehr guten Zugang zu unseren Mitgliedern. Und die EFIT ist heute mit Maria Bischoff, Birgit Jussen und Dieter Essing im Markt sehr präsent.

WRP: Für die EFIT ist es wichtig, nicht nur Textilreinigungsbetriebe mit Leistungen bedienen zu können. Schon vor Jahren hat man auch die Bekleidungshersteller mit ins EFIT-Boot geholt, die Kommunikation mit ihnen ist heute sehr intensiv. Warum ist das wichtig?

Dr. Volker Schmid: In der Bekleidungsbranche hatte die Textilreinigung nicht das Image, das sie verdient. Aktuell gibt es zwei EFIT-Arbeitskreise, die mit Textilreinigern und mit Vertretern der Bekleidungshersteller besetzt sind. Dazu gehört neben dem Projekt „Fluorcarbonfreie Ausrüstung“ auch der Arbeitskreis „Neue Lösemittel“: Ziel ist eine korrekte Einstufung für die Pflegekennzeichnung von z. B. Silikon zu empfehlen.

Wir sind glücklich, dass wir mit einem so großen und wichtigen Multiplikator wie der Bekleidungsindustrie eine sehr gute Arbeit machen und in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Die Stiftung Warentest hat uns lobend erwähnt. Auch die FAZ hat über uns geschrieben. Das sind Erfolge, die man vor allem mit besonders guten Leistungen unserer Mitglieder und Mitarbeiter erreicht. Die EFIT wird noch enger mit den Bekleidungsherstellern zusammen arbeiten. In diesem Jahr wollen wir für sie einen Pflegekennzeichen-Service starten: Im Full Service-Paket schickt uns der Hersteller seine Kleidung und wir schicken sie ihm mit der fertigen Pflegekennzeichnung zurück. Oder wir beraten ihn bei seiner Pflegekennzeichnung. Das zeigt unser textiles Know-how. Und der Hersteller gewinnt die Sicherheit, dass seine Teile mit FashionCare ideal gepflegt werden.

WRP: EFIT und FashionCare zielen mit ihren Angeboten vorrangig auf Textilreinigungsbetriebe. Wie sehen sie grundsätzlich diesen Teil der Textilpflegebranche?

Dr. Volker Schmid: Ich erwarte hier in Zukunft keine großen Zuwächse. Auf der Anbieterseite gibt es eine noch deutlichere Zweiteilung: Die kleinen, teilweise auch unprofessionell geführten Betriebe verschwinden vom Markt, weil sie zum Beispiel keine Nachfolger finden. Den frei werdenden Umsatz teilen sich Einzelkämpfer und Star-Reiniger. Die EFIT steht klar auf Seiten der erfolgreichen Textilreiniger. Sicherlich gibt es in der Branche ein Potential von mehr als 200 Betrieben, die als Star-Reiniger mit ihrer Dienstleistung erfolgreich sind. Die räumlichen Abstände zwischen diesen erfolgreichen Textilreinigungen erschweren die flächendeckende Versorgung mit einer hochwertigen Textilpflege. Sie wird deshalb immer mehr zu einem Großstadtphänomen.

WRP: Wenn man ein paar Jahre in die Zukunft blickt: Welchen Stellenwert wird EFIT beziehungsweise FashionCare in der Textilpflegebranche dann haben?

Dr. Volker Schmid: Wir haben heute Mitglieder in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich. In der Schweiz und in Österreich hatte die EFIT erfolgreiche Veranstaltungen in Kooperation mit den dortigen Verbänden. Das wollen wir in Zukunft weiter vertiefen. Wir wissen, dass wir außerhalb des deutschsprachigen Raums ohne enge Unterstützung durch die nationalen Verbände nicht weiterkommen.

In den nächsten fünf Jahren wird die EFIT im Markt der verbandsmitgliedsfähigen Betriebe einen wesentlich größeren Anteil erreichen, weil die Anzahl der verbandsfähigen Firmen in Zukunft weiter sinken wird.

Dienstleistungsangebote wie der Pflegekennzeichnungs-Service werden die zweite Säule der EFIT – neben unseren Mitgliedseinnahmen. Die mit solchen Dienstleistungen erzielten Einnahmen werden wir nach Möglichkeit investieren, um unsere Vor-Ort-Präsenz weiter auszubauen. Nur vor Ort können wir die Betriebe für uns gewinnen und sie von unserem Angebot überzeugen. Ich bin sehr optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen.


Die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT)


EFIT ist ein Qualitätsverbund. Seine Mitglieder rekrutieren sich aus allen Bereichen der Textilen Kette: Textilreiniger, Maschinen- und Chemielieferanten, Webereien und Bekleidungshersteller.

EFIT betreibt für seine Mitglieder Marketing und PR, veranstaltet Seminare und Schulungen, organisiert und leitet Projekte. Ein wesentlicher Baustein im Dienstleistungsangebot ist das zertifizierte Qualitätssicherungssystem FashionCare für Textilreinigungen.

Betriebe und Zulieferer können Mitglied in der EFIT und Mitglied bei FashionCare sein. Es ist möglich, nur EFIT-Mitglied zu sein. Will man als Firma bei FashionCare mitmachen, ist eine EFIT-Mitgliedschaft Voraussetzung.

Folgende Bekleidungshersteller empfehlen EFIT und FashionCare: Hugo Boss, Bogner, Marc Cain. Weitere Bekleidungshersteller wie Strenesse und S. Oliver beteiligen sich aktiv in Arbeitskreisen und Projekten.

Aktuell zählt die EFIT 250 Mitglieder mit 235 FashionCare-zertifizierten Betrieben und Filialen.


Interview aus WRP 06-2014