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Ecolab Deutschland

„Wir machen unsere Welt jeden Tag etwas sauberer, sicherer und gesünder“

Ecolab hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. In Deutschland bezog Ecolab im November 2012 die neue Firmenzentrale in Monheim. Auch räumlich ist die Firma nun von Henkel getrennt. Seit Anfang Dezember 2012 ist Sam de Boo General Manager der europäischen Textile Care Division. Teun Nolet übernahm kurz danach, am 1. Januar 2013, die Betreuung des deutsch-schweizerischen Textile Care Marktes. Wir sprachen mit Sam de Boo und Teun Nolet über ihr Geschäft mit Wäschereien und Textilservice-Unternehmen und über Ecolab insgesamt.

Sam de Boo
Sam de Boo wurde mit Wirkung vom 1. Dezember 2012 zum General Manager der europäischen Textile Care Division von Ecolab ernannt. Diplomiert an der technischen Universität von Eindhoven, bringt Sam de Boo reichhaltige Erfahrungen aus Kundenbetreuung und Marketing ein. Er begann seine Karriere bei Unilever in den Niederlanden 1992 und nahm in den letzten 20 Jahren verschiedene Positionen in Marketing, Vertrieb und in der Geschäftsleitung wahr. Bevor Sam de Boo 2009 zu Ecolab stieß, war er bei Diversey von Bangkok, Thailand, aus für die Region Südostasien verantwortlich. Andere Positionen führten ihn und seine Familie in die Niederlande, die Schweiz und nach Singapur.
Teun Nolet
Teun Nolet führt das Ecolab Textile Care Geschäft in Deutschland und der Schweiz seit dem 1. Januar 2013. Der am 28. August 1968 in Holland geborene Nolet machte seinen MBA in Betriebswirtschaft an der Universität Enschede. Nach dem Wehrdienst, einem Jahr bei Arco Chemical in London und 3 Jahren bei Stork begann er bei Nalco im industriellen Wassermanagement zu arbeiten. Beim Unternehmen Nalco, das am 1.Dezember 2011 von Ecolab übernommen wurde, war Nolet in 16 Jahren in verschiedenen Bereichen und unterschiedlichen Funktionen tätig, zumeist im Marketing und Vertrieb. Als Letztes war er verantwortlich für Innovationsprojekte und Fusionen & Akquisitionen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Er ist verheiratet und hat drei Kinder (7, 10, 12).
WRP: Herr de Boo, Herr Nolet, wenn Sie in kürzester Form ausdrücken müssen, was Ecolab ausmacht, was sagen Sie dann ?

Sam de Boo: Ecolab hat ein klares Ziel. Wir wollen unsere Welt jeden Tag sauberer, sicherer und gesünder machen. Wir schützen Menschen und lebenswichtige Ressourcen. Dabei ist unsere Vision, bei Wasser, Hygiene und Energie weltweit der führende Anbieter von Technologien und Dienstleistungen zu sein.

WRP: Das sind große Ziele und große Visionen.

Sam de Boo: Stimmt. Ecolab ist auch ein großes Unternehmen mit einem großen Arbeitsbereich. Wir können entscheidende Beiträge leisten, und das motiviert uns.

WRP: Vor einigen Jahren wurde Ecolab noch als ein Chemieunternehmen wahrgenommen, das vor allem chemische Produkte wie z. B. Waschmittel herstellt und vertreibt.

Sam de Boo: Das ist weiter ein wichtiger Teil unseres Geschäfts, aber wir haben uns längst weiterentwickelt – von einem Chemieproduzenten zu einem Anbieter von Problemlösungen und Verfahrenssystemen. Wir bieten schon seit langer Zeit nicht nur chemische Produkte an, sondern auch Technologien und Dienstleis­tungen, um z. B. die Hygiene zu verbessern und den Wasserverbrauch zu optimieren. Ende 2011 hat Ecolab die Firma Nalco gekauft. Nalco ist weltweit führend bei der Behandlung von Wasser und beim Wasser- und Energiemanagement. Das macht uns bei der Ressource Wasser, aber auch bei Energie noch stärker.

Ecolab konzentriert sich auf vier wichtige Lebensbereiche: (1) sauberes Wasser, (2) saubere, d.h. sichere Lebensmittel, (3) ausreichend Energie und (4) gesunde Umgebungen. Hier produzieren wir Ergebnisse für die Gesellschaft.

WRP: Wie groß ist Ecolab heute ? Und wie wichtig ist Deutschland ?

Sam de Boo: Weltweit machte Ecolab 2012 einen Umsatz von etwa 12 Mrd. US-Dollar, und die Mitarbeiterzahl liegt bei 44.000. Im Jahre 2012 erlösten wir in 33 europäischen Ländern 2,6 Mrd. US-Dollar. Normalerweise veröffentlichen wir keine genauen Zahlen für Deutschland, aber man kann sagen, dass Ecolab in Deutschland ungefähr 500 Mio. US-Dollar Umsatz macht. Die Anzahl der Mitarbeiter in Deutschland liegt bei etwa 1000 Personen.

WRP: Und wie wichtig ist Ihr Geschäft mit Wäschereien ?

Sam de Boo: Wäschereien machen zwischen 5 und 10 % unseres Geschäftes aus.

Teun Nolet: Wir unterscheiden zwischen gewerblichen Wäschereien und hauseigenen Wäschereien in den verschiedensten Branchen wie z.B. Hotels, Pflegeheime, Industrieunternehmen etc.

Sam de Boo: Für uns ist das ein sehr wichtiger Markt. Die Produktion von sauberen und gesunden Umgebungen ist ein Kerngeschäft von Ecolab, und Wäschereien sind dabei ein ganz wichtiger Partner.

WRP: Haben Sie auch eine Produktion in Deutschland ?

Sam de Boo: Ja, in Siegsdorf in Bayern produzieren wir Hardware für die Verteilung und Dosierung von Chemie, aber es gibt in Deutschland keine chemische Produktion.

WRP: Warum eigentlich nicht ?

Sam de Boo: Ich denke, das hat historische Gründe. Henkel war längere Zeit unser Partner. Außerdem haben wir mehrere Werke in der Nähe der deutschen Grenze.

WRP: Wie war das mit Henkel ? Bitte erklären Sie, wie die Beziehung von Ecolab und Henkel heute aussieht und wie sich das entwickelte. Das ist nicht für jeden klar. Viele wissen nur, das da mal was mit Ecolab und Henkel war.

Teun Nolet: Heute haben Ecolab und Henkel nichts mehr miteinander zu tun. Aber das ist das Ende einer Beziehung, die 1991 mit einem 50:50 Joint Venture begann. Henkel und Ecolab betrieben in diesem Joint Venture gemeinsam das Geschäft mit Großverbrauchern von chemischen Produkten, vor allem Wasch- und Reinigungsmitteln.

WRP: Das Joint Venture hieß „Henkel Ecolab“ ?

Sam de Boo: Ja. Und zehn Jahre später, im Jahre 2001, hat Ecolab den Henkel-Teil dieses Geschäfts mit Großverbrauchern vollständig übernommen. Dafür hat Henkel eine finanzielle Kompensation in Aktienform von Ecolab bekommen. Diese Aktien hat Henkel nach und nach verkauft, und 2008 wurde das abgeschlossen. Seitdem sind die engen Bande zwischen Henkel und Ecolab aufgelöst. Es gab dann noch Verbindungen wie z. B. unsere Nutzung von Räumlichkeiten auf dem Henkel-Gelände in Düsseldorf, unsere Nutzung des Henkel-Werks in Spanien oder unsere Lizenz für die Nutzung von Henkel-Marken im Großverbrauch. Unter dieser Lizenz hat Ecolab z. B. Persil an professionelle Großkunden verkauft.

WRP: Henkel hat doch seit Ende 2012 einen eigenen Versuch mit professionellen Großverbrauchern gemacht, der gerade wieder eingestellt wurde ?

Sam de Boo: Ja, unsere Lizenz wurde per November 2012 nicht verlängert. Dann hat Henkel versucht, seine Markenartikel im Großverbrauchermarkt selbst einzusetzen. Auch die beiden anderen Punkte lösten sich auf: Wir bezogen im November 2012 unsere neue deutsche Zentrale in Monheim, sodass wir auch nicht mehr auf dem Gelände von Henkel unsere R&D-Abteilung hatten. In Spanien ergab sich durch unsere Akquisition von Nalco, dass wir nicht mehr das spanische Henkel-Werk nutzten, sondern das spanische Nalco-Werk. Jetzt sind Ecolab und Henkel fast vollkommen getrennt.

WRP: Das klingt ein bisschen nach Rivalität ...

Sam de Boo: Nein, eigentlich nicht. Ich denke, beide Seiten wollten ihre Aktivitäten entflechten. Henkel ist ein Markenproduzent. Seine Marke von anderen Firmen nutzen zu lassen ist nicht Henkels Philosophie. Und Ecolab betreibt ein anderes Geschäft. Wir bieten komplexe Services im B-to-B-Geschäft an, da ist die Chemie nur ein Teil.

Teun Nolet: Bei Ecolab Deutschland arbeiten viele Personen, die ursprünglich von Henkel kommen. Das ist aber unproblematisch, sie sind schon lange ein Teil des Ecolab-Teams.

WRP: Vielen Dank für die genaue Erklärung. Lassen Sie uns detaillierter auf Ihr Geschäft mit Wäschereien und Textilservice eingehen.

Sam de Boo: Gern. Wir kümmern uns um gewerbliche Wäschereien und Textilservice-Unternehmen. Diese Kundschaft bearbeitet jährlich viele Millionen Kilogramm an Wäsche und Berufsbekleidung für die Industrie, das Gastgewerbe, Health & Care und die Lebensmittelkette. Die Anforderungen dieser Wäschereien und Textilservice-Unternehmen sind sehr spezifisch und individuell. Der andere Sektor betreut den institutionellen Bereich. Hier werden Hotels, Pflegeheime, Krankenhäuser und Industrieunternehmen mit kleineren, hauseigenen Wäschereien bedient. Aber es werden dort z. B. auch Geschirrspülmittel verkauft, wenn eine eigene Küche existiert, oder andere Produkte für die Hauswirtschaft. Das ist für Ecolab interessant.

Teun Nolet: In Europa sind gewerbliche Wäschereien und Textilservice-Anbieter der größere Bereich. Das ist in den entwickelten Märkten eigentlich überall so. Demgegenüber sind hauseigene Wäschereien eher in weniger entwickelten Märkten der größere Markt. Qualität, d. h. saubere Wäsche, ist immer das Wichtigste. Während es zusätzlich bei den gewerblichen Wäschereien und Textilservice-Unternehmen vor allem um die gesamten operativen Kosten und Effizienz geht, stehen bei hauseigenen Wäschereien eher Themen wie Effektivität und Funktionalität im Vordergrund.

WRP: Wenn eine Hotelkette oder Krankenhäuser eine oder mehrere Zentralwäschereien haben, werden die dann von der Global Institutional Division betreut oder von Ihrer Textile Care Division ?

Sam de Boo: Wenn in dem Betrieb nur gewaschen wird und es eine große Wäscherei ist, die z. B. 15 Tonnen pro Tag wäscht, dann wird sie von unserer Division Textile Care betreut. In Spanien haben wir eine Hotelkette als Kunden, die zwei zentrale Wäschereien für etwa 30 Hotels hat. Die sind mit Tunnelwaschanlagen ausgestattet und richtig groß. Dazu haben sie aber auch noch einige kleine hauseigene Wäschereien in abgelegenen Hotels. Die werden alle von uns, der Textile Care Division, betreut, weil das ein Kunde ist.

Teun Nolet: Unsere Kollegen in der institutionellen Division wissen auch, was zu tun ist. Aber bei uns gibt es mehr Optimierungsmöglichkeiten, z. B. bei Energie und Wasser, weil die Mengen größer sind und weil die Anlagen komplexer sind.

WRP: Was genau bieten Sie in Ihrer Division Textile Care an ? Sind das Waschmittel, sind das Betriebssteuerungssysteme, ist das Beratung ?

Sam de Boo: Wir bieten dreierlei an: zunächst mal unsere persönliche Beratung vor Ort, dann unsere Technologie bezogen auf die Steuerung und Dosierung von Chemie, Wasser und Energie. Und drittens – und das ist für uns das zentrale Anliegen – unsere permanente Betreuung zur Verbesserung der Betriebsleistung.

WRP: Eigentlich können sich Ihre Kunden also mit dem Waschmittel einen Partner kaufen, der ständig versucht, die Waschprozesse zu verbessern.

Sam de Boo: Das kann man so sagen, und dabei ist Vertrauen sehr wichtig. Ich denke, 50 % der Kundengedanken kreisen in einem ersten Gespräch um Themen wie: Kann ich meinem Gegenüber vertrauen, will der mir nur sein Produkt verkaufen, oder will er mein Problem lösen ? Wir wollen langfristige und konstruktive Partner sein. Das erfordert Vertrauen.

WRP: Das hat aber auch eine sehr persönliche Komponente.

Teun Nolet: Die persönliche Betreuung vor Ort gibt es von einem festen Betreuer, und der muss Erfahrung haben, gut ausgebildet sein und in Prozessen und Systemen denken können, damit er unseren Kunden helfen kann. Der Kunde muss spüren: Da ist jemand, der kennt sich aus, und wenn ich mal ein Problem habe, dann lohnt es sich, mit meinem Ecolab-Betreuer zu sprechen.

WRP: Haben Sie dann Verkäufer oder Berater ?

Sam de Boo: Wir haben beides, Verkäufer und Berater, aber mehr Berater. Mit der Chemie, die wir verkaufen, können wir tief in die Strukturen und Abläufe der Waschprozesse eingreifen. Das hat Auswirkungen auf die Waschergebnisse und auf die Kosten. Und das muss unser Berater auf die Gegebenheiten beim Kunden anwenden und vermitteln können. Sonst kann er dem Kunden nicht helfen und ihn auch nicht überzeugen.

Teun Nolet: Der Kunde kauft ein Waschmittel mit Services. Die Servicekomponente muss eingelöst werden. Dafür benötigen wir Beratertypen.

Sam de Boo: Aber wir haben auch Akquisiteure in unserem Team. Die verkäuferische Herausforderung der Akquisiteure ist die Neukundengewinnung. Das ist oft ein langwieriger Prozess. Es geht ja nicht nur darum, Waschmittel zu verkaufen. Vielmehr müssen die Kunden davon überzeugt werden, dass sie mit Ecolab sauber waschen und ihre Kostenposition verbessern können.

WRP: Sie haben also Berater und Akquisiteure. Sind das zwei Personen, oder sind das zwei Profile, die in einer Person vereint sind ?

Sam de Boo: Das sind zwei unterschiedliche Personen, außer in einigen Märkten, wo es geografisch zu schwierig ist, mit beiden zu arbeiten. Insgesamt haben wir viel mehr Berater als Akquisiteure in unserem Team. Bei bestehenden Kunden muss der Berater ständig schauen, ob er die Waschergebnisse und die Kosten beim Kunden verbessern kann.

WRP: Sie verkaufen mit der Chemie unterschiedliche Arten von Services ?

Teun Nolet: Der erste Schritt ist normalerweise, dass wir in die Wäscherei gehen und mit dem Kunden eine Bestandsaufnahme machen. Darauf aufbauend entwickeln wir Vorschläge, wie Waschergebnis und Kosten verbessert werden können. Dabei ist die Realisierung des gewünschten Waschergebnisses immer der erste Punkt. Dazu definieren wir dann gemeinsam mit dem Kunden ein entsprechendes Servicepaket.

WRP: Lassen Sie uns bitte mal mit ein paar Beispielen konkret werden, bei denen Sie über die Chemie hinaus den Kunden bedienen.

Sam de Boo: Wir hatten den Fall, dass bei einer Wäscherei die Zuführung der Waschmittel nicht optimal war und das Unternehmen Produktionszeit verlor, weil Waschmaschinen nacheinander mit Waschmitteln versorgt wurden. Mit unserem Know-how und unseren Produkten in der Dosierungstechnik konnten wir realisieren, dass die Waschschleudermaschinen deutlich schneller hintereinander mit Waschmitteln versorgt wurden, sodass die volle Waschleistung früher realisiert werden konnte und dadurch die Produktivität stieg.

Teun Nolet: Ein gutes Beispiel ist auch unser Performance-40-Programm. Mit dem Einsatz besserer Waschmittel können unsere Kunden schon bei 40 Grad Celsius desinfizieren. Das bringt viele Kostenvorteile gegenüber herkömmlichen Verfahren, die bei 60 bis 80 Grad Celsius desinfizieren.

WRP: Erst mal werden die Energiekosten zum Heizen des Wassers niedriger …

Sam de Boo: Aber nicht nur das. Im Vergleich zur herkömmlichen Methode wird auch Produktionszeit gespart, d. h. die Arbeitskos­ten könnten reduziert und die Maschinenproduktivität könnte erhöht werden. An einem Fallbeispiel konnten wir konkret für eine Wäscherei, die 40 Tonnen jährlich produziert, zeigen, dass für 20.000 Euro Wasser gespart werden konnte, 58.000 Euro Energieausgaben wurden gespart, und die Textilien hielten länger. Nicht zu vergessen die Erhöhung der Produktivität beim Personal und bei den maschinellen Kapazitäten.

WRP: Und das bessere Waschmittel ist der Ausgangspunkt ?

Sam de Boo: Genau. Es ist der Ausgangspunkt. Sie bekommen die ganzen positiven Effekte aber nur, wenn Sie auch die Waschverfahren insgesamt verändern. Dafür haben wir unsere Spezialisten. Das ist ja nicht über Nacht gemacht und bei den Wäschereien auch unterschiedlich umzusetzen.

WRP: Aber das neue Waschmittel ist teurer ?

Sam de Boo: Ja, es ist auch besser und führt insgesamt zu deutlich verringerten Kosten. Sehen Sie mal: Typischerweise liegen die Ausgaben für Chemikalien bei den großen europäischen Textilservice-Unternehmen bei 3 %. Alle anderen Bereiche liegen höher (vgl. Kasten „Ausgabenstruktur von Textilservice-Unternehmen in Europa“). Wenn Sie das etwas teurere Waschmittel kaufen, welches aber bei gleichem oder besserem Waschergebnis niedrigere Temperaturen erlaubt, dann können Sie den ganzen Waschprozess neu gestalten und bei den größeren Ausgabepositionen Wasser, Energie, Arbeit und Kapazitätskosten viel sparen. Die Amortisationszeit ist von Betrieb zu Betrieb verschieden, aber sie ist üblicherweise kurz.

WRP: Und hier kommen Ihre Experten als Partner so richtig zur Geltung, weil sie den Unternehmen helfen können, das Waschverfahren im Betrieb konkret umzubauen.

Teun Nolet: Die haben nicht nur die Erfahrung, sie haben auch eine spezielle Schulung und tauschen sich untereinander aus. Das ist für das einzelne Textilservice-Unternehmen ein großer Vorteil. Und wir machen das, um eine Partnerschaft zu haben.

WRP: Wie kommen Ihre Berater denn an die Grundlagenkenntnisse ? Irgendwo muss sich Ecolab doch die Grundlagen erarbeitet haben ?

Sam de Boo: Das passiert in unseren Research&Development-Abteilungen und in Praxisanwendungen. Ecolab hat auch hier in Monheim eine große R&D-Abteilung. Da steht eine ganze Wäscherei mit Tunnelwaschanlage. Hier werden Kundenprobleme analysiert und Grundlagenforschung betrieben. Ohne ein solches Technikum könnten wir unseren Anspruch, innovative Lösungen für Waschverfahren zu entwickeln, nicht einlösen.

WRP: Ecolab beschäftigt sich mit der Steuerung der Wäscherei nicht nur aus der Perspektive des Waschverfahrens und der Waschmittel. Seit einiger Zeit bieten Sie auch ein umfassendes Managementsystem für die Wäscherei an. Ist Ecolab ein Spezialist für die Organisation und Steuerung einer Wäscherei geworden ?

Sam de Boo: Unser Angebot „My Laundry“ erlaubt es, Betriebsdaten zu erfassen und übersichtlich darzustellen. Dadurch weiß der Wäschereileiter oder der Schichtführer immer sehr schnell Bescheid, wenn es irgendwo einen Engpass oder eine Produktionsunterbrechung gibt. Da kann er sofort in die Produktion laufen und agieren. Weiter können die Betriebsdaten ausgewertet werden und so die Performanz der Wäscherei bewertet werden. „My Laundry“ stellt sehr gute Instrumente bereit, um die Effizienz einer Wäscherei zu verbessern.

Teun Nolet: Das System besteht aus vier Komponenten: (1) einer Übersicht über die maschinellen Kapazitäten und ihre Nutzung namens „My Wash“, (2) „My Energy“, damit werden die Verbräuche von Energie, Wasser und Waschmitteln in der ganzen Produktion gemessen, (3) „My Team“, da können die Produktionsdaten des Teams und seiner Mitglieder abgebildet werden, und (4) „My Support“. Mit diesem Modul werden regelmäßige Übersichten erstellt. Es können Betriebe in einem Konzern verglichen werden, Benchmarks lassen sich ermitteln und mit dem eigenen Leistungsniveau vergleichen. Die Betriebe wissen dann, wo sie im Vergleich stehen, wo sie stark und wo sie schwach sind, und dann wird natürlich über Verbesserungspotenziale gesprochen.

WRP: Finden die Unternehmen diese internen Vergleiche gut ? Da werden doch alle Karten auf den Tisch gelegt.

Sam de Boo: Die Betriebe wollen das. Der interne Vergleiche gibt untereinander den Anreiz, sich weiter zu verbessern. Die Zentrale spielt da eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse von „My Laundry“ sind richtig gut. In einem typischen Fallbeispiel mit einer 40-Tonnen-Wäscherei konnten wir eine quantifizierbare Produktivitätsverbesserung von 45.000 Euro p. a. erzielen und eine Energieersparnis von 32.000 Euro p. a.

WRP: Dann müsste sich doch auch dieses System recht schnell amortisieren ?

Sam de Boo: Das ist vom Betrieb abhängig und auch davon, wo überall Betriebsdaten erfasst und ausgewertet werden sollen. Bei einem vollständigen Einsatz von „My Laundry“ sprechen wir von Investitionen zwischen 100.000 und 200.000 Euro. Oft ist die Amortisationszeit gut.

WRP: Wie ist Ecolab als Chemieunternehmen darauf gekommen, Software anzubieten ?

Sam de Boo: Weil unsere Kunden da Bedarf haben. Wie gesagt: Wir entwickeln uns mehr und mehr zum Systemanbieter bei Hygiene und der Sicherung einer gesunden Umwelt. Waschmittel sind ein wichtiger Ausgangspunkt, aber wir haben uns zu Verfahrensspezialisten entwickelt.

WRP: Wir sahen einen Vorläufer von „My Laundry“ erstmalig auf der Clean Show in Atlanta und dachten, das wird sich ganz schnell in der Praxis durchsetzen. Wie viele Anwendungen haben Sie laufen ?

Sam de Boo: In Europa sind es noch nicht so viele. Weltweit sind es zusammen mit den Vorläuferprodukten über 500, davon die weitaus meisten in den USA.

Teun Nolet: „My Laundry“ ist erklärungsbedürftig. In den Markt eingeführt wurde es von uns erst 2011 und das letzte Modul erst 2013. Die Steuerung des gesamten Waschprozesses mithilfe von Betriebsdaten ist ein ganz bedeutendes Thema für die Produktivitätsverbesserung. Das haben viele Unternehmen erkannt, und sie beschäftigen sich damit. Solche Systementscheidungen sind wichtig und langwierig, weil es eine Veränderung des Managementsystems ist und auch eine ziemlich große Investition darstellt. So eine Entscheidung kostet Zeit.

WRP: Kommen wir abschließend auf die Nachhaltigkeit als Teil der Ecolab-Firmenpolitik. Ich denke, dass aus Ihren Schilderungen klar geworden ist, dass Ecolab das eigene Kerngeschäft als Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften in der Welt sieht.

Sam de Boo: Sicherlich! Darüber hinaus führen wir unsere Produktionsstätten nachhaltig. In unserem Corporate Sustainability Report sind konkrete Ziele und Erfolge für z. B. den CO₂- Ausstoß, den Wasserverbrauch, das Brauchwasser und den Abfall genannt, wir messen unsere Fortschritte bei der Vermeidung von Unfällen am Arbeitsplatz etc. Wir haben auch eine Ecolab Foundation, die 2012 über 5 Mio. US-Dollar für Projekte in Kommunen, Jugendarbeit, Kultur etc. gestiftet hat und vieles mehr.

Teun Nolet: Einen Aspekt hier in unserer neuen deutschen Zentrale in Monheim möchte ich noch nennen: wir haben für unser neues Gebäude ein Eisspeicher-System für die Gebäudeheizung und Klimatisierung. Mit 1,6 Millionen Litern Fassungsvermögen handelt es sich dabei um die weltweit größte Anlage ihrer Art. Wir sparen damit mehr als 50 % unserer Energiekosten für Heizung und Klimatisierung, und die Anlage ist nahezu frei von CO₂-Emissionen.

Sam de Boo: Wie ich am Anfang sagte: Wir wollen die Welt jeden Tag etwas sauberer, sicherer und gesünder machen.

WRP: Meine Herren, vielen Dank für dieses Gespräch.


Profil Ecolab


Ecolab ist eine amerikanische Aktiengesellschaft mit der Zentrale in St. Paul, Minnesota. Der Umsatz lag 2012 bei etwa 12 Mrd. US-Dollar, die mit ca. 44.000 Mitarbeitern realisiert wurden. Ecolab definiert sich als marktführender Anbieter von Verfahren und Services in den Bereichen Wasser- und Energienutzung sowie bei der Hygieneproduktion. Das europäische Hauptquartier ist in Zürich, der Sitz von Ecolab Deutschland ist in Monheim bei Düsseldorf. Der Umsatz von Ecolab in Europa lag 2012 bei 2,6 Mrd. US-Dollar. In Deutschland wurden etwa 500 Mio. US-Dollar über alle Geschäftsfelder erlöst.

Ecolab ist in acht globale Sektionen aufgeteilt. Eine davon ist die Division Textile Care, die sich nur mit industriellen Wäschereien und Textilservice-Unternehmen beschäftigt. Eine andere Division ist das „Global Institutional“-Geschäft, bei der z. B. Hotels oder Industrieunterehmen betreut werden, die eine hauseigene Wäscherei haben. Mit den hauseigenen Wäschereien des „Global Institutional“-Sektors zusammen entfallen etwa 10 % des Umsatzes auf Wäschereien und Textilservice-Anbieter.

Die globale Textile Care Division ist 2012 gekennzeichnet durch die Betreuung von mehr als 5000 Wäschereien weltweit. Ecolab berichtet für 2012 von 70.000 Service-Besuchen bei Kunden der Textile Care Division, die von mehr als 500 Wäschereifachleuten vorgenommen wurden. In der Textile Care Division werden angeboten:

– Wasch- und Waschhilfsmittel,
– Dosiertechnologie,
– Datenmanagement für die Effizienzsteigerung und Kostenkontrolle in der Wäscherei,
– Wasser- und Energiemanagement,
– Beratung für die Wäscherei.

Die Division Textile Care Europa wird von Sam de Boo geleitet. Das Geschäft mit Textilservice-Unternehmen und industriellen Wäschereien wird in Deutschland und der Schweiz von Teun Nolet betreut. In Europa sind in dieser Division etwa 300 Personen beschäftigt.

Ecolab Deutschland GmbH
Ecolab-Allee 1
40789 Monheim am Rhein
Telefon: +49 (0) 2173 599 0

Interview aus WRP 01-2014