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Alsico Deutschland

Wir wollen in Deutschland stärker werden

Alsico ist seit 80 Jahren als Anbieter von Berufsbekleidung im europäischen Markt aktiv. Die Alsico Gruppe zählt mit etwa 180 Mio. Euro Umsatz zu den großen europäischen Anbietern, ist in Deutschland jedoch bisher nur verhalten präsent. Das soll sich ändern. Wir sprachen mit Gunter Meessens, dem Managing Director bei Alsico, und mit Udo-Lutz Grundel, Key Account Manager Deutschland.

Gunter Meessens
Gunter Meessens ist seit neun Jahren bei Alsico und nahm verschiedene Managementfunktionen ein. Heute ist er Managing Director der Alsico NV. Gunter Meessens ist als Industrie-Ingenieur mit dem Schwerpunkt Textilchemie ausgebildet. Zusätzlich erwarb er den Master of Business Administration mit der Spezialisierung auf das Supply Chain Management. Bevor er zu Alsico kam, arbeitete Gunter Meessens in der Textilindustrie bei Utexbel als Product Development Manager und in der Konfektion bei Levi Strauss als Purchasing & Sourcing Manager. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
Udo-Lutz Grundel
Udo-Lutz Grundel ist Key Account Manager und betreut die Textilservice-Unternehmen in Deutschland. Er hat ausgeprägte, branchenübergreifende Erfahrungen in Marketing und Vertrieb. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft war er viele Jahre im Marketing bei der Firma Rittal, Weltmarktführer für Schaltschrank­systeme, und leitete später die internationale Marktforschung der Firma. Seit 2013 ist Udo-Lutz Grundel bei Alsico. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Alle unsere Artikel sind so konzipiert, dass sie von industriellen Wäschereien wiederaufbereitet werden können.
Mit unserem A-Move-Konzept stellen wir eine Innovation vor, die den Bewegungskomfort als ergonomisches Element in den Vordergrund stellt.
WRP: Herr Meessens, Herr Grundel, Sie haben gesagt, Alsico sei der größte Bekleidungslieferant für den Textilservice in Europa. In Deutschland wird Alsico gar nicht so groß wahrgenommen.

Gunter Meessens: Die Alsico Gruppe macht einen Gesamtumsatz von circa 180 Mio. Euro, und wir beschäftigen 4.200 Mitarbeiter weltweit. Unsere Produktion ist in den wichtigen Konfektionsregionen der Welt gelegen. Es sind eigene Betriebe. Zur Charakterisierung der Alsico Gruppe benutze ich gern das Wort Faminational. Wir sind einerseits ein Familienunternehmen mit dem Hauptsitz in Ronse, Belgien, und andererseits wie ein multinationaler Konzern mit Aktivitäten in mehr als 30 Ländern. Faminational heißt: „Family“ und „Multinational“.

WRP: Wo liegen die Schwerpunkte von Alsico im Vertrieb?

Gunter Meessens: Regionale Schwerpunkte sind Frankreich, Großbritannien und Benelux. Unser Vertrieb hat Stützpunkte in Europa, den USA und Süd­ostasien. Etwa die Hälfte unseres Umsatzes realisieren wir mit Wäschereien.

WRP: Wie sieht es mit Deutschland aus?

Udo Grundel: Deutschland ist einer unserer wichtigsten Wachstumsmärkte für die nächsten Jahre. Hier haben wir noch enormes Potenzial, welches wir stetig und nachhaltig ausschöpfen werden. Bis vor einiger Zeit hatten wir ein Büro in Worms, welches 2010 eröffnet wurde. Inzwischen haben wir uns in Deutschland neu aufgestellt, um den wichtigsten Markt in Europa besser zu erschließen. Das Büro ist nun in Köln angesiedelt und unser Team Germany inzwischen auf drei Kollegen angewachsen.

Gunter Meessens: Unser Wachstum ist bisher eher den Opportunitäten als einer klaren Strategie gefolgt. Deutschland ist dabei nicht so sehr im Mittelpunkt gewesen wie zum Beispiel England oder Frankreich. Dort haben wir seit 1993 mehrere Gesellschaften übernommen. Zuletzt haben wir in diesem Jahr die französische Berufsbekleidungsfirma Molinel von Elis erworben.

WRP: Wie stark steuern Sie die Alsico Gruppe aus der Zentrale in Belgien?

Gunter Meessens: Wir haben von 2004 bis 2012 unseren Umsatz von 90 auf 180 Millionen Euro verdoppelt. Dabei spielt die Steuerung durch unsere Zentrale in Ronse eine entscheidende Rolle. Aber wir sind im operativen Geschäft nicht zentralisiert. Unsere Gruppe versteht sich eher dezentral. Die einzelnen Unternehmen sollen selbstständig arbeiten. Wir sind der Überzeugung, dass es so besser gelingt, die Gegebenheiten der lokalen Märkte zu beachten. Es geht aber auch um Schnelligkeit und die Kreativität für Kundenlösungen. Dafür ist eine dezentrale Führung mit kurzen Entscheidungswegen und hoher lokaler Kenntnis sehr gut geeignet. Im Rahmen der Firmenpolitik können die Filialen deshalb weitgehend eigenständig arbeiten.

Udo Grundel: Auch Deutschland wird von Alsico NV aus gesteuert. Der Fokus des Team Germany liegt auf den Vertriebs- und Marketingaktivitäten. Die Betreuung der Projekte erfolgt dabei in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen in Ronse.

WRP: Diese dezentrale Struktur macht es nicht leicht, eine europaweite, starke Marke zu sein. Wo liegt die Stärke von Alsico?

Gunter Meessens: Wir kommen nicht aus dem Geschäft mit Markenprodukten und verstehen uns nicht als Markenartikler. Wir sind Projektspezialisten, und wenn es um Markenbildung geht, dann machen wir eher „Private Label“-Geschäft für unsere Kunden. Wir sagen dazu „Blanko“-Produkte, die dann für unsere Kunden spezifiziert werden. Zu diesen Spezifikationen kann auch der Name als „Private Label“ gehören. Die Steigerung des Bekanntheitsgrades von Alsico als Unternehmen und Marke erreichen wir mit anderen Mitteln, zum Beispiel durch die Nutzung der neuen Medien. Hier spielt unter anderem der Aufbau von e-Communities und die Gründung der Alsico Akademie eine wichtige Rolle – und diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen.

WRP: Wie arbeiten Sie dann mit der Alsico-Kollektion? Gibt es die überhaupt?

Gunter Meessens: Die Alsico-Kollektion besteht aus Konzeptkollektionen auf Lager und ist diversifiziert in die Bereiche Industrie/PSA, Care und Services. Diese Kollektionen sollen unseren Kunden einen Eindruck von unserem Leistungsspektrum vermitteln. Sie sind häufig die Basis für weitere Spezifikationen der Kunden in ihren Projekten.

Unsere neue Care-Kollektion für den Pflegesektor beispielsweise besteht aus mehreren Bekleidungslinien, die in unterschiedlichen Farbpaletten erhältlich sind. Jede dieser Bekleidungslinien ist ein in sich geschlossenes Gesamtpaket und wurde den Funktionen innerhalb des Pflegesektors entsprechend entwickelt. Wir sind in die Berufsgruppen hineingegangen. Vom Krankenpfleger und Servicemitarbeiter über die medizinisch technischen Assistenten und Ärzte bis hin zum Reinigungspersonal bieten wir Bekleidungslinien und ermöglichen damit ein einheitliches Erscheinungsbild nach außen. Auf diese Weise entsprechen wir einerseits den individuellen Anforderungen des jeweiligen Tätigkeitsbereichs und andererseits dem Anspruch des Kunden an Corporate Clothing mit einem modernen und einheitlichen Erscheinungsbild.

Auch unsere Industrie-Kollektion ist sehr umfangreich. Einerseits decken wir den gesamten Bereich der textilen Schutzbekleidung (PSA) ab, bieten aber auch eine breite Palette von Workwear ohne normierte Schutzfunktionen an. 

Die Alsico-Service-Kollektionwurde für das Personal im Gastgewerbe und im Einzelhandel entworfen. Auch hier haben wir uns die Berufsbilder genau angeschaut und Bekleidungslinien für Köche, die lebensmittelverarbeitende Branche, Services in Hotels und Restaurants und für das Catering erarbeitet. Auch hier dient die Kollektion als Basis für Kundenprojekte. Im Cateringbereich beispielsweise arbeiten wir mit einigen großen Cateringgesellschaften wie zum Beispiel Sodexho und Flunch zusammen.

WRP: Haben Sie von so durchdachten Konzeptkollektionen wie Care oder Industrie auch Artikel auf Lager oder setzen Sie vollständig auf kundenspezifische Projekte?

Gunter Messens: Einen Teil der Kollektion halten wir auf Lager, aber im Kern verstehen wir uns als Projektspezialisten. Wir haben jahrzehntelange Erfahrung bei Großprojekten und der Anpassung unserer Konzeptartikel auf die besonderen Anforderungen und Gegebenheiten der Kunden. Wir betreiben Maßanfertigung für unsere Kunden und bieten ihnen die Lagerung und somit jederzeitige Verfügbarkeit ihrer spezifischen Kollektionen.

WRP: Wie erfolgt denn dieses Projektgeschäft?

Gunter Meessens: Alsico verfolgt einen Rundum-Ansatz. Wir versuchen, uns möglichst früh bei einem Kundenprojekt einzubringen. Das kann schon mit der Gewebeentwicklung beginnen, wenn der Kunde zum Beispiel eine Wäscherei ist. Alle unsere Artikel sind so konzipiert, dass sie von industriellen Wäschereien wiederaufbereitet werden können. Insbesondere bei PSA-Schutzbekleidung verfügen wir hier über jahrzehntelange Erfahrung aus zahlreichen Projekten.

Aber auch Design, Styling und Schnitt werden mit unseren Kunden entwickelt. Entweder nach Lastenheft und Vorgabe des Kunden oder auf Basis der Vorschläge unserer Stylisten. Dabei geht es nicht nur um die Realisierung der Unternehmensfarben und die Applikation des Firmenlogos. Es gibt oft sehr unterschiedliche Anforderungen, die neben funktionalen Differenzen auch mit den unterschiedlichen regionalen Modevorstellungen zusammenhängen. Ein Styling für Frankreich sieht in Sachen Schnitt und Accessoires wie beispielsweise Knöpfe, Klettverschlüsse oder Zugbänder durchaus anders aus als ein Styling für zum Beispiel den osteuropäischen Markt. Unser Rundum-Ansatz bezieht sich selbstverständlich auch auf die Logistik. Wir können aus unseren Werken direkt an den Ort liefern, den der Kunde spezifiziert. Dies sind einige unserer Stärken, die sich aus unseren langjährigen internationalen Aktivitäten entwickelt haben. Alsico is more than workwear.

Als weiteren Top-Service für unsere Kunden bieten wir dem Einkäufer die Möglichkeit, online Bestellungen auszulösen und sowohl die Lagerbestände als auch die Abnahmemengen einzelner Niederlassungen oder Abteilungen einzusehen und nachverfolgen zu können.

WRP: Sie haben neun eigene Produktionsbetriebe in der Welt. Gehört es auch zur Projektspezifikation, den richtigen Produktionsbetrieb zu finden?

Gunter Meessens: Das ist Teil der Arbeit. Wir haben eine sehr effektive Projektorganisation. Bei einem neuen Kundenauftrag arbeitet an dem Projekt ein Team welches aus einem Produktingenieur, Konfektionstechnikern, Stylisten und Projektassistenten besteht. Dabei kommt es darauf an, alle individuellen Stärken so aufeinander abzustimmen, dass der Wunsch des Kunden optimal umgesetzt wird.

WRP: Wie wichtig ist dabei ihre weltweite Produktionsbasis?

Gunter Meessens: Wir haben eigene Produktionsstätten in der Ukraine, Tschechien, Bulgarien, dem Maghreb-Raum und in Südostasien. Diese Selbstständigkeit versetzt uns in die Lage, in jeder Phase des Produktionsprozesses jederzeit eingreifen, Veränderungen herbeiführen und sowohl Qualitäts- wie Produktionsstandards selbst festlegen zu können.

Das bedeutet hinsichtlich der kritischen Faktoren räumliche Entfernung, Zeit und Kosten, sehr flexibel handeln zu können und somit unser Qualitätsversprechen gegenüber unseren Kunden einzuhalten. Ein aus unserer Sicht heutzutage entscheidender Vorteil im internationalen Geschäft.

Udo-Lutz Grundel: Wir werden aufgrund unserer breiten Produktionsbasis als ein sehr leistungsfähiger Wettbewerber im Projektgeschäft wahrgenommen. Einige unserer Großkunden in Deutschland teilen uns regelmäßig unsere Position im Ranking ihrer internen Lieferantenbewertungen mit. Hier gehören wir bereits seit Jahren zu den besten Bekleidungsanbietern. Eine solche Bewertung betrachtet nicht nur den Preis, sondern auch die Lieferzeit, die internationale Lieferfähigkeit, die Güte der Kreativleistung und zahlreiche andere Leistungselemente – letztlich das Gesamtpaket des Partners. 

Gunter Meessens: Unser Anspruch kommt in unserem Slogan „More than workwear“ deutlich zum Ausdruck. Dieses Mehr ist vor allem der Service. Ein Beispiel im Rahmen großer Projekte ist hier die Gestaltung unternehmensinterner Webseiten für den Kunden, über die sich die Mitarbeiter ihre für die jeweilige Berufsgruppe freigegebene Bekleidungslinie selbst zusammenstellen und direkt bestellen können. Sozusagen ein nach Tätigkeitsbereichen individualisierter Webshop.

WRP: Die A+A steht vor der Tür.

Gunter Meessens: Wir freuen uns sehr auf die Messe, denn die Schutzbekleidung ist ein sehr wichtiges Thema für uns. Wir sehen uns als Spezialist, der alle Bereiche der normenorientierten Schutzbekleidung abdeckt. Auch unser PSA-Umsatz entspricht dem eines größeren, textilen PSA-Unternehmens. Das wollen wir auf der A+A zeigen.

WRP: Gibt es auch Produktinnovationen, die Alsico zeigen wird?

Gunter Meessens: Eine Messe wie die A+A muss genutzt werden, um Innovationen zu zeigen. Dort werden wir vor allem unser A-Move-Prinzip auch für Workwear zeigen. Wir haben es bereits in der Care-Kollektion eingebaut und haben nun den aus unserer Sicht nächsten logischen Schritt vollzogen und das Konzept auf unsere Workwear-Linie für die Industrie übertragen. A-Move rückt einen Aspekt der Berufsbekleidung in den Vordergrund, der in diesem Bereich bisher eher vernachlässigt wurde: die ergonomische Optimierung. In den vergangenen Jahren waren Funktionalität und modische Gestaltung die wichtigsten Faktoren bei der Produktentwicklung. Die Ergonomie hat eine untergeordnete Rolle gespielt. Mit unserem A-Move-Prinzip stellen wir eine Innovation vor, die den Bewegungskomfort als ergonomisches Element in den Mittelpunkt rückt.

A-Move unterstützt den Mitarbeiter bei den am häufigsten durchgeführten Bewegungen wie zum Beispiel Seitwärts-, Hebe- und Zugbewegungen. Der Träger muss sich nicht mehr gegen den Schnitt des gerade getragenen Bekleidungsmodells bewegen. Vielmehr stellt die Konstruktion eine Entlastung durch die Einarbeitung elastischer Stoffe in der Rücken-/Schulterpartie oder in anderen bewegungskritischen Bereichen dar. Der Anwender empfindet eine deutlich größere Bewegungsfreiheit und fühlt sich entspannter beziehungsweise weniger angestrengt bei der Ausführung zahlreicher Tätigkeiten.

WRP: Basiert die Elastizität auf elastischen Geweben oder auf der Verwendung von Maschenware?

Gunter Meessens: Wir verwenden Maschenware. Ich sehe zukünftig generell bei der Workwear eine stärkere Vermischung von gewebten Stoffen, Maschenware, Laminaten und anders hergestellten Flächengebilden.

Wir haben das A-Move-Prinzip weiterentwickelt. Es wird nun auf Modelle in der Berufsbekleidung für die Industrie übertragen und in der neuen Industrie-Kollektion zur A+A gezeigt. Wir haben es dann mit mit einer neuen Generation von A-Move zu tun. Aus unserer Sicht ist A-Move mehr als nur ein Trend, als Konzept ist es die Zukunft in der Berufsbekleidung – und wir haben es schon heute.

WRP: Lassen Sie uns auf den Vertrieb zurückkommen. Sie haben gesagt, 50 Prozent der Produkte gehen in den Textilservice. Wo gehen die anderen 50 Prozent hin und wie organisiert Alsico den Vertrieb?

Gunter Meessens: Wir vertreiben an den Textilservice als wichtigste Kundengruppe, aber auch an große Unternehmen direkt und an den Großhandel.

WRP: Ergeben sich daraus nicht Konflikte, weil Alsico mehrere Distributionskanäle gleichzeitig bedient?

Gunter Meessens: Nein, das sehe ich nicht so. Wenn wir zum Beispiel direkt mit großen Unternehmen sprechen, dann versuchen wir möglichst schnell Textilservice-Unternehmen in das Projekt zu integrieren, wenn der Kunde das will. Oder der Kunde selbst holt Textilservice-Unternehmen mit an den Tisch. Unser Interesse ist es, den Textilservice mit einzubinden, denn die professionelle Pflege verlängert den Lebenszyklus unserer Bekleidung, und wir haben kompetente Partner, mit denen wir sprechen können. Unsere gesamte Produktion ist darauf ausgelegt, in industriellen Wäschereien gepflegt zu werden. Wir beobachten derzeit aber auch, dass die großen Unternehmen ein verstärktes Interesse an ihren Bekleidungskonzepten entwickeln und sie deshalb zunehmend den direkten Kontakt mit Alsico und anderen Berufsbekleidungsanbietern suchen.
Weiter müssen Sie sehen: Unser breit angelegter Vertrieb ist einerseits historisch erfolgreich gewachsen und erlaubt es uns andererseits, unseren sehr wettbewerbsstarken Produktions- und Beschaffungsservice zu erhalten und auszubauen. Das ist für alle Kunden attraktiv.

WRP: Sie haben sogar das eigene Label „Industrial Laundry Resistant“ entwickelt, um zu zeigen, dass Alsico-Produkte auf industrielle Wäschereien ausgelegt sind. Warum greift Alsico dabei nicht auf die EN 30023 zurück? Die wird ja auch von der ETSA propagiert, in der die großen industriellen Anbieter von Textilservices organisiert sind.

Gunter Meessens: Wir haben in jedem Bekleidungsstück eine Waschanleitung, aber gerade für die großen Wäschereien gilt, dass Anleitungen und grobe Hinweise nur Anhaltspunkte sind. Die Wäschereien haben maschinelle Voraussetzungen und Abläufe, die einheitliche Vorschriften nicht möglich machen. Wir setzen hier auf Kommunikation. So haben wir die Alsico Akademie eingerichtet, die hier hilfreich sein kann, um Zweifelsfälle oder individuelle Voraussetzungen zu klären.    

WRP: Wie sehen die mittelfristigen Ziele von Alsico aus?

Gunter Meessens: Die grundlegende Zielsetzung von Alsico ist, sich als „exzellentes“ Unternehmen im Markt für Berufsbekleidung im Wettbewerb zu positionieren. Dafür verfolgen wir fünf Grundverantwortungen und versuchen sie bestens umzusetzen: (1) gegenüber den Kunden und Handelspartnern, (2) gegenüber den Mitarbeitern, (3) gegenüber der Gemeinschaft, (4) gegenüber der Umwelt, (5) gegenüber den Anteilseignern (Inhabern) und gegenüber unseren weltweit verteilten Fertigungsstätten. Das Management übernimmt seine Verantwortung, indem es diese Ziele praxisgerecht konkretisiert, kommuniziert und entsprechend steuert. Die Mitarbeiter leisten ihre Beiträge, indem sie in ihrer Funktion zur Erreichung dieser Ziele beitragen. Um den Ansprüchen unserer Kunden und unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, arbeiten wir fortlaufend an der Verbesserung unserer internen Prozesse. Wir wollen ein gesundes Unternehmen mit einem angenehmen Arbeitsklima sein, in dem der Kunde im Mittelpunkt steht und die Mitarbeiter darauf stolz sind, ein Mitglied des Teams zu sein.

WRP: Hat Alsico auch konkrete marktbezogene Ziele?

Gunter Meessens: Selbstverständlich werden die grundlegenden Ziele praktischer formuliert. Wir wollen weltweit ein führender Anbieter sein, aber das ist nach Segmenten zu differenzieren. Im europäischen Markt befinden wir uns unter den Top 3 bis 4.

WRP: Wie sieht es in Deutschland aus?

Gunter Meessens: Deutschland hat bei Alsico einen deutlichen Nachholbedarf. Da wollen wir vorankommen.

Udo-Lutz Grundel: Wir arbeiten bereits mit einigen der großen Textilservice-Anbieter und stoßen dabei auch auf sehr positive Resonanz. Die Feedbacks aus den Lieferantenbewertungen sind sehr erfreulich. Unsere Angebote und unsere Arbeitsweise gelten als sehr wettbewerbsfähig. Gerade in Deutschland wollen wir unsere Stärken im Projektmanagement nutzen. Wir haben ein Projektteam, welches sich mit Design, Marketing und Produktion der Projekte in Deutschland beschäftigt. Es unterstützt gezielt die Key Account Manager in Deutschland. Das Team steht oft in direktem Kontakt mit dem Kunden und steuert sich weitgehend selbst. Diese Art der Organisation und die schnelle, direkte Kommunikation machen uns sehr stark in der Zusammenarbeit mit großen Kunden.

Gunter Meessens: In Deutschland, aber auch in anderen Regionen, kommt es beim Projektgeschäft darauf an, früh Kontakt zu den Kunden zu bekommen. Viele Kunden, auch große Unternehmen, suchen Beratung und Hinweise bei der Konkretisierung von Ausschreibungen. Von Anfang an bei Projekten dabei zu sein ist von großer Bedeutung für den Akquisitionserfolg.

Udo-Lutz Grundel:: Aber auch kleinere mittelständische Unternehmen schätzen – aufgrund des hohen Workloads heutzutage – unsere Unterstützung sehr. Wie in anderen Ländern werden wir uns auch hierzulande nicht auf die großen Textilservice-Unternehmen allein verlassen können. Wäschereien mit Umsätzen zwischen 10 und 20 Mio. Euro haben oft interessante Projekte, bei denen wir sie mit unserer Erfahrung unterstützen können. Der deutsche Markt ist vielfältig und vielschichtig, da gibt es für Unternehmen mit einem solch breit gefächerten Know-how wie Alsico viele Möglichkeiten, sich einzubringen.

WRP: In Deutschland ist es gerade bei den großen Textilservice-Anbietern wichtig geworden, zum Thema Corporarate Social Responsibility klar Stellung zu beziehen. Wie sieht Alsico dieses Thema?

Gunter Meessens: Alsico legt großen Wert auf die Nachhaltigkeit der Firmenaktivitäten. Ich denke, das ist schon bei der Erläuterung unserer Grundwerte klar geworden. Aktuell, das heißt in diesem Jahr, sind wir gerade von der flandrischen Handelskammer VOKA als Botschafter der Region flämische Ardennen ausgezeichnet worden. Damit ist vor allem unser soziales und personalpolitisches Engagement gewürdigt worden. Ich komme noch mal zurück auf Faminational: Wir wollen damit auch die Art der Unternehmensführung ausdrücken, die Alsico anstrebt. Wir versuchen eine Balance herzustellen zwischen den Idealwerten eines Familienunternehmens, welches Alsico ist, und den positiven Werten eines multinationalen Konzerns. Einerseits sind wir klar daran orientiert, Gewinne zu erwirtschaften. Wir sind aber auch ständig bestrebt, ein ausgewogenes Verhältnis in dem Dreieck Arbeit, Familie und Gesundheit zu realisieren. Da gibt es viele Initiativen, wie zum Beispiel den Beschäftigungsplan 45+. Dabei geht es darum, die Mitarbeiter so lange wie möglich zu behalten und sie in die Gestaltung der Arbeitsprozesse mit einzubeziehen. Durch Fokusgruppen und Teamwork werden die Mitarbeiter ermutigt und angeregt, sich aktiv an Entscheidungen zu beteiligen, die den betrieblichen Wandel fördern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden so zu Partnern am Arbeitsplatz. Das verbessert das Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter, unsere betrieblichen Abläufe, die Motivation und die ökonomischen Ergebnisse.

WRP: Und wie sieht es mit Zertifikaten aus?

Gunter Meessens: Als international agierendes Unternehmen sehen wir die Kenntnis über Inhalte und Entwicklungen sowohl nationaler als auch internationaler Richtlinien als Grundvoraussetzung und Verpflichtung für die stetige Erschließung der Märkte, in denen wir uns bewegen. Qualität hat bei uns oberste Priorität. Deshalb sind wir sowohl nach ISO 9001 und - bezüglich unserer Umweltorientierung - auch nach ISO 14001 zertifiziert und stellen Fairtrade-Produkte nach FAIRTRADE/MAX HAVELAAR her. Alle Produkte entsprechen Ökotex 100, und wir sind der ILO (International Labour Organization) beigetreten. Schließlich haben wir uns auch mit dem Recycling nicht mehr benötigter Bekleidung beschäftigt und einen Recyclingvertrag abgeschlossen. Die ausgemusterte Bekleidung wird vollständig zerkleinert, von allen textilfremden Objekten befreit und zu Ballen gepresst. Diese Ballen werden dann zur Produktion von Isoliermaterial, Geotextilien, Füllmaterial für die Möbelindustrie etc. verwendet. Auch in diesem Bereich bietet Alsico 
„More than workwear“.
 
WRP: Vielen Dank für dieses Gespräch.


Interview aus WRP 10-2013