Firmen, Köpfe, Unternehmen, Markt, Hintergrund

www.wrp-interview.de

Nybo Jensen Konfektion

„Wir wollen wachsen und der Fokus liegt dabei auf Deutschland“

Nybo Jensen gehört zu den profiliertesten Anbietern von leichter Berufsbekleidung im nordeuropäischen und deutschen Markt. Vor einem Jahr feierte das Unternehmen sein 50jähriges Bestehen. Kurz darauf übernahm Torben Bang die Führung des Familienunternehmens als externer Manager. Seit vier Monaten ist Jarl Gorridsen als Marketing- und Vertriebsleiter hinzugestoßen. WRP sprach mit der neuen Managementspitze über die Position von Nybo Jensen und Wege in die Zukunft.

Torben Bang
Torben Bang ist Geschäftsführer der Nybo Jensen Konfektion A/S. Bang beendete 1988 sein Studium an der Universität Aarhus mit einem MBA in Marketing. Er arbeitete viele Jahre im Marketing und Management der Lebensmittelindustrie. So war er zehn Jahre bei Arla Foods, einem führenden Hersteller von Molkereiprodukten in Europa, tätig. Seit 2002 bekleidet Bang Top-Management Positionen. Zuletzt war er in einem Unternehmen der graphischen Industrie für die Produktion und alle internen Prozesse verantwortlich. Familie Nybo berief Torben Bang am 1. April 2012 an die Spitze ihres Unternehmens.
Jarl Gorridsen
Jarl Gorridsen hat sein MBA an der Universität Aarhus 1994 als Abschluss des Studiums International Business erworben. 14 Jahre lang arbeitete Gorridsen mit verschiedenen Marketing- und Managementaufgaben in den Bereichen Werbung, Software, Druckindustrie – immer verbunden mit der graphischen Industrie. Seit 2006 spezialisierte er sich auf den Vertrieb und das Vertriebsmanagement. Im Februar 2013 kam er zu Nybo Jensen aus einer Position als Vertriebsleiter aus der Automobilindustrie.
Wir wollen in unseren wichtigen Märkten mit den bestehenden Partnern wachsen. Dabei steht Deutschland im Vordergrund.
Nachhaltigkeit und CSR sind für Nybo Jensen ein sehr wichtiger Themenkomplex. Wir setzen uns damit stark auseinander.
Unser Hauptgeschäft liegt im Healthcare Markt. Da erreichen wir etwas über 50 Prozent unseres Umsatzes.
WRP: Herr Bang, Herr Gorridsen, Sie sind aus anderen Branchen in die Führung des Unternehmens berufen worden. Wie sehen Sie das Geschäft von Nybo Jensen ?

Jarl Gorridsen: Am Anfang dachte ich, Nybo Jensen verkauft Berufsbekleidung. Aber das ist viel zu kurz gegriffen. Wir konzentrieren uns auf vier Leistungsmerkmale mit unserem Angebot. Ich nenne das unseren 2x2 Fokus: Für den einkaufenden Kunden ist es wichtig, dass unsere Produkte sehr gut verfügbar sind und eine lange Lebensdauer haben. Für den Träger kommt es darauf an, dass die Funktionalität und das Design stimmen.

Torben Bang: Am Ende geht es darum, unsere Kunden und deren Kunden zufrieden zu stellen. Dabei zielen die Funktionalität und das Design vor allem auf die Zufriedenheit der Träger ab und die Faktoren Langlebigkeit und hohe Verfügbarkeit vor allem auf die Sicherung der ökonomischen Effizienz unserer Bekleidung.

WRP: Über welche Vertriebskanäle verkauft Nybo Jensen ? Wenn wir das richtig verstanden haben, bedient Nybo Jensen verschiedene Verkaufskanäle.

Jarl Gorridsen: Ja, aber nicht alle, wir haben das genauer spezifiziert als früher. Dabei müssen wir nach Ländern unterscheiden. In Dänemark bedienen wir die Wäschereien, das heißt den Textilservice und den Großhandel. Es gibt in Dänemark drei große Wäschereien und einige kleinere, das ist sehr überschaubar. Diese etwa zehn Anbieter machen das Geschäft mit den Kommunen und Unternehmen aus. Der Großhandel in Dänemark verkauft an Ärzte, Labors, Apotheken, Physiotherapeuten etc., er hat also eine andere Kundengruppe. Was wir zukünftig nicht mehr machen, ist der direkte Verkauf zum Beispiel an ein Hotel in Viborg. Wir verkaufen nicht mehr an die Kunden unserer Kunden.

In Deutschland dagegen gehen wir nur über den Textilservice. Es gibt einige wenige Ausnahmefälle von großen Pflegeheimketten, mit denen wir in direkten Geschäftsbeziehungen stehen. Hierbei handelt es sich um Kunden, die uns oftmals durch Textilservice-Unternehmen vermittelt wurden. Der Endkunde wollte die Bekleidung definitiv kaufen und das Textilservice-Unternehmen eine entsprechende Qualität in der Bearbeitung garantiert haben.

WRP: Über Großhändler vertreiben Sie in Deutschland nicht ?

Jarl Gorridsen: Unsere Grundstrategie konzentriert sich auf den Textilservice und die Großhändler. Das ist die Basis. In Deutschland arbeiten wir nur mit wenigen Großhändlern zusammen, die unsere Produkte an Direktkunden verkaufen, die keine Leasinglösung suchen.

Torben Bang: Das ist der eine zentrale Punkt bei unserer Distributionspolitik. Wir haben die Verkaufskanäle so festgelegt, dass die Konflikte minimiert werden. Und der andere Gesichtspunkt ist, dass wir durch eine Beschränkung bei den Vertriebskanälen besser eine darauf ausgerichtete, kundenorientierte Produktpolitik leisten können. Das erlaubt auch, Abläufe und Kollektionen für die Kunden und für uns effizienter gestalten zu können.

Jarl Gorridsen: Wenn wir den Textilservice noch weiter in den Vordergrund rücken, dann heißt dass, dass wir uns stärker darauf ausrichten, größere Projekte zu machen, effizienter in der ganzen Logistik zu werden und die gesamte Wirtschaftlichkeit der Projekte, also mit Blick auf den Lebenszyklus der Bekleidung, zu verbessern. Wesentlich dafür wird unter anderem sein, unser Produktprogramm zu optimieren.

WRP: Lassen Sie uns über die Kollektion sprechen. Sie sind ein profilierter Anbieter von leichter Berufsbekleidung. Wie strukturieren Sie das Angebot ?

Jarl Gorridsen: Wir haben die Kollektion anhand von Trägergruppen segmentiert. Dabei unterscheiden wir fünf Segmente:

1. Health- und Care-Bekleidung. Dieser Bereich ist eher traditionell in Schnittführung und Farbgebung für Krankenschwestern, Ärzte, Zahnärzte etc. Die Grundfarbe ist hier vor allem Weiß, das wir mit farbigen Details ergänzen können. Wir bieten aber auch ganzfarbige Teile zum Beispiel Kasacks in Cassis an.

2. Casual Care. Dieser Bereich ist eher für Dänemark und Nordeuropa entwickelt, wobei die Akzeptanz hierfür auch in Deutschland wächst. Es geht dabei darum, dass in Dänemark der gefühlsmäßige Abstand zwischen Pflegepersonal und Bewohnern von Pflegeheimen verringert werden soll. Bewohner und Pfleger sind eine Gemeinschaft. Darauf legen die Kommunen bei uns verstärkt Wert. Deshalb ist diese Bekleidungslinie darauf ausgelegt, eine Balance zwischen Berufsbekleidung und normaler Alltagsbekleidung herzustellen. Dafür verwenden wir Denim, farbige Hosen und karierte Hemden.

3. Gastronomie- und Cateringbekleidung. Hier konzentrieren wir uns auf Angebote für die Küchenchefs, Kantinen- und Cateringservices und die Servicekräfte in Restaurants. Wichtig sind hier Chefkochjacken, Hosen und Schürzen. Dazu aber auch preiswertere Linien für die Servicemitarbeiter in Kantinen, bei Caterern und in Restaurants.

4. Cleaning & Services. Dieses Segment ist für das Reinigungspersonal in Büros und Hotels, aber auch für das Servicepersonal in verschiedenen Arten von Organisationen.

5. Nahrungsmittel- und Leichtindustrie. Die Träger arbeiten typischerweise zum Beispiel in der Fisch-, Fleisch- und Milchwirtschaft, wir zielen auch auf die chemische Industrie und die Elektroindustrie ab. Die Bekleidung muss in HACCP-Konzepte passen.

WRP: Wie verteilen sich die Umsätze von Nybo Jensen heute auf diese Marktsegmente ?

Jarl Gorridsen: Unser Hauptgeschäft liegt im Healthcare Markt. Da erreichen wir etwas über 50 Prozent unseres Umsatzes. Die Gastronomiebekleidung macht knapp 25 Prozent aus, ebenso so hoch ist der Anteil der Lebensmittel- und Leichtindustrie.

WRP: Und wo sehen Sie Zukunftspotenzial ?

Jarl Gorridsen: Es ist ja bekannt, dass die demographische Entwicklung gerade in Deutschland zu einem höheren Bedarf an Pflegekräften führt. Hier wächst der Markt und wir haben eine ausgesprochen hohe Fachkompetenz sowie ein herausragendes Produktportfolio, daher ist hier definitiv weiterhin viel Potential für uns vorhanden. Die anderen Märkte wachsen vielleicht nicht so deutlich oder schwanken stärker. Aber wir sehen hier gute Chancen als Nybo Jensen unsere Position auszubauen und dadurch zu wachsen. Besonders viel verspreche ich mir von der Berufsbekleidung für die Lebensmittel- und für die Leichtindustrie. Unser Produktprogramm kann hier schmal und fokussiert sein, so dass wir sehr effektiv anbieten können. Unser Produkt ist sehr leistungsstark und der Markt in Deutschland wächst. Das ist eine sehr interessante Nische.

WRP: Lassen Sie uns zurückkommen auf das Segment Casual Care. Wir hatten bisher gedacht, dass die karierten Hemden und das Jeansangebot eine modischere Grundhaltung der Pfleger und Pflegerinnen in Dänemark widerspiegeln. Nun lernen wir, dass es den Kommunen darum geht, das Gemeinschaftsgefühl von Pflegern und Bewohnern zu stärken.

Jarl Gorridsen: Modische Einflüsse sind ein wichtiges Mittel, um den Abstand zu verringern. Wir haben einen doppelten Effekt: Einmal fühlen sich die Pfleger wohler, weil sie etwas Zeitgemäßes in ihre Bekleidung bekommen. Und die Bewohner fühlen sich besser, weil ihre Pfleger keine Uniformen tragen, sondern Casual Wear, die sie mehr wie normale Menschen aussehen lassen.

WRP: Und dieses Konzept können Sie in Deutschland nicht verkaufen ?

Jarl Gorridsen: Wir verkaufen aus diesem Segment zwar auch in Deutschland, aber noch nicht so viel. Der deutsche Markt ist einfach noch klassischer orientiert. Es spielt aber auch eine Rolle, dass in Dänemark die kommunalen Institutionen eine sehr aktive Rolle bei der Festlegung der Berufsbekleidung spielen.

WRP: Wie funktioniert denn eine Ausschreibung ? Geht die an Nybo Jensen als Berufsbekleidungsproduzent oder an die Textilserviceanbieter ?

Jarl Gorridsen: Die Ausschreibung geht an die Textilserviceanbieter. Rund 95 Prozent des Geschäfts in Dänemark geht über solche Ausschreibungen. Dabei wird die gewünschte Berufsbekleidung von den Kunden der Wäschereien genau spezifiziert. Und die drei großen Wäschereien fragen ihre Berufsbekleidungsanbieter nach entsprechenden Angeboten. Aber wir müssen mit den Fokusgruppen der Kommunen, die die Spezifikation gemacht haben, sprechen, um deren Wünsche und Vorstellungen in exakte Entwürfe umsetzen zu können.

WRP: Sie haben also direkten Kontakt zu den Kunden der Textilserviceanbieter und sprechen mit ihnen über die Spezifi­kationen ?

Jarl Gorridsen: Den direkten Kontakt müssen wir haben, sonst wird unsere Bekleidungslösung nicht den Vorstellungen gerecht. Manchmal sind auch Trageversuche mit der Fokusgruppe notwendig. Zuweilen sitzen wir auch direkt mit am Tisch, wenn zum Beispiel ein kommunales Pflegeheim und ein Textilserviceanbieter über neue Berufsbekleidung verhandeln.

WRP: Macht diese direkte Kommunikation zwischen Berufsbekleidungsanbieter, Textilservice Unternehmen und dem Endkunden die Stärke der dänischen Berufsbekleidungsindustrie aus ?

Jarl Gorridsen: Die dänische Berufsbekleidungsindustrie setzt sich mit einem kleinen anspruchsvollen Markt auseinander. Wir müssen direkt mit dem Träger und mit dem Textilservicekunden arbeiten, wenn wir Bekleidung anbieten. Dadurch haben wir von Anfang an beide Perspektiven zu berücksichtigen. Das hat Tradition in Dänemark und ist sicher eine Stärke. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch im Ausland erfolgreich sein, wenn wir weiter wachsen wollen. Dänemark hat 5 Millionen Einwohner, das ist etwas größer als Berlin. Das inländische Marktpotenzial ist nicht groß und die Anzahl der großen Kunden ist begrenzt.

WRP: Wo liegen die regionalen Schwerpunkte für den Vertrieb von Nybo Jensen ?

Jarl Gorridsen: Heute sind wir stark auf die skandinavischen und die deutschsprachigen Märk­te konzentriert. Es sind sehr entwickelte Märkte, in denen wir aber eine gute Position haben. Diese Position wollen wir weiter ausbauen. Einige andere Märkte werden wir 2013 studieren und dann über eine entsprechende Vertriebsstrategie entscheiden. Das gilt zum Beispiel für die Benelux-Länder und für den französischen Markt. Dies sind ebenfalls weit entwickelte, reife Märkte. Bezogen auf den Textilservice gibt es aber nicht sehr viele Kunden. Analysieren werden wir auch die osteuropäischen Märkte wie Polen und Russland. Diese Märkte sind noch ziemlich am Anfang bei leichter Berufsbekleidung. Wir müssen sehen, welches Potenzial sie für Nybo Jensen haben. Auf alle Fälle wollen wir im Export wachsen.

WRP: Wie ist heute der Umsatz auf die wichtigen Märkte verteilt ?

Jarl Gorridsen: Am wichtigsten für Nybo Jensen ist heute der deutschsprachige Markt, das heißt vor allem natürlich Deutschland. Wir haben hier vier Vertriebsmitarbeiter im Markt, die Nybo Jensen zum Teil schon seit vielen Jahren erfolgreich mit aufgebaut haben. Der deutschsprachige Markt macht etwa 60 Prozent unseres Umsatzes aus. In Nordeuropa realisieren wir etwa 40 Prozent. Deutschland ist für uns der Vertriebsfokus, dem wir mit einer eigenen Vertriebsstruktur unter der Leitung von Harald Reisinger Rechnung tragen. In Dänemark wollen wir unsere Position halten.

WRP: Wir haben von ihnen gehört, dass bei den Produkten und bei der Produktentwicklung in Dänemark teilweise andere Wege gegangen werden als in Deutschland. Gibt es noch andere Bereiche, in denen Nybo Jensen die Märkte unterschiedlich angeht ? Sie haben in Deutschland eine Linie mit besonders gutem Preis-/Leistungsverhältnis herausgebracht.

Jarl Gorridsen: Wir können die Märkte nicht alle gleich behandeln. Deutschland ist im Pflegemarkt sehr unter Kosten- und Preisdruck. Deshalb haben wir die Linie Freestyle geschaffen, die besonders auf den deutschen Markt für Pflegebekleidung abzielt.

WRP: Wie haben Sie das gemacht ? Haben Sie auf Teile der Kalkulation verzichtet ? Haben Sie bei Materialien oder Zutaten gespart ?

Jarl Gorridsen: Wir können nicht bei Zutaten oder Material sparen, darunter würde die Qualität leiden. Der deutsche Vertrieb hat nach einer Produktlinie für den Pflegebereich gefragt, die fühlbar preiswerter ist als unsere bisherige Kollektion. Dann haben wir an der Produktphilosophie gearbeitet, ohne bei der Qualität Kompromisse zu machen.

Torben Bang: Wir haben der Produktentwicklung die Aufgabe gestellt, ein Produkt zu gestalten, das effizienter zu produzieren ist, aber Differenzierungsmöglichkeiten erlaubt. Das Resultat war ein einfacher konstruiertes Modell mit weniger Nähaufwand, aber Material und Zutaten blieben gleich.

WRP: Haben Sie Eckpreislagen vorgegeben ?

Jarl Gorridsen: Ja. Wir haben den Aufbau unserer Kollektion analysiert und uns gefragt, ob wir eine Lücke im Programm haben. Und für die deutschen Marktverhältnisse sehen wir das so.

WRP: Ist der Preis als Entscheidungskriterium in Deutschland wichtiger als in Dänemark ? Oder warum betonen Sie, dass es eine Linie für den deutschen Markt ist ?

Jarl Gorridsen: Der Preis ist in Dänemark als Entscheidungskriterium genauso wichtig wie in Deutschland. Wir sparen Kosten durch eine effizientere Konstruktion und durch eine höhere Losgröße in der Fertigung. Von diesen Vorteilen profitieren die Kunden mit einem besseren Preis.

WRP: Haben Sie schon Reaktionen von Kunden oder Konkurrenten ?

Jarl Gorridsen: Es gibt Unternehmen, die Interesse zeigen, aber das Produkt ist noch neu. Zur Altenpflege im April hatten wir erstmal nur eine Musterkollektion. Die ersten Reaktionen waren aber positiv. Jetzt gehen wir mit den Verkaufskollektionen in den Markt.

WRP: Sie verkaufen über 1 Millionen Teile. Wie wichtig ist dafür die eigene Produktion ?

Torben Bang: Für uns ist die eigene Produktion im lettischen Dobele sehr wichtig. Sie ist Garant für Qualität, für guten Service und eine Basis für Wettbewerbsvorteile. Rein quantitativ bewältigen wir mit unserer Produktion etwa 50 Prozent der verkauften Mengen. Zusätzlich beschaffen wir noch aus Fernost. T-Shirts und Polohemden kaufen wir von einem großen dänischen Importeur. Sie gehören nicht zu unserer Kernkompetenz in der Produktion, sind aber wichtige Produkte für unseren Zielmarkt.

WRP: Sind die T-Shirts und Polos für den Textilservice geeignet ?

Jarl Gorridsen: Ja. Sie können bestickt und bedruckt werden, sind also für Corporate Wear einsatzfähig. Sie sind in farbig bis 60 Grad waschbar und in weiß bis 80 Grad.

WRP: Lassen Sie uns noch mal konzentriert darüber sprechen, was Sie in naher Zukunft anpacken wollen.

Jarl Gorridsen: Erstens wollen wir in unseren wichtigen Märkten mit den bestehenden Partnern wachsen. Dabei steht Deutschland im Vordergrund. Das Wachstum soll durch neue und verbreiterte Aktivitäten erreicht werden. Zweitens wollen wir mit der Produktentwicklung daran arbeiten, neue, interessante Produkte zu entwickeln, die Anforderungen der Träger besser in unseren Produkten umzusetzen und diese neuen Produkte schneller in den Markt zu bekommen. Und Drittens wollen wir die Vorlaufzeit bis zur Auslieferung eines Auftrages merklich verkürzen.

Torben Bang: Ich möchte hinzufügen, dass wir Viertens die internen Abläufe permanent in Frage stellen und verbessern wollen. Es ist ja unser Vorteil, dass wir von Außen kommen und immer wieder fragen können: warum wird dies so und das so gemacht. Das muss man auch von uns erwarten.

WRP: Lassen Sie uns über interne Abläufe und die Verkürzung der Vorlaufzeit sprechen. Was haben Sie in diesem Bereich vor ?

Jarl Gorridsen: Ich habe als Standard in dieser Industrie gelernt, dass die Zeit von der Ordervergabe bis zur Auslieferung 5 bis 6 Wochen beträgt. Aber wieso ? Die eigentliche Produktionszeit ist nicht lang und von unserem lettischen Werk bis Deutschland braucht man nicht viel Zeit mit dem LKW. Da sollte doch eine deutliche Reduktion der Lieferzeit möglich sein.

WRP: Und wie soll das erreicht werden ? Durch Lagerhaltung oder durch betriebsübergreifende Planung ?

Jarl Gorridsen: Es gibt so viele Ansatzpunkte. Ein Beispiel betrifft das Einrüsten. Da werden alle Mitarbeiter vermessen und das dauert manchmal lange. Wenn das fertig ist, wird entsprechend der Messergebnisse produziert. Eigentlich könnten wir sofort anfangen zu produzieren, wenn wir von einer Normalverteilung der Größen ausgehen. Rund 20 Prozent der Auftragsmenge lassen wir offen und produzieren diese erst, wenn die Messergebnisse vorliegen, um die Normalverteilung auf den Auftraggeber anzupassen. Ein anderes Beispiel wäre, wenn wir von großen Kunden Vorhersagen für den Bedarf zum Beispiel eines Quartals bekommen würden. Dann hätten wir eine Indikation für unsere Produktion und könnten früher starten als zum Zeitpunkt der tatsächlichen Auftragserteilung.

WRP: Wo würden die Vorteile eines großen Textilserviceunternehmens liegen, wenn es mit Nybo eine vorausschauende Monats- oder Quartalsplanung machen würde ?

Jarl Gorridsen: Wir könnten unsere Produktion und Beschaffung besser planen und kontinuierlicher auslasten. Das würde die Kosten senken und die Vorlaufzeiten verkürzen. Auch die Lagerhaltung beim Textilserviceunternehmen sinkt und wir könnten gewisse Kostenvorteile weitergeben.

Torben Bang: Es geht grundsätzlich um die Reduzierung der totalen Kosten der Wertschöpfungskette. Heute benötigen wir für eine schnelle Verfügbarkeit Lagerhaltung. Aber bei einer gemeinsamen Planung über die Wertschöpfungsstufen hinweg lassen sich Bestände reduzieren, Entwicklungskosten verringern und Abschreibungen vermeiden. Dafür ist aber Kooperation, Verantwortung und Partnerschaft notwendig.

WRP: Das ist nun nicht mehr allein die Verbesserung der Lieferzeiten, das ist eine umfassende Optimierung der Wertschöpfungskette.

Torben Bang: Das stimmt und wir fangen mit einer spürbaren Reduzierung der Lieferzeit durch Optimierung unserer eigenen Prozesse an.

WRP: Wollen Sie mit der Verbesserung der internen Abläufe auch die steigenden Kosten abfedern ?

Torben Bang: Kostenerhöhungen erleben wir unausweichlich. Das ist so beim Personal, bei der Energie und auch bei den Materialien. Es wäre falsch, vom Vertrieb zu erwarten, dass wir unsere Kostenerhöhungen bei den Kunden komplett als Preiserhöhungen durchsetzen können. Aber von Zeit zu Zeit müssen wir mit unserem Vertrieb versuchen, Preiserhöhungen durchzusetzen. Ich bin der Überzeugung, dass der Vertrieb sehr helfen kann und helfen muss, Kostensteigerungen zu verarbeiten.

Größere Potenziale bei der Bewältigung von Kostensteigerungen liegen bei der Produktivitätserhöhung im Hause und in der Zusammenarbeit mit den Lieferanten. Auch deshalb ist es wichtig, alle Abläufe kritisch zu hinterfragen und zu verbessern. Und wenn wir einmal mit der Verbesserung aller Prozesse durch sind, dann müssen wir wieder von vorn anfangen. Das ist das Spannende an der Entwicklung von Unternehmen.

WRP: Sie wollen auf der Produktseite mehr machen als eine Optimierung für die Produktion. Über Freestyle haben wir schon gesprochen, was sehen sie noch ?

Jarl Gorridsen: Wir beschäftigen uns gerade mit Tencel als Alternative zu Baumwolle. Tencel hat so viele bessere Eigenschaften als Baumwolle für den Textilservice und ist auch ökologischer. Da sehen wir Chancen, das explorieren wir gerade. Und natürlich arbeiten wir ständig an kleinen, aber wichtigen funktionalen Verbesserungen. Unser Design hat zum Beispiel eine Möglichkeit gefunden, Hosenbeine oder Ärmel zeitweilig zu verkürzen, ohne krempeln zu müssen.

WRP: Ist es ein Vorteil, als dänisches Unternehmen im deutschen Markt zu arbeiten ?

Jarl Gorridsen: Dänische Anbieter von Berufsbekleidung sind ziemlich stark in Deutschland. Wir sind etwa 4 bis 5 dänische Unternehmen, die im Markt eine gute Position haben. Das hängt auch damit zusammen, dass die dänische Textil- und Bekleidungsindustrie in den 1970er und 1980er Jahren relativ stark war und teilweise noch ist. Wir haben in der Bekleidung Firmen wie Bestseller und Brandtex, das sind sehr große Unternehmen. Mode und Stil aus Dänemark hat etwas Eigenes, auch bei Möbel und Schmuck. Es gibt in Dänemark auch eine Reihe von Universitäten und Designschulen, die gut besucht sind und für gute Fachkräfte sorgen.

WRP: Außerdem ist Dänemark als Land auch positiv besetzt. Für Deutsche ist es ein wichtiges Urlaubsland, die Menschen haben eine freundliche und entspannte Ausstrahlung, das Geschäftsleben ist nicht so formell…

Jarl Gorridsen: Ja, stimmt, das hilft manchmal in der Kommunikation, aber manchmal müssen wir auch formeller sein. Es geht nicht alles auf die entspannte skandinavische Art, weil andere Länder anders arbeiten. Da müssen wir uns anpassen und manchmal etwas strikter sein.

Torben Bang: Wir sind ein europäisches Unternehmen, Dänen in Europa, und weil wir in Europa wachsen wollen, müssen wir uns auch auf die Geschäftsgewohnheiten anderer Länder einstellen. Das nehmen wir ernst.

WRP: Wie wichtig sind die Themen Nachhaltigkeit und CSR bei Nybo Jensen ?

Torben Bang: Das ist ein sehr wichtiger Themenkomplex. Wir setzen uns damit stark auseinander. Wir sind auch dem Global Compact beigetreten. In unserem letzten Fortschrittsbericht kann man sehr genau sehen was wir für Ziele haben, was wir 2012 konkret gemacht und erreicht haben und was wir 2013 an Aktivitäten vorhaben. Wir werden zum Beispiel unseren Energieverbrauch um über 15 Prozent reduzieren. Oder als Beispiel aus dem Bereich People/Society können wir aufführen, dass wir in Lettland Englischkurse für Teile unserer Beschäftigten organisieren.

Jarl Gorridsen: Viele unserer Produkte haben Zertifikate und Standards. Rund 90 Prozent sind Oeko-Tex zertifiziert, 60 Prozent haben die EU-Blume oder bluesign-Standards.

Torben Bang: Lange bevor die Themen CSR, Umwelt und Nachhaltigkeit bei Unternehmen hochgebracht wurden, hatte Nybo bereits die Energieversorgung auf Windenergie umgestellt. Seit 1980 hatten wir eine Windmühle, welche die Produktion mit Energie versorgte. Das zeigt etwas von der unternehmerischen Wertorientierung der Firma und ihrer Gründer.

WRP: Ist das Thema in Deutschland genauso wichtig wie in Dänemark ?

Jarl Gorridsen: In Deutschland und Dänemark ist das ähnlich. Aber eine ganze Stufe mehr Bedeutung hat das Thema in Schweden. Da kommt es bei jedem Geschäft und bei jeder Geschäftsanbahnung zur Sprache. Dort gehört es zum Kern des Geschäfts und es wird auch honoriert, was nicht überall in Mitteleuropa der Fall ist.

WRP: Lassen Sie uns abschließend fragen: was ist das Herz von Nybo Jensen ?

Jarl Gorridsen: Unsere Tradition, Qualität, Verantwortlichkeit.

Torben Bang: Wir sind ein Familienunternehmen. Nybo Jensen gehört einer Familie und ich sage manchmal: Unsere Besitzer sind Persönlichkeiten und nicht Kapitalfonds. Die Gründer Margit und Peder Jensen haben sich als Personen dreifach in das Unternehmen eingebracht: sich selbst, ihr Geld und ihre Kinder. Helle, Jacob und Anders arbeiten in führenden Positionen im Unternehmen, da bleibt der Charakter als Familienunternehmen lebendig. Das ist ein großer Unterschied zu Kapitalgesellschaften. Wir haben einen anderen Planungshorizont, können langfristiger arbeiten und in unserer täglichen Arbeit spielen die über viele Jahre aufgebauten Werthaltungen und Einstellungen der handelnden Personen eine große Rolle. Dazu kommt auch noch, dass die meisten Mitarbeiter schon lange in der Firma sind und diese Einstellungen in sich tragen.

WRP: Vielen Dank für das Gespräch.

Interview aus WRP 06-2013