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Emco Bau

„Die Logomatte bietet noch eine Menge Möglichkeiten“

Die Firma Emco Bau hat sich in der Branche einen Namen als Spezialist für die Entwicklung und Herstellung von waschbaren Logomatten gemacht. Damit ist man so erfolgreich, dass heute ein Großteil des Umsatzes in diesem Geschäftsbereich des Unternehmens mit den Logomatten erzielt werden kann. Im Interview des Monats erläutern Vertriebsleiter Jörg Harbecke und Markus Hummeldorf, Gebietsverkaufsleiter Norddeutschland, die Erfolgsfaktoren. „Die Logomatte ist für uns das Produkt der Zukunft. Sie bietet für den Textilservice noch eine Menge Möglichkeiten“, betont Markus Hummeldorf.

Jörg Harbecke
Jörg Harbecke begann 1995 seine Arbeit bei der Erwin Müller Gruppe in Lingen und koordinierte ab 1999 als Vertriebsleiter der Emco Bau den Produktions- und Vertriebsaufbau des neuen Produktbereichs textiler Mattensysteme. Zusätzlich ist Jörg Harbecke seit 2010 Geschäftsführer der C/R/O/ GmbH (Spezialist für Textilen Schmutzfang). Er absolvierte eine Ausbildung im Metallbereich mit anschließendem Studium zum Maschinenbautechniker.
Markus Hummelsdorf
Markus Hummeldorf ist seit 2011 Gebietsverkaufsleiter Norddeutschland für den Bereich waschbarer Teppichmatten bei der Erwin Müller Gruppe, Lingen. Der gelernte Industriekaufmann war bereits vorher in leitenden Positionen in der Textilindustrie tätig.
Wir sind absoluter Spezialist für Logomatten. Rund 80 Prozent unseres Umsatzes generieren wir mit diesem Produkt.
WRP: Die Firma Emco Bau konzentriert sich im Mattenbereich ganz auf die Logomatte. Warum die Fokussierung auf dieses Produkt ? Schließlich läuft das Hauptgeschäft im Textilservice-Mattenmarkt doch mit der Standardmatte.

Jörg Harbecke: Es ist richtig, dass wir als Emco Bau eine andere Ausrichtung besitzen als unsere Hauptwettbewerber im Markt. Unsere Marktbegleiter Milliken, Kleen-Tex und Mountville Mills konzentrieren sich auf den Bereich der Standardmatten, sie sind ihre wichtigsten Umsatzbringer. Wir dagegen sind absoluter Spezialist für Logomatten. Rund 80 Prozent unseres Umsatzes generieren wir mit diesem Produkt. Unsere gesamte Ausrichtung des Unternehmens und unsere Investitionen in den letzten Jahren gingen alle in Richtung Logomatte, die bei uns emco Image heißt.

Zusätzlich haben wir eine Standardmatte im Sortiment. Auch dieses Produkt, unsere emco Classic, hat unsere Aufmerksamkeit. Sie wird stetig weiter entwikelt. Die emco Classic verstehen wir als Ergänzung im Sortiment, um unseren Kunden eine Lösung aus einer Hand anbieten zu können.
WRP: Der Markt für Standardmatten ist hart umkämpft. War es für Emco Bau eine strategische Entscheidung, sich aus den Preisscharmützeln herauszuhalten und sich auf die Logomatten zu fokussieren ?

Harbecke: Es war eine strategische Entscheidung in der Hinsicht, dass das Unternehmen Emco Bau sich mit seinen Hauptinvestitionen, zum Beispiel vor Kurzem in eine zweite Chromojet-Druckanlage, für das Hauptprodukt Logomatte entschieden hat.

Wir wollen uns nicht in einem Markt für Standardmatten engagieren, der aus unserer Sicht für die wenigen Zulieferer schon heute zu klein ist. Ein Engagement würde nur eine weitere Abwärtsspirale in Gang setzen. Ein negatives Beispiel ist Großbritannien. Dort werden aktuell Standardmatten-Mietsysteme zu einem Preis von rund 11 Britischen Pfund angeboten. Wir würden uns schwer tun, für diesen Preis nur die Materialien einzukaufen. Unter einer solchen Preis-Entwicklung leiden letztendlich alle: Der Kunde, weil er am Ende eine Matte bekommt, die nicht zu 100 Prozent funktionsfähig ist und zum Beispiel das Unfallrisiko erhöht. Und der Lieferant, weil seine Marge sich immer weiter verringert, gleichzeitig sich aber die Reklamationen erhöhen.

Wir konzentrieren uns deshalb auf qualitativ hochwertige Logomatten-Systeme. Sie bieten dem Kunden ein Werkzeug, sich individuell darzustellen. Emco Bau definiert sich über Qualität und Service sowie über Sonderprodukte. Um das hohe Qualitätsniveau zu halten, wird regelmäßig in die Technik investiert. Mit unserem neuen Schneid-Plotter kann man zum Beispiel Logomatten in jeglichen Sonderformen äußerst detailgenau als so genannte Shapemats anfertigen.

Markus Hummeldorf: Man muss einfach feststellen, dass die Logomatte das größte Wachstum­potenzial bietet. Für uns ist sie die Matte der Zukunft. Sie bietet für den Textilservice noch eine Menge Möglichkeiten.

WRP: Welche Kunden bedient Emco Bau mit seinen Produkten ?

Harbecke: Zentral- und Nordeuropa sind unser Kernmärkte. Unsere stärksten Kunden haben wir in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und in Skandinavien. Zu ihnen zählen unter anderem Konzern-Unternehmen wie CWS, Alsco und Lindström aus Finnland, aber auch Firmen wie zum Beispiel die Mitglieder der DBL, Eder aus Österreich, Amm in Nürnberg, BIM in Gerstungen und City Clean in Berlin. Grundsätzlich besteht unsere Kernkundschaft aus allen Wäschern, die sich sehr intensiv mit Mattensystemen auseinandersetzen.

WRP: Die Logomatte ist ein noch junges Produkt in der Textilservice-Branche. Seit wann gibt es sie ?

Harbecke: Ende der 1980er Jahre kamen mit den Chromojet-Druckanlagen auch die ersten Logomatten in den Markt. Anfangs fristeten sie ein Nischendasein. Es mussten unter anderem Farbstoffe entwickelt werden, die auch den Aufbereitungsprozessen in der Wäscherei standhielten.

Emco Bau investierte 1999 in die erste Chromojet-Druckanlage. In dieser Zeit war die Logomatte schon etabliert, hatte aber noch nicht die Bedeutung wie in der Gegenwart. Seitdem haben wir diesen Bereich sehr stark gefördert. Heute können wir unserem Kunden Imagematten in seinen Hausfarben und in detailgenauen Sonderformen passend zum Beispiel zu seiner Corporate Identity anbieten. Diese Spezialisierung hat uns unter anderem im letzten Jahr den größten Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte gebracht. Zusammen mit der CWS konnten wir alle Rossmann-Filialen in Deutschland mit unseren Imagematten ausstatten, immerhin ein Auftragsvolumen von über 15.000 Quadratmetern. Den Zuschlag bekamen wir, weil wir das Druckbild und die CI-Farben von Rossmann am besten umsetzen konnten. Das sind unsere Stärken, genau für diese Anforderungen sehen wir uns als Spezialisten.

Hummeldorf: Wir bedrucken unsere Logomatten mit hochwertigen Echtfarben und nicht mit Mischfarben. Die Reaktiv-Farbstoffe besitzen für den Einsatz im Textilpflege-Bereich die besten Eigenschaften. Die Farben haben eine klare Farbaussage und eine hohe Leuchtkraft. Ein zugebenes Additiv verhindert Farbausblutungen fast vollständig. Außerdem wird das Anschmutzverhalten der Fasern stark verbessert. Unsere Farben sind wasch-, wasser-, reib- und lichtecht nach DIN ISO 105. Kunden können aus 45 Standardfarben auswählen und bis zu 32 verschiedene Farben pro Matte drucken lassen. Ebenfalls möglich sind Sonderfarben. Mit unser neuen Chromojet-Druckanlage können beliebige Motive in einer Auflösung von 25 dpi dauerhaft auf das rohweis getuftete Mattenmaterial aufgetragen werden. Dabei sind für jede Farbe 48 Düsen zuständig.

Außerdem unterhalten wir eine hauseigene Designabteilung. Sie sorgt nicht nur für die Umsetzung der individuellen Druck- und Formatvorlagen, sondern hilft auch kompetent und schnell bei der Realisierung individueller Designwünsche.

Übrigens kann man unsere Matten auf Wunsch auch als schwer entflammbare Version mit der Brandschutzklasse Cfl-s1 bekommen. Diese bieten für den Kunden zusätzliche Sicherheit.

WRP: Sie betonen die Qualität ihrer Produkte. Was zeichnet eine Teppichmatte von Emco aus ?

Harbecke: Unsere Matten weisen ein paar Besonderheiten auf. Sie machen die Produktion zwar aufwändiger und teurer, dafür erhält der Kunde ein qualitativ sehr hochwertiges Produkt. Alle Matten werden während des Fertigungsprozesses unter anderem durch einen so genannten Vorstrich behandelt. Der Vorstrich sorgt für die Verankerung der Polnoppen im Trägergewebe. Die Fasern werden eingebunden und das Fadenziehen des Polmaterials verhindert. Das Aufbringen des Synthese-Latex stellt gleichzeitig den ersten Schrumpfungsprozess der Teppichware dar und minimiert den Restschrumpf vor der ersten Wäsche. Als Trägermaterial für die Matten setzen wir nur auf höchste Qualität. Die Latexierung wirkt in Kombination mit dem sehr hohen Flächengewicht des Trägergewebes unabhängig von der Häufigkeit der Waschvorgänge der Neigung der Wellenbildung entgegen. Das sorgt dauerhaft für ein einwandfreies Erscheinungsbild.

Der Randbereich ist immer der neuralgische Punkt einer Matte. Deshalb bekommen unsere Produkte eine zusätzliche 50 Millimeter breite Trittrandverstärkung, die unterhalb der Matte angebracht wird. Die echte Trittrandverstärkung verhindert ein Brechen der Matte im Kantenbereich durch Vermeidung von Sollbruchstellen. Sie macht das Produkt robust und langlebig und gewährleistet ein einwandfreies Liegeverhalten. Eine Rückenbeschichtung aus rutschfestem Nitrilgummi beugt Stolper- und Sturzgefahren wirksam vor. Schließlich werden die Matten durch das so genannte Anfasen veredelt. Dadurch entsteht ein sorgfältig verarbeiteter Abschluss, der zusätzlich die Haltbarkeit des Randbereichs erhöht.

WRP: Wo und wie werden die Emco-Matten hergestellt ?

Harbecke: Unsere Matten sind 100 Prozent made in Germany. Sie werden am Standort Lingen produziert. Hier erfolgt sowohl der Zuschnitt als auch die Bedruckung der Matten und zwar immer nach den Vorgaben des Kunden. Zuständig dafür ist ein hochmoderner Maschinenpark. Es gibt eine Fertigungslinie, die aus den beiden Chromojet-Druckanlagen, Schneidemaschinen, Vulkanisierungs-Pressen sowie einem Schneid-Plotter besteht. Der Schneid-Plotter ist für detailgenaue Zuschnitte auch filigraner und komplexer Formen wie zum Beispiel für unsere shapemats, also Logomatten in Sonderform, verantwortlich. Über diese Fertigungslinie werden alle Matten, also sowohl die Logo- und Werbematten als auch die Standardmatten, in einem kontinuierlichen Prozess hergestellt. Dieses Verfahren bedeutet kurze Wege und damit schnelle Lieferzeiten. Wir versprechen kontinuierliche Lieferfristen für all unsere Produkte von 10 bis 12 Tagen. Unsere Produktion in Deutschland ist natürlich auch ein gewichtiges Argument, wenn Themen wie Nachhaltigkeit und C02-Bilanzen für unsere Kunden immer wichtiger werden.

WRP: Gibt es Unterschiede zwischen einer Emco Classic- und Imagematte für den Textilservice ?

Harbecke: Bei beiden Produkten achten wir auf eine hohe Qualität. Der Rücken aus Nitrilgummi ist bei beiden Matten identisch. Bei der Standardmatte ist das Flormaterial ein High-Twist-Nylon mit einem Poleinsatzgewicht von 650 g/m². Die Florhöhe beträgt circa 8 Millimeter. Lieferbar ist unsere Classic in unterschiedlichen Maßen. Auch bei unserer Image kommt zur Zeit noch als Flormaterial High-Twist Nylon zum Einsatz. Das Polein­satzgewicht ist 900 g/m2, die Florhöhe beträgt rund 7 Millimeter. Bei beiden Matten sorgt die Florhöhe für ein angenehmes Auftrittsgefühl und für eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme von 3 bis 4 Litern je Quadratmeter.

WRP: Bei Schmutzfangmatten kann man zwischen der klassischen Schmutzfangmatte, die nicht aufbereitet wird, waschbaren Matten, die von Textilservice-Unternehmen eingesetzt werden und der so genannten Baumarktmatte unterscheiden. Alle sollen den Schmutz von den Schuhen holen und die Unfallgefahr minimieren – trotzdem gibt es Unterschiede. Welche sind das ?

Harbecke: Der wesentliche Unterschied zwischen einer klassischen Schmutzfangmatte und einer waschbaren Matte ist die Rückenbeschichtung und ist unabhängig vom Polmaterial. Klassische Schmutzfangmatten sind in der Regel mit einem Vinylrücken ausgestattet, der aufgrund seiner mechanischen und chemischen Beständigkeit nicht für industrielle Waschverfahren geeignet ist. Macht man es trotzdem, würde die Wäsche nach zwei bis drei Zyklen zu irreparablen Schädigungen der Rückenbeschichtung führen. Bei waschbaren Matten wird eine Rückenbeschichtung aus Nitrilgummi verwendet. Das Nitrilgummi verbindet man durch Vulkanisation mit der textilen Nutzschicht. Aufgrund der dauerelastischen und abriebfesten Eigenschaften des Nitrilgummis kann eine waschbare Schmutzfangmatte bis zu 150 mal gewaschen werden und hat somit eine Einsatzdauer von 4 bis 5 Jahren. In der Konstruk­tion der textilen Nutzschicht, der Decke, bestehen nur wenige Detailunterschiede zwischen beiden Matten. Grundsätzlich besitzen waschbare Matten eine offene Deckenstruktur, denn der Schmutz soll zwischen die Fasern fallen. Beim Reinigungsprozess wird er wieder herausgetragen. Durch die aufwändige Rückenbeschichtung ist die waschbare Matte in der Anschaffung teurer als ein nichtwaschbares Produkt.

So genannte Baumarktmatten haben einen PVC-Rücken, der hoch angefüllt ist mit zum Beispiel Kreide. Diese Matten können nicht aufbereitet werden und besitzen nur ein schlechtes Liegeverhalten. Sie haben durch die geringe Florhöhe keine Schmutzfangfunktionen. Der Einsatz von Polypropylen als textile Nutzschicht führt dazu, dass kein Abtrag von Nässe und Feuchtigkeit erfolgt und diese weiterhin ins Gebäude getragen werden. In der Werbung für diese Qualitäten wird manchmal betont, dass sie schmutzabweisend sind. Das ist schon kurios, wenn man bei einer Schmutzfangmatte mit einer schmutzabweisenden Funktion wirbt – schließlich soll sie den Schmutz aufnehmen und nicht abweisen.

Hummeldorf: Die Herausforderung für den Textilservice-Betrieb ist es gegenüber einem Kunden zu argumentieren, warum die Mietmatte besser ist als die in der Anschaffung preiswerte Baumarktmatte. Das ist relativ einfach: Denn der Anschaffungspreis für die Mietmatte hat sich schnell amortisiert. Sie hat eine viel längere Lebensdauer sowie bessere Liegeeigenschaften und minimiert dadurch die Unfallgefahr. Sie neigt im Gegensatz zur Baumarktmatte auch nicht zur Wellenbildung, die durch Temperaturunterschiede verursacht werden kann.

Harbecke: Leider ist es in Deutschland noch immer verbreitet, dass Kunden bei einem Produkt mehr auf dem Einkaufspreis als auf die Qualität achten. Der Lebenszykluspreis eines Produktes spielt bei diesen Entscheidungen nur eine untergeordnete Rolle. Dieses Denken ist zum Beispiel bei den Einkäufern in großen Unternehmen noch sehr verbreitet. Aber nicht immer ist der günstigste auch der beste Preis. Dieses Denken versuchen wir durch unsere Arbeit und unsere Produkte ein bisschen zu verändern. Unsere Philosophie ist, weiterhin Produkte zu entwickeln und herzustellen, die eine hohe Qualität besitzen und optimal zu den Anforderungen des Kunden passen. Zwar sind unsere Matten deshalb in der Anschaffung ein bisschen teurer, rechnen sich durch die langen Einsatzzeiten aber trotzdem. Wenn man unsere Matte nur ein halbes Jahr länger als ein Wettbewerbsprodukt einsetzen kann, dann hat sich der höhere Anschaffungspreis mehr als amortisiert. Außerdem macht der Anschaffungspreis bei einer Matte – wenn man den Gesamtumsatz mit diesem Produkt im Textilservice im Laufe der Jahre betrachtet – lediglich zwischen drei bis fünf Prozent aus.

WRP: In welchen Bereichen werden die Matten eingesetzt ?

Harbecke: Grundsätzlich sehen wir unsere Matten emco Classic und emco Image nicht in einem Wettbewerb stehend, sondern als eine sich ergänzende Lösung für den Kunden. In einer Firma macht zum Beispiel eine Logomatte in den Bereichen Sinn, in denen viel Kundenverkehr herrscht beziehungsweise an den Positionen, an denen man das Unternehmen repräsentieren möchte. Also in einem Unternehmen zum Beispiel am Empfang oder vor und im Aufzug. Standardmatten gehören in die Bereiche ohne Kundenverkehr, aber in denen trotzdem mit Schmutzanfall gerechnet werden muss.

WRP: Welche Bedeutung haben heute die Logomatten im deutschen Mietmattenmarkt ?

Harbecke: Aktuell würde ich das Verhältnis zwischen Standard- und Logomatte im Bereich Textilservice in Deutschland auf 80 zu 20 schätzen. Man kann feststellen, dass in Deutschland im Süden wesentlich mehr Logomatten eingesetzt werden als im Norden. Wenn man den gesamten deutschsprachigen Raum betrachtet, gibt es in der Schweiz und in Österreich vergleichsweise mehr Logomatten als in Süddeutschland. Es existiert ein Süd-Nord-Gefälle bei diesem Produkt. Eine Erklärung ist vielleicht, dass es in der Schweiz und in Österreich in der Fläche mehr Hotellerie- und Gastronomiebetriebe als in Deutschland gibt. Und Logomatten sind gerade in dieser Branche ein sehr beliebtes Produkt.

WRP: Wie groß ist insgesamt das Matten-Geschäft im Leasing in Deutschland ? Wie schätzen sie die Perspektiven dieses Marktes für die Zukunft ein ?

Harbecke: Leider gibt es keine genauen Umsatzzahlen für den Textilservice mit Matten. Dr. Geert Böttger hat in einem Beitrag vor Kurzem in diesem Heft den Umsatz 2011 in Deutschland zwischen 250 und 300 Millionen Euro taxiert. Demnach ist die Umsatzentwicklung seit Jahren positiv und das Mattengeschäft im Textilservice hat sich als kleiner, aber stabiler Markt etabliert.

Bei Emco Bau registrieren wir in den letzten Jahren einen steigenden Bedarf bei den Standardmatten, aber einen überproportionalen Anstieg im Bereich der Logomatten. Grundsätzlich setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Schmutzfang notwendig ist. Das Thema ist akzeptierter als in der Vergangenheit, auch weil es mit der Logomatte attraktiver geworden ist. Für einen hochwertigen Flor, schöne Farbgestaltung und tollem Design bei gleichzeitig hoher Funktionalität ist der Kunde auch bereit, Geld auszugeben. Der Markt ist vorhanden und nach unserer Meinung noch lange nicht ausgeschöpft. Grundsätzlich kann man unsere Imagematten präventativ direkt im Empfangsbereich, aber auch als aufmerksamkeitsstarken Werbeträger zur Verkaufsförderung am point of sale ein­setzen. Es gibt Untersuchungen in der Schweiz die dokumentieren, dass mit dem Einsatz einer Werbematte am point of sale Verkaufssteigerungen von über 50 Prozent erreicht wurden. In diesem Bereich gibt es noch ein riesiges Potential – auch für die Textilservice-Unternehmen, wenn sie die Vorzüge der Werbematte gegenüber ihren Kunden mehr betonen würden.

Hummeldorf: Weiteres Potential in diesem Markt sehen wir für die Logomatte nicht nur als Leasing- sondern auch als Verkaufsmatte. Auch eine Werbematte am point of sale kann im Leasing angeboten werden, sie ist für mich aber eher eine Verkaufsmatte.

WRP: Geben sie den Textilpflegebetrieben auch Hilfestellung und Tipps, wie man eine Matte noch besser verkaufen kann ?

Hummeldorf: Das können und machen wir und wir würden es gerne intensiver tun. Die Schmutzfangmatte ist in den Textilservice-Betrieben kein Primär- sondern ein Sekundärartikel. Deshalb kann der Außendienst des Unternehmens bestens die Vorteile der Berufskleidung kommunizieren, schwieriger wird es bei der Matte. Wir bieten deshalb Schulungen an. Über die Eigenschaften der Matte kommt man zu ihren Vorteilen – damit lassen sich die Vorzüge einer Matte im Textilservice-System einfach argumentieren.

WRP: Emco Bau bietet unter anderem über die Tochter C/R/O auch Sauberlaufsysteme an. Beide Produkte, also Sauberlaufsysteme und Schmutzfangmatten, haben die gleichen Funktionen, sie sollen den Schmutz von den Schuhen nehmen. Hat man damit nicht einen Wettbewerb im eigenen Haus ?

Harbecke: Nein. Unser Fokus liegt auf der Logomatte für den Textilservice. Unsere Tochter C/R/O ist spezialisiert auf nicht waschbare Sauberlaufsysteme, die über andere Distributionskanäle vertrieben werden. Diese Sauberlaufsysteme sind Bestandteil der 3-Zonen Reinigung. Damit kann man drei Schmutzarten von den Schuhen lösen: In der ersten Zone der 3-Zonen-Reinigung wird vor dem Eingang der Grobschmutz mit einem Bürstensystem abgenommen. In der zweiten Zone löst man den feineren Schmutz. In der dritten Zone passiert die Feuchtigkeitsaufnahme und der Restschmutz wird aufgenommen. Und in dieser dritten Zone könnte auch eine Textilservice-Matte liegen.

Schmutzfangmatten werden meistens ergänzend, also nicht konkurrierend, zu der 3-Zonen-Reinigung eingesetzt. Oft werden die Sauberlaufsysteme vom Architekten bereits bei der Planung nicht ausreichend dimensioniert. Spätestens im Winter müssen diese Systeme dann durch Schmutzfangmatten erweitert werden. Somit ist das Mattengeschäft im Textilservice – zumindest zum Teil – erst durch die nicht ausreichende Planung der Architekten möglich geworden.

WRP: Welche Entwicklungen beobachten sie in diesem Markt ? Welche Bedeutung haben Themen wie zum Beispiel Nachhaltigkeit ?

Harbecke: Nachhaltigkeit ist ein Thema, das gerade in der Textilpflege in Zukunft massiv betrachtet werden wird, das man heute in der Branche aber noch gerne verdrängt. Oft wird Nachhaltigkeit nur mit Kosten in Verbindung gebracht. Trotzdem registrieren auch wir eine stetig wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten. Wir arbeiten unter anderem daran, um schon in Kürze unser Produktprogramm um hochwertige Logomatten zu erweitern, die aus dem neu entwickelten Econyl-Garn und damit nachweislich zu 100 Prozent aus recycelten Fasern gefertigt sind. Econyl wird mit einem wesentlich geringeren Einsatz an Ressourcen und Energie hergestellt und hat damit deutlich weniger CO₂-Emissionen zur Folge, als es bei herkömmlichen Produktionsprozessen der Fall ist. Unser Ziel ist es, mittel- bis langfristig eine waschbare Logomatte anbieten zu können, die voll recyclingfähig ist.

Grundsätzlich beobachten wir im Wäscherei-Markt noch immer eine Konzentration – sowohl auf Kunden- als auch auf Zulieferseite. Die kleineren Betriebe werden immer weniger und die Konzerne kaufen weiter hinzu. Wäschereien schließen sich zu Verbünden zusammen und gründen Einkaufsverbände. Wenn man speziell den Mattenmarkt betrachtet, registrieren wir, dass einige Textilservice-Unternehmen zumindest überlegen, wieder einen Mattenverkäufer einzustellen. Sie erkennen, dass man mit dem Mattengeschäft Geld verdienen kann – im Gegensatz zur klassischen Mietberufskleidung, wo der Wettbewerbsdruck enorm groß ist und die Erlöse entsprechend kleiner werden. Optimal wäre es für unsere Firma, wenn dabei die individualisierte Matte noch mehr in den Fokus rücken würde. Grundsätzlich sind die Bedingungen dafür sehr gut. Auch weil es einem Mattenverkäufer sicherlich Spaß macht, ein attraktives Produkt wie die Logomatte zu verkaufen.

WRP: Welche Entwicklungen kann man in nächster Zeit von Emco Bau für diesen Bereich erwarten ? Wird es neue Konstruktionen und Materialien geben ?

Harbecke: Ein aktuelles Projekt unserer Abteilung für Forschung und Entwicklung beschäftigt sich mit der Chemiefaser Viskose. Der Einsatz von Viskose im Mattenbereich ist nachhaltig und energetisch vorteilhaft. Im Gegensatz zum Beispiel zur Baumwolle. Viskose hat die besseren mechanischen Eigenschaften, eine höhere Wasseraufnahmefähigkeit und ein besseres Trocknungsverhalten.

Hummeldorf: Das Problem bei der Baumwolle-Matte ist, dass man sie nicht mit einer Restfeuchte auslegen kann. Dann droht Bepilzung. Bei Viskosematten ist dieses Risiko deutlich geringer. Dieser Vorzug hat natürlich Auswirkungen bis in den Wäscherei-Produktionsprozess.

Harbecke: Wir arbeiten zur Zeit mit Additiven, die mit der Druckflotte auf das Textil gebracht werden. Sie sind Echtheitsverbesserungen für die Farben und dienen als Anfleckschutz. Das heißt, Feuchtigkeit und Schmutz werden zwar ins Innere der Matte getragen, schmutzen aber dabei die Faser weniger an. Unser Ziel ist, dass man die Matten auch mit einer Waschtemperatur von 40° C mit optimalem Ergebnis bearbeiten kann.

Außerdem arbeiten wir an Lösungen, damit man Hoch-Tief-Strukturen auf der Matte realisieren kann. Das soll nicht nur die Schmutzaufnahmefähigkeit sondern auch die optische Erscheinung der Matte weiter verbessern.

WRP: Welche Ziele möchte Emco in den nächsten Jahren erreichen ?

Harbecke: Wir werden nicht versuchen – das haben wir schon betont – in Zukunft auf die drei großen Mattenhersteller im deutschen Markt aufzuschließen. Unser klares Ziel ist es aber, die Marktführerschaft im Bereich der Logomatten in unseren Kernmarkt Zentral- und Nordeuropa anzustreben. Unseren Standardmattenbereich werden wir wie bisher weiterführen und versuchen, etwas stärkere Zuwachsraten zu erzielen. Wir haben uns im Markt gut etabliert und durch unser Know-how und unser Engagement uns auch einen guten Namen gemacht. Dies wollen wir fortsetzen. Außerdem wollen wir Synergien zwischen Emco Bau und unserer Tochter C/R/O weiter nutzen. Wir wollen versuchen, mehr Produkte aus dem klassischen Schmutzfang auch im waschbaren Bereich einzusetzen.

Interview aus WRP 09-2012