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Richard Geiss

Unsere Lösemittel zirkulieren in einem perfekten Wirtschaftskreislauf

Seit fast einem halben Jahrhundert ist Richard Geiss in Offingen Dienstleister für Textilreiniger. Das Unternehmen kümmert sich um die Lösemittel, die in den Maschinen eingesetzt werden, um die Textilien zu reinigen. Dabei beschränkt sich der Service nicht nur darauf, das verbrauchte Lösemittel abzuholen und neue Ware zu liefern: In Offingen wird das alte Lösemittel wieder aufbereitet. Das geschieht in einer Qualität, dass es anschließend dem Markt wieder zur Verfügung gestellt werden kann. „Wir bieten eine Dienstleistung, die unsere Lösemittel in einem perfekten Wirtschaftskreislauf zirkulieren lassen“, sagt Bastian Geiss, Assistent der Geschäftsleitung Richard Geiss. Mit ihm und Peter Hess, Leiter Textilreinigung, sprachen wir über diese Dienstleistung. Weitere Themen: Die Bedeutung von Perchlorethylen und alternativen Lösemitteln für die Branche.

Bastian Geiss
Bastian Geiss, Assistent der Geschäftsleitung, ist Jahrgang 1982. Geiss besuchte die Berufsfachschule für Metall und Elektrotechnik, ist ausgebildeter Kraftfahrzeugmechaniker (Fachrichtung Rennsport) und Industriekaufmann. Im Jahr 2003 stieg er ins (groß)väterliche Unternehmen ein: Durchlauf der kompletten Firma in den Bereichen Produktion, Fuhrpark und Instandhaltung. 2007 wurde Geiss Leiter der Abteilung Textilreinigung, seit 2008 ist er Assistent der Geschäftsleitung. Seine Aufgabenschwerpunkte: Fuhrpark, Vertrieb, Personal und Produktion.
Wir erzeugen hier in Offingen eine Qualität, die der von Neuware entspricht. Unsere Prozesse, Normen und Bestimmungen sorgen dafür, dass wir diese Qualität immer garantieren können
Für mich ist Perchlorethylen heute das beste Lösemittel. Es ist umfassend untersucht, und es gibt kein anderes Lösemittel in Verwendung, das dermaßen sicher ist.
WRP: Richard Geiss bereitet in Offingen organische Lösemittel auf. Aus welchen Branchen kommen diese Lösemittel?

Bastian Geiss: Das Unternehmen Richard Geiss hat drei große Standbeine: Textilreinigung, Oberflächenentfettung und Großindustrie. Im Bereich CR stammen die Lösemittel aus den Textilreinigungsprozessen, bei der Oberfläche handelt es sich um die industrielle Reinigung von Metall- beziehungsweise Verbundteilen. In beiden Bereichen werden überwiegend Per, Tri oder KWL eingesetzt. Bei den brennbaren Lösemitteln ist die Palette wesentlich größer: Angefangen bei Aceton, über Alkohole, NMP bis hin zu Toluol und Xylol. Die Stoffe stammen aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie.

WRP: Die deutschen Textilreiniger setzen in ihren Betrieben Per und KWL ein. Beide Lösemittel bereitet Richard Geiss auf. Wie geschieht dies?
Peter Hess: Per und KWL sehen wir aus der Perspektive der Aufarbeitung streng getrennt. Per kann auf einer separaten Anlage destillativ in einer Reinheit wieder gewonnen werden, die Frischware vollkommen ebenbürtig ist. KWL kann aufgrund seines Siedebereichs, dieser ist verhältnismäßig hoch, nur für eingeschränkte Zwecke aufgearbeitet werden.

WRP: Wenn in Offingen Lösemittel aufbereitet werden: Wie hoch ist die Rückgewinnungsquote und was muss letztlich entsorgt werden?

Geiss: Das hängt letztendlich vom Lösemittel und von der Verunreinigung ab. Da wir aber bei der Textilreinigung vorwiegend über Per reden, können wir hierzu klar sagen, dass die Lösemittelausbeute mit 99,98 Prozent sehr hoch liegt. Das heißt: Von den übernommenen Per-Abfällen gewinnen wir alles an enthaltenen Lösemitteln zurück. Auch die verbleibenden Rückstände werden bei uns energetisch verwertet. Dabei setzen wir einen Drehrohrofen ein, der die nicht verwertbaren Reste aus der Rückgewinnung wie zum Beispiel Fette und Stäube verbrennt. Bei der Verbrennung gewinnen wir Energie, die wir in den Aufbereitungsprozessen wieder einsetzen. Das senkt letztendlich die Kosten für die Aufarbeitung deutlich.

WRP: Was passiert mit dem aufbereiteten Lösemittel? Wird es wieder in den Textilreinigungen eingesetzt?

Hess: Wie erwähnt, stellen wir bei Per eine Reinheit gleich der Frischware her. Das aufbereitete Lösemittel wird wieder in die dafür bestimmten Reinigungsprozesse eingesteuert. Hier können wir mit Fug und Recht von einem kreisrunden Kreislaufsystem sprechen. Somit werden wir den rechtlichen Anforderungen einer Rücknahme der Abfälle und deren stofflichen Verwertung in ganzem Umfang gerecht. Die Textilreinigungsbranche ist sicherlich ein Vorreiter für umweltbewusstes Verhalten und Arbeiten. Seit 49 Jahren geschieht bereits die Rückgewinnung der Lösemittel in diesem Maßstab, in anderen Branchen wurde dies erst viel später realisiert.

WRP: Es gibt Stimmen in der Branche, die das Lösemittel, das sie an die Betriebe verkaufen, als Regenerat bezeichnen, Richard Geiss spricht aber von Frischware. Was ist richtig?

Geiss: Die Qualität des Richard Geiss-Lösemittels als Regenerat zu bezeichnen, ist nicht korrekt. Denn ein Regenerat kann sich auf viele mögliche Qualitäten beziehen. Wir erzeugen in Offingen eine Reinheit des Perchlorethylens, die der von Frischware vollkommen ebenbürtig ist. Deswegen bezeichnen wir unsere Ware auch als Frischware – auch wenn diese aus Altware gewonnen wird. Richard Geiss hat im Laufe der Jahre riesige Mengen von Lösemittel in den europäischen Märkten untergebracht und nie gab es Reklamationen.

Der Gebrauch des Begriffs Regenerat hat etwas mit der Unternehmensgeschichte von Richard Geiss zu tun. Früher trat das Unternehmen in der Branche in erster Linie als reiner Entsorger auf. Damals wurde das Lösemittel auf bis zu 97 Prozent aufgearbeitet und diese Ware als Regenerat wieder verkauft. Seit 1992 haben wir die Reinheiten auf die aktuellen 99,98 Prozent hochgefahren. Trotzdem scheint der Begriff Regenerat aus der Vergangenheit in einigen Köpfen noch immer präsent zu sein.

Hess: Man kann die überflüssige Diskussion um die Begriffe Frischware oder Regenerat sehr gut an einem Beispiel festmachen: Niemand würde die Qualitäten von Stahl in Frage stellen. Obwohl bei der Produktion auch Schrott eingesetzt wird. Für den Hersteller und auch den Kunden ist allein eine Frage maßgeblich: Hat der neue Stahl die notwendige Qualität, um alle Anforderungen zu erfüllen? Genauso muss das die Textilreinigungsbranche betrachten. Wir erzeugen hier in Offingen eine Qualität, die der von Neuware entspricht. Unsere Prozesse, Normen und Bestimmungen sorgen dafür, dass wir diese Qualität immer garantieren können. Dank unseres Labors wissen wir auch sehr genau, welche Per-Qualitäten überhaupt im Markt bestehen. Deshalb können wir mit gutem Gewissen sagen, dass wir mit unserer Qualität immer im obersten Segment sind.

WRP: Wie ist das Verhältnis zwischen „recyceltem“ und „neuem“ Lösemittel in der Branche?

Hess: Dies ist schwer abzuschätzen. Sicherlich ist der Anteil von recyceltem Per sehr hoch.

WRP: Richard Geiss holt die „verbrauchten“ Lösemittel direkt beim Kunden ab. Wie oft werden diese Rückstände eingesammelt? Meldet sich der Reiniger telefonisch, wenn er ihre Dienstleistung benötigt?

Geiss: Der Reiniger muss uns nicht anrufen, die Rücknahme erfolgt durch ein über Jahre optimiertes Logistiksystem. Regelmäßig, mindestens alle drei Monate, kontaktieren unsere vier Serviceteams unsere Kunden. Es wird nachgefragt: Was hat der Reiniger an Altware, was braucht er an Frischware? Dann fahren wir zum Kunden. Dabei geht unsere Leistung weit über das Abholen und Liefern hinaus. Unsere Mitarbeiter holen die schweren Gebinde teilweise von der Maschine weg, verschließen sie transportgerecht, kennzeichnen die Gebinde und bringen sie nicht selten durch ein Labyrinth zwischen Textilien und Maschinen aus der Reinigung bis zum LKW. Wenn nötig, schließen unsere Mitarbeiter das neue Gebinde an und schauen auch mal nach, wenn die Maschine ein technisches Problem hat. Wir erstellen auf Wunsch auch die Lösemittelbilanzen und liefern die Entsorgungsnachweise. Sollte der Textilreiniger weitere Informa­tionen oder Beratungen benötigen, stehen wir selbstverständlich zur Verfügung.

Hess: Als Dienstleister übernehmen wir sehr viele Pflichten, die gesetzlich beim Reiniger verankert sind. Dies gilt zum Beispiel für das Gefahrgutrecht. Dies schreibt unter anderem vor, dass der Absender des Lösemittelgebindes dafür zu sorgen hat, dass er ein zugelassenes Gebinde einsetzt, dieses kennzeichnet und für den Transport sichert. All das nehmen wir dem Textilreiniger ab, unsere Dienstleistung ist sozusagen ein Rundum-Sorglos-Paket für ihn. Richard Geiss leistet das seit vielen Jahren. Für viele Reiniger ist es heute eine Selbstverständlichkeit und manche denken, dies sei unsere Aufgabe. Es ist aber laut Gefahrgutrecht nicht unsere Pflicht, es ist eine Dienstleistung von Richard Geiss.

Geiss: Wenn wir über Gesetze und Verordnungen in diesem Bereich sprechen, sind wir auch an einem Punkt, der uns immer wieder negativ aufstößt. Es gibt eine HKW-Abfallverordnung, sie regelt die Entsorgung von Halogenkohlenwasserstoffen. Die Verordnung besagt: Wenn jemand mehr als zehn Liter Lösemittel pro Monat an einen Kunden vertreibt, ist er verpflichtet, diese auch wieder zurückzunehmen. Leider erfüllen das nur die wenigsten Lieferanten. Als Entsorger springen wir in diese Bresche und leisten dies konform zu den gesetzlichen Regelungen, obwohl wir dazu nicht verpflichtet sind.

WRP: Ihre Dienstleistung bedingt eine umfangreiche Logistik. Wie kann Richard Geiss dies leisten?

Hess: Die Logistik ist nur machbar mit einer qualifizierten Mannschaft, die sehr gut eingearbeitet ist, die Kunden und deren Gegebenheiten kennt und entsprechendes Werkzeug besitzt. Das sind in diesem Fall speziell aufgebaute LKW‘s mit Sicherungsgeräten und Transporthilfen. Sie besitzen Auffangwannen, die im Notfall auslaufendes Lösemittel sammeln. Diese Wagen wurden speziell für diese Belange entwickelt. Sie müssen auch den neuesten Standards entsprechen, da wir in die Innenstädte einfahren. Auch dafür gibt es strenge Auflagen.

Bisher gab es aber noch nie Probleme. Unsere Mitarbeiter prüfen jedes Gebinde beim Absender auf Undichtigkeiten. Gegebenfalls wird ein beschädigtes Gebinde vor Ort umgeladen oder in ein sicheres Bergefass eingestellt. So kann nichts passieren. In der Regel sind unsere LKW’s bei einer Tour nach einer halben bis dreiviertel Woche voll und fahren dann nach Offingen. Geladen haben sie dann zwischen zehn und zwölf Tonnen Lösemittel.

WRP: Wie oft muss ein Gebinde beim Reiniger gewechselt werden?

Hess: Dies kann man nicht pauschal sagen, es hängt von vielen Faktoren ab: Zum Beispiel vom Bediener der Maschine. Hat die Maschine eine Einfach- oder Zweifach-Destillation, welche Textilien werden damit gerei­nigt? Die Parameter sind vielfältig, dementsprechend ist auch der Austrag aus der Maschine. Wir haben Kunden, die wir regelmäßig vierteljährlich bedienen und es gibt Betriebe, die wir nur alle sechs Monate anfahren.

WRP: Gibt es weitere Dienstleistungen, die Richard Geiss anbietet?

Hess: Beratung beim Einsatz von Lösemitteln und Labordienstleistungen sind da sicherlich vorrangig zu nennen. Unser Labor in Offingen kann zum Beispiel den Flammpunkt oder die Reinheit des Lösemittels bestimmen. Die Serviceteams von Richard Geiss leisten in den Textilreinigungen Hilfe bei Fragen zur Lösemittelbilanzierung oder der Entsorgung. Sie können auch technische Unterstützung bei Problemen mit der Maschine geben.

WRP: Es gibt Gesetze, die den Umgang mit Per regeln. Wie werden diese Auflagen, die auch für Transport, Lagerung und Aufbereitung relevant sind, von Richard Geiss erfüllt?

Geiss: Bereits 1991 entwickelte Richard Geiss zusammen mit einem namhaften Behälterhersteller Sicherheitssysteme. Diese Sicherheitssysteme genügen allen Anforderungen: Der Zulassung zum Transport auf öffentlichen Straßen durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, der Einhaltung der Lagervorschriften nach dem Wasserhaushaltsgesetz und nicht zuletzt der emissionsfreien Entleerung und Befüllung. Was im „Kleinen“ beim Reiniger gilt, ist natürlich in unserem Betrieb in Offingen ebenso umgesetzt. Soweit, was den Umgang mit den Lösemitteln betrifft.

Hess: Richard Geiss ist ein transparentes Unternehmen. Immer wieder besuchen uns zum Beispiel Mitglieder von Innungen, um sich zu informieren. Wir freuen uns darüber und können zeigen: Was passiert mit den Stoffen, wie gehen wir damit um und wie stellen wir sicher, dass wir Qualitäten wieder in den Markt geben können. Das Aufarbeiten von Lösemitteln ist umfassend und aufwändig, deshalb wollen wir unsere Leistung – dies ist schließlich Sinn und Zweck eines Unternehmens – entsprechend vergütet bekommen.

WRP: Wie groß ist die Jahresleistung der Aufbereitungsanlage in Offingen? Wie groß ist daran der Anteil der Lösemittel aus den Textilreinigungen?

Hess: Die Jahresleistung allein des CKW-Bereiches liegt bei 25.000 Tonnen im Jahr. Dazu trägt der Bereich aus den Chemischen Reinigungen aber nur einen Bruchteil bei.

WRP: Ist Richard Geiss nur in Deutschland tätig? Gibt es Pläne, dass das Unternehmen sich auch international engagiert?

Geiss: Unsere Aktivitäten sind heute nicht nur auf Deutschland beschränkt. Pauschal gesagt, können wir mit dem Zirkel einen Kreis mit einem Radius von 1.000 Kilometern um unseren Standort Offingen schlagen, um unser aktuelles Kundenverbreitungsgebiet zu beschreiben. Wir würden gerne noch aktiver sein, sind aber durch die jeweiligen nationalen Gesetze im Ausland limitiert.

WRP: Wie wird das Lösemittel aus den Textilreinigungen in anderen Ländern entsorgt?

Geiss: Weltweit ist das Lösemittel-Kreislaufsystem, wie wir es in Deutschland kennen, einmalig. Es gibt Länder mit Vorschriften, die eine Entsorgung fordern. Die­se regeln aber nicht, wie diese Entsorgung zu geschehen hat. Dort macht sich auch niemand darüber Gedanken, dass man das gebrauchte Lösemittel aufbereiten und als Neuware wieder in der Branche unterbringen kann. Und es gibt Länder im europäischen Ausland, in denen es überhaupt keine Regelungen gibt, die eine professionelle Entsorgung der Lösemittel vorschreiben. Ich denke, dass sich die nationalen Regelungen in diesem Bereich nach und nach angleichen und heute noch vorhandene Schlupflöcher gestopft werden. Dies wird uns die Möglichkeit geben, tätig zu werden und neue Märkte zu erreichen. Denn diese Länder brauchen alternative Entsorgungswege. Es wird eine Nachfrage nicht nur nach einer professionellen, gesetzeskonformen Entsorgung, sondern auch nach der Aufbereitung von Lösemitteln geben.

Hess: Leider ist das noch Zukunftsmusik. Heute sehen wir uns mit europäischen Gesetzen konfrontiert, die ein umfangreiches Prozedere vorschreiben, wenn man Abfälle aus dem Ausland zur Aufbereitung nach Deutschland holen möchte. Also, es ist sehr aufwendig und auch sehr teuer und lohnt sich nur, wenn man große Mengen holen kann. Andererseits ist der Aufwand viel kleiner, wenn man Frischware ins europäische Ausland verkaufen möchte.

WRP: Ist die Internationalisierung von Richard Geiss auch damit begründet, dass der deutsche Markt immer kleiner wird?

Geiss: Das ist sicher auch eine Reaktion darauf, schließlich sinkt die Anzahl der Betriebe im deutschen Markt kontinuierlich. Aber grundsätzlich muss sich Richard Geiss in einem europäischen Markt auch europäisch ausrichten.

WRP: Hat Richard Geiss Wettbewerber im deutschen Markt? Sie gelten zumindest als Markt bestimmend, manche sprechen von einem Monopol.

Hess: Da müssen wir differenzieren. Grundsätzlich wäre ein Monopol für die Branche nicht gut und es existiert in dieser Form auch nicht. Wenn man die Frischwareversorgung betrachtet, haben wir relativ viele Mitbewerber. Wenn wir die Frischwareversorgung und die Rücknahme der Altware betrachten – die Rücknahme der Altware ist ja gesetzlich vorgeschrieben – dann landen wir bei relativ wenigen Wettbewerbern. Diese entsorgen, bereiten aber nicht auf. Wenn wir die Rücknahme und die Aufbereitung der Altware sowie die Versorgung mit Frischware als einen Kreislauf betrachten, dann gibt es nur noch einen Dienstleister – Richard Geiss. Es gibt zwar noch eine Aufbereitungsanlage, die aber nicht über die Möglichkeiten unserer Anlage verfügt. Wir können mit unserer Anlage in Offingen den Textilreinigungsmarkt optimal bedienen und alle Gebindegrößen entsprechend verarbeiten.

WRP: Was sind die Gründe für den unternehmerischen Erfolg von Richard Geiss?

Geiss: Ein Baustein dieses Erfolges ist, dass wir immer gesetzeskonform gearbeitet haben und dies auch in Zukunft tun werden. Deshalb investieren wir regelmäßig und sind stets auf dem neuesten Stand der Technik. Know-how und moderne Technik sind Garanten für die hohe Qualität unserer Produkte. Dies schafft Vertrauen und wir arbeiten Kunden und Markt orientiert. Diesen Weg wird Richard Geiss geradlinig weitergehen, neuen Herausforderungen stellen wir uns mit großem Engagement.

WRP: Wie will Richard Geiss diese Position in Zukunft verteidigen?

Geiss: In dem wir uns nicht vor Neuem verschließen, jedoch Altes und Bewährtes weiterleben und unser Tun immer wieder hinterfragen.

WRP: Seit einiger Zeit ist Linde mit Fred Butler in der Branche aktiv. Die Fred Butler-Standorte reinigen nach eigener Aussage umweltfreundlich mit recyceltem, flüssigem CO2. Was bedeutet Fred Butler für die Textilreinigungsbranche, wird das Konzept in Deutschland erfolgreich sein?

Hess: CO2 ist als Reinigungsmittel nicht unbekannt. Schon früher gab es Ansätze, es in der Reinigung einzusetzen. Durchgesetzt hat es sich nicht, da es qualitativ, preislich und von der technischen Handhabe her den heute gebräuchlichen Stoffen nicht das Wasser reichen kann. Das bestätigen auch die Hohensteiner Institute, die sich umfassend mit der CO2-Reinigung beschäftigt haben. Aber letztendlich entscheidet der Reiniger vor Ort in seinem Betrieb über die Qualität und das Preis-/Leistungsverhältnis über den Erfolg eines Reinigungsmediums.

Geiss: Die Textilreinigungsbranche besitzt Textilpflegesysteme, die seit Jahrzehnten erprobt sind, funktionieren und sehr gute Qualitäten liefern. Linde hat mit Fred Butler ein System eingeführt, das eben mit CO2 reinigt. Das ist alles legitim.

Fred Butler und das CO2-Reinigungsverfahren werden als umweltfreundliche Reinigung verkauft, Perchlorethylen dadurch als weniger umweltgerecht dargestellt. Dabei ist das Lösemittel Perchlorethylen, eingesetzt in einem echten Kreislaufsystem, das die Ressourcen schont, nicht weniger umweltgerecht, da es beliebig oft destillativ aufgearbeitet werden kann.

WRP: Auf der Texcare hat Seitz verkündet, dass das Unternehmen ab sofort GreenEarth exklusiv in Deutschland vertreibt. Und vor kurzem diskutierten Vertreter von Seitz, Kreussler und Büfa auf einer Verbandsveranstaltung über alternative Lösemittel. Brauchen die Textilreinigungen neue Lösemittel?

Geiss: Versuche, neue Lösungsmittel für die Reinigung zu finden, hat es schon immer gegeben. Zuerst sprechen alle darüber, das neue Lösemittel wird gepusht und verschwindet dann relativ schnell wieder in der Versenkung. Es wird auch einige Betriebe geben, die dieses neue Lösemittel einsetzen. Wir werden uns alternativen Lösemitteln sicher nicht in den Weg stellen oder gar ganz verschließen. Grundsätzlich muss man aber sehr kritisch und unvoreingenommen die neuen Lösemittel betrachten. Setzen wir diese in Bezug auf die bewährten und bestens geprüften vorhandenen Stoffe, sehen wir derzeit keine konkreten Alternativen.

Für mich ist heute Perchlorethylen das beste Lösemittel. Es ist umfassend untersucht, und es gibt kein anderes Lösemittel in Verwendung, das dermaßen sicher ist – angefangen von emissionsfreien Kupplungen bis hin zu komplett gekapselten Maschinen. Außerdem gibt es ein umfassendes Hilfsmittelsortiment, dessen Produkte bestens funktionieren. Das Lösemittel Per ist heute Teil eines schlüssigen und kompletten Textilpflegesystems. Allein dies macht es unmöglich, dass es in absehbarer Zeit durch ein alternatives Lösemittel ersetzt wird. Per nimmt heute einen Großteil des Marktes ein und wird dies auch in Zukunft tun.
Hess: Ein ganz wichtiges Argument für das Lösemittel Per ist, dass es letztlich endlos im Kreis gedreht werden kann. Wir können Perchlorethylen unendlich im Lösemittelkreislauf einsetzen, weil wir es beliebig oft destillativ aufarbeiten können. Als Frischware aufbereitet, kann das Per immer wieder dem Kreislauf zugeführt werden.

Noch einmal: Perchlorethylen ist ein Stoff, mit dem man entsprechend umgehen muss, weil er sicherlich eine gewisse Gefährdung darstellen kann. Wenn man aber diese Gefahren kennt und sie entsprechend ausschließt, dann kann man sehr vernünftig mit diesem Lösemittel arbeiten. Und die Reinigungsqualitäten von Per sind unbestritten. Rund 70 Prozent der deutschen Textilreiniger setzen heute auf Perchlorethylen. Es wird seit 50 Jahren in der Branche eingesetzt. So lange hat man damit auch Erfahrungen und sich Gedanken gemacht, wie man poten­tielle Gefährdungen ausschließen kann. Auch der energetische Aspekt des Lösemittels ist nicht zu verachten. Per ist relativ preiswert, die Maschinentechnik ausgereift und modern. Sie sorgt dafür, dass der Lösemittel-Verbrauch in der Anlage immer weiter minimiert wird.

Ich finde, dass die sporadisch aufflammenden Lösemitteldiskussionen ein bisschen davon ablenken, was die Textilreinigungen eigentlich leisten und wofür sie kämpfen sollten: Dass sie nämlich Qualität verkaufen und dadurch auch die entsprechenden Preise für ihre Dienstleistung verlangen können. Hier sind die Betriebe gefordert. Wir fragen uns deshalb: Müssen wir über Lösemittel diskutieren oder über die Qualitäten, die beim Endverbraucher landen?

Interview aus WRP 12-2008