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Thermotex Nagel

Der Qualitätsgedanke ist die Grundlage unseres Erfolgs

Die industrielle Form der Wäsche und das Textilleasing sind ohne eine zuverlässige Kennzeichnung der zu pflegenden Artikel undenkbar. Sie gewährleistet eine eindeutige Zuordnung, darüber hinaus bietet sie bei richtiger Anwendung eine Vielzahl betriebswirtschaftlicher Kenndaten. Eine bedeutende Position auf dem Gebiet der Textilkennzeichnung hat sich in wenigen Jahren Thermotex erarbeitet. WRP besuchte die Geschäftsführung in Schutterwald und sprach mit Helmut Czichon, Franz Dufner und Dietmar Nagel über die Gründe dieser rasanten Entwicklung.

Helmut Czichon
Helmut Czichon hat Elektromaschinenbau gelernt und absolvierte danach ein Elektronikfachjahr. 1983 begann Czichon dann als Assistent der Geschäftsleitung in der Wäscherei Edelweiß. Dort übernahm er 1984 die Betriebsleitung für Wäscherei und Chemische Reinigung. 1989 wechselte Czichon in das noch junge Unternehmen Thermotex. Heute ist er gemeinsam mit seinen Partnern Geschäftsführender Gesellschafter und verantwortet den Bereich Verkauf und Marketing.
Dietmar Nagel
Dietmar Nagel ist gelernter Zahntechniker und legte im Frühjahr 1988 die Zahntechniker Meisterprüfung bei der Handwerkskammer Freiburg ab. Im August 1988 gründete er zusammen mit seinem Vater Wolfgang Nagel die Firma Thermotex und ist Geschäftsführender Gesellschafter und verantwortlich für den Bereich Entwicklung / Technik
Wir liefern im Prinzip alles, was der Kunde für die Kennzeichnung von Textilien benötigt. Insgesamt sind es rund 15.000 Artikel
Wir entwickeln gerne individuell für den Kunden und gehen dafür in die Betriebe. Dort treten wir den Beweis an, dass wir wirklich gut sind
Wir sind der einzige Anbieter von Textilkennzeichnungssystemen, der selbst in Deutschland produziert und von der Entwicklung bis zur Produktion und dem Vertrieb alles in einer Hand hält
WRP: Gratulation zum 20-jährigen Bestehen Ihres Unternehmens. Thermotex schreibt seit 1988 mit an der Geschichte der professionellen Textilkennzeichnung. Welchen Anteil hat Ihr Unternehmen daran?

Helmut Czichon: Es gibt die Textilkennzeichnung in Deutschland schon etwa seit dem Kriegs­ende. Damals kamen die ersten amerikanischen Anbieter auf den Markt. Vorher gab es in der professionellen Wäsche nur die Methode der Postentrennung. Im Zuge der Massenwäsche wurde es dann erforderlich, immer größere und schnellere Maschinen zu bauen. Wegen der wachsenden Geschwindigkeit in der Wäschebearbeitung, der Wäschelogistik und der Individualisierung der Wäsche musste die Wäsche genauer und effizient gekennzeichnet werden.

Dietmar Nagel: Mein Vater Wolfgang Nagel war vor seiner Selbständigkeit Außendienstmit­arbeiter einer Firma, die unter anderem Kennzeichnungssysteme vertrieb. Diese Geräte waren ihm aber, auch wegen der Rückmeldungen einiger Kunden, nicht gut genug, so dass er in kleinsten Verhältnissen zu Hause im Keller zu tüfteln begann. Ich unterstützte ihn in meiner Freizeit und eignete mir damit viel technisches Wissen und Know-how an. Seine Zielsetzung war es, die Maschinen schneller, komfortabler und vor allem qualitativ besser zu machen. Zu der Zeit gab es in Deutschland noch keinen Produzenten von Kennzeichnungsmaschinen. Die­se Tatsache und die Kenntnisse aus den von ihm besuchten Wäschereien gaben ihm dann den Anstoß, sich zusammen mit mir selbständig zu machen. Der Eintrag ins Handelsregister erfolgte am 15. August 1988.

WRP: Hat Wolfgang Nagel die Maschinen von Grund auf neu entwickeln müssen?

Franz Dufner: Nein, das Prinzip der Patchmaschinen gab es ja schon. Sie sind ein wesentlicher Faktor bei der Textilkennzeichnung. Die richtige Kombination aus Anpressdruck, Temperatur und Anpressdauer sorgen dafür, dass ein Patch dauerhaft mit dem Gewebe verbunden ist. Allerdings haben die damaligen Anbieter diese Parameter etwas breiter gefasst, so dass sich ein Kennzeichen schon mal löste oder ganz abfiel. Fatal für eine verlässliche Wäschepflege.

Wir bei Thermotex hatten deshalb von Anfang an wesentlich präzisere Ansprüche und haben deshalb zum Beispiel eigene, präzisere Regler selbst entwickelt. Außerdem achten wir generell auf eine sehr hochwertige Verarbeitung unserer Maschinen. Damit wollten wir uns absetzen gegenüber dem Wettbewerb. Der Kunde soll viele Jahre Freude an seinen Thermotex -Produkten haben. Dieser ausgeprägte Qualitätsgedanke hat uns bei den deutschen Wäschern nach vorne gebracht.

Czichon: Begonnen hat das Unternehmen auf 150 bis 200 Quadratmetern. Dort haben wir bis zum Umzug 1993 nach Schutterwald gearbeitet, wo wir auf einmal 1.400 Quadratmeter Nutzfläche für rund 20 Mitarbeiter hatten. Wir ahnten schon damals, dass wir zukunftsträchtige Produkte hatten, die gutes Wachstum versprachen. Schnell wurde auch diese Fläche zu klein, so dass wir nur zehn Jahre später schon wieder erweitern mussten.

WRP: Waren Sie von Beginn an im Unternehmen?

Czichon: Ich bin ein Jahr nach der Gründung zu Thermotex gestoßen. Damals haben wir alle noch Doppelfunktionen ausfüllen müssen. So war ich einerseits für den Außendienst verantwortlich, habe aber auch in der Produktion Maschinen montiert.

WRP: Die Zeiten dürften inzwischen Vergangenheit sein.

Dufner: Heute arbeiten wir in ganz anderen Dimensionen. Die Aufgaben sind wesentlich spezialisierter und wir beschäftigen insgesamt 95 Mitarbeiter. Über Partnerfirmen in der Ortenau beschäftigen wir indirekt weitere 25 Kräfte. Bei uns im Haus erfolgen die Entwicklung, die Prototypenfertigung, die Endmontage und auch die Qualitätskontrolle. Außerdem haben wir die gesamte Beschichtungstechnik als unsere Kernkompetenz im Haus.

Nagel: Die Produktionskette muss reibungslos funktionieren, um unseren Kunden kurze Lieferzeiten zu garantieren. Wir halten viele Maschinen auf Lager, so dass in der Regel niemand länger als ein paar Tage auf sein neues Gerät warten muss. Besonders bei den Betriebsmitteln verfügen wir über hohe Lagerbestände. Wir bieten sogar den Service, Maschinen zur Erprobung für einige Zeit mieten zu können. Das Angebot wird rege in Anspruch genommen. Wir halten Maschinen im Wert einer hohen sechsstelligen Summe vor, die ständig bei wechselnden Kunden stehen.
WRP: Wo produzieren Ihre Zulieferer?

Czichon: Sie produzieren hier in der Ortenau in Baden-Württemberg, nicht im Ausland. Unsere Produkte sind also wirklich „made in Germany“. Wir bauen auf langjährig gewachsenen Strukturen auf und haben damit hervorragende Erfahrungen gemacht.

WRP: War es Ihre Zielsetzung, den sprichwörtlichen Mercedes unter den Kennzeichnungsmaschinen herzustellen?

Czichon: Wir wollten einfach besser sein als der Wettbewerb und gemeinsam mit unseren Kunden Projekte entwickeln. Dabei wird den Partnerunternehmen der Wert erstattet, den sie ihrerseits in das Projekt gesteckt haben. Das ist bis heute so geblieben. In den Gründungsjahren sind wir mit den Kunden gewachsen, die stets Verbesserungen in ihr Unternehmen holen wollten.

Früher konnten viele Unternehmen nur schwer beziffern, ob sie an der Wäsche etwas verdienten oder nicht. Es fehlten die Maßstäbe mangels einer aussagekräftigen Kennzeichnung. Das hat sich dann Anfang der 90-er Jahre schnell geändert. Thermotex war an dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt, beispielsweise durch den Matrixcode oder die bewohnerbezogene Abrechnung. Aus diesen Möglichkeiten entwickelten sich dann Fragen, wie man aus der Kilowäsche Stückwäsche machen oder aus der Stückwäsche höhere Erträge erzielen könne. Auf Grund unserer engen Kundenbindung sind wir dann allmählich zu einem Systemanbieter geworden.

WRP: Welche Maschinen bietet Thermotex heute an?

Czichon: Wir liefern im Prinzip alles, was der Kunde für die Kennzeichnung von Textilien benötigt. Hand- und pneumatisch bediente Patchmaschinen, Textilprinter, Embleme, Transferpressen, Nadeldrucksysteme, Thermotransferdrucksysteme, Scanner, Barcodes und Transponder, die notwendigen Betriebsmittel sowie weiteres Zubehör. Insgesamt sind das rund 15.000 Artikel.

Von Anbeginn an haben wir neben den Maschinen auch die Steuerung und die Betriebsmittel angeboten. Es ist unsere Überzeugung, dass alles aus einer Hand den Kunden mehr Sicherheit bietet. Bei uns kommt es nicht vor, dass im Falle einer Panne der Maschinenhersteller auf den Betriebsmittelhersteller zeigt und umgekehrt. Der Thermotex -Kunde hat einen festen Ansprechpartner. Bei rund zwei Milliarden Etiketten, die wir im Laufe nur eines Jahres in Umlauf bringen, ist gerade der Betriebsmittelbereich ein wichtiger Geschäftszweig für uns geworden. Wir haben eine Chargenverfolgung bei jeder Rolle Kennzeichnungsband und können so eine lückenlose Dokumentation gewährleisten.

Wir sind ursprünglich mit unseren Wäscherei-Kunden gewachsen, inzwischen sind wir aber auch in der Vorindustrie gut etabliert, den Herstellern von Berufskleidung und Flachwäsche. Wir stellen uns stets die Frage: Wo fängt ein Produkt an? Und von wo an muss es logistisch geführt werden? Etliche Großkunden im Textilservice bitten uns inzwischen, ihren Vorlieferanten zur Seite zu stehen und bereits dort mit geeigneten Lösungen für Kennzeichnung und Logistik anzusetzen.

Dufner: Durch die Zusammengehörigkeit von Maschinen und Betriebsmitteln können wir guten Gewissens behaupten: Das haben wir entwickelt und langzeitgetestet, das harmoniert miteinander. Es ist ähnlich wie bei einem Softwarehersteller, dessen Produkt auf einem Billigserver läuft. Das kann auch nicht miteinander harmonieren. Unsere Produktphilosophie hat bei den Kunden Akzeptanz und Vertrauen geschaffen. Denn Kennzeichnung ist einfach eine Vertrauenssache. Wenn sie abfällt, ist das der Supergau für den Anwender. Qualität liegt vor, wenn das Etikett hält, seine Waschbeständigkeit gewährleistet ist und die geforderten Waschzyklen erreicht werden, damit die Wertigkeit unserer Produkte auch an den Kunden zurück gegeben werden kann.

WRP: Welche Position nimmt Thermotex im weltweiten Geschäft für Textilkennzeichnung ein?

Nagel: Es gibt einen Mitbewerber, der weltweit Marktführer ist. In einigen wichtigen Märkten haben wir allerdings inzwischen die Marktführerschaft übernommen. In der Schweiz haben wir beispielsweise einen Marktanteil von rund 80 Prozent, in Österreich sind es sogar noch mehr und auch in Deutschland sind wir mit einem sehr hohen Marktanteil Marktführer. Hierzulande sind wir praktisch bei allen Großkunden zu Hause. Insgesamt beliefern wir 45 Länder, neben dem alten Europa auch Länder wie Afrika, Ägypten, Australien, Neuseeland und die Vereinigten Arabischen Emirate. In Russland, Thailand und Japan haben wir in diesem Jahr erstmals auf Messen ausgestellt.

Czichon: Wir haben preislich einen guten Mix, unser Produktportfolio ist breit gestreut. Noch recht neu sind unsere Transponder und Antennen. Wir haben einfach erkannt, dass der Markt diese Produkte braucht. Wir entwickeln gerne individuell für den Kunden und gehen dafür in die Betriebe. Dort treten wir den Beweis an, dass wir wirklich gut sind. Dafür haben wir 14 Verkaufsmitarbeiter und fünf Ingenieure, die den Außendienst nachhaltig unterstützen. Unsere Mitarbeiter besuchen die Unternehmen, analysieren wo es Probleme gibt oder geben könnte. Auf Wunsch machen wir regelmäßig Betriebsbegehungen, begutachten den Zustand älterer Thermotex-Maschinen und geben auch Verbesserungsvorschläge für die betrieblichen Abläufe.

Dufner: Ein Problem, das unsere Kunden jedoch haben, ist der enorme Kostendruck, dem sie ausgeliefert sind. Er verhindert leider manchmal, dass die Geräte regelmäßig von uns gewartet werden können. Wenn eine Maschine dann schließlich ganz ihren Geist aufgibt, ist der daraus entstandene Schaden oft höher als die vorher erzielten Ersparnisse. Aber wir werden als qualitativ hochwertiger Anbieter und technologischer Vorreiter angesehen.

WRP: Und welche Kundengruppen bedienen Sie?

Czichon: Unsere Kunden sind in erster Linie Wäschereien, Krankenhäuser, Altenheime und andere Pflegeeinrichtungen, namhafte Unternehmen im Bekleidungsleasing und aus der Textilindustrie. Wir bedienen ebenso gerne das kleine Pflegeheim mit 30 Betten wie ein großes Konzernunternehmen der Textilservice-Branche. Durch diese breite Kundenbasis stehen wir recht stabil da. Wir bedienen im Jahr rund 4.500 Umsatzkunden.

WRP: Wie bedeutend ist der Auslandsmarkt für Ihr Unternehmen?

Czichon: Die Exportquote liegt derzeit bei rund 42 Prozent mit steigender Tendenz. Zum großen Teil bedienen wir Europa, vor allem innerhalb der EU. In Übersee sind unsere wichtigsten Absatzgebiete Afrika, Australien, Japan und Neuseeland. In Südamerika sind wir bis Chile gekommen. Dort gibt es aber Unwägbarkeiten in den Zollformalitäten, die das Geschäft erschweren.

In diesem Jahr hat uns die Texcare International sehr viele interessante Auslandskontakte gebracht. Man kennt uns mittlerweile, wir müssen uns den Interessenten gegenüber nicht mehr erklären. Aus der festen Etablierung im Kernmarkt begeben wir uns nun verstärkt in fernere Exportmärkte. Derzeit ist zum Beispiel Dubai ein interessanter Markt, dort entstehen reihenweise neue Hotels. Die Kunden dort wollen nur das Neueste und Beste, zum Beispiel Transponder­technologie.

Grundsätzlich gilt, dass man Export nur erfolgreich betreiben kann, wenn man Mitarbeiter hat, die die jeweilige Landessprache beherrschen. Bei uns im Unternehmen wird Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch und Russisch gesprochen. Teilweise sprechen unsere Mitarbeiter eine dieser Sprachen sogar als Muttersprache.

WRP: Bietet Ihr Unternehmen auch Software an?
Nagel: Wir bieten eine eigene Software für die Erstellung von Etiketten an - WinTexx. Die Entwicklung umfangreicher Softwarelösungen zum Beispiel für die Warenwirtschaft ist ein komplett anderes Paar Schuhe. Für solche Anforderungen gibt es Softwareanbieter auf dem Markt, die sich auf dem Gebiet Wäschelogistik und Verwaltung spezialisiert haben. Mit einigen dieser EDV-Spezialisten arbeiten wir in den verschiedenen Ländern zusammen und können so den Kunden ein komplettes Paket anbieten.

WRP: Sie sprachen davon, dass Sie in die Betriebe gehen, um gemeinsam mit den Kunden Lösungen zu entwickeln. Wie hoch ist der Anteil kundenindividuell gefertigter Produkte?

Dufner: Das ist schwer zu sagen, denn natürlich haben wir Spezialentwicklungen für Kunden später auch zum Standard erklärt. Davon können dann auch andere Unternehmen profitieren, denn sonst wäre das einzelne Produkt bei Exklusivität für einen Kunden viel zu teuer. Generell ist eine Maschine so speziell für einen Kunden ausgelegt, wie er es wünscht. Das reicht von Zählfunktionen über Schalter für feste Parameter, die voreingestellt werden, bis zum kompletten Umbau von Rechts- auf Linksbedienung. Dazu kommen Sondergeräte für sehr spezielle Anwendungen.

Uns kommt bei der Produktentwicklung die Zertifizierung nach DIN ISO 9001: 2000 zugute. Stets muss bei uns geprüft werden, ob es sich bei einem Produkt um ein Standardprodukt handelt oder nicht. Bei einer Individuallösung wird zwingend eine Machbarkeitsprüfung erstellt, die in jedem Fall auf dem Tisch des Technischen Leiters landet. Dafür haben wir das Know-how. Wir beschäftigen sechs Ingenieure für Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik sowie mehrere Techniker, die sich der Sache annehmen. Daher verfügen wir im Markt über den Ruf, spezifische Lösungen anbieten zu können.

Nagel: Mit unserer kostenlosen Hotline heben wir uns ebenfalls vom Wettbewerb ab. Sie ist werktags von 8 bis 12 Uhr 30 und von 13 Uhr 30 bis 17 Uhr erreichbar. Unsere Hotline-Mitarbeiter sind hoch qualifizierte Techniker und Ingenieure und können auf einen reichen Erfahrungsschatz an Problemlösungen zurückgreifen. Ein hoher Prozentsatz der technischen Probleme kann durch diesen Service schnell behoben werden, ohne dass der Besuch eines Technikers nötig wird.

Generell legen wir größten Wert darauf, dass ein Kunde, der ein komplexes Produkt gekauft hat oder der Empfehlung für eine Software gefolgt ist, bis zum Erfolg geführt wird. Da sind wir sehr akribisch: Wenn wir sagen, ein Gerät funktioniert, dann funktioniert es auch, oder wir nehmen es zurück. Unsere Kunden kennen diese Einstellung und wissen sie sehr zu schätzen.
Manche Einkäufer denken da etwas zu kurzfristig und vernachlässigen bei einer Kaufentscheidung den Mehrwert, den ein guter Service bietet. Sie wollen so günstig einkaufen wie nur möglich und wenden sich an einen ausländischen Wettbewerber oder ein Online-Angebot ohne Support. Wenn das Gerät dann Schwierigkeiten macht, sind sie hilflos und müssen häufig hohe Ausfallkosten in Kauf nehmen. Das wollen wir unseren Kunden nicht zumuten und setzen daher weiterhin auf einen umfassenden Service.

WRP: Die aufwändige Kundenbegleitung ist sicherlich auch sehr personalintensiv.

Dufner: Wir haben uns gerade um zehn Mitarbeiter verstärkt, und damit unter anderem auch den Service. Vornehmlich haben wir die technische Entwicklung ausgebaut, den Support, den Verkauf und natürlich auch den Einkauf. Auf der anderen Seite haben wir auch Mitarbeiter, die zum Teil schon fast seit der Firmengründung bei uns sind. Dass wir somit eine hohe Beständigkeit im Personalstamm haben, ist sicherlich auch ein Grund für die gute Entwicklung bei Thermotex.

Schlussendlich beschäftigen wir auch einen guten Mitarbeiterstab um die Geschäftsführung herum. Diese Mitstreiter der zweiten Führungsebene schaffen Freiräume für uns, um strategischen Aufgaben nachzugehen.

WRP: Was tut das Unternehmen, um den hohen Wissensstand der Mitarbeiter zu halten?

Dufner: Wir investieren im Jahr eine sechsstellige Summe in die Fortbildung unserer Mitarbeiter. Neben internen Schulungen und Meetings, schicken wir unsere Mitarbeiter auch regelmäßig auf externe Seminare und Workshops. Herstellung und Vertrieb unter einen Hut zu bekommen, ist ja bekanntlich nicht immer einfach. Solche Fortbildungen dienen auch dazu, Zuständigkeiten zu klären, so dass sich später niemand verstecken kann. Durch unsere ISO-Zertifizierung ist unter anderem das ganze Prozesswesen danach ausgerichtet worden. Sicherlich passieren auch uns Fehler, wie überall, aber wir können sie wesentlich schneller herausfiltern. Neben den Schulungen für unsere Mitarbeiter organisieren wir auch zweimal jährlich eine Schulungsveranstaltung für die Wiederverkäufer im In- und Ausland.

WRP: Was unternimmt Thermotex, um seine Marktstellung weiter auszubauen?

Czichon: Da gibt es noch ein Riesenpotenzial, national wie auch international. Wir streben eine Exportquote von 50 Prozent und mehr an. Ich denke, das wird uns auch bis 2009 gelingen. Der Auslandsmarkt wächst überproportional, wir sind aber auch mit dem Inlandsmarkt nicht unzufrieden. Auch hier haben wir ein Wachstum von rund neun Prozent. Das ist eine ordentliche Zahl, gerade in der heutigen Zeit.

WRP: Wie schätzen Sie die künftige Wirtschaftsentwicklung und die Entwicklung Ihres Unternehmens ein?

Czichon: Wir haben in den letzten 20 Jahren manches wirtschaftliche Auf und Ab miterleben müssen. Ungeachtet der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung konnten wir uns als Unternehmen stetig weiterentwickeln. Für uns gab es bislang nie einen Rückschritt, und das versuchen wir natürlich auch jetzt und in Zukunft zu erreichen. Dank unseres umfangreichen Sortiments und unserer starken Position in Europa blicken wir optimistisch in die Zukunft.

Wir setzen auf ein gemeinsames Wachstum. Wir helfen unseren Kunden zu wachsen und wachsen dann mit ihnen. Es ist nicht zu erwarten, dass diese sehr gut funktionierenden Betriebe alle in eine Krise geraten, auch wenn keiner in die Zukunft sehen kann. Unsere Kunden schätzen unsere Systemlösungen und unseren Service. Bei uns bekommt der Kunde Maschinen, Betriebsmittel und Service aus einer Hand. Das kann ja nicht jeder von sich behaupten im Markt. Die meisten anderen kaufen ihr Sortiment bei verschiedenen Lieferanten zu oder beschäftigen niedergelassene Händler für Reparaturarbeiten.

Es gibt sicherlich noch weitere Hersteller in diesem Bereich, aber die befinden sich nicht in Deutschland. Es ist schon ein Unterschied, ob ein Gerät mit Schrauben montiert wird, die in Zentimetern oder Zoll gemessen werden. Das wird Ihnen jeder Konstrukteur bestätigen. Um es klar zu sagen: Wir sind der einzige Anbieter von Textilkennzeichnungssystemen, der selbst in Deutschland produziert und von der Entwicklung bis zur Produktion und dem Vertrieb alles in einer Hand hält.

WRP: Sind die Maschinen dadurch etwas teurer, halten dafür aber länger als andere?

Nagel: Wir unterliegen dem internationalen Wettbewerb und müssen darum mit der internationalen Konkurrenz auch preislich mithalten. Auch im niedrigeren Preisgefüge sind wir durchaus wettbewerbsfähig, bei gleichzeitig sehr hoher Qualität. Wir bieten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und der Kunde erfährt in der Praxis einen Mehrwert. Denn nur über einen erlebbaren Mehrwert kann man sich heute gegenüber dem Wettbewerb absetzen. Darum setzen wir auch auf den persönlichen Kontakt zum Kunden. Nur mittels eines klärenden Gesprächs kann man heutzutage den Mehrwert rüberbringen. Daher haben wir im Außendienst permanent Personal aufgestockt - nicht nur zum Verkauf, sondern auch für den Service. Das betrifft nicht zuletzt den eigenen Reparaturdienst, der bei Mitbewerbern gerne outgesourct wird.

WRP: Sie legen großen Wert auf hoch qualifiziertes Personal. Wie wichtig ist in dem Zusammenhang der Bereich Forschung und Entwicklung?

Wir haben ständig rund 80 Projekte in der Pipeline, die kurz- oder mittelfristig erledigt werden müssen. Es sind in der Regel technische Projekte, mit denen sich unser Haus allgemein beschäftigt, um als Unternehmen weiter voran zu kommen. Einige Beispiele: Wie kann man ein Emblem verbessern? Welche Materialien eignen sich für neue Kennzeichnungsbänder, damit man schneller patchen oder die Elastizität verbessern kann? Wie kann man in der Transponder­technik effizientere Antennen bauen? Welche Sprachversionen benötigen wir für die Steuerung um international zu bestehen? Rund die Hälfte der Projekte hat die Prioritätsstufe eins, sollte also innerhalb kurzer Zeit abgearbeitet sein.

Die mechanischen und chemischen Anforderungen an die Textilkennzeichnung werden immer höher. Früher hat ein Waschprozess bis zu einer Stunde gedauert, heute waschen Waschstraßen im Minuten-Takt. Und auch die chemischen Gegebenheiten ändern sich. Darauf müssen wir permanent mit neuen Farb- und Kennzeichnungsbändern reagieren und Farb- und Klebeeigenschaften weiter verbessern.

Dufner: Wir unterziehen unsere Produkte daher auch Dauertests, die wir, um größtmögliche Praxisnähe zu gewährleisten, zum Teil bei Profibetrieben laufen lassen. Wir testen gerne an der Front, weil eine rein technische Umgebung in unserem Labor oder externen Labors nicht allen unterschiedlichen Anforderungen in Krankenhäusern, Hotels oder Altenheimen entspricht. Man erwartet selbstverständlich auch von einem lapidar aussehenden Etikett, dass es ein breites Anforderungsprofil abdeckt. Dazu kommen noch die unterschiedlichen Waschmittel und chemischen Zusätze, die auf ein Etikett einwirken. Wir haben für jede Anforderung die passende Lösung in der Schublade.

WRP: Nennen Sie doch ein paar Beispiele.

Nagel: Wir haben eine ganze Reihe neuer Transferpressen, um Embleme aufzubringen. Mehr und mehr geht der Gedanke zur Corporate Identity, bei der neben der Personalisierung des Kleidungsstücks auch das Firmenlogo angebracht wird. Die bereits auf dem Markt befindlichen Transferpressen waren uns nicht gut genug. Der Qualitätsanspruch unserer Kunden hat uns gezeigt, dass wir da noch eins drauf setzen müssen. Ob es die Temperatursicherheit auf einer großen Fläche ist, der Anpressdruck, die Mechanik oder auch die Verarbeitung - die auf dem Markt vorhandenen Pressen entsprechen nicht dem Standard, den wir gerne haben. Da sind wir mit unseren eigenen Entwicklungen auf der sicheren Seite.

Parallel dazu treiben wir ständig die Weiterentwicklung unseres Emblemesortiments voran: Sublimationsembleme als Namensschilder sind sehr wichtig. Stickembleme kosten etwa 1,50 Euro das Stück und müssen außer Haus gefertigt werden. Unsere Sublimationsembleme, die sowohl zum Aufpatchen als auch zum Aufnähen verfügbar sind, können unsere Kunden selbst herstellen und kosten obendrein nur circa 30 Cent pro Stück. Zu der Ersparnis von 1,20 pro Teil kommen noch die Einsparungen der ganzen administrativen Arbeiten, die früher für die Bestellung und deren Abwicklung nötig waren.

Darüber hinaus bieten wir intelligente Lösungen mit Antennen und speziellen Lesegeräten in der Transpondertechnologie. Es gibt die Transpondertechnik schon seit über zehn Jahren und unser Marktanteil wächst in diesem Bereich mehr und mehr. Aber die Kunden möchten möglichst die bereits vorhandene Technik nicht ausmustern, sondern lieber mit der Thermotex -Technik verbinden. Da heißt es dann, spezielle Antennen und Reader zu bauen, die beide Systeme miteinander verbinden können. Diese Verheiratung zweier Systeme praktizieren wir schon seit einiger Zeit mit Erfolg.

WRP: Der soeben eingeweihte Neubau ist somit nicht nur eine Reaktion auf die Erfolge der letzten Jahre, sondern auch konzipiert für weiteres Unternehmenswachstum?

Dufner: Genau, das Ganze wird durch den dritten Bauabschnitt abgerundet, der vor wenigen Tagen in Betrieb genommen werden konnte. Er hat uns rund 1,5 Millionen Euro gekostet und beherbergt 900 Quadratmeter für Produktion und Lagerfläche, dazu kommt ein zweistöckiger Bürokomplex mit 550 Quadratmetern. Außerdem haben wir im alten Gebäude noch einmal je 200 umgebaute Quadratmeter für Produktions- und Bürofläche geschaffen. Durch diese Maßnahmen schaffen wir neue Ressourcen zum Beispiel zum Ausbau der Frequenztechnik. Zum anderen können wir nun die Abläufe ganz anders gestalten. Durch deren Optimierung erreichen wir eine hohe Effizienzsteigerung in Produktion und Verwaltung. Wir hoffen, mit der zusätzlichen Fläche in den kommenden Jahren gut arbeiten zu können. Denn schon vier Jahre nach unserem zweiten Bauabschnitt 2003 mussten wir feststellen, dass es in dieser Enge endgültig nicht mehr weiter gehen konnte. Eigentlich reichten die Räumlichkeiten schon nach zwei Jahren nicht mehr aus, so schnell sind wir gewachsen.

WRP: Meine Herren, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Interview aus WRP 11-2008