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Hch. Kettelhack

Wir können nur bestehen, wenn wir wahrnehmbar besser sind – in Qualität und Service

Das Textilunternehmen Hch. Kettelhack in Rheine zählt zu den wenigen verbliebenen einheimischen Textilanbietern mit eigener Produktion in Deutschland und ist ein wichtiger Lieferant für Berufskleidungs-Hersteller und Textilservice-Unternehmen. In den letzten gut zwölf Monaten hat sich das Unternehmen neu ausgerichtet, innovative Produkte auf den Markt gebracht und seinen Service ausgebaut. Grund genug für WRP, sich mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Jan Kettelhack und Geschäftsführer Dr. Uwe Steinmeyer noch vor der kürzlich beendeten wichtigen Branchenmesse Texcare International zu treffen, um über die eingeleiteten Maßnahmen und die Ziele des Unternehmens zu sprechen.

Jan Kettelhack
Jan Kettelhack (54) leitet das von seinem Urgroßvater gegründete Unternehmen in vierter Generation. Der Wunsch und das Interesse, die Familientradition fortzusetzen, entwickelten sich schon in frühen Jahren. Die ersten praktischen Erfahrungen sammelte er als Schüler, wenn er in den Ferien im Unternehmen jobbte. Nach dem Abitur folgte eine Ausbildung zum Textilingenieur in Reutlingen, mit einem anschließenden Aufbaustudium zum Wirtschaftsingenieur, begleitet durch Praxissemester in verschiedenen bedeutenden Textilunternehmen. Der Ausbildungsabschluss fiel zusammen mit den Planungen, den kompletten Betrieb aus der Innenstadt in einen Neubau im Industriegebiet von Rheine zu verlagern. Damit war er auch gleich in die Projektierung und Durchführung dieses für das Unternehmen einmalige Vorhabens eingebunden. Seit 1982 ist Kettelhack als geschäftsführender Gesellschafter in der Unternehmensleitung tätig.
Uwe Steinmeyer
Dr. Uwe Steinmeyer (46) ist am 1. März 2007 in die Geschäftsführung der Hch. Kettelhack GmbH & Co. KG eingetreten. Der promovierte Ökonom war vorher in verschiedenen, bekanntermaßen marktorientierten Unternehmen tätig, die Produkte für den Innenausbau herstellen. Zuletzt bei der Miele & Cie. KG mit der internationalen Verantwortung für Marketing und Vertrieb des Bereichs Küchenmöbel. Bei Kettelhack ist er in der Geschäftsführung für die Bereiche Verkauf, Marketing und Business Development verantwortlich.
Kettelhack hält im Gegensatz zu anderen Unternehmen das Know-how über sämtliche Fertigungsstufen im eigenen Haus
Für die wesentlichen Gewebe und Gewichtsklassen haben wir ein Top-Lagersortiment aufgebaut, mit dem wir schnellstens auf kurzfristige Anfragen reagieren können
Unsere frei gewordenen Kapazitäten durch den Wegfall von Heike haben wir zur Service-Verbesserung bei Corporate Textiles genutzt
WRP: Herr Kettelhack, Herr Steinmeyer, bis zum letzten Jahr arbeitete Ihr Unternehmen noch auf zwei Märkten, neben dem Industriegeschäft verkaufte es auch Bettlaken unter dem Namen Heike an Endverbraucher. Mit Beginn dieses Jahres haben Sie Heike verkauft. Warum das?

Jan Kettelhack: Historisch gesehen, zählte das Geschäft mit gewebter Bettwäsche für den Endverbrauchermarkt zu den Ursprüngen des Unternehmens und bildete einst den Schwerpunkt unserer Tätigkeit. Aber im Laufe der Jahre hat sich der Markt grundlegend verändert. Zum Beispiel wird heute sehr viel Maschenware angeboten, und das Stricken gehörte zugegebener Maßen nie zu unseren Kernkompetenzen. Außerdem ist Mode heute ein ganz wichtiger Aspekt in diesem Geschäft, das dadurch viel kurzlebiger wurde. 95 Prozent der Inlandsverfügbarkeit an Bettwäsche werden mittlerweile importiert, und so genannte Manipulanten, die ihr Know-how im Design, in der Beschaffung und der Vermarktung haben, prägen den Markt.

Unsere Kompetenz liegt aber in der Produktion, und somit stellte Heike für uns gegenüber der Herstellung von Geweben für das Industriegeschäft einen davon völlig getrennten Geschäftsbereich dar. Außerdem machte Heike zuletzt nur noch einen geringen Anteil des Gesamtumsatzes aus. Wir haben uns daher im letzten Jahr dafür entschieden, uns künftig auf unsere eigentliche Stärke, den Bereich „Corporate Textiles“ zu konzentrieren und dort unseren Service auszubauen.

Uwe Steinmeyer: Wir wollten unsere Stärken stärken und haben uns gefragt, wo wir unser Potenzial am besten umsetzen können. Andere können vielleicht gut billig, aber wir können gut Qualität. Und wo wird Qualität nachgefragt, wo spielt die Gesamtkalkulation eine Rolle und nicht nur der schnelle Einkaufserfolg? Das sind eben Corporate Textiles, Gewebe für Berufsbekleidung und leasingtaugliche Bettwäsche.

WRP: Gewebe für Berufsbekleidung sind ein weites Feld. Wo genau liegen in diesem Segment Ihre Stärken?

Kettelhack: Unsere Kernkompetenz im Markt sind unifarbene Hochleistungsgewebe für industrielle Waschverfahren. Das sind in der Berufskleidung Gewebe aus reiner Baumwolle sowie aus Baumwoll-Polyestermischungen im Gewichtsbereich zwischen 150 und 350 Gramm.

WRP: Was ist daran so besonders?

Kettelhack: Unigewebe zu färben ist besonders anspruchsvoll, anspruchvoller als mehrfarbige Gewebe herzustellen, da Uniflächen sehr viel empfindlicher sind. Da sehen Sie jede Unregelmäßigkeit. Der Färbeprozess muss daher über die gesamte Breite und Länge einer Charge beherrscht werden. Bei Stoffen für leasingtaugliche Bekleidung kommt die Bedingung hinzu, dass sie jederzeit reproduzierbar sind, dass also das neue Gewebe bei einer späteren Nachlieferung mit der alten Ware zusammen verarbeitet werden kann. Das ist bei Pool-Bekleidung besonders wichtig.

WRP: Dann ist Unifärben also die hohe Schule der Textilveredlung?

Kettelhack: Das kann man so sagen, denn es ist nicht damit getan, einfach das Gewebe mit der gleichen Farbrezeptur zu behandeln. Es sind sehr viele Parameter, die alle konstant sein müssen, um wirklich reproduzierbare Farbtöne zu erzielen. Schon mit der sorgfältigen Auswahl unserer Rohstoffe Baumwolle und Polyester werden die Grundlagen für Reproduzierbarkeit geschaffen. Ebenso muss die Einkaufspolitik der Ausrüstungshilfs- und Farbstoffe auf Qualitätskontinuität und nicht auf kurzfristige Kostenminimierung ausgerichtet sein. Und natürlich müssen sämtliche Maschinen- und Verfahrensparameter von der Spinnerei über die Weberei und die Färberei bis zur Endappretur konstant bleiben.

WRP: Wie schaffen Sie es, diese Punkte konstant zu halten?

Kettelhack: Indem wir die Fertigung unter eigener Regie haben. Wir verfügen hier in Rheine über eine vollstufige Produktion von der Spinnerei über Weberei und Ausrüstung bis zur Konfektion von Bettwäsche. Anders sieht das bei jemandem aus, der Rohgewebe zukauft und keine detaillierte Kenntnis über das verwendete Garn und das Gewebe selbst hat. Denn wie kauft man zu? In der Regel doch auf Spot-Märkten, wo mal diese und mal jene Qualität angeboten wird. Wir kaufen zwar auch zu, beispielsweise Gewebe aus gekämmten Ringgarnen. Die­se Qualitäten haben wir neu in unser Sortiment aufgenommen, verfügen hier aber nicht über eigene Produktionskapazitäten. Aber durch unsere eigene Produktion haben wir das nötige Know-how, um den Lieferanten detailliert die notwendigen Parameter vorzugeben, damit sie ebenfalls eine reproduzierbare Ware herstellen können.

Steinmeyer: Es ist ein großer Vorteil, dass wir in der Fertigungstiefe nicht eingeschränkt sind. Wir sind in Europa einer von wahrscheinlich nur noch zwei Betrieben, die Spinnerei, Weberei und Ausrüstung in eigener Regie haben, dazu kommt - und das ist einzigartig - noch die Bettwäsche-Konfektion. Kettelhack hält dadurch im Gegensatz zu anderen Unternehmen das Know-how über sämtliche Fertigungsstufen im eigenen Haus. Auch von daher macht es Sinn, eine vollstufige Produktion in Rheine zu halten. Wir wissen sehr wohl, dass das nicht einfach ist. Die Preisführerschaft werden wir so nicht übernehmen können, das macht mal dieser, mal jener, in Indien, Pakistan oder China. Aber wir wollen die Leistungsführerschaft übernehmen.

Kettelhack: Und da sind wir ziemlich nah dran. Die Gewebe, die wir selbst herstellen, können wir, in gleicher Qualität wohlgemerkt, von anderen nicht günstiger beziehen. Wenn wir also zukaufen, dann nicht aus Preisgründen, sondern weil wir es technisch nicht realisieren können oder wollen. Aber das überrascht uns nicht wirklich, da wir sehr schlank organisiert sind.

WRP: Welche Bedeutung haben Ihre beiden Standbeine Gewebe und Bettwäsche für das Unternehmen?

Steinmeyer: Wir erzielten im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von rund 30 Millionen Euro, der sich zu etwa gleichen Teilen verteilt auf den Bereich Jobfit, also Gewebe für Berufsbekleidung, und Wellfit, Bettwäsche für Hotel- und Gesundheitsbereich. Wir sehen auch die Entwicklungspotenziale für beide Bereiche in etwa gleichgewichtig. Wir haben also zwei starke Standbeine, die sehr viel miteinander zu tun haben: erstens über die Fertigungstechnik, zweitens durch die Qualitätsausrichtung und drittens über die Zielgruppe Textildienstleistungen, die einen großen Teil unserer Produktion abnimmt – Gewebe für Berufskleidung indirekt über unsere Kunden in der Konfektion, Bettwäsche auch direkt.

Kettelhack: Gemeinsam ist den beiden Produktgruppen auch, dass sie für unsere direkten oder indirekten Kunden im Textilservice Investitionsgüter darstellen. Da kommt es weniger auf ein Schnäppchen im Einkauf an. Wichtiger ist die Frage, wie etwa die Bettwäsche nach 100 Waschzyklen aussieht. Viele Schnäppchen erscheinen nur auf den ersten Blick preiswert, sie haben sich aber schon nach 40 Wäschen aufgelöst. Oder wie es mit der Nachbeschaffung aussieht, um den Pool wieder aufzufüllen, wie viele Waschzyklen die Ware hält, wie aufwändig die Pflege ist. Und trotzdem muss es gut aussehen und sich angenehm anfühlen. Diese Anforderungen unter einen Hut zu bekommen, das ist für uns die Herausforderung.

WRP: Wie könnte man Kettelhack also in wenigen Worten charakterisieren?

Kettelhack: Wir sind ein Produktionsunternehmen, das unabhängig ist, traditionsreich, aber nicht traditionell, sondern zukunftsorientiert. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf Textil, und das seit mehr als 130 Jahren. Wir sind ein Familienunternehmen, das von mir in vierter Generation geführt wird und auf langfristige Perspektive, Kontinuität und Verlässlichkeit setzt. Auf die aktuelle Diskussion über ausschließlich Manager-geführte Unternehmen brauche ich in diesem Zusammenhang wohl nicht einzugehen.

Was hat der Kunde davon? Er weiß, dass wir ein verlässlicher Partner sind, der Qualität liefert und berechenbar ist, auch für morgen und übermorgen. Das ist nicht zuletzt wichtig im Hinblick auf die Nachbeschaffung. Und viele unserer Kunden sind genau wie wir ein Familienunternehmen, mit der gleichen Denke und Mentalität. Das erleichtert vielfach die Kommunikation untereinander.

Steinmeyer: Wir sind nah am Kunden, auch räumlich. Wir machen nichts lieber, als unsere Kunden nach Rheine einzuladen, egal ob groß oder klein, die sich hier vor Ort davon überzeugen können, dass bei uns alles sehr effizient organisiert ist. Auch was die Einhaltung gesetzlicher und quasi-gesetzlicher Vorschriften angeht wie Ökotex oder Reach. Wir wollen ja gemeinsam mit unseren Kunden im gegenseitigen Austausch den Markt für Corporate Textiles gestalten, das geht wesentlich besser durch die seit diesem Jahr ausschließliche Konzentration auf diesen Markt.

WRP: Welche Zertifizierungen haben Kettelhack-Produkte?

Steinmeyer: Entwicklung, Produktion und Vertrieb sind ISO-zertifiziert, unsere Gewebe entsprechen dem Öko-Tex Standard 100. Aber wir erfüllen selbstverständlich auch die Umweltauflagen Reach, Anhang 38 für Abwasser und die TA-Luft. Das mag in Bezug auf die Kosten ein Standort-Nachteil gegenüber dem internationalen Wettbewerb sein, der diese Auflagen vorläufig nicht erfüllen muss. Aber dadurch, dass wir uns seit Jahren gewissenhaft damit beschäftigen, kehrt sich das für unsere Kunden zum Vorteil um. Denn wir sind ein transparentes Unternehmen, bei uns weiß man Bescheid über die Herkunft der Faser, über das Spinn- und Webverfahren und die Ausrüstung. Fragen Sie mal einen Zukäufer von Rohgewebe, ob er weiß, wie es damit aussieht. Wir haben zwei Prüflabore, ein chemisches und ein physikalisches, die den Wareneingang kontrollieren und nach jedem Fertigungsschritt. Außerdem prüfen wir die Gewebe, bevor wir sie auf den Markt bringen, auf ihre Eignung für die Waschprozesse beim Kunden. Wenn wir sagen, dass ein Gewebe 50 oder 100 Zyklen hält, dann können wir das belegen.

WRP: Wenn man die deutsche Textilbranche betrachtet, dann wundert es aber doch ein wenig, dass Kettelhack nach wie vor in der Lage ist, sich eine Produktion in Deutschland leisten zu können.

Kettelhack: Noch einmal: Wir sind durch unseren modernen Maschinenpark so gut aufgestellt, dass wir hier im Vergleich zu ausländischen Anbietern und bei vergleichbarer Qualität durchaus konkurrenzfähig produzieren können. Aber sicherlich ist Reach für uns eine erhebliche Kostenbelastung und mit viel Aufwand verbunden. Zum Beispiel müssen wir auf andere Chemikalien umstellen, da einige der Zutaten, die wir derzeit verwenden, demnächst nicht mehr angeboten werden. Es lohnt sich auf Grund der hohen Registrierungskosten einfach nicht mehr, sie herzustellen. Im Übrigen soll ja alles, was in Europa auf den Markt kommt, Reach-konform sein, nicht nur das, was in Europa hergestellt wird.

Wichtiger sind für uns die Vorteile des Standortes Rheine. Wir verfügen hier über durchweg hochqualifizierte Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Fachausbildung. Sie beherrschen nicht nur die Überwachung einer Maschine sondern auch die Prozesse, die damit verbunden sind. Außerdem ist unser Zielmarkt Zentraleuropa. Da ist es aus unserer Sicht notwendig, dass wir vor der Haustür unserer Kunden sind, um schnell und kurzfristig reagieren zu können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Nähe zur deutschen Forschungslandschaft. Von dem vorhandenen Know-how profitieren wir sicherlich, geben aber auch unser Wissen als modern aufgestelltes Textilunternehmen dort weiter.

WRP: Wie läuft das konkret ab?

Steinmeyer: Seit rund drei Jahren arbeitet bei uns ein promovierter Chemiker, der unsere Aktivitäten für Forschung und Entwicklung leitet. Auf Grund seiner Ausbildung spricht er die Sprache der Forschung und hat von daher einfach bessere Voraussetzungen, als wenn wir dafür einen Praktiker aus der Produktion einsetzten. Er unterstützt Forschungsprojekte mit seinem Input. Gleichzeitig nimmt er auf und setzt um, was für unser Unternehmen von Interesse sein könnte.

WRP: Ein so hoch qualifizierter Mitarbeiter ist sicherlich mit entsprechenden Personalkosten verbunden.

Kettelhack: Das sind für uns, nimmt man mal die buchhalterischen Belange aus, keine Kosten sondern Investitionen in die Weiterentwicklung des Unternehmens, damit wir auch noch in fünf oder zehn Jahren für unsere Kunden die richtigen Ansprechpartner sind. Wir sehen unseren Markt für Corporate Textiles als attraktiv und zukunftsfähig an, so dass wir uns darin gut positionieren können. Das geht aber nur, wenn wir für unsere Kunden ein attraktiver Partner sind.

WRP: Gehen wir ein wenig ins Detail und reden über Ihre Produktpalette. Was kennzeichnet die Linie Jobfit?

Kettelhack: Dabei handelt es sich um ein breit aufgestelltes Sortiment aus Baumwoll- und Baumwollmischgewebequalitäten in verschiedenen Gewichten und Konstruktionen. Dabei darf man sich jedoch nicht verzetteln. Wir können nur dann für unsere Kunden interessant sein, wenn wir irgendwo besser sind als andere Anbieter. Das geht nur, wenn wir uns auf spezielle Bereiche konzentrieren. Bei Jobfit sind wir dadurch interessant, dass wir die wesentlichen Qualitäten für den Markt führen und alle von uns funktionalisiert werden können durch unsere vollstufige Produktion.

WRP: Was bedeutet Funktionalisierung konkret?

Steinmeyer: Das sind die Varianten ProCare, antimikrobieller Langzeitschutz, ProTect, Schmutz abweisend durch Nanotechnologie und ProStretch mit Dow XLA. Bezüglich Dow XLA mag man nun sagen, dass wir damit relativ spät auf den Markt gekommen sind, aber andere sind früher mit Stretch-Artikeln gekommen, die heute gar nicht mehr angeboten werden, weil sie nicht funktionierten. ProStretch ist insofern ein gutes Beispiel dafür, dass Kettelhack ein Produkt erst dann auf den Markt bringt, wenn wir es ausführlich getestet und für wirklich marktreif befunden haben. Das entspricht unserer westfälischen Mentalität. Allerdings gibt es auch Artikel, die wir lange geprüft haben und dennoch als erste auf den Markt gebracht haben.

Da ist zum Beispiel ProGreen, als eine unserer jüngsten Ausrüstungs-Innovationen bei Jobfit. Der wesentliche Nutzen, noch vor der Abwehr von Mücken, ist die Zeckenabwehr. Das Gewebe eignet sich daher hervorragend für Landschaftsgestalter und Waldarbeiter. Ebenfalls neu ist ProFresh für die Gastronomie und Lebensmittelindustrie. Die Stoffe sind so ausgerüstet, dass sie die Gerüche aufnehmen und erst wieder bei der Wäsche abgeben.

Bei Protect haben wir jetzt noch eine Variante draufgesetzt, nämlich eine Hybrid-Ausrüstung. Außen besteht nach wie vor der Schutz vor Wasser und Verschmutzungen. Aber auf der Körperseite haben wir es jetzt durch eine mechanische Behandlung erreicht, dass dort der Körperschweiß gut aufgenommen werden kann.

Kettelhack: Auf den Trend, dass Berufskleidung sich optisch immer mehr der Freizeitkleidung annähert, sind wir ebenfalls eingegangen. Schon seit längerem verfügen wir über ein Kanvas-Gewebe, das besonders unanfällig gegen Pilling ist. Darüber hinaus bieten wir seit der A+A TwoToneTex an. Diese Ausfärbung geht in Richtung Jeans- oder Denim-Optik. Im Übrigen sind wir in der Branche der Anbieter hochwertiger, reiner Baumwollqualitäten. Wir sind wohl der letzte verbliebene Lieferant von hochwertigen Baumwoll-Qualitäten in Europa, zumindest in dieser Breite des Sortiments.

Steinmeyer: Besonders wichtig für Ihren Leserkreis ist unser neuer Service des Lagersortiments. Für die wesentlichen Gewebe und Gewichtsklassen haben wir unser Top-Lagersortiment aufgebaut, mit dem wir schnellstens auf kurzfristige Anfragen reagieren können. Für jeden Artikel sind in unserer Kollektionsunterlage die Farben ausgewiesen, die sofort lieferbar sind, und wie Sie sehen, sind es zum Teil sehr viele pro Artikel.

WRP: Alle diese Neuheiten wurden ja schon vor einigen Monaten auf der A+A vorgestellt. Gibt es denn auch etwas, was sie auf der Texcare in Frankfurt erstmals präsentieren?

Steinmeyer: Oh ja! In einem zweiten Schritt haben wir uns Wellfit gewidmet, und uns dort weiter entwickelt. Wir sind schon seit langen Jahren auf dem Gebiet der Bettwäsche in Profiqualität tätig. Wir haben dort unsere bewährte Kollektion mit verschiedenen Streifendessins. Aber diese standen bislang immer für sich allein. Daher haben wir jetzt das neue Dessin Kosima entwickelt. Dieses Dessin kann ebenfalls allein verwendet werden, aber auch in Kombination mit unseren anderen Bettwäsche-Dessins. Kosima nimmt nämlich in ihrem Dessin die Streifenbreiten der übrigen Streifen-Dessins auf und bildet daher die optische Klammer. Sie ermöglicht es, die verschiedenen Dessins bei Kissen und Bezug in einem Set-Gedanken zu kombinieren und damit die Hotelzimmer individuell zu gestalten.

Kettelhack: Komplett neu ist unsere Kollektion Caro Lina für den Premium-Bereich in der Hotellerie. Der Name ist Programm, da eingewebte Karos die Kollektion optisch charakterisieren. Wir haben drei unterschiedliche Dessins entwickeln lassen, die untereinander kombinierbar sind. Dazu kommen zwei völlig neue Farbwelten, die ebenfalls für die Kollektion festgelegt wurden. African Heat weist eher warme, erdige Farbtöne auf, es sind klassische Wohlfühlfarben. Spring Time bringt demgegenüber frischere Farben. Dadurch haben wir nun den Set-Gedanken auf die Spitze getrieben. Der Anwender kann ein Dessin in verschiedenen Farben oder eine Farbe mit verschieden Dessins miteinander kombinieren.

Steinmeyer: Es versteht sich, dass wir für Caro Lina auch besonders hochwertige Qualitäten verwenden: feine Ringgarne, einen hohen Baumwollanteil von 70 Prozent. Und die Mercerisierung bringt edlen Glanz, damit die drei attraktiven, neuen Dessins, die wir übrigens europaweit für uns geschützt haben, auch richtig zur Geltung kommen.

WRP: Sie haben also auf Wellfit mit Caro Lina noch etwas draufgesattelt?

Steinmeyer: Richtig. Einfach weil wir wie unsere Kunden davon ausgehen, dass der Hotelleriebereich langfristig weiter wachsen wird. Allein die Anzahl der Kurzurlaube nimmt in Deutschland kontinuierlich zu. Auch registrieren wir ein steigendes Interesse an hochwertigen Bettenkonzepten bei den Textildienstleistern. Unser Ziel ist es, damit über unsere Kunden zum einen Häuser der 4- und 5-Sterne-Kategorie auszustatten, zum anderen aber auch ambitionierte mittelständische Häuser, die Wert auf ein gepflegtes Bett legen.

Wie bei Jobfit haben wir auch bei der Bettwäsche ein Grundsortiment mit den wichtigsten Farben und Größen auf Lager, hier allerdings als fertig konfektionierte Ware. Wir spielen in diesem Bereich also die Vollstufigkeit von Kettelhack voll aus. So ein Konzept wie das unsere gibt es nach unseren Informationen noch nicht am Markt.

WRP: Anlässlich Ihrer unternehmerischen Neuorientierung hatten Sie auch bekannt gegeben, dass Kettelhack rund drei Millionen Euro in seine Produktion investiert.

Kettelhack: Richtig. Das ist für uns aber eigentlich nichts Neues. Wir haben schon immer kontinuierlich in die Modernisierung des Maschinenparks investiert. Der größte Schritt war sicherlich der Umzug aus der Innenstadt an den jetzigen Standort. Das war schon ein gewaltiger Schritt, aber seitdem haben wir ständig weiter investiert. Auch die aktuelle Investition tätigen wir nicht nur aus dem Streben nach technischer Perfektion, etwa weil die neuen Maschinen so schön sind. Sie macht Sinn, weil sie uns am Markt neue Perspektiven eröffnet. Und das erreichen wir zum einen mit einer neuen Vorbehandlungs- und Bleichanlage, die uns eine noch höhere Qualitätskonstanz liefern wird.

Zum anderen investieren wir in eine Mercerisier-Anlage. Das war bisher zwar kein Thema für uns, wurde aber durch Caro Lina notwendig. Sie ist darüber hinaus interessant für Stoffe für Berufsbekleidung, denn auch dort ist eher ein Upgrading der Artikel angesagt. Im August werden beide Maschinen in Betrieb genommen.

Steinmeyer: Wir fassen den Begriff Investition aber etwas weiter und zählen auch die Erschließung neuer Marktsegment wie bei Caro Lina dazu, denn die Vorlaufkosten sind nicht unerheblich. Oder unsere aufwändig gestaltete Mitarbeiterzeitung. Wir sind davon überzeugt, dass eine Belegschaft, die weiß, was im Unternehmen aktuell läuft, wesentlich verantwortlicher und zielgerichteter arbeitet.

Oder nehmen Sie unseren Service-Bereich. Durch den Wegfall von Heike hätten wir auch den dazu gehörigen Kundenservice abbauen können. Aber stattdessen nutzen wir die frei gewordenen Kapazitäten zur Service-Verbesserung bei Corporate Textiles. Unser Ziel ist es, im Service ganz deutlich nach vorne zu kommen. Auch das sehen wir als Investition an: in den Markt und den Standort Deutschland.

WRP: In wenigen Tagen werden Sie mit Ihrem Unternehmen auf der Texcare sein. Welche Rolle spielt die Messe für Kettelhack?

Kettelhack: Sie ist für uns ein ganz wichtiges Forum, weil es die entscheidende Messe für eine ganz wichtige Zielgruppe unseres Unternehmens ist, die Textildienstleister. Für sie ist es die Leistungsschau schlechthin, und wir nutzen sie im Bezug auf unser Unternehmen. Angesichts unserer ganzen Neuheiten passt uns der Termin ganz hervorragend. Aber wir wollen auch ein klares Signal geben, dass wir uns als Bestandteil des Gesamtmarktes Textildienstleistung/Textilleasing verstehen. Selbstverständlich nutzen wir die Messe auch, um uns selbst zu informieren, um unser Unternehmen immer weiter zu entwickeln.

WRP: Eine letzte Frage. Haben sich die Veränderungen und Innovationen im Unternehmen auch im Umsatz positiv niederschlagen können?

Steinmeyer: Das scheint so zu sein. Wir liegen per Ende April bei Corporate Textiles im Auftragseingang und Umsatz deutlich über dem Vorjahr. Wir hatten zwar einen etwas schwächeren März, aber das lag an den Osterfeiertagen. Erfreulich ist, dass wir bei Jobfit auch in Deutschland unseren Umsatz haben verbessern können. Wichtig ist, dass wir auch insgesamt ein Plus erzielen konnten. Wir konnten also den Wegfall von Heike mehr als kompensieren. Aber damit sind wir nicht zufrieden und weit entfernt davon, uns zufrieden zurückzulehnen. Es ist jedoch ein guter Anfang. Die Investitionen in das Unternehmen und in den Markt, die wir in den letzten Jahren durchgeführt haben, beginnen zu greifen. Das motiviert uns, weiter ins Unternehmen zu investieren.

WRP: Meine Herren, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Interview aus WRP 06-2008