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Datamars

Wir bieten Lösungen, die optimal auf die Kunden­bedürfnisse abgestimmt sind

Datamars gehört weltweit zu den führenden Anbietern von innovativen RFID-Lösungen. In diesem Jahr feiert das Schweizer Unternehmen sein 20-jähriges Firmenjubiläum. Nicht nur aus diesem Grund trafen wir uns mit Geschäftsführer Dr. Klaus Ackerstaff und Manfred Möller, Verkaufsleiter International, um unter anderem über das Jubiläum, die Entwicklung des Unternehmens und darüber zu sprechen, warum Datamars all seine Produktlösungen im Sortiment selbst entwickelt und produziert.

Dr. Klaus Ackerstaff
Dr. Klaus Ackerstaff, Jahrgang 1965, studierte in Hamburg Physik. Nach der Promovierung arbeitete er bei verschiedenen internationalen Technologie- und Kommunikationsunternehmen als Technischer Vorstand und Geschäftsführer. Bei Datamars ist Dr. Ackerstaff seit Mai 2006 als Geschäftsführer tätig. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
Manfred Möller
Manfred Möller, Jahrgang 1957, studierte Maschinenbau. Er besitzt langjährige Erfahrungen im Key Account Management, in der Beratung von komplexen industriellen Problemlösungen und im Verkauf der dazugehörenden Investitionsgüter bei international tätigen Unternehmen. Möller ist seit 2000 bei Datamars. Dort ist er als International Sales Manager angestellt und verantwortlich für den weiteren Ausbau der Marktstellung mit Schwerpunkt Zentral- und Nordeuropa.
Das neue, moderne Datamars-Logo soll Innovation, Präzision und Performance vermitteln
Als Komplettanbieter einer RFID-Lösung können wir alle Komponenten optimal aufeinander abstimmen
WRP: Datamars feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Firmenjubiläum. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung des Unternehmens?

Dr. Klaus Ackerstaff: Ja, sehr. Natürlich geht es immer besser als es ist, aber wir haben in den letzten Jahren sehr gute Fortschritte gemacht. Wir sind in der Lage Lösungen in unseren Geschäftbereichen anzubieten, die genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden abgestimmt sind. Dabei ist unsere Technologie und Qualität weltweit führend. Auch das Geschäftsergebnis entwickelt sich positiv. Wir konnten erfolgreich unsere Kapazitäten mit unserem neuen Werk in Thailand und in unserem Hauptsitz in der Schweiz ausbauen. Wir haben neue Produkte entwickelt und im Markt platziert sowie ,last but not least‘ Arbeitsplätze geschaffen. Alles in allem ist es eine sehr positive Entwicklung.

WRP: Wie wird Datamars seinen Geburtstag feiern? Sind neue Produkte geplant oder wird es andere Aktivitäten geben?

Dr. Ackerstaff: Wir haben zusammen mit unseren Mitarbeitern bereits anlässlich unserer Weihnachtsfeier 2007 den Start in unser Jubiläumsjahr gefeiert. Anschließend wurde auf unseren Geburtstag per Pressemitteilung hingewiesen, die wir an alle Datamars Stakeholders verschickten. Im Sommer werden wir hier in Tessin offiziell diesen runden Geburtstag feiern. Zentraler Bestandteil unserer Aktivitäten rund ums Firmenjubiläum ist unser neuer Markenauftritt. Das neue, moderne Datamars-Logo soll Innovation, Präzision und Performance vermitteln und unsere führende Position als RFID-Lösungsanbieter im Textilbereich unterstreichen. Dabei kommt es uns nicht auf eine komplett neue Marke oder einen Bruch mit unserem alten Auftritt an, sondern wir haben bewusst Elemente unseres alten Auftritts in den neuen integriert, um die Kontinuität zu dokumentieren. Es geht nicht um eine Revolution, sondern um eine Evolution. Nach 20 Jahren geben wir uns ein frisches Bild und bauen damit auf der Erfahrung und den Werten aus 20 Jahren auf.

Manfred Möller: Außerdem wird in unserem Jubiläumsjahr unsere Produktpalette durch neue Lösungen erweitert und ergänzt. Diese werden wir auf der Texcare Anfang Juni in Frankfurt präsentieren. Wir haben bereits einige neue Produkte lanciert, zum Beispiel einen neuen sehr kleinen und einmalig leistungsstarken Textil-Tag und einen konkurrenzlos kleinen und kostengünstigen Leser für unsere Haustiersparte.

WRP: Datamars bietet seinen Kunden RFID-Komplettlösungen. Was ist eine RFID-Lösung und welche Produkte beziehungsweise Dienstleistungen gehören zu einem solchen Komplettpaket?

Dr. Ackerstaff: RFID bedeutet Radiofrequenz-Identifikation. RFID kann man in verschiedenen Bereichen zur Kennzeichnung von Objekten einsetzen. Datamars bietet Lösungen, die aus kompletten Systemen mit Tags beziehungsweise Transpondern, Lesern und dazugehörigen Antennen bestehen. Außerdem bieten wir Beratungs- und Integrationsleistungen sowie ein umfassendes Serviceangebot.

Dass wir RFID-Komplettsysteme anbieten können, ist für mich unser Schlüsselargument. Man kann RFID-Lösungen nicht verkaufen wie zum Beispiel einen Kleiderbügel, denn RFID hat einen massiven Einfluss auf den Prozess in einer Wäscherei. Wenn man unsere Lösung einsetzt und alle Vorteile nutzen möchte, kann dies mit wesentlichen Veränderungen im Unternehmen einhergehen. Natürlich begleiten wir unsere Kunden bei diesen Einrichtungs- und Umstellungsprozessen. Als Komplettanbieter einer RFID-Lösung können wir alle Komponenten optimal aufeinander abstimmen. Dadurch erreichen wir zum Beispiel im Industriebereich nicht nur die größten Leseraten, sondern auch die größten Lesedistanzen zwischen Leser und Tag.

WRP: Datamars entwickelt und produziert seine Tags, Leser und Antennen selbst. Warum kauft das Unternehmen zum Beispiel die Tags nicht kostengünstiger in China ein?

Dr. Ackerstaff: Datamars ist übrigens der einzige Anbieter in dieser Branche, der seine Produkte komplett selbst entwickelt und produziert. Wir sind davon überzeugt, Trend hin oder her, dass wir nur durch die komplette Integration von Entwicklung, Produktion, Beratung und Verkauf unseren Kunden die Lösungen anbieten können, die optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Außerdem setzen wir bei unseren Lösungen ständig die neuesten Technologien ein. Würden wir diese nicht intern selbst entwickeln und produzieren, würde deren Einführung in den Markt viel zu lange dauern und wir könnten unseren Kunden auch nicht eine 100-prozentige Qualität garantieren.

Man kann zwar mit dem Einkauf von Standardkomponenten Lösungen zusammenstellen, aber diese besitzen nur eine beschränkte Leistungsfähigkeit. Was noch wichtiger ist: Ein Kunde kann keine „Quality of Service“ erwarten, die aus einer Hand garantiert wird. Das ist umso wichtiger, weil RFID im Textilservice ein High-tech Bereich ist. Wir kennen das sicher aus unserem privaten Umfeld: Wenn die Internetverbindung zu Hause nicht funktioniert, ruft man bei dem Unternehmen an, bei dem man vertraglich gebunden ist. Die Antwort wird sein: Ja, wir sehen, dass Sie Probleme haben, aber Sie sollten beim Hersteller ihres Modems anrufen, oder…Leider haben wir keinen Zugriff auf die Daten der Firma, die das Kabel zu Ihnen betreibt oder...oder…oder. Wenn man also eine Lösung verkauft, die kritisch für das Geschäft des Kunden ist, kann man sich so etwas bestimmt nicht leisten. Viel besser ist die Komplettlösung aus einer Hand.

WRP: In den Textilservice-Unternehmen werden Flachwäsche, Berufskleidung, Matten etc. bearbeitet. Gibt es für diese unterschiedlichen Textilien unterschiedliche Tags? Wie oft kann ein Tag eingesetzt werden?

Dr. Ackerstaff: Es gibt unterschiedliche Tags. Einerseits erreichen unsere Tags je nach Größe beziehungsweise Durchmesser verschiedene Lesedistanzen. So trägt Berufsbekleidung Tags mit Durchmessern von 22 Millimetern, bei Mops kommen 15 Millimeter Tags zum Einsatz und Fußmatten bekommen einen extraflachen 15 Millimeter Tag. Wir garantieren 100 Waschgänge, jedoch zeigt uns die Erfahrung, dass unsere Tags ein Mehrfaches davon überleben. Kundenberichte bestätigen, dass zum Beispiel unser Laundrychip nach 300 bis 400 Waschzyklen immer noch einsetzbar ist.

Möller: Ursprünglich wurde der Tag für den Einsatz in Berufskleidung konzipiert. Unsere Weiterentwicklungen und der technische Fortschritt haben zu einer extremen Miniaturisierung bei fast gleicher Leistung geführt. Heute sind die Textilservice-Unternehmen in der Lage, alle Artikel wie zum Beispiel Matten, Mops, Businesswear bis hin zur körpernahen Bekleidung für Bewohner mit Tags zu kennzeichnen. Wir haben Produktlösungen, die den Einsatz in jedem Miettextil erlauben. Für alle Anwendungsfälle sind maßgeschneiderte Transponder und Antennen erhältlich, um einen technisch wie auch wirtschaftlich optimalen Einsatz zu gewährleisten. Um dies für unsere Kunden auch in Zukunft sicherzustellen, arbeiten wir kontinuierlich an den Weiter- und Neuentwicklungen unserer Produkte.

WRP: Ein Tag oder Transponder muss bei den Wasch-, Trocknungs- und Logistikzyklen härteste Bedingungen ertragen. Außerdem gibt es in der Wäscherei eine Menge Interferenzrisiken, die durch Metall, Elektromotoren oder Handys verursacht werden und das Lesen der Tags erschweren. Können solche Systeme immer zuverlässig arbeiten?

Dr. Ackerstaff: Tatsächlich sind die Prozesse in der industriellen Wäscherei wohl die härtesten, die man sich für Elektronik vorstellen kann. Unsere Tags müssen nicht nur sehr hohen Drücken widerstehen, sondern sind auch extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Eine der härtesten Richtlinien für elektronische Systeme ist der Standard MIL für militärische Anwendungen. Systeme, die diesen Anforderungen genügen, müssen bei Umgebungstemperaturen von 125 Grad Celsius funktionieren. Im Vergleich dazu stellen die in der Wäscherei herrschenden Temperaturen von bis zu 220 Grad Celsius eine für die meisten elektronischen Systeme unüberwindbare Hürde dar. Diese extrem hohen Temperaturen sind nur eine von vielen Anforderungen, die unser Laundrychip erfüllen muss.

Möller: Unsere Antennen-Leser-Kombinationen können so eingestellt werden, dass mögliche Interferenzen durch Metall oder andere Störungen minimalen Einfluss auf die Tagerkennung haben. Datamars hat erfolgreich eine so genannte ,Noise Canceling Technologie‘ entwickelt und eingeführt, diese macht Antennen unempfindlich gegen diese Interferenzen. Dadurch wird der Einsatz von RFID auch an dafür sonst ungeeigneten Orten möglich.

Sollten wider Erwarten Probleme auftreten, bieten wir rund um die Uhr Hilfe durch unser Service- und Supportteam. Wir haben installierte Systeme, die seit mehr als zehn Jahren einwandfrei arbeiten. Handys senden auf einer ganz anderen Frequenz und haben deshalb kaum Einfluss auf unsere Identifikationssysteme.

WRP: Ist eine Datamars-Identifikationslösung ein offenes System, das heißt kann ein Kunde zum Beispiel mit Transpondern verschiedener Anbieter arbeiten?

Möller: Ja, im Prinzip schon. Datamars bietet komplette ISO 18000 Niederfrequenz 125-135 kHz und Hochfrequenz 13,56 MHz Systeme an, die von dem Laundrychip bis hin zu den Leseeinheiten reichen. Die neue Generation der ISO HF-Lesegeräte ermöglicht das Lesen aller ISO 15693 kompatiblen Tags plus I-Code und I-Tag. Ebenfalls verfügbar sind Serial Interfaces wie RS-232, USB und RS-485. Verbunden über Ethernet kann der Leser an jedem Standort der Welt angesteuert werden.

WRP: Bei der Wäsche-Kennzeichnung kann man sich heute zwischen Barcode oder RFID entscheiden: Warum sollte ein Textilservice-Unternehmen eine Identifikations-Lösung auf RFID-Basis wählen? Welche Möglichkeiten bietet ein solches System?

Dr. Ackerstaff: Es gibt viele Vorteile von RFID gegenüber Barcode. Mit RFID muss kein Etikett direkt gelesen werden, das heißt es ist keine Sichtverbindung zwischen Lesegerät und Etikett notwendig. Das Wäscheteil kann zum Beispiel in einem Wäschesack stecken, der Tag in einem Hosenbein versteckt sein. Dies ist gerade bei sehr verdreckter Wäsche unter dem Hygieneaspekt ein sehr großer Vorzug: Denn die Mitarbeiter haben dann auf der unreinen Seite mit dieser Wäsche keinen Kontakt mehr.

Barcode lässt keine Erkennung mehrerer Teile gleichzeitig zu. Bei einem RFID-Multiread-System kann man sehr viele Kleidungsstücke schon auf der unreinen Seite auf einmal lesen. Je schneller man diese Informationen hat, desto effizienter kann man arbeiten und reagieren. Ein Beispiel: Es sollen einem Kunden 20 OP-Kittel geliefert werden, es kommen von ihm aber nur 19 OP-Kittel beim Wäscheeingang herein. Je früher ich diese Information habe, desto mehr Zeit besitze ich, mich schon frühzeitig um entsprechenden Ersatz zu kümmern. RFID vereinfacht die Erkennung einzelner Stücke auch auf der Kundenseite. So können zum Beispiel auch Abgabe- und Rücknahmebestätigungen einfach getätigt werden. Außerdem können Kleiderausgabeautomaten und Rücknahmeschächte nur mit RFID sinnvoll betrieben werden.

Möller: Während der vergangenen Jahre hat sich RFID aufgrund zahlreicher Vorteile zu einer wirtschaftlichen Alternative gegenüber dem Barcode für Anbieter von Textil-Mietdiensten entwickelt. In einigen Anwendungen sind sie sogar die einzig realisierbare Möglichkeit.

Zählen, Sortieren, Zuordnen und gezieltes Ausliefern – berührungslos und ohne Sichtverbindung – das sind Vorteile, die Dienstleistern und Endkunden spürbare Vorteile bringen.

WRP: Für welches Unternehmen ist eigentlich eine Identifikationslösung, wie Datamars sie anbietet, betriebswirtschaftlich sinnvoll? Gibt es Entscheidungskriterien wie Wäschesortimente, Kundenanzahl oder Betriebsgröße?

Dr. Ackerstaff: RFID bietet schlussendlich immer eine entscheidende Ersparnis im Logistikprozess unserer Kunden. Datamars hat Kunden, die ein paar Tausend Wäschestücke mit RFID identifizieren und auch Kunden, die mehrere Millionen Tags im Umlauf haben. Einfache Systeme arbeiten mit Tischantennen, die am Ein- und Ausgang identifizieren und Top end Systeme steuern den ganzen Prozess, inklusive Sortierung vor dem Waschen bis zur fertigen Auslieferung auf der Kundenseite. Zusätzlich ermöglicht RFID eine vereinfachte Lagerkontrolle und eine präzise Verlustermittlung.

Möller: Der geringe Anschaffungspreis für Barcode-Labels verleitet heute noch viele Firmen zu der Annahme, dass diese Methode der textilen Kennzeichnung kostengünstiger als RFID ist. Man muss aber berücksichtigen, dass der massiv erhöhte Personalaufwand für den Betrieb eines Barcode-Systems unweigerlich zu einer Erhöhung der Betriebskosten führt. Leider wird dies oft übersehen. Tatsächlich liegen die Betriebskosten für ein Barcode-System erheblich höher als für ein RFID-System. Somit führt der Einsatz eines RFID-Systems zur Optimierung der Produktivität, Reduktion des Warenlagers und zu nachhaltigen Verbesserungen im Kundenservice.

WRP: Wenn man den deutschen Textilservice-Markt betrachtet: Setzen die Unternehmen heute mehr auf Barcode oder Tag? Welche Tendenzen gibt es?

Dr. Ackerstaff: Sicher gibt es immer noch eine Vielzahl von Unternehmen, die auf Barcode setzen. Es gibt Anwendungen und Prozesse, die sind ganz einfach mit Barcode unschlagbar günstig. Zum Beispiel Wäschereien, die ausschließlich Hemden auf Bügeln bearbeiten, die alle einzeln gelesen werden können. Im deutschen Textilpflege-Markt setzt, denke ich, die Mehrheit der Unternehmen noch auf den Barcode, allerdings ist sicher die Mehrheit der Miettextilien in Deutschland mit RFID-Technologie ausgerüstet. Fast alle großen Textilservice-Unternehmen arbeiten mit uns zusammen.

Vor allem bei mittleren und kleineren Unternehmen ist die RFID-Präsenz weniger ausgeprägt, hier schätze ich die Marktdurchdringung vielleicht auf zehn Prozent. Die noch geringe Akzeptanz ist aber nicht darin begründet, dass RFID für diese Betriebe keinen Sinn macht, sondern weil wir uns um diesen Bereich bisher nicht intensiv kümmern konnten. Jetzt gehen wir ganz aktiv in dieses Segment, denn der Textilpflege-Gesamtmarkt wird noch ganz wesentlich durch kleine und mittlere Betriebe bestimmt.

WRP: Wie muss man sich die Einrichtung eines RFID-Systems in einem Betrieb vorstellen? Die Umstellung auf eine solche Lösung wird sicherlich eine gewisse Zeit benötigen.

Möller: Die Umstellung auf RFID ist unter dem technischen Aspekt nicht kompliziert. Für den Verarbeitungsprozess ist es ja egal, wie die Daten aufgerufen werden, die bei einem Code hinterlegt sind. Und ein Erfassungsarbeitsplatz kann auch parallel mit Barcode und Tag gefahren werden. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass der Übergangsprozess zwischen drei und vier Jahren dauern kann. Denn man wird schon aus Kostengründen wahrscheinlich die bereits vorhandenen Textilien nicht alle auf einmal umrüsten wollen, sondern lediglich die neu in Umlauf kommenden Artikel mit RFID-Tags versehen. Da die im Umlauf befindlichen Teile in der Regel zwischen drei und vier Jahre halten, bevor sie ausgewechselt werden, muss man sich dann auf einen fließenden Übergangsprozess von dieser Dauer einstellen.

Andererseits muss man sehr genau analysieren – wenn die neue Erkennungstechnik schon da ist – was man mit ihr noch leisten kann. So könnte man beispielsweise eine automatische Sortierung einführen, die weitere Kosten einspart. Daraus ergäben sich weitere Vorteile, die eine schnellere Umstellung wirtschaftlich werden lassen.

WRP: RFID-Lösungen für das Wäschereisegment gibt es seit knapp 20 Jahren. Wenn man den nationalen und auch die internationalen Märkte betrachtet, wie sieht es mit der Akzeptanz für RFID aus?

Dr. Ackerstaff: Wir haben mehr als 70 Kunden in Deutschland, es ist einer der wichtigsten Märkte in Europa und auch weltweit. Sicher sind die USA ein weitaus größerer Markt, doch die Verbreitung von RFID-Technik ist dort weitaus geringer als in Deutschland. Dies beginnt sich zu ändern, denn auch in den USA steigen die Personalkosten. Das Interesse an unseren Lösungen wächst deshalb kontinuierlich, denn letztendlich hilft RFID den Betrieben Arbeitskräfte einzusparen und damit die Personalkosten zu senken. Auch die Verbreitung in die östlichen Märkte geht nur dann voran, wenn sich dort die Kosten für die Mitarbeiter erhöhen. Das kann man zurzeit sehr gut in Polen beobachten, dort müssen die Betriebe für ihr Personal massiv mehr bezahlen. Parallel dazu steigt das Interesse an RFID.

WRP: In welchen Bereichen werden die Datamars-Tags eingesetzt?

Dr. Ackerstaff: Berufskleidung ist immer noch der wichtigste Markt für Datamars. Aber wir rüsten heute auch Krankenhaustextilien, Flachwäsche, Staubfangmatten, Reinigungstücher bis hin zu Mopps mit unseren Tags aus. Immer wichtiger wird für uns der Alten- und Pflegeheimbereich mit der Bewohnerwäsche. Viele diese Einrichtungen unterhalten eine eigene Wäscherei oder werden von einem externen Dienstleister, oft kleine oder mittlere Betriebe, versorgt. Eine verlässliche Logistik ist in diesem Bereich aufgrund ihrer Komplexität eine große Herausforderung, denn sie ist nicht mehr unbedingt ein geschlossenes System. Mancher Heimbewohner möchte vielleicht seine Wäsche auch einmal woanders waschen lassen. Und er möchte vor allem die Sicherheit, dass die Socken, die er zum Waschen abgibt, auch die sind, die er wieder zurückbekommt – auch wenn 50 Paar gleichaussehende Socken von anderen Bewohnern mit in der Wäsche waren. All dies kann man mit RFID lösen und garantieren. Dabei darf der Tag in der Wäsche natürlich nicht stören. Deshalb haben wir einen besonders kleinen Tag speziell für diesen Bereich entwickelt.

Dass wir heute als Dienstleister auch in das Alten- und Pflegeheimsegment gehen können, liegt auch darin begründet, dass es in der Vergangenheit keine Multiread-Systeme gab. Die machen es erst möglich, dass man Bewohnerwäsche aus dem Altenheim komplett im Wäschesack lesen kann.

Auch Kunden im Mopp-Geschäft werden für uns immer wichtiger. Diese Betriebe haben vor allem mit einem Problem zu kämpfen: Mopps sind teuer und verschwinden deshalb sehr regelmäßig. Außerdem müssen sie im Krankenhauseinsatz bestimmte Hygienenormen erfüllen – das ist wichtig für den Aufbereitungsprozess. Unser Mopp-Tag erhöht die Transparenz: Dank RFID weiß der Kunde immer, wie viele Mopps aktuell den Betrieb durchlaufen, wie oft sie typischerweise angeliefert oder aufbereitet werden, wie groß ihre Lebensdauer ist und wie die Schwundraten sind. Das gilt natürlich auch für die teuren Logo-Schmutzfangmatten.

WRP: Die Preise für Mikrochips sinken ständig. Wirkt sich diese Entwicklung auch auf die Preise für die Tags aus?

Dr. Ackerstaff: Es ist richtig, dass die Preise für die Mikrochips sinken. Aber diese machen nur einen Bruchteil der Kosten für einen Tag aus. Viel Arbeit und Know-how stecken in dem ,Packaging‘, dem Prozess also, wenn aus Mikrochip, Antenne und weiteren Bauteilen der eigentliche Tag entsteht. Viel Aufwand ist vor allem notwendig, damit der Tag den rauen Bedingungen in der Wäscherei mit hohen Temperaturen, Feuchtigkeit etc. widerstehen kann. Deshalb haben wir wenig Spielraum, Preise zu senken. Aber sicher wird sich das steigende Volumen der Tags, bedingt durch die immer größere Nachfrage, auf die Preise auswirken.

WRP: Datamars ist in den Marktsegmenten „Textilkennzeichnung“ und „Haustieridentifikation“ erfolgreich. Wird das Unternehmen auch in Zukunft ausschließlich diese Märkte bedienen?

Dr. Ackerstaff: Wir werden diese Märkte auch in Zukunft bedienen, wir betrachten diese Märkte als unsere Kernmärkte. Aber wir beobachten auch andere Märkte, schauen sie uns intensiver aber nur an, wenn wir Synergien aus unseren Kernmärkten nutzen können und sie natürlich profitabel erscheinen.

WRP: Wie wird sich RFID in Zukunft in den Textilservice-Unternehmen weiter entwickeln?

Dr. Ackerstaff: Heute setzt eine Wäscherei Tags ein, um interne Prozesse zu optimieren. In Zukunft wird ein Mietwäsche-Provider unsere RFID-Lösung einsetzen, um von der Abholung bis zur Auslieferung der Wäsche die gesamte Produktions- und Logistikkette nahtlos überwachen zu können. Dadurch kann er seinem Kunden zum Beispiel ein Qualitätslabel anbieten.

WRP: Dieses Jahr findet wieder die Texcare International statt. Was wird Datamars in Frankfurt zeigen?

Möller: Für Datamars ist die Texcare in Frankfurt in diesem Jahr die ideale Plattform zur Präsentation unseres neuen Markenauftritts und unserer neuen RFID-Lösungen für den Textilmarkt. Wir werden die wichtigsten und neuesten Lösungen, vor allem im HF-Bereich, vorstellen, zum Beispiel Tunnel-, Chute-, Bin- und weitere spezifische Antennenlösungen. Außerdem zeigen wir natürlich in Frankfurt die gesamte HF-Leser Palette und unsere neuesten Tag-Modelle.

Interview aus WRP 03-2008