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GreenHanger

Es ist unser Ziel, den Drahtbügel in den nächsten Jahren vollständig zu ersetzen

Das Ende des Drahtkleiderbügels in den Textilpflegebetrieben ist in Sicht: Das glauben zumindest Matthias Bauer und Andreas Peucker, beide Geschäftsführer des Start-up Unternehmens „GreenHanger“. Auf den gleichen Namen hört auch ihre Alternative zum traditionellen Drahtkleiderbügel, die aus recyceltem Wellkarton hergestellt wird und ihrerseits auch wieder recyclebar ist. Der Clou: Die teilnehmenden Textilpflegebetriebe bekommen den GreenHanger kostenlos zur Verfügung gestellt. WRP traf sich mit den beiden Machern, um exklusiv über das Produkt, das Konzept und die Ziele zu sprechen.

Matthias Bauer
Matthias Bauer (41) ist Gründer, Initiator und Geschäftsführer des Unternehmens GreenHanger in Berlin. Der Marketing-Profi und -Consultant und ehemalige Head of Marketing des Nachrichtensenders n-tv war als Berater unter anderem für BMW tätig und besetzte Führungspositionen in deutschen und amerikanischen Unternehmen, unter anderem bei Philips Media.
Unsere nationalen und internationalen Werbepartner sponsern die Produktion der GreenHanger
Die Firma Schneider hat uns nicht als Konkurrenten gesehen, sondern unser Konzept als zusätzliche Chance für sich selbst erkannt
WRP: Herr Bauer, Sie sind der Erfinder und Initiator des Konzepts GreenHanger, das auf einem aus Wellkarton produzierten Kleiderbügel basiert. Und Sie prophezeien das Ende des klassischen Drahtkleiderbügels in den Textilreinigungen. Was motiviert Sie zu dieser Aussage ?

Matthias Bauer: Mehrere Gründe sprechen für den Erfolg unseres GreenHangers: Erstens ist der Bügel für den Reiniger und Wäscher völlig kostenfrei. Man muss nur bedenken, dass er für den Drahtkleiderbügel, den er in seinem Betrieb einsetzt, rund vier Cent pro Stück zahlt. Das bedeutet für ihn je nach Größe seines Geschäfts eine jährliche Belastung von bis zu 25.000 Euro.

Neben diesem Kostenfaktor spricht auch der Umwelt-Aspekt für eine hohe Akzeptanz des GreenHangers in der Textilpflegebranche: Unser GreenHanger ist voll-ökologisch. Er ist aus 100 Prozent recyceltem Wellkarton produziert. So kann der Kunde der Textilreinigung den GreenHanger ganz bequem über die Papiertonne entsorgen, wie eine Zeitung. So wird der Kleiderbügel dem Recycling-Kreislauf wieder zugeführt. Das Resultat: Weniger Abholzung von Bäumen und weniger Emissionen bei der Produktion. Dies schützt unsere Umwelt und bedeutet einen Beitrag gegen den Klimawandel. Der GreenHanger betont den Umweltgedanken. Er stellt heraus, dass Textilpflegebetriebe umweltfreundlich handeln. Und umweltbewusstes Denken und Handeln rückt bei den Konsumenten immer mehr in den Mittelpunkt.

WRP: Sie sagen, der Drahtbügel ist unökologisch ?

Andreas Peucker: Drahtkleiderbügel werden vorwiegend aus Zink gefertigt. Dieses Material ist grundsätzlich nur schwer und mit hohen Kosten recyclebar. Deshalb dürfen Drahtkleiderbügel auch nicht über die Wertstofftonne entsorgt werden. Tatsächlich landen jedes Jahr etwa 25 Millionen Kilogramm Drahtkleiderbügel auf deutschen Müllhalden. Und: Ein Drahtkleiderbügel braucht Jahrzehnte zum Dekompostieren.

WRP: Wie ist es möglich, dass Textilreiniger und Wäscher den GreenHanger umsonst bekommen sollen ? Wie finanzieren Sie die Produktionskosten ?

Bauer: Unsere nationalen und internationalen Werbepartner sponsern die Produktion der GreenHanger. Der Kleiderbügel bietet durch sein Design reichlich Platz für Werbebotschaften. Der gesamte Bügel ist somit ein hervorragendes Werbemedium – vom Branding bis hin zur Integration von Response-Elementen. Ich kann mir auch vorstellen, dass man zum Beispiel Produktproben von Kosmetikfirmen an dem GreenHanger anbringt.

Diese Werbung auf dem GreenHanger wird natürlich bezahlt und damit wird auch die Produktion des GreenHangers finanziert. Der Textilreiniger beziehungsweise Wäscher kann den GreenHanger bei uns bestellen und wir liefern ihn. Wir übernehmen auch die Versandkosten, GreenHanger ist somit für den Textilpflegebetrieb völlig kostenfrei.

WRP: Der GreenHanger weicht mit seinem Design deutlich vom klassischen Drahtkleiderbügel ab. Gab es in der praktischen Erprobung in den Betrieben Probleme ?

Peucker: Wir haben mit ihm etliche Testläufe in den Textilreinigungen und Wäschereien gemacht. Er ist unter anderem problemlos durch die verschiedenen Speicher- und Sortierbänder gelaufen. Im Herbst letzten Jahres machten wir einen Testlauf in 50 Berliner Textilreinigungen – alles ging ohne Schwierigkeiten und zur vollsten Zufriedenheit der Betriebe.

In diesem Monat gibt es noch einen finalen zweiwöchigen Testlauf, der in Hamburg, München und Berlin durchgeführt wird. An insgesamt 15 Standorten werden 60.000 GreenHanger eingesetzt. Bei diesem Testlauf schauen wir natürlich noch einmal auf den Praxisbetrieb, wir wollen vor allem aber die Werbewirksamkeit des GreenHangers prüfen. Dazu werden wir jede Menge Interviews mit den Kunden in den Textilreinigungen führen lassen. Die gesammelten Informationen werden in einer GfK-Studie kommuniziert.

WRP: Gibt es weitere Vorteile des GreenHangers gegenüber dem Drahtkleiderbügel?

Peucker: Oh ja! Neben seiner Kostenneutralität und dem ökologischen Aspekt hat unser GreenHanger weitere Produktvorzüge: Wir haben lange an dem Design des Greenhängers getüftelt, schließlich sollte er die gleiche Funktionalität wie ein Zinkbügel haben. Er ist somit geeignet für alle Bekleidungstextilien, besitzt darüber hinaus aber keine scharfen Kanten. Das ist besonders für die Mitarbeiter in den Textilpflegebetrieben wichtig, die viel mit den Bügeln hantieren und heute häufig zerkratzte Hände haben. Und natürlich ist unser Bügel leicht und bequem zu entsorgen, einfach im Altpapiercontainer. Er färbt nicht ab auf helle Bekleidungsteile, wie das bei Drahtbügeln oft vorkommt und ist resistent gegen Feuchtigkeit. Außerdem gibt es optional einen Hosensteg zum Schutz gegen Knickfalten.

Bauer: Wir haben sogar daran gedacht, wie man am besten den Abholzettel am Bügel befestigt. Beim Zinkbügel wird er meist auf den Haken gespießt. Das ist natürlich mit der Gefahr verbunden, dass man sich dabei an der Kante verletzt. Unser GreenHanger hat einen Einschnitt am Hals des Bügels, in den man den Zettel leicht und dauerhaft einklemmen kann.

WRP: Wen sprechen Sie als potenzielle Werbepartner an?
Bauer: Wir setzen erst einmal auf die großen nationalen und internationalen Markenartikler. In der Testmarktphase hatten wir zum Beispiel als Kunden den weltgrößten Versandhändler Otto. Ein weiterer Werbekunde ist die Cinestar-Gruppe, die in Deutschland 91 Kinos mit insgesamt 600 Leinwänden betreibt.

Unsere Fokussierung auf die großen Markenunternehmen hat einen einfachen Grund: Wenn jemand etwas bucht, muss er bei uns eine Mindestabnahmemenge von 50.000 Kleiderbügeln buchen. Kleinere, regionale Unternehmen können diese Menge in der Regel nicht absetzen. Aber wir können uns vorstellen, dass vielleicht in einer späteren Phase auch regionale Anbieter auf dem GreenHanger werben. Auf keinen Fall werden wir aber Werbung für Hersteller der Tabak- und Zigarettenindustrie und für politische oder religiöse Organisationen annehmen.

WRP: Auch wenn der GreenHanger für die Textilreinigungen und Wäschereien kostenlos ist – ganz ohne Gegenleistung werden die Betriebe wohl nicht auskommen. Was müssen die Unternehmen tun ?

Peucker: Das einzige, was die Betriebe machen müssen, ist die gelieferten GreenHanger auch tatsächlich einzusetzen. Das sollte schon aus Kostengründen in ihrem ureigensten Interesse liegen. Und sie müssen auf zwei Besonderheiten im Handling der GreenHanger achten: Die Werbung auf dem GreenHanger ist manchmal speziell auf Frauen oder Männer als Zielgruppe gerichtet. Die Mitarbeiter müssen dann die jeweiligen GreenHanger, die jedoch eindeutig zu identifizieren sind, für die entsprechenden Kleidungsteile einsetzen. Und nach Verbrauch einer GreenHanger Box müssen die Betriebe lediglich einen beiliegenden Paketschein als Nachbestellung an uns faxen. So wissen wir, dass die GreenHanger für den jeweiligen Werbekunden aufgebraucht sind.

WRP: Wie viele GreenHanger bekommt der Textilreiniger? Oder anders gefragt: Wie hoch ist der Prozentsatz an Kleiderbügeln, den ein teilnehmender Betrieb mit dem GreenHanger abdecken kann ?

Bauer: Jeder Betrieb bekommt zum Start eine GreenHanger-Box mit 500 Kleiderbügeln. Wenn die aufgebraucht sind, kann man Neue bestellen. Die Betriebe beziehungsweise die Inhaber müssen aber bitte Verständnis dafür haben, dass wir nicht von Beginn an flächendeckend den kompletten Bedarf an Kleiderbügeln abdecken können. GreenHanger wird jetzt auf den Markt kommen, und abhängig von den Buchungen unserer Werbepartner werden wir sukzessive die Anzahl der ausgelieferten GreenHanger erhöhen. Wir werden aber alles daran setzen, dass die Textilreiniger und Wäscher schon mittelfristig einen großen Anteil ihres Bedarfs an GreenHangern zur Verfügung gestellt bekommen.

WRP: Herr Bauer, Sie sind Initiator und Gründer von GreenHanger. Wie sind Sie auf die Idee eines Kleiderbügels aus Wellkarton gekommen ?

Bauer: Ich habe eine Zeitlang in den USA gearbeitet. Mein Textilreiniger gab mir meine Kleidung zwar auch auf Drahtbügeln wieder. Diese waren aber immer mit Papier überzogen, auf denen Eigenwerbungen des Reinigers aufgedruckt waren. Und als ich hier einmal aus meiner Stammreinigung Hemden abholte, hing an einem der Drahtbügel eine Probe eines Markenartiklers. Daraus entwickelte sich nach und nach die GreenHanger-Idee.

In der Branche gab es schon einen Versuch, einen Kleiderbügel aus Pappkarton zu etablieren. Dieser sollte damals verkauft werden, fand aber keine Akzeptanz, weil er einfach zu teuer war. Unser Konzept dagegen verbindet den Gedanken des umweltgerechten Kleiderbügels mit der Idee, ihn als Direktmarketinginstrument in den Textilpflegebetrieben einzusetzen. Erst dadurch kann er den Reinigern kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

WRP: Wie gelangt der Textilreiniger an den GreenHanger ?

Peucker: Er muss sich nur registrieren lassen. Dazu hat er drei Optionen: Er kann sich auf unserer Internetseite registrieren lassen, GreenHanger.de. Dazu muss er ein PDF herunterladen, ausfüllen und es uns faxen. Oder er ruft an und einer unserer Mitarbeiter nimmt gerne die Daten auf. Oder er sendet uns eine E-Mail. Wir schicken dann die Registrierungsunterlagen postalisch zu.

Außerdem arbeiten wir jetzt mit der Firma Hans-Joachim Schneider in Dahlewitz zusammen. Der Fachgroßhandel für Textilreinigungen, Wäschereien und Konfektionsbetriebe hat unseren GreenHanger mit in seinen Katalog aufgenommen und arbeitet als Distributor für unser Produkt. Auch über ihn kann der GreenHanger bezogen werden.

Wir sind sehr froh, dass wir mit Schneider zusammenarbeiten können. Das Unternehmen hat uns nicht als Konkurrenten gesehen, sondern unser Konzept als zusätzliche Chance für sich selbst erkannt.

WRP: Ihr Wellkarton-Kleiderbügel ist für den Einsatz in Textilreinigungen und Wäschereien gedacht. In unserer Branche gibt es auch die Textilservicebetriebe, die zum Beispiel bei der hängenden Auslieferung der Textilien auch auf den Drahtkleiderbügel setzen. Blicken Sie auch in diesen Bereich ?

Peucker: Das ist natürlich für uns auch ein sehr interessantes Segment. Und es gibt auch schon recht konkrete Gespräche mit einem großen Unternehmen. Wir haben für dieses Textilservice-Unternehmen einen speziellen GreenHanger entwickelt, der auch unbeschadet den Tunnelfinisher übersteht, und das nicht nur einmal, sonders mindestens zehnmal. Das stellt noch höhere Anforderungen an die Konstruktion und die Robustheit des Materials. Im Gegensatz zum normalen GreenHanger werden auf dem Textilservice-GreenHanger keine Markenartikler werben. Hier ist unsere Vorstellung, dass der Dienstleister zum Beispiel Eigenwerbung auf dem Kleiderbügel platziert. Besser kann er beim Kunden und Träger der Kleidung nicht darauf aufmerksam machen, wer seine Kleidung pflegt.

WRP: Der Erfolg des GreenHangers ist maßgeblich von seiner Attraktivität für große Markenunternehmen abhängig. Wieso werden diese auf einem Kleiderbügel aus Wellkarton werben ?

Bauer: Zunächst erreichen unsere Werbekunden mit dem hoch effi­zienten Werbeinstrument GreenHanger eine attraktive Premium-Zielgruppe. Denn die privaten Kunden der Textilreinigungen und Wäschereien gehören zu der Gruppe der Einkommensstarken und Besserverdiener.

Nach unseren Untersuchungen verfügen über 70 Prozent der Kunden über ein Haushalts-Nettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro monatlich, 60 Prozent der Konsumenten sind Männer, vorwiegend Entscheider. Rund 40 Prozent der Konsumenten sind berufstätige Frauen oder Hausfrauen aus einkommensstarken Familien, die Entscheidungsträger für den familiären Konsum sind. Bei Männern und Frauen liegt der Altersschwerpunkt zwischen 25 und 49 Jahren. Diese Zielgruppen gehören zur Gruppe der „Cash Rich – Time Poor“, also wohlhabenden Konsumenten mit wenig privater Zeit. Sie zeichnen sich durch hohe Markenaffinität und Konsumbereitschaft aus.

Ein entscheidender Vorteil der Werbung auf dem GreenHanger ist für die Werbepartner– neben der garantierten vollständigen Auslieferung – die 100-prozentige „viewing rate“, die kein anderes Direktmarketing-Instrument aufweist. Während adressierte Werbesendungen und Postwurfsendungen häufig den Kunden gar nicht erreichen oder vom Adressaten ungelesen entsorgt werden und die Zahl der Werbeverweigerer stetig zunimmt, wird der GreenHanger garantiert vom Kunden gesehen. Seine Kontaktzeit ist zudem dreimal so lang wie die anderer Instrumente. Ein weiteres Plus des GreenHangers: Seine Werbebotschaft gelangt in die ansonsten weitestgehend werbefreie Privatsphäre des Kunden – ins Schlaf- und Ankleidezimmer.

Schließlich kann man ihn als zielgenaues Direkt-Marketing-Instrument einsetzen, Streuverluste werden so reduziert. Unsere Werbekunden können ihre Zielgruppen direkt nach Postleitzahlen und Geschlecht ansprechen. Und: Der GreenHanger ist, wie bereits erwähnt, voll-ökologisch. Die Konsumentenorientierung, umweltbewusster zu denken und zu handeln, wird von unseren Werbekunden natürlich nicht ignoriert. Auch deshalb ist der GreenHanger für sie ein interessantes Werbemedium.

WRP: Wird der GreenHanger aus diesen Gründen erfolgreich sein ?

Bauer: Mit dem GreenHanger schaffen wir eine klassische Win-Win-Situation für alle Teilnehmer: Er ist ein hoch effizientes Werbeinstrument, mit dem unsere Werbepartner eine attraktive Premium-Zielgruppe erreichen. Auch die Reinigungen haben einen großen Vorteil – sie reduzieren ihre Kosten, weil der GreenHanger den Drahtkleiderbügel ersetzt. Und der Verbraucher wiederum erhält einen nachhaltig ökologisch unbedenklichen, im Altpapier-Container einfach zu entsorgenden Kleiderbügel. So profitiert auch die Umwelt in hohem Maße.

Interview aus WRP 01-2008