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Miele Professional

„Mit Innovationen in die Zukunft“

Mehr als 50 Millionen Euro investierte Miele Professional in den letzten Jahren in neue Produkte und in den Standort Lehrte, wo die gewerblichen Waschmaschinen, Trockner und Mangeln entstehen. Wir sprachen mit Jürgen Schäfer, Leiter internationales Produktmanagement Wäschereitechnik bei Miele Professional, über das Geschäftsjahr 2012, über die Vorzüge von Inhouse Wäschereien sowie über die Märkte, in denen der Hersteller seinen Erfolg ausbauen will.

Jürgen Schäfer
Jürgen Schäfer, Leiter internationales Produktmanagement Wäschereitechnik bei Miele Professional, ist Dipl.-Ing. (FH) mit dem Schwerpunkt Textilchemie. Er wurde 1964 geboren, hat vier Kinder und ist seit 1997 bei der Firma Miele und Cie. kg im Bereich Miele Professional Wäschereitechnik tätig. Während und nach dem Studium arbeitete er im elterlichen Textilpflegebetrieb. Seine Karriere bei Miele startete er als Verantwortlicher für den Bereich der Verfahrenstechnik Wäschereitechnik. Zum damaligen Zeitpunkt war er auch Mitglied der Arbeitsgruppe AQUACARB. Von 2000 bis 2003 war er in den USA und hat dort für Miele den Bereich Nassreinigung in den Markt eingeführt. Heute ist er unter anderem Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der wfk und der FRT sowie im Kuratorium der wfk.
Hierzulande sind wir mit einem Marktanteil von 60 Prozent absoluter Marktführer in unserem Segment.
Eine Standard-Maschine kann innerhalb von 24 Stunden nach Auftragseingang das Werk verlassen.
WRP: Gerade ist das Geschäftsjahr 2012 zu Ende gegangen. Ist man bei Miele Professional zufrieden mit dem Ergebnis ?

Jürgen Schäfer: Bei Miele Professional und in der gesamten Miele-Gruppe reicht das Geschäftsjahr von 1. Juli bis 30. Juni des Folgejahres. Wenn man das Jahr 2011/2012 betrachtet, freuen wir uns bei Miele Professional mit den Bereichen Wäscherei- und Geschirrspül- sowie Labor- und Medizintechnik über 5,9 Prozent Wachstum und 393 Millionen Euro Umsatz. Auch im Geschäftsbereich Wäschereitechnik sind die Zahlen mit einem Plus klar über fünf Prozent sehr positiv. Positiv ist auch das Jahr 2012 zu Ende gegangen. Das heißt, wir sind sehr zufrieden mit dieser Entwicklung.

WRP: In welchen Bereichen konnte Miele Professional Wäschereitechnik zulegen ?

Schäfer: In Nordeuropa und in Großbritannien sind wir stark gewachsen. Dagegen ist Südeuropa mit Märkten wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien – die Probleme sind hinlänglich bekannt – eine Herausforderung. Weil wir als Miele Professional Wäschereitechnik in vielen Ländern aktiv sind, können die erfreulichen Zahlen in starken Regionen die in etwas schwächeren Märkten auffangen.

In Deutschland ist Miele Professional seit der Finanzkrise im Jahr 2008/09 wieder sehr gut gewachsen. Verantwortlich dafür sind nicht nur die erfolgreichen Geschäfte in unseren Kernmärkten Hotel, Restaurant, Catering, Altenpflegeheim sowie Gebäudereinigung. Auch die kleinen und mittleren Wäschereien haben zum positiven Ergebnis beigetragen.

WRP: In den letzten Jahren hat Miele nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro in eine Produkt­offensive sowie in das Miele-Werk Lehrte investiert. Welchen Anteil haben diese Maßnahmen am aktuellen Erfolg ?

Schäfer: Die positive Entwicklung von Miele Professional Wäschereitechnik wird natürlich auch von den vielen neuen Produkten getragen, die wir in Lehrte fertigen. Als in Europa 2008 und 2009 die Anzeichen einer Krise immer offensichtlicher wurden, startete Miele eine Produktoffensive. So gab es eine neue Maschinengeneration in Trennwandausführung – sowohl für den Bereich der Seniorenheime als auch für Krankenhauswäschereien –, eine neue 8-Kilo-Waschmaschinen- und -Trocknerklasse, neue Wärmepumpentrockner und Eco-Waschprogramme. Außerdem haben wir eine neue Trocknergeneration inklusive der sehr schmalen Slim Line-Trockner auf den Markt gebracht. Binnen eines Jahres erzielten wir mehr als 50 Prozent unseres gesamten Maschinenabsatzes mit Geräten aus dieser Produktoffensive.

WRP: Ein Teil dieser Investitionen ging in das Miele-Werk Lehrte. Unter anderem wurden dort ein neues Produktionssystem und dazu abgestimmte Technik installiert. Welche Vorteile bietet das System dem Kunden ?

Schäfer: Wir sind noch näher am Kunden, denn die Produkte sind jetzt sehr schnell verfügbar. Eine Standard-Maschine kann innerhalb von 24 Stunden nach Auftragseingang das Werk verlassen. In dieser Zeit wird die Maschine gebaut, geprüft und versandfertig gemacht. Dies ist natürlich nicht der Regelfall, üblicherweise wird in fünf Werktagen ausgeliefert.

Wir haben in Lehrte die Produktion neu ausgerichtet und neue Montagelinien eingerichtet. Wertschöpfung und Logistik wurden konsequent getrennt und alle Montagebereiche flexibel getaktet. Notwendig dafür sind Maschinen mit kurzen Rüstzeiten und hoher Flexibilität. Zum Beispiel konnte die Rüstzeit der unterschiedlichen Trocknertrommeln von zwei Stunden auf drei Minuten gesenkt werden. Insgesamt hat das neue System die Produktivität um 60 Prozent gesteigert.

Ein anderer Aspekt, um den wir uns ständig kümmern, ist die Optimierung und Reduzierung der Bauteile. Das ist für unsere Servicetechniker und Fachhändler ein wichtiges Thema. Wenn Ersatzteile in verschiedenen Produkten einsetzbar sind, dann minimiert dies nicht nur die Lagerhaltung, sondern sorgt auch für eine schnelle Verfügbarkeit – darauf kommt es bei unseren Kunden an.

Mit dem schlanken und effizienten Produktionssystem am Standort Lehrte ist Miele Professional Wäschereitechnik fit für die Zukunft.

WRP: Der Altenheim-Pflegebereich gilt durch den demographischen Wandel als wachsender Markt. Altenpflegeheime – das gilt genauso für Hotels und Feuerwehrwachen – können entweder selbst waschen oder die Wäsche an einen externen Dienstleister vergeben. Was spricht für die Wäscherei in Eigenregie, also die so genannte Inhouse-Lösung ?

Schäfer: Wenn man Inhouse waschen will, müssen natürlich die Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Will man einen effizienten Prozess bereitstellen, muss außerdem die entsprechende Organisation mit Personal und Logistik im Haus vorhanden sein. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist eine Wäscherei im Haus aus meiner Sicht eine sehr gute Lösung. Die zu pflegenden Textilien sind an einem Ort, man kann die Qualität selbst bestimmen, die Kontrolle ist hoch, die Verluste gering und die Wäsche-Logistik minimal. Interessant sind weitere Aspekte wie beispielsweise, dass in einer betreuten Wohnform in der eigenen Wäscherei Senioren eine sinnvolle Beschäftigung finden können. Das heißt, in manchen Häusern helfen die Senioren aktiv in der Waschküche mit.

Ein externer Dienstleister kann seinem Kunden Altenpflegeheim zwar auch unterschiedlichste Angebote machen. Aber für ihn ist der logistische Aufwand viel größer. In der Regel bedeutet dies oft eine relativ kostenintensive Logistik. Große Dienstleister gehören natürlich auch zu unseren Kunden. Hier werden für spezielle Anwendungen wie zum Beispiel die Aufbereitung von Oberbekleidung aus Seniorenheimen unsere Waschmaschine und Trockner mit den perfekt abgestimmten Verfahren verwendet. Manche Dienstleister betreiben gar die Wäscherei direkt beim Kunden, das heißt, direkt im Seniorenheim. Gerade das WetCare System, welches im Übrigen gerade vor einem Jahr das 20 jährige Jubiläum hatte, ist prädestiniert für diese Anforderungen. Wenn es Verfleckungen und Verschmutzungen gibt, ist Wasser das ideale Medium, um diese zu lösen. Und das WetCare-System ist auch optimal, um den unterschiedlichsten Material-Mix bei der Oberbekleidung schonend zu pflegen. Wichtig und hilfreich sind natürlich die speziellen Miele-Merkmale wie die Schontrommel, exakte Restfeuchtekontrolle beim Trockner als auch schon die erwähnten Spezialverfahren.

WRP: Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell in diesem Markt ?

Schäfer: Zum Beispiel hat man in den Niederlanden bei den letzten Haushaltsplanungen für das Gesundheitswesen diskutiert, wo Kosten eingespart werden können und dabei unter anderem die Textilaufbereitung aufgegriffen. Damit rückt das Thema Effizienz auch in anderen Ländern immer mehr in den Fokus. Oder wie sehen Abrechnungssysteme im Altenpflegebereich hierzulande zukünftig aus ? Wer zahlt die Dienstleistung Textilpflege, ist sie vielleicht im Pflegesatz inkludiert ?

Oder die Möglichkeiten bei der Weiterentwicklung unserer Technik: Wie viel Technik ist sinnvoll für unsere Kunden ? Sicherlich sind farbige Displays attraktiv für den Anwender, aber sie machen die Technik auch nicht gerade günstiger. Wir konzentrieren uns auf die wesentlichen Dinge, immer mit dem Fokus auf den Kundenbedarf. Die Technik ist hier nur Mittel zum Zweck. Das bedeutet, wir müssen dafür sorgen, dass unsere Geräte für maximalen Kundennutzen sorgen und dabei einfach zu bedienen sind – dies funktioniert auch hervorragend ohne farbiges Display.

Daneben spielt das Thema Energieverbrauch eine immer bedeutendere Rolle. Jede Haushaltswaschmaschine hat heute eine Kennzeichnung, die darüber informiert, wie viel Energie sie verbraucht. Damit bekommt jeder Käufer eine Klassifizierung an die Hand, die ihm die Orientierung vereinfacht. In einer Studie hat die Europäische Union prüfen lassen, ob ein solches Labeling nicht auch im gewerblichen und industriellen Maschinenbereich Sinn machen würde. Es ist also durchaus möglich, dass Hersteller von gewerblicher und industrieller Wäschereitechnik sich in Zukunft mit Labelkriterien auseinandersetzen müssen. Ziel ist auch hier die Vergleichbarkeit der Maschinen für den Kunden. Die Frage ist, welche Kriterien sind dafür wichtig ? Und wie kommt die riesige Bandbreite an Maschinen der Hersteller sinnvoll unter ein gemeinsames Dach ?

Mit all diesen Entwicklungen und möglichen Zukunftsszenarien müssen wir uns schon jetzt auseinandersetzen. Deshalb ist es nicht nur unsere Aufgabe, weiterhin an der Optimierung und Sicherstellung der Aufbereitungsprozesse zu arbeiten, sondern dabei schon heute die für unsere Dienstleistung relevanten wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Tendenzen zu berücksichtigen, um auch in Zukunft optimale Lösungen für unterschiedlichste Anforderungen anbieten zu können.

WRP: Wird wieder mehr Inhouse gewaschen ?

Schäfer: Wenn man zurückblickt, kann man gewisse Zyklen feststellen: Es gibt Phasen, in denen Einrichtungen vermehrt outsourcen, weil zum Beispiel die Investitionskosten stärker im Fokus stehen. Ist dann ein externer Dienstleister im Haus, kann es durchaus vorkommen, dass es Qualitäts- oder Logistikherausforderungen gibt. Oder die Kunden stellen fest, dass die externe Dienstleistung doch nicht so kostengünstig ist, wie vorher kalkuliert. Dann werden Überlegungen angestellt, die Wäsche wieder in Eigenregie zu übernehmen. Ich denke, dass die Pflege der Leibwäsche und Oberbekleidung im Haus eine sinnvolle Entscheidung ist. Sie ist heute auch gängige Praxis – genauso wie die externe Vergabe der Flachwäsche, wenn für eine Mangel die Räumlichkeiten nicht verfügbar sind.

Mit immer mehr Technik, zum Beispiel RFID, versuchen einige Dienstleister ihren Service zu verbessern. Jede Socke, jeder Pullover, jedes Teil der Unterwäsche wird mit Transpondern gekennzeichnet. Die Frage ist, ob dies sinnvoll ist ? Wie viel Technologie muss man dann einsetzen, um einen reibungslosen Prozess zu ermöglichen ? Und wie ist die Akzeptanz bei den Bewohnern, wenn in ihrer Unterwäsche ein kleiner Chip angebracht ist ?

WRP: In den Marktsegmenten Altenheime, Hotels, Feuerwachen etc. steht Miele Professional Wäschereitechnik in Deutschland als Branchenprimus mit anderen Herstellern im Wettbewerb. Wie sind die aktuellen Marktverhältnisse und wie wird die weitere Entwicklung eingeschätzt ?

Schäfer: Hierzulande sind wir mit einem Marktanteil von 60 Prozent absoluter Marktführer in unserem Segment. In den letzten Jahren haben wir unseren Vorsprung sogar ausgebaut. Für uns wird zukünftig die Herausforderung sein, diese Stellung im deutschen Markt mit innovativen Produkten und Lösungen zu behaupten – beziehungsweise natürlich noch weiter auszubauen. Getreu dem Miele-Motto ,Immer besser’ wollen wir uns so schnell nicht zufrieden geben.

WRP: Ein zentrales Thema in der Branche ist das Energie- und Wassersparen. Welche Lösungen kann Miele anbieten ?

Schäfer: Mit der bereits erwähnten Produktoffensive haben wir neue Technologien in den Markt gebracht, wie zum Beispiel die Wärmepumpentechnologie für Trockner der 10- und 13 Kilogramm-Klasse, den H2O-Trocknern und noch unzählige weitere technologische Neuerungen. Zusätzlich sorgt aber auch die Upgrade-Fähigkeit unserer Maschinen mit der Steuerung Profitronic M dafür, dass unsere Geräte immer wieder auf den aktuellen verfahrenstechnischen Standard gebracht werden können. Deshalb sind wir führend in Sachen Energieeffizienz, Langlebigkeit und Wäscheschonung.

Wenn wir noch einmal zum Thema Inhouse Wäscherei zurückkommen: Immer häufiger werden bei der Neuplanung von Altenheimen Blockheizkraftwerke berücksichtigt, um so die Energieeffizienz zu erhöhen und die Kosten zu minimieren. Beim Betrieb des BHKW‘s fällt als Nebenprodukt heißes Wasser an. Für den Betreiber einer Wäscherei ein sehr interessanter Aspekt, denn man kann es zum Beispiel zum Waschen einsetzen. Wir haben noch weiter überlegt. Unsere neue Lösung ist ein H2O-Trockner, den wir im Herbst 2012 in den Markt brachten. Der Trockner wird direkt mit dem Heißwasser aus dem BHKW betrieben und arbeitet extrem kostengünstig. Wie rechnen für einen 20 Kilo-Trockner mit jährlichen Energiekosten von weniger als 100 Euro, immer abhängig von den lokalen Randbedingungen. Interessant ist diese Kombination auch, weil der Trockner den ständigen Betrieb des BHKWs sichert. Denn das bei der BHKW-Kühlung entstehende heiße Wasser wird regelmäßig vom Trockner nachgefragt. Zwar dauert der Trocknungsprozess beim H2O-Trockner ein bisschen länger, weil die Temperaturen nicht ganz so hoch sind wie bei konventionellen Trocknern. Dafür ist dieser Prozess für das Textil schonender.

Innovativ und energiesparend arbeiten auch unsere Wärmepumpentrockner mit Fassungsvermögen von 10 bis 13 Kilogramm. Bei Laufzeiten zwischen 40 und 60 Minuten reduzieren sie den Energieverbrauch bis zu 60 Prozent. Weil die Luft im Wärmepumpenmodul intensiv entfeuchtet wird, genügt hier eine geringe Prozesslufttemperatur zum Trocknen der Textilien. Auch hier bietet Miele Wäscheschonung auf sehr hohem Niveau. Außerdem erlauben niedrige Anschlusswerte und der Verzicht auf eine Abluftleitung überaus flexible Einsatzmöglichkeiten und sparen zudem Installationskosten.

WRP: Niedrige Energiekosten interessieren vor allem den Wäschereibetreiber. Was haben die Anwender von moderner Miele-Wäschereitechnik ?

Schäfer: Unser Bestreben ist es, optimale Lösungen für unterschiedlichste Anforderungen zu offerieren. Nehmen wir den Bereich der Gebäudereiniger. Ein Wischbezug ist von außen betrachtet ein unscheinbares Stück Textil, das es aber im wahrsten Sinn des Wortes in sich hat – nämlich nach Gebrauch einen hohen Anteil an Schmutz. Für den Gebäudereiniger ist es wichtig, dass der Wischbezug nach der Wäsche nicht nur sauber, sondern wieder schön weiß ist. Die Farbe Weiß steht für Reinheit und Sauberkeit – für einen unansehnlichen grauen Lappen hätte sein Kunde wenig Verständnis. Und der Gebäudereiniger hat in einem Objekt mit Bodenbelagsvarianten zu tun. Diese erfordern für die Pflege verschiedene Wischbezüge und entsprechend bei der Aufbereitung differenzierte Verfahren. Für all diese Anforderungen müssen wir durch Produktfeatures und passende Verfahrenstechnik Lösungen anbieten.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Bedienbarkeit unserer Technik. Schließlich arbeiten Mitarbeiter in den Wäschereien acht Stunden am Tag mit den Maschinen. Sie müssen be- und entladen und für die Steuerung die passenden Programme aufrufen. Wenn Mitarbeiter das nicht effizient und ergonomisch erledigen können, geht schnell die Motivation verloren. Unsere Maschinen sind schon sehr gut. Das heißt nicht, dass wir uns ausruhen, sondern wir wollen auch hier immer besser werden. Bei einigen Kunden ist das Thema ,beste Ergonomie für die Arbeitnehmer’ bereits in den eigenen Statuten festgeschrieben und damit ein wichtiges Auswahlkriterium, wenn neue Produkte für die verschiedenen Einrichtungen eingekauft werden.

WRP: Miele Professional Wäschereitechnik versucht regelmäßig, neue und innovative Lösungen zu entwickeln. Wie ist die Akzeptanz bei den Kunden, honorieren sie es ?

Schäfer: Die Verkaufszahlen, zum Beispiel für die Wärmepumpentrockner, sind steigend, aber in den verschiedenen Märkten sehr unterschiedlich. Deutschland und Österreich sind sehr erfolgreich. In den Ferienorten prüfen die Hoteliers, wie sie ihre Energiekosten minimieren können. Wenn sie eigene Wäschereien in den Häusern unterhalten, ist nicht nur der Wärmepumpen-  sondern auch der H2O-Trockner ein attraktives Angebot. Grundsätzlich gilt für alle neuen Technologien, dass die Marktdurchdringung eine gewisse Zeit benötigt. Für unsere Kunden wichtig zu wissen ist, dass sich in der Regel diese neuen Maschinen auf Grund der deutlichen Energieeinsparung in etwa drei bis vier Jahren amortisieren.

WRP: Ein weiteres wichtiges Thema ist die Verfügbarkeit der Maschinentechnik, also die Zuverlässigkeit. Was unternimmt Miele Professional, um zufriedene Kunden zu haben ?

Schäfer: Es ist natürlich sehr wichtig, dass bei einem Geräteausfall dem betroffenen Kunden schnell geholfen wird. Ein Produktionsstillstand ist ein bedeutendes Problem, das Umsatzeinbußen zur Folge haben kann. Für die hohe Verfügbarkeit unserer Technik sorgt unser sehr gutes Kundendienstnetz mit etwa 140 Miele-eigenen Technikern allein in Deutschland. Genauso wie unsere Handelspartner werden sie regelmäßig geschult, um immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein. Außerdem gibt es für unsere Kunden Service- und Wartungsverträge in unterschiedlichen Ausgestaltungen. Diese garantieren unter anderem schnelle Hilfe vor Ort. Wenn ein Ersatzteil im Servicewagen einmal nicht verfügbar ist, dann wird über Nacht das entsprechende Teil aus unserem zentralen Lager in Gütersloh an das Kundendienstfahrzeug geliefert. Am nächsten Tag kann der Techniker es einbauen. Außerdem unterhalten unsere Vertriebscenter auch lokal noch Läger mit Ersatzteilen. Mit all diesen Maßnahmen erreichen wir seit Jahren hohe Ersterledigungsquoten, das heißt, fast immer können die Probleme vor Ort schnellstens gelöst werden.

Kann der Techniker nicht helfen, weil die Maschine nicht mehr zu reparieren ist, können wir schnell Ersatz bereitstellen. Wie schon angesprochen: Wenn es notwendig ist, kann eine neue Maschine innerhalb von 24 Stunden nach der Bestellung ausgeliefert werden.

All dies honorieren die Kunden auch: Wer einmal eine Maschine bei uns gekauft hat, nimmt beim nächsten Mal gerne wieder ein Miele-Produkt. Das heißt, wir haben hier über die Jahrzehnte eine sehr gute Kundenbindung erreicht, welche wir auch heute absolut im Fokus haben.

WRP: Miele Professional Wäschereitechnik hat neben Waschmaschinen und Trocknern auch Mangeln im Sortiment. Welche Neuheiten gibt es in diesem Bereich ?

Schäfer: Wir haben auf der letzten Texcare International in Frankfurt unter anderem unsere neuen Hochleistungsmuldenmangeln vorgestellt. Neben Leistung war bei der Entwicklung auch hier das Thema Ergonomie ein wichtiger Aspekt. Wenn man den ganzen Tag an einer Mangel arbeitet, sind nicht nur Eingabe- und Bedienungshöhen wichtig, sondern auch, dass man die Textilien optimal am Eingabetisch auflegen und auf der Ausgabenseite wieder abnehmen kann. Unser optional erhältlicher höhenverstellbarer Eingabetisch Plus ist unter anderem mit einer Vakuumansaugung ausgestattet. Dieser sorgt neben einer optimalen Ergonomie für das Personal auch dafür, dass der Stoff faltenlos in die Mangelmulde geführt und somit ein hervorragendes ­Finshergebnis erzielt wird. Der Ausgabetisch EasyFold verfügt über eine gewölbte Wabenstruktur mit integrierten Löchern. Durch diese kann kühle Raumluft von unten die Textilien durchströmen, die deshalb schon auf dem Mangeltisch abkühlen. Das macht nicht nur das anschließende Handling viel einfacher. Außerdem wird durch den sanften Luftstrom die Glätte fixiert. Und Energie sparen lässt sich bei den Mangeln durch die Nutzung der Restwärme, die sich nach dem Ausschalten der Heizung in der Mulde befindet. Diese Wärme kann noch zum Mangeln der letzten Textilien genutzt werden. Dabei geht keine Energie verloren, weil die neuen Mangeln – analog zur vorhandenen Restwärme – die Drehzahl entsprechend reduzieren.

Die neuen Mangeln sind zudem mit einem großen Touchscreen und einer flexibler Steuerung ausgestattet. Da der Mangelprozess je nach Textilart, Beschaffenheit oder Restfeuchte unterschiedlichste Parameter erfordert, können neben den Standardprogrammen ganz einfach textil- und kundenspezifische Programme individuell angelegt und gespeichert werden. Trotzdem bleibt die Bedienung – das ist unsere Philosophie – intuitiv und übersichtlich.

WRP: Miele Professional will in Zukunft noch näher am Kunden sein – das hatten Sie bereits betont. Hat man dabei seine traditionelle Klientel im Auge oder zielt man auch auf andere Kunden ?

Schäfer: Neben unseren Kernmärkten werden wir uns in diesem Jahr unter anderem noch mehr auf die kleinen und mittelständischen Wäschereien konzentrieren. Jenseits der großen industriellen Betriebe und der Konzernunternehmen gibt es viele kleinere Betriebe, die sich in Nischen erfolgreich eingerichtet haben. Sie überzeugen ihre Kunden mit einer besonders hohen Qualität, Zuverlässigkeit und Kundennähe. In diesen Betrieben sehen wir für unsere Produkte noch Potential – zum Beispiel für unsere neue Mangelgeneration.

Ein Beispiel für diese erfolgreichen kleinen Betriebe in Nischenmärkten ist die Insel-Wäscherei Onkes-Fritsching auf Norderney. Der Betrieb pflegt lokal die Wäsche der umliegenden Hotels. Oder die Wäscherei Gottschalk in Wustrow. Dort werden nicht nur Pferdedecken sehr gut bearbeitet, sondern man hat auch spezielle Angebote für Campingurlauber. Diese machen vor der Heimreise noch Station bei der Wäscherei Gottschalk, um die Urlaubswäsche zu waschen. Man sieht, es gibt viele Nischen für die Textilpflege, die man nur für seinen Betrieb ent­decken muss. Dann ist auch für eine kleine Wäscherei das Geschäft interessant und lukrativ.

Ein interessanter Markt für uns sind auch die Feuerwehren. Den freiwilligen Feuerwehren mangelt es an Nachwuchs, die Berufsfeuerwehren werden deshalb immer stärker. Viele Wachen waschen heute die Feuerwehr-Schutzkleidung in eigenen kleinen Wäschereien. Wir haben nicht nur die passende Maschinentechnik und Verfahren zum Waschen und Imprägnieren, sondern können unter anderem Lösungen zum Aufbereiten der Atemschutzmasken anbieten. Zum Beispiel in unseren Waschschleudermaschinen. Anschließend kommen die Masken in Haltevorrichtungen in den Trockner. Um optimale Pflegeverfahren für die Feuerwehr-Bekleidung entwickeln zu können, setzen wir uns mit den Gewebe- und Membran-Herstellern sowie den Konfektionären zusammen. Eine Feuerwehrjacke besteht aus unterschiedlichsten Materialien. Sie stellt bei der Pflege hohe Anforderungen an Technik und Verfahren. Außerdem müssen die Funktionen der Kleidung auch nach mehreren Aufbereitungszyklen noch garantiert sein.

Ein für uns bedeutender und wachsender Markt sind auch die Gebäudereiniger. Die Anforderungen steigen in diesem Segment, auch das Thema Hygiene gewinnt eine immer größere Bedeutung – gerade in den Objekten Krankenhaus und Altenpflegeheim.

WRP: Und welche Ziele hat Miele in diesem Jahr bei Umsatz und Produkten ?

Schäfer: Wir gehen optimistisch in das Jahr 2013, trotz der ganzen Krisenmeldungen im Euroraum. Das bedeutet auch, dass wir in diesem Jahr von einem Wachstum ausgehen. Bei den Produkten wird es eine Reihe von Neuheiten geben. Wir werden uns auch damit beschäftigen, unsere derzeit neuen Produkte, die sich durch besondere Energie- und Ressourceneffizienz auszeichnen, intensiver in den Markt zu bringen.

Interview aus WRP 01-2013