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Kreussler

Unser innovatives SystemK4 wird neue Maß­stäbe in der Textilreinigung setzen

Kreussler gilt in der Branche als innovatives Unternehmen. Auf der Expo Detergo in Mailand präsentierten die Wiesbadener ihre neueste Lösung mit dem Namen ‚SystemK4‘. „Es ist ein innovatives und höchst effizientes Reinigungsverfahren für die Textilreinigung“, erklärte Dr. Helmut Eigen, Geschäftsführer bei Kreussler, im Interview des Monats. „Wir sind überzeugt, dass wir mit dem SystemK4 einen sehr guten Markteintritt schaffen werden.“

Dr. Helmut Eigen
Dr. Helmut Eigen ist seit 2009 Geschäftsführer der Textilchemie Kreussler Wiesbaden. Im Jahr 1962 in Neuss geboren, studierte Eigen an der Universität Düsseldorf Diplom-Chemie. Danach Promotion am Institut für physikalische Chemie des Forschungszentrums Jülich über physikalisch-chemische Wechselwirkungen von Waschmittelinhaltsstoffen. Von 1994 bis 2008 war Dr. Eigen Leiter F&E und Anwendungstechnik in der Wäscherei der Chemischen Fabrik Kreussler & Co. GmbH in Wiesbaden.
Das SystemK4 hat in Europa keine Gefahrstoff- und keine Gefahrgut-Einstufung. Dies wird aus der heutigen Perspektive betrachtet auch in Zukunft so bleiben
Das Thema Energiesparen sollte immer auch immer unter den Aspekten Sauberkeit, Hygiene und Sicherheit betrachtet werden
WRP: Kreussler hat auf der Expo Detergo eine neue Lösung präsentiert, die das Unternehmen als „zukunftsweisende Entwicklung“ anpreist. Was ist das für eine Lösung?

Dr. Helmut Eigen: Unsere neue Produktserie heißt SystemK4 und ist nahezu weltweit zum Patent angemeldet. Mit SystemK4 haben wir ein innovatives und höchst effizientes Reinigungsverfahren für die gewerbliche Textilpflege entwickelt, das seinesgleichen sucht. Das SystemK4 bietet ein komplettes Grundsortiment. Es besteht aus vier Komponenten: Die Basis bildet SolvonK4, ein neues halogenfreies Lösemittel. Weitere Komponenten sind das Anbürstmittel PrenettK4, der Reinigungsverstärker ClipK4 sowie die Sprühimprägnierung
VinoyK4. Wir sind uns sicher, das SystemK4 wird neue Maßstäbe in der Textilreinigung setzen.

WRP: Welche Eigenschaften beziehungsweise Vorteile hat das SystemK4?

Dr. Manfred Seiter: Das neue Lösemittel SolvonK4. hat ein paar außergewöhnliche Vorzüge. Von der Handhabung und der Umweltverträglichkeit besitzt es ähnliche
Eigenschaften wie Green-Earth. Von der Reinigungsperformance ist es absolut mit Per zu vergleichen. Dabei kann SolvonK4 wassergebundene Verfleckungen sogar besser als Per entfernen, begründen lässt sich diese Eigenschaft durch das Dipolmoment von SolvonK4. Es hat einen sehr breiten Anwendungsbereich. Die Teile kommen knitterarm aus der Maschine, deshalb ist der Finish-Aufwand gering. Der Griff ist wirklich toll, die Farben sind gut, es gibt auch nur einen minimalen Faserabrieb beim Reinigungsprozess. SolvonK4 hat eine Reinheit größer als 99 Prozent, der Flammpunkt liegt bei 62°C. Hervorzuheben sind neben der hervorragenden Reinigungsleistung der geringe Energieaufwand bei Destillation und Trocknung sowie die Kostenersparnis hinsichtlich Entsorgung der Destillationsrückstände. Bei 2,6 bis 3,2 bar Dampfdruck werden ca. fünf Liter Lösemittel in der Minute destilliert. Wir haben zwar noch keine genauen Werte, aber das SystemK4 wird sicherlich sehr sparsam mit der Energie umgehen.

Dr. Eigen: Das SystemK4 hat in Europa keine Gefahrstoff- und keine Gefahrgut-Einstufung. Dies wird aus der heutigen Perspektive betrachtet auch in Zukunft so bleiben. Für die Textilreinigung wird es voll REACH registriert werden. Das Lösemittel setzt man auch im Kosmetikbereich ein. Es ist auf der IFRA-Liste für nicht allergene Duftstoffe eingetragen und hat von der Umwelt- und der toxikologischen Verträglichkeit sehr gute Eigenschaften. Mit dem SystemK4 kann der Reiniger überall dort seine Maschine aufstellen, wo er Potential sieht, nicht dort, wo es ihm vorgeschrieben wird.

Thomas Zeck: Ich finde, dies ist einer der Vorteile des SystemK4. Zwar haben zum Beispiel auch KWL und Cyclosiloxan eine akzeptable Gefahrstoff- und Gefahrgut-Einstufung und natürlich kann man auch mit KWL gut reinigen. Das Besondere beim SystemK4 ist, dass nicht nur alle strengen, gesetzlich vorgegebenen Umweltauflagen erfüllt und sogar übertroffen werden, sondern auch eine großartige Reinigungsleistung geboten wird. Mit dem SystemK4 ist der Reiniger – auch in Zukunft – auf der sicheren Seite. Natürlich erfüllen alle Reiniger, mit denen wir in Deutschland und auch im Ausland zusammen arbeiten, immer alle Auflagen. Aber mit der sehr günstigen Einstufung von SystemK4 wird dieses Arbeiten unter den Bedingungen der Auflagen noch einfacher.

Dr. Seiter: Die Kombination der Eigenschaften gibt dem SystemK4 seine besondere Stellung. Man kann als Reiniger die positiven Umwelteigenschaften betonen und die Vorteile vom SystemK4 zum Beispiel beim Marketing einsetzen. Für einen anderen Reiniger ist vielleicht die betriebliche Leistung und Qualität besonders wichtig, ein weiterer betont den geringen Detachuraufwand, den das SystemK4 verlangt. Auf all diese unterschiedlichen Anforderungen können wir mit dem SystemK4 immer eine sehr gute Lösung anbieten. Wir glauben daher, dass es mit seinen vielen positiven Eigenschaften von Marktbedeutung ist und mit Sicherheit das Interesse wecken wird.

WRP: Warum hat Kreussler das SystemK4 entwickelt? In vielen europäischen Ländern ist das Lösemittel Per führend, auch in Deutschland setzen viele Reiniger darauf.

Dr. Eigen: Das ist richtig. Weltweit hat Perchlorethylen in den Chemisch-Reinigungen einen Anteil von rund 80 Prozent. In einigen Ländern wie zum Beispiel in Russland ist er mit cirka 95 Prozent sogar noch dominanter. Hierzulande liegt der Anteil an Per-Maschinen zwischen 60 bis 65 Prozent – mit abnehmender Tendenz. In Europa ist Deutschland das Land mit der höchsten Anzahl an KWL-Maschinen.

Ein Grund für die weltweit hohe Akzeptanz von Per ist, dass es sehr gut reinigt. Aber das Lösemittel Per stand und steht in der Diskussion. Wir alle wissen, dass der Einsatz von Per in der Vergangenheit heute für manche Betriebe eine Altlast im Boden bedeutet, die große Probleme bereitet. Deshalb herrscht beim Thema Lösemittel Per eine gewisse Unsicherheit in der Branche. Ich denke, dass sich dieses Lösemittel irgendwann aus der Textilreinigung verabschieden muss. In etlichen Ländern kann man schon heute entsprechende Entwicklungen beobachten. Insbesondere in einigen Bundesstaaten der USA sind die Diskussionen in diese Richtung schon weit fortgeschritten. Zum Beispiel gibt es Bundesstaaten, in denen die Steuer auf Per höher als der Preis für das Lösemittel ist. Und in Kalifornien ist Per ab 2020 zum Verbot vorgesehen. Ob ein Per-Bann in zehn, 20 oder 30 Jahren Realität wird, kann heute niemand sagen. Aber trotzdem brauchen die Textilreinigungen Lösemittel-Alternativen. Diese heißen bis jetzt Cyclosiloxan, also Green-Earth, hauptsächlich aber Kohlenwasserstoff und flüssiges Kohlendioxid. In den USA gibt es noch n-Propylbromid, das aus meiner Sicht als Chemiker ziemlich bedenklich ist. Deshalb bietet Kreussler ab sofort eine neue Möglichkeit an: das SystemK4.

Zeck: Was Kreussler aber bestimmt nicht beabsichtigt, ist es, erneut eine Per-Diskussion loszutreten. Mit dem SystemK4 blicken wir nach vorne. Unser Ansatz für die Entwicklung des SystemK4 war schließlich auch, dass es sehr viele Reiniger gibt, die mit der Qualität der Reinigung ihres Lösemittels nicht zufrieden sind. Wir sagen, dass SolvonK4 von der Reinigungsleistung qualitativ besser ist als KWL oder auch Green-Earth und dies auch wirtschaftlich leistet. SystemK4 besitzt eine Vielzahl außergewöhnlicher Eigenschaften und hat das Potential, in der öffentlichen Wahrnehmung das Image der Textilpflege positiv darzustellen.

WRP: Seit wann entwickelt Kreussler das SystemK4, seit wann ist es im praktischen Versuch?

Dr. Seiter: Wir arbeiten seit ungefähr zwei Jahren an SystemK4. Seit September 2009 läuft es in Praxis. Im Frühjahr 2010 sind wir zusammen mit Kunden in verschiedenen Ländern, dabei sind unter anderem die USA, Dänemark und Holland, in den Feldtest gegangen. Unsere Testkunden haben bisher mehr als 600.000 Teile mit diesem neuen System gereinigt. Ihr Feedback ist extrem gut. Nur ganz wenige Probleme sind aufgetreten. Unter anderem gab es vereinzelt Schwierigkeiten bei der Reinigung mit Pailetten, aber diese sind auch bei der Pflege mit anderen Lösemitteln bekannt. SolvonK4 besitzt wie jedes andere Lösemittel einen gewissen Eigengeruch. Durch Anpassungen bei der Trocknung kann man diesen auf praktisch Null reduzieren. Die komplette Chargenzeit beträgt ziemlich genau eine Stunde. Dies ist teilweise schneller als es so manche KWL-Maschine schafft und für den Reiniger absolut akzeptabel. Erstaunlich ist, dass die meisten der teilnehmenden Betriebe dank des SystemK4 so gut wie keine Vordetachur mehr betreiben müssen. Dies bedeutet nicht nur weniger Risiko, sondern ist auch besonders wirtschaftlich. Das SystemK4 ist für mich außergewöhnlich. Es ist verblüffend zu beobachten, dass man ein ganz neues Produkt in der Praxis testet und es dabei so wenig Probleme gibt.

WRP: Bedingt das SystemK4 eine besondere Maschinentechnik? Welche Ausstattung ist notwendig?

Dr. Seiter: Alle Maschinenkonzepte nach dem heutigen Stand der Technik für KWL, Green-Earth und höher siedende Lösemittel, also alle Multisolvent-Maschinen können mit SystemK4 arbeiten, wenn man sie an die spezifischen Einsatzbedingungen des Lösemittels anpasst. Dazu gehören die Destillationsbedingungen, der Trocknungsprozess und einige weitere Maschinenparameter. Nicht einsetzen kann man das SystemK4 in Perchlorethylen-Maschinen.

Dr. Eigen: Wir rechnen damit, dass die Marktdurchdringung mit dem neuen System zügig passieren wird. Die Maschinenhersteller werden schnell ihre Maschinen entsprechend anpassen. Schon jetzt haben wir eine Entwicklungskooperation mit FMB. Mit Marken wie Realstar, Firbimatic und Union ist der Konzern der größte Reinigungsmaschinenhersteller weltweit. Zusammen entwickelten wir eine neue Maschinengeneration, die für das SystemK4 Reinigungsverfahren ab Werk optimal angepasst ist.

WRP: Sie haben vorhin erwähnt, dass sich Kreussler seit zwei Jahren mit dem SystemK4 beschäftigt. Ist das Lösemittel SolvonK4 eine Neuentwicklung?

Dr. Seiter: Im Zeitalter von REACH sowie diversen nationalen und internationalen Regelungen ist es kaum möglich, ein Lösemittel völlig neu zu entwickeln. Kreussler hat für seine Unternehmensgröße einen starken Forschungs- und Entwicklungsbereich. Eine Aufgabe dieser Abteilung ist es neben der Entwicklung von neuen Produkten auch zu schauen, welche schon existierenden Lösungen sich für die Anforderungen in der Textilpflegebranche sinnvoll weiter entwickeln lassen. Schon länger haben wir nach einer Lösung wie SolvonK4gesucht und schließlich auch gefunden. An dem Projekt arbeiten wir nunmehr seit etwas mehr als 2 Jahren.

WRP: Kann der interessierte Reiniger das neue SystemK4 testen?

Zeck: Das SystemK4 ist verfügbar seit der Expo Detergo in Mailand, dort haben wir es der Branche präsentiert. Jeder Reiniger kann es jetzt testen. Wir werden schon bald Betriebe anbieten können, in denen man das SystemK4 in der Praxis mit Kundenware anschauen kann. Grundsätzlich kann jeder Reiniger, der eine Multisolvent-Maschine besitzt und die notwendigen technischen Anpassungen vornimmt, mit dem SystemK4 arbeiten. Der Reiniger kann frei entscheiden: Sollte es ihm nicht passen, aber dies wird nicht der Fall sein, könnte er wieder auf sein altes Lösemittel zurück. Er bindet sich nicht an das SystemK4. Die für dieses System optimierten Maschinen laufen genauso mit KWL oder Green-Earth. Es gibt kein Risiko.

WRP: Kreussler ist eines der wenigen Unternehmen im Textilpflegemarkt, das sowohl Lösungen für Textilreinigungen als auch Wäschereien anbietet, also das ganze Sortiment der Textilpflege abdeckt. Ist diese breite Aufstellung ein Vor- oder ein Nachteil?

Dr. Eigen: In der Tat hat Kreussler ein breites Produktspektrum, das alle Anwendungsgebiete von Textilpflege in Lösungsmitteln über Nassreinigung bis zur gewerblichen Wäscherei abdeckt. Für unsere Entwicklungsabteilung bedeutet dies ein relativ breites Anforderungsfeld. Deshalb suchen bei uns Spezialisten für Textilien mit denen für Chemie und Waschchemie nach Lösungen. Das interdisziplinäre Arbeiten bei Kreussler bietet eine Menge Vorteile. Man blickt über den Tellerrand. Und weil wir in verschiedenen Bereichen arbeiten, können wir Synergien nutzen.

Kreussler lebt von seinem Know-how, der Flexibilität, der Kundennähe und natürlich der Innovationskraft. In diesem Jahr haben wir den Fokus auf das SystemK4 gelegt, in der Vergangenheit hat Kreussler seine Innovationsfähigkeit im Bereich der Wäscherei durch eine Reihe von Lösungen unter Beweis gestellt. Zum Beispiel mit dem Flüssigwaschmittel-Hochkonzentrat Derval Power oder den Fettlösern Derval Energy konzipiert für blaue Berufskleidung und Derval Bright für weiße Ware. Wir haben mit Ottalin Pa Conc ein hochkonzentriertes Peressigsäurekonzentrat, das mit niedrigsten Mengen zur Listung angemeldet ist, und wir sind in der Lage bei unter 60° C Waschtemperatur nahezu alle mineralischen und Öl-Verfleckungen zu entfernen.

Unsere Innovationsfähigkeit beweisen wir nicht nur durch unsere Lösungen, sondern auch durch unser Handeln. Wir waren vor 15 Jahren die Ersten in der Wäschereibranche, die das Produktsortiment komplett phospatfrei gestellt haben. Seit den 70 iger Jahren ist bekannt, dass Phosphate in Gewässern als Pflanzennährstoffe wirken. Gemeinsam mit den normalerweise reichlich vorhandenen Nitraten düngen sie unsere Gewässer. Viele Waschchemielieferanten führen noch Produkte mit Phosphat im Sortiment, sind aber auch dabei, auf ein phosphatfreies Portfolio umzustellen.

Ein anderes Thema, das in den letzten Jahren immer wieder diskutiert wurde, ist die C8-Chemie beziehungsweise Perfluoroctansulfonsäure. Perfluoroctansulfonsäure ist eine biopersistente und bioakkumulative fluororganische Verbindung, die selbst über lange Zeiträume nicht von der Natur abgebaut wird. Die Befürchtung besteht, dass sich Perfluoroctansulfonsäure unter anderem über die Nahrungskette im menschlichen Körper anreichert und gesundheitsschädlich wirken kann. Aufmerksam wurde die Branche auf diese Verbindung im Zusammenhang mit dem Ausrüstung Scotchgard von 3M. Perfluoroctansulfonsäure verunreinigte die Fluorcarbonpolymere, die bei der Produktion von Fluorcarbonharzen eingesetzt wurden. Hersteller 3M nahm die entsprechende Chemie bereits im Jahr 2000 vom Markt.

Kreussler setzt bei der Imprägnierung Hydrob Easydry auf C6-Chemie. Auch hier waren wir Mitte 2009 einer der ersten, die die C6-Chemie als Nachrüstmittel in den gewerblichen Wäscherei-Markt brachten. Die C6-Chemie ist frei von Perfluoroctansulfonsäure. Diese Chemie ist nach unserer Ansicht sogar leistungsfähiger als die C8-Chemie. Um das Fluorcarbonharz der Imprägnierung zu fixieren, braucht man eine gewisse Temperatur. Dank der C6-Chemie in den Produkten ist dies mit einer um 20°C geringeren Trocknungstemperatur als mit der C8-Chemie möglich. Deshalb können wir heute mit Hydrob Easydry Märkte bedienen, die Kreussler bis dahin nicht erreichen konnte. Zum Beispiel werden damit Markisen, Zelte und Persennings für Boote imprägniert. Mittlerweile haben wir über 50 Prozent der C8-Chemie in unserem Sortiment durch C6-Chemie ersetzt.

Wir sehen uns als sehr innovatives Unternehmen, das ist unsere Stärke. Wir versuchen schneller, flexibler und besser als unser Wettbewerb zu sein. Wir arbeiten deshalb auch eng mit den Verbänden der Branche zusammen, engagieren uns mit unseren Partnern in EU-Projekten. Wir sitzen deshalb zum Beispiel bei der wfk in Krefeld im Vorsitz des wissenschaftlichen Beirats und engagieren uns beim Institut Hohenstein.

Zeck: Unsere „phosphatfreie Philosophie“ hängt nicht nur von unseren Innovations- sondern auch unseren Qualitätsansprüchen ab. Unsere Philosophie ist, dass wir uns nicht dem niedrigen Niveau in einem Markt anpassen wollen, auch wenn es vielleicht die Bedingungen zulassen würden. Wir versuchen einen hohen Level in allen Ländern, in denen wir arbeiten, zu erreichen.

WRP: Ein Trend im Wäscherei-Bereich ist, dass die Waschtemperaturen immer weiter sinken. Wird diese Entwicklung weitergehen oder gibt es eine Untergrenze?

Dr. Eigen: Unsere Meinung ist, dass es eine Untergrenze für die Waschtemperatur gibt. Zum Beispiel kann man Öle nur herunter waschen, wenn sie noch flüssig sind. Das ist der eine Punkt. Ein anderer ist die hygienische Komponente. Erst bei einer Waschtemperatur von etwa 52°C werden fast alle Keime, Bakterien, Pilze und Sporen abgetötet. Wenn die Temperatur weiter gesenkt wird, muss mehr Chemie helfen. Aber man kann zum Beispiel keine Blauware zum Desinfizieren mit Peressigsäure behandeln, das bekommt den Textilien auf Dauer nicht. Deshalb gibt es aus meiner Sicht eine Untergrenze bei der Waschtemperatur – und die liegt bei rund 52°C. Vielleicht ist es möglich, diese Textilien bei 40°C Waschtemperatur zu waschen, aber die Frage ist, ob dies ökonomisch und ökologisch noch Sinn macht.

Dr. Seiter: In der Wäschereibranche laufen zwei Sachen gegenläufig: Auf der einen Seite wachsen die Hygieneansprüche, und auf der anderen Seite wird darauf geschaut, die Kostenseite zu minimieren. Aber die Frage ist, ob die Teile bei 40°C Waschtemperatur wirklich sauber werden? Oder ob eine solche Waschtemperatur für Krankenhauswäsche sinnvoll ist? Zumal die Energiedifferenzen zwischen Temperaturen von 40 oder 60° C nicht mehr gravierend sind. Also, das Thema Energiesparen sollte immer auch unter den Aspekten Sauberkeit, Hygiene und Sicherheit betrachtet werden. Das gilt besonders für Krankenhaustextilien. Hier zählt einfach der Faktor Sicherheit, Wäsche aus diesem Bereich muss nach meiner Meinung unbedingt mit 60° C Temperatur gewaschen werden.

Zeck: Und was man bei der Waschtemperatur einspart, muss letztlich durch Chemie kompensiert werden, um die hygienischen Anforderungen zu erfüllen. Es gibt beim Sparen auch einfach eine ökonomische Grenze. Zum Beispiel, wenn man bei 40°C Waschtemperatur die X-fache Menge an Peressigsäure einsetzen muss, um den gleichen hygienischen Effekt wie bei einer Waschtemperatur von 60°C zu erreichen. Man sollte bei allem Sparen den Kompromiss auf der vernünftigen Seite machen.

WRP: Wie argumentiert Kreussler dieses Thema mit seinem Kunden?

Zeck: Wenn es um Krankenhauswäsche und das Thema Hygiene geht, können wir sehr gut argumentieren, warum eine Waschtemperatur von 60°C die richtige ist. Vor allem bei den niedrigen Einsatzmengen, die unsere Produkte auszeichnen und die dadurch niedrige Wasserverbräuche und geringe Spülkosten bedingen. Die Waschtemperatur bei Wäsche, abgesehen von den Textilien, die geringere Temperaturen benötigen, noch weiter abzusenken, ist nach unserem jetzigen Erkenntnisstand auch unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit der Rohstoffe für Bleich- und Desinfektionsstoffe, einfach nicht sinnvoll. Unser Bestreben ist, eine Chemie anzubieten, die bei niedrigeren Temperaturen mindestens genauso wirksam ist wie bei Hochtemperaturen. Wir sparen beim Thema Temperatur dort, wo es sinnvoll ist. Wir bieten Verfahren an, die auch beim Thema Wasser erhebliche Einsparungen erzielen.

Dr. Seiter: Es gibt bei dieser ganzen Betrachtung eine Ausnahme: Oberbekleidung aus Altenheimen. Die Problematik mit der Empfindlichkeit der Textilien aber auch mit der Verkeimung ist bekannt. Bei der Oberbekleidung aus Altenheimen muss man einen Kompromiss eingehen und auch empfindliche Teile öfter desinfizierend waschen. Und dies macht man bei 40°C.

Wenn wir über das Thema Wasser- und Energiesparen in Wäschereien sprechen, gibt es sinnvolle und kluge Ansätze, die einige Betriebe realisiert haben. Zum Beispiel Larosé in Nonnweiler. Dieser Betrieb kommt auf einen Gesamtverbrauch von im Schnitt sechs Litern Wasser je Kilogramm Wäsche. Das ist ein sensationeller Wert, wenn man berücksichtigt, dass hier eine beachtliche Menge von stark verschmutzter Berufskleidung gewaschen wird. Genauso wie der Energiebedarf inklusive Waschen, Trocknen etc. nur 0,8 kWh für das Kilogramm Wäsche beträgt. Aber es gibt auch Sparansätze, die unvernünftig werden. Zum Beispiel wenn Betriebe Energie einsparen, aber die eingesparte Energie später nicht sinnvoll einsetzen können. Wenn in der Waschstraße durch die zugeführte Energie die Spülzonen zu warm oder die Einwaschzone zu heiß wird, dann muss man einfach feststellen, das Ganze macht keinen Sinn. Deshalb braucht man grundsätzlich zum Energiesparen ein Konzept. Aus diesem Grund gehen unsere Techniker in die Betriebe und machen zuerst eine Bestandsaufnahme. Daraus wird ein Konzept erarbeitet. Jeder Betrieb ist anders, deswegen braucht jedes Unternehmen auch eine ganz individuelle Lösung. Und dieses Konzept wird zu einem optimalen Paket mit Dosierungstechnik, Steuerungen, Verfahrens- und Abwassertechnik geschnürt. Das ist unsere Dienstleistung. Dazu gehört dann manchmal auch, sich mit den Behörden auseinanderzusetzen, wenn zum Beispiel Abwasseranforderungen nicht erfüllt werden. Mit diesem Paket kann der Kunde seine Wäsche in einer guten Qualität zu optimalen Kosten waschen.

Zeck: Wir sehen auch immer wieder, dass Betriebe, um vielleicht beim Sparen Zeichen zu setzen, viel Geld in die Hand nehmen wollen. Dabei gäbe es bei ihnen Einsparpotentiale, die sie mit geringem Aufwand beziehungsweise einfachen Maßnahmen realisieren könnten. Zum Beispiel, dass man darauf achtet, die Maschinen optimal auszulasten oder die Wäsche in einem sinnvollen Rhythmus in die Waschstraße gibt, also nicht ständig die Wäschearten wechselt. Es geht weiter mit einer Verfahrenstechnik und guten Waschmitteln, die im Prinzip ohne Zusatzkos­ten merkliche Einsparungen ermöglichen. Wir denken bei der Erstellung eines Konzeptes für den Kunden also nicht nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben. Nur wenn dieses Konzept, in dem wir unser Know-how, unsere Erfahrungen einbringen, sinnvoll alle relevanten Faktoren und Bedingungen berücksichtigt, nur dann rechnet sich für den Betrieb das Investment.

WRP: Ist denn in deutschen Wäschereien in dieser Hinsicht noch viel Potential? Oder anders gefragt: Arbeiten die Betriebe hierzulande unter dem Aspekt der Energieeffizienz schon optimal?

Dr. Eigen: Das hängt ein bisschen mit der Größe der Wäscherei zusammen. Die großen Konzernunternehmen und auch Betriebe, die in Verbünden organisiert sind, beschäftigen oft Teams, deren Spezialisten sich bei diesem Thema bestens auskennen. Dort wird im Bereich der Energieeffizienz schon viel gemacht. Es gibt aber auch noch Betriebe in Deutschland, die in diesem Bereich noch viel aufholen können.

Dr. Seiter: Grundsätzlich ist das Niveau bei den Energie- und Wasserverbräuchen sowie der Effizienz hierzulande hoch, wenn es im interna­tionalen Vergleich betrachtet wird. Je weiter man nach Osten schaut, umso weniger Bedeutung besitzt dieses Thema. Dies hat unterschiedlichste Gründe, die zum Beispiel in der Historie liegen. Für Wasser und Energie mussten Betriebe gar nichts beziehungsweise nur sehr wenig zahlen. Sparen war nicht notwendig. Es heute erfolgreich umzusetzen, ist deshalb nicht einfach, weil es keine Tradition für ein solches Denken gibt.

WRP: In den letzten beiden Jahren waren viele Branchen durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gebeutelt. Wie hat Kreussler das letzte Geschäftsjahr erlebt?

Dr. Eigen: Kreussler Textilchemie hat 2009 einen Umsatz von 17 Millionen Euro erreicht. Der Absatz von unseren Produkten steigert sich kontinuierlich, auch im letzten Jahr sind wir in Deutschland gewachsen. Der Export stagnierte ein wenig aufgrund der Finanzkrise. Aber unsere Internationalität hilft uns dabei, Schwächen in einem Land durch Wachstum in anderen Märkten zu kompensieren. Deutschland ist mit 40 Prozent Umsatzanteil unser wichtigster Markt. Dann folgen Frankreich, Österreich, Russland, USA, Großbritannien. Rund 75 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland machen wir mit dem Wäschereigeschäft. Beim Export sind die Zahlen ganz ähnlich.

Unser erfolgreiches Wachstum stellt uns hier am Standort Wiesbaden logistisch vor neue Herausforderungen. In diesem Jahr haben wir die Flüssigproduktion umgebaut, weitere Planungen stehen an. Für nächstes Jahr die Pulverproduktion und später das Lager. Flüssigprodukte machen einen Großteil unserer Produktion aus, deshalb war es wichtig hier erst einmal die Priorität zu setzen.

WRP: Kreussler hat sowohl Pulver- als auch Flüssigprodukte im Portfolio. Was verkauft sich besser und welche Vorteile bietet ein Flüssig- gegenüber einem Pulverprodukt?

Dr. Eigen: Kreussler verkauft deutlich mehr Flüssigprodukte als Pulver, das Verhältnis ist etwa 3 zu 1. In der Vergangenheit favorisierten die Wäschereien das Pulver. Man sagte den Flüssigprodukten immer nach, dass sie viel Wasser enthalten würden. Und viele Wäscher glaubten, sie würden auch das Wasser im Produkt bezahlen müssen. Dies ist natürlich nicht richtig. Flüssigwaschmittel haben einen großen Vorteil: Sie lassen sich exakt dosieren. Ein IBC-Container mit Derval Power enthält 1.300 Kilogramm Produkt. Man muss cirka fünf Gramm Produkt auf ein Kilogramm Wäsche dosieren. Das reicht also für rund 260 Tonnen Wäsche. Man kann sich leicht ausrechnen, wie viel Sack Pulverwaschmittel in die Stammlauge gefüllt oder über den Pulverdosierer laufen muss, um die gleiche Wäschemenge sauber waschen zu können. Und beim Pulverprodukt entsteht Dreck und jede Menge Verpackungsabfall. In dieser Beziehung ist ein Flüssig- einem Pulverwaschmittel überlegen. Übrigens haben wir seit der Texcare 2008 ein Flüssigwaschmittel im Sortiment, das genauso konzentriert wie unser höchstkonzentriertes Pulverwaschmittel ist. Und dieses Pulverwaschmittel ist eines der höchstkonzentriertesten im Markt.

WRP: In den letzten Jahren wurden REACH und weitere Regelungen auf den Weg gebracht, die die Arbeit für die Chemieindustrie nicht einfacher machen. Was bedeutet dies für Kreussler?

Dr. Eigen: Ein Beispiel: Kreussler liefert nicht nur nach Deutschland sondern weltweit. Wir haben zwar eine EU, aber trotzdem werden Richtlinien in jedem Land anders umgesetzt. Exportländer haben deshalb ihre eigenen Gesetzgebungen und Anmeldungen. Es ist gar nicht so einfach, Rezepturen zu finden, die den Anforderungen in den verschiedenen Ländern gerecht werden. Dies ist ein immens großer organisatorischer Aufwand. Man muss zum Beispiel jeden einzelnen Rohstoff anschauen und prüfen, ob man diesen in einem Produkt auch in Japan, Neuseeland, Kanada oder auch hier in der EU einsetzen kann. So ist es möglich, dass ein bestimmter Rohstoff von einem Lieferanten zwar in der EU aber nicht in den USA verwendet werden darf. Einfach, weil dieser Lieferant seinen Rohstoff in den USA nicht angemeldet hat.

Dr. Seiter: In den letzten 10, 15 Jahren hat sich einiges verschärft. Es sind kompliziertere Regularien zu befolgen, vor allem weil sie selten gut harmonisiert sind. Dies gilt nicht nur innerhalb von Europa, im außereuropäischen Raum wird es sogar noch deutlich komplizierter. Das stellt hohe Anforderungen an uns und geht weit über das Know-how von Waschmitteln hinaus.

Dr. Eigen: Und es wird in Zukunft nicht einfacher werden. REACH macht uns dabei relativ wenig Kopfzerbrechen. Aber internationale Regelungen wie CLP* bereiten uns im Lagerwesen viel Arbeit. Zum Beispiel sind die neuen Gefahrstoffetiketten nicht nur größer als die alten. Auf ihnen müssen auch die entsprechenden Gefahrstoffsymbole abgedruckt und in der jeweiligen Landessprache erläutert sein. Kreussler hat cirka 430 Artikel und rund 80 Produkte, und für jeden Artikel die Deklarierung in der richtigen Sprache an den richtigen Ort zu bringen – dies ist eine Herausforderung.

Ähnlich herausfordernd ist die Biozid-Richtlinie. Sie ist in der EU noch eine Richtlinie und keine Verordnung. Aber jedes Land setzt diese Richtlinie national in ein eigenes Gesetz um. Deshalb muss Kreussler jedes Biozid in jedem Land einzeln anmelden. Und immer ist dies mit Kosten verbunden. Deshalb muss man wirklich genau überlegen, ob man zum Beispiel für Luxemburg eine Biozid-Anmeldung tätigt. Eine EU-weite Verordnung wäre deshalb für uns wünschenswert.

Dr. Seiter: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine solche EU-Verordnung in naher Zukunft geben wird. Innerhalb von Europa sind die einzelnen Staaten einfach zu individuell, deshalb werden lokale beziehungsweise nationale Lösungen wahrscheinlich. Als Anbieter innerhalb Europas haben wir eine Menge Dinge zu beachten, die letztlich immer Kosten erzeugen. Und diese Kosten kann man nur sehr schwer an seine Kunden weitergeben.

WRP: Wenn wir ein bisschen in die Zukunft blicken: Wo möchte Kreussler in fünf Jahren stehen? Was sind die Ziele?

Dr. Eigen: Unsere Ambition ist, immer Innovationsführer im Markt zu sein. Dies wollen wir natürlich auch in Zukunft leisten. Sicherlich wollen wir auch weiter wachsen – und zwar in allen drei Märkten, die Kreussler mit seinen Lösungen bedient. Wenn ein Unternehmen das nicht tut, droht das Risiko, irgendwann übernommen zu werden. Wir werden auch zukünftig versuchen, unsere Philosophie des Waschens zudem in anderen Ländern zu verbreiten. Dabei stößt man manchmal auf Barrieren – einfach weil in anderen Märkten eine andere Sicht des Waschens vorherrscht, manchmal profitieren wir auch davon, weil wir etwas Neues lernen.

Interview aus WRP 11-2010