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CHT R. Beitlich Textilpflege

„In Deutschland besteht für die CHT noch enormes Wachstumspotenzial“

Mit innovativen und angepassten Lösungen, einem professionellen Service und Zusatzleistungen wie Abwasser- sowie Fleck- und Schadensfallanalysen punktet die Textilpflege-Sparte der Firma CHT R. Beitlich in einem hart umkämpften Markt für Waschchemie. „Der Kunde steht in unserem Denken und Handeln im Fokus“, sagt Prince Charles Stevens, Leiter der Geschäftseinheit Textilpflege im Unternehmen, im Interview des Monats. Vom Konzept ist er überzeugt: „Aus unserer Sicht besteht für die CHT noch ein enormes Wachstumspotential in Deutschland“.

Prince Charles Stevens
Prince Charles Stevens, 1961 in Stuttgart geboren, leitet bei CHT R. Beitlich als Handlungsbevollmächtigter die Geschäftseinheit Textilpflege. P.C. Stevens ist staatlich geprüfter Textiltechniker und war insgesamt 14 Jahre in Produktionsbetrieben der Textilindustrie beschäftigt, unter anderem fünf Jahre als Betriebsleiter bei der Firma Kufner in Hohenbrunn, einem renommierten Textilveredlungsunternehmen. 1991 trat Stevens in den Außendienst der CHT R. Beitlich GmbH ein für den Vertrieb von Textilveredlungschemikalien. P.C. Stevens hat innerhalb der CHT die Geschäftseinheit Textilpflege aufgebaut und blickt inzwischen auf 22 erfolgreiche Jahre der Vertriebserfahrung zurück. Seit nunmehr 36 Jahren beschäftigt sich P. C. Stevens mit der Kombination von Textil und Chemie und kann natürlich auf beiden Gebieten auf unschätzbare Erfahrungen zurückblicken.
Unsere Mitarbeiter sind absolute Profis und auch ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Weg, den die CHT in den letzten Jahren gehen konnte.
WRP: Gerade ist das Geschäftsjahr 2012 zu Ende gegangen. Ist man bei CHT zufrieden mit dem Ergebnis?

Prince Charles Stevens: Wir sind mit dem Geschäftsjahr 2012 sehr zufrieden, denn wir erzielten mit circa 361 Millionen Euro den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte. Zwar sind für das Geschäftsfeld Textilpflege noch nicht alle Zahlen zusammen. Aber schon jetzt können wir sagen, dass all unsere Ziele wieder einmal deutlich übertroffen wurden. Wir werden ein Umsatzplus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr erreichen, und vor allem wird auch das Ergebnis wieder stimmen. Darauf sind wir schon ein bisschen stolz.

WRP: Die Waschchemie-Lieferanten bewegen sich in einem deutschen Markt mit nur begrenztem Wachstumspotenzial. Wie kann CHT in diesem Umfeld bestehen? Was sind die Erfolgsfaktoren?

Stevens: Aus unserer Sicht besteht in Deutschland für die CHT noch enormes Wachstumspotenzial. Die Erfolgsfaktoren für CHT in diesem Markt liegen auf der Hand. Unsere Kunden stehen im Fokus von unserem Denken und Handeln. Wir entwickeln für sie regelmäßig ganz individuelle und spezifische Lösungen, um ihre Wünsche zu erfüllen. Wir haben ein professionelles Serviceteam mit exzellent ausgebildeten Mitarbeitern, die genau wissen, worauf es ankommt. Sie sind absolute Profis und auch ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Weg, den die CHT in den letzten Jahren gehen konnte.

Das Unternehmen hat eine über 60 Jahre lange Erfahrung, die jede einzelne Prozessstufe der textilen Garnerzeugung und Veredlung inklusive Farbstoffe integriert. Wir bieten Waschverfahren nach RKI-Vorgaben an, die für sämtliche Anforderungen der Kunden das Optimum darstellen – sei es für das Waschen bei 40, 60 oder 80° C. Durch unser leistungsstarkes textiltechnologisches Laboratorium sind wir in der Lage, für unsere Kunden regelmäßige Qualitätskontrollen der Textilien durchzuführen, um somit stichprobenartig die angegebenen Qualitätsnormen zu überprüfen.
Wir entwickeln innovative Produkte und Lösungen. Zum Beispiel ist es mit unserem neuen Waschverfahren Smart Protection mit einer Waschtemperatur von 80° C möglich, mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu waschen. Der Wäscher kann ‚High performance line‘ wählen – hier liegt der Schwerpunkt auf einer Wäsche mit geringster Nachwaschquote und höchstem Weißgrad. Bei ‚Green line‘ steht die Ökologie neben einer guten Waschperformance im Vordergrund. Und bei Derma-line schließlich steht der Fokus auf absoluter Hautverträglichkeit mit dermatologisch getesteten Produkten bei guter Waschleistung.

Die CHT ist hinsichtlich Abwasseranalytik akkreditiert. So sind wir in der Lage, durch unsere Abteilung Umweltanalytik für unsere Kunden akkreditierte Abwasseranalysen durchzuführen. Unsere Kunden können uns entsprechende Abwasserproben schicken oder wir ziehen diese vor Ort. Grundsätzlich gewinnt diese Dienstleistung zunehmend an Bedeutung. Die Abwasseranalytik ist für unsere Kunden kostenfrei, es ist ein zusätzliches Angebot. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist unser Service für die so genannte Fleckenanalyse von Wäschestücken. Dafür steht unseren Kunden unsere Zentralanalytik zur Verfügung. Dort wird nicht nur geprüft, um welche Art von Verfleckung es sich handelt und wie man diese beseitigt, sondern man stellt auch fest, woher diese Verfleckungen stammen können, damit der Kunde entsprechende präventive Maßnahmen treffen kann. Ergänzt wird dieser Service durch eine Schadensfallanalyse.

Aktuell erarbeiten wir zusammen mit einem Kunden in einem Pilotprojekt ein so genanntes Prozesssicherungsmanagement. Das Ziel ist, die einzelnen Prozesse in der Wäscherei so abzusichern, dass ein Optimum an Produktionsleistung erzielt wird. Wir werden dieses Konzept demnächst ausführlich vorstellen. Wir können aber schon jetzt verraten, dass dieses Prozesssicherungsmanagement zukünftig individuell auf jeden Kunden angepasst werden kann, es also keine Allroundlösung wird.

Sie sehen, die CHT bietet seinen Kunden ein umfangreiches Angebot. Aktuell gibt es nach meinem Kenntnisstand kein zweites Unternehmen am Markt, dass zum Beispiel sowohl akkreditiert Abwasseranalysen als auch Flecken- und Schadensfallanalysen leistet – beides mit dem entsprechenden Know-how im Haus.

So viel zu den Fragen nach den Erfolgsfaktoren und wie sich die CHT vom Wettbewerb differenziert. Ich denke, man muss sich als Hersteller und Lieferant regelmäßig die Frage stellen: Welche Gründe hat ein Kunde, bei uns zu kaufen? Die CHT Textilpflege liefert ihm eine Reihe von Argumenten. Unser Ergebnis und die überaus positive Marktresonanz bestätigen uns, dass wir in der Summe sehr viel richtig machen.

WRP: Sie erwähnten eben das neue Waschverfahren Smart Protection. Wie funktioniert dieses Verfahren?

Stevens: Mit Smart Protection gehen wir explizit auf die Wünsche der Kunden ein. Grundsätzlich versuchen wir, Waschverfahren in den Markt zu bringen, die ein Höchstmaß an Flexibilität bieten. Das Smart Protection Waschverfahren bei 80°C ist Bestandteil des Smartec-Systems, das auf dem Grundgedanken basiert, beim Waschen nur soviel Chemie einzusetzen, wie wirklich benötigt wird. Möglich wird dies unter anderem durch unsere leistungsfähige Smartec-Dosiertechnik. Smart Protection bei 80° C umfasst unsere Standardprodukte. Je nach Bedarf kann der Kunde beziehungsweise die Software Produkte hinzu- oder wegschalten. Man kann sich das Verfahren als ein Baukastensystem vorstellen, mit dem man auf Knopfdruck die für die aktuelle Anforderung optimale Lösung auswählen kann: Sauberste Wäsche mit höchstem Weißgrad und geringster Nachwaschquote. Oder ein Programm, das die ökologischen Aspekte dank umweltverträglicher Produkte, zum Teil auf nachwachsender Rohstoffbasis, besonders berücksichtigt oder eines, das absolute Hautverträglichkeit in den Vordergrund stellt.

Praktisch kann man mit Smart Protection bei 80° C so variabel wie auf einem Klavier jede Melodie spielen. Theoretisch könnte ein Wäscher dann auch mit allen drei Schwerpunkten waschen. Smart Protection bei 80° C haben wir auf der Texcare International im letzten Jahr in Frankfurt vorgestellt. Das Verfahren entspricht den RKI-Richtlinien.

WRP: In welchen Ländern ist CHT mit seinen Textilpflege-Produkten aktiv? Welche Bedeutung hat dabei der deutsche Markt?

Stevens: Deutschland ist und bleibt unser Fokusmarkt. Auch sehr erfolgreich sind wir mit unseren Textilpflege-Angeboten in Spanien, Großbritannien, Brasilien, Schweiz, Österreich und in verschiedenen osteuropäischen Staaten. Unsere Auslandsaktivitäten sind sehr gezielt und unsere Strategie ist klar definiert. Mit 22 Tochtergesellschaften weltweit sind wir exzellent aufgestellt. Das heißt, ein Rollout unserer Produkte und Dienstleistungen auch in weitere Märkte ist jeder Zeit möglich. Doch wie die Schwaben so sind, wir bereiten solche Aktionen sehr sorgfältig vor.

WRP: In den letzten Jahren waren die Waschchemie-Hersteller und -Lieferanten mit stark steigenden Rohstoffpreisen konfrontiert worden. Gleichzeitig konnte die Industrie die Kostensteigerungen nicht an die Kunden weitergeben. Noch immer hat sich die Situation nicht entspannt. Wie hat CHT diese Entwicklung erlebt und gemeistert?

Stevens: In der Tat sind die Rohstoffpreise in den letzten Jahren zum Teil dramatisch gestiegen. Noch immer ist die Situation schwierig, die Preise sind nach wie vor auf einem hohen Niveau. Wir haben die gestiegenen Rohstoffkosten nur teilweise weitergeben können. Aber es ist nicht unsere Art, öffentlich über gestiegene Kosten zu jammern, sondern nach Lösungen zu suchen. Ich denke, man muss sich auf das Wesentliche konzentrieren und nicht mit Angeboten in Bereichen Geld vernichten, die nicht zur Kernkompetenz eines Waschchemielieferanten gehören. Zum Beispiel mit diversen Anlagen für die Energierückgewinnung. Wobei das nicht heißen soll, dass wir uns nicht mit dem Thema Energierückgewinnung beschäftigen. Ganz im Gegenteil. Wir recherchieren für unsere Kunden am Markt und nennen ihnen entsprechende Hersteller die das Know-how dafür haben – ohne dass die CHT in irgendeiner Form daran beteiligt ist. Ansonsten würde die Gefahr bestehen, dass man sich verzettelt.

In Zeiten, in denen die Rohstoffkosten so rasant steigen, trennt sich die Spreu vom Weizen. Je weniger man in Eigenproduktion fertigt, desto stärker ist man von den Lieferanten abhängig. Die CHT hat den entscheidenden Vorteil der Rückwärtsintegration, das heißt, dass wir bis auf die Basischemie zurückgreifen können. Wir haben unsere Kosten fest im Griff und verzichten auch mal auf das eine oder andere Geschäft, das für uns nicht lukrativ ist. Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern es ist unsere Aufgabe, wirtschaftlich zu agieren und Geld zu verdienen. Schließlich wollen wir die Zukunft des Unternehmens sowie unserer Mitarbeiter sichern.

WRP: Auch die Textilpflege-Betriebe stöhnen unter den drastisch gestiegenen Wasser- und Energiekosten. Was kann ein Unternehmen wie CHT leisten, damit die Textilpflegebetriebe diese Belastungen minimieren können?

Stevens: Wasser und Energie sind sicherlich sehr wichtige Themen, mit denen wir uns intern sehr intensiv beschäftigen. Fakt ist, dass man zum Waschen Wasser benötigt. Das heißt, ein zu sparsamer Einsatz kann auch das eine oder andere qualitative Problem bei der Wäsche erzeugen. Wir arbeiten eng mit verschiedenen Firmen für die Wasseraufbereitung zusammen. Das Ziel ist, dass wir mit ausreichend Wasser waschen können und der Kunde dank einer gut funktionierenden Wasseraufbereitung am Ende trotzdem Wasser spart.

Maßgeblich für den Energieeinsatz in einer Wäscherei sind auch die Waschtemperaturen. Wir bieten Verfahren an, die mit 40, 60 und 80° C Temperatur arbeiten. Dabei haben wir den Fokus ganz klar auf das 80° C-Verfahren. Die Praxis zeigt, dass ein solches 80° C-Waschverfahren in der Summe nur unwesentlich mehr Energie als ein Verfahren mit niedrigeren Temperaturen benötigt – wenn man den Gesamtenergieverbrauch einer Wäscherei betrachtet. Belegt wird dies unter anderem durch eine Langzeitanalyse, die wir beauftragt haben und die von externen Energieberatern durchgeführt wurde. Diese Analyse bestätigt, dass eine Reihe von Faktoren den Energieverbrauch einer Wäscherei bestimmen. Und man nicht pauschal sagen kann, dass ein 40° C-Waschverfahren in der Energie deutlich günstiger als ein 80° C-Verfahren ist. Bestimmend sind zum Beispiel auch der Wasserverbrauch und die Betriebslaufzeit.

Wenn man bei 80° C wäscht, kommt die Wäsche mit einer höheren Temperatur aus der Maschine. Dies hat wiederum Konsequenzen für die nachfolgenden Prozesse, zum Beispiel für die Trocknerlaufzeiten und -temperaturen. Diese können reduziert werden und das spart natürlich Energie.

WRP: Welche Trends beobachten Sie aktuell außerdem im Markt?

Stevens: Wir beobachten diverse Trends im Markt. Aber ich sehe nichts, woran man sich festhalten sollte. Die Senkung der Waschtemperaturen ist ist, wie schon erwähnt, meiner Meinung nach nicht besonders einfallsreich, weil man sich dadurch auch Nachteile einhandelt. Es gilt nun mal noch immer der Sinnersche Kreis. Wenn man die Temperatur senkt, dann muss dies zum Beispiel durch den Mehreinsatz von Chemie kompensiert werden. Passt so etwas in unsere heutige Ökologie? Das ist eine Frage, die nicht nur die CHT, sondern auch der Kunde mit beantworten muss.

Man weiß auch noch nicht ganz genau, ob sich durch konstant niedrige Waschtemperaturen zum Beispiel nicht das Problem der Verkeimung in der Waschstraße verschärft. Wir analysieren dies zur Zeit in einem Projekt: Was passiert, wenn in einer Waschstraße über einen Zeitraum von sechs Monaten kontinuierlich nur mit 40° C-Waschverfahren gewaschen wird? Wir wissen, dass sich auch hier in den Maschinen Kondensat ablagert. Außerdem sind wir auch nicht überzeugt, dass man mit Niedrigtemperatur-Waschverfahren eine absolute Qualität erreichen kann. Dennoch bieten wir solche Waschverfahren an – aber nur für Kunden, die darauf bestehen.

Viel wichtiger finde ich ist es, dass wir von Anfang an bei der Entwicklung von neuen Fasern und Veredlungen mit dabei sind. CHT liefert unter anderem die Chemie für die Garnherstellung. Dieses Know-how können wir an die Wäschereien weitergeben, es gegebenenfalls in entsprechende Lösungen umsetzen und diese sofort bei unseren Kunden implementieren. Somit haben die CHT-Kunden den Vorteil, Trends in der Garnindustrie und Veredlung sofort zu erfahren. Sie können sich damit auch einen gewissen Vorsprung verschaffen. Es ist einfach so: Wenn man weiß, wie ein Textil hergestellt wird und welche Ausrüstungen verwendet werden, dann ist die optimale Aufbereitung dieses Teils in der Wäscherei natürlich viel einfacher und sicherer.

WRP: CHT steht in der Branche für die Entwicklung individueller Lösungen für seine Kunden. Wie wird das realisiert?

Stevens: Ganz einfach, indem wir auf ein hochprofessionelles Team zurückgreifen können. Aktuell arbeitet in Tübingen eine 150-köpfige Labormannschaft, die aus Ingenieuren, Technikern und Chemisch-Technischen Assistenten besteht. Das Team sucht seinesgleichen in der Branche. Des Weiteren verfügen wir noch über ein Innovationsteam, bestehend aus acht Mitarbeitern. Das Team ist vom täglichen Geschäft freigestellt und kümmert sich ausschließlich um Innovationen. Es ist ein besonderer Luxus, den wir uns leisten. Aber ohne diese Vorleistung braucht man sich nicht wundern, wenn man letztendlich am Markt den Kunden nichts Neues bieten kann.

WRP: Mitte des Jahres veranstalten Sie für Ihre Kunden ein Symposium. Was kann man dort erwarten?

Stevens: Auf dem Symposium am 21. und 22. Juni 2013 bei unserer Tochter Bezema in Montlingen in der Schweiz dürfen unsere Kunden die Arbeitsergebnisse unserer Abteilung Forschung & Entwicklung sowie von unserem Innovationsteam erfahren. Des Weiteren haben wir für das Symposium auch Gastreferenten eingeladen, die unter anderem zu Themen in den Bereichen Wasseraufbereitung, Maschinen- und Mangeltechnik und Hygiene in der Wäscherei mit interessanten Vorträge aufwarten werden.

WRP: CHT hat für 2013 neue Einzelprodukte für Ausrüstungen angekündigt. Können Sie schon einen Ausblick geben?

Stevens: Diese Einzelprodukte sind soweit fertig und werden auf unserem Symposium in der Schweiz vorgestellt. Wir wollen jetzt noch nichts verraten. Aber es wird zum Beispiel für die Bereiche PSA sowie Hotel und Gastronomie neue Produkte geben.

Interview aus WRP 02-2013