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Heckelsberg & Wiesner

Wir sehen der Zukunft sehr optimistisch entgegen

Heckelsberg & Wiesner in Berlin ist ein unabhängiger Anbieter von kompletten Systemen für Wäscherei- und Reinigungsbetriebe sowie von Desinfektions- und Sterilisationsanlagen. In diesem Jahr feiert das Unternehmen seinen 50. Geburtstag. Wir trafen uns deshalb mit Dr.-Ing. Tobias Breithaupt, er übernahm vor fünf Jahren das Unternehmen, und Frank Heinze, er ist der alte Inhaber, um unter anderem auf 50 Jahre Heckelsberg & Wiesner zurückzublicken. Ein weiteres Thema war eine neue Partnerschaft: Heckelsberg & Wiesner bietet ab sofort auch Großwäschereitechnik von Girbau an.

Dr.-Ing. Tobias Breithaupt
Dr.-Ing. Tobias Breithaupt ist seit dem 1.  April 2005 Inhaber von Heckelsberg & Wiesner. Breithaupt, 1964 in Berlin-Reinickendorf geboren, studierte Energie- und Verfahrenstechnik an der TU Berlin. Im Jahr 1996 Promotion im Fachgebiet „Bioverfahrenstechnik“. Er arbeitete für das Bundesgesundheitsamt Berlin, weitere Stationen waren die Firma Cuss (industrielle Wasser- und Abwasseraufbereitung) in Hambühren/Celle und die Firma Purac (Abwasseraufbereitung für die Papierindustrie) in Merseburg/Leipzig. Dr.-Ing. Tobias Breithaupt ist verheiratet und zwei Töchter.
Ich denke, dass Girbau sehr gut zu uns passt. Die Großwäscherei-Produkte des Herstellers sind schon in vielen Märkten etabliert
Wir konnten durch Kundenbindung und Neukundengewinnung unsere Position am Markt behaupten und durch zuverlässige und langjährige Partnerschaften mit unseren Lieferanten größere Ausschreibungen gewinnen und erfolgreich abschließen
Grundsätzlich ist der Einsatz von Gas eine sehr spannende Geschichte. Zum Beispiel kann man durch den Einsatz von gasbeheizten Trocknern enorm sparen
WRP: Heckelsberg & Wiesner feiert in diesem Jahr sein 50jähriges Firmenjubiläum. Wer hat das Unternehmen gegründet? Welche Produkte beziehungsweise Dienstleistungen wurden damals angeboten?

Frank Heinze: Das Unternehmen wurde am 1. Mai 1960 von den Herren Heckelsberg und Wiesner in Berlin-Steglitz gegründet. In der Anfangsjahren war Heckelsberg & Wiesner eine reine Handelsvertretung für Wäschereitechnik, es gab also keine Serviceleistungen. Herr Heckelsberg ist kurz nach der Unternehmensgründung gestorben, Herr Wiesner führte das Unternehmen bis 1979. In dieser Zeit prägte er das Unternehmen natürlich entscheidend. Er nahm unter anderem den Kundendienst mit ins Angebot auf und baute später diesen Service massiv aus. Im Jahr 1979 übernahm ich die Firma, weil Herr Wiesner sich aus Altersgründen aus dem Unternehmen zurückzog. Später wurde das Produktportfolio um die Dampfversorgung erweitert, in den 1980er Jahren kamen die Bereiche Desinfektion und Sterilisation dazu.

Dr.-Ing. Tobias Breithaupt: Wenn man auf die Unternehmensgeschichte von Heckelsberg & Wiesner zurückblickt, muss man auch die politische Historie betrachten. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Westberlin, zu Zeiten der Mauer lebte man sozusagen auf einer Insel. Damals war Heckelsberg & Wiesner fast der einzige Ansprechpartner für neue Wäschereimaschinen und Service. Das führte dazu, dass zahlreiche Hersteller ihre Produkte über das Unternehmen absetzen wollten. Heckelsberg & Wiesner nahm diese Produkte auf, eine Vielzahl an unterschiedlichen Fabrikaten kam ins Sortiment, und es entstand ein wenig das Image eines Gemischtwarenladens. Mit dem Fall der Mauer änderte sich die Situation in mehrfacher Hinsicht. Es entstand ein größerer Wettbewerb durch neugegründete Firmen aus dem Umland. Auch die Situation für die ehemaligen Großbetriebe der DDR wurde schwieriger, da private Wäschereien auf den Markt gingen und das ehemals große Geschäft mit der Privatwäsche in der damaligen DDR aufgrund der nun leicht verfügbaren Waschmaschinen einbrach.

WRP: Wie hat Heckelsberg & Wiesner auf die neue Situation nach dem Fall der Mauer reagiert?

Dr. Breithaupt: Um am Markt zu bestehen, hat Heckelsberg & Wiesner die Partnerschaften mit einigen Herstellern intensiviert und mit anderen gelockert. Heute sind wir relativ konsequent dabei, dieses große Produktportfolio Schritt für Schritt zu ändern. Wir werden uns auf einige wenige Partner konzentrieren und mit dieser Spezialisierung auf bestimmte Marken unser Profil schärfen.

Während der letzten Jahre hat es sich zum Beispiel als erfolgreich herausgestellt, unserem Kunden für seine Anforderungen jeweils Maschinen von zwei verschiedenen Herstellern vorzustellen. So kann dem Kunden immer seine optimale Maschine angeboten werden. Im Bereich der kleinen Maschinen vertreiben wir Produkte der Firma Miele und alternativ die Maschinen des Herstellers Girbau. Beide haben wir als Hersteller hervorragender Produkte kennengelernt.

WRP: Welche Produkte werden heute, neben den gerade erwähnten Waschmaschinen, offeriert?

Dr. Breithaupt: Heckelsberg & Wiesner bietet neben den Waschmaschinen auch Hygienemaschinen, Frontaltrockner, Eingabemaschinen, Mangeln, Falt- und Legemaschinen, Finisher und Topper, Waschstraßen mit Hubfahrbändern, Pressen und Durchgangstrockner an. Daneben jede Art von Zubehör wie zum Beispiel Kennzeichnungsmaschinen, Gittercontainer, Wäschewagen, Wiegeeinrichtungen, Tische und Regale – wir sind nun mal ein Komplettausrüster für Wäschereien.

Im großtechnischen Waschbereich boten wir Maschinen von Lavatec – bis zur Insolvenz des Unternehmens vor einem Jahr – und alternativ von Girbau an. Die Insolvenz des Herstellers Lavatec traf uns natürlich. Wir hatten in dieser Zeit einen großen Auftrag an Lavatec erteilt, den wir mit etwas Mühe auf den Anbieter Girbau übertragen konnten. Die neue Wäscherei ging pünktlich in Betrieb. Dies war eines der ersten großen Projekte der letzten Jahre. Der Grund für die vertriebliche Zurückhaltung bei Großwäschereien liegt auch in meiner persönlichen Entwicklung in diesem Bereich: Als ich vor fünf Jahren Heckelsberg & Wiesner übernahm, war ich ein Quereinsteiger, ein Newcomer, der erst einmal lernen musste. Und in dieser Phase lernt man lieber an kleinen Projekten, als das man vielleicht mit den großen Aufträgen auf die Nase fällt. In den ersten Jahren waren deshalb Kapazitäten bis 40 Kilogramm der Marken Miele und Girbau die Größenordnungen, in denen ich mich bewegt und Fuß gefasst habe.

Die Lavatec-Insolvenz hat auch zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit Girbau im Großmaschinensegment geführt, was für uns ganz aktuell neue Perspektiven eröffnet. Denn wir werden ab sofort eine Kooperation mit Girbau im Bereich der Großwäscherei-Maschinentechnik starten. Girbau will mit wenigen weiteren namhaften Händlern aus ganz Deutschland eine Vertriebsstruktur für dieses Segment aufbauen. Ich denke, dass Girbau sehr gut zu uns passt. Die Großwäscherei-Produkte des Herstellers sind schon in vielen Märkten etabliert.

Bis vor wenigen Jahren war der deutsche Markt für Girbau im Bereich Großwäschereitechnik fast wie ein weißer Fleck auf der Karte mit den Absatzmärkten. Grundsätzlich ist Deutschland für viele Hersteller in diesem Segment ein sehr schwieriger Markt. Dies liegt zum einen an den Marktgegebenheiten, dies liegt aber auch an den hohen Ansprüchen der Wäschereien an die neue Technik. Jede Waschstraße ist zum Beispiel eigentlich ein Unikat und exakt auf die Anforderungen des Kunden zugeschnitten. Girbau wird diese Anforderungen in Zukunft noch besser bedienen können. Der Kunde darf ein Produkt erwarten, das ausgereift ist, sein Anforderungsprofil erfüllt und zu einem vernünftigen Preis geliefert wird.

Also: Wir werden unseren Kunden in Zukunft wieder die komplette Großwäschereitechnik aus einer Hand offerieren und auch den Service leisten können. Schließlich machen wir den Kundendienst für Girbau-Maschinen im kleineren Maschinensegment schon seit Jahren. Und unsere Monteure besitzen auch das notwendige Know-how für die Großmaschinentechnik, sie haben schon mit großen Anlagen verschiedener Hersteller gearbeitet. All dies passt hervorragend in die­se Zeit herein, wir können sagen: Jetzt geht es noch mal richtig los.

WRP: Welche Leistungen offeriert Heckelsberg & Wiesner heute, welche Kunden werden damit bedient?

Dr. Breithaupt: Aus der Firmengeschichte heraus sind wir vorwiegend im Bereich der Wäschereien tätig. Dabei verkaufen wir nicht nur Maschinen, sondern fühlen uns für unsere Kunden verantwortlich. Wir begleiten unsere Kunden von der ersten Inves­titionsidee bis zur Fertigstellung und darüber hinaus durch unser Serviceteam. Wir erstellen grundlegende Planungen für neue Wäschereien oder geben Richtwerte zur Erweiterungen bestehender Einrichtungen an. Unser Dienstleistungsportfolio ist umfassend. Zum Beispiel haben wir im letzten Jahr eine Wäscherei eingerichtet, die auf der grünen Wiese entstand. Ebenfalls im vergangenen Jahr haben wir einen bestehenden Betrieb erweitert, der in neue Räumlichkeiten umzog. Dort war vor allem eine logistische Leistung gefordert, damit man den Produktionsstillstand so gering wie möglich halten konnte.

Grundsätzlich unterstützen wir unsere Kunden durch individuelle Beratung vor Investitionsentscheidungen. Dies beinhaltet einerseits die an das Wäschesortiment angepasste Maschinenart und -größe, die Klärung der Energieversorgung, die Optimierung der Energie- und Wasserverbräuche und die Lage der Abwasser-, Abluft-, Dampf- und Kondensatleitungen. Weil wir selber nur in begrenztem Umfang Leitungen bauen, können wir die­se Leistungen durch bewährte Subunternehmen anbieten. Diese Unternehmen sind solide und kompetent, bauen nur hochwertige Produkte ein und geben auf die geleistete Arbeit jahrelange Garantie, was sich dann in einem etwas höheren Preis niederschlägt.

Heckelsberg & Wiesner betreut eine Vielzahl von Kunden. Für uns ist es ein Netzwerk, von dem auch unsere Kunden profitieren. Zum Beispiel haben wir einen kleineren Wäscher als Kunden, der zwar sehr viele Kunden und ein hohes Wäscheaufkommen hat, der es aber nicht schaffte, mit seiner alten Technik kostendeckend zu arbeiten. Unsere Lösung: Wir haben ihm eine Kooperation mit einem anderen kleinen Betrieb vermittelt. Dieser ist auf das Mangeln von Wäsche spezialisiert und setzt dabei sparsame Gasmaschinen ein. Dieser Spezialist übernahm das Mangeln der Wäsche. So konnte der Wäscher mehr Wäsche durchsetzen, weil das Mangeln entfiel, und die andere Firma konnte die Gasmangel noch viel besser auslasten, weil es mehr Aufträge gab. Es entstand eine Arbeitsteilung, von der alle Beteiligten profitierten.

Unsere Kunden im Wäschereibereich sind größere gewerbliche Wäscher, Justizvollzugsanstalten und Seniorenresidenzen beziehungsweise Pflegeheime und auch namhafte Hotels in Berlin, die noch über eine eigene Gästewäscherei verfügen. Recht stark sind wir im Bereich der Werkstätten für behinderte Menschen tätig. So durften wir im letzten Jahr eine neue Wäscherei der Diakonie bei Schwerin mit großen Hygiene-Waschmaschinen und mit einer Mangelstraße ausrüsten sowie einen Wäschereiumzug mit Erweiterung des Maschinenparks in Berlin realisieren.

WRP: Welche Philosophie hat Heckelsberg & Wiesner heute?

Dr. Breithaupt: Alle Produkte, die wir vertreiben, bieten wir mit einem guten Gewissen an. Wir haben durch langjährige positive Erfahrungen, Besuche der Produktionsstätten und intensive Kontakte zu den Vertretern der Hersteller Vertrauen in die Firmen und ihre Produkte gewonnen. Wir erklären unseren Kunden, warum wir welche Maschine empfehlen und welche Alternativen bestehen – auch Lösungen außerhalb unseres eigentlichen Lieferspektrums. Unser Ziel ist es, unsere Kunden zu stärken, da nur starke, effizient arbeitende Kunden dauerhaft eine Überlebens­chance haben.

Das schnelle Geld mit den billig erscheinenden Einmalgeschäften überlassen wir gerne anderen. Der Vertrieb nur über einen durch niedrige Qualität bedingten niedrigen Preis rächt sich spätestens bei der nächsten Kaufentscheidung des Kunden. Ein Unternehmen, das wie wir in Jahrzehnten denkt, ist nicht an schnellen Geschäften interessiert, sondern an langjährigen, verlässlichen Partnern – sowohl auf der Kunden- als auch auf der Lieferantenseite. Wir verstehen uns als ehrlicher Makler zwischen Hersteller und Verbraucher, damit wir auch in zehn oder zwanzig Jahren erhobenen Hauptes vor unsere Partner treten können. Unser Motto ist: Das, was wir verkaufen, wollen wir auch betreuen können.

WRP: Wenn man auf eine 50jährige Unternehmensgeschichte zurückblickt, dann ist dies auch die Zeit für eine Bilanz. Sind sie zufrieden mit der Entwicklung des Unternehmens?

Heinze: Trotz der zu DDR-Zeiten herrschenden Inselsituation des Unternehmens in Westberlin war Heckelsberg & Wiesner seit der Gründung eine erfolgreiche Firma. Schon in den 1970er Jahren unterhielt das Unternehmen starke Geschäftsverbindungen nach Russland. In den 1980er Jahren ist Heckelsberg & Wiesner auch massiv in die DDR gegangen und hat dort viele Betriebe sowie kirchliche Einrichtungen ausgestattet. Und in den Jahren nach der Wende war Heckelsberg & Wiesner ein gefragter Ansprechpartner mit sehr hohen Umsätzen.

Dr. Breithaupt: Die Entwicklung eines Unternehmens ist auch immer ein Spiegelbild der Umstände bei der Kundschaft. Man muss unterscheiden zwischen den Geschäftsfeldern des Neumaschinenverkaufs und des Services. Schlechte Jahre für die Kunden sind schlechte Jahre für das Neumaschinengeschäft. Aber sie bedeuten erhöhte Anforderungen an unser Servicepersonal, da eigentlich betriebsmüde Maschinen am Leben erhalten werden müssen. Aber irgendwann geht das nicht mehr und dann wird investiert. Oft stellt sich dabei die Frage nach Finanzierungen. Hier bieten wir die interne Finanzierung im Sinne eines Ratenkaufs oder die Vermittlung von Leasingpartnern, die sich im Metier auskennen und wissen, worauf es in den Firmen ankommt. Gute Jahre für die Kundschaft gab es in letzter Zeit leider selten. Es genügt auch nicht ein gutes Jahr, um mittlere Unternehmen zu größeren Investitionen zu bewegen. Es muss Sicherheit durch verlässliche Partnerschaften aufgebaut werden. Dies gilt für unsere Kunden sowohl in Beziehung zu ihren Kunden, aber auch in Bezug zu uns als dem zuverlässigen und kulanten Service- und Vertriebspartner.

Um es klar zu sagen: Vor sechs Jahren, als ich Heckelsberg & Wiesner kennen lernte, war ich nicht davon überzeugt, mit dieser sehr speziellen Materie meinen Unterhalt verdienen zu können. Inzwischen aber weiß ich, dass man mit guten Angeboten, ausgebildetem Personal, Freundlichkeit, Kulanz und Zuverlässigkeit am Markt bestehen kann. Wir konnten durch Kundenbindung und Neukundengewinnung unsere Position am Markt behaupten und durch vertrauensvolle und langjährige Partnerschaften mit unseren Lieferanten größere Ausschreibungen gewinnen und erfolgreich abschließen. Wir stehen jetzt auf soliden eigenen Füßen, und unsere langjährige Arbeit trägt Früchte.

Als ich anfing, war ich für die Banken ein Existenzgründer und wurde auch entsprechend behandelt. Die letzten Jahre haben den Banken aber gezeigt, es geht voran. Wir konnten in diesem Zeitraum den Umsatz um 40 Prozent steigern, ohne unsere Preise anzuheben. Dies bedeutet eine Menge mehr Arbeit im Büro, bei den Monteurleistungen und Maschinenlieferungen. Auch die Maschinen, die wir liefern, werden von Jahr zu Jahr größer. Zum Beispiel haben wir im letzten Jahr Trennwandmaschinen mit Kapazitäten von 84 Kilogramm verkauft und aufgestellt.

WRP: Sie erwähnten, dass Heckelsberg & Wiesner in den letzten fünf Jahren ein Umsatzplus von 40 Prozent realisieren konnte. In welchen Segmenten wurde dies erreicht?

Dr. Breithaupt: Das Umsatzwachstum ist insbesondere auf das Marktsegment der kleinen und mittleren Wäschereien bis zu einer Kapazität von 3.000 Kilogramm am Tag zurückzuführen.

Die Umsatzspitzen bringen natürlich die großen Projekte. Und diese Projekte werden bei uns von Jahr zu Jahr größer. Das Umsatzwachstum dokumentiert auch, dass wir in der Lage sind, solche großen Projekte durchzuführen und zusammen mit den Banken das Geschäft zu managen. Wir haben heute ein gutes Standing im Markt, bei den Herstellern und bei den Banken. Die großen Projekte sind für uns natürlich auch für die Außenwirkung ganz wichtig. Und deshalb passt uns die neue Kooperation mit Girbau im Großbereich ganz hervorragend.

Heinze: Ich möchte dazu noch eine Anmerkung machen, die für dieses Geschäft ungeheuer wichtig ist. Heckelsberg & Wiesner ist die Verbindung zwischen dem Wäscher und dem Hersteller, der manchmal nur Waschmaschinen oder Trockner produziert. Die Maschinentechnik hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt, deswegen muss man an viele Fragen mit einer ingenieurwissenschaftlichen Kompetenz herangehen können. Wir rechnen dem Wäscher ganz genau vor, dass zum Beispiel dieses bestimmte Dampfkesselmodell am besten zu seiner Anlage oder diese Mangelstraße optimal in seinen Produktionsablauf passt. Unsere Erfahrungen sind, dass Hersteller dies oft nicht leisten können. Sie sind Spezialisten für ihre Technik, haben aber weniger mit dem Ablauf in der Wäscherei zu tun. Kunden, die verstanden haben, dass wir dies leisten, schätzen uns und sind uns treu.

WRP: Heckelsberg & Wiesner bietet auch Desinfektions- und Sterilisationsanlagen an. Wo werden diese Anlagen eingesetzt? Welche Bedeutung hat dieser Bereich für das Unternehmen?

Dr. Breithaupt: Es ist erstaunlich, welchen Wandel der Umgang mit der Desinfektionstechnik in Deutschland gemacht hat. Früher wurden in Krankenhäusern Betten und Matratzen maschinell und somit zuverlässig durch Wasser, Waschmittel und Wärme desinfiziert. Heute kommt diese hervorragende und sichere Technik kaum noch zum Einsatz, da die sogenannte Wischdesinfektion angeblich genauso gut ist. Das ist meines Erachtens nicht richtig. Die Wischdesinfektion ist billiger, weil schneller, aber wir haben nicht umsonst immer mehr problematische Keime in den Krankenhäusern. Diese Keime sind gegen jegliche Form der chemischen Waffe unempfindlich geworden. Der verstärkte Einsatz chemischer Substanzen im Kampf gegen die sich rasend schnell ausbreitenden und damit auch genetisch mutierenden Bakterien und Viren ist auf mittlere Sicht nicht zu gewinnen. Der ausgeübte Selektionsdruck fördert die Vermehrung und Ausbreitung wirklich gefährlicher Viren und Bakterien, nämlich der Stämme, gegen die kein Kraut gewachsen ist, beziehungsweise die jedes bisher erfundene Medikament unbeeindruckt lässt.

Die von Heckelsberg & Wiesner vertriebenen Desinfektions-Anlagen arbeiten mit Chemikalien und Dampf. Gegen die gleichzeitige Behandlung kann sich kein Organismus wehren und Resis­tenzen ausbilden, so dass derartige Maschinen ihre Desinfek­tionsaufgabe auch in 100 Jahren noch mit der gleichen Gründlichkeit sicherstellen würden wie heute.

Daraus resultiert, dass wir diese Maschinen in Deutschland kaum absetzen. Aber im Ausland, speziell in Dänemark, wird die­se Technik sehr gut angenommen. Mittlerweile haben wir dort sechs Anlagen aufgestellt.

Das Geschäftsfeld Sterilisation ist ebenfalls sehr umkämpft. Wir haben uns auf den Bereich der Aufbereitung von thermolabilen Gütern wie zum Beispiel Endoskope durch den Einsatz von Ethylenoxid-Sterilisationen mit niedriger Wirkstoffkonzentration spezialisiert. Hierfür gibt es nur wenige potentielle Kunden, aber auch nur sehr wenige Hersteller, die mit uns eine sehr gute Kooperation pflegen.

Der Bereich der Kleindesinfek­tionsgeräte, sei es mittels Dampf oder Heißluft, ist für uns weniger wichtig. Diese Geräte sind in Arztpraxen und ähnlichen Einrichtungen zu finden, sie gehören nicht zu unserem klassischen Kundenkreis.

WRP: Ein großes Thema in der Branche ist das Energiesparen. Wie hilft Heckelsberg & Wiesner seinen Kunden bei diesem Thema?

Dr. Breithaupt: Energie und auch Wasser sind in den letzten Jahren drastisch teurer geworden. Um so wichtiger sind Lösungen im Bereich des effizienten Energie- und Wassermanagements. Natürlich reagieren auch die Maschinenhersteller mit Konzepten wie der Grünen Wäscherei oder der dampflosen Wäscherei auf diese Entwicklung.

Heute helfen den Betrieben zum Beispiel Anlagen zur Wasser-, Abwasser- und Wärmerückgewinnung sowie Wärmerückgewinnung aus der Abluft Kosten zu sparen. All diese Lösungen bekommt man aber nicht aus einer Hand. Unsere Aufgabe besteht darin zu wissen, welche Hersteller in diesem Bereich Lösungen anbieten und wo ihre Kernkompetenzen sind. Aus diesem Wissen entwickeln wir für unseren Kunden seine optimale Lösung. Dabei prüfen wir sehr sorgfältig und gewissenhaft, denn eine für den Kunden unbefriedigende Lösung fällt nicht auf den Hersteller, sondern auf uns zurück.

WRP: Wenn ein Kunde mit seiner Strom- oder Wasserrechnung zu ihnen kommt und sagt, dass das so auf Dauer nicht mehr weitergehen kann, wie läuft ein solches Projekt? Gibt es – je nach Geldbeutel – kleine und große Lösungen?

Dr. Breithaupt: Natürlich können wir unseren Kunden, abhängig vom Investitionsvolumen, verschiedene Alternativen anbieten. Eine kleine Lösung bedeutet, dass der Betriebsinhaber, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, keine neue Maschinen kaufen muss. Zum Beispiel kann man seine elektrisch beheizten Maschinen mit Heißwasser beschicken. So könnte man über einen direkt mit Gas oder Öl befeuerten Brenner Heißwasser mit 60, 70 oder 80°C Temperatur herstellen und das den Maschinen zuführen. Für diese Lösung braucht man also einen Brenner, das Warmwasserreservoir und die Leitungen zu den Waschmaschinen. Gespart wird dadurch, dass man keine Elektroenergie zum Aufheizen benötigt und sich die Maschinen in dieser Zeit auch nicht drehen müssen. Auch das kostet schließlich Energie.

Eine große Lösung bedeutet für den Kunden entsprechende Investitionen in neue und moderne Maschinentechnik. Grundsätzlich muss man beim Thema Energiesparen berücksichtigen, dass der Energieaufwand zum Beispiel für das Waschen nur ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs im Betrieb ausmacht. Wenn wir an dieser Ein-Drittel-Schraube drehen und die Hälfte einsparen können, spart man also ein Sechstel Energie im gesamten Betrieb. Dies ist ohne Zweifel ein großes Plus. Aber viel interessanter sind die Bereiche, in denen die wahren Energiefresser stehen. Und dies sind die Trockner und die Mangeln. Was kann man hier unternehmen? Auch hier müssen zuerst die Bedingungen betrachtet werden: Kann man zum Beispiel von Elektroenergie auf Gas umrüsten? Oder ist eine Neuinvestition angedacht? Wenn ja, dann sollte man in gasbeheizte Trockner oder Mangeln investieren. Denn durch die Direktbefeuerung entstehen keine Verluste, es werden Energie und Zeit gespart.

Wenn man seinen Betrieb optimieren möchte, kann das natürlich schon im Kleinen passieren: Man kann zum Beispiel darauf achten, dass die Maschinen immer optimal ausgelastet sind. Man kann die Energieversorgung der Waschmaschinen, der Mangeln und der Trockner unter die Lupe nehmen. Man kann die Wärmekreisläufe im Betrieb schließen und die energiereiche Abluft der Mangel nutzen. Oder man betrachtet zum Beispiel die Chemie: Muss man noch bei 95°C waschen? Schließlich gibt es RKI-gelistete Verfahren, die mit 40°C Waschtemperatur auskommen. Den Betriebsinhaber auf diese Möglichkeiten aufmerksam zu machen und passende Lösungen anzubieten, dies ist Teil unserer Beratung.

Heinze: Grundsätzlich ist der Einsatz von Gas eine sehr spannende Geschichte. Zum Beispiel kann man durch den Einsatz von gasbeheizten Trocknern enorm sparen. Wir haben Kunden, die damit bis zu 30 Prozent Energie einsparen. Dies ist natürlich ein wesentlicher Faktor, wenn man 20 Tonnen Wäsche am Tag bearbeitet. Das Ganze funktioniert übrigens nicht nur mit Erdgas. Wir haben auch Kunden, die ihre Gastrockner mit Flüssiggas betreiben und sich dafür Flüssiggastanks installieren ließen.

WRP: Heckelsberg & Wiesner betreut eine Vielzahl von Kunden in der Branche. Welche Trends be­obachten Sie im Markt?

Dr. Breithaupt: Eine Vielzahl von Hotel-, Krankenhaus- und Altenheimpflegewäschereien mussten in der Vergangenheit schließen, weil ihre Wäsche outgesourct wurde. Dann merkten die Betreiber, dass die Flachwäsche zwar problemlos extern gepflegt werden kann, aber zum Beispiel ihre Bewohnerwäsche aus den Pflegeheimen eine schwierigere Aufgabe für den Dienstleister ist. Aufgrund dieser systembedingten Schwierigkeiten in der externen Bearbeitung kann ich mir eine Entwicklung – zumindest für bestimmte Anforderungen – wieder in die andere Richtung vorstellen, also dass wieder mehr im Hotel, im Krankenhaus und im Pflegeheim gewaschen wird.

Heinze: Auch wenn heute große Krankenhaus-Wäschereien immer weiter automatisiert werden und auf einen schnellen Durchlauf organisiert sind, darf man nicht vergessen, dass einige Häuser zum Beispiel das Desinfizieren und Sterilisieren der OP-Wäsche selbst leisten. Auch das gehört heute zum Dienstleistungssortiment. Es ist ein Service, der vielleicht in Zukunft weiter zunehmen wird, wenn die bösartigen Keime sich weiter ausbreiten.

Dr. Breithaupt: Oder man geht dann verstärkt auf Einweg-Wäsche. Eine weitere Entwicklung ist im Bereich der Waschchemikalien zu beobachten. Die Lieferanten setzen den Fokus auf die Senkung der Waschtemperaturen. Man wird in der Textilpflegebranche auch auf die neuesten Entwicklungen aus der Bekleidungsbranche reagieren: Zum Beispiel müssen für die multifunktionale Kleidung mit eingewebten Silberfäden gegen Bakterien und für die winddichten sowie atmungsaktiven Jacken entsprechende Pflegeverfahren entwickelt werden.

Aber die Textilpflegebetriebe werden auch in Zukunft Bettwäsche waschen und mangeln. Sie werden Kreisläufe im Betrieb noch enger schließen und dann merken, dass man an anderer Stelle an Grenzen stößt. Man wird also auch in Zukunft experimentieren. Wir haben zum Beispiel gerade ein kleines Forschungsprojekt. Dabei geht es um die Sandabtrennung aus Waschmaschinen, in denen Wischbezüge bearbeitet werden. Das Problem ist, dass viele der Betriebe Schwierigkeiten haben, weil die Rohrleitungen immer wieder verstopfen.

Dies alles sind nur kleine Schrauben, an denen gedreht wird. Das große Rad wird sich aber nicht schneller drehen. Auch die Internationalisierung beziehungsweise Globalisierung wird keine großen Veränderungen bewirken. Man wird auch in Zukunft keine Wäsche nach Singapur schicken. Alle aktuellen Verfahren sind soweit entwickelt, dass sie sich auch in den nächsten 15 Jahren nicht verändern werden. Die Konzentration im Markt wird weitergehen, auch wenn sich Unternehmen weiterhin in Nischen einrichten können.

WRP: Was plant Heckelsberg & Wiesner für die Zukunft?

Dr. Breithaupt: Unser Hauptaugenmerk wird auf die Erweiterung des Angebotsspektrums in Bezug auf die Maschinengröße bestehen. Deshalb sind wir sehr froh, ein Partner in der neuen Vertriebs- und Servicestruktur für Großmaschinen des Herstellers Girbau zu werden. Dieser Zusammenschluss namhafter Vertriebs- und Serviceunternehmen unter dem Dach der Firma Girbau wird die Lücke, die Lavatec bei uns hinterlassen hat, zu einem guten Stück auffüllen. So können wir ab sofort wieder das gesamte Produktspektrum von der kleinen Waschmaschine, über die Wasch- und Mangelstraße bis hin zu Finishern und Legemaschinen aus einer Hand anbieten.

Um all dies leisten zu können, braucht Heckelsberg & Wiesner natürlich auch gute Mitarbeiter. Unser Team aus relativ jungen Menschen ist in den letzten fünf Jahren fachlich und menschlich gereift und sind zu einer schlagkräftigen Truppe zusammengewachsen. Wir haben kleinere Stürme gemeistert und große Erfolge gefeiert. Unsere Servicemitarbeiter besitzen ein umfangreiches Wissen über die Wartung und Reparatur an Wäschereimaschinen unterschiedlichster Hersteller. Dies wird durch Schulungen und den täglichen Umgang mit den Maschinen gepflegt. Und unser Ranking bei den Banken, die man eben doch manchmal benötigt, ist durch die konsequente und zielstrebige Geschäftspolitik und den wirtschaftlichen Erfolg der letzten Jahre sehr gestiegen. Also, wir sehen der Zukunft sehr optimistisch entgegen.

Interview aus WRP 05-2010