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Intex Industrieverband Textil Service e.V.

intex ist als Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband die treibende Kraft der Branche

Seit Dezember letzten Jahres ist Peter Böge Präsident bei intex. Böge ist Inhaber und Geschäftsführer bei Wulff Textil-Service in Kiel. Das Unternehmen war eines der ersten Mitglieder in der im Jahr 1999 gegründeten Organisation intex. Wir trafen den Präsidenten Peter Böge in Kiel, um mit ihm unter anderem über seinen Verband, den Mindestlohn und seine Bedeutung für die intex-Mitglieder sowie seine Visionen für die Branche zu sprechen.

Peter Böge
Peter Böge ist geschäftsführender Gesellschafter bei der Wulff Textil-Service GmbH in Kiel. Nach Abitur, Bundesmarine und Lehre als Bankkaufmann studierte Böge Volkswirtschaftslehre. Im Jahr 1968 trat er in den Familienbetrieb Wulff Textil-Service GmbH ein. Peter Böge ist Gründungsmitglied der DBL – Deutsche Berufskleider-Leasing GmbH, der Textil-Service Mecklenburg GmbH, Parchim und der DBL Arbeitsschutz- und Handels-GmbH (weitere Gründungen: Förde Wäscheverleih GmbH, Sylt Mietwäsche GmbH und der Böge Textil-Service GmbH & Co. KG, Duisburg). Er ist verheiratet mit Margarete Böge, geb. Wulff, und hat zwei Söhne. Peter Böge ist Vorstandsmitglied im Unternehmensverband Kiel und seit 2009 Präsident des Industrieverband Textil Service - intex e.V..
Die Ausbildung zum Textilreiniger ist nach jetzigem Muster für die Unternehmen des Textilservice tatsächlich suboptimal.
Durch die neu eingeführte Gastmitgliedschaft bietet intex interessierten Unternehmen einen deutlichen, attraktiven Anreiz zur Verbandsmitgliedschaft, auch für nicht tarifgebundene Unternehmen
Sowohl DTV als auch intex haben etwas zu bieten. Wenn sie es verstehen, in den überschneidenden Interessenbereichen ihre Kräfte zu bündeln, könnte mehr als eine Addition der Kräfte dabei herauskommen.
WRP: Herr Böge, wir haben gesehen, dass Sie Ihren Betrieb erweitern wollen. Das heißt, Sie gehen vorwärts, Sie sehen noch ein zusätzliches Absatzpotenzial.

Peter Böge: Ja, natürlich. Gerade im Textilservice-Bereich ist der Markt noch sehr offen, dies gilt vor allem für das Segment Berufskleidung. Das merken wir in unserem Betrieb in Duisburg, der vor sieben Jahren gegründet wurde, das merken wir hier in Schleswig-Holstein und in den Gesprächen mit unseren DBL-Partnern. Wir haben noch Zuwachs, und wir müssen uns diese Umsätze nicht von Mitbewerbern holen.

WRP: Und trotz dieser guten Perspektiven haben Sie noch ein Ehrenamt übernommen.

Böge: Ja, im Dezember letzten Jahres bin ich zum intex-Präsidenten gewählt worden. Und ich möchte in diesem Amt in meiner Zeit etwas bewegen. Dabei kann ich mich in Frankfurt auf eine tolle intex-Mannschaft verlassen, die hervorragende Sacharbeit leistet. Wir arbeiten sehr gut zusammen, soweit man das in der kurzen Zeit schon sagen kann. Ich denke, wenn man ein solches Amt richtig ausfüllen will, dann muss man in der Materie gedanklich leben – dies tue ich noch nicht, ich bin aber dabei, es zu lernen.

Ich habe dieses Amt bis zum Herbst nächsten Jahres übernommen. Nur bis dahin, weil ich mich dann, so ist meine Planung, aus dem Tagesgeschäft bei Wulff zurückgezogen haben werde. Nach meiner Meinung sollte ein Verbandspräsident aber immer aktiv als Unternehmer im Tagesgeschäft stehen.

WRP: intex feierte im letzten Jahr den zehnten Geburtstag seiner Gründung. Damals fanden sich eine Reihe von Textilservice-Unternehmen zusammen, um einen eigenen Verband zu gründen. Ihr Unternehmen Wulff Textil-Service war eines der ersten Mitglieder in dieser Organisation. Was hat Sie bewogen, dort mitzumachen? Warum hat man 1999 den Verband gegründet, welche Ziele wurden formuliert?

Böge: Damals waren diese Textilservice-Unternehmen noch Mitglieder im DTV. Irgendwann fanden sie ihre Interessen im Objektkundengeschäft innerhalb des DTV nicht mehr ausreichend berücksichtigt, es gab keinen Einklang mehr zwischen ihren Interessen und denen der Betriebe im Privatkundengeschäft. Zwar gab es eine Restrukturierung innerhalb des DTV, trotzdem kam es nach weiteren Versuchen und Anläufen, eine Lösung zu finden, schließlich zur Gründung von intex. Als Ziele wurden damals formuliert: die inhaltliche und fachliche Meinungsbildung, die Suche nach Lösungen für Tariffragen, das Engagement in der Forschung und Normierung und die Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit.

intex wurde von den Gründungsmitgliedern als schlanke Organisation mit kurzen Wegen konzipiert, es gibt keine Struktur mit Innungen und Landesinnungen, wie beim DTV. Jedes intex-Mitglied kann sich direkt an die Geschäftsstelle wenden und findet dort immer Gehör.

WRP: Sie erwähnen das Lobbying, was kann man erreichen in Berlin oder Brüssel?

Böge: Nehmen wir einfach den Mindestlohn, der seit Herbst letzten Jahres gültig ist. Dieser war nur durch die vielen Gespräche auf den unterschiedlichen politischen Ebenen in Berlin möglich. Wir wollen natürlich noch mehr erreichen. Denn in Brüssel werden schnell Regelungen gefasst, die nicht im Interesse unserer Branche sind. Deswegen muss man schon frühzeitig dabei sein, um entsprechende Entwicklungen in die richtigen Bahnen lenken zu können. Der deutschsprachige Raum in Europa ist sehr groß, entsprechend muss intex dem auch durch seine Einflussnahme gerecht werden. Schon jetzt hat intex einen sehr guten Namen auf europäischer Ebene, wir haben sehr gute Kontakte zum Beispiel zur E.T.S.A.. Und mit Thomas Krautschneider und seiner Salesianer Miettex auch ein bedeutendes österreichisches Unternehmen als Mitglied.

WRP: Das wichtigste Thema im letzten Jahr war die Einführung des Mindestlohnes in der Wäschereibranche, für den intex schon länger gestritten hat. Welche Bedeutung hat er für die intex-Mitglieder, was bedeutet er für die Branche?

Böge: intex ist Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband. In beiden Bereichen ist intex die treibende Kraft in der Branche. Im Tarifbereich sind wir einerseits gemeinsam mit der IG Metall daran interessiert, dass die Arbeitnehmer ordentliche Leistungen erhalten, andererseits, dass die Mitglieder in der außerordentlich lohn- und gehaltsintensiven Branche des Textilservice nicht permanent durch Lohndumper unterlaufen werden, die keine Verantwortung für den Fortbestand der Branche übernehmen. Durch den Mindestlohn ist eine unterste Grenze eingezogen, die beides sicher stellt. Der ruinöse Wettbewerb – ermöglicht durch eine Tarifunterschreitung der Löhne – ist eingegrenzt. Gerade in den Bereichen, in denen hygiene- beziehungsweise gesundheitsrelevante Vorschriften und Normen einzuhalten sind, wie zum Beispiel für die Dienstleistungen im Gesundheitswesen oder im Lebensmittelbereich, ist dies von besonderer Bedeutung.

Allerdings ist durch die Einführung des Mindestlohns die erhebliche Spreizung in der Entlohnung der Beschäftigten bei weitem noch nicht behoben. intex-Mitglieder tragen auch weiterhin weit höhere Personalkosten und bieten deutlich höhere Sozialstandards. Wir arbeiten mit allen Partnern daran, den Mindestlohn nachhaltig in der Praxis durchzusetzen. Übrigens wird, wenn man den Mindestlohn nicht zahlt, ein Straftatbestand erfüllt. Schließlich werden Sozialabgaben und Steuern hinterzogen.

WRP: Es gibt einen Mindestlohn in der Branche und es gibt einen intex-Tarif. Was muss ein intex-Mitglied zahlen?

Böge: Mit dem Mindestlohn haben wir unsere tarifpolitischen Ziele wie erläutert nur bedingt realisiert. Ein intex-Mitglied zahlt seinen Beschäftigten in der untersten Lohngruppe 1 ab 1. April 2010 ein Monatsentgelt von 1524,77 Euro im Westen, und 1467,15 Euro im Osten. Die entsprechenden Mindestentgelte liegen bei 1226,30 Euro beziehungsweise 1125,80 Euro. Hinzu kommen in einem intex-Betrieb weitere Leistungen wie Jahressonderzahlung, Urlaubszeit, Urlaubsgeld und einige mehr, die deutlich höher sind als sonst in der Branche. Im Ergebnis zahlen unsere Mitglieder auch weiter ein um 20 bis 40 Prozent höheres Lohnpaket als sonstige Unternehmen in der Branche.

WRP: Wenn intex mit der Einführung des Mindestlohns ein wichtiges Ziel erreicht hat, welche Ziele wird intex in Zukunft angehen? Welche Sacharbeit soll geleistet werden, welche politische Arbeit?

Böge: Das Entwickeln tarifpolitischer Themen steht weiter im Fokus. Wir konzentrieren uns auch auf die konsequente Durchsetzung des Mindestlohns am Markt. Darüber hinaus soll die Mitgliederbasis von intex verbreitert werden, indem wir auch Unternehmen, die nicht dem Flächentarifvertrag von intex unterliegen, die Mitgliedschaft ermöglichen. Im fachlichen Bereich werden unsere Initiativen zu echten Know-how-Pools und schlagkräftigen Arbeitseinheiten ausgebaut. Derzeit existieren die Initiativen med, horeca und workwear. Wichtiger Schwerpunkt wird dort künftig das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) sein. Geplant sind überdies neue Initiativen für den Bereich der Handtuchrollen und der Hygiene sowie für Schmutzfangmatten. Durch diese neuen, strategisch agierenden Gremien soll die konkrete, operative Arbeit der jeweilig angegliederten Projektgruppen noch effizienter und zielgerichteter gestaltet werden. Darüber hinaus will intex so auch die inhaltliche Bandbreite seiner Arbeit erhöhen und an die Bedürfnisse seiner Mitglieder anpassen.

WRP: Sie bilden in Ihrem Unternehmen auch Textilreiniger aus. In der Berufsschule sitzen die Lehrlinge aus Textilreinigungen und großen Textilservice-Unternehmen zusammen, haben den gleichen Unterricht und werden zusammen geprüft – obwohl sich das betriebliche Anforderungsprofil doch wohl deutlich unterscheidet. Ist eine solche Ausbildung optimal?

Böge: Wir haben heute einen Ausbildungsberuf Textilreiniger. Und deshalb sitzen in den Berufsschulklassen Auszubildende aus einem kleinen Textilreinigungsbetrieb mit drei Mitarbeitern neben Auszubildenden aus Unternehmen mit 3.000 Mitarbeitern. Es ist doch offensichtlich, dass es dabei auch unterschiedliche Bedürfnisse zu bedienen gilt, die aber leider bis heute nicht optimal berücksichtigt werden. Deshalb ist die Ausbildung zum Textilreiniger nach jetzigem Muster für die Unternehmen des Textilservice tatsächlich suboptimal. Ich weiß, dass intex schon vor Jahren Vorschläge unterbreitet hat, die aber nicht umgesetzt wurden. Also, jetzt hilft nur eine schnelle Anpassung, sonst bleibt es bei der Flucht der Unternehmen des Textilservice aus dem Ausbildungsweg.

Wir hatten im letzten Jahr eine Gruppe von Berufsschullehrern aus ganz Deutschland zu einer Betriebsbesichtigung eingeladen, die auch Textilreiniger unterrichten. Und dabei haben wir erfahren, dass die Lehrer keinerlei beziehungsweise nicht ausreichend Fortbildungen in den für uns wichtigen Feldern im Bereich Textilservice bekommen. Also schon hier besteht ein Handlungsbedarf, nämlich den Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeiten zu bieten, sich entsprechend weiterzubilden, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Grundsätzlich muss man aber die Frage diskutieren, ob es auch zukünftig nur diesen einen Ausbildungsberuf Textilreiniger geben soll. Unser Auszubildender ist zum Beispiel viel mehr ein Logistiker als ein Handwerker. Wann muss er noch detachieren oder bügeln? Deswegen kann ich mir auch vorstellen, dass man aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen in Zukunft zwei Ausbildungen anbietet.

WRP: Wie müsste diese Ausbildung zukünftig aussehen? intex hat sich beim Ausbildungsberuf Servicefahrer stark engagiert, kann man eine ähnliche Initiative auch beim ‚Textilreiniger‘ erwarten?

Böge: intex hat wie schon erwähnt bei der Überarbeitung des Ausbildungswegs schon vor einigen Jahren etliche Verbesserungen vorgeschlagen, um den zunehmenden Veränderungen in der Branche Rechnung zu tragen. Dies beinhaltete beispielsweise Forderungen nach neuen inhaltlichen Ausbildungspunkten beispielsweise im Qualitätsmanagement und Umweltschutz, in der Kundenorientierung und bei EDV-Kenntnissen oder beim Berücksichtigen und Reagieren auf sich ändernde Arbeitsabläufe. Weiterhin haben wir uns für die Einführung von Wahlqualifikationen stark gemacht, die in das Berufsbild des Textilreinigers integriert werden sollten, bis hin zu unterschiedlicher Durchführung der Prüfungen, um den gestiegenen Anforderungen des Textilservice gerecht zu werden. Dies spiegelt sich jedoch nach unserer Beobachtung bis jetzt nicht in der Praxis wieder. Eine konsequente Berücksichtigung der Bedürfnisse des Textilservice ist mehr denn je gefordert – bis hin zum Finden eines attraktiven Namens für den Ausbildungsweg.

WRP: Als wir WRP im Jahr 2003 übernahmen und in diese Branche einstiegen, hatte intex 39 Mitglieder, jetzt sind es 18. Es gab also eine Erosion in nicht unerheblichem Maß – zumindest von der Zahl der Betriebe, wir lassen Umsatz und Mitarbeiter einmal außen vor. Was war passiert?

Böge: Ich würde die Zahl der Mitarbeiter und den Umsatz unserer jetzigen Mitglieder bei einer solchen Betrachtung mit berücksichtigen wollen. Denn beides dokumentiert, welchen Stellenwert intex in der Branche hat. Tatsächlich vertritt unsere Organisation in den 18 Unternehmen über 200 Betriebe. Insoweit ist nur bedingt von Mitgliederverlusten zu sprechen.

Zum einen ist der von ihnen skizzierte Trend der Konzentration in der Branche geschuldet. So sind zum Beispiel ehemalige Mitgliedsbetriebe von Konzernen übernommen worden. intex steht zum anderen für eine konsequente Tarifpolitik, an der wir uns auch messen lassen wollen. Deshalb gab es sicherlich auch einige wenige Betriebe, die mit der Tarifbindung oder einem aus ihrer Sicht zu hohen Tarifabschluss haderten. Aber ich möchte betonen, dass es nicht zu Austritten kam, weil intex eine schlechte Arbeit geleistet hat. Vielleicht hat der eine oder andere damals noch nicht richtig verstanden, welche Vorteile die intex-Mitgliedschaft bietet. Sicher müssen wir das noch besser kommunizieren, so dass die Mitglieder, aber auch potentielle Mitglieder wissen, dass sie in diesem Verband sehr gut aufgehoben sind.

Und seit 2005 ist die Mitgliederzahl stabil. Wir beobachten aktuell ein großes Interesse an der Entwicklung von intex und sind uns sicher, unsere Mitgliederzahl im Jahr 2010 zu steigern. Mit dem Potenzial der über 200 Betriebe und den Beschäftigten in den Unternehmen ist intex als Organisation inhaltlich breit und effizient aufgestellt. Ehrenamt und Hauptamt ergänzen sich sehr gut. Durch die neu eingeführte Gastmitgliedschaft bietet intex interessierten Unternehmen einen deutlichen, attraktiven Anreiz zur Verbandsmitgliedschaft, auch für nicht tarifgebundene Unternehmen.

WRP: Wie wird sich der Wäschereimarkt in Deutschland weiterentwickeln? Wird die Konzentration weitergehen?

Böge: Für den Textilservice sehen wir prinzipiell gute Zukunftsaussichten. Zwar haben die Unternehmen auch die Wirtschaftskrise stark zu spüren bekommen, langfristig gesehen besteht aber noch weiteres Entwicklungspotenzial.

Es wird sicherlich immer wieder Zusammenschlüsse oder Übernahmen in der Branche geben. Das sollte man allerdings differenziert betrachten: Die Entwicklung bewegt sich grundsätzlich in zwei Richtungen. Einerseits ist ein Trend hin zu großen Anbietern zu beobachten, die ihre Dienstleistung in ganz Deutschland und darüber hinaus anbieten, indem sie mehrere Niederlassungen aufgebaut haben. Oder es entstehen Verbünde mehrerer mittelständischer Textilpflegebetriebe, die so das Bundesgebiet komplett abdecken können. Diese Strategie ist insbesondere bei großen Kunden, deren Mitarbeiter und Betriebe ebenfalls über ganz Deutschland verteilt sind, unumgänglich.

Andererseits haben auch kleinere, regionale Anbieter immer noch die Chance, sich eine besondere Marktpositionierung zu erarbeiten, mit enger Kundenbindung oder speziellen Dienstleistungen. Auch hier sehen wir durchaus noch Entwicklungspotenzial. Generell ist aber davon auszugehen, dass eine weitere Konsolidierung stattfinden wird.

WRP: Wenn die Konzentration im Wäschereimarkt weiter geht, die Unternehmen immer größer, vielleicht auch internationaler werden, muss dann nicht auch intex europäischer werden?

Böge: Sicherlich treten mit der Entwicklung eines Unternehmens auch neue Interessen und Bedürfnisse zutage. Im Rahmen einer zunehmenden Internationalisierung werden daher sicher auch „europäische“ Themen eine zunehmende Rolle spielen. Hierauf ist intex bereits jetzt durch seine enge Zusammenarbeit mit der E.T.S.A. vorbereitet, wie beispielsweise auf dem wichtigen Gebiet der Normierung. Darüber hinaus ist intex selbst, durch seine schlanken und effizienten Strukturen, in der Lage, einer unter Umständen zunehmenden „Europäisierung“ seiner Verbandsthemen proaktiv und erfolgreich zu begegnen.

WRP: Aktuell gibt es zwei große Verbände in der Textilpflegebranche: intex und DTV. Im letzten Jahr gab es schon Gespräche, bei denen eine mögliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen ausgelotet wurde, zusammen hat man den Mindestlohn für die Wäschereibranche auf den Weg gebracht. Werden Sie als Präsident die Zusammenarbeit von intex und DTV weiter intensivieren? Wo sind grundsätzlich die Schnittpunkte, wo sind die Unterschiede zwischen den beiden Organisationen?

Böge: intex ist an einer vertiefenden Zusammenarbeit interessiert, wir gehen auch beim DTV davon aus. Hoffnungsvolle Gespräche haben sich infolge des Mindestlohns entwickelt und es erscheint durchaus begründet, dass beide Verbände bald wieder stärker zusammen arbeiten können. Wie sich dies im Einzelnen gestaltet, ist zur Stunde noch offen, allerdings sind aktuell gute Rahmenbedingungen gegeben, die eine vertiefende Zusammenarbeit ermöglichen könnten. Beide Organisationen haben etwas zu bieten. Wenn sie es verstehen, in den überschneidenden Interessenbereichen ihre Kräfte zu bündeln, könnte mehr als eine Addition der Kräfte dabei herauskommen. Einige Bereiche würden sich sicher multiplizieren lassen. Wenn es beide Organisationen auch noch verstehen, trennende Elemente zu neutralisieren, sollte einer besseren Zusammenarbeit nichts im Wege stehen. Tatsächlich führen wir die nicht erst mit dem Mindestlohn begonnenen Gespräche fort. Aus Gründen der Vertraulichkeit verbietet es sich, über Form und Inhalte an dieser Stelle ausführlicher zu werden.

WRP: Im letzten Jahr hat intex auf einer FWL-Veranstaltung eine Vision präsentiert, wie die Zukunft der Verbands- und Organisationslandschaft in der Textilpflegebranche aussehen könnte. Ist diese Vision ein Ziel, dass intex noch immer verfolgt? Und welche Rolle ist für intex dabei vorgesehen?

Böge: Es gibt verschiedene Ansätze, eine Branche zu organisieren. Wichtig ist, dass jeder Branchenteil angemessene Berücksichtigung findet und seine Interessen gewahrt sieht. Ein starres Verbandskorsett scheint sich danach zu verbieten. Eher scheint es ratsam, einen derart gefächerten Verband wie eine Unternehmensholding auszugestalten. Wir haben intern an dieser Vision weiter gearbeitet und stellen sukzessive die Weichen für ein Erreichen unserer Vision. Insoweit haben wir auch eine Verantwortung für Europa. Denn der stärkste Teilmarkt ist der deutschsprachige. Wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen auch, müssen Entwicklungen von hier aus beeinflusst werden.

WRP: Welche Visionen haben Sie als Präsident, wie kann sich intex in den nächsten Jahren weiter entwickeln?

Böge: Zum einen ist es wie schon erwähnt außerordentlich wichtig, dass gemeinsam mit allen Sozialpartnern der jüngst erreichte Mindestlohn nachhaltig in der Branche etabliert und durchgesetzt wird. Daneben ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Tarifwesens für uns unerlässlich, zu der auch die rechtzeitige Vorbereitung auf die kommende Tarifrunde zum Jahreswechsel 2010/2011 gehört.

Zum anderen ist das Verbreitern der Mitgliederbasis von intex, sowohl der Gast- als auch der ordentlichen Mitglieder, immens wichtig, um unseren Zielen Nachdruck zu verleihen. Sei es bei der Durchsetzung tarifpolitischer Themen, beim brancheninternen Lobbying, bei wirtschaftspolitischen Themen oder dem Lobbying gegenüber Dritten.

Eine breite und engagierte Mitgliederbasis ist natürlich auch für die Arbeit unserer verschiedenen Initiativen und Fachbereiche wichtig. Jede Initiative ist mit einem Präsidiumsmitglied besetzt, sie steuern die Arbeit, die von den Fachkräften aus den intex-Mitgliedsunternehmen geleistet wird. Und je mehr dabei mitmachen, desto besser. Übrigens freuen wir uns ganz besonders über die positive Entwicklung der Initiative Workwear, die vor allem auch dem wichtigen Thema „Corporate Social Responsibility“ seinen gebührenden Raum gibt. Auf keinen Fall sollte bei allen Fragen der Marktentwicklung nachgelassen werden, wobei die Marktdatenerhebungen und die jeweiligen Expertengruppen von herausragender Bedeutung sind.

Interview aus WRP 03-2010