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Girbau Deutschland

Wir bieten unseren Kunden eine auf die Anforderungen maßgeschneiderte Lösung

Der spanische Hersteller Girbau hat sich seit der Unternehmensgründung im Jahr 1971 zu einem weltweit führenden Anbieter von Wäschereimaschinentechnik entwickelt. War Girbau in der Vergangenheit eher als Serienmaschinenlieferant bekannt, hat das Unternehmen heute auch einen Namen im Bereich der Industriellen Wäschereien. Warum Girbau in diesem Segment immer erfolgreicher wird, darüber sprachen wir mit Juan de Cruz Pujades, Direktor bei Girbau Deutschland, und Olaf Rattay, verantwortlich für den Girbau Kundendienst. Weitere Themen im Interview des Monats waren unter anderem die Finanz- und Wirtschaftskrise und die Vorzüge, die ein Familienunternehmen bietet.

Juan de Cruz Pujades
Juan de Cruz Pujades, Direktor bei Girbau Deutschland, ist Diplom-Betriebswirt im Europäischen Studiengang Management (E.S.M). Er wurde am 12. Juli 1977 in Verl (Kreis Gütersloh) geboren. Während des Studiums an der Fachhochschule Bielefeld ging Juan de Cruz Pujades für ein Jahrespraktikum zu Girbau nach Vic (Barcelona). Nach der Rückkehr arbeitete er für drei Jahre für die Brankamp Prozess Automations GmbH im Außendienst für die Länder Deutschland, Schweiz, Frankreich und Spanien. Seit März 2003 ist Juan de Cruz Pujades Direktor der Girbau Deutschland.
Girbau gehört zu den zehn best­finanzierten Unternehmen in Spanien, besitzt vier Produktionsstandorte und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter.
Der deutsche Wäschereimarkt gilt aus der internationalen Perspektive als führend, viele ausländische Märkte orientieren sich am deutschen Markt.
Der Kunde bekommt von uns alles aus einer Hand – von der Planung, über die Projekt-durchführung bis hin zur Schlüsselübergabe.
WRP: Girbau ist heute weltweiter Anbieter von Wäschereimaschinentechnik und zählt zu den führenden Unternehmen in diesem Bereich. Sind Sie mit dem Geschäftsjahr 2008 zufrieden ?

Juan de Cruz Pujades: Also, 2007 war für Girbau das bisher Umsatz stärkste Jahr, damals überschritten wir erstmals die 100-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Das letzte Jahr schlossen wir durchaus zufriedenstellend mit knapp unter 100 Millionen Euro Umsatz ab. In diesem Jahr, in dem alle unter der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise leiden, werden wir sicherlich froh sein, wenn wir 75 Millionen Euro erreichen. Das hat zwei Ursachen: Ein Problem dieser Krise für Girbau ist, dass diesmal global alle Märkte betroffen sind. In der Vergangenheit gab es natürlich auch in einzelnen Serienmaschinenmärkten Schwankungen. Wenn in einem Land die Umsätze zurückgingen, konnten diese durch Großinstallationen in anderen Märkten kompensiert werden. Nur diesmal ist alles ins Stocken geraten: Sowohl der Serienmaschinen- als auch der Großmaschinenbereich.

Girbau ist zusätzlich mit einer weiteren Schwierigkeit konfrontiert. In den letzten Jahren hat das Unternehmen sehr viele Maschinen nach Kuba exportiert. Dieses Exportgeschäft machte zum Schluss fast zehn Prozent des Girbau-Jahresumsatzes aus. Zwar gibt es auch heute noch sehr viele Aufträge von der Insel. Aber da die politische Zukunft des Landes, auch nach dem Rücktritt Fidel Castros im letzten Jahr, noch immer nicht geklärt ist, ist es sehr schwierig eine Bank zu finden, die ein solches Geschäft finanziert. Ohne dieses spezifische Kuba-Problem würde Girbau wahrscheinlich wieder annähernd die Vorjahresumsatzzahlen erreichen. Also, wir haben zwar Aufträge, können aber in diesem Fall nicht liefern.

WRP: Girbau war auch Aussteller auf der Clean Show, die Mitte des Jahres in New Orleans veranstaltet wurde. Wie war die Messe, welche Bedeutung hat der US-Markt für das Unternehmen ?

de Cruz Pujades: Die Clean Show war für Girbau eine gute Messe. Gerade im Bereich der industriellen Wäschereitechnik hatten wir einige Anfragen. Dabei spielt sicher auch eine Rolle, dass Lavatec, das Unternehmen spielt in diesem Markt eine bedeutende Rolle, jetzt in der Insolvenz ist. Die Kunden sind verunsichert, suchen nach Alternativen. Und Girbau hat im nordamerikanischen Markt einen guten Namen, schließlich sind wir dort auch schon seit fast 20 Jahren mit unserer Tochter Girbau Continental erfolgreich.

Nordamerika ist für Girbau vorwiegend ein Serienmaschinenmarkt, also ein Markt für unsere Waschschleudermaschinen, Trockner und Mangeln. Einen großen Marktanteil besitzen wir zum Beispiel im Bereich der SB-Waschsalons. Aber natürlich spürt man auch hier die Krise. Wobei das Problem eigentlich nicht darin liegt, Maschinen zu verkaufen. Eher ist es das Paritätsproblem im Währungsverhältnis Euro zu Dollar, das Girbau als europäischer Hersteller im amerikanischen Markt spürt. Dagegen hat sich der frühere Preisunterschied zwischen den Produkten der amerikanischen und der ausländischen Hersteller relativiert. Denn die amerikanischen Hersteller haben in den letzten zwei, drei Jahren ihre Preise doch deutlich angehoben.

WRP: Wie beurteilen Sie das Investitionsverhalten der deutschen Textilpflege-Unternehmen ?

de Cruz Pujades: Unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eigentlich ganz gut. Aufgrund unserer Erfolge gerade im Bereich der Großtechnik werden wir in Deutschland sicherlich wieder das Umsatzniveau des letzten Jahres erreichen. Dabei muss man aber feststellen, dass wir dafür doppelt und dreifach arbeiten müssen. Die Ursache liegt in den immensen Anforderungen begründet, die heute bei einer Finanzierung einer Maschine erfüllt werden müssen. War es früher für eine Bank überhaupt kein Problem, die Finanzierung für eine guten und solventen Kunden zu realisieren, ist das heute bedeutend schwieriger. Selbst für so genannte A- oder B-Kunden ist es schon eine Hürde, sogar eine einfache 22 Kilogramm Maschine auf diesem Weg zu beziehen. Sie müssen Anträge ausfüllen und zum Teil Bilanzen vorlegen. Der ganze administrative Aufwand ist immens gestiegen, es gibt kaum ein Geschäft, dass einfach rund durchgeht. Für unser Geschäft sind deshalb zur Zeit die Banken die große Bremse. Sie haben sich heute auf eine sehr konservative Position zurück gezogen und verlangen nicht nur eine einfache sondern doppelte Sicherheit. Um es plakativ zu beschreiben: Will der Kunde einen Kredit für einen Euro von der Bank, möchte diese dafür aber zwei Euro versichert bekommen. Wenn der Kunde aber für zwei Euro Sicherheiten hat, benötigt er eigentlich keinen Kredit.

Wir haben heute ohne Frage noch immer eine Krise. Aber sie ist aus meiner Sicht auch ein bisschen herbeigeredet worden. Als viele von der Krise redeten, sie sozusagen offiziell verkündet wurde, hatte ich davon noch gar nichts gespürt. Ich meine erst dadurch, dass man soviel darüber geredet hat, wurden die Kunden unsicher. Dann haben sie ihre Investitionspläne noch einmal überdacht und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben

WRP: Sehen sie denn schon Licht am Ende des Tunnels ? In der Öffentlichkeit wird ja schon manchmal vom Ende der Krise gesprochen.

Olaf Rattay: Ich betreue einen Kunden, der hat sich ein Zelt auf den Betriebshof stellen lassen. Und in diesem Zelt lagert er die Berufsbekleidung seiner Kunden, die in Kurzarbeit gegangen sind. Gerade die Textilservice-Unternehmen im Bereich Berufsbekleidung haben es aktuell besonders schwer. Ähnliches gilt meiner Erfahrung nach für Betriebe, die sich auf Hotels spezialisiert haben. Weniger betroffen sind dagegen Reinigungen.

de Cruz Pujades: Ich beobachte, dass gerade im Bereich der Alten- und Altenpflegeheime die Anzahl der Neuprojekte gegenüber den letzten zwei, drei Jahren deutlich zurück gegangen ist. Und geringer geworden ist dadurch auch die Bereitschaft, zum Beispiel in die Wäschereitechnik zu investieren.

WRP: Sind Alten- und Altenpflegeheime wichtige Kunden für Girbau ?

de Cruz Pujades: Natürlich. Diese Dienstleister benötigen aus Hygienegründen Waschmaschinen mit Durchladetechnik, um in eine unreine und reine Seite trennen zu können. Ungefähr ein Drittel unserer verkauften Maschinen sind Maschinen mit Durchladetechnik, zwei Drittel sind Serienmaschinen. Dieses eine Drittel Hygienemaschinen ist aber kontinuierlich am wachsen.

Rattay: Ich habe jetzt auch schon ein paar Mal beobachtet, dass Altenheime ihre Wäsche extern pflegen liessen, jetzt aber wieder inhouse waschen. Sie finden den Service, die Zuverlässigkeit und die Qualität einfach besser.

WRP: Girbau ist ein spanisches Unternehmen. Wer steht heute an der Führungsspitze ?

de Cruz Pujades: Girbau ist ein spanisches Unternehmen, mittlerweile in der dritten Generation und zu 100 Prozent in Familieneigentum. Heute wird es von der Inhaberin Mercè Girbau und Toni Rubies, er ist Vertriebs- und Marketingleiter, geführt. Girbau gehört zu den zehn bestfinanzierten Unternehmen in Spanien, besitzt vier Produktionsstandorte und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter. Diese Solidität ist sehr wichtig, da sie unseren Kunden eine uneingeschränkte Planungs- und Investitionssicherheit bietet. Immer mehr Kunden betonen dies auch, sie wollen ihrem Maschinenhersteller auch in dieser Beziehung vertrauen können.

Rattay: Wäschereien wollen mit ihrem Lieferanten auch in zehn Jahren noch zusammen arbeiten. Dies gilt sowohl bei Neuanschaffungen, aber auch für den Bereich Kundendienst. Schließlich ist zum Beispiel eine Waschstraße eine große Investition. Wenn der Partner plötzlich nicht mehr da ist und man alleine steht, ist das natürlich ein großes Problem.

de Cruz Pujades: Nach europäischem Recht ist man als Hersteller unter anderem von Waschschleudermaschinen verpflichtet, zehn Jahre lang die entsprechenden Ersatzteile zu bevorraten. Girbau hat heute noch einige Kunden mit Betrieben, in denen 25 Jahre alte Maschinen zuverlässig arbeiten. Auch für diese Maschinen haben wir noch die entsprechenden Ersatzteile wie Motoren, Heizstäbe etc.. im Lager.

WRP: Welche Bedeutung hat heute der heimische spanische Markt, welche die Exportmärkte ?

de Cruz Pujades: Bis 1990 teilte sich der Girbau-Umsatz 50 Prozent Inland und 50 Prozent Export. Dies hat sich in den letzten 15 Jahren durch die zunehmende Internationalisierung verschoben. Dass bedeutet nicht, dass wir im spanischen Markt weniger aktiv sind, sondern wir haben neue Märkte wie unter anderem Frankreich, England und Deutschland dazu gewonnen. Bis zum letzten Jahr stellte sich das Umsatzverhältnis zwischen dem spanischen Markt und den Exportmärkten 30 zu 70 dar. In diesem Jahr, muss man leider feststellen, ist der spanische Markt komplett eingebrochen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise in Spanien ist viel gravierender als in vielen anderen europäischen Ländern.

Die bedeutendsten ausländischen Märkte für Girbau sind Nordamerika, Dubai und Europa. In Europa sind Frank­reich und England hervorzuheben, Deutschland wird aber immer wichtiger. Im Jahr 2005 hat Girbau eine Filiale in China eröffnet, hinzu kommen aktuell Standorte in Indien und Italien.

Im deutschen Markt sind wir mit unserer ganzen Produktbandbreite erfolgreich – also nicht nur mit unseren Waschschleudermaschinen, sondern immer mehr auch mit den Waschstraßen. Bis heute haben wir vier Waschstraßen in Deutschland und Österreich installieren können: Die erste bei Herrn Fett in seinem Betrieb bei Köln, bei Mevo Metzler in Österreich die zweite Maschine, dann kam die Firma Lehleitner in Wendelsheim und schließlich aktuell eine Einrichtung in einem Betrieb in der Nähe des Frankfurter Flughafens.

Als wir 2005 in Deutschland mit dem Verkauf von Waschstraßen anfingen, war es nicht vorrangig unsere Zielsetzung, möglichst schnell eine Maschine im Markt zu verkaufen. Wir waren dann aber selbst überrascht über die schnelle und positive Entwicklung. Hierbei hat uns sicher der Name Girbau geholfen, der schon lange im Bereich der Waschschleudermaschinen gut eingeführt ist. Insgesamt hat dieser hiesige Erfolg im Großbereich für Girbau aus strategischer Sicht eine enorme Bedeutung. Der deutsche Wäschereimarkt gilt aus der internationalen Perspektive als führend, viele ausländische Märkte orientieren sich am deutschen Markt. Als wir argumentieren konnten, dass in Deutschland Girbau Waschstraßen verkauft wurden, hat uns dies das Entree in anderen Märkte natürlich erheblich erleichtert.

WRP: Seit wann hat Girbau die Waschstraße im Sortiment ?

de Cruz Pujades: Girbau entwickelt, produziert und verkauft seine Waschstraßen seit 1985. Damals wurden die Maschinen vorrangig im heimischen spanischen Markt und in den Spanisch sprechenden Ländern verkauft. Später kamen Dubai, Frankreich, England dazu, seit 2005 wie schon erwähnt auch Deutschland.

WRP: Wie wird der technische Support für die Waschstraßen in Deutschland realisiert ?

de Cruz Pujades: Girbau Deutschland arbeitet seit der ersten Installation einer Waschstraße mit Olaf Rattay, RIK, zusammen. Er ist unter anderem für den technischen Support verantwortlich. Wir wissen, dass unser Auftrag mit der Installation der Waschstraße und der Inbetriebnahme nicht erledigt ist. Mindestens genauso wichtig ist es unseren Kunden, einen guten Service zu bekommen. Deshalb haben wir lange überlegt, wie wir dies am besten leisten können und sind schließlich mit Olaf Rattay zusammen gekommen. Heute betreut er aber nicht nur den Groß- sondern auch den Serienmaschinenbereich. Er ist für die technische Hotline von Girbau zuständig und Ansprechpartner für alle deutschen, österreichischen und schweizer Händler. Diese Girbau-Händler besitzen nach wie vor ihre eigenen Serviceteams und betreuen damit auch in Zukunft ihre Kunden. Aber wenn sie ein technisches Problem haben, bei dem sie nicht mehr weiter kommen, ist Olaf Rattay ihr Ansprechpartner. Er kann alle gleichermaßen kompetent und schnell beraten.

Rattay: Ich bin seit 15 Jahren in deutschen Wäschereien unterwegs und habe zehn Jahre davon für eine Firma in Dortmund gearbeitet. Später habe ich mich selbstständig gemacht. Damals tauchte die Frage auf, mit welchen Firmen kann man zusammen arbeiten ? Über einer meiner Großkunden kam der Kontakt zu Girbau. Entschieden habe ich mich für diesen Hersteller, weil Girbau ein Familienunternehmen ist und Produkte entwickelt und herstellt, die qualitativ hochwertig sind und robust und zuverlässig arbeiten.

WRP: Welche Anforderungen standen bei der Entwicklung der Waschstraße im Lastenheft ?

de Cruz Pujades: Wir haben diese Waschstraße natürlich für unsere Klientel entwickelt. Dies sind zum Beispiel Kunden im kleineren und mittleren Bereich, die bis 1000 Kilogramm Wäsche in der Stunde bearbeiten. Diese Kunden sehen sich mit steigenden Kosten für Wasser und Abwasser konfrontiert und überlegen vielleicht, ob sie ihre Waschschleudermaschinen durch eine Waschstraße ersetzen sollen. Dabei suchen sie eine Lösung, die flexibel, unabhängig und energieeffizient ist. Genau dieses Anforderungsprofil erfüllt unsere Waschstraße. Aufgrund der Konstruktion mit durchgehenden Doppeltrommeln kann sie sich unterschiedlichsten Waschverfahren anpassen. Dies macht es möglich, im Prinzip alle Wäschearten mit dieser Maschine zu waschen – und das bei einem vernünftigen Wasser- und Energieverbrauch.

Rattay: Bei der Waschstraße von Girbau ist die erste Kammer genauso ausgestattet wie die letzte. Jede Doppeltrommel kann man beheizen, ablassen, mit unterschiedlicher Chemie beliefern oder für einen Badwechsel vorsehen. Dadurch ist der Wäscher enorm flexibel: Er kann Problemwäsche damit bearbeiten, er kann aber auch einfach mit dem immer gleichen Programm geradeaus Hotelwäsche fahren.

de Cruz Pujades: Girbau kann mit dieser Lösung eine Waschstraße anbieten, die nicht nur allen Anforderungen der Gegenwart gerecht wird, sondern sich durch ihre Flexibilität auch den künftigen Bedürfnissen des Marktes anpasst. Wenn der Kunde heute eine Waschstraße kauft, geht er vom aktuellen Stand der Technik aus. Dies impliziert auch den aktuellen Stand an Waschverfahren. Der Kunde weiß aber nicht, wie er in fünf oder zehn Jahren waschen wird. Durch unser Waschstraßenkonzept ist er flexibel – auch für zukünftige Änderungen beziehungsweise Modifikationen. Durch das Modulsystem kann die Waschstraße an jeden Installations­typ wie Hotels, Krankenhäuser, gewerbliche Wäschereien usw. angepasst werden.

WRP: Welche Vorteile hat eigentlich eine Waschstraße gegenüber Waschschleudermaschinen ?

Rattay: Eine Waschstraße bedeutet im Vergleich zu Waschschleudermaschinen Wasser- und Zeitersparnis sowie weniger Arbeitsaufwand. Bei einer Waschstraße gibt es einen Mitarbeiter, der vorne am Band die Wäsche auflegt. Ist die Wäscherei gut geplant, kommt erst nach dem Trockner der nächste Mitarbeiter mit der Wäsche in Berührung. Die Waschstraße muss nicht einzeln entladen und nicht schwer beladen werden. Man kann sie mit Wasserrückgewinnungssystemen ausstatten und dadurch den Wasserverbrauch im Vergleich zur Waschschleudermaschine erheblich minimieren. Aber auch eine Waschschleudermaschine besitzt Vorzüge: Zum Beispiel ist sie besser für einige Berufsbekleidungstextilien geeignet, weil sie eine hohe Mechanik beim Waschen besitzt. Mit einer Waschschleudermaschine kann man einen Posten ganz individuell bearbeiten, zum Beispiel ihn mit ganz speziellen Chemikalien versehen.

Grundsätzlich gilt eigentlich immer: Wenn man kontinuierlich eine Wäscheart bearbeitet, dann rechnet sich eine Waschstraße. Ganz wichtig ist dabei natürlich trotzdem die richtige Beratung: Lohnt sich eine Waschstraße für den Betrieb, oder sind eher Waschschleudermaschinen interessant ? Oder man nimmt eine kleine Waschstraße für die größeren Mengen, kombiniert mit kleineren Waschschleudermaschinen für die spezielle Wäsche.

WRP: Girbau bezeichnet sich als Unternehmen, dass „Komplettlösungen für den globalen Markt“ offeriert. Es wirbt damit, nicht nur Wäschereiausstattungen zu produzieren, sondern komplette Wäschereiprojekte anzubieten. Was bedeutet das ?

de Cruz Pujades: Dieses Angebot einer Komplettlösung bezieht sich vorwiegend auf unseren Großbereich, mit dem wir vor allem die Industriewäschereien betreuen. Der Kunde bekommt von uns „alles aus einer Hand“ – von der Planung, über die Projektdurchführung bis hin zur Schlüsselübergabe.

Girbau kommt traditionell aus dem Waschschleudermaschinenbereich, im Laufe der Zeit hat das Unternehmen den Großbereich immer weiter ausgebaut: zunächst mit einer Waschstraße, dann den Trocknern und der Presse. Heute können wir unserem Kunden ein Komplettpaket anbieten und seine Wäscherei von A bis Z aufbauen und ausrüsten. Dies soll aber nicht heißen, dass wir unser Komplettlösungsangebot ausschließlich für große Wäschereien reservieren. Wir können dies auch für kleinere Insellösungen in zum Beispiel Hotels oder auch Altenheimen leisten. Unsere Komplettlösungspakete finden man in 300 Kilogramm Mangelstuben genauso wie in 30 Tonnen Wäschereien.

WRP: Was unterscheidet Girbau von seinen Wettbewerbern, welche Philosophie wird bei den Produkten verfolgt ?

de Cruz Pujades: Wir haben einen Spruch: „Immer nah am Kunden zu sein“. Das Unternehmen Girbau ist mit seinen Kunden, ist über seine Händlerstruktur gewachsen. Mit einigen von diesen Händlern arbeiten wir zum Beispiel schon mit der zweiten Generation zusammen, ähnliche Beispiele gibt es auch bei den Wäschereien. Wir waren schon Partner des Vaters und arbeiten heute gemeinsam mit dem Sohn. Diese Kontinuität bieten wir unseren Kunden auch bei ihren Ansprechpartnern bei Girbau. Es soll möglichst keinen Personalwechsel an diesen Stellen geben. Wir wollen damit eine Vertrauensbasis schaffen. Wir sind Partner unserer Kunden und bieten ihnen eine auf ihre Anforderungen maßgeschneiderte Lösung an, damit sie als Dienstleister für ihre Kunden zuverlässig und effizient arbeiten können.

WRP: Wo werden die Girbau-Maschinen hergestellt ?

de Cruz Pujades: Alle Girbau-Maschinen werden in Spanien, in drei Produktionswerken, hergestellt. Ausnahmen sind die Eingabe- und Faltmaschinen, diese werden in unserem französischen Werk „Girbau Produktionswerk 4“ in Aix-les-Bains produziert. Bis Ende letzten Jahres firmierte dieser Standort noch als Jean Michel, und dieser Name ist immer noch für das französische Vertriebsgebiet aktuell.

WRP: Ein immer noch wichtiges Thema für Textilpflegeunternehmen ist Energiesparen. Wie hilft Girbau den Betrieben bei diesem Thema ?

Rattay: Girbau-Maschinen sind sozusagen ab Werk Energiesparend. Alle Kunden betonen nach der Umstellung auf unsere Technik ihre Zufriedenheit mit den niedrigen Wasser- und Energieverbräuchen. Sowohl die Waschstraße als auch die Waschschleudermaschinen sind frei programmierbar und auch, zum Teil ab Werk, mit Wasserrückgewinnungssystemen ausgestattet. Bei den Waschschleudermaschinen ist dies optional. Denn nicht bei allen Wäschearten macht es Sinn, eine Maschine mit einem Wasserrückgewinnungssystem zu ergänzen. Also auch hier ist die Beratung ganz wichtig. Schließlich kann man Energie beispielsweise auch durch den Einsatz eines Abwasserwärmetauschers sparen.

de Cruz Pujades: Die Beratung fängt bei Girbau schon viel früher an. Zum Beispiel verlangen viele Unternehmensgründer, wenn sie Mangelstuben eröffnen wollen, ihre Maschinen elektrisch beheizt. Dann rechnen wir ihnen vor, was für Kosten sie damit erwarten müssen und stellen alternativ dampf- beziehungsweise gasbeheizte Maschinen entgegen. Es ist ein banales Beispiel. Aber es zeigt unter anderem, dass für einen Branchenneuling schon die Entscheidung für eine bestimmte Beheizungsart fundamental sein kann.

Rattay: Ich habe Kunden, die haben ihre Technik dampfbeheizt, weil in der Woche die Mangel mitläuft. Am Samstag, wenn die Mangel nicht mehr arbeitet und man eben schnell noch eine Maschine waschen muss, wird einfach über einen Schalter auf Elektrobeheizung umgeschaltet.

Bevor ich einen Kunden optimal beraten kann, muss ich den Betrieb kennenlernen. Ich muss wissen, welche Wäschearten in welchen Mengen bearbeitet werden, wie sind die Räumlichkeiten, wie sind die Möglichkeiten, wie ist die Energieversorgung ? Aus diesen Informationen kann man eine für den Kunden optimale Lösung entwickeln. Wenn man ihn falsch berät, kann es für den Kunden schnell teuer werden. Deswegen nehmen wir uns für eine Beratung auch die notwendige Zeit. Dies kann für eine große Wäscherei auch ein paar Tage in Anspruch nehmen.

WRP: Energiesparen ist ein bedeutendes Thema in der Branche, welche Tendenzen beobachten sie außerdem ? Was kann man von Girbau im nächster Zeit erwarten, welche Produkte/Lösungen sind geplant ?

de Cruz Pujades: In den Textilreinigungen beobachten wir immer noch eine starke Entwicklung hin zur Nassreinigung. Wenn Sie uns nach den Trends bei Girbau fragen: Zum Beispiel gibt es jetzt die Inteli-Steuerung für alle Maschinen der 6-Reihe. Dieses Inteli-Verfahren – bedient wird die Steuerung über Symbole, es gibt keinen Text mehr –, wird übrigens auch bei der Waschstraße, bei der Entwässerungspresse und der neuen Mangel eingesetzt. Es gibt also eine einheitliche Steuerung für unser ganzes Produktprogramm. Der Bedienungskomfort wird durch diese einheitliche Steuerungsstruktur natürlich erheblich gesteigert. Und durch die Symbolsteuerung wird die Maschine sicher bedient – unabhängig zum Beispiel von den Sprachkenntnissen des Bedieners.

Außerdem arbeiten wir zur Zeit daran, unsere Waschstraße von aktuell zwölf auf 16 Module zu vergrößern. Schließlich werden wir Ende des Jahres unsere neue 1200er Muldenmangel präsentieren. Mit dieser neuen Mangel werden wir auch verstärkt unsere Eingabe- und Falttechnik forcieren. Und können so unseren Kunden eine komplette Mangelstraße aus einer Hand anbieten.

Interview aus WRP 10-2009