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Alsco Berufskleidungs-Service

CSR bedeutet, Balancen herzustellen und sich im Alltag an langfristigen Zielen zu orientieren

Die Alsco Berufskleidungs-Service GmbH ist die deutsche Gesellschaft der Alsco – Gruppe, die als American Linen Supply Company 1889 in Salt Lake City, USA, ihre historischen Wurzeln hat. Alsco ist national und international ein Schwergewicht der Textilservice Branche und immer noch ein Familienunternehmen. Geführt von der Familie Steiner in vierter Generation und in Deutschland von Martin Swierzy, sind unternehmerische Werte von Beginn an leitender Bestandteil der Unternehmensführung. Im Interview des Monats sprachen wir mit Martin Swierzy über CSR und Nachhaltigkeit. Swierzy ist diesem Thema auch über Alsco hinaus als Vizepräsident von intex und Sprecher der Arbeitsgruppe CSR bei intex verbunden.

Martin Swierzy
Martin Swierzy ist Geschäftsführer bei Alsco Berufskleidungs-Service. Er studierte Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Abschluss als Diplom-Kaufmann startete er 1992 als Management-Trainee bei Alsco in München. Im Jahr 1994 wurde Martin Swierzy Niederlassungsleiter des Alsco Standortes Kaiserslautern, 2005 Regional-Distrikt-Manager für Süddeutschland. Seit 2006 ist Martin Swierzy Geschäftsführer der Alsco Deutschland.
Nachhaltigkeit wird auch funktionieren, wenn nicht alle mitmachen.
Die Methodik von CSR bietet einen ganz entscheidenden Vorteil: Wenn man nach den Grundsätzen der CSR handelt, behält man das Heft des Handelns in der Hand.
WRP: Alsco wurde für den CSR-Preis der Bundesregierung nominiert. Da können Sie und Ihre Mitarbeiter richtig stolz sein.

Swierzy: Am Donnerstag, den 24. April ist der Preis vergeben worden. Wir waren in der Kategorie Unternehmen mit 500 bis 4.999 Mitarbeitern nominiert, zusammen mit den vier anderen Unternehmen Microsoft Deutschland, Hipp Baby- und Kindernahrung, der Bremer Straßenbahn AG und dem Sport- und Outdoor Ausstatter Vaude. Es gab drei Schritte im Auswahlverfahren: erst musste ein umfangreicher Fragebogen beantwortet werden, dann wurden von einem Expertengremium ausführliche Befragungen bei Stakeholdern durchgeführt und schließlich fanden Gespräche mit der Jury zu verschiedenen Aspekten von CSR statt. Zur Jury zählte z.B. die Vorstandsvorsitzende von Transparency International Deutschland, Frau Prof. Edda Müller, oder der für CSR zuständige Staatssekretär im Bundessozialministerium Gerd Hoofe, der auch Vorsitzender der Jury war. Als Preisträger wurde dann schließlich in unserer Kategorie die Firma Hipp GmbH & Co.

Hipp ist weltweit das Unternehmen, welches am meisten biologisch angebaute Produkte zu Lebensmitteln verarbeitet. Mit solchen Unternehmen zusammen nominiert zu sein ist für uns schon prima. Wir sind froh darüber und mit wir meine ich das ganze sieben Personen starke CSR-Team von Alsco, welches auch in Berlin zur Preisverleihung war.

WRP: Wirkt diese Nominierung auch nach Innen in das Unternehmen Alsco hinein ?

Swierzy: Ja und das geht weiter. Wir haben unsere Mitarbeiter über die Nominierung informiert. Die Nominierung hilft uns, für CSR auch bei den Mitarbeitern hin Aufmerksamkeit zu schaffen. Es ist wichtig, dass unserer Leute merken, Alsco setzt sich für CSR ein und das wird auch von der Umwelt positiv gesehen. Der CSR-Preis der Bundesregierung und unsere Nominierung sind eine Situation, die Aufmerksamkeit schafft. Unsere Mitarbeiter bekommen mit, dass außerhalb unseres Unternehmens wahrgenommen wird, dass Alsco als Unternehmen Verantwortung übernimmt. Das schafft nochmal eine andere Perspektive, ein anderes Gewicht. „Oh ja, stimmt, sowas machen wir“, mögen manche denken, „und dass finden andere auch gut“. Das ist eine Bestätigung für unsere Mitarbeiter und unser Unternehmen.

WRP: Nehmen auch Ihre ausländischen Schwestergesellschaften die Nominierung für den Preis der Bundesregierung wahr ? Wirkt Alsco Deutschland als Vorbild ?

Swierzy: Die Alsco ist so organisiert, dass jede Landesgesellschaft ihren Markt eigenständig bearbeitet. Dabei hat jede ihre eigene gesellschaftliche und wirtschaftliche Umgebung. Diese landesspezifischen Umgebungen müssen berücksichtigt werden. Wenn ich Ihre Frage etwas umdeute: wir könnten in Deutschland nicht CSR nach vorne bringen, wenn es nicht auch die Grundhaltung unseres gesamten, internationalen Unternehmens wäre. Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen und ich habe auch kürzlich auf der IDC (International Detergency Conference, d.Red.) die heute noch lebendigen Grundwerte zitiert wie sie von George Steiner, dem Gründer von Alsco formuliert wurden. Das sind: die Konzentration auf das Geschäft, Aufrichtigkeit gegenüber unseren Mitarbeitern und Kunden, Ehrgeiz und die Bereitschaft, Gewinne wieder zu investieren. Das ist auch heute die Basis unseres Handelns und unserer CSR-Aktivitäten. Unsere Aktivitäten in Deutschland werden bei den ausländischen Schwestergesellschaften und bei unseren Eigentümern wahrgenommen, aber ich will mir nicht anmaßen, dass wir deshalb in die Schwestergesellschaften hineinwirken. Alsco ist von den Eigentümern her durch die Übernahme von Verantwortung geprägt.

WRP: Was heißt CSR bei Alsco denn praktisch ?

Swierzy: Zunächst erleben wir unsere CSR- bezogenen Aktivitäten gar nicht als etwas so sehr Besonderes. Es hat mehr damit zu tun, welche Haltung wir, die handelnden Personen im Unternehmen, an den Tag legen. Es gibt Hunderte von Tagesentscheidungen und dabei ist wichtig, dass Sie mit unseren langfristigen Zielen übereinstimmen, und nicht, dass man kurzfristig irgendwie etwas erledigt bekommt oder einen kurzfristigen Vorteil herausschlägt. Neben den vielfältigen Alltagsentscheidungen sind aber auch Leuchturmprojekte notwendig, die unsere Werthaltung besonders betonen und herausstellen.

WRP: CSR wird häufig in die Komponenten ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung unterteilt. Welche praktischen Maßnahmen von Alsco zielen auf mehr Verantwortung für die ökologische Qualität der Umwelt ?

Swierzy: Ich will jetzt nicht das Wasserspar-Argument bringen, das wird etwas überstrapaziert. Jeder, der den Sinnerschen Kreis kennt, weiß, dass weniger Wasser durch eine andere Komponente ausgeglichen werden muss und es ist nicht immer so gelöst, dass dies ökologisch sinnvoll ist. Für Alsco ist die Hygiene von großer Bedeutung, z.B. bei der Berufsbekleidung für die lebensmittelverarbeitende Industrie und wir sind nicht der Auffassung, dass wir ausreichend Hygiene mit minimalem Wasserverbrauch realisieren können. Wir betreiben deshalb keine Minimierung des Wasserverbrauchs.

Gleichwohl haben wir an vielen Standorten stark in die Wiederaufbereitung von Wasser investiert und sparen dadurch Wasser. Das erfordert aber einen erheblichen Energieaufwand. Hier am modernisierten Standort Frankfurt entfällt etwa ein Drittel des Energieaufwandes auf die Wiederaufbereitung von Wasser. Nimmt man nun den CO² – Ausstoß als Kriterium für ökologische Verbesserung, dann verschlechtert sich unsere ökologische Bilanz durch Wasseraufbereitung sogar, weil die eigentlich positive Wasserersparnis CO²-neutral ist, der notwendige Energieaufwand aber den CO² – Ausstoß erhöht.

In unserer Branche kann man die ökologische Verbesserung nicht allein durch den CO²-Abdruck erfassen. Wir benötigen mehr Dimensionen. Für mich gehört das Thema Hygiene dazu. Insgesamt geht es bei CSR darum, und das gefällt mir besonders, Balancen herzustellen und nicht in eine Richtung zu maximieren.

WRP: Lassen Sie uns doch noch kurz bei der CO² – Bilanz bleiben. Alsco erarbeitet und veröffentlicht solch eine Bilanz und ist damit ja eines der wenigen Unternehmen in der Branche. Was ging denn positiv in die CO² Bilanz ein ?

Swierzy: Beispielsweise haben wir in der Wäscherei in den letzten 10 bis 15 Jahren von Erdöl auf Erdgas umgestellt. Das hat einen deutlich positiven Effekt gehabt. Dann haben wir in der Wäscherei Finisher und Trockner von indirekter Beheizung auf direkte Beheizung umgestellt. Das führt zur Verbesserung der Energieeffizienz. Das ist nicht die dampflose Wäscherei, aber eine dampfärmere Wäscherei. Aufgrund unseres Modernisierungsprogramms der Standorte, konnten wir maschinelle Voraussetzungen schaffen, die eine Standardisierung der Waschprogramme ermöglicht. Dadurch können wir vergleichen und von Standort zu Standort den Ressourcenverbrauch optimieren. Ein weiteres Thema ist der Transport. Wir erfassen den Benzinverbrauch pro Fahrzeug und bei Auffälligkeiten wird das Fahrzeug kontrolliert. Etwaige Ursachen für Mehrverbrauch werden angegangen. Das geht von technischen Mängeln bis hin zum Fahrverhalten der Mitarbeiter. Wir schulen bei unseren Fahrern spritsparendes Verhalten. Das alles zusammengenommen beeinflusst unsere CO²-Bilanz positiv. Zusätzlich muss die laufende Optimierung der Touren gesehen werden. Das ist ein Thema mit ständigen Veränderungen und Optimierungsbemühungen.

WRP: Der Transport wird ja zuweilen als ökologische Schwachstelle des Textilservice angesehen im Vergleich zu unternehmenseigenen Wäschereien…

Swierzy: Ist das wirklich eine Schwachstelle ? In unserer arbeitsteiligen Welt gehören Transporte zu Spezialisten dazu. Das gibt insgesamt Vorteile. Alsco hat 19 Standorte in Deutschland und unsere Fahrer haben einen Radius von etwa 100 bis 150 Kilometer bei ihren Touren. Auf so einer Tour werden viele Kunden angefahren, sodass Alsco recht nah zu den meisten Kunden liegt.

WRP: Es gibt in unserer Branche etwa 30 Zertifikate, die verwendet werden, um die Nachhaltigkeit der Unternehmen zu dokumentieren. Welche Zertifikate hat sich Alsco erarbeitet ?

Swierzy: Wir führen u. a. den Blauen Engel für Nassreinigung, RAL und RABC, ISO EN 9001 und als erstes Unternehmen auch das neue wfk-Siegel für Textilhygiene für die Aufbereitung von Reinraumtextilien.

WRP: Was macht Alsco in der Praxis, um als Unternehmen mehr gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen ?

Swierzy: Das hat bei uns zwei Richtungen, einerseits eine unternehmensinterne und andererseits die über das Unternehmen herausgehende Richtung. Ein Beispiel für die von Alsco außerhalb des Unternehmens geförderte gesellschaftliche Entwicklung ist unser Engagement bei den Europa Miniköchen. Bei dem Projekt geht es darum, Kinder im Alter von 10 und 11 Jahren für die Themen Kochen, Gesundheit, Hygiene, Etikette, gesunde Ernährung und eine intakte Umwelt zu interessieren. Zudem werden sie auf eine berufliche Zukunft in der Gastronomie
vorbereitet. Das Projekt existiert seit vielen Jahren. Es wurde von Jürgen Mädger gestartet und ist heute europaweit und dezentral organisiert. Wir fördern dieses Projekt seit über 10 Jahren sehr gerne u. a. mit Firmenbesuchen, gastronomischen Auftritten bei großen Veranstaltungen und der Bereitstellung von Kochbekleidung für die 10 bis 11-jährigen.

Ein weiteres Projekt, welches uns sehr am Herzen liegt ist die Aus- und Weiterbildung bei der Alsco. Damit nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber jungen Menschen wahr, die eine qualifizierte Ausbildung suchen, aber gleichzeitig ist das natürlich auch wichtig für die weitere Entwicklung von Alsco. Wir bilden in mehreren Berufen aus, nicht nur im klassischen Textilpflegebereich. Zu den Ausbildungsberufen, die wir anbieten zählen u.a.: Textilreiniger/in, Servicefahrer/in, Mechatroniker/in, Bürokaufmann/-frau, Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation, Industriekaufmann/-kauffrau und Fachkraft für Lagerlogistik. Letztes Jahr hat sich jede Niederlassung verpflichtet, einen Ausbildungsplatz mehr als im Vorjahr einzurichten. Darüber hinaus haben wir ein eigenes Weiterbildungsprogramm in zwei Stufen. Zunächst kann jeder Mitarbeiter sich bewerben, um an einem Basisprogramm für das mittlere Management teilzunehmen. Und dann gibt es eine zahlenmäßig kleinere Gruppe, die auf die Übernahme von höheren Managementaufgaben vorbereitet wird. Bei allen Kursen ist es so, dass es keine Garantie für eine entsprechende Karriere gibt, aber wir zeigen einen klaren, transparenten Weg auf. Heute, kann ich sagen, dass fast das gesamte leitende Management von Alsco vorher eine andere Position in der Firma hatte und so gesehen ein Alsco-Eigengewächs ist. Ich persönlich habe als Management-Trainee angefangen und bin erst über die Zeit in leitende Funktionen gekommen. Für uns ist die Aus- und Weiterbildung von Alsco auch gesellschaftlich orientiert, weil wir beitragen zu den Themen Ausbildungs- und Erwerbschancen und lebenslanges Lernen. Häufig wird gerade in der Textilpflege geklagt, es gäbe nicht genügend Fachkräfte. Wir haben hier investiert und das ist erfolgreich.

WRP: Eine Detailfrage: übernehmen Sie die Auszubildenden, wenn ihre Ausbildung beendet ist ?

Swierzy: Von der Grundidee her wollen wir das und wir haben bisher allen fertig Ausgebildeten Arbeitsplätze angeboten. Allerdings nicht immer am Ausbildungsort, weil der Bedarf dann gerade woanders größer ist. Aber ich denke, dass kann man jungen Leuten durchaus zumuten. Oft sind damit auch bessere Entwicklungschancen verbunden als wenn die Person im Ausbildungsbetrieb weiter arbeitet. Ich halte eine Ausbildungsquote zwischen 5 und 10 % für betriebswirtschaftlich und gesellschaftlich sinnvoll. Wir sehen Auszubildende nicht als preiswerte Arbeitskräfte, sondern als Investition in die Zukunft, die nicht nur Alsco zu Gute kommt, sondern auch der Branche und im weiteren Sinne der Gesellschaft.

WRP: Zur Nachhaltigkeit gehört auch, dass die Unternehmen für ihre dauerhafte Profitabilität sorgen, um Arbeitsplätze zu sichern, Wohlstand zu produzieren und gesellschaftliche Verpflichtungen übernehmen zu können. Was macht Alsco, um dauerhaft profitabel zu sein ?

Swierzy: Für uns ist wichtig, dass wir Planung in verschiedenen Zeithorizonten durchführen. Wir messen unsere Leistung an verschiedenen Indikatoren über die Standorte hinweg und in verschiedenen Zeithorizonten. Dadurch können wir erstmal zwischen den Standorten vergleichen und wenn da auffällige Abweichungen sind, nutzen wir das, um uns zu verbessern. Dabei haben wir aber auch unterschiedliche Planungshorizonte. Zusammengefast könnte man sagen, wir planen unseren unternehmerischen Erfolg in einer Art rollierender Mehrjahresplanung. D.h. wir schauen einerseits wie sich manche Indikatoren kurzfristig entwickeln, aber uns ist auch die besonders langfristige Perspektive besonders wichtig. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist das besonders relevant.

WRP: Wesentlich für die dauerhafte Profitabilität sind Investitionen, sei es um die Produktivität zu erhöhen oder um beispielsweise Energie zu sparen. Wie sieht das bei Alsco aus ? Haben Sie eine Leitlinie für Investitionen ?

Swierzy: Wir haben über die Jahre eine ziemlich konstante Investitionsquote und seit 2000 etwa zwei Drittel unserer Standorte komplett oder zu wesentlichen Teilen modernisiert. Dadurch ist unsere Leistungsfähigkeit gestiegen und wir sind besser in der Lage, den wachsenden Anforderungen unserer Kunden und unserer Mitarbeiter gerecht zu werden. Bei der Finanzierung kommt unser Firmengrundsatz zum Tragen, dass die Gewinne für Investitionen genutzt werden, und nicht aus dem Unternehmen herausgezogen werden. Zur langfristigen Sicherung der Profitabilität gehören für uns auch zufriedene Kunden. Wir arbeiten stark am verantwortlichen Umgang mit Kunden und führen zum Beispiel Kundenzufriedenheitsmessungen und externe Auditierungen unseres Services durch. Unsere Bemühungen werden bei vielen Kunden anerkannt. Wir sind z.B. 2012 zum dritten Mal hintereinander von der Cateringbranche mit dem Cateringstar ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung beruht auf der Befragung von 1500 Cateringmanagern und –einkäufern.

WRP: Vor Jahren wurde die Profit­orientierung von Unternehmen und Umweltbewußtsein als Gegensatz angesehen. Die grüne Bewegung war anfänglich auch eine antikapitalistische Bewegung. Wie kommt es, dass heute Profitstreben und Umweltschutz nicht mehr als Gegensatz erscheinen ?

Swierzy: Ich will hier nicht philosophieren oder politisieren, aber eines ist für mich ganz klar: Je länger man den Zeithorizont setzt, desto weniger sind Ökonomie und Ökologie ein Gegensatz. Bei einem langfristigen Planungshorizont kommen Umweltkosten auf das Unternehmen zurück. Da können wir uns auch gleich damit beschäftigen. Eine Branche, die das früh gesehen hat, ist die Chemische Industrie. Für mich ist es klar, dass die Chemische Industrie heute nicht mehr im dicht besiedelten Deutschland produzieren würde, wenn sie nicht seit vielen Jahren CSR-Aktivitäten entfaltet hätte, wobei das vor Jahren noch nicht so hieß. Auch ökologische Tatbestände und Kosten müssen wir versuchen in Geld auszudrücken, denn Unternehmen müssen am Ende einen Mehrwert schaffen, sonst haben sie keine Berechtigung.

WRP: Nun ist ein Unternehmen keine Insel, sondern vielfältig verflochten. Wie wirken Sie auf Ihre Lieferanten ein, sodass sie in das Nachhaltigkeitskonzept von Alsco passen ?

Swierzy: Wenn Sie damit alle Lieferanten, also auch Maschinen- und Chemiehersteller meinen, beginne ich damit. Wir schauen bei der Einkaufsentscheidung keineswegs nur auf den Preis, sondern auch auf andere Aspekte, die für mich mit Nachhaltigkeit und Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kunden zu tun haben. Bei Maschinenherstellern ist sehr wichtig, was für ein Servicenetz sie unterhalten, damit wir unsere Investition möglichst gut und langfristig nutzen können. Wir schauen aber auch darauf, welche Auswirkungen die Maschinenlösung auf den Arbeitsplatz hat, z.B. bezüglich der Sicherheit der Mitarbeiter im Waschhaus. Ähnlich bei der Waschchemie. Auch dort geht es nicht nur um den Preis, sondern zusätzlich darum, wie stark die Fasern der Textilien angegriffen werden, oder ob die angestrebte Hygiene realisiert werden kann. Das hört sich vielleicht wie Alltagsgeschäft an, aber es ist wichtig, um unsere Leistung zum Kunden nachhaltig zu sichern. Letztlich geht es um den Nutzen für das Unternehmen, die Kunden, Mitarbeiter und Eigentümer. Das sind die Gruppen, an deren Ansprüchen wir uns verantwortungsvoll ausrichten.

WRP: Schauen Sie denn bei den Maschinenherstellern und Chemielieferanten auch wie die produzieren ? Das ist bei den Textillieferanten ja ein heißes Thema.

Swierzy: Bei den Maschinenherstellern ist das einfach. Wir besuchen die, und wir wissen wo und wie sie produzieren. Wir benötigen einen sehr hohen Technologiestand, da gibt es nicht viele Unternehmen und die produzieren mit hochstehender Qualität und Technik. Und Chemieunternehmen müssen z.B. entsprechend den REACH-Bestimmungen arbeiten. Bei uns sind die Markteintrittsbarrieren, Gesetze und Verordnungen für Chemielieferanten so hoch, dass es nur recht wenig, aber sehr hochwertig produzierende Firmen gibt. Alsco macht mit seinen Chemielieferanten langlaufende Verträge. Die müssen auch in fünf Jahren noch das liefern können, was wir ursprünglich fixiert haben. Es gibt nicht viele Unternehmen, die das leisten können. Das geht nur bei einer nachhaltig angelegten Produktion. Auch die Produktion unserer Maschinenlieferanten ist üblicherweise in Westeuropa. Das erforderliche Ausbildungsniveau erlaubt nur beschränkt den Einsatz preiswerter Arbeitskräfte, da sehen wir keine Probleme aus CSR-Perspektive.

WRP: Die Struktur in der Textil- und Bekleidungsindustrie ist nicht so. Viele Lieferanten produzieren in Fernost, Nordafrika oder in Osteuropa. Die Käufer von Berufsbekleidung wissen häufig nicht viel über die Produktionsverhältnisse. Der Kostendruck ist so groß, dass die Bekleidungsindustrie wandert und sich ständig neue Quellen erschließt, um die internationalen Kostendifferenzen zu nutzen. Die Unternehmen sind häufig eher klein, die Produktionsverhältnisse unübersichtlich. Was tut Alsco, um die Nachhaltigkeit bei den eingesetzten Textilien zu sichern ?

Swierzy: Zunächst einmal arbeiten wir mit definierten Produkt­anforderungen, mit Standards, die wir unseren Lieferanten abverlangen. Das ist notwendig, um Bekleidung anbieten zu können, die eine sinnvolle Lebensdauer hat. Zu diesen geforderten Standards zählen auch CSR-Kriterien. Dann tauschen wir uns mit unseren Textillieferanten auch aus. Dabei machen wir die Erfahrung, dass sich eine Reihe von Lieferanten und da möchte ich exemplarisch Bierbaum Proenen und HB-Schutzbekleidung nennen, intensiv mit öko-sozialen Themen auseinandersetzen. Durch den Austausch lernen wir sehr viel. Es wird deutlich, dass unser Streben nach langlebiger Berufsbekleidung, die wir möglichst häufig wieder aufbereiten können, sehr gut zusammenpasst mit einer nachhaltig angelegten Bekleidungsproduktion. Das ist ein Vorteil, den der Textilservice gegenüber Anbietern hat, die sich nicht an Pflegezyklen orientieren. Wir brauchen Konfektionäre, die systematisch produzieren und gute wie auch sichere Qualität anbieten. Das geht nur, wenn die Arbeitskräfte nicht ständig wechseln. Das heißt, die Arbeitskräfte müssen vernünftig behandelt werden. Und sie müssen ausgebildet werden, weil sonst unsere Anforderungen nicht dauerhaft erfüllbar sind. Wir benötigen Produkte, die nicht nach wenigen Wäschen außer Form geraten, wo die Accessoires in kurzer Zeit verloren gehen oder die Farbe auswäscht. Deshalb müssen hochwertige Farbstoffe eingesetzt werden. Die sind teuer und um damit sparsam umzugehen, werden systematische, sichere Verfahren benötigt, eine gute Infrastruktur mit Leitungen, die instandgehalten werden etc. Und das erfordert wieder gut ausgebildete Mitarbeiter und ein sorgfältig arbeitendes Management. Das passt.

WRP: Das ist nun eine Art Rückschluss. Der Textilservice benötigt hochwertige Qualität und die lässt sich nur unter nachhaltigen Produktionsbedingungen herstellen. Fragt Alsco auch spezifisch nach z.B. Einhaltung der ILO–Kernarbeitsnormen ?

Swierzy: Das gehört zu den Standards, die wir einfordern. Wenn wir Verträge machen, müssen unsere Lieferanten garantieren, dass die ILO-Normen eingehalten werden. Wenn Sie mich fragen würden „Wie kontrollieren Sie das ?“, dann müßte ich Ihnen antworten, dass wir das als Alsco allein nur schwer kontrollieren können. Deshalb arbeiten wir im Rahmen von Intex an Möglichkeiten, diese Kontrolle mit anderen Nachfragen aus dem Textilservice gemeinsam zu tun. Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die herausarbeitet, wo wird was in welchen Stufen der textilen Kette produziert. Dafür wurden für einige Produkte die Wertschöpfungsschritte in der textilen Kette analysiert. Dabei stellte sich z.B. heraus, dass eine PSA-Warnschutzbekleidung, die im Textilservice verwendet wird, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in Westeuropa produziert wird. Das sieht für andere Produkte anders aus. Wir versuchen so derzeit, die Risikopotenziale der von uns eingesetzten Bekleidung besser zu verstehen, damit wie die Anforderungen an unsere Lieferanten und eingesetzten Produkte als Branche genauer fassen können. Ziel dieser Arbeiten ist nach meiner Auffassung, dass wir branchengültige Standards schaffen.

WRP: Und wie sollen die kontrolliert werden ?

Swierzy: Die sollen extern kontrolliert werden, das finde ich sehr wichtig und das geht auch. Dieser Ansatz geht möglicherweise über den deutschen Textilservice hinaus und kann supranational werden in dem die Erfahrungen aus andern Ländern und Unternehmen berücksichtigt werden und auch die Finanzierung für jedes Teil, welches so kontrolliert wird, auf eine breitere Basis gestellt werden kann. Es geht darum, Vertrauen zu schaffen.

WRP: Mit einem zusätzlichen Label ? Haben wir nicht genug Labels und Zertifikate ?

Swierzy: Wir haben zu viele Zertifikate und Auszeichnungen. Das ist in der Fülle nicht mehr sinnvoll. Unser Ansatz ist anders: Wir kommen von den Notwendigkeiten und Anforderungen der Textilservicebranche als Nachfrager nach Bekleidung. Wir arbeiten daran, als Branche Standards für unsere Zwecke zu formulieren. Für mich haben alle im Markt befindlichen Labels und Zertifikate bisher einen Nachteil. Sie schauen sich ökosoziale Kriterien aus der Sicht der Konfektionäre an, sie haben aber nicht die für uns so wichtige Dimension Langlebigkeit der Textilien im Fokus. Die Langlebigkeit von Textilien ist die entscheidende Komponente, die ich hineinbringen möchte. Darin ist auch der wichtigste gesellschaftliche Beitrag des Textilservice zur Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. Wir verlängern die Lebensdauer von Textilien und wollen ein Bekleidungsstück nicht nur 30 oder 40 mal nutzen, sondern hundert mal und noch mehr, wenn es geht. Wir sprachen schon darüber, dass der CO² – Abdruck die Nachhaltigkeit sehr verkürzt darstellt. Insbesondere kommt beim CO²-Abdruck nicht zum Ausdruck, was an Ressourceneffizienz erreicht wird, wenn das Textil langfristig genutzt wird. Das möchte ich ändern.

Damit schließt sich auch wieder der Kreis zur einfachen Analogie: Wer relativ kostenintensiv produziert, der arbeitet eher nachhaltig als ein Unternehmen, das billig produziert. Wenn wir die Langlebigkeit und die dazu führenden Standards für Produkte und Produktion in einem Qualitätslabel integrieren, dann werden westeuropäische Hersteller auch wieder bessere Chancen haben, ihr Know how kostengerecht einzusetzen. Hersteller, die sich vor allem über die Optimierung von Kosten definieren, haben meistens nicht das Know how, um Textilien für eine Langlebigkeit zu produzieren, die wir mit dem Textilservice anstreben und auch erreichen.

Manche Labels sind auch mit Erwartungen verknüpft, die nicht ausreichend an Ressourcenschonung denken. Es gibt Kunden, die fragen uns nach Produkten aus ökologisch angebauter Baumwolle. Es ist dabei häufig nicht klar, dass die ökologisch angebauten Produkte viel mehr Wasser benötigen als konventionell angebaute Baumwolle. Ein anderes Thema ist, dass Baumwolle als Naturfaser von vielen Kunden hoch geschätzt wird, aber im Prozess der Textilpflege deutlich mehr Ressourcen verbraucht als Mischungen aus Baumwolle mit z.B. Polyester. Hier ist noch viel daran zu arbeiten, Langlebigkeit und Kosteneffizienz auch mit Hilfe von Labels zu stärken.

WRP: Sie haben mehrfach betont, dass nachhaltige Produkte teurer sind als nur kurzfristig zu verwendende Bekleidungsteile. Auf der anderen Seite sehen wir einen starken Preiskampf bei den Textilservice-Anbietern mit teilweise fallenden Preisen, zu denen auch die liefernde Kette ihre Beiträge leisten muss. Können sich nachhaltig, d.h. relativ teuer produzierte Bekleidungsteile im Textilservice halten ?

Swierzy: Ich sehe das so, dass langlebige, nachhaltig produzierte Berufsbekleidung über ihre Lebensdauer gerechnet preiswerter ist als preisgünstige, nicht auf einen langen Lebenszyklus abgestellte Berufsbekleidung. In der modischen Konsumentenbekleidung wird ein häufiger Kollektionswechsel als Stimulierung der Nachfrage eingesetzt. Mode als Element der Lebenszeitverkürzung für ein Textil ist ein Problem für die Nachhaltigkeit. Und es ist für den Konsumenten teurer. Extrem ist das bei dem Angebot eines Handelsunternehmens, welches alte Bekleidung für neue Ware in Zahlung nimmt. Da werden Textilien, die noch funktionsfähig sind vernichtet, um neue Ware mit gleicher Funktionalität zu verkaufen. Selbst wenn das geschreddert wird, um Wischlappen daraus zu machen, halte ich das für Ressourcenvernichtung.

Modische Gesichtspunkte sind auch für die Berufsbekleidung und ihre Akzeptanz wichtig, aber ein Problem an dem wir unter dem Gesichtspunkt der Langlebigkeit und Nachhaltigkeit arbeiten müssen. Wir wollen als Textilserviceunternehmen unsere Textilien langfristig einsetzen. Es muss sich z.B. auch lohnen, kleine Mängel zu reparieren. Das wollen unsere Kunden auch. Es ist eine Aufgabe des Textilservice, den Kunden die Vorteile und auch die Bedingungen langfristig einsetzbarer und damit auch nachhaltiger Bekleidung transparent zu machen. Da haben wir den Vorteil, dass Unternehmen anders mit dem Geld umgehen als Konsumenten und ökonomische Überlegungen gerade bei großen Summen eine entscheidende Rolle spielen.

WRP: Erfordert Nachhaltigkeit in der Textilpflege, dass alle mitmachen ?

Swierzy: Es wäre wünschenswert, wenn alle mitmachen. Es wird aber auch funktionieren, wenn nicht alle mitmachen, aber eine kritische Größe und möglichst die Mehrheit wäre schon gut. Die Themen, die wir mit CSR und Nachhaltigkeit verbinden, die sollten allgemeines Gedankengut werden.

WRP: Wird es für die Unternehmen normal werden, neben Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung eine öko-soziale Rechnungslegung zu erstellen ?

Swierzy: Meine persönliche Einschätzung ist, dass es normal sein wird. Je länger der gedankliche Horizont gesetzt wird, desto vernünftiger ist es, auch die öko-soziale Seite unseres Handelns zu berücksichtigen und zu dokumentieren.

WRP: Vielen Dank für das Gespräch.

Interview aus WRP 05-2013