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Lavatec Laundry Technology

Der deutsche Markt ist für uns von sehr hoher Bedeutung

Bereits im ersten Jahr hat die Heilbronner Lavatec Laundry Technology ihr Ziel erreicht, in allen Märkten profitabel zu arbeiten. Das Unternehmen hatte 2010 den traditionsreichen Wäschereimaschinenhersteller Lavatec übernommen. Wir sprachen mit Wolf-Peter Graeser, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Lavatec Laundry Technology, über die Gründe dieser Akquisition und die bisherige Entwicklung seines Unternehmens.

Wolf Peter Graeser
Wolf-Peter Graeser ist Geschäftsführender Gesellschafter der Lavatec Laundry Technology in Heilbronn. Nach dem Studium zum Diplom-Ingenieur startete er seine Karriere im Jahr 1987 im Mercedes Motorenwerk in Mannheim. Weitere Stationen waren die Firmen LuK (Kupplungs- und Getriebesysteme) und Fresenius (unter anderem als Vorstand für innovative Medizintechnik sowie die Krebsforschung). Später ging Graeser zu Läpple in Heilbronn, um die Nachfolge des Firmeneigners in der Geschäftsführung/im Vorstand anzutreten. Seit 11. September 2009 ist Wolf-Peter Graeser bei Lavatec Laundry Technology.
Über alle Produkt- und Dienst­­leistungsfelder hinweg verzeichnen wir Wachstum auf nationaler und internationaler Ebene.
Wir wollen in absehbarer Zeit mindestens die Größe der alten Lavatec wieder erreichen. Dabei sind wir auf einem guten Weg.
Lavatec Laundry Technology offeriert ein umfangreiches Dienst­leistungspaket rund um die Wäscherei: Von der Ablaufoptimierung, über den Instandhaltungsservice bis hin zur Unterstützung bei Finanzfragen.
WRP: Herr Graeser, am 1. Juni 2010 ist die Lavatec Laundry Technology GmbH durch den Kauf von einigen Teilen der alten Lavatec, die in Insolvenz gegangen war, neu gegründet worden. Wie läuft das Geschäft heute? Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?

Wolf-Peter Graeser: Lavatec Laun­­dry Technology hat sich von Beginn an gut entwickelt. Wir haben unser erstes Geschäftsjahr sehr erfolgreich abgeschlossen – sowohl bei den Erlösen als auch beim Ergebnis. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen. Wir haben in allen internationalen Märkten signifikante Umsätze und Gewinne erzielt und konnten weltweit zahlreiche neue Kunden gewinnen. Auch unser Auftragsbestand und unser Auftragseingang liegen weit über Plan.

Wir starteten im vergangenen Jahr mit 20 Mitarbeitern. Viele von ihnen hatten bereits für die alte­ ­Lavatec gearbeitet. Deren Kunden waren informiert und warteten darauf, dass wir unsere Arbeit aufnehmen konnten. Die Nachfragen nach neuen Maschinen, Ersatzteilen und Dienstleistungen waren bereits an unserem ersten offiziellen Arbeitstag vorhanden. Schon acht Tage nach Produktionsstart lieferten wir die erste Maschine aus. Und das Ersatzteilgeschäft lief schnell an. Das absehbar gute Geschäft mit Originalteilen und Dienstleistungen war ein wichtiges Argument für die Übernahme der alten Lavatec und begrenzte das unternehmerische Risiko auf ein vernünftiges Maß. Schließlich hatte die alte Lavatec über viele Jahre hinweg weltweit tausende von Maschinen verkauft, die gewartet werden wollen – auch wenn die Lavatec-Maschinen damals wie heute deutlich weniger Wartung und Reparaturen benötigen als vergleichbare Anlagen von Wettbewerbern. So konnten wir über das Ersatzteilgeschäft sofort einen positiven Cashflow generieren.

Besonders wichtig für uns ist, dass unsere Kunden wieder Vertrauen gefasst haben. Über alle Produkt- und Dienstleistungsfelder hinweg verzeichnen wir Wachstum auf nationaler und internationaler Ebene. Deswegen ist unsere Mannschaft mit 70 Mitarbeitern alleine in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt bereits deutlich größer als wir das ursprünglich für heute geplant hatten.

WRP: Und jetzt bedient Lavatec Laundry Technology mit Neumaschinen und Ersatzteilen wieder weltweit Märkte?

Graeser: Wir sind nicht nur in allen großen Industrienationen vertreten, sondern verzeichnen auch eine steigende Nachfrage aus Schwellenländern in Asien und Lateinamerika. Bislang haben wir Maschinen verkauft nach China, Taiwan, Australien, in die USA, nach Europa — unter anderem Spanien, Finnland, Polen, Dänemark, England und die Schweiz. Und wir stehen in Kontakt mit wichtigen und großen Wäschereien, beispielsweise Mewa, CWS Boco, Buchholz Textilpflege, Berendsen, Merk und Bardusch. Alle begrüßen, dass Lavatec Laundry Technology die Marke Lavatec zurück in den Markt gebracht hat.

Unsere größte ausländische Tochter­gesellschaft befindet sich derzeit in Frankreich. Dort arbeiten 33 Mitarbeiter. Auch in den USA und Kanada bauen wir unsere Niederlassungen kontinuierlich aus. Darüber hinaus haben wir auch in Italien bereits eine Tochtergesellschaft gegründet.

Unser Geschäft ist im besten Sinne ein globales Geschäft: Deswegen profitieren die Kunden in unserem wichtigsten Markt, in Deutschland, von unserer Internationalisierung. Größere Absatzahlen auf internationalen Märkten senken unsere Stückfixkosten und versetzen uns in die Lage, unseren deutschen Kunden bessere Preise anzubieten. Auch ermöglichen sie Investitionen in noch benutzerfreundlichere und modernere Maschinen, die unseren deutschen Kunden zu Gute kommen.

WRP: Warum haben Sie sich entschlossen, mit der Marke Lavatec einen neuen Start zu wagen?

Graeser: Nachdem ich in verschiedenen Managementfunktionen, unter anderem als Vorstand beim heutigen DAX-30 Unternehmen Fresenius und als Vorstandsvorsitzender eines großen Automobilzulieferers viele Jahre Erfahrungen sammeln konnte, war eine eigene unternehmerische Tätigkeit für mich der nächste logische Schritt und eine Herausforderung. Dass es ein technisches Unternehmen sein musste, war klar – schließlich bin ich Ingenieur mit Leib und Seele. Als ich hörte, dass ein Käufer für Lavatec gesucht wird, suchte ich zuallererst das Gespräch mit ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens, um mehr über Lavatec, aber auch über die Gründe für die damalige Situation zu erfahren. Die Gespräche machten mich so neugierig, dass ich im September vorletzten Jahres mit dem Insolvenzverwalter sprach. Ich prüfte alle Markt-, Produkt- und Finanzdaten der alten Lavatec systematisch. Dabei zeigte sich Lavatec als ein weltweit etablierter Maschinenhersteller, der in 25 Jahren viele Tausend Maschinen verkauft hatte. Lavatec ist ein traditionsreiches Unternehmen, das seine Wurzeln bis ins Jahr 1949 zu der Firma Passat zurückverfolgen kann. Kunden der Lavatec lobten vor allem die Zuverlässigkeit, Robustheit und hohe Qualität der Lavatec-Maschinen. Sie wünschten sich aber für die Zukunft mehr technische Innovation. Auf Basis all dieser Informationen traf ich die Entscheidung, mich für dieses Unternehmen zu engagieren. Heute kann ich sagen: Ich habe diese Entscheidung noch nicht einmal bereut.

WRP: Wer sind die Inhaber von Lavatec Laundry Technology?

Graeser: Ich bin der Geschäftsführende Gesellschafter und halte die Mehrheit an dem Unternehmen. Beteiligt ist auch ein strategischer Investor als stiller Gesellschafter. Als wir 2009 anfingen, mit den Banken über den Kauf von Lavatec verhandeln zu wollen, war die Situation nicht ganz einfach. Wir besaßen zwar einen absolut realistischen Businessplan, den die Banken sehr intensiv prüften. Aber durch die Finanz- und Bankenkrise, die damals in vollem Gange war, steigerten die Banken die Eigenkapitalanforderungen deutlich. Ich wollte das Risiko nicht ganz alleine tragen und habe deshalb einen Partner mit ins Unternehmen geholt. Lavatec Laundry Technology ist solide finanziert.

WRP: Trotzdem waren die Bedingungen vor gut einem Jahr für einen Neustart mit Lavatec nicht besonders günstig.

Graeser: Manchmal ist es wichtig, dass man antizyklisch arbeitet. Wenn man zum richtigen Zeitpunkt etwas wagt, dann kann man mehr gewinnen, als wenn man abwartet oder hinterherläuft. In normalen Zeiten wäre die alte Lavatec nicht in die Insolvenz gegangen, in normalen Zeiten hätte sich wahrscheinlich auch ein Wettbewerber gefunden, der die Firma übernommen hätte. Aber 2009 und 2010, während der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, kämpften die Wäschereimaschinenhersteller mit einer zusammenbrechenden Nachfrage und mit ungewohnt strengen Banken. Deswegen hatte ich die Chance, die Lavatec zu erwerben. Und im Vertrauen darauf, dass jede Krise auch ihr Ende hat, habe ich das Unternehmen erworben.

WRP: Welche Lösungen beziehungsweise Produkte werden von Lavatec Laundry Technology angeboten?

Graeser: Lavatec Laundry Technology ist Komplettausstatter von Wäschereien. Wir haben die Organisation und die Produkte entwickelt, um dies zu leisten. Wir fertigen die Waschtechnik in gewohnt hoher Lavatec-Qualität und Flexibilität – von der Waschschleudermaschine, über Trennwandmaschinen bis hin zum Waschrohr. Lavatec Laundry Technology baut die Maschinen mit Wasserlaufplänen, die auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind. Wir produzieren Pressen und Zentrifugen nach dem Anforderungsprofil unserer Kunden beziehungsweise abgestimmt auf die Menge und Art ihrer Wäsche. Wir stellen Trockner her und liefern die Verkettung zwischen den verschiedenen Produktionsbereichen. Wir bieten Saugzug-Systeme sowie Mangeln und in ­Kooperation mit einem Partner auch Eingabe- und Faltmaschinen. Wir statten mit unseren Wäschereimaschinen vollautomatische Wäschereien komplett aus.
Wir haben heute genau das richtige Angebot an Wäscherei­maschinen für den deutschen Markt. Und wir sind flexibel und können neben Standardprodukten auch die Anlagen bauen, die der Kunde individuell benötigt. Wobei wir großen Wert auf eine optimale Beratung unserer Kunden legen.

Wir bieten weit mehr als Wäschereimaschinen: Lavatec Laundry Technology kann schlüsselfertig komplette Wäschereien planen, bauen und ausstatten. In Frank­reich haben wir das bereits erfolgreich gezeigt. Wir arbeiten mit Architekten zusammen und kümmern uns auch um den kompletten Materialfluss innerhalb des Betriebes. Ich möchte betonen, dass in das Thema Material­fluss und Prozessoptimierung bei Lavatec Laundry Technology heute Mitarbeiter involviert sind, die nicht nur Wäschereien sondern schon sehr viele Fertigungsprozesse in anderen Branchen gesehen haben. Und das Thema Materialfluss gewinnt in den Wäschereien – Stichwort Automation – immer mehr an Bedeutung.

Als wir vor gut einem Jahr in Heilbronn neu anfingen, gab es einige die sagten, dass man in der Wäschereibranche nur erfolgreich sein kann, wenn man in dieser auch groß geworden ist. Ich denke, dass eine reine Brancheninnensicht manchmal auch den Blick verstellen kann. Lavatec Laundry Technology hat heute eine Mannschaft, die aus erfahrenen Mitarbeitern und aus jungen Leuten besteht, die neu dazu gekommen. Zusammenkommen Leute mit sehr viel Erfahrung und Kompetenz in der Branche und weitere, die unkonventionell denken und eine andere Perspektive auf die Branche besitzen. Das hilft uns dabei, neue, innovative und kreative Lösungen zu entwickeln.

WRP: Wo werden die Maschinen entwickelt und hergestellt?

Graeser: Unsere Produkte werden alle in Heilbronn entwickelt und hergestellt. Lavatec Laundry Technology produziert Lösungen ‚Made in Germany‘. Während die alte Lavatec viele Teile selbst im Haus produzierte, setzen wir heute auf eine weniger ausgeprägte Produktionstiefe. Hier in Heilbronn gibt es aufgrund der Automotive-Lastigkeit der ­Region jede Menge hochqualifizierter Zulieferer, bei denen man Lösungen zu wettbewerbsfähigen Preisen herstellen lassen und einkaufen kann. Dabei hilft mir meine Erfahrung aus der Automobilindustrie, auch im Einkauf entsprechende Akzente setzen zu können – also nicht nur bei der Weiterentwicklung unserer Maschinen sondern auch auf der Beschaffungsseite.

Von unseren Zulieferern beziehen wir Teile wie zum Beispiel fertig geschweißte und lackierte Baugruppen. Das macht uns flexibel und wir vermeiden teure Investitionen in Maschinen. Die meisten unserer Zulieferer sitzen in einem Umkreis von 50 bis 100 Kilometer um unseren Heilbronner Standort. Das sichert kurze und schnelle Wege. Dies war auch am Anfang unseres Unternehmensstarts wichtig, weil alle Beteiligten noch nicht ganz genau wussten, wie der Partner arbeitet. Gemeinsam haben wir Bauteile so entwickelt, dass sie unseren Anforderungen entsprechen und die gleichzeitig auf die Fertigungsmöglichkeiten des Zulieferers abgestimmt sind. Und unsere Zulieferer erfüllen unsere strengen Qualitätsnormen – für Lavatec produziert nur, wer auch Lavatec-Qualität produziert. Unsere Partner sind darauf eingestellt – ihre Kunden aus der Auto­mobilindustrie sind ebenfalls extrem qualitätsorientiert.

Auch wenn wir beispielsweise Stahl einkaufen, ist die Materialqualität entscheidend. Wir bekommen ein Zertifikat vom Hersteller, dass der gelieferte Stahl exakt unseren Spezifikationen entspricht. Und dieser hochwertige Stahl wird von unseren zertifizierten Schweißern verarbeitet. Alles, was einen hohen Qualitätsstandard erreichen muss, lassen wir durch den TÜV prüfen. So können wir sicher sein, dass alle Schweißnähte absolut korrekt sind. Und so können wir höchste Produktqualität ‚Made in ­Germany‘ gewährleisten.

WRP: Für den Wäschereikunden wird der Service immer wichtiger. Wie wird der Service für die Produkte von Lavatec Laundry Technology geleistet?

Graeser: Der Service für unsere Technik in Deutschland wird von Mitarbeitern aus dem Werk in Heilbronn und von Vertragstechnikern geleistet. Wir garantieren, dass deutschlandweit innerhalb von 24 Stunden ein Spezialist beim Kunden ist, um bei einem Problem zu helfen.

Außerdem sind wir rund um die Uhr für unsere Kunden erreichbar. Wir bieten unseren Kunden eine 24-Stunden-Hotline. Dort sitzen Experten, die unter anderem bei technischen Problemen helfen. Bei unserem Telefonservice erreichen Sie kein Callcenter, das die Anrufe nur entgegennimmt und dann weiterleitet. Sie rufen an und sprechen direkt mit den Fachleuten. Wir wollen sehr nah am Kunden sein.

Auf Wunsch liefern wir unsere Maschinen mit einem Ferndiag­nose­system aus. Die Maschine ist dann bei Problemen über das Internet für uns erreichbar. Eine andere Möglichkeit bietet unsere Steuerung. Sie zeigt über ein Diagnoseprogramm bei technischen Problemen an, welches Bauteil einen Fehler hat. Der Kunde muss nur noch die Teilenummer ablesen und uns anrufen. Sofort erfährt er, was er unternehmen kann.

Grundsätzlich ist das Thema Instandhaltung immer davon abhängig, welches Instandhaltungsniveau in der Wäscherei herrscht. Es gibt viele Betriebe, auch kleinere Wäschereien, die Instandhaltungsmaßnahmen in hoher Qualität durchführen. Dann gibt es Wäschereien, die weniger Wert auf dieses Thema legen und sich eher auf den Lieferanten verlassen. Davon abhängig entscheiden die Kunden gemeinsam mit uns, ob wir ihnen ein Bauteil zur Eigen­montage senden oder ob unser Servicetechniker vor Ort den Einbau vornimmt. Grundsätzlich kann jedes Teil, welches einmal in einer Lavatec-Maschine verbaut wurde, von Lavatec Laundry Technology ersetzt werden. Entweder durch ein Original-Ersatzteil oder durch ein Teil, das die gleiche Funktion garantiert. Wir können sogar auf einen Bestand alter Steuerungen zurückgreifen. Diesen haben wir beim Hersteller für uns reservieren lassen. Alternativ kann man natürlich ein älteres Maschinenmodell auch auf unsere neue Touch-Screen-Steuerung umrüs­ten lassen.

Wir bauen gerade zwei Vertriebsniederlassungen in Nord- und Süddeutschland auf: Außerdem nehmen wir für den deutschen Markt intern weitere Einstellungen vor. Zukünftig bieten wir unseren Kunden zwei Vertriebskanäle an: Entweder direkt über das Werk Heilbronn oder über die Vertriebsniederlassung, die wiederum aktive Vertriebsorganisationen im Markt besitzen. Ihre Außendienstmitarbeiter besuchen die Betriebe und starten das Basisgeschäft.

Lavatec Laundry Technology offeriert seinen Kunden ein umfangreiches Dienstleistungspaket rund um die Wäscherei: Von der Ablaufoptimierung, über den Instandhaltungsservice bis hin zur Unterstützung bei Finanzfragen. Dazu gehört auch das Thema Ressourceneinsparung. Unsere Spezialisten schauen sich im Kundenbetrieb alle Prozesse an und führen auf Wunsch eine Wäscherei-Prozessanalyse durch. Diese Analyse dient als Basis für Empfehlungen mit entsprechenden Kalkulationen, wie man in diesem Betrieb entsprechende Einsparungen erzielen kann. Der Kunde entscheidet, ob er diese Empfehlungen in Teilbereichen oder in zeitlichen Etappen umsetzt. In den meisten Fällen entscheidet er sich für eine Teiloptimierung, diese ist in der Regel mit einem transparenten und schnellen Kapitalrückfluss verbunden.

WRP: Wenn man die alte Lavatec in den letzten Jahren betrachtete, konnte man den Eindruck gewinnen, dass der deutsche Markt für das Unternehmen nicht besonders wichtig war.

Graeser: Das ist richtig. Der ehemalige Lavatec-Inhaber hatte eine ausgeprägte Affinität zu Amerika. Er hat seine Maschinen sehr stark auf den amerikanischen Markt ausgerichtet. Auch wurde der deutsche Markt vertrieblich nicht intensiv bearbeitet. Deswegen machte die alte Lavatec in Deutschland nur rund zehn Prozent seiner Umsätze im Vergleich zu 30 bis 35 Prozent in den USA. Diese Zahlen zeigen, dass es für uns in Deutschland noch einiges aufzuholen gibt.

WRP: Die alte Lavatec galt in der Branche als ein nicht sehr innovatives Unternehmen. Ist dies auch darin begründet, dass das Unternehmen sich mehr auf den Export, insbesondere auf den amerikanischen Markt, konzentrierte?

Graeser: Die Amerikaner wollen eine einfache robuste Maschine, die die Wäsche mit möglichst viel Mechanik bewegt. Und Wäschereitechnik muss für sie wartungsfrei sein. In den USA kennen nicht viele Unternehmen den Begriff Instandhaltung. Unser größter US-Kunde zum Beispiel fährt seine Maschinen so lange, bis diese den Betrieb verweigern. Erst dann fängt er an, Wartungsmaßnahmen durchzuführen. Natürlich gibt es auch Unternehmen wie Disney, die eine vorbildliche Instandhaltung besitzen. Im Standort Orlando laufen seit Mitte der 1990er Jahre sieben Lavatec-Tunnelsysteme an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr. Und der Betreiber ist sehr zufrieden.

Genau für diese Anforderungen hat Lavatec in der Vergangenheit seine Maschinen gebaut. So entstand auch das Technikimage von Lavatec – nämlich robuste und langlebige Maschinen ohne viele technische Spielereien zu produzieren.

Dabei zeichnen sich die alten und auch die aktuellen Lavatec-Tunnel nicht nur durch ihre hohe Verfügbarkeit, sondern auch durch ihre Flexibilität aus. Sie besitzen unter anderem eine durchgehende Doppeltrommel. Jedes Lavatec Tunnelsystem kann dank dieses Maschinenkonzeptes optimal an die Erfordernisse der Wäscherei angepasst werden – auch dann, wenn sich einmal das Sortiment in der Wäscherei ändert oder die Maschine verkauft wird.

WRP: Ist diese Maschinen-Flexibilität auch eine Anforderung, die heute stärker aus dem Markt nachgefragt wird?

Graeser: Grundsätzlich werden flexible Maschinen stärker nachgefragt, allerdings ist diese Entwicklung in unterschiedlichen Märkten unterschiedlich stark. Kunden, die schon lange im Markt sind, vor allem die großen Konzernketten, schätzen die Flexibilität ihrer Technik deutlich höher ein. Sie schichten manchmal ganze Sortimente von einem Standort in einen anderen um, waschen in Betrieben zum Beispiel ausschließlich Hotelwäsche. Dies verlangt eine hohe Flexibilität der Maschinentechnik. Wir empfehlen natürlich auch unseren kleineren Kunden, auf eine Wäschereitechnik zu setzen, die ihnen eine hohe Flexibilität ermöglicht. Schließlich kann kein Wäscher wissen, welche Wäsche er in fünf Jahren waschen wird.

WRP: Für was steht Lavatec Laundry Technology heute?

Graeser: Wenn Sie fragen, wie innovativ Lavatec Laundry Technology heute ist? Wir arbeiten bereits an vielen Neuerungen für unsere Produkte. Wir konnten bereits die Ergonomie und die einfache Bedienung der Lavatec Maschinen durch neue Steuerungssoftware und modernste Eingabegeräte deutlich steigern. Wir investieren bereits heute in die Entwicklung einer neuen Generation von Wäschereimaschinen, die neue Standards im Markt setzen wird. Ganz im Vordergrund stehen die Themen Ressourcenschonung und Energieeffizienz. Dabei gilt für uns eine ganzheitliche Betrachtung.

Wir haben mittlerweile mehr als zehn Mitarbeiter in unserer Entwicklungsabteilung. Sie arbeiten auch an Weiterentwicklungen bestehender Maschinen und an neuen Lösungen. Schon bald werden wir dem Markt darüber ausführlicher berichten.

WRP: Muss man als Maschinenhersteller gerade im deutschen Markt besonders innovativ sein?
Graeser: Man muss sagen, dass deutsche Wäschereien viel mehr Wert auf Technologie legen als dies vielfach in anderen Ländern der Fall ist. Begründet ist dies unter anderem durch nationale Vorschriften und Auflagen, die einen hohen Technologiegrad erzwingen. Aber es gibt Entwicklungen wie zum Beispiel das Thema Ressourcenschonung, die eine globale Nachfrage nach entsprechenden Technologielösungen erzeugen. Selbst in den USA haben einige Bundesstaaten Probleme bei der Wasserversorgung. In England werden neue Wäschereien in manchen Gebieten nur genehmigt, wenn sie eine gewisse Menge Wasser recyceln und dem Prozess wieder zuführen. Und dort gibt es auch eine Gesetzgebung, die eine finanzielle Rückvergütung vom Staat zusichert, wenn man gewisse Energieeinsparziele erreicht. Natürlich ist Deutschland beim Thema Ressourcenschonung führend. Das kann man auch daran ablesen, dass in Deutschland Wärmetauscher zur Wärmerückgewinnung, egal ob bei Waschstraßen oder Trocknern, deutlich mehr eingesetzt werden als in den USA.

Wenn wir über Innovationen sprechen: Was will der Markt? Der Markt will Lösungen für Themen wie Automation und eine nachhaltige Ressourcenschonung. Der Markt möchte auch – dies korrespondiert mit der Ressourcenschonung – möglichst effiziente Maschinen. Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Thema Sicherheit der Technik, das außerhalb von Deutschland an Bedeutung gewinnt. Alles aus einer Hand ist eine weitere Anforderung aus dem Markt. Und mehr und mehr betrachten Kunden bei ihren Entscheidungen auch die Investitionsfolgekosten: Wie viel Service bekommt man, was kosten die Ersatzteile, wie viel Stillstand hat man bei Problemen? Schließlich wird kein Geld verdient, wenn der Betrieb steht. Und wenn kein Geld verdient wird, gibt es keinen Investitionsrückfluss. Die Wirtschaftskrise hat nicht nur zu einem Investitionsstau in den Wäschereien geführt. Sie hatte auch ein Umdenken zur Folge. Die Betriebe verlangen eine Technik, mit der man kontinuierlich Geld verdienen kann und die nicht wegen eines 5-Cent-Ersatzteils zwei Tage ausfällt.

WRP: Kann man in diesem Zusammenhang schon von einem Trend sprechen, also einer Entwicklung hin zu einfacherer und zu einer Technik mit hoher Verfügbarkeit? Ein Wettbewerber bietet zum Beispiel eine so genannte Classic-Reihe an.

Graeser: Hohe Verfügbarkeit und einfache Bedienbarkeit werden immer wichtiger. Hohe Verfügbarkeit ist eine Antwort auf den steigenden Kostendruck in den Wäschereien. Und technisch einfache Lösungen stehen für höhere Verfügbarkeit als komplexe Technologien. Was geht zum Beispiel beim Auto kaputt? Es sind nicht die Stoßdämpfer, die versagen, sondern es ist die Elektronik. Mechanische Lösungen sehen zwar manchmal altmodisch aus, sie sind aber oft die viel robustere Variante. Schließlich kommt es darauf an, dass eine Maschine zuverlässig läuft. All unsere Maschinen sind zum Beispiel mit vier Motoren ausgestattet. Trotzdem können sie mit nur zwei Motoren gefahren werden. Wir haben in Kanada einen Kunden, der hat seine Maschine mehrere Monate lang so arbeiten lassen.

WRP: Welche Trends beobachten Sie aktuell im deutschsprachigen Markt?

Graeser: Generell wird der Konzentrationsprozess im Markt weitergehen. Die ganz kleinen Wäschereien werden mehr und mehr vom Markt verschwinden. In manchen Gebieten kann der Status noch gehalten werden, aber in den Ballungsgebieten werden die großen Wäschereien immer dominanter – zum Beispiel weil sie schonender mit den Ressourcen umgehen. Eine Waschstraße wäscht grundsätzlich mit weniger Wasser als eine Waschschleudermaschine. Dem zufolge sehe ich durch diese Konsolidierung im Markt auch einen Trend zu größeren Maschinen.

Wenn man andere Märkte betrachtet, ist dort der Konzentrationsprozess schon deutlich weiter fortgeschritten. Zum Beispiel in verschiedenen Bereichen der Medizintechnik: In den 1980er Jahren gab es 20, 30 Anbieter von Dialysemaschinen und -verfahren. Heute sind davon weltweit drei große Anbieter übrig geblieben. Sicherlich wird dieser Prozess im Wäschereibereich deutlich länger dauern. Aber man muss nur beobachten, wie die großen Marktführer in der Textilpflege wachsen. Auch die stetig wachsende Anzahl der Verbünde sind eine Stufe der Konsolidierung. Trotzdem werden einzelne Wäschereien als Spezialisten in Nischen auch in Zukunft überleben können.

Ein weiterer Trend ist, dass der Kunde immer mehr die Folge­kosten seiner Investitionen betrachtet. Meines Erachtens rechnet ein Wäscher heute mit einem deutlich spitzeren Bleistift. Das liegt am Wettbewerb aber auch an einem veränderten Bewusstsein. Er denkt nicht nur ökonomischer, sondern auch ökologischer.

WRP: Wird Lavatec Laundry Technology als Komplettausstatter zukünftig auch eine „Grüne Wäscherei“ anbieten?

Graeser: Wir sind sicherlich auch zukünftig in der Lage, unseren Kunden einen entsprechend kompletten Vorschlag zu machen. Schlussendlich mündet dies in einem Konzept, das dann eine Überschrift tragen kann. Für mich fängt ein Konzept für eine ‚Grüne Wäscherei‘ damit an, sich Gedanken zu machen, wo überhaupt Energiebedarf besteht und hört mit der Vermeidung von Abwasser beziehungsweise mit der Abwasseraufbereitung auf. Es geht nicht darum, die Mangel von Dampf auf Gas umzustellen, sondern die Energie möglichst effizient einzusetzen. Denn es gibt bei beiden Energieträgern noch Optimierungspotential. Zum Beispiel bleibt bei einer Gasmangel das Thema Strom von Bedeutung. Schließlich muss permanent die Ölmenge umgepumpt werden. Es bleibt das Thema Entsorgung des Öls, denn es sind regelmäßige Ölwechsel notwendig. Auch hier gilt: Wenn man eine Bewertung vornimmt, sollte man immer eine Gesamtbetrachtung machen.

WRP: Im Juni diesen Jahres wird Lavatec Laundry Technology auf der Clean Show in Las Vegas ausstellen. Was erwarten Sie von der Messe?

Graeser: Für die alte Lavatec war die USA der größte und wichtigste Markt. Wir wollen auf der Clean Show 2011 zeigen, dass wir als Lavatec Laundry Technology die Nachfolge von Lavatec angetreten haben. Und das Unternehmen sind, das als einziges in der Lage ist, die Maschinen, die die alte Lavatec bisher entwickelt und gebaut hat, zu liefern und mit Originalteilen zu warten. Wir sind der Partner der bestehenden Kunden in den USA und werden zeigen, dass wir jederzeit die Anforderungen des Marktes befriedigen können. Lavatec ist zurück – das wird die zentrale Botschaft unserer Präsentation in Las Vegas sein.

WRP: Wo wird Lavetec Laundry Technology in fünf Jahren stehen? Welche Ziele sollen bis dahin erreicht werden?

Graeser: Wir haben keine Planwirtschaft in Deutschland, trotzdem besitzen wir ambitionierte Ziele. Für die nächsten Jahre haben wir uns natürlich gewisse Umsätze vorgenommen. Es ist nicht zu kurz gesprungen, wenn wir sagen, wir wollen in absehbarer Zeit mindestens die Größe der alten Lavatec wieder erreichen. Dabei sind wir auf einem guten Weg.

Wir werden uns nicht wie die alte Lavatec auf den amerikanischen Markt konzentrieren, für uns ist jeder Markt wichtig. Dabei spielt Deutschland als unser Heimatmarkt eine besonders große Rolle. Er ist besonders anspruchsvoll und unterliegt einem besonderen Wettbewerb, er ist auch eine schöne Herausforderung.

Interview aus WRP 05-2011