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Multitex Maschinenbau

„Eine Multitex-Maschine ist ein effizientes Werkzeug zum Energiesparen“

Seit nahezu einem halben Jahrhundert steht der Name Biesinger in Rottenburg für innovative, zuverlässige und sparsame Reinigungsmaschinentechnik. Wir sprachen mit den Firmenchefs Joachim und Reinhard Biesinger sowie Horst Lange, er ist für den Vertrieb und die Kundenberatung zuständig, über die Produktphilosophie des Unternehmens und warum die Multitex-Reinigungsmaschinen mit besonders niedrigen Kosten reinigen können.

Joachim Biesinger
Joachim Biesinger ist seit der Gründung von Multitex Maschinenbau in Rottenburg Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Der Diplom-Ingenieur studierte in Esslingen Maschinenbau ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Reinhard Biesinger
Reinhard Biesinger ist Projektleiter und Verfahrenstechniker bei Multitex Maschinenbau. Biesinger ist seit 1984 in der Firma FM-Filtermaschinenbau tätig, die Pumpen, Filter und Destillationsanlagen baut. Im Jahr 1991 gründete er zusammen mit seinem Bruder Joachim die Multitex GmbH. Reinhard Biesinger ist 52 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne.
Horst Lange
Horst Lange ist für Beratung und Vertrieb bei Multitex Maschinenbau zuständig. Lange ist Textilreiniger aus Passion und stammt aus einer alten Färber- und Chemisch-Reiniger-Dynastie aus Verden/Aller. Er ist im DTV- und im Fatex- Vorstand sowie Rechnungsprüfer bei der EFIT. Im Jahr 1977 gründete er in Stuttgart „Lange – die feine Reinigung“. Alle Betriebe in Stuttgart hat er mittlerweile verkauft. Sie werden weitergeführt. Seine Betriebe Sindelfingen und Ludwigsburg wurden verpachtet.
Allein über die Einsparungen bei der Energie rechnet sich die Investition in eine Multitex-Reinigungsmaschine
Es ist grundsätzlich unsere Philosophie, die Maschinen möglichst einfach und intelligent zu konstruieren
WRP: Das Thema Energiesparen scheint jetzt auch bei den Textilreinigern so richtig angekommen zu sein. Verkauft Multitex mehr Maschinen, weil ihre Technik den Ruf hat, besonders wenig Energie für den Betrieb zu benötigen?

Joachim Biesinger: In der Tat haben die Energie-Kostensteigerungen in den letzten Jahren das Thema in der Textilpflege-Branche immer mehr in den Fokus rücken lassen. Immerhin haben die Energiekosten einen Anteil über fünf Prozent an den Gesamtkosten in einem Textilreinigungsbetrieb. Aber nicht alle Reinigungen schauen ganz genau auf ihre Energieverbräuche. Grundsätzlich sollte man bei Kosten jenseits von 5 Prozent schon überlegen, wo man sparen kann. Auch in der Textilreinigung sind die Möglichkeiten enorm. Zum Beispiel hatte eine Kundin in ihrem Laden mit einer Per-Maschine jährliche Stromkosten in Höhe von rund 26.000 Euro. Dann musste sie in einen neuen Standort nur 100 Meter weiter umziehen und investierte bei der Gelegenheit in eine neue Multitex-Reinigungsmaschine. Bei mindestens gleich großem Umsatz hat sie jetzt Stromkosten im Jahr von nur noch 8.000 Euro. Ein anderer Kunde hat mit seiner neuen Multitex-Reinigungsmaschine seine Energiekosten von 1.500 Euro auf 750 Euro im Monat senken können.

Horst Lange: Trotzdem gibt es relativ wenige Kunden, die nach neuer Maschinentechnik suchen, weil diese einen geringeren Energieverbrauch als die alte Maschine verspricht. Sie nehmen bei einer Investition aber die günstigen Energiekosten natürlich gerne mit. Wenn die neue Maschine im Betrieb steht und sich einige Zeit bewährt hat, dann sind doch viele sehr überrascht, wie kostengünstig man mit Maschinen von Multitex arbeiten kann. Der Textilreiniger kann bei der Firma Multitex in Rottenburg eine der weltweit energieeffizientesten Textilreinigungsmaschinen kaufen. Eine Multitex-Maschine ist ein effizientes Werkzeug zum Energiesparen. Allein über die Einsparungen bei der Energie rechnet sich die Investition in eine Multitex-Reinigungsmaschine. Das haben wir zusammen mit einem Kunden ausgerechnet, der über die Energieeinsparungen seine neue Maschine innerhalb von zweieinhalb Jahren voll finanziert hat.

WRP: Warum sind Multitex-Maschinen besonders knauserig beim Umgang mit der Energie?

Reinhard Biesinger: Möglich sind die Einspargewinne durch einige konstruktive Besonderheiten. Zum Beispiel sind alle Multitex-Reinigungsmaschinen der MT Classe mit Hochschleuderverfahren ausgestattet. Die Maschinen schleudern mit 800 bis 900 Umdrehungen in der Minute. Es ist zur Zeit die höchste Schleuderleistung im Markt. Unsere 15 Kilogramm Reinigungsmaschine hat nach dem Schleudervorgang durchschnittlich nur noch 2,5 Liter Lösemittel in der Ware. Die geringe Restfeuchte ermöglicht eine schnelle Trocknung. Außerdem wird dieser Prozess im Vakuum durchgeführt und erlaubt somit niedrige Temperaturen. Am Trommeleingang beträgt die Temperatur lediglich circa 60 bis 70°C. Das minimiert nicht nur die Kosten, sondern sichert auch eine schonende Trocknung. Dies dient dem Wert­erhalt der Ware und verringert erheblich die Bügelarbeit.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir bei unseren Maschinen auf Kältetechnik verzichten können. Und Kälte- beziehungsweise Wärmepumpentechnik in einer Reinigungsmaschine benötigt ganz einfach Energie.

WRP: Warum benötigt eine Multitex-Reinigungsmaschine keine Kältetechnik?

Reinhard Biesinger: In Reinigungsmaschinen wird die Kältetechnik zur Kühlung des Luftkühlers im Luftschacht sowie in speziellen Fällen für die Kühlung des Lösemittels Per eingesetzt. Unsere Maschinen arbeiten mit KWL und Silikon, eine aufwändige Kühlungstechnik für die Lösemittel-Rückgewinnung ist nicht notwendig. Es reicht ein Kühlregister, da man nur geringe Temperaturdifferenzen benötigt, um das Lösemittel zum Kondensieren zu bringen.

Joachim Biesinger: Der Verzicht auf die Kältetechnik bietet einen weiteren Vorteil: Man braucht keine teuren Spezialisten für Kältetechnik. Es ist grundsätzlich unsere Philosophie, die Maschinen möglichst einfach und intelligent zu konstruieren. Dies erhöht die Zuverlässigkeit und erlaubt gleichzeitig dem Betreiber eine unkomplizierte Bedienung. Außerdem benötigt Kältetechnik nach einer neuen Verordnung eine jährliche Abnahme durch Sachkundige.

Wir haben unsere Modelle mit einem besonders energiesparenden Frequenzumrichter für den Hauptantrieb ausgestattet. Dieser regelt den kompletten Wasch- und Schleudervorgang.

Ein weiterer Vorzug unserer Maschinen ist, dass sie keine Bodenverankerung benötigen. Antriebssystem sowie Trommel, Tank und Luftkanal sind mit einer Feder-Aufhängung in der Maschine befestigt und übertragen deshalb keine Schwingungen auf die Umgebung am Aufstellungsort. Der Lösemitteltank funktioniert als Gegengewicht. Außerdem ist ein Unwuchtschalter installiert. Deshalb sind die Anforderungen an ein Ladenlokal, um eine Multitex Maschine aufzustellen, sehr gering. In Standorten wie zum Beispiel in großen Einkaufszentren wird man kaum eine Genehmigung bekommen, wenn man für seine Reinigungsmaschine eine Verankerung benötigt. Der Aufwand wäre immens, da die Schwingungsübertragungen auf das Gebäude sehr groß sind.

Lange: Unsere Maschinen brauchen wenig Strom, weil wenig aufgeheizt und auf der Dampfseite wenig Energie eingesetzt werden muss. Multitex-Maschinen besitzen keine Destillation, das minimiert den Energieeinsatz in der Maschine weiter.

WRP: Warum brauchen die Maschinen keine Destillation? Die Destillation ist in Textilreinigungsmaschinen anderer Hersteller ein wesentliches Bauteil. Auch sagen viele Reiniger, dass man ohne Destillation kein gutes Reinigungsergebnis erzielen kann.

Reinhard Biesinger: Unsere Maschinen arbeiten mit KWL oder Silikon. Das Lösemittel KWL hat einen Siedepunkt von 180 bis 190°C. Viele Fette, Körperfette und sonstige Öle haben einen ähnlichen Siedepunkt. In dem Augenblick, in dem das Lösemittel in der Destillation der Maschine destilliert wird, gehen diese Verschmutzungen im Destillat mit auf. Das destillierte Lösemittel sieht zwar klar und sauber aus, ist aber mit einer Menge von Fremdstoffen angereichert. Man kann das Problem zwar lösen, wenn ein Aktivkohlefilter nachgeschaltet wird, aber das ist kostenintensiv. Deshalb favorisieren wir bei unseren Maschinen die Filtrationslösung. Die Fremdstoffe werden durch den Einsatz von Absorptionsmittel aus dem Lösemittel gelöst. Ein Destillieren ist daher nicht erforderlich.

Lange: Multitex arbeitet mit zwei Filterhilfsmitteln: Mehrschichtsilikate sowie Bleich- und Tonerden. Diese werden in einem Verhältnis von 1:1 eingesetzt. Die Mehrschichtsilikate filtern die Fette und lösemitelllösliche Substanzen heraus, die Bleicherden sind für die Farb- Schwebstoffe zuständig. Andere Hersteller benutzen keine Filterhilfsmittel, sondern meist anschwemmfreie Filter. Wenn man es nüchtern betrachtet, wird dabei das Lösemittel mit Schmutz gefiltert. Das eingesetzte Filtertuch hat oft lediglich eine Feinheit von 40 μ. Damit es perfekt funktioniert, müssen sich zunächst zum Beispiel Flusen und Feinstäube auf dem Filtertuch ansammeln. Sie machen den Filter feiner. Und wenn man den Filter bei einer herkömmlichen Maschine ablässt, müssen deshalb erst einmal 3 bis 4 Chargen gefahren werden, bis der Filter wieder optimal arbeitet. Der Anschwemmfilter hat eine Filterfeinheit von 1my reinigt also 40-50 mal sauberer.

Joachim Biesinger: Unsere Kunden arbeiten seit vielen Jahren mit unseren Maschinen. Alle bestätigen, dass das Lösemittel immer absolut klar ist und angenehm riecht. Also, das Konzept ohne Destillation funktioniert.

Lange: Ich habe viele Jahre mit Multitex-Maschinen gearbeitet und die Vorzüge dieser Maschinen zu schätzen gelernt. Es wird sowohl mit KWL als auch Silikon eine Reinigungsqualität erreicht, die aus meiner Sicht absolut mit Per konkurrieren kann. In den Multitex-Maschinen hat das Lösemittel relativ lange Zeit, um zu wirken. Durch die hohe Schleuderdrehzahl und die daraus resultierende geringe Restfeuchte braucht es bei der Trocknung wenig Zeit, um das Lösemittel wieder aus der Ware zu bringen. Bei Per-Maschinen ist das genau umgekehrt: Eine relativ kurze Wirkzeit für das Lösemittel dafür eine relativ lange Zeit, um das Per aus der Kleidung zu holen.

WRP: Wenn Multitex-Maschinen ohne Destillation arbeiten, kann der Reiniger auch keine Reinigungsverstärker einsetzen.

Joachim Biesinger: Das ist richtig. Die angebotenen Reinigungsverstärker der Hilfsmittelindustrie für KWL haben einen Siedepunkt über 200°C und sind deshalb so konzipiert, dass sie in der Destillation zurückbleiben. Weil Multitex-Maschinen keine Destillation besitzen, sollten Reinigungsverstärker deshalb nicht zum Anbürsten eingesetzt werden.

Heute sollen Reinigungsverstärker als Eierlegendewollmilchsau gegen jede Art von Verfleckung eingesetzt werden und möglichst breitbandig attackieren. Dabei wirkt jedes Lösemittel schon allein gegen eine Vielzahl von Problemen. Zum Beispiel funktioniert KWL und Silikon sehr gut bei Hautfetten- Fetten und Ölen, und entfernt alle daran haftenden Verfleckungen. Unsere Empfehlung ist deshalb, zunächst das Lösemittel wirken zu lassen und eventuell nachzudetachieren, Nass zu behandeln, zu bleichen, zu entfärben oder was auch immer notwendig ist.

Lange: Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, ich habe in den letzten 20 Jahren immer zuerst das Lösemittel arbeiten lassen. Wenn man Reinigungsverstärker und Vordetachurmittel einsetzt, dann machen unter anderem vagabundierende Farbstoffe und Randbildungen Probleme, die später nicht mehr in Griff zu bekommen sind. Deshalb vertraue ich ganz auf die Reinigungskraft des reinen Lösemittels und der Faserschutzausrüstung. Außerdem schließen Reinigungsverstärker und Faserschutz einander aus.

Reinigungsverstärker = hydrophil Faserschutz = hydrophob.

WRP: Sie sagen, dass Multitex MT Classe Maschinen für niedrigste Verbrauchswerte stehen und maßgebliche Einsparungen möglich sind. Wie sind die Betriebskosten?

Lange: Die Stromkosten bei einer vollelektrisch beheizten Maschine Multitex MT 300 belaufen sich auf realistische 2 Cent je Teil – bei einer Beladung mit 30 Teilen und einem Strompreis von 19 Cent je Kilowattstunde. Das sind 60 Cent pro Charge. Dabei muss man einfach mal bedenken, dass jedes Teil in dieser Charge einen Durchschnitzpreis von zwei bis vier Euro erzielt, also zwischen 60 und 120 Euro Umsatz in der Trommel stecken.

Diese niedrigen Betriebskosten sind unter anderem für einen schnellen Service ideal. Auch wenn man keine weiteren Teile im Laden hat, kostet es lediglich 60 Cent an Stromkosten, ein Teil schnell und kundenfreundlich zu reinigen. Zum Beispiel um schnell eine Hose fertig zu machen, die der Kunde dringend benötigt. Die Multitex Maschine hat eine Chargenzeit von 50 Minuten, das Bügeln der Hose dauert keine fünf Minuten. Es ist also absolut machbar, in einer Stunde auch mal nur eine Hose zu Reinigen, und es gibt eigentlich keinen Grund, einen solchen Kundenwunsch abzulehnen. es sei denn 60 Cent ist mir der Kunde nicht Wert. Schließlich ist Textilreinigung eine Dienstleistung – daran sollte man als Inhaber oder als Mitarbeiter immer denken. Die zudem benötigten 88 Liter Kühlwasser werden hoffentlich zum Waschen der Hemden benötigt und kosten somit nichts.

WRP: Sie haben Maschinen im Sortiment, die mit KWL und mit Silikon arbeiten. Welche Bedeutung hat heute das Lösemittel Silikon bei den verkauften Maschinen?

Lange: Viele Reiniger favorisieren beim Neukauf das Lösemittel KWL. Aber wir haben in letzter Zeit auch viele Interessenten für unsere Silikon-Maschinen. Wir laden Kunden ein, um die Arbeit mit diesem Lösemittel auszuprobieren. Sogar traditionelle Per-Reiniger sind danach von Silikon überzeugt. Die Ware hat mit Abstand den schönsten Griff und ist absolut geruchsneutral.

WRP: Mit welchen weiteren Vorteilen für die Silikon-Reinigung werben sie bei den Kunden?

Lange: Bei der Warenschau genügt das Sortieren der Garderobe nach hell, mittel und dunkel. Wenn man mit Silikon reinigt, muss wesentlich weniger detachiert werden. Über den sehr guten Warengriff haben wir schon gesprochen. Die Kleidung ist nach dem Reinigen absolut geruchsneutral. Verantwortlich dafür ist die Maschinentechnik mit Wasserabscheider im Vakuum, einem anschließenden Phasentrenner sowie die ergänzenden Filterelemente, die nur Lösemittel passieren lassen und das Wasser zurückhalten. Dieses System garantiert, dass sich Lösemittel und Wasser komplett trennen. In die Lösemitteltanks gelangt definitiv kein Schwebewasser, das sich über Nacht absetzen kann. Dies ist bekanntlich die Ursache für die Bildung von Keimen, die wiederum verantwortlich für die nicht so angenehmen Gerüche sind. Keime bilden sich immer an der Trennlinie zwischen Wasser und Lösemittel. Die Reinigung mit Silikon ist zeitgemäß und umweltfreundlich. Auch bei Problemen sind dauerhafte Bodenbelastungen ausgeschlossen.

Reinhard Biesinger: Das Silikon wirkt fast wie ein Faserschutz. Das heißt, der Schmutz dringt nicht so tief in die Faser ein und lässt sich daher wieder leicht entfernen. Gleichzeitig ist die Kleidung unempfindlicher gegenüber Verfleckungen. Der kleine Faserschutz ist bei der Reinigung in Silikon sozusagen inklusive.

Lange: Das Reinigen eines Kleidungsstücks kostet in KWL mit Faserschutz sechs Cent, in Silikon fünf Cent. Weil eine Art Faserschutz inkludiert ist, benötigt man keine Vordetachur. Silikon beschädigt nicht die Farben, die Garderobe zeigt ein frisches Bild und hat einen angenehmen Griff. Die Bügel-Arbeit ist erheblich verringert. Der Lösemittel-Verbrauch liegt bei Silikon bei durchschnittlich 1,4 Prozent vom Warengewicht.

Man sieht, es gibt eine Reihe von Argumenten für das Lösemittel Silikon. Eine Reinigung ohne Gerüche, der angenehme Griff der Ware und die sehr gute Finishqualität sind für eine Textilreinigung erstklassige Argumente für einen zufriedenen Kunden – der nicht zuletzt deshalb immer wieder in den Betrieb kommt.

WRP: Welche Kleidungsstücke kann man in Silikon reinigen?

Lange: Es gibt keine Einschränkungen gegenüber der Reinigung in Per oder KWL. Im Gegenteil, man kann in einer Silikon-Maschine noch mehr Teile reinigen. Wenn man zum Beispiel eine Lederjacke in Per reinigt, kann es passieren, dass das Lösemittel entfärbend wirkt. Bei der Pflege in Silikon werden nur die Verschmutzungen entfernt. Farbe und Griff des Leders bleiben unverändert.

WRP: Ist die Silikon-Reinigung vergleichbar mit den Kosten für die Pflege in Per?

Lange: Es ist deutlich günstiger als die Reinigung mit Per. In jeder Per-Anlage muss das Lösemittel destilliert werden. Es gibt eine Wärmepumpe für die Kühlung und Trocknung in der Maschine. Außerdem sind die Laufzeiten länger. In einer 15-Kilogramm Maschine von Multitex beladen mit maximal 35 Teilen beträgt die Laufzeit 55 Minuten. Maschinen mit Per haben bei vergleichbarer Leistung Laufzeiten von rund 75 Minuten je Charge.

WRP: Welche Kunden bedient Multitex mit seinen Maschinen?

Joachim Biesinger: Unser Kernmarkt ist der Textilreinigungsmarkt. Wir bedienen auch Pelz- und Lederproduzenten sowie die pflegenden Betriebe in diesem Bereich, also die Lederreinigungen. Maschinen für diesen Bereich werden natürlich nur mit Destillationseinheiten verkauft. Wir liefern unsere Technik auch in Betriebe, die Putztücher aufarbeiten. Außerdem bieten wir Speziallösungen an. Für solche Sondermaschinen ist Multitex jeder Zeit ansprechbar.

WRP: Welche Märkte bedient ­Multitex?

Reinhard Biesinger: Unser Hauptmarkt ist Deutschland. Wir bedienen außerdem viele Länder in Europa, wichtig sind für uns die Schweiz und Österreich. Multitex liefert Maschinen nach Nordafrika sowie in die USA, Russland und Australien.

WRP: Wie wird der Service für die Maschinen in Deutschland geleistet?

Joachim Biesinger: Bundesweit können wir auf ein flächendeckendes Netz von Spezialisten zurückgreifen, mit denen das Unternehmen schon seit Jahrzehnten zusammen arbeitet. Dieses Netz wächst ständig. Welcher Servicetechniker für einen Kunden zuständig ist, darüber informieren wir gerne, ein Anruf genügt. Das gilt natürlich auch für den Fall, wenn sich jemand für eine Multitex-Maschine interessiert und sich Gedanken macht, wer für den Service zuständig ist.

Außerdem gibt es viele Kunden, die ihre Haustechniker auf unsere Maschinentechnik qualifizieren lassen. Die Weiterbildung erfolgt im Werk Rottenburg in unseren Kursen, möglich sind auch Vorort-Einweisungen. Auch am Telefon helfen wir natürlich jederzeit gerne weiter.

Reinhard Biesinger: Unsere Philosophie ist, einfache und clevere Maschinentechnik zu entwickeln und zu produzieren. Denn eine einfache und clevere Maschinenkonstruktion minimiert das Risiko, dass Probleme mit der Technik auftreten. Außerdem sind heute oftmals Aushilfen in den Reinigungen beschäftigt. Auch deshalb ist eine einfache und leicht zu bedienende Technik ein Vorteil.

WRP: Welche Neuheiten und Entwicklungen kann man von Multitex erwarten?

Joachim Biesinger: Gerade fertig haben wir eine innovative 10-Kilogramm Maschine. Sie besitzt mit 950 Millimeter den gleichen Trommeldurchmesser wie unsere 15-Kilogramm Maschine. Die Teile in der Trommel haben also die gleiche Fallhöhe. Die Maschine für die Lösemittel KWL und Silikon besitzt äußerst kompakte Maße. Mit einer Höhe von 196 Zentimetern, einer Einbringungstiefe von 95 Zentimetern und einer Breite von 117 Zentimetern kann sie nicht nur manches Aufstellungsproblem lösen, sondern ist schon besonders einfach bei der Einbringung.

Eine kompakte leicht handelbare Maschine ist auch ein großer Vorteil, wenn zum Beispiel in einem neu eingerichteten Laden das Geschäft nicht gut läuft und ein alternativer Standort notwendig ist. Dann kann man mit einer solchen Maschine relativ problemlos umziehen. Auch weil die Maschine keine aufwendigen Installationen für Dampf-, Druckluft- und Wasserleitungen im Laden benötigt.

Optional ist für Multitex-Maschinen ein zweiter Filterblock lieferbar komplett mit Tank, Pumpe und Ablassbehälter. Dann kann man Chargen hell und dunkel strikt getrennt nach einander auf der Maschine fahren. Dies hat sich in der Praxis bereits bestens bewährt.

Reinhard Biesinger: Wir entwickeln unsere Maschinen ständig weiter. Zum Beispiel haben wir Lüfter und Register überarbeitet, um sie für Wartungsarbeiten noch einfacher und bequemer zugänglich zu machen. Schon immer war die Firma Biesinger es gewöhnt, alle Teile selbst zu entwickeln und auch unkonventionelle Lösungen zu suchen und zu realisieren. Multitex hat zum Beispiel Lösungen für das reinigen von Putztüchern sowie für die Industriereinigung mit zwei Phasen, in denen ein Lösemittel und Wasser in einer Maschine arbeiten.

In der Vergangenheit gab es manchmal nach der Ersteinrichtung Schwierigkeiten mit dem Vakuumaufbau in der Maschine. Nach einer gewissen Zeit hatten sich die Dichtungen gesetzt, es traten Undichtigkeiten auf und das Vakuum konnte nicht aufgebaut werden. Heute werden sämtliche Dichtungsflächen vor der Auslieferung noch einmal eingeschliffen, so dass diese Probleme der Vergangenheit angehören. Wir stellen die Maschine auf und sofort kann man mit dem Reinigen beginnen.

Außerdem haben wir unsere Qualitätsprüfung noch einmal um eine Stufe erweitert. Das ist auch dadurch bedingt, dass heute unsere Produktion am Standort in Rottenburg wieder tiefer ist. Wir machen wieder mehr selbst und können deshalb bei Problemen sehr schnell gegen steuern. Wir arbeiten ausschließlich mit Komponenten, die unseren Qualitätsanforderungen genügen. So können unsere Kunden sicher sein, dass sie eine optimal funktionierende Reinigungsmaschine bekommen, mit der sie effizient arbeiten können. Trotzdem werden wir nicht stehen bleiben und unsere Produkte auch in Zukunft weiter verbessern.

Interview aus WRP 04-2013