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FashionCare

Je engmaschiger das Standortnetz, umso mehr Aufträge werden hängen bleiben

Ein Jahr Zentralakquise bei FashionCare: Zeit also einmal nachzufragen, welchen Herausforderungen sich Vertriebsdirektor Paul Söhnlein bei seiner Tätigkeit stellen muss und welche weitere Entwicklung sich für die von EFIT ins Leben gerufene Initiative FashionCare daraus ableitet. Auch wenn trotz der kurzen Vertriebszeit erste Erfolge erzielt sind: „Um auf Sicht die Ziele zu erreichen, ist das Netzwerk um weitere qualifizierte Partner zu erweitern“, meint Paul Söhnlein. Außerdem sei es enorm wichtig, Nachfrage durch Bekanntheit zu schaffen.

Paul Söhnlein
Paul Söhnlein wurde 1960 in Nürnberg geboren. Nach der Ausbildung zum Groß- und Außenhandels-Kaufmann absolvierte er ein Betriebswirtschafts-Studium, Schwerpunkt Marketing. Sein beruflicher Schwerpunkt liegt im Vertrieb/ Marketing. Seit 2010 ist Paul Söhnlein Vertriebsdirektor bei FashionCare.
EFIT ist heute ein Zusammenschluss von selbstständigen Unternehmern, die sich mit dem Verein eine Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch geschaffen haben.
Als Bietergemeinschaft sind wir in der Lage, an bundesweiten Ausschreibungen für die Reinigung von Unternehmensbekleidung teilzunehmen.
Im Monat wird durchschnittlich 60.300 mal der Begriff „Textil­reinigung“ aufgerufen. EFIT bietet hier handfeste Lösungen.
WRP: Herr Söhnlein, vor ziemlich genau einem Jahr haben Sie als Vertriebsdirektor für FashionCare angefangen. Ihre Aufgabe ist es, bundesweit Aufträge für die FashionCare Mitglieder zu gewinnen. Sind Sie zufrieden mit dem bisher Erreichten?

Paul Söhnlein: Wenn Ihnen ein Vertriebsmitarbeiter diese Frage mit „Ja“ beantwortet, stimmt etwas nicht. Man kann nie genug Geschäft und Aufträge generieren. Ein ganz wichtiger Aspekt bei meiner Tätigkeit und dem daraus resultierenden Erfolg ist die regionale Aktivität der Partner vor Ort.

Vorab ist es mir ein Anliegen, die EFIT kurz vorzustellen. Warum? Weil mir gleich zu Beginn meiner Tätigkeit aufgefallen ist, dass diese Organisation in der Branche nicht durchgängig bekannt ist, Außenstehende kennen sie überhaupt nicht. Und es besteht die irrige Annahme, dass die EFIT Teil einer anderen Organisation ist, die von den Mitgliedsbeiträgen partizipiert. Dem ist nicht so.

WRP: Also, wer ist EFIT und was leistet die Organisation?

Söhnlein: Bereits 1953 haben sich fortschrittliche und über den Tellerrand blickende Textilreiniger zusammen geschlossen. Ihnen war klar, dass der erforderliche Handlungsbedarf in Sachen Forschung, Weiterbildung, Marktauftritt usw. von einem Einzelnen niemals ausreichend wahrgenommen werden kann. Von Anfang an war das Ziel, Ressourcen zu bündeln. Deshalb gründete man den eingetragenen Verein Forschungsstelle Textilreinigung.

Später wurde daraus die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege, kurz EFIT. Das Ziel blieb: Gemeinschaftlich Forschung zu betreiben, technische Herausforderungen zu bewältigen, die Textilreinigung wissenschaftlich zu beraten und vieles mehr. Heute zählt die EFIT über 350 Mitgliedsbetriebe. Die Mitglieder erhalten regelmäßige Informationen und Publikationen in Form der EFIT-Wissen – also Textilpflege-, Praxis- und Mitarbeiter-Wissen –, nehmen regelmäßig an Fachseminaren und Weiterbildungen teil und können so für sich in Anspruch nehmen, sich durch ein mehr an Wissen und mehr an Können eine führende Stellung in der Branche erarbeitet zu haben.

EFIT ist auch Interessenvertretung und Schnittstelle zwischen dem Bekleidungshersteller, dem Handel und dem Reiniger im Sinne der Textilen Kette. Deshalb ist EFIT zum Beispiel Mitglied im Dialog Textil Bekleidung, und es gibt eine Kooperation mit German Fashion. Des Weiteren wurde das Leistungsspektrum entsprechend den heutigen Anforderungen wesentlich erweitert. Man hat erkannt, dass das größte Wissen, das beste Produkt, die ausgefeilteste Technik oder die sinnvollste Dienstleistung nichts nützt, wenn sie nicht gekauft wird. Hier sind professionelles Marketing und Vertrieb gefragt.

Auf den Punkt gebracht ist EFIT heute ein Zusammenschluss von selbstständigen Unternehmern, deren Tätigkeitsschwerpunkt die Textilreinigung ist und die sich mit dem Verein eine Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch geschaffen haben. Sie sind so in der Lage, gemeinsam Forschungs-, Marketing- und Vertriebsprojekte anzugehen. Das kann in dieser Form kein einzelner Betrieb leisten.

Es gibt eine Vielzahl von Beispielen hervorragend funktionierender Kooperationen von wirtschaftlich und rechtlich selbstständigen Unternehmen, die es durch die Bündelung von Ressourcen, einen einheitlichem Marktauftritt und ein durchgängiges Erscheinungsbild geschafft haben, enorm erfolgreich zu sein. Beispiele die jeder kennt, sind die Apotheken und Fleurop. Sie haben es unabhängig vom Standort geschafft, durch ein einheitliches Leistungsspektrum, einheitlichen Service, einheitliche Qualität und durch einen gemeinsamen, einheitlichen Marktauftritt wahrgenommen und somit bekannt zu werden. Jeder kennt diese Unternehmen und jeder weiß, wofür sie stehen und was man dort bekommt. Man spricht in diesem Zusammenhang von Kooperationssignalen.

WRP: EFIT hat 2008 das FashionCare-System ins Leben gerufen. Die Idee dahinter ist ein Qualitätssicherungssystem, das dem Kunden eine optimale Reinigungsqualität garantiert. Dieses System hat man im letzten Jahr um den Baustein der Zentralakquise erweitert. Wofür steht und wie funktioniert die Zentral­akquise?

Söhnlein: Der Name Zentralakquise bringt es gut auf den Punkt: Durch zentral gesteuerte Aktivitäten sollen neue Kunden gewonnen werden. Der Vorsitzende der EFIT, Friedrich ­Eberhard, und der EFIT-Geschäftsführer Dr. Volker Schmid haben drei wesentliche Punkte erkannt. Erstens: Das klassische, über den Laden abgewickelte Endverbrauchergeschäft wird weiterhin rückläufig sein. Zweitens: Im Firmenkundengeschäft ist noch Wachstumspotential. Drittens: Zentralen von Unternehmen, die an mehreren Standorten Textilreinigungsbedarf haben, wollen und brauchen einen zentralseitigen Ansprechpartner. Auch für diesen Bereich gilt das schon Gesagte: Stärke durch Gemeinschaft. Hinzu kommt, dass der einzelne Betrieb in aller Regel keinen Vertrieb hat und sich auch keinen leisten kann. Aus diesem Grund wird diese Dienstleistung für die Mitglieder der EFIT durch die EFIT angeboten.

WRP: Wie gestaltet sich Ihre Arbeit konkret? Welche Aufgaben leistet der Vertriebsdirektor FashionCare?

Söhnlein: Es ist klassische Vertriebsarbeit: Man macht eine Marktanalyse, entwickelt eine Strategie, erarbeitet ein Konzept und definiert potentielle Kunden. Dann muss man den Ansprechpartner herausfinden und kontaktieren, die Leistungen präsentieren, die Ansätze für eine Zusammenarbeit herausarbeiten, ein Angebot unterbreiten, dann der Geschäftsabschluss und die Abwicklung – eigentlich ganz simpel.

Der Einkaufsleiter der größten Hoteleinkaufsgesellschaft, bei der mehr als 650 Top-Hotels Waren und Dienstleistungen beschaffen, hat es treffend auf den Punkt gebracht: Für ihn ist es absolut sinnvoll, dass man seinen Hotel-Kunden die Dienstleistung Textilreinigung anbietet. Es existiert ein Bedarf. Allerdings war ihm bis zu unserem Kontakt keine Organisation bekannt, die in der Lage ist, in einem derart uneinheitlichen Markt eine flächendeckende Lösung anzubieten. Man könne sich nicht bundesweit mit mehreren hundert Betrieben zusammen setzen, Gespräche führen und jeweils individuelle Vereinbarungen schließen, waren seine Worte.

Ähnlich waren die Erfahrungen der Servicegesellschaft der weltweit größten Versicherung. Diese Gesellschaft ist daran interessiert, die durch Wasser oder Brand geschädigten Textilien möglichst reibungslos und qualifiziert sanieren zu lassen – das schnell und direkt, aus einer Hand sowie bundesweit. Heute ist EFIT und damit der FashionCare zertifizierte Betrieb vor Ort sowohl bei der großen Hoteleinkaufsgesellschaft als auch bei der Servicegesellschaft gelistet.

Die wesentliche Voraussetzung für so eine Zusammenarbeit ist ein einheitlich verbindliches Element, das eine gemeinsame Basis bietet. In unserem Fall ein bundesweit einheitlich hohes Qualitätsniveau, das nur durch ein durchgängiges Qualitätssicherungssystem, wie es FashionCare ist, sicher gestellt werden kann. Das ist natürlich eine große Verantwortung des einzelnen Partners dem ganzen Netzwerk gegenüber. Vor Ort gillt es, dem Rechnung zu tragen. Schließlich wird dem Kunden in Form des FashionCare-Zertifikates ein Leistungsversprechen gegeben.

WRP: Gibt es eine bundesweit einheitliche Preisgestaltung bei der Auftragsbearbeitung?

Söhnlein: Natürlich ist es für so große überregional tätige Organisationen erforderlich, eine einheitliche Preisstruktur in ihrem System zu hinterlegen. Eine erst vor kurzem abgeschlossene Markterhebung unter den FashionCare-Mitgliedsbetrieben hat zu Tage gebracht, dass wir grundsätzlich mit einem bundesweit einheitlichen Preis ganz gut hinkommen. Mit zwei Ausnahmen: Die neuen Bundesländer, dort ist das Niveau nach wie vor deutlich unterhalb des Durchschnitts und der Großraum München, dort liegen die Preise auf Grund der hohen Personal-, Energie- und Gewerbesteuerkosten deutlich über dem Durchschnitt. Aber das kann jeder leicht nachvollziehen.

Als Bietergemeinschaft sind wir in der Lage, an bundesweiten Ausschreibungen für die Reinigung von Unternehmens­bekleidung teilzunehmen. Aktuell läuft eine Anfrage eines Unternehmens, das Bedarf an fünf Standorten hat. Diese Firma ist übrigens durch unseren Internetauftritt: www.fashioncare.de. auf uns aufmerksam geworden. Ohne ein zentralseitig koordiniertes Netzwerk wären alle ­diese Projekte undenkbar.

WRP: Was war für Sie das herausragendste Projekt in diesem Jahr?

Söhnlein: Zwei Tage vor Beginn der Frauen-Fußballwelt­meisterschaft 2011 hat sich die für die Hostessen in den Stadien zuständige Agentur Hilfe suchend an EFIT gewandt. Es galt in kürzester Zeit, die Reinigung der Hostessenkostüme an allen Austragungsorten zu organisieren und sicherzustellen. Da waren Partner gefragt, die schnell, situativ und flexibel handlungsbereit waren, um den zentralseitig koordinierten Auftrag abzuwickeln. Das konnten wir bieten.

WRP: Sie können bereits auf einige Erfolge Ihrer Tätigkeit zurückblicken. Uns fällt spontan das Projekt mit den Hotelflussschiffen ein. Hier generierten Sie für Mitgliedsbetriebe nahe an den Anlegestellen entlang der Donauroute Zusatzaufträge, diese allein nicht erhalten hätten. Welchen Herausforderungen stehen Sie gegenüber, um Erfolg zu haben?

Söhnlein: Auf der einen Seite gilt es, so schnell wie möglich Vertriebserfolge zu erzielen und dabei gleichzeitig die erforderlichen Strukturen für die Abwicklung von Aufträgen aufzubauen. Auf der anderen Seite müssen dem Netzwerk so viele qualifizierte Partner wie möglich zugeführt werden. Je engmaschiger ein Netz ist, um so mehr Aufträge werden darin hängen bleiben. Darüber hinaus ist es enorm wichtig, Bekanntheit zu schaffen. Das wiederum erfordert einen wesentlichen Beitrag der Partner vor Ort, Stichwort Kooperationssignale.

WRP: Was kann der Mitgliedsbetrieb tun, um Sie bei Ihrer Auftragsgewinnung zu unterstützen?

Söhnlein: Je häufiger das Label FashionCare sichtbar in Erscheinung tritt, desto bekannter werden wir. Mit dem Siegel wird Orientierung und Sicherheit vermittelt, die für den Endverbraucher ebenso wichtig sind wie für den Geschäftskunden. Der Bekanntheitsgrad steigt durch die sichtbare Darstellung des FashionCare-Siegels. Hilfreich ist die Anbringung des Labels zum Beispiel im Ladenlokal, auf dem Briefpapier, am Fahrzeug und beim Internetauftritt. Gerade eine professionelle Homepage ist von ausschlaggebender Bedeutung für das gesamte Netzwerk.

Wichtig ist natürlich auch ein optimales Erscheinungsbild. Das gilt für den Betrieb genauso wie für den einzelnen Mitarbeiter. Hier ist zum Beispiel die Bekleidung Bestandteil der Unternehmenskultur. Psychologischen Studien zufolge setzt sich der erste Eindruck eines Menschen von seinem Gegenüber zu 55 Prozent aus der Kleidung und Körpersprache zusammen, 38 Prozent macht die Stimme aus und nur sieben Prozent das, was gesagt wird. Die Kleidung spielt also eine entscheidende Rolle – das sagt zum Beispiel auch Anke Willberg, Agentur für zeitgemäße Umgangsformen. Sie betont, bevor das erste Wort gesagt wird gibt man die eigene Visitenkarte ab: Nämlich mit der Wahl und dem Erscheinungsbild des Anzugs oder Kostüms. Damit wird nicht nur zum Ausdruck gebracht, wie wichtig oder unwichtig man sich selbst empfindet, sondern es ist auch immer Ausdruck der Haltung anderen gegenüber. Falsche beziehungsweise unangebrachte Kleidung wird laut Anke Willberg als Missachtung der Person oder Situation gesehen. Das wirkt sich negativ auf den ersten Eindruck aus. Auch ist die Gefahr groß, dass Ihr Gegenüber denkt: Wenn jemand nachlässig mit seiner Kleidung ist, ist er eventuell auch in anderen beruflichen Dingen ­nachlässig.

Die Einrichtung des Ladengeschäftes ist mit der Bekleidung für die Mitarbeiter zu vergleichen. Für einen Kunden ist es in der Regel der erste Eindruck, den er von einem Betrieb vermittelt bekommt. EFIT hat übrigens zusammen mit einem renommierten Ladenbauunternehmen ein modernes, zeitgemäßes FashionCare-Exklusivkonzept entwickelt. Auch hier gilt, dass es dank einer Rahmenvereinbarung für dieses Konzept Sonderkonditionen gibt.

WRP: Welche Vorteile hat ein FashionCare-Betrieb, wenn er bei der Zentralakquise mitmacht?

Söhnlein: Als Teil einer leistungsstarken Gemeinschaft eröffnet die Teilnahme bei ­FashionCare Zugang zu neuen Märkten und Kunden. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass im Firmenkundengeschäft, in dem noch große Potentiale vorhanden sind, andere Gesetzmäßigkeiten gelten und andere Anforderungen an das Unternehmen gestellt werden als im Endverbrauchergeschäft, das über die Ladentheke abgewickelt wird. Der unermessliche Vorteil im Firmenkundengeschäft liegt darin, dass es sich um ein kontinuierliches, planbares Geschäft handelt. Ein weiterer Aspekt ist die so wichtige Auslastung der vorhandenen Anlagen und Mitarbeiter. Ein Großteil der Kosten sind Fixkosten. Und was für einen großen Unterschied es macht, ob man bei 10.000 Euro Kosten im Monat 3.000 Teile oder aber 4.000 Teile bearbeitet, kann sich jeder leicht selbst ausrechnen.

Um im Firmenkundengeschäft erfolgreich zu sein, sind mehrere Voraussetzungen, insbesondere im organisatorischen und administrativen Bereich, zu schaffen. Ich denke an Bereiche wie Vertrieb, Logistik, Preisgestaltung, Abwicklung und Administration. Ein ganz wichtiger Aspekt ist, dass Kundenservice und Kundenbetreuung eine ganz andere Dimension als im Endverbrauchergeschäft haben. Verscherze ich es mir mit einem Endkunden, kommt dieser nicht wieder und erzählt es vielleicht zwei oder drei weiteren Personen. Der Schaden hält sich in Grenzen. Beim Firmenkundengeschäft gilt in der Regel das Pareto-Prizip: 80 Prozent des Umsatzes werden mit 20 Prozent der Kunden gemacht. Hier einen Kunden zu verlieren hat eine viel gefährlichere Dimension. Dessen muss man sich bewusst sein.

Ein weiterer Vorteil der Teilnahme bei FashionCare ist die Übernahme von Erfahrungen: Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Das Know-how ist da und muss nur genutzt werden. Falls es gewünscht wird, unterstütze ich den Partner gerne auch individuell und gezielt durch meinen Einsatz vor Ort – auf Basis der dem Verbund entstehenden Selbstkosten.

EFIT unterstützt den Reiniger jedoch nicht nur beim Firmenkundengeschäft. Mit dem FashionCare-Wegweiser, den der Bekleidungshandel in Form eines Gutscheins seinem Kunden übergibt, gibt es eine echte win-win Situation: Der Handel hat die Gewissheit, dass die bei ihm erworbenen Kleidungsstücke professionell und sachkundig gepflegt werden. Sein Kunde hat einen echten Nutzen in Form eines Preisvorteils bei der Erstreinigung des erworbenen Kleidungsstückes sowie eine 100 Prozent Schadensgarantie. Und der Reiniger besitzt die einmalige Chance, aus dem vom Handel empfohlenen Kunden einen Stammkunden zu machen.

WRP: Welche Voraussetzungen für die Teilnahme bei FashionCare muss ein Betrieb erfüllen?

Söhnlein: Es liegt auf der Hand, dass eine Mitgliedschaft bei der EFIT Voraussetzung ist. Von Anfang an war die Maßgabe, dass die Mitgliedsbeiträge leistbar sein und im Verhältnis zur Vertriebsgröße stehen müssen. Die Staffelung beginnt bei 350 Euro für Kleinbetriebe bis zehn Mitarbeiter und reicht bis 1.000 Euro für Betriebe mit 51 bis 100 Mitarbeitern.

Für das Qualitätsmanagementsystem FashionCare fallen für das jährlich neu aufgelegte Prüfbuch, die Anleitung dafür und die erforderlichen Prüfmaterialien wie zum Beispiel Maßstab Weißgradabnahme, Geruchstest- und Weißgradtestgewebe exakt 129,50 Euro an. Außerdem müssen für die alle zwei Jahre durch einen unabhängigen Auditor stattfindende Zertifizierung circa 250 Euro bezahlt werden.

Wenn man den Mitgliedsbeitrag sowie die Teilnahme am FashionCare-System betrachtet, dann kann man schnell feststellen, dass durch die hierdurch generierten Mittel kein Spielraum für Vertriebs- oder Marketingaktivitäten möglich ist. Aus diesem Grund hat der Verwaltungsrat der EFIT beschlossen, für die Zentralakquise FashionCare Präferenzgebiete zu vergeben. Jedes Mitglied hat die Möglichkeit, einen Präferenzstatus – maßgeblich sind der Postleitzahlenbereich oder Einzugsbereich in der Größenordnung 500.000 Einwohner – für 100 Euro im Monat zu erwerben. Mit einem Präferenzstatus ausgestattet erhält das Mitglied sämtliche Anfragen in seinem Gebiet als Erster.

Was muss der Betrieb leisten? Er muss die Kriterien des Prüfbuches erfüllen, ein sauberes, ordentliches Erscheinungsbild haben – das gilt auch für die Mitarbeiter – und eine kundenorientierte Arbeitsweise besitzen. Im Wesentlichen werden hiermit die im Leistungsversprechen gegenüber dem Kunden aufgeführten Punkte erfüllt.

Also: Wenn man die aufgeführten Vorteile für die Mitglieder, zum Beispiel durch Rahmenvereinbarungen und Sonderkonditionen, den Kosten für die Teilnahme gegenüberstellt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass sich der Aufwand rechnet.

WRP: Welche Zusatzleistungen bietet EFIT seinen Mitgliedern?

Söhnlein: Zum Beispiel bietet EFIT seinen Mitgliedern einen individuellen und professionellen Internetauftritt zu einmalig günstigen Konditionen an. Man muss sich einmal vor Augen halten, das 72 Prozent der Deutschen – Tendenz steigend – über einen Internet-Anschluss verfügen. Das 97 Prozent der Nutzer sich des Internets bedienen, um sich über Produkte und Dienstleister zu informieren. Das 87 Prozent der Nutzer im vergangenen Jahr in einem Online-Shop eingekauft haben. Das durchschnittlich 823.000 Mal im Monat im Internet nach dem Begriff „Reinigung“ gesucht und der Begriff „Textilreinigung“ in jedem Monat durchschnittlich 60.300 mal aufgerufen wird. Grund genug also, sich intensiv mit der Thema Internet zu beschäftigen. EFIT gibt hier nicht nur irgendwelche Empfehlungen, sondern handfeste Lösungen.

Als weitere Marketinginstrumente bietet EFIT beispielsweise Kundeninformationsflyer für den Verbraucher an. Dieser kommuniziert, dass die Textilreinigung ein komplexer Prozess ist, mit vielschichtigen, zum großen Teil nur manuell ausführbaren Arbeitsschritten – und gibt Tipps für die Pflege hochwertiger Bekleidung. Diesen sollten alle FashionCare-Betriebe ihren Kunden mitgeben – zum Einen, um sie darüber zu informieren, wie umfangreich ihre Dienstleistung ist, zum Anderen, um den Bekanntheitsgrad von FashionCare zu steigern.

Unsere Kundenkarte ist ein erwiesenermaßen erfolgreiches Kundengewinnungs- und -bindungsinstrument. Durch das FashionCare-Netzwerk besteht die Möglichkeit, dass der Kunde sie bundesweit einsetzen kann. Das System steht, die erforderlichen Voraussetzungen sind geschaffen. Durch Rahmenverträge mit entsprechenden Partnern kann eine Kundenkarte zu äußerst attraktiven Konditionen sofort eingesetzt werden.

Durch das aktive Mitwirken fortschrittlich denkender und aufgeschlossener Mitglieder konnten wir jetzt einen professionellen eShop im Internet aufbauen. Der Shop dient nicht nur zur zeitgemäßen Darstellung und Vermarktung der eigenen Leistungen vor Ort. Außerdem macht er die dringend erforderliche Plattform für die zentral­seitige Abwicklung des überregionalen Geschäftes möglich. Auch die schnelle und einfache Bestellung von Kundenkarten, Nutzung von Vorteilsleistungen für Mitarbeiter für große Unternehmen und vieles mehr wird erst durch so einen internetbasierten eShop realisiert.

WRP: Was bietet das FashionCare-System dem Endkunden?

Söhnlein: Zunächst differenziere ich nicht zwischen End- und Firmenkunde. Auch der Einkäufer eines großen Unternehmens ist letztendlich ein Endkunde. Fakt ist, dass für beide Absatzkanäle das Gleiche gilt: Orientierung und Sicherheit bei der Wahl des Lieferanten – und hier kommt dem Qualitätssiegel wieder die maßgebliche Bedeutung zu.

WRP: Stichwort: FashionCare-MarketingClub – was ist das, wer kann mitmachen?

Söhnlein: Wie für alle Aktivitäten gilt auch hier: Stärke und Leistungsfähigkeit durch Gemeinschaft oder auch Kooperation ist besser als Konfrontation. Der FashionCare-MarketingClub wurde ins Leben gerufen, weil erkannt wurde, dass die alten Wege und Vorgehensweisen nicht mehr ausreichen – schon gar nicht, um neue Konzepte und Angebote im Markt zu platzieren. Ich bin nach jeder Veranstaltung über die aktive Mitarbeit, Ideen und kreativen Ansätze von Mitgliedern begeistert. Spontan fallen mir hier das große Engagement von Herrn Hammer in Sachen Wissenstransfer für die bundesweite Kundenkarte „FashionCare-Card“, die Flat-Rate für die Reinigung von Friedrich Habermeyer und das „Rent-a-Hemd“ sowie die Aktivitäten über das internetbasierte Bieterportal von Martin Muth in München ein. Ganz besonders bemerkenswert finde ich die Einstellung, das Wissen und die Erfahrung mit den anderen Teilnehmern uneingeschränkt zu teilen. Das ist echter Gemeinschaftssinn, von dem auf lange Sicht alle profitieren werden.

WRP: Welche Visionen haben Sie für das FashionCare-System? Welche Ziele sollen erreicht werden?

Söhnlein: Fest steht, dass ein ­enormes Potential für dieses Konzept vorhanden ist. Es geht um neue Impulse und Ansätze, von denen eine ganze Branche profitieren kann. Mein persönliches Ziel ist es, FashionCare als Qualitätssymbol am Markt präsent zu machen und hier­über zusätzliche Nachfrage zu generieren. Was nicht bekannt ist, wird nicht nachgefragt werden. Wir müssen uns bewusst sein, dass es nicht genug ist zu wissen, dass wir gut sind. Die Leistungsfähigkeit müssen wir deutlich sichtbar nach außen darstellen. Des Weiteren möchte ich neue Mitglieder gewinnen, um Anfragen schnell und flexibel bedienen zu können. Langfristig baut sich dann eine über die Landesgrenzen hinaus funktionierende Organisation auf. Anfragen aus anderen Ländern liegen bereits vor. Da allerdings nur eine strukturierte Arbeitsweise Ziel führend ist, liegt derzeit die Priorität auf dem Ausbau eines möglichst engmaschigen und flächendeckenden Netzes in Deutschland.


Interview aus WRP 07-2011