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Teamdress Stein Deutschland

Wir sind ein verlässlicher Partner für den Textil-Service

Teamdress Stein Deutschland ist ein führender Anbieter der Berufs- und Arbeitskleidungsbranche. Um noch besser zu werden, hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren intensiv mit den Themen Liefertreue und Qualität beschäftigt und sich entsprechend ausgerichtet. „Heute können wir unsere Dienstleistungen für unsere Kunden verlässlich bieten“, sagt Sven Grage, Geschäftsführer bei Teamdress. „Bei den Lieferantenbewertungen sind wir heute der Topscorer.“

Sven Grage
Sven Grage ist seit 2009 Geschäftsführer bei Teamdress. Nach seiner Ausbildung der Energieelektronik bei der Deutschen Bahn studierte er Automatisierungstechnik in Flensburg. Im Jahr 1995 begann er seine Arbeit bei Teamdress mit der Leitung des vollautomatischen Hochregallagers. Er koordinierte den Umzug des Lagers von Hamburg nach Norderstedt und schließlich nach Polen. Hierfür führte er 2000 die ERP-Software Navision ein und verband so die gesamte Unternehmensgruppe EDV-technisch. Im Jahr 2004 übernahm Sven Grage die geschäftsführenden Aufgaben der Logistik und sorgte für den reibungslosen Ablauf der Materialflüsse.
In Polen besitzt Teamdress Stein Deutschland ein Logistikzentrum mit einer Fläche von 13.000 qm. In diesem Logistikzentrum lagern rund 400.000 fertige Artikel.
Wir bieten unseren Textilservice-Unternehmen an, dass unsere Design-Abteilung mit ihnen und ihren Kunden an der Entwicklung des persönlichen Designs arbeitet.
Wir haben auch PSA im Sortiment. Damit decken wir den hochwertigen Bereich ab. Zum Beispiel erfüllt unsere Störlichtbogen-PSA die Anforderungen der Klasse 2.
WRP: Wie war das letzte Geschäftsjahr für Teamdress? Sind Sie zufrieden?

Sven Grage: Das letzte Geschäftsjahr war für Teamdress insgesamt positiv. Wir haben zwar im Vergleich zum Vorjahr und zu den Jahren davor deutlich zugelegt. Aber Ende letzten Sommers mussten wir leider ein deutliches Einbrechen des Marktes feststellen.

WRP: Welche Gründe gab es für diesen Einbruch?

Grage: Ich denke, es hat einerseits wieder etwas mit der so genannten German Angst zu tun. Seit Jahrzehnten gilt Verzagtheit als typisch deutsche Eigenschaft. Und zum Ende letzten Sommers machte sich dieser allgemeine Pessimismus wieder breit. Das Unternehmen Teamdress Stein ist abhängig von Projektgeschäften. Ein solches Projekt kann zum Beispiel ein Textilservice-Unternehmen sein, das einen neuen Kunden gewonnen hat und dessen Träger neu eingekleidet werden müssen. Für uns bedeutet das immer einen großen Auftrag. Denn jeder Träger bekommt nicht nur eine Einfach-Ausstattung, sondern gleich mehrere. Aber diese Projekte wurden zum Ende letzten Sommers immer wieder geschoben, es wurden keine Entscheidungen mehr getroffen. Wir bekamen in dieser Zeit zwar viele Anfragen und schrieben auch Angebote, aber Abschlüsse wurden nur wenige gemacht.

Außerdem hinkt das Textilleasing-Geschäft immer hinter den gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen her. Tendenzen machen sich zeitverzögert rund ein bis eineinhalb Jahre später in dieser Branche bemerkbar. Auch das spielte sicherlich beim Einbruch im letzten Jahr eine Rolle. Wir haben gelernt, unser Geschäft ist keine Gerade, sondern mäandert ein bisschen über den Zeitstrahl hinweg. Aber grundsätzlich werden die Periodenabstände einfach kürzer. In der Vergangenheit konnte man in Fünf-Jahres-­Zyklen planen. Allein wenn man die letzten drei Jahre betrachtet, ist in dieser Zeit einmal insgesamt die Nachfrage nach Arbeits- und Berufskleidung komplett durch die Decke geschossen. Leider kam es damals bei unseren Vorlieferanten zu Rohwaren-Engpässen. Jetzt ist es so, dass unsere Vorlieferanten ihre Läger voll haben und über Überkapazitäten klagen, die Nachfrage sich wieder normalisiert hat.

WRP: Und wie sieht es heute bei Teamdress aus? Ist die Delle noch spürbar, wie läuft aktuell das Geschäft?

Grage: Man kommt aus der Delle heraus. Bereits im Frühjahr 2012 zog das Geschäft wieder deutlich an. Zur Zeit stellen wir wieder eine leicht nachlassende Tendenz fest. Dies ist aber mit dem traditionellen Sommerloch zu erklären. Wir werden 2012 ein vergleichbar gutes Umsatzergebnis wie im Vorjahr erreichen.

WRP: Teamdress entwickelt und produziert Arbeits-, Berufs- und Schutzkleidung sowie Berufsmode. Welche Kunden werden bedient?

Grage: Teamdress Stein Deutschland ist als Konfektionär seit Jahrzehnten ein kompetenter Partner für die Textilleasingbranche und die Wäschereien. Rund 90 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit diesen Kunden. Darüber hinaus arbeiten wir mit Unternehmen aus Industrie, Gewerbe, Dienstleistung, Handel, Gastronomie und Pflege zusammen. Wir entwickeln für sie Produkte, die von ihnen gekauft werden oder zum Teil auch ins Leasing gehen.

Aber unser Hauptgeschäft sind Textilservice-Unternehmen und Wäschereien. Für diese Zielgruppe und ihre Anforderungen entwickeln und produzieren wir unsere Berufs- und Arbeitskleidung. Es gibt bei Teamdress Stein keine unterschiedlichen Linien für unterschiedliche Kunden. Alles, was Teamdress Stein Deutschland produziert, ist komplett leasingfähig.

WRP: Wo wird die Berufskleidung produziert? Wie ist Teamdress Stein organisiert?

Grage: Teamdress Stein Deutschland ist Teil der Teamdress-Gruppe, zu der unter anderem die Firmen De Berkel und Drawa gehören. Teamdress Stein Deutschland ist in Hamburg beheimatet. Hier arbeiten heute 40 Mitarbeiter. In Hamburg sind die Designabteilung, die Produktentwicklung, die technische Arbeitsvorbereitung und der Vertrieb untergebracht.

In Polen, 150 Kilometer östlich von Stettin, besitzt Teamdress Stein Deutschland ein Logistik­zentrum mit einer Fläche von 13.000 Quadratmetern. Da lagern rund 400.000 fertige Artikel. Täglich fährt ein firmeneigener LKW von dort mit den Bestellungen nach Berlin. Die Ware wird bei einem Paketdienst aufgegeben, der dort sein Hauptverteilerzentrum betreibt. So können die Pakete, die wir im Laufe des Nachmittags bei dem Dienstleister aufgeben, komplett am nächsten Tag ausgeliefert werden. Wir können unsere Kunden mit Ware ab unserem polnischen Lager innerhalb von 24 Stunden versorgen.

In unserem Logistikzentrum halten wir auch unsere Gewebe vor. Im Zuge der Rohwaren-Knappheit vor einiger Zeit haben wir angefangen, diese Rohwaren nicht mehr just-in-time einzukaufen. Zwar hatten wir auch vorher einen Puffer für vier bis sechs Wochen, aber diesen haben wir deutlich ausgeweitet. Heute gibt es für manche Waren einen Rohwarenpuffer für drei bis vier Monate. Damit können wir sehr flexibel auf die Bedürfnisse des Leasingmarktes reagieren. Man wird als Konfektionär, als Lieferant schließlich immer an der einen Konfektionsgröße gemessen, die fehlt. Das Geschäft ist sehr sensibel.

WRP: Dass heißt, in dem polnischen Logistiklager wird alles gesammelt, was in den Produktionen von Teamdress hergestellt wird?

Grage: Richtig. Teamdress hat fünf Produktionsbetriebe in Moldawien und zwei in der Ukraine. Ein Betrieb in Moldawien ist ein Teamdress-eigener Betrieb, die anderen Standorte in diesem Land sind Joint Ventures mit Partnern. Auch in der Ukraine haben wir ein eigenes Werk. Der zweite Betrieb dort ist eine Partnerschaft mit einem anderen Unternehmen. Alle Betriebe werden jedoch von Teamdress gesteuert.

Mit den Produktionsbetrieben arbeiten wir seit vielen Jahren zusammen. Grundsätzlich sorgen wir dafür, dass alle Standorte von uns eine Mindestaus­lastung mit Aufträgen bekommen. Sie sind deshalb nicht auf andere Auftraggeber angewiesen. Wir arbeiten konstruktiv und fair mit ihnen zusammen. Wir bilden unsere Näherinnen aus und sie bekommen einen adäquaten Lohn, um sie langfristig an uns zu binden. Auf diese Weise können wir ein Qualitätsniveau gewährleisten, für das das Unternehmen Teamdress in der Branche steht.

Für unsere Standorte sind wir ein verlässlicher Partner, der auch neue Ideen für die Produktion liefert. Zum Beispiel haben wir in unserem Betrieb in Moldawien von der Linienfertigung auf Gruppenarbeit umgestellt. Der Betrieb läuft jetzt optimal. Zusammen mit unseren Partnern diskutieren wir jetzt, ob man dieses Konzept auch für die anderen Produk­tionsstandorte übernimmt.

Wir haben uns ganz bewusst für eine Teamdress-Produktion in Europa entschieden, um unter anderem die Qualität optimal kontrollieren zu können. Unsere Produktionsstandorte können wir innerhalb einer Tagesreise erreichen. Ständig sind Techniker vor Ort, die die Betriebe mit führen und die Qualitätssicherung betreiben. Das alles würde mit einer Produktion zum Beispiel in Asien nicht funktionieren.

Ines Bitow: Firmeneigene Produktionen haben eine Reihe vor Vorteilen: Sie sind einfacher zu kontrollieren und es gibt keine Abhängigkeiten von Dienstleistern. Alle Teamdress-Werke sind mit dem Standort Hamburg vernetzt. Mit dem System können die Werke zum Beispiel Zuschnittmeldungen direkt in die Fertigungsaufträge eintragen. Oder wir können per Tracking feststellen, wo sich ein Auftrag in der Produktion gerade befindet. In den Werken werden hochauflösende Kameras für Video-Konferenzen eingesetzt, um zum Beispiel bei Problemen schnell Hilfe leisten zu können. Teamdress Stein setzt auf kurze, schnelle Wege.

WRP: Sie haben erwähnt, dass Teamdress in einem Werk auf Gruppenarbeit umgestellt hat. Welche Vorteile hat dies gegenüber der Linienfertigung?

Bitow: Bei der Linienfertigung wandert das Teil Schritt für Schritt durch den Prozess. Es gibt aber Arbeitsschritte, die schnell erledigt werden können und andere, die mehr Aufwand erfordern. Entsprechend wenig kontinuierlich ist die Linienfertigung. Außerdem kann ein Auftrag, wenn er erst einmal in die Linienfertigung eingeschleust ist, nur schwer aus dem Prozess wieder herausgenommen werden. Bei der Gruppenfertigung kann eine Näherin unter anderem mehrere Arbeiten übernehmen. Und es können mehrere Mitarbeiterinnen parallel an aufwändigen Arbeitsgängen arbeiten. Das erhöht insgesamt die Durchlaufgeschwindigkeit bei dieser Produktionsweise. Es werden auch nicht mehr ganze Fertigungsaufträge mit 300 Teilen durch die Gruppe geführt, sondern diese in mehrere Lose aufgeteilt. Die kleinste Einheit sind 25 Teile – soviel wie eine einzelne Näherin bequem bewegen kann.

Außerdem ist die Gruppenarbeit sehr flexibel auch für kleinere Auftragseinheiten. Auch kleine Aufträge können schnell durch den Betrieb geführt werden. Lieferzeiten von 14 Tagen sind absolut realistisch. Diese so genannten Faxaufträge werden in den Ablauf eingesteuert, gehen am nächsten Tag in den Zuschnitt, danach schnellstens durch die verschiedenen Gruppen und kommen dann auf den Export-LKW, der die Teile in unser Logistikzentrum nach Polen fährt.

Unsere schnellen Lieferzeiten gelten sowohl für Ersteinkleidungen als auch für Nachlieferungen. Natürlich liefern wir Ersteinkleidungen nicht vom Lager. Einen Auftrag mit 3.000 Teilen zum Beispiel können wir trotzdem in vier bis maximal fünf Wochen liefern. Gerade haben wir einen Auftrag mit 5.500 Teilen innerhalb von sechs Wochen nach Auftragseingang fertig gestellt. In diesem Fall hatte der Auftraggeber das Gewebe bestimmt und beim Vorlieferanten geblockt. Unsere Standardgewebe liegen in großen Mengen auf Lager. Wenn das Gewebe nicht vorliegt, verlängert sich die Lieferzeit entsprechend.

Die Textilservice-Unternehmen bewerten einen Konfektionär natürlich an der Qualität, aber auch an der Liefertreue. Das ist absolut zu verstehen: Denn jeder Tag der vergeht, an dem er als Dienstleister ein geordertes Teil nicht an den Träger ausliefern kann, bekommt er auch nicht bezahlt. Deshalb haben wir uns in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Liefertreue beschäftigt und uns entsprechend ausgerichtet. Heute können wir diesen Service verlässlich bieten. Das macht sich in den Lieferantenbewertungen bemerkbar. Dort sind wir heute der Topscorer.

WRP: Ist es die Regel, dass ihr Kunde sein Wunschgewebe sozusagen gleich mitliefert?

Grage: Das kommt vor. Der Supply-Chain-Gedanke hat sich bei vielen Leasing-Unternehmen durchgesetzt. Ich begrüße diese Entwicklung. Unser Kunde betrachtet heute immer die ganze Lieferkette. Somit weiß er immer ganz genau, was auf ihn zukommt.

In der Vergangenheit kam es manchmal leider zu Situationen, dass Termine nicht gehalten werden konnten. Wenn ein Projekt terminiert wird, verschiedene Partner daran beteiligt sind und am Schluss noch Änderungen vorgenommen werden, dann geraten manchmal Zeitpläne durcheinander. Wenn außerdem Lieferprobleme beim Gewebehersteller auftreten, sind Termine ganz einfach nicht mehr zu halten. Auch wenn solche Probleme nicht unsere Schuld wären, schlüge dies trotzdem auf uns als Konfektionär und Partner des Textilleasing-Unternehmens zurück.

WRP: Und wie stellen sie heute sicher, dass so etwas nicht passiert?

Grage: Lieferzeiten müssen eingehalten werden, das hat absolute Priorität. Schließlich vereinbaren auch unsere Kunden Termine. Vielleicht will der Kunde des Textilservice-Unternehmens beispielsweise aus der Einkleidung einen Event machen. Wir wissen daher um die Bedeutung der Liefertreue und gehen Projekte deshalb heute anders an. Wir achten zum Beispiel darauf, dass wir die Rohware schon sehr früh bekommen. Außerdem versuchen wir den Wäscher von unserem Standardgewebe zu überzeugen. Das hat den Vorteil, dass diese Gewebe immer auf Lager sind und man entsprechend schnell darauf zugreifen kann.

Für die Ersatzteillieferungen ist unser großes Logistiklager sehr hilfreich. Und natürlich auch unsere schnelle interne Logistikkette. Eine Bestellung, die um 8 Uhr bei uns eintrifft, geht auf jeden Fall noch mittags raus.

WRP: Teamdress lagert also nicht nur große Mengen an Rohware ein, sondern hat in dem Lager in Polen auch ständig eine gewisse Bandbreite an Artikeln und Größen vorrätig?

Grage: Genau. Vor fünf Jahren haben wir damit angefangen, unser Logistiklager entsprechend aufzubauen. Heute werden dort, wie schon erwähnt, 400.000 Teile gelagert. Das garantiert eine schnelle Lieferung. In dem Lager sind Standardartikel und sogar Artikel untergebracht, die wir für Kunden exklusiv gemacht haben. Wenn ein Kunde schnell einen bestimmten Artikel aus dieser Exklusivkollektion benötigt, können wir auch das sehr kurzfristig realisieren. Die Mindestgröße für einen solchen so genannten Block­auftrag sind 80 Teile.

Bitow: Dieses Angebot ist natürlich für das Textilservice-Unternehmen nicht nur attraktiv, weil es schnelle Lieferzeiten garantiert, sondern auch, weil unser Kunde seinen teuren Lagerplatz minimieren kann, da er die Teile ja nicht vorhalten muss. Außerdem spart er Kosten, weil er für diese Teile nicht in Vorleistung geht. Viele Unternehmen nehmen diesen Service heute gerne in Anspruch. Natürlich liefern wir – ganz unabhängig von diesem System – grundsätzlich alle Artikel nach. Man kann auch nur ein einziges Teil nachbestellen, dann gelten aber Mindermengenzuschläge.

WRP: Wie wird die Qualität bei Teamdress gewährleistet?

Grage: Wie schon erwähnt, bilden wir unsere Näherinnen selbst aus. Das ist eine Grundvor­aussetzung, um eine adäquate Qualität liefern zu können. Die Qualitätskontrolle bei Teamdress fängt schon in den Gruppen an. Dort werden Stichproben genommen. Zuständig dafür sind Mitarbeiterinnen, die eine entsprechende Schulung zur Qualitätskontrolle bekommen haben. Wir konnten diese Fachkräfte aus unserer ehemaligen polnischen Produktion gewinnen. Unser aktuelles Logistiklager in Polen war nämlich bis vor zwölf Jahren unser Produktionsstandort. Als diese Produktion nach Moldawien wechselte, wurde ein Teil der damals in der Produktion beschäftigten Mitarbeiter für das Logistiklager und für die Muster- und Änderungsnäherei übernommen, andere wurden für die Qualitätskontrolle qualifiziert. Diese Spezialistinnen arbeiten drei Wochen in den Werken vor Ort und haben dann eine Woche frei.

Bitow: Die Damen kontrollieren direkt in der Linie oder in der Gruppe und am Ende noch einmal, wenn der Auftrag fertig gestellt ist und versendet werden soll. Im polnischen Logistikzentrum findet eine weitere Qualitätskontrolle im Wareneingang statt. Dort werden Stichproben gezogen. Insgesamt finden also drei Durchgänge statt. Dieses System garantiert eine stetig hohe Qualität der Teamdress-Produkte.

Grage: Wenn wir heute mit einem Leasing-Unternehmen einen Kunden ausstatten und dieser Kunde im nächsten Jahr einen Lehrling einstellt, dann soll dieser Lehrling in seiner neuen Berufskleidung genauso aussehen wie die anderen Mitarbeiter des Kunden. Dies kann man als Konfektionär nur leisten, wenn man eine vernünftige Beziehung zu seinen Vorlieferanten unterhält und sicher stellen kann, dass das neue Teil genauso gefertigt wird wie das im letzten Jahr.

Unsere Fokussierung auf die Anforderungen Qualität und Liefertreue haben uns in den letzten Jahren auf der Kundenseite viel Vertrauen wieder zurückgebracht. Als ich 2009 den Vertrieb und die Geschäftsführung bei Teamdress übernahm, haben wir angefangen, an mehreren Stellschrauben des Unternehmens zu arbeiten. Schon vorher war die Produktion an die Bedürfnisse des Marktes angepasst worden. Dass wir eine optimale Qualität liefern, setzen die Kunden voraus. In der Vergangenheit hatte man bei Teamdress aber versucht, auch andere Marktsegmente zu bedienen. Das Händlergeschäft wurde unter anderem intensiviert, man nahm verstärkt die Industriekunden in den Fokus. Nur wollten diese Neukunden häufig nicht unsere Standardware, sondern spezielle Lösungen. Die Folge war, dass es zu Lieferproblemen kam. Darunter hatten leider auch unsere traditionellen Kunden zu leiden. Aus heutiger Sicht wurde zwar viel Aufwand betrieben, aber der Ertrag war zu klein.

Im Jahr 2009 beschlossen wir deshalb, uns wieder auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren – nämlich die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Textilleasing-Dienstleistern und den Wäschereien. Heute wissen wir ganz genau, was das Unternehmen Teamdress leisten kann und was nicht möglich ist. Bewusst verzichten wir darum heute auf Umsätze. Und wir sehen, dass unsere Arbeit – unsere neuen Kollektionen – wieder am Markt anerkannt werden. Wir sind jetzt also wieder ein verlässlicher Partner für den Textil-Service.

WRP: Teamdress unterhält eine Design-Abteilung. Womit beschäftigt sich dieser Bereich aktuell?

Grage: Wir entwickeln momentan eine neue Kollektion für den Markt. Außerdem bieten wir den Textilservice-Unternehmen zum Beispiel an, dass wir zusammen mit ihnen und ihren Kunden an der Entwicklung des persönlichen Designs arbeiten. Viele der großen Textilservice-Unternehmen besitzen eigene Standard-Kollektionen, die sie ihren Kunden anbieten. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass der Textilservice-Kunde eine eigene Lösung favorisiert. Dann bieten wir über unsere Design-Abteilung den passenden Service dazu.

WRP: Ist es nicht so, dass jeder Kunde andere Ansprüche an seine Berufskleidung hat? Und dass deshalb eine Standard-Kollektion für viele Kunden gar nicht möglich ist?

Grage: Wir haben eine Reihe von Kunden, die mit unserer Standard-Kollektion vollkommen zufrieden sind. Wenn der Kunde vielleicht sein eigenes Logo auf der Kleidung haben möchte, ist das kein Problem. Bei großen Dienstleistern hat die Markenbildung eine wichtige Bedeutung. Sie definieren sich als Marke und dazu gehört natürlich auch eine eigene Kollektion.

WRP: Es gibt unterschiedliche Gewebe und eine Vielzahl von Vorschriften, die zum Beispiel für PSA gelten. Gibt Teamdress seinen Kunden in diesem Bereich Hilfestellung?

Grage: Natürlich bieten wir eine umfangreiche Beratung. Noch immer wird im Markt zum Beispiel das optimale Gewebe diskutiert: Ist Polyester-Baumwolle oder Baumwolle-Polyester besser? Wir bieten unseren Kunden für den Bereich Standard-Workwear unter anderem entsprechende Produktschulungen an, die sich auch mit dem Thema Gewebe beschäftigen: Angefangen vom Aufbau des Fadens, über die Frage, wie sich die einzelnen Gewebearten unterscheiden bis hin zu verschiedenen Gewebemischungen. Unsere Erfahrungen sind, dass bei diesen Themen noch oft Informationsbedarf bei unseren Kunden und auch bei den Textilservice-Kunden besteht.

Außerdem haben wir PSA im Sortiment. Damit decken wir den hochwertigen Bereich ab. Zum Beispiel erfüllt unsere PSA, die vor Störlichtbögen schützt, die Anforderungen der Klasse 2. Diese Artikel müssen dem Kunden des Textilservice-Unternehmens natürlich erklärt werden. Es gibt eine Vielzahl von Bestimmungen, Normen und Regelungen in diesem Bereich und nicht jeder Außendienstmitarbeiter der Textilleasing-Unternehmen verfügt über das entsprechende Wissen. Auch hier stehen wir unseren Kunden auf Wunsch gerne beratend zur Seite und bieten zum Beispiel Schulungen im Bereich PSA an. Unsere PSA-Spezialisten begleiten den Außendienstler des Textilleasing-Unternehmens auf Wunsch auch gerne, wenn er seinen Kunden besucht.

Der Bereich PSA ist ein schwieriges und unübersichtliches Feld. Heute werden zum Beispiel Multi-Normen-PSA-Anzüge angeboten, die eine Vielzahl von Anforderungen erfüllen sollen. Als Kunde muss man allerdings ganz genau hinschauen, ob sie diese Anforderungen auch immer in den höchsten Klassen erfüllen. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Träger der PSA überhaupt einen Multi-Normen-Anzug benötigt oder nicht doch eine PSA vollkommen ausreichend ist, die exakt sein Anforderungsprofil erfüllt.

WRP: Ist PSA ein Wachstumsmarkt?

Grage: Jeder spricht zwar darüber, aber ich habe nicht das Gefühl, dass PSA ein Wachstumsmarkt ist. Die Mitarbeiter in den Unternehmen, für die PSA notwendig ist, tragen sie schon heute. Wenn sie mit Maschinen arbeiten, haben sie auch schon vor zehn Jahren entsprechende Maschinenschutz-Kleidung getragen. Zwar gelten heute neue Anforderungen, trotzdem erhöht sich dadurch nicht die Anzahl der Träger. Und in Deutschland, das ist unser Markt, existiert nun mal schon ein hohes Niveau für Arbeitssicherheit. Wenn man das Thema PSA weltweit betrachtet, kann man aber sicherlich von einem Markt sprechen, der ein riesiges Wachstumspotential besitzt.

WRP: An welchen Produkten arbeitet Teamdress zur Zeit?

Grage: Letztes Jahr haben wir uns entschieden, etwas ganz Neues für den Leasingbereich zu entwickeln. Diese Kollektion hat den Namen Teamfresh. Wir haben sie nicht pauschal für eine Berufsgruppe konzipiert. Teamfresh ist eine Mischung zwischen einem Polo-Piqué und einem normalen Workwear-Gewebe. Es kann als normaler Kasack beispielsweise im Pflegebereich getragen werden. Teamfresh ist praktisch, weil die Taschen zum Beispiel Platz für Instrumente bieten, die die Pflegekraft für ihre Arbeit benötigt. Trotzdem hat Teamfresh dabei eine betont sportliche Note.

Grundsätzlich drängen immer mehr Einflüsse der Sportswear in die Berufskleidung. Und ich denke, dass der Druck im Textilleasingmarkt immer größer werden wird, solche Entwicklungen auch zu berücksichtigen.

Bitow: Einfach auch, weil die Träger immer mehr die sportlich-jugendliche Note favorisieren. Heute trägt zum Beispiel die Pflege­kraft im Altenheim nicht mehr ausschließlich nur den grünen oder weißen Kittel, sondern zum Beispiel ein Polo-Shirt, darüber eine Weste und dazu eine modische Hose. Heute ist eine Berufskleidung gefordert, die man vielleicht auch in der Freizeit tragen würde. Trotzdem muss diese Kleidung für das Textilleasing-Unternehmen einfach zu bearbeiten und zu handeln sein. Genau das ist unsere Herausforderung: Man muss als Konfektionär immer beide Anforderungen im Auge behalten. Unsere Aufgabe in den nächsten Jahren wird es sein, diese Gratwanderung zwischen den Bedürfnissen des Trägers und denen des Dienstleisters optimal zu bewältigen.

Grage: Teamfresh befindet sich zur Zeit noch in der Waschtest-Phase bei einigen Textilservice-Unternehmen. Waren sie am Anfang noch skeptisch, weil Teamfresh mit zwei verschiedenen Geweben ausgestattet ist, sind sie heute absolut überzeugt. Es gibt keine Probleme beim Schrumpf oder bei der Nahtkräuselung. Es ist ganz einfach zu bearbeiten.

WRP: Welche Vorteile hat ein Generalist wie Teamdress gegenüber einem Spezialisten, also einem Konfektionär, der nur in einer Branche beziehungsweise einem Markt tätig ist?

Grage: Wir sehen uns nicht als Generalisten. Unser großes Thema ist Workwear, also die Arbeits- beziehungsweise Berufskleidung. Für uns fängt dieser Bereich beim klassischen Blaumann an und hört mit der PSA auf. Für uns gehört der Service in der Gastronomie genauso dazu wie der Krankenhaus- und der Pflegebereich, bis hin zum Business-Outfit für Büro oder Hotel. All das definieren wir als Arbeits- und Berufskleidung und sehen uns deshalb als einen Spezialisten für diesen Bereich.

Die Bezeichnung Generalist stimmt aber insofern, dass wir unserem Kunden ein komplettes Angebot offerieren: Das fängt beim Kasack an und hört beim Business-Anzug auf. Unser Kunde wünscht sich die Lösung aus einer Hand. Zum Beispiel haben wir einen Kunden, der Alten- und Pflegeheime betreut. Seine Kunden haben wir komplett ausgestattet: Die Damen und Herren am Empfang tragen unsere Business-Anzüge, die Küche und das Pflegepersonal bis hin zu Reinigungskräften wurden mit entsprechender Berufskleidung versorgt.

Mit dem Betreiber dieser Alten- und Pflegeheime habe ich mich einmal darüber unterhalten, wie man heute ein Pflege­bett verkauft. Dabei gibt es ein paar Faktoren, die für die Entscheidung der Angehörigen von Bedeutung sind. Aber ein wesentlicher Faktor ist das Erscheinungsbild der Mitarbeiter. Ein einheitliches, professionelles und stimmiges Auftreten ist maßgeblich. Genau das ist es, was wir als Unternehmen Teamdress unseren Kunden liefern: Eine passgenaue Lösung für ihre verschiedenen Anforderungen aus einer Hand.

WRP: Welche Ziele hat Teamdress für die Zukunft?

Grage: Das Ziel im Jahr 2020 ist, eine große Fete zu veranstalten. Dann feiert das Unternehmen seinen 100. Geburtstag. Das dauert zwar noch eine Weile, aber bis dahin wollen wir den Weg konsequent weiter gehen, den wir in den letzten drei Jahren eingeschlagen haben. Unsere Besinnung auf unsere traditionellen Stärken und auf unser Kerngeschäft hat sich als tragfähig und erfolgreich erwiesen. Wir müssen nicht jedes Jahr riesige Umsatzzuwächse erreichen, aber wir wollen auch in Zukunft mit neuen und innovativen Produkten überzeugen. Unser primäres Ziel sind zufriedene Kunden.

Wir haben dafür optimale Voraus­setzungen. Das Unternehmen Teamdress ist nun 92 Jahre alt. Die Familie Stein hat das deutsche Bekleidungsleasing mit aufgebaut. Damit verfügen wir über einen riesigen Erfahrungsschatz und ein großes Know-how. Hinter dem Unternehmen Teamdress steht ein Gesellschafter, der weiß, wie das Geschäft funktioniert. Das ist wichtig, um das bestehende Geschäft zu verfestigen und auszubauen.

Ein wichtiges Thema in den nächsten Jahren ist die Nachfolgeregelung für das Unternehmen Teamdress. Daran arbeiten wir derzeit intensiv, und eine Lösung ist auch schon in Sicht.

Interview aus WRP 07-2012